{"id":2958,"date":"2018-01-05T15:20:23","date_gmt":"2018-01-05T13:20:23","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2958"},"modified":"2018-01-05T15:20:23","modified_gmt":"2018-01-05T13:20:23","slug":"f-a-von-hayek-k-popper-und-l-von-mises-die-feinde-der-gewerkschaften","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2958","title":{"rendered":"F.A. von Hayek, K. Popper und L. von Mises \u2013 die Feinde der Gewerkschaften"},"content":{"rendered":"<p><em>Gewerkschaftsforum Dortmund. <\/em>Im Jahr 1947 beschlossen einige M\u00e4nner auf dem Schweizer Berg Mont P\u00e8lerin, die Regeln f\u00fcr das weltweite Zusammenleben grundlegend zu \u00e4ndern. Zu der Gruppe geh\u00f6rten Friedrich August von Hayek, Frank Knight, Karl Popper,<!--more--> Ludwig von Mises, George Stigler und Milton Friedman.<\/p>\n<p>Sie gr\u00fcndeten die \u201eMont P\u00e8lerin Society (MPS)\u201c, eine Gruppe von Industriellen, Erben und Superreichen, die seitdem ein Netzwerk finanzierten, in dem sich Denkfabriken, Journalisten und Politiker zusammengeschlossen haben, um die wirtschaftspolitische Ideologie des Neoliberalismus durchzusetzen.<\/p>\n<p>Im Staat, in der Wirtschaft und vor allem in den K\u00f6pfen der Menschen sollte der Liberalismus als dominantes, wenn nicht sogar als absolutes Prinzip sozialer Organisation gelten. Damals nahm dies kaum jemand ernst, doch hat man es mit viel Macht und Geld im Hintergrund \u00fcber die Jahrzehnte geschafft, dieses absolute Prinzip zum weltweiten Einfluss verholfen zu haben und zum Mainstream zu machen. Zum gro\u00dfen Schaden der Allgemeinheit und vor allem der Gewerkschaften.<\/p>\n<p>In den 1940er Jahren war der Neoliberalismus noch unbedeutend, kaum jemand nahm ihn ernst. Die systematische Arbeit von Denkfabriken, Politikern und Journalisten im Gemisch mit Universit\u00e4ten und Konzernen hat in den vergangenen Jahrzehnten in vielen Bereichen Fr\u00fcchte gezeigt und zu einer Gesinnung gef\u00fchrt, die den Menschen als \u201eHomo oeconomicus\u201c, also als v\u00f6llig profitorientiertes Lebewesen sieht, das nichts anderes will, als den gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen wirtschaftlichen Eigennutz.<\/p>\n<p>Solidarit\u00e4t, Empathie Freundschaft, Liebe, f\u00fcreinander sorgen oder einstehen, all das sind Normen und Werte, die nicht mehr gefragt sind. Es hat sich das Menschenbild des Neoliberalismus etabliert, das ganz viel \u00fcber seine J\u00fcnger verr\u00e4t.<\/p>\n<p><strong>Was die Mont P\u00e8lerinianer nicht m\u00f6gen<\/strong><\/p>\n<p>Friedrich August von Hayek, sein Lehrer und F\u00f6rderer Ludwig von Mises und auch die anderen Mont P\u00e8lerinianer halten nichts davon, wenn<\/p>\n<ul>\n<li>die Ergebnisse des Marktes als Bestandteil der spontanen Ordnung korrigiert werden, m\u00f6gen diese f\u00fcr die Betroffenen auch noch so unertr\u00e4glich sein<\/li>\n<li>soziale Korrekturen empfohlen werden, die einen Grundschutz \u201cau\u00dferhalb des Marktes\u201d gew\u00e4hren sollen und der allen B\u00fcrgern ein Mindesteinkommen sichern w\u00fcrde<\/li>\n<li>die \u00f6konomisch und sozial Benachteiligten in einer parlamentarischen Demokratie die Regierung durch politischen Druck veranlassen k\u00f6nnten, Gesetze zu ihrem Schutz zu erlassen<\/li>\n<li>die Bezieher von Hunger- und Mindestl\u00f6hnen und geprellte Anleger eine Kontrolle von Finanzprodukten und der Banken fordern<\/li>\n<li>besorgte B\u00fcrger eine Abschaltung der Kernkraftwerke w\u00fcnschen<\/li>\n<li>es Mitgestaltungsm\u00f6glichkeiten von solchen Individuen oder Gruppen gibt, die nicht zur Wirtschaftselite geh\u00f6ren<\/li>\n<li>unlautere Sonderinteressen gegen den Markt und dessen Resultate geltend gemacht werden. Bei Sonderinteressen denken sie nicht an die Aktivit\u00e4ten der Wirtschaftslobby, sondern an die anma\u00dfenden Versuchen von Schutzorganisationen der Verbraucher, der Arbeitnehmer und der Umwelt, die schlauer sein wollen als der Markt<\/li>\n<li>einzelne Unternehmen oder Branchen bevorzugt werden (z.B. durch Steuerverg\u00fcnstigungen f\u00fcr einzelne Unternehmen oder Branchen) und nicht eine allgemeine Senkung der Unternehmenssteuern vorgenommen wird<\/li>\n<li>die Demokratie, die ihren B\u00fcrgern und deren Organisationen die Freiheit gibt, das Marktgeschehen durch politische Entscheidungen zu beeinflussen<\/li>\n<\/ul>\n<p>und vor allem halten sie nichts davon, wenn es starke Gewerkschaften gibt, die sich zu einer Gegenmacht zum Kapital entwickeln k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Der Versto\u00df in Deutschland<\/strong><\/p>\n<p>In der Bundesrepublik wurde diese Ideologie durch Otto Lambsdorff forciert, der 1982 mit verantwortlich f\u00fcr den Bruch der Rot-Gelben-Koalition unter Helmut Schmidt war. Lambsdorff versprach sich von der neuen Regierung Helmut Kohl, dass die neoliberalen Gedanken gepusht und in reale Politik umgesetzt w\u00fcrden. Doch Kohl z\u00f6gerte, da er wusste, dass die CDU in Verbindung mit der FDP auf den heftigen Widerstand der noch relativ starken Gewerkschaften sto\u00dfen w\u00fcrde, die im Kampf um die 35-Stunden-Woche siegreich waren. Au\u00dferdem gab es noch den Sozialismus als Rivalen und Systemkonkurrenten, der den Kapitalismus etwas einhegte.<\/p>\n<p>Die weitgehende Umsetzung der neoliberalen Ideologie konnte erst unter der Rot-Gr\u00fcne- Koalition erfolgen. Die Regierung unter Gerhard Schr\u00f6der begann endg\u00fcltig damit, mit Hilfe der Hartz-Gesetze und Einf\u00fchrung der Leiharbeit die Normalarbeitsverh\u00e4ltnisse anzugreifen und das Sozial- und Arbeitsrecht zu zerschlagen. Dabei gab es einen h\u00e4sslichen Deal.<\/p>\n<p>Der damalige Arbeits- und Sozialminister, Wolfgang Clement (damals noch SPD) machte f\u00fcr das neue Arbeitnehmer\u00fcberlassungsgesetz (A\u00dcG) zur ausdr\u00fccklichen Bedingung, dass der DGB per Tarifvertrag die in \u00a7 3 geregelten gleichen Besch\u00e4ftigungsbedingungen wie Arbeitszeit, Arbeitsentgelt und Urlaubsanspruch unterl\u00e4uft. Der damalige Bundesvorsitzende des DGB, Michael Sommer, stimmte dieser \u201cstillen Vereinbarung\u201d in aller Stille, auch gegen\u00fcber den Millionen von Gewerkschaftsmitgliedern, zu. Darunter haben die fast eine Million Leiharbeiter noch heute zu leiden, sie sind finanziell schlechter gestellt und faktisch rechtlos.<\/p>\n<p>Und Wolfgang Clement? Der ist heute Vorsitzender des Kuratoriums der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), die man als Zweigstelle der Mont P\u00e8lerin Society (MPS) in Deutschland bezeichnen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong>Bisherige Folgen f\u00fcr die Gewerkschaften<\/strong><\/p>\n<p>Die zunehmende atypische Besch\u00e4ftigung, die sich durch niedrige L\u00f6hne, schlechte Arbeitsbedingungen und keine oder geringe soziale Absicherung auszeichnet, hat die Gewerkschaften ins Mark getroffen. Das war auch die Absicht von den Mont P\u00e8lerinianern bei ihrem Kreuzzug.<\/p>\n<p>Dabei war f\u00fcr sie ganz wichtig, dass die Regierungen nicht in das Spiel des Marktes eingreifen, sondern dass die Regierung verhindern soll, dass dies auch andere tun, wie z.B. die Gewerkschaften.<\/p>\n<p>Was sich in Deutschland entwickelte, war in den USA bereits von dem Pr\u00e4sidenten Ronald Reagan und in Gro\u00dfbritanien durch Margret Thatcher 20 Jahre fr\u00fcher umgesetzt worden, mit der Folge, dass die Zahl der gewerkschaftlich organisierten abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten, vor allem im Privatsektor, \u00a0kontinuierlich gesunken ist. Durch die ver\u00e4nderten Rahmenbedingungen k\u00f6nnen die Unternehmer dort zu vielen legalen Mitteln greifen, um die Organisation der Gewerkschaften zu schw\u00e4chen. Sie k\u00f6nnen aber auch zu illegalen Mitteln greifen, denn wenn sie erwischt werden sollten, werden sie nur mit geringen Strafen \u00fcberzogen.<\/p>\n<p>Auch wird es hier wie dort, immer schwerer, sich gewerkschaftlich zu organisieren und sich mit Arbeitskampfma\u00dfnahmen zu wehren.<\/p>\n<p>In den USA k\u00f6nnen derzeit nur 27 Prozent der erwerbslosen Menschen mit einer finanziellen Unterst\u00fctzung rechnen. F\u00fcr die Unternehmen ist es dann leicht, die Gewerkschaften zu bestrafen und die Besch\u00e4ftigten, die sich organisieren wollen, zu bedrohen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Gewerkschafter in Deutschland ist es noch unvorstellbar, dass in den USA bei dem gr\u00f6\u00dften Unternehmen des privaten Sektors, der Warenhauskette Walmart mit ihren 1.400.000 Besch\u00e4ftigten, keiner von ihnen gewerkschaftlich organisiert ist. Walmart kann jegliche Versuche der gewerkschaftlichen Organisierung brutal zerschlagen, weil jeder abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigte permanent von Entlassung bedroht ist.<\/p>\n<p>Mit der Sicherheit der Besch\u00e4ftigten im \u00f6ffentlichen Sektor wurde schon unter Ronald Reagan Schluss gemacht und bietet f\u00fcr die Entlassenen des privaten Sektors keine Besch\u00e4ftigungsalternative. Als 1981 gleichzeitig 13.000 Fluglotsen streikten, wurden alle 13.000 gleichzeitig entlassen. In der Folge dieses Gewaltaktes ging die Zahl der Streiks in den USA um zwei Drittel zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Wie sich zeigt, hat die systematische Arbeit von Denkfabriken, Politikern und Journalisten, im\u00a0Verbund mit Universit\u00e4ten und Konzernen in den vergangenen Jahrzehnten in vielen Bereichen Fr\u00fcchte getragen, so wie\u00a0Friedrich August von Hayek und sein Lehrer und F\u00f6rderer Ludwig von Mises\u00a0es sich ertr\u00e4umt haben.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Armut, Ausgrenzung und Unsicherheit zunehmen, wird es gleichzeitig immer schwieriger, etwas gegen den Sozialabbau und der Deregulierung\u00a0zu tun und\u00a0mit Hilfe der gewerkschaftlichen Organisationen den Neoliberalismus einzufangen.<\/p>\n<p><em>Quelle:\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.scharf-links.de\/48.0.html?&amp;tx_ttnews%5btt_news%5d=63546&amp;tx_ttnews%5bbackPid%5d=56&amp;cHash=ce3412eed0\">scharf-links.de&#8230;<\/a> vom 5. Januar 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gewerkschaftsforum Dortmund. Im Jahr 1947 beschlossen einige M\u00e4nner auf dem Schweizer Berg Mont P\u00e8lerin, die Regeln f\u00fcr das weltweite Zusammenleben grundlegend zu \u00e4ndern. 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