{"id":2971,"date":"2018-01-11T12:51:08","date_gmt":"2018-01-11T10:51:08","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2971"},"modified":"2018-01-19T17:19:39","modified_gmt":"2018-01-19T15:19:39","slug":"kapital-und-die-herrschaft-ueber-die-arbeiterklasse-im-neoliberalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2971","title":{"rendered":"Kapital und die Herrschaft \u00fcber die Arbeiterklasse im Neoliberalismus"},"content":{"rendered":"<p><strong>Was bedeutet der scheinbar unaufhaltsamen Vormarsch der Rechte des Privateigentums und der Marktregulierung seit den 1970er Jahren, des <a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=2958\">Programmes des Neoliberalismus <\/a>, f\u00fcr die Arbeits- und Lebensverh\u00e4ltnisse der Arbeiterklasse wirklich? Eines<!--more--> steht fest, da es augenf\u00e4llig ist: Die Arbeitsrhythmen beschleunigen sich unaufh\u00f6rlich, die Lebensverh\u00e4ltnisse werden immer gebieterischer dem Kommando der Klasse der Anleger und Unternehmer untergeordnet, die Klasse der Lohnabh\u00e4ngigen wird von einem drohenden Pilz der Prekarisierung von den unteren R\u00e4ndern her \u00fcberzogen. In den wachsenden Ausbuchtungen der Armut gerade auch in den imperialistischen Zentren besch\u00e4ftigen sich die Entrechteten h\u00e4ufig mit einem Krieg gegeneinander, die staatlichen Repressionsorgane erscheinen dann den noch bange ausserhalb des Strudels der Verelendung stehenden \u00abMittelschichten\u00bb als zivilisatorische Kraft. Der neoliberale Kapitalismus funktioniert als Ausgrenzungsmaschine \u2013 und die Produktion von Randst\u00e4ndigkeit z\u00e4hlt zu seinen Funktionsmomenten. \u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Diese Schilderung mag aus der verw\u00f6hnten helvetischen Perspektive etwas gar \u00fcbertrieben erscheinen. Dies liegt einerseits daran, dass diese Verelendungsprozesse hierzulande nicht so massiv und sichtbar voranschreiten, da hier viel h\u00f6here \u00abimperialistische\u00bb Tantiemen an eine Arbeiteraristokratie, genannt Mittelschichten, abfallen als etwa in den USA, Frankreich, England, Italien, Belgien oder dann in der Peripherie wie z.B. in Russland, Brasilien, Venezuela: Die Schweiz hat die bei weitem h\u00f6chste Dichte an multinationalen Konzernzentralen, was schon mal eine materielle und ideelle Grundlage f\u00fcr eine vorl\u00e4ufig relativ breite und vorderhand stabile obere Mittelschicht erm\u00f6glicht, die sich weiterhin von den Grenzen des Abgrundes fernhalten kann. Aber auch in der Schweiz fanden \u00fcber die vergangenen drei bis vier Jahrzehnte Gegenreformen statt, die sich windschnittig dem neoliberalen Programm einf\u00fcgen: Voranschreiten einer Privatisierung der Altersvorsorge und des Service Public, steuerliche Privilegierung der hohen Verm\u00f6gen und der Unternehmer, Verst\u00e4rkung des Patentschutzes, Abbau der solidarischen Strukturen beispielsweise in den Krankenversicherungen und den Sozialversicherungen, marktkonformer Umbau des Bildungswesens; in der Arbeitswelt hat sich eine Flexibilisierung durchgesetzt wie anderswo und die realen Einkommen der Lohnabh\u00e4ngigen stagnieren seit bald dreissig Jahren, w\u00e4hrend die Profite steigen (sinkende Lohnquote).<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00bbEs herrscht Klassenkampf, und meine Klasse gewinnt.\u00ab wie Warren Buffet, der US-amerikanische Finanzkapitalist mit einem Verm\u00f6gen von \u00fcber 50 Milliarden Dollar 2009 gesagt hat. Typischerweise stammt diese Feststellung, dass es Klassen und Klassenkampf gibt von einem Kapitalisten, w\u00e4hrend dieser mehr denn je notwendige Begriff zum Verst\u00e4ndnis der Wirklichkeit selbst aus den \u00ablinken\u00bb Milieus verschwunden ist &#8211; ausser in einigen kleinen politischen radikalen Gruppierungen, die ihre Strategie an der Arbeiterklasse, an deren Realit\u00e4t und an deren k\u00e4mpferischen Sektoren auszurichten versuchen. Die Sozialdemokratie, ja alle reformistischen Formationen, die sich auf die Teilhabe an staatlicher Macht orientieren, wie beispielsweise Syriza in Griechenland, Podemos in Spanien und viele andere, orientieren sich explizit nicht am Konzept des Klassenkonfliktes. Sie sind selbst ein wichtiges Funktionselement bei der Umsetzung dieser Gegenreformen und deren Vermittlung weit in die Arbeiterklasse hinein. Diese wird dadurch, gerade in ihren R\u00e4ndern, politisch sprachlos gemacht.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wir bringen hier einen Auszug aus einem neuen Buch von Werner Seppmann: Kapital und Arbeit, Neoliberalismus, Prekarisierung und Herrschaft aus dem Mangroven Verlag Kassel 2017 und daraus das Kapitel Strategien der Verunsicherung. Die Fussnoten wurden weggelassen. [Redaktion maulwuerfe.ch]<\/strong><\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;-<\/p>\n<p>Die massenmediale Kanalisierung der \u00bbUnterschichtendebatte\u00ab im Herbst 2006 war eine propagandistische Meisterleistung. Das nicht mehr zu ignorierende Thema der sozialen Ausgrenzung und einer zunehmenden Verarmungstendenz wurde so strukturiert, dass die Aufmerksamkeit sich auf Teilprobleme konzentrierte und dabei die ganze Dramatik der gesellschaftlichen Widerspruchsentwicklung aus dem Blick geriet. Entbrannt war die kurze, jedoch intensive Diskussion \u00fcber die Menschen in den gesellschaftlichen Randzonen aufgrund von (Teil-)Ergebnissen einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung \u00fcber die soziale und politische Selbsteinsch\u00e4tzung der bundesrepublikanischen Bev\u00f6lkerung. (Neugebauer 2007)<\/p>\n<p>Berichtet wird in der Studie \u00fcber die lebensgeschichtliche Situation einer sozialen Gruppe, die als \u00bbAbgeh\u00e4ngtes Prekariat\u00ab bezeichnet wird. Der Umfang dieses Gesellschaftssegments liegt im Westen bei 4\u20135 und im Osten Deutschlands bei 20\u201325 Prozent. Es handelt sich bei dieser Gruppe im Kern um Langzeitarbeitslose und Hartz-IV-Empf\u00e4nger, denen es allesamt nicht nur materiell schlecht geht, sondern die auch jede Hoffnung auf eine Verbesserung ihrer Lebenssituation aufgegeben haben. Die Intensit\u00e4t der Reaktionen auf diese gesellschaftliche Zustandsbeschreibung war \u00fcberraschend. Denn eigentlich h\u00e4tte es nach der langj\u00e4hrigen Arbeitsplatz- und Sozialabbau-Offensive keine Illusionen \u00fcber den Umfang der sozialdestruktiven Entwicklungen (einschlie\u00dflich ihrer subproletarischen Verfestigungstendenzen) mehr geben d\u00fcrfen: Der eklatanten Reichtumsvermehrung an der gesellschaftlichen Spitze steht die Ausbreitung von \u00bbArmutskulturen\u00ab und die Vergr\u00f6\u00dferung des Blocks der in das soziale Aus Gesto\u00dfenen gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend schon seit l\u00e4ngerem eine kritische Besch\u00e4ftigung mit der dramatischen Verschlechterung der Lebensverh\u00e4ltnisse f\u00fcr die Menschen in den unteren Gesellschaftsetagen existiert, ist die Frage nach der vergr\u00f6\u00dferten Gestaltungsmacht der kapitalistischen Eliten und ihren Aktivit\u00e4ten zur verwertungsorientierten Umgestaltung der gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse weit gehend noch ein wissenschaftliches Desiderat. Hier wirkt immer noch die Tabuisierung der Besch\u00e4ftigung mit den gesellschaftlichen Strukturierungsprinzipien durch eine akademische Soziologie der Bundesrepublik nach, die systematisch ebenso die Fragen nach den sozio-\u00f6konomischen Bedingungen der individuellen Lebensbew\u00e4ltigung, wie nach den konkreten Machtvermittlungen verhindert hat. So disparate \u00bbAns\u00e4tze\u00ab wie Systemfunktionalismus und Individualisierungstheorie reichen sich darin die Hand. Nachdem die Krisentendenzen nicht mehr ignoriert werden k\u00f6nnen, macht sich zwar ein \u00bbnachholender\u00ab Realit\u00e4tssinn bemerkbar, der sich jedoch nach wie vor der Besch\u00e4ftigung mit den strukturellen Determinanten antagonistischer Gesellschaftsentwicklung verweigert. Die Ignoranz gewichtiger Teile der akademischen Sozialwissenschaften wird zu einer objektiven Erkenntnisschranke hypostasiert. Denn wenn die Debatten \u00fcber die Prekarisierungs- und Exklusionsprozesse \u00bbnicht immer auf dem Fundament empirischer sozialwissenschaftlicher Analyse\u00ab gef\u00fchrt werden (B\u00f6hnke 2006, S. 90), stellt sich die naheliegende Frage, ob der institutionalisierte Wahrnehmungsraster \u00fcberhaupt daraufhin angelegt ist, die gesellschaftlichen Widerspruchstendenzen hinreichend zu erfassen. Dass dies in der Regel nicht der Fall ist, hat mit der Privilegierung von Forschungsprojekten zu tun, die sich der Thematisierung klassengesellschaftlicher Strukturprinzipien und ihren Auswirkungen auf die Lebensverh\u00e4ltnisse der Lohnabh\u00e4ngigen systematisch verweigern.<\/p>\n<p>Was mittlerweile an Widerspruchsmomenten offensichtlich geworden ist, hat schon eine l\u00e4ngere Geschichte: Wie schon erw\u00e4hnt, hatte bereits vor zwei Jahrzehnten Karl Heinz Roth auf einen gesellschaftspolitischen Paradigmenwechsel hingewiesen und eine Reproletarisierungstendenz diagnostiziert. (K. H. Roth 1994) Deren langfristige Konsequenzen waren damals von vielen angezweifelt wurden; sie ist mittlerweile jedoch realit\u00e4tspr\u00e4gend geworden. Die Analyse dieser sozialen Regressionsprozesse nahmen auch einen zentralen Platz in den Ver\u00f6ffentlichungen des Projekts Klassenanalyse@BRD ein. (Projekt Klassenanalyse@BRD 2004. Vgl. auch: Seppmann 2004) Auch die Vertreter der akademischen Sozialwissenschaften in der Bundesrepublik k\u00f6nnen angesichts ihres eklatanten Charakters die Augen vor der gesellschaftlichen Widerspruchsentwicklung nicht mehr l\u00e4nger verschlie\u00dfen. Jedoch mangelt es an der Bereitschaft sich vor allem mit den psycho-sozialen Destruktionstendenzen und ihren sozialstrukturellen \u00bbTiefendimensionen\u00ab, also ihrem Klassencharakter vorbehaltlos zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Jenseits der Grenzen sieht die Sache oft anders aus. International hat die Besch\u00e4ftigung mit den antizivilisatorischen Konsequenzen eines neoliberal formatierten Kapitalismus wichtige Stichworte geliefert \u2013 jedoch ebenfalls die klassenstrukturellen Dimensionen weitgehend ignoriert. Dadurch bleibt jedoch das Problemverst\u00e4ndnis beschr\u00e4nkt: \u00dcber die Unterklasse kann mit aufkl\u00e4rendem Effekt nur geredet werden, wenn auch die \u00bbOberklasse\u00ab, also die Profiteure der ausbeutungsorientierten Umgestaltung der Sozialverh\u00e4ltnisse, immer mit im Blick behalten werden. Ohne die klassengesellschaftlichen Vermittlungen in ihrem ganzen Umfang zu ber\u00fccksichtigen, hat besonders die franz\u00f6sische Diskussion, deren anf\u00e4nglich wichtigsten Beitr\u00e4ge von Robert Castel stammen, wesentliche Anregungen zum Verst\u00e4ndnis der Prekarisierungsproblematik geliefert. (Castel 2000) Es wird von den \u00bbAbgekoppelten\u00ab gesprochen, die nicht nur von regul\u00e4rer Erwerbsarbeit ausgeschlossen sind, sondern auch keine Chance der Wiedereingliederung mehr sehen. Gemeint ist damit jener Teil der Ausgegrenzten (die Langzeitarbeitslosen und ein neuer Typus von \u00bbGelegenheitsarbeitern\u00ab), denen eine berufliche Integration nicht mehr gelingen will. Dieser Ausschluss aus der Arbeitswelt erschwert (oder verhindert sogar) eine positiv strukturierte Identit\u00e4tsbildung. Die von den Ausgrenzungsprozessen Betroffenen werden von dem Gef\u00fchl gepr\u00e4gt, keinen anerkannten gesellschaftlichen Platz (mehr) zu besitzen. Diese Menschen haben sich aufgegeben, weil ihre Hoffnungen auf eine feste und zukunftssichere Erwerbst\u00e4tigkeit immer wieder entt\u00e4uscht wurden.<\/p>\n<p>Aus der bedr\u00fcckenden Lebenssituation der Krisenopfer resultiert ein ganzer Komplex mentaler und psychischer Belastungen, die soziale R\u00fcckzugstendenzen stimulieren: Allm\u00e4hlich stirbt bei den Ausgegrenzten und Marginalisierten das Interesse an der Welt jenseits ihres unmittelbaren Lebensraumes ab. Das soziale Umfeld wird als feindlich und anma\u00dfend erlebt. Die Ausgeschlossenen ziehen sich zur\u00fcck und werden apathisch, weil eine planende und gestaltende Einflussnahme auf die eigenen Lebensbedingungen jenseits ihres Vorstellungshorizontes am Ende ihres Weges der sozialen Ausgrenzung und systematischen Dem\u00fctigung liegt: \u00bbDesintegrationstendenzen gehen mit wachsender Orientierungslosigkeit einher.\u00ab (Heitmeyer 2006b)<\/p>\n<p>M\u00f6glich ist eine solche selbstunterdr\u00fcckende Verarbeitungsweise der Ausgrenzungserfahrungen, weil im Rahmen der herrschenden psycho-sozialen Verarbeitungsmuster der gesellschaftlich erzeugte Widerspruch \u00bbindividualisiert\u00ab wird. Da es ihnen verwehrt bleibt, verinnerlichte Leistungs- und \u00bbNormalit\u00e4ts\u00ab-Normen lebenspraktisch einzul\u00f6sen, f\u00fchlen sich die Krisenopfer f\u00fcr ihre Ausgrenzung selbst verantwortlich; viele ziehen sich \u00bbschuldbewusst\u00ab zur\u00fcck und f\u00fchren eine m\u00f6glichst \u00bbunauff\u00e4llige\u00ab Existenz am Rande der Gesellschaft. Durch diese Reaktionsweisen wird das kapitalistische Gesellschaftssystem politisch entlastet, hat sich die Legitimationsproblematik geradezu umgekehrt. Unmittelbar steht nicht mehr der herrschende Block f\u00fcr die sozialdestruktiven Konsequenzen seiner \u00f6konomischen Handlungsstrategien unter Rechtfertigungszwang, sondern die Opfer, die ihr \u00bbVersagen\u00ab mit selbstunterdr\u00fcckenden Konsequenzen verarbeiten und vor sich selbst und ihrem sozialen Umfeld \u00bbrechtfertigen\u00ab m\u00fcssen: Die Ausgrenzung setzt eine Spirale der Selbststigmatisierung in Gang. Dieser Verarbeitungsmodus stellt eine Barriere f\u00fcr die Entstehung eines profilierten \u00bbUngerechtigkeitsbewusstseins\u00ab (B. Moore) in einer Form dar, die Basis eines aufbegehrenden Handelns bilden k\u00f6nnte. Die Bedrohung der eigenen Lebensanspr\u00fcche wird zwar zu der erlittenen Fremdbestimmung und einer diffusen Vorstellung vom \u00bbKapital\u00ab als pr\u00e4gendem Gestaltungsprinzip in Beziehung gesetzt, jedoch ist damit eine alternative Sichtweise (noch) nicht verbunden. Die gesellschaftlichen Strukturprinzipien, die der eigenen Ausgrenzung zugrunde liegen, werden nicht automatisch in Frage gestellt.<\/p>\n<p>Um 1930 schrieb ein noch unzweideutig marxistischer Horkheimer in seinem Aufsatz \u00bbDie Ohnmacht der deutschen Arbeiterklasse\u00ab mit hohem Erkl\u00e4rungswert f\u00fcr die aktuelle Situation: Es \u00bbruht der eigentliche Druck des Elends immer eindeutiger auf einer sozialen Schicht, deren Mitglieder von der Gesellschaft zu v\u00f6lliger Hoffnungslosigkeit verdammt sind. Arbeit und Elend treten auseinander, sie werden auf verschiedene Tr\u00e4ger verteilt. Dies hei\u00dft nicht etwa, es gehe den Arbeitenden gut, &#8230; aber der Typus des t\u00e4tigen Arbeiters ist nicht mehr kennzeichnend f\u00fcr die, welche am dringendsten einer \u00c4nderung bed\u00fcrfen &#8230; Diese unmittelbar und am dringendsten an der Revolution interessierten Arbeitslosen besitzen aber nicht wie das Proletariat der Vorkriegszeit die Bildungsf\u00e4higkeit und Organisierbarkeit, das Klassenbewusstsein und die Zuverl\u00e4ssigkeit der in der Regel doch in den kapitalistischen Betrieb eingegliederten. Diese Masse ist schwankend, organisatorisch ist mit ihr wenig anzufangen &#8230; Der kapitalistische Produktionsprozess hat es also mit sich gebracht, das Interesse am Sozialismus und die zu seiner Durchf\u00fchrung notwendigen menschlichen Eigenschaften zu trennen.\u00ab Bemerkenswert an dieser Zustandsbeschreibung ist ihre Entstehungszeit, in der eine Kommunistische Partei Masseneinfluss hatte und ein un\u00fcbersehbarer politischer Faktor war, es ihr aber dennoch nicht gelang, die \u00bbPrekarisierten\u00ab, also die Arbeits- und Hoffnungslosen in nennenswertem Umfang in die Prozesse politischen Widerstands zu integrieren. (Vgl.: Bloch 1973)<\/p>\n<p>\u00dcberzeugende organisatorische Antworten auf den fast automatischen sozialen und politischen (Selbst-)Ausschluss der Krisenopfer scheint bis heute keine der Arbeiterorganisationen in den kapitalistischen Industriel\u00e4ndern gefunden zu haben. Was sich mittlerweile jedoch herauskristallisiert, ist eine gro\u00dfe \u00bbErn\u00fcchterung\u00ab: Von ihren eigenen Aktivit\u00e4ten erwarten die Opfer der ausbeutungszentrierten gesellschaftlichen Umgestaltungsprozesse ebenso wenig positive Impulse f\u00fcr ihre Lebenssituation, wie von der \u00bbgro\u00dfen Politik\u00ab. Deshalb verweigern sie sich mehrheitlich sozialen Protestbewegungen, wie auch den Wahlprozeduren. Die Krisenopfer k\u00fcndigen \u00bbzumindest teilweise ihre Loyalit\u00e4t mit dem politischen System auf.\u00ab (Mansel\/Endrikat\/H\u00fcpping 2006, S. 43) Eine weitere Konsequenz der sozialen und psychischen Ausnahmesituation sind zivilisatorische R\u00fcckbildungstendenzen (vom Analphabetismus und selbstdestruktiven Gewaltformen bis zur sozialen Verwahrlosung), die von denjenigen die beispielsweise Hartz-IV-Empf\u00e4ngern die Befreiung von Schulbuchkosten verweigern (was in einigen Bundesl\u00e4ndern geschieht) billigend in Kauf genommen werden. Auch das BRD-Schulsystem ist in seinen gr\u00f6\u00dften Teilen nicht geeignet, diese Tendenz zu kompensieren. Im Gegenteil: Die soziale Spaltung wird durch ebenso offene, wie versteckte Selektionspraktiken verst\u00e4rkt, \u00bbdie materielle, kulturelle und soziale Trennungen reproduzieren.\u00ab (Kirchenamt der EKD 2006, S. 12) Schon in der Grundschule zeichnet sich ab, wer zu den zuk\u00fcnftigen Gewinnern und Verlieren geh\u00f6ren wird. 83 Prozent aller Akademiker-Kinder absolvieren ein Hochschulstudium, jedoch nur 23 Prozent der Kinder von Nicht-Akademikern. Wie sehr sich die Selektion verst\u00e4rkt hat, wird durch den historischen Vergleich der sozialen Herkunft der Studierenden in Deutschland deutlich. Entstammten 1982 noch 23 Prozent der Studierenden aus (wie es in einer Studie des Deutschen Studentenwerkes hei\u00dft) \u00bbniedrigen\u00ab Sozialschichten, waren es 2006 nur noch 13 Prozent. Der Anteil der Studierenden aus den gesellschaftlichen Spitzenetagen hat sich in diesem Zeitraum fast verdoppelt: Entstammten 1982 17 Prozent aus \u00bbhohen\u00ab Soziallagen, waren es 2006 38 Prozent. Selbst wenn der Anteil der Studierenden aus \u00bbniedrigen\u00ab und \u00bbmittleren\u00ab Soziallagen zusammengefasst wird, ist eine Tendenz zur systematischen Benachteiligung unterer Gesellschaftsschichten bis in die Bereiche eines ehemals bescheidenen \u00bbMittelstandes\u00ab offensichtlich. Stellten die in der DSW-Studie sogenannten \u00bbniedrigen\u00ab und \u00bbmittleren\u00ab Schichten 1982 zusammen noch einen Anteil von 57 Prozent, so ist dieser bis 2006 auf 38 Prozent zusammengeschmolzen. (Vgl.: Der Spiegel, Nr. 26, 2007, S. 17)<\/p>\n<p>III. Die Lage in den gesellschaftlichen Untergeschossen w\u00e4re jedoch nicht so dramatisch, wenn sie nicht in einem umfassenden Prozess sozialer Verwerfungen und R\u00fcckstufungen eingebettet w\u00e4re. Nicht nur die Ungleichheit hat zugenommen, auch die soziale Unsicherheit hat sich verallgemeinert. Zunehmende objektive Unsicherheit provoziert subjektive Unsicherheitsgef\u00fchle: Angst vor dem Arbeitsplatzverlust und dem sozialen Absturz ist f\u00fcr die meisten (auch qualifizierten) Lohnabh\u00e4ngigen zu einer pr\u00e4genden Sozialerfahrung geworden. Wie breit die Gef\u00e4hrdungszonen sind und wie \u00bbnormal\u00ab f\u00fcr die Menschen in den gesellschaftlichen Basisbereichen das Leben in der N\u00e4he des Existenzminimums und die Verarmungserfahrung ist, wird durch die Tatsache deutlich, dass 2005 das Einkommen jedes achten Bundesb\u00fcrgers unter der vom Statischen Bundesamt errechneten Armutsgrenze von 856 Euro f\u00fcr Alleinstehende und 1.798 Euro f\u00fcr eine Familie mit zwei Kindern lag. Diese Situation ist nicht nur Ausdruck einer tempor\u00e4ren Dramatik, sondern einer kontinuierlichen Einkommensdiskriminierung f\u00fcr fast alle Lohnabh\u00e4ngigen, die teilweise dramatische Formen angenommen hat: \u00bbDie L\u00f6hne in den unteren Einkommensgruppen verfallen. Aus Vollzeitberufen werden Teilzeitstellen, aus befristeten Anstellungen werden Minijobs. Stammbelegschaften werden mehr und mehr durch Aushilfskr\u00e4fte der Zeitarbeitsfirmen ersetzt, die f\u00fcr gleiche Arbeit weniger Geld bekommen.\u00ab (Der Spiegel, Nr. 50, 2006, S. 24)<\/p>\n<p>21 Prozent aller in Deutschland Besch\u00e4ftigten erhielten schon 2005 Niedrigl\u00f6hne, die teilweise sogar tariflich \u00bbabgesichert\u00ab waren: 5,15 Euro brutto Grundverg\u00fctung f\u00fcr Arbeiter im Sanit\u00e4r- und Heizungshandwerk in Rheinland-Pfalz, 3,82 Euro Brutto f\u00fcr Friseure in Sachsen. \u00bbZwei Drittel der schlecht Verdienenden sind \u00fcbrigens Frauen.\u00ab (Klinger\/K\u00f6nig 2006, S. 107) Der Blick auf den gesellschaftlichen Gesamtzustand wurde in der medialen \u00bbUnterschichtdebatte\u00ab jedoch weitgehend vermieden \u2013 und damit die ganze Dramatik der Ausgrenzungs- und R\u00fcckstufungsprozesse verschwiegen. Die Armutsquote (mit der Menschen erfasst werden, die mit weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens leben m\u00fcssen) lag 2003\/2004 nach Angaben des statistischen Bundesamtes bei 13 Prozent. Alternative Berechnungen gehen f\u00fcr diesen Zeitpunkt schon von einer 15-Prozent-Quote aus, die bis 2006 auf 17,3 Prozent anstieg. Innerhalb dieser Armutspopulation hat sich ein Block gebildet, in dem die Armut einen verfestigten Charakter hat. Ihm geh\u00f6ren etwa 40 Prozent aller statistisch erfassten Armen an. Sie repr\u00e4sentieren einen 8-prozentigen Anteil an der Gesamtbev\u00f6lkerung. Diese Gruppe ist mit dem \u00bbAbgeh\u00e4ngten Prekariat\u00ab nicht deckungsgleich, d\u00fcrfte aber eine gro\u00dfe Schnittmenge mit ihm bilden. Immer h\u00e4ufiger nimmt die Ausgrenzung auch einen generationen\u00fcbergreifenden Charakter an: \u00bbWer schon in jungen Jahren nichts anderes kennengelernt hat als Hoffnungslosigkeit, der gibt sich auf.\u00ab (Klinger\/K\u00f6nig 2006, S. 17)<\/p>\n<p>Prekarisierung n\u00e4hrt sich aus der Prekarisierung, verfestigt sich zunehmend in sozialen R\u00e4umen, in denen die Gescheiterten unter sich sind. \u00bbWerden diese Prozesse der Segregation nicht unterbrochen, entwickelt sich allm\u00e4hlich ein Armutsmilieu, das selbst benachteiligende Wirkung entfaltet.\u00ab (H\u00e4u\u00dfermann\/Kronauer\/Siebel 2004, S. 13) Deutlich gr\u00f6\u00dfer jedoch als die manifesten Armutsbereiche sind die Zonen sozialer Gef\u00e4hrdung. Denn \u00fcber die in Armut festsitzenden Gruppen hinaus, leben weitere 20 Prozent (manche Untersuchungen sprechen sogar von 30 Prozent) der bundesrepublikanischen Bev\u00f6lkerung in so unsicheren Verh\u00e4ltnissen und verf\u00fcgen \u00fcber ein so geringes Einkommen, dass sie jederzeit sozial abst\u00fcrzen k\u00f6nnen. Kurzarbeit, die Erwerbslosigkeit eines Familienmitglieds, Scheidung oder ein weiteres Kind k\u00f6nnen zur sozialen Katastrophe f\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Zust\u00e4nde haben sich zugespitzt, sind jedoch keineswegs neu. Schon in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts lebten 40 Prozent der bundesrepublikanischen Bev\u00f6lkerung in Armut oder in Zonen der Unsicherheit. (Vgl.: H\u00fcbinger 1996) Ver\u00e4ndert hat sich jedoch im Kontext einer allgemeinen Perspektivverdunklung der individuelle Umgang mit solchen Lebenssituationen. Existierte in den 90er Jahren noch die Hoffnung, die soziale Lage stabilisieren und einen Absturz vermeiden zu k\u00f6nnen, dominiert heute der (begr\u00fcndete) Zweifel, ob der soziale Status verteidigt werden kann. Durch die Verallgemeinerung der Unsicherheit erweisen sich auch bescheidene Zukunftserwartungen als zerbrechlich: Die heute in der Gruppe der Gef\u00e4hrdeten leben, verf\u00fcgen nicht mehr \u00fcber den Gewissheitshorizont einer allm\u00e4hlichen Verbesserung der Lebenslage, der in den Zeiten des Prosperit\u00e4tskapitalismus geherrscht hat. Noch bis in die 90er Jahre hinein war es eine relativ scharf umgrenzte gesellschaftliche Gruppe, die die Krisenlasten zu tragen hatte: Vom Arbeitslosigkeitsrisiko waren von den sozialversicherungspflichtigen Besch\u00e4ftigten nur ein Drittel betroffen. Dass sich mittlerweile die Gef\u00e4hrdungszonen ausgedehnt haben, dr\u00fcckt sich in einer ver\u00e4nderten gesellschaftlichen Grundstimmung aus: 63 Prozent der Bundesb\u00fcrger \u00e4u\u00dfern ihre Angst vor den gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen und 49 Prozent bef\u00fcrchten, ihren Lebensstandard nicht halten zu k\u00f6nnen. Nicht nur das gesellschaftliche Zustandsbild war innerhalb der Prekarisierungsdebatte unscharf; auch der Unterschichts-Begriff hatte in den (akademischen) Darstellungen der Ausgrenzungsprozesse einen verschleiernden Charakter. Mit ihm wurde der Eindruck zu erwecken versucht, dass mit der Identifizierung eines \u00bbabgeh\u00e4ngten Prekariats\u00ab die Unterschicht empirisch und analytisch schon hinreichend umgrenzt w\u00e4re. Tats\u00e4chlich handelt es sich jedoch bei der thematisierten \u00bbUnterschicht\u00ab um ein Segment innerhalb einer umfassender zu definierenden Unterschicht \u2013 und das wird nicht zuletzt auch von den Menschen in den gesellschaftlichen Basisbereichen mit Nachdruck hervorgehoben. In ihren sozialen Selbstbeschreibungen \u00fcberwiegen in der Regel zwar die realistischen Momente, dominiert das Wissen um die Subalternit\u00e4t ihrer sozialen Position. Dennoch legen sie gro\u00dfen Wert darauf, nicht mit denen \u00bbganz Unten\u00ab in einen Topf geworfen zu werden.<\/p>\n<p>Schon auf niedrigen Stufen des sozialen Strukturgef\u00fcges existiert (durch das Fehlen politisch vermittelter differenzierter Gesellschaftsbilder und -begriffe) die Bereitschaft, sich einer diffusen \u00bbMitte\u00ab zuzurechnen, um sich von den Schichten, in die man hinab zu sinken droht, abzugrenzen. Und diese Bereitschaft ist umso gr\u00f6\u00dfer, je realer die Gefahr des sozialen Abstiegs ist: Denn im Unterschied zu jenen, die am unteren Rande der Gesellschaft stehen, haben diejenigen, denen es aufgrund ihrer wirtschaftlichen und sozialen Situation noch vergleichsweise gut geht, viel mehr zu verlieren. Wenn sie arbeitslos werden, droht, wenn ein schneller Wiedereinstieg ins Berufsleben verpasst wird, der soziale Abstieg. (Vgl.: Mansel\/Endrikat\/H\u00fcpping 2006) Obwohl sie nach klassentheoretischen Kriterien selbst der Unterschicht angeh\u00f6ren, verwenden die Abstiegsbedrohten viel Kraft darauf, nicht in jene soziale \u00bbEndstufe\u00ab abzusteigen, von der in der Prekarisierungsdebatte die Rede war. Einem Teil aus den Gruppen der \u00bbBedrohten Arbeitnehmermitte\u00ab und den \u00bbSelbstgen\u00fcgsamen Traditionalisten\u00ab, wie sie in der Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung genannt werden und die einen Bev\u00f6lkerungsanteil von 16 bzw. 11 Prozent repr\u00e4sentieren, gelingt es, ihren sozialen Status oberhalb der statistischen Armutsgrenze zu verteidigen. Immer \u00f6fter sind jedoch alle Anstrengungen vergebens und ein (zumindest zeitweiliger) Abstieg nicht zu vermeiden. Tritt dieser Fall ein, vergr\u00f6\u00dfert sich die Bereitschaft, zur Stabilisierung der eigenen Identit\u00e4t, sich von vermeintlich Schw\u00e4cheren, durch deren Abwertung abzugrenzen: \u00bbKlassenkampf\u00ab findet zwischen den Gruppen statt, die unmittelbare Opfer der klassengesellschaftlichen Umstrukturierungen sind.<\/p>\n<p>Die subjektiven Verarbeitungsformen von Arbeitslosigkeit und Armut korrespondieren mit einem traditionellen soziologischen und sozialpsychologischen Erkenntniskanon. (Vgl.: Wacker 1976) Was den Ausgegrenzten zu schaffen macht, ist nicht nur die materielle Zur\u00fccksetzung, sondern ein Komplex psychischer Belastungen: Nach anf\u00e4nglichen Phasen subjektiver Auflehnung und der Konzentration auf die \u00dcberwindung ihrer sozialen Randst\u00e4ndigkeit, setzen sich bei den Ausgegrenzten allm\u00e4hlich Tendenzen einer geistigen Verengung und emotionalen Verarmung durch. Die psychischen Reaktionsmuster der Krisenopfer werden einf\u00f6rmiger, Depressionen und resignative Einstellungen gewinnen zunehmenden Einfluss: Fast alle Lebens\u00e4u\u00dferungen werden von der bedr\u00fcckenden Sozialsituation gepr\u00e4gt. Es geht prim\u00e4r nicht darum, dass durch \u00bbschlechtes Essen, billige Unterhaltung und endlos viel Zeit &#8230; ihnen die Energie geraubt\u00ab wird (Bude\/Willisch 2006, S. 8), wie wissenschaftlich kaschierte Zyniker in legitimatorischer Absicht behaupten, sondern um die Auswirkungen einer systematischen Degradierung, um die strukturell vermittelte Perpetuierung eines Zustandes, in denen den Krisenopfern ein t\u00e4tiges Weltverh\u00e4ltnis verwehrt wird und deshalb ihre psychische Stabilit\u00e4t schwindet und sie zu selbstbesch\u00e4digenden bis selbstzerst\u00f6rerischen Verhaltensweisen neigen.<\/p>\n<p>Alle einschl\u00e4gigen sozialpsychologischen Studien \u00fcber die Auswirkungen von Armut und Arbeitslosigkeit beschreiben, dass die Betroffenen nach dem Eintritt der Arbeitslosigkeit sich noch l\u00e4ngere Zeit von der Hoffnung leiten lassen, ihren verlorenen Status wiederzuerlangen. Jedoch verfl\u00fcchtigt sich mit der Dauer der Ausgrenzung allm\u00e4hlich das Hoffnungspotential und auch die subjektive Widerstandsbereitschaft schwindet; Resignation und Lethargie breiten sich aus. Mehr noch als am Geld, mangelt es den Betroffenen \u00bbam Glauben an sich selbst. Sie haben sich aufgegeben, sie sind unf\u00e4hig, die einfachsten Dinge des Alltags zu organisieren, sie haben verlernt, sich f\u00fcr irgendwas in ihrem Leben anzustrengen.\u00ab (Klinger\/K\u00f6nig 2006, S. 95) Die Ausgrenzung aus dem Erwerbsleben besch\u00e4digt nicht nur die elementaren, arbeitsvermittelten Wirklichkeitsbez\u00fcge, die aufgezwungene Unt\u00e4tigkeit entwertet auch die bisher g\u00fcltigen Zeitma\u00dfst\u00e4be. \u00bbF\u00fcr die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit der Erwerbslosen &#8230; (stellt) die Zerst\u00f6rung ihrer gewohnten Zeitstruktur eine schwere psychische Belastung dar.\u00ab (Jahoda 1983, S. 47) Weil die Zeiterfahrung in modernen Gesellschaften institutionell vermittelt ist, kommt die berufliche Ausgrenzung f\u00fcr die Betroffenen einer Entinstitutionalisierung, einer Ausgrenzung aus dem prim\u00e4ren sozialen Kontext gleich, denn \u00bbkeine andere Technik der Lebensf\u00fchrung bindet den Einzelnen so fest an die Realit\u00e4t als die Betonung der Arbeit, die ihn wenigstens in ein St\u00fcck der Realit\u00e4t, in die menschliche Gemeinschaft, sicher einf\u00fcgt.\u00ab (Freud 1955, S. 110)<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich zum erlittenen Wirklichkeitsverlust, sowie dem Fortfall betrieblicher Kommunikationsbeziehungen und Erfahrungsdimensionen, reduzieren sich im Verlauf der Arbeitslosigkeit auch die sozialen Bindungen, die au\u00dferhalb der Arbeitssph\u00e4re angesiedelt waren, weil ein Dispositionskomplex aus Scham und Antriebsschw\u00e4che zum resignativen R\u00fcckzug in den engsten privaten Lebensbereich f\u00fchrt. Je l\u00e4nger die Ausgrenzung dauert, um so seltener verlassen die Betroffenen ihre Wohnung oder den engen Raum ihres Wohnquartiers: Besch\u00e4ftigungslosigkeit und Armut isolieren. (Vgl.: Andre\u00df\/Lipsmeier u. a., 1995) Vermieden wird der Kontakt auch zur Verwandtschaft und zu engen Freunden. Wenn \u00fcberhaupt, halten Langzeitarbeitslose Beziehungen nur zu Personen aus ihren fr\u00fcheren betrieblichen Netzwerken aufrecht, die ebenfalls erwerbslos geworden sind. (Vgl.: Andre\u00df 1999) In der von Jahoda, Lazarsfeld und Zeisel Anfang der 30er Jahre, also auf dem H\u00f6hepunkt der Weltwirtschaftskrise, erstellten Soziographie \u00fcber \u00bbDie Arbeitslosen von Marienthal\u00ab wurden grundlegende Einsichten \u00fcber die Auswirkungen lang andauernder Arbeitslosigkeit vermittelt, die trotz der inzwischen eingetretenen sozio-strukturellen Ver\u00e4nderungen ihre G\u00fcltigkeit nicht eingeb\u00fc\u00dft haben. Es konnten psychische Reaktionen und Verhaltensregressionen beobachtet werden, die bei Arbeitslosigkeit und sozialer Desintegration in vergleichbaren Formen immer noch pr\u00e4gend sind: Die Betroffenen reagieren in der Regel hilflos und lethargisch auf ihr \u00bbSchicksal\u00ab. Der psycho-soziale Stabilisierungsrahmen, den die Subjekte sich im Laufe ihrer Sozialisation erarbeitet haben, l\u00f6st sich mit der Dauer der Erwerbslosigkeit zunehmend auf. Der psychische Lebensraum schrumpft zusammen, ein prinzipiell aneignendes Realit\u00e4tsverh\u00e4ltnis wird von hinnehmenden Haltungen \u00fcberlagert. Das allt\u00e4gliche T\u00e4tigkeitsspektrum wird enger und auch das politische Interesse bildet sich zur\u00fcck. \u00bbDie Gesinnung wird nicht ge\u00e4ndert, sie verliert nur gegen\u00fcber den Sorgen des Alltags, an gestaltender Kraft. Es ist, als ob die kulturellen Werte, die im politischen Kampf stecken, erstarrt w\u00e4ren oder sogar wieder primitiveren Formen des Kampfes Platz machten.\u00ab (Jahoda\/Lazarsfeld\/Zeisel 1973, S. 61)<\/p>\n<p>Die Tatsache, dass den Arbeitslosen der ganze Tag zur freien Verf\u00fcgung steht, bedeutet nicht, dass mit dem \u00bbZeitgewinn\u00ab sinnvoll umgegangen werden kann. Auffassungen, die Arbeitslosigkeit zum neuen M\u00f6glichkeits- und Entfaltungsraum verkl\u00e4ren, der die Chance zu selbstbestimmter Lebensgestaltung b\u00f6te, ist bestenfalls naiv. Denn aus ihrem arbeitsgepr\u00e4gten Lebensrhythmus herausgerissen, verlieren sich die Arbeitslosen in der Zeit, die ohne markante Geschehnisse dahinflie\u00dft. Die \u00bbStundeneinteilung [hat] l\u00e4ngst ihren Sinn verloren. Aufstehen \u2013 Mittagessen \u2013 Schlafengehen sind die Orientierungspunkte im Tag, die \u00fcbriggeblieben sind. Zwischendurch vergeht die Zeit, ohne dass man recht wei\u00df, was geschehen ist.\u00ab (Ebd., S. 84) Die Zeitstruktur bricht zusammen und macht einem ziel- und haltlosen \u00bbIn-den-Tag-Hineinleben\u00ab Platz. Die vorherrschende resignative Grundstimmung verhindert die Entwicklung positiver Lebenspl\u00e4ne. Optimistische Zukunftserwartungen spielen \u00bbnicht einmal mehr in der Phantasie\u00ab eine Rolle. (Ebd., S. 70) Durch die Prozessbeschreibungen der Marienthal-Studie werden die \u00fcbergreifenden, das individuelle Leben destabilisierenden Auswirkungen der \u00f6konomischen Ausgrenzung deutlich: Einhergehend mit einer institutionellen Ausgrenzung f\u00fchrt sie in weiterer Folge zu sozialen und kulturellen Ausgrenzungstendenzen.<\/p>\n<p>\u00dcber Reaktions- und Verarbeitungsmuster die mit den historischen Befunden weitgehend \u00fcbereinstimmen, berichtet auch ein aktueller Forschungsbericht \u00fcber die Menschen in den gegenw\u00e4rtigen \u00bbZonen der Entkopplung\u00ab: Ihr Raum und Zeitempfinden degeneriert und \u00bbvon einem \u00fcber den Tag hinausreichenden Lebensplan kann im Grunde keine Rede mehr\u00ab sein. (Brinkmann\/D\u00f6rre u. a. 2006, S. 59) Auch wenn das Geld zum Leben knapp reicht, kommen sich die meisten Krisenopfer nutzlos und \u00fcberfl\u00fcssig vor. Mit der Dauer der Arbeitslosigkeit verst\u00e4rkt sich das Isolationsgef\u00fchl und das nicht ohne Grund, denn \u00bbdie soziale Rolle, die die Gesellschaft f\u00fcr die Arbeitslosen bereith\u00e4lt, ist die des Ausgeschlossenen und zugleich Stigmatisierten.\u00ab (Wacker 1976, S. 125) Erst wenn nach einer l\u00e4ngeren Leidens- und sozialen Entstrukturierungsphase eine grundlegende Desillusionierung eingetreten ist, beginnt bei den Erwerbslosen die allm\u00e4hliche Losl\u00f6sung von den Leitbildern, die ihrem fr\u00fcheren Sozialstatus entsprachen: Wenn notwendig, wird um der Selbsterhaltung willen mit herrschenden Werten gebrochen.<\/p>\n<p>Das sich eingestehen der Randst\u00e4ndigkeit er\u00f6ffnet neue M\u00f6glichkeiten individueller Krisenbew\u00e4ltigung. Jedoch bilden sich selbstst\u00e4ndig keine widerst\u00e4ndigen Orientierungen heraus. Es entwickelt sich vielmehr ein t\u00e4tiges Weltverh\u00e4ltnis mit regressiver Grundtendenz, das auch weiterhin Momente der Selbstunterdr\u00fcckung einschlie\u00dft. In diesen Reaktionsmustern der Krisenopfer schon eine M\u00f6glichkeitsbasis f\u00fcr \u00bbeingreifendes Handeln\u00ab zu sehen (Candeias 2006), stellt nicht nur den Bedeutungsgehalt dieser Kategorie auf den Kopf, sondern ignoriert auch, dass durch die Deprivation und der mit ihr einhergehenden Einengung des Erfahrungshorizontes in der Regel ein kompetentes Verh\u00e4ltnis zur eigenen Lebenssituation erschwert wird. Selbstunterdr\u00fcckende, auch selbstdestruktive Verhaltensmuster sind nicht unvermeidlich, jedoch wahrscheinlicher, als widerst\u00e4ndige Profilierungen. Auf einem ad\u00e4quaten subjekttheoretischen Niveau reflektiert, wird offensichtlich, dass unter den gegenw\u00e4rtigen psychosozialen Regulationsbedingungen diese \u00bbRestabilisierung der T\u00e4tigkeitsregulation um den Preis einer fortschreitenden Zerr\u00fcttung der Selbstreflexivit\u00e4t des Individuums\u00ab erfolgt (Krauss 1996, S. 137) und sich eher ein Entfaltungsraum f\u00fcr irrationale Denkmuster und Reaktionsformen, als f\u00fcr progressive Orientierungen \u00f6ffnet. Die herrschenden Dispositionen der Verunsicherung und Resignation bilden eine schlechte Basis der Gegenwehr. Fehlt \u00bberst einmal der Sockel, auf dem die soziale Identit\u00e4t aufbaute, dann wird es schwierig, im eigenen Namen zu sprechen, selbst einfach nur nein zu sagen wird schwierig. Der Kampf setzt die Existenz eines Kollektivs und eines Zukunftsentwurfes voraus.\u00ab (Castel 2000, S. 359)<\/p>\n<p>Ob perspektivische Orientierungen sich innerhalb eines \u00bbAbgeh\u00e4ngten Prekariats\u00ab entwickeln k\u00f6nnen, ist fraglich. Trotzdem stellt es mit seiner aufgestauten Wut (wenn auch gepaart mit Verzweiflung) einen potentiellen Unruhefaktor dar. Es ist bemerkenswert, dass es 2006 in rund einhundert St\u00e4dten noch Montagsdemonstrationen gegen Hartz-IV gab. Wirksam werden kann dieses Widerspruchspotential jedoch nur in gr\u00f6\u00dferen politischen Zusammenh\u00e4ngen. Die Konstitution eines organisatorischen Rahmens ist von einer ganzen Reihe von Voraussetzungen, von organisatorischen und programmatischen Vermittlungen abh\u00e4ngig. Ihr vereinigendes Band ist das Erkennen der im Kern gemeinsamen Interessen von \u00bbIntegrierten\u00ab und Ausgegrenzten. Um die Frage der Entwicklung von Widerspruchs- und politisch relevanten Handlungspotentialen produktiv diskutieren zu k\u00f6nnen, ist eine Differenzierung der Prekariats-Kategorie in zweierlei Hinsicht notwendig: Zun\u00e4chst muss ber\u00fccksichtigt werden, dass die Ausgeschlossenen keine so homogene Gruppe repr\u00e4sentieren, wie die summarische Rede \u00fcber sie vermuten lie\u00dfe. Sie setzt sich aus beruflich Minderqualifizierten, aber auch sozialen Absteigern zusammen, deren Qualifikationen nicht mehr gebraucht werden, oder die aus Krankheitsgr\u00fcnden in ihrem Beruf nicht mehr t\u00e4tig sein k\u00f6nnen. Das Prekariat setzt sich aus Jungen und Alten, Alleinerziehern und gro\u00dfen Familien zusammen, deren Lebensunterhalt auch durch regul\u00e4re Arbeit nicht mehr zu sichern ist. Eine Differenzierungsnotwendigkeit ergibt sich vor allem jedoch aus der Tatsache des stufenf\u00f6rmigen Charakters des sozialen Abstiegs. Er erstreckt sich von der beruflichen Dequalifizierung \u00fcber die systematische Verunsicherung, akut drohender Arbeitslosigkeit, bis zum faktischen Ausschluss aus dem Berufsleben. Und auch nach Eintritt der Arbeitslosigkeit durchlaufen die Betroffenen verschiedene Phasen der mentalen und psychischen Verarbeitung ihrer Situation. Eine weitgehende \u00bbRandst\u00e4ndigkeit\u00ab, die den Charakter einer Ausgrenzung aus den gesellschaftlichen \u00bbNormalit\u00e4tszonen\u00ab hat, tritt erst nach einer l\u00e4ngeren Phase ein. Bevor dieser Zustand einer umfassenden Deprivation erreicht ist, durchleben die Subjekte Lebensabschnitte, in denen die Auflehnungsbereitschaft noch nicht g\u00e4nzlich abgestorben ist. Hier existieren Ankn\u00fcpfungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr eine Politisierung, ist ein Bruch mit den selbstunterdr\u00fcckenden und stagnativen Formen der Krisenverarbeitung m\u00f6glich. (Vgl.: Krauss 1996, S. 126ff.)<\/p>\n<p>Die krisenf\u00f6rmigen Umgestaltungen der Sozialverh\u00e4ltnisse machen sich jedoch nicht nur innerhalb einer (wie auch immer definierten) \u00bbUnterschicht\u00ab bemerkbar. \u00bbObwohl Personen in unterer Soziallage &#8230; mehr Angst vor Arbeitslosigkeit als Personen in mittlerer oder gehobener Soziallage\u00ab entwickeln (Mansel\/Endrikat\/H\u00fcpping 2006, S. 45), existiert nicht ohne Grund bis weit in die mittleren Gesellschaftslagen hinein eine \u00bbAngst vor dem Absturz\u00ab (B. Ehrenreich). Immer mehr \u00bbLeistungsindividualisten\u00ab und ehemals \u00bbZufriedene Aufsteiger\u00ab (wie die Gruppen in der Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung genannt werden), geraten in den Sog der Verunsicherung. Sie m\u00fcssen erfahren, dass ihre Qualifikationen sie eben so wenig wie ihr Leistungswillen, vor sozialer R\u00fcckstufung sch\u00fctzt. Die krisengepr\u00e4gten Realit\u00e4ten von Unter- und Mittelschichten schieben sich ineinander. Zwar ist die Angst vor einem sozialen Abstieg in den unteren Soziallagen mit 65,7 Prozent besonders verbreitet, jedoch auch \u00bbdie H\u00e4lfte (49,6 Prozent) der Personen in mittlerer Lage und ein Drittel (34,2 Prozent) der Personen in gehobener Lage\u00ab, \u00e4u\u00dfern ihre Gef\u00e4hrdungsbef\u00fcrchtungen. (Ebd., S. 49) Und das nicht grundlos, denn es sind gerade Angeh\u00f6rige aus den mittleren Soziallagen, die tief fallen k\u00f6nnen. Sie geh\u00f6ren jedoch auch zu denjenigen, die sich besonders hartn\u00e4ckige Illusionen \u00fcber den strukturellen Charakter ihrer Lage machen. Auch in akuten Gef\u00e4hrdungsphasen klammern sie sich lange an die Hoffnung, doch noch davon zu kommen, oder den Wiederaufstieg zu schaffen.<\/p>\n<p>Dass nun verst\u00e4rkt die Mittelschichten, die Angestellten und \u00bbSacharbeiter\u00ab ins Visier der neoliberalen Kapitalverwertungsstrategen geraten, hat immer h\u00e4ufiger dramatische Konsequenzen: Trotz Milliardengewinnen werden bei den Banken und Versicherungskonzernen zehntausende Stellen, vor allem auch in den qualifizierten T\u00e4tigkeitsbereichen abgebaut. Und schon seit l\u00e4ngerem ist zu beobachten, dass Teile des selbstst\u00e4ndigen \u00bbMittelstandes\u00ab zerrieben werden. \u00bb405.193 Gr\u00fcndungen von Kleinunternehmen im Jahre 2003 stehen 356.970 Schlie\u00dfungen von solchen Betrieben im gleichen Jahr gegen\u00fcber. Und von den 3,13 Mill. \u00fcberschuldeten Privathaushalten im Jahre 2004 geben 20 Prozent eine gescheiterte Selbstst\u00e4ndigkeit als einen Grund f\u00fcr die \u00dcberschuldung an\u00ab. (Ebd.) Es ist nicht die Regel, hat jedoch symbolische Bedeutung, wenn in den Schlangen vor den Suppenk\u00fcchen und den staatlichen Tagel\u00f6hnervermittlungsb\u00fcros eine \u00bbweitere soziale Schicht hinzugekommen [ist]: der Mittelstand. Wer heute mit seinem kleinen Gesch\u00e4ft pleitegeht, schafft es seltener als noch vor Jahren, wieder auf die F\u00fc\u00dfe zu kommen. Die soziale Schere geht weiter auseinander, es trifft zunehmend Menschen, die gut ausgebildet sind, aber \u2013 aus welchen Gr\u00fcnden auch immer \u2013 den Anschluss verpasst haben.\u00ab (Schmollack 2006) Das soziale Risiko ist auch f\u00fcr relativ privilegierte Sozialschichten gr\u00f6\u00dfer geworden, mit aller Wucht trifft es jedoch die unteren Gesellschaftsklassen: \u00bbDrei Viertel der dauerhaft und mehrfach armen Personen stammen aus der Arbeiterklasse.\u00ab (Klinger\/K\u00f6nig 2006, S. 108) Auch wenn in der Bundesrepublik mittlerweile Besch\u00e4ftigungslose im Zeichen eines bescheidenen \u00bbAufschwungs\u00ab wieder leichter eine Arbeit finden, erreichen sie nur selten eine Erwerbsposition, die sie vor k\u00fcrzerer oder l\u00e4ngerer Frist gezwungenerma\u00dfen aufgegeben haben. Von der positiven Arbeitsmarktentwicklung profitieren vorrangig Lohnabh\u00e4ngige die kurzfristig arbeitslos waren, oder deren Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnis akut bedroht ist. An den Langzeitarbeitslosen gehen positive Trends am Arbeitsmarkt weitgehend vorbei, weil sie aufgrund ihrer psychischen und mentalen Ver\u00e4nderungen vom Management als kaum mehr integrationsf\u00e4hig eingesch\u00e4tzt werden.<\/p>\n<p>Was in diesen Entwicklungen offensichtlich wird, hat sich seit den 80er Jahren schon als Trend abgezeichnet. Besonders klare Konturen hatte diese regressive Ver\u00e4nderungsdynamik der Arbeitswelt in den Vereinigten Staaten: W\u00e4hrend in einer langen Abstiegsphase 60 Millionen Arbeitspl\u00e4tze verschwanden, sind danach nur 46 Millionen neue entstanden, von denen \u00fcber die H\u00e4lfte eine geringere Qualifikationsstruktur, als die \u00bbabgebauten\u00ab aufwiesen. Die reine Erscheinungsebene betrachtend l\u00e4sst sich konstatieren, dass \u00bbdie Arbeitslosigkeit am Ende des 20. Jahrhunderts in Europa &#8230; einen tiefgreifenden Einschnitt in der gesellschaftlichen Organisation der Erwerbsarbeit [markiert]. Sie l\u00e4sst sich weder allein aus dem wirtschaftlichen Zyklus erkl\u00e4ren, noch entspringt sie gar, wie in den sp\u00e4ten 20er Jahren, einer wirtschaftlichen Depression. Stattdessen koexistierte sie lange Zeit mit wachsendem gesellschaftlichen Reichtum und steigenden Aktienkursen\u00ab (Kronauer 2002, S. 101), weil massenhafter Arbeitsplatzabbau als Ausdruck effektiven, weil profitsteigernden Wirtschaftens angesehen wird. Den \u00f6ffentlichen Klagen \u00fcber die Verarmungstendenzen und der halbherzigen Diskussion \u00fcber Mindestl\u00f6hne zum Trotz, ist der Abbau von \u00bbNormalarbeitspl\u00e4tzen\u00ab und ihre Ersetzung durch prek\u00e4re Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse (mit Kostenvorteilen f\u00fcr die Unternehmen) von den neoliberalistischen Umgestaltungsstrategien (und den sie unterst\u00fctzenden staatlichen \u00bbReformen\u00ab) ebenso intendiert, wie die Zunahme entsolidarisierender Trennungslinien in der Arbeitswelt: \u00bbEine schrumpfende Stammbelegschaft konkurriert neuerdings in vielen Unternehmen mit den Aushilfskr\u00e4ften von Leiharbeitsfirmen, die je nach Bedarf ein- und ausgewechselt werden.\u00ab (Der Spiegel, Nr. 49, 2006, S. 89)<\/p>\n<p>In den letzten drei Jahrzehnten haben sich (zun\u00e4chst schleichend, dann mit zunehmendem Tempo) zwei Besch\u00e4ftigungssegmente herausgebildet: \u00bbEinen aus qualifizierten, besser bezahlten, besser abgesicherten und relativ stabilen Elementen gebildeten \u203aprim\u00e4ren\u2039 Markt sowie einen \u203asekund\u00e4ren\u2039, bestehend aus prek\u00e4ren, weniger qualifizierten, direkt den Nachfrageschwankungen ausgesetzten Besch\u00e4ftigten.\u00ab (Castel 2000, S. 355) Beide Segmente weisen eine Vielzahl von internen Abstufungen und Differenzierungsformen auf, sie sind jedoch vor allem hinsichtlich der Besch\u00e4ftigungs(un)sicherheit klar voneinander zu trennen. Gegen\u00fcber der Zustandsbeschreibung Castels hat sich auch die Bedeutung der individuellen Qualifikationsstruktur f\u00fcr die Positionierung im Berufsleben in den letzten Jahren signifikant ver\u00e4ndert. Zwar resultieren aus anspruchsvollen Bildungs- und Ausbildungszertifikaten bessere Besch\u00e4ftigungschancen, jedoch existiert kein Aufstiegs- und beruflicher Integrationsautomatismus mehr. Es gibt in vielen Bereichen des Berufslebens mittlerweile schnelle Ver\u00e4nderungen der Anforderungsprofile und immer h\u00e4ufiger werden nur noch Bewerber mit \u00bbpunktgenauen\u00ab F\u00e4higkeiten und Fertigkeiten eingestellt. Die Verallgemeinerung eines kurzfristigen Renditedenkens hat die Bereitschaft schwinden lassen, geeignetes Personal perspektivisch auf eine Aufgabe vorzubereiten. Auch Hochqualifizierte k\u00f6nnen deshalb leicht durch die jeweils aktuellen Erwartungsraster fallen und gezwungen sein, mit befristeten Einstellungsvertr\u00e4gen vorlieb nehmen zu m\u00fcssen. Das muss keine berufliche Endstation sein. Wer jedoch erst einmal in einem Vertragsarbeiterverh\u00e4ltnis gelandet ist, hat es schwer wieder in eine Festanstellung zu wechseln. Nicht selten sind (\u00e4hnlich wie bei l\u00e4ngerer Arbeitslosigkeit) in einem negativen Sinn, die Weichen f\u00fcr den weiteren Berufsweg gestellt. \u00bbManche prek\u00e4r Besch\u00e4ftigten schaffen den Aufstieg in die \u203aZone der Integration\u2039, manche st\u00fcrzen in die \u203aZone der Entkoppelung\u2039 ab, aber immer mehr von ihnen bleiben dauerhaft in diesen Zwischenstatus der Prekarit\u00e4t gefangen \u2013 jedenfalls hat zwischen 1996 und 2001 nur noch ein Drittel der Geringverdiener (und damit ein deutlich geringerer Anteil als fr\u00fcher) seine Position verbessert\u00ab. (Mayer-Ahuja 2006, S. 135)<\/p>\n<p>Die Existenz wirkungsm\u00e4chtiger Demarkationslinien zwischen den Besch\u00e4ftigungssegmenten, die nicht ohne weiteres \u00fcberwunden werden k\u00f6nnen, dr\u00fcckt sich auch darin aus, dass gerade die in ihnen Besch\u00e4ftigten ein untr\u00fcgliches Bewusstsein dar\u00fcber besitzen, welchem Bereich der Arbeitswelt sie angeh\u00f6ren. Besch\u00e4ftigte im \u00bbprim\u00e4ren\u00ab Sektor verwenden viel Energie darauf, den erreichten Status abzusichern. Nicht geringer sind die Anstrengungen vieler Lohnempf\u00e4nger im \u00bbSekund\u00e4rbereich\u00ab, um in der Hierarchie der Berufswelt (wieder) aufzusteigen, beispielsweise als Leiharbeiter eine Festanstellung zu erhalten.<\/p>\n<p>Von dieser \u00bbDynamik\u00ab sozialer Zur\u00fcckstufung war in der Prekarisierungsdebatte bestenfalls am Rande die Rede. Wenn \u00fcberhaupt grundlegende gesellschaftliche Aspekte angedeutet wurden, dann nicht, um zu deren tieferem Verst\u00e4ndnis beizutragen, sondern um die herrschenden Desorientierungen zu best\u00e4tigen. Aufschlussreich f\u00fcr dieses Bem\u00fchen war ein Satz in der FAZ: Die Ausgegrenzten, so die Bemerkung, w\u00fcrden \u00bbkeinen erkennbaren Platz in irgendeinem Produktionsvorgang mehr haben\u00ab. (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 18.10.2006) Diese Beobachtung ist zwar nicht unbedingt falsch, irref\u00fchrend jedoch der Eindruck, der damit erzeugt werden soll: Soziale Ausgrenzungsprozesse st\u00fcnden in keinem Vermittlungsverh\u00e4ltnis zur Produktionssph\u00e4re, \u00fcberhaupt zur Arbeitswelt mehr und h\u00e4tten auch nichts mit klassengesellschaftlichen Strukturen, nichts mit Ausbeutung und Mehrwertaneignung, nichts mit dem Konfrontationsverh\u00e4ltnis zwischen Kapital und Arbeit zu tun. Solch journalistische \u00bbOffensive\u00ab weist nicht zuf\u00e4llig Parallelen mit einer neuen Sprachregelung in den akademischen Sozialwissenschaften auf: Seitdem der neue Ungleichheits- und Verelendungsschub nicht mehr ignoriert werden kann, wird von einer ver\u00e4nderten \u00bbQualit\u00e4t der Ungleichheit\u00ab gesprochen, die nicht mehr aus den alten Klassenwiderspr\u00fcchen zu erkl\u00e4ren sei. Nicht mehr der Gegensatz von \u00bbOben\u00ab und \u00bbUnten\u00ab sei pr\u00e4gend, sondern die Dynamik von Zugeh\u00f6rigkeit und Ausgrenzung. Es werden neue Sozialmythologien produziert, um den Klassencharakter der Ausgrenzung \u00fcberspielen zu k\u00f6nnen: Behauptet wird \u00bbeine neue Realit\u00e4t, f\u00fcr deren Beschreibung neue Begriffe notwendig sind: Statt des \u203aMehr und Weniger\u2039 von Arm und Reich, statt der Hierarchie von \u203aOben und Unten\u2039 \u2013 wie sie die traditionelle Ungleichheitsforschung unterstellt \u2013 zeichne sich eine Spaltung der Gesellschaft ab, in ein \u203aDrinnen\u2039 und ein \u203aDrau\u00dfen\u2039, in Zugeh\u00f6rige und Ausgegrenzte. Damit ver\u00e4ndert sich das Gesicht der \u203asozialen Frage\u2039. Ging es vordem um die ungleiche Verteilung der Fr\u00fcchte der Arbeit, also um die Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums zwischen Kapital und Arbeit, so geht es heute um den Ausschluss von Arbeit; wurden fr\u00fcher die Arbeitsbelastungen kritisiert, so heute der Mangel an Arbeit beklagt; war fr\u00fcher die Kritik auf eine \u00c4nderung der Gesellschaft gerichtet, so zielt sie heute auf Zugang zu den Institutionen der Gesellschaft; wurden fr\u00fcher Ausbeutung und Gerechtigkeit thematisiert, so geht es heute um die Existenz einer anscheinend \u203a\u00fcberfl\u00fcssigen\u2039 Gruppe, die nicht einmal mehr Objekt der Ausbeutung werden kann\u00ab. (H\u00e4u\u00dfermann\/ Kronauer\/Siebel 2004, S. 8)<\/p>\n<p>Es ist offensichtlich: Bei dieser Positionierung wird die systemtheoretische (angeblich durch eine \u00bbneutrale Beobachterperspektive\u00ab gekennzeichnete) Sichtweise von Luhmann \u00fcbernommen, der gegen\u00fcber einer kritischen Auffassung, die den Zusammenhang von Klassen- und Ausbeutungsverh\u00e4ltnissen thematisiert, feststellt, dass von Ausbeutung (und selbstredend von klassengesellschaftlichen Gr\u00fcnden f\u00fcr die gesellschaftlichen Spaltungs- und Marginalisierungsprozesse) ja wohl nicht die Rede sein kann, wenn bei station\u00e4rer Randst\u00e4ndigkeit und fl\u00e4chendeckender Bed\u00fcrftigkeit \u2013 wie in den Elendsquartieren einer sogenannten 3. Welt \u2013 \u00fcberhaupt kein Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnis (mehr) existiere: \u00bbWir wissen: es ist von Ausbeutung die Rede oder Strategien der Verunsicherung oder von \u203aMarginalisierung\u2039, von einer Versch\u00e4rfung des Gegensatzes von Zentrum und Peripherie. Das alles sind jedoch Theorien, die noch vom Desiderat der Allinklusion beherrscht sind und folglich Adressaten f\u00fcr Vorw\u00fcrfe suchen. Der Kapitalismus, die herrschende Allianz von Finanz- und Industriekapital mit dem Milit\u00e4r oder mit den m\u00e4chtigen Familien des Landes. Wenn man jedoch genau hinsieht, findet man nichts, was auszubeuten oder zu unterdr\u00fccken w\u00e4re. Man findet eine in der Selbst- und Fremdwahrnehmung aufs K\u00f6rperliche reduzierte Existenz, die den n\u00e4chsten Tag zu erreichen sucht. Um zu \u00fcberleben, braucht man F\u00e4higkeiten zur Gefahrenwahrnehmung und zur Beschaffung des N\u00f6tigsten; oder auch Resignation und Gleichg\u00fcltigkeit in Bezug auf b\u00fcrgerliche Bewertungen\u00ab. (Luhmann 1996, S. 227f.)<\/p>\n<p>Richtig ist Luhmanns Beobachtung, dass auf der Wahrnehmungsebene f\u00fcr viele der extremsten Elendsformen an den \u00bbR\u00e4ndern\u00ab des imperialistischen Weltsystems Ausbeutungsstrukturen keine sichtbare Rolle mehr spielen. Jedoch ist dies eine banale \u00bbWahrheit\u00ab, die nur solange funktioniert, wie die sozio-\u00f6konomischen Zusammenh\u00e4nge, die solche Regionen der Verlorenheit \u00bbproduzieren\u00ab, ignoriert und durch ein sozialtheoretisches Konstrukt mit selektivem Realit\u00e4tsbezug verdr\u00e4ngt werden. Solche Auffassungen von einem Bedeutungsverlust der Klassenfrage, ja von Macht und Herrschaft \u00fcberhaupt, ignorieren die Pr\u00e4gekraft der Strukturierungsprinzipien, die in ihrer kapitalistischen Form ein Gewaltverh\u00e4ltnis darstellen, weil \u00f6konomische Verwertungsrationalit\u00e4t \u00fcber die menschlichen Lebens- und Entfaltungsinteressen dominiert und die von einer Geldelite immer h\u00e4ufiger ohne regulierende Einfl\u00fcsse zur Geltung gebracht wird. Die Aussagen \u00fcber eine \u00bbneue Qualit\u00e4t der Ungleichheit\u00ab besitzen nur solange eine gewisse Evidenz, wie der soziale Reproduktions- und klassengesellschaftliche Strukturierungsprozess nicht in seiner Gesamtheit betrachtet wird.<\/p>\n<p>Denn tats\u00e4chlich ist das Anwachsen der Gruppe der Marginalisierten die Konsequenz eines ver\u00e4nderten Akkumulationsregimes, Ausdruck des Wechselspiels von Krise und Ausbeutung. Die blo\u00dfe Gegen\u00fcberstellung einer kleineren Gruppe der \u00bbAusgeschlossenen\u00ab und einer mehrheitlichen Gruppe der \u00bbInkludierten\u00ab untersch\u00e4tzt \u00bbdie \u00f6konomischen und sozialen Probleme der Letztgenannten in einer massiven Weise. Es wird unterstellt, dass die Inkludierten nicht mit den Problemen einer Klassengesellschaft konfrontiert w\u00e4ren \u2013 dass, wenn sie nur den \u00dcbergang von den Zonen der Exklusion in die inklusive Welt der Majorit\u00e4tsgesellschaft schafften, auch der Rest ihrer Probleme verschwinden w\u00fcrden.\u00ab (Joung 2005, S. 9) Weil die Prekarisierungstendenzen nur der sichtbarste Ausdruck radikalisierter Kapitalverwertungsstrategien sind, deren Konsequenzen die Lohnabh\u00e4ngigenklasse in ihrer Gesamtheit treffen, kann von einer isolierten Wirkung jedoch keine Rede sein. Wenn eine \u00bbkritische Exklusionstheorie\u00ab ihren Anspruch bei der Besch\u00e4ftigung mit den Ausgrenzungs- und Marginalisierungsproblemen \u00bbvom Rand her ins gesellschaftliche Zentrum vorzudringen\u00ab (Kronauer 2006, S. 30) ernst meinte, dann m\u00fcsste sie exakt diesen Fragen der strukturell verfestigten Herrschafts- und Ausbeutungsproblematik nachsp\u00fcren. Und dabei m\u00fcssten dann schon etwas konkreter die \u00bbInstanzen [benannt werden], in denen dar\u00fcber entschieden wird, ob und welche Arbeitspl\u00e4tze geschaffen oder vernichtet werden\u00ab (ebd., S. 36) und intensiver \u00fcber die gesellschaftliche Gestaltungsmacht des Kapitals berichtet werden, als das gew\u00f6hnlicherweise geschieht. Solange dies nicht (oder nur in unzureichendem Umfange) geleistet wird, eignet sich der mit der Exklusions-Kategorie gesetzte Theorierahmen vorz\u00fcglich zur Legitimierung eines reduktionistischen Gesellschaftsverst\u00e4ndnisses, d. h. zur isolierenden Darstellung von Ausgrenzung und Marginalisierung.<\/p>\n<p>Selten wird das so deutlich, wie bei Serge Paugam, einem franz\u00f6sischen Soziologen, der in akademischen Kreisen auch als \u00bbkritischer Exklusionsforscher\u00ab gehandelt wird: \u00bbW\u00e4hrend der Begriff der Ausgrenzung immer noch auf das Thema der Ungleichheit Bezug nimmt, geht er [der Exklusionsbegriff] zugleich dar\u00fcber hinaus, indem er ihnen [den Ausgrenzungsprozessen] einen neuen Sinn gibt [!], der sich nicht mehr vorrangig auf der Interessenopposition zwischen sozialen Gruppen und dem Kampf um soziale Anerkennung begr\u00fcndet, sondern vielmehr auf der Schw\u00e4che, dem Fehlen von organisierten Forderungen und sozialen Bewegungen, die in der Lage w\u00e4ren, in benachteiligten Gruppen den Zusammenhalt zu st\u00e4rken und eine Gruppenidentit\u00e4t zu schaffen.\u00ab (Paugam 1998, S. 133f.) Richtige Beobachtungen \u00fcber die Spaltungs- und Desintegrationseffekte werden mit falschen Schlussfolgerungen vermengt, so dass vor allen Dingen unbenannt bleibt, dass sozialer Ausschluss und ein Klima der Verdr\u00e4ngung Funktionselemente kapitalistischer Vergesellschaftung sind, ihre Ursache ein ver\u00e4nderter Akkumulationsmodus und die Herrschaft des Kapitals \u00fcber die Arbeit ist.<\/p>\n<p>VII. Die soziale R\u00fcckstufungstendenz und die massive Absenkung des Anteils der abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten am Sozialprodukt entspricht dem Kalk\u00fcl der neoliberalistischen Umgestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft. (Vgl.: L\u00fchr 2006) Ein Zwischenziel war zun\u00e4chst der Abbau \u00fcbertariflicher Bezahlung, die in Zeiten, die f\u00fcr die Durchsetzung der Interessen der Lohnabh\u00e4ngigen g\u00fcnstiger waren, erstritten werden konnten. Aber wie gesagt, handelte es sich dabei nur um ein Etappenziel: So viele Zugest\u00e4ndnisse aus den Zeiten des Prosperit\u00e4tskapitalismus wie m\u00f6glich, sollten wieder \u00bbeingesammelt\u00ab, und die Reduktion der \u00bbLohnquote\u00ab strukturell abgesichert werden. Die Akteure des Sozialumbaus haben die sich aus der sozio-\u00f6konomischen Widerspruchsentwicklung ergebenden M\u00f6glichkeiten konsequent beim Schopfe gefasst. Nach fast zwei Jahrzehnten einer kontinuierlichen Erh\u00f6hung der Arbeitslosenzahlen, sah das Unternehmerlager die Zeit gekommen, die sozialpolitischen Zugest\u00e4ndnisse aus der Zeit des Prosperit\u00e4tskapitalismus aufzuk\u00fcndigen.<\/p>\n<p>\u00bbWir m\u00fcssen die Krise jetzt nutzen, denn jetzt sind die Menschen reif\u00ab, forderte 1993 der damalige BDI-Pr\u00e4sident Necker. Den durch Arbeitslosigkeit und soziale Statusbedrohung verunsicherten Besch\u00e4ftigten konnten immer weitere \u00bbZugest\u00e4ndnisse\u00ab abgerungen werden und \u2013 wie von den aggressiven Umw\u00e4lzungsstrategien intendiert \u2013 der Anteil der abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten am Sozialprodukt nachhaltig reduziert werden: W\u00e4hrend sie in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts einen H\u00f6chststand mit 73,7 Prozent erreichte, betrug sie 1997 nur noch 67,7 Prozent und ist seitdem weiter gefallen: \u00bbNie seit 1991 war die Lohnquote so niedrig und die Gewinnquote so hoch\u00ab wie 2004 und in den Folgejahren. (Schmid 2005) War die neoliberalistische Umgestaltungs- und Umverteilungsoffensive auch unmittelbar durch die Absicht motiviert, die in den Zeiten des Prosperit\u00e4tskapitalismus durchgesetzten \u00bbsozialstaatlichen\u00ab Regulationsformen, die zu einem historischen H\u00f6chststand der Partizipation der abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten am Sozialprodukt (zunehmend auf Kosten der Profitrate) gef\u00fchrt hatten, grundlegend zu ver\u00e4ndern, so muss sie dennoch auch als Reaktion auf ein ganzes B\u00fcndel anderer Tendenzen begriffen werden, die den kapitalistischen Akkumulationsprozess beeintr\u00e4chtigten. An dieser Stelle m\u00fcssen einige Stichworte zu ihrer Charakterisierung gen\u00fcgen: Eine objektive Schranke der Kapitalverwertung liegt darin, dass f\u00fcr die Reproduktion des Kapitalverh\u00e4ltnisses ein steigender Anteil des Sozialprodukts aufgewandt werden muss, so dass im Sinne kapitalistischer Verwertungslogik tats\u00e4chlich die Verteilungsspielr\u00e4ume enger geworden sind. Gro\u00dfe \u00bbReibungsverluste\u00ab entstehen beispielsweise durch das konkurrenzbedingte Innovationsstreben bei der Produktentwicklung, durch das immer \u00f6fter nur Pseudoneuheiten hervorgebracht werden, die sich trotz intensiver Werbema\u00dfnahmen auf dem Markt nicht etablieren k\u00f6nnen. Auch durch die R\u00fccksichtslosigkeit gegen\u00fcber Mensch und Natur entstehen Sch\u00e4den, die, wenn \u00fcberhaupt, nur mit steigendem Aufwand beseitigt werden k\u00f6nnen. Auch die Profitrealisierung gestaltet sich angesichts der \u00dcberproduktionstendenzen immer schwieriger. Ganze Heerscharen von Designern, Produktentwicklern, Werbestrategen etc. sind notwendig, um ein Image-Produkt, dass f\u00fcr wenige Euro in Asien hergestellt wird, f\u00fcr das Hundertfache der Gestehungskosten in den Metropolen an den Mann und die Frau bringen zu k\u00f6nnen. Auch die ausufernde Finanzsph\u00e4re, die sowohl f\u00fcr den reibungslosen Kapitalfluss innerhalb eines grenzenlos gewordenen und sich beschleunigenden Verwertungskreislaufs sorgt, aber auch die Zirkulation realwirtschaftlich tempor\u00e4r profitabel nicht anzulegender Kapital\u00fcberh\u00e4nge gew\u00e4hrleistet, beansprucht f\u00fcr diese \u00bbDienstleistungen\u00ab zunehmende Teile der Mehrwertmasse.<\/p>\n<p>Die Reproduktion des entwickelten Kapitalismus ist u. a. aus diesen Gr\u00fcnden mit einer allgemeinen Wohlstandsreduktion verbunden. In der Ideologie des Neoliberalismus findet diese Tatsache ihren programmatischen Ausdruck in der penetranten Parole, die \u00bbG\u00fcrtel enger zu schnallen\u00ab (die nat\u00fcrlich nur an die Subalternen gerichtet ist). \u00dcberlagert werden diese Tendenzen durch eine Verwertungsbarriere, die durch den tendenziellen Fall der Profitrate gesetzt ist. Marx hat ihn als das \u00bbin jeder Beziehung &#8230; wichtigste Gesetz der modernen politischen \u00d6konomie\u00ab bezeichnet (Marx 1953, S. 634) In Umrissen l\u00e4sst es sich folgenderma\u00dfen beschreiben: Konkurrenzbedingt existiert f\u00fcr die kapitalistischen Akteure der Zwang zur immer schnelleren Erneuerung der Produktionsmittel. Die Konkurrenzanordnung zwingt die Unternehmer, wie Marx betont, die alten Arbeitsmittel vor ihrem nat\u00fcrlichen Lebensende durch neue zu ersetzen. Weil jedoch jede neue Maschinengeneration technisch anspruchsvoller als die vorhergehende ist, gestaltet sich ihr Preis h\u00f6her und ihr Erwerb zwangsl\u00e4ufig kapitalintensiver. Der wachsende Investitionsaufwand bedeutet \u00f6konomietheoretisch gesprochen, dass der Anteil des konstanten (investiven) Kapitals am Gesamtinvestitionsvolumen sich vergr\u00f6\u00dfert. Eine Konsequenz ist, dass ein wachsender Teil des Mehrproduktes in die technischen Anlagen, also die erweiterte Reproduktion investiert werden muss. Durch die Intensivierung der Ausbeutung, durch verl\u00e4ngerte Arbeitszeiten und Maschinenlaufzeiten, nicht zuletzt auch durch reduzierte L\u00f6hne, versucht das Kapital diesen \u00bbVerlust\u00ab auszugleichen und seine Profitabilit\u00e4t zu sichern. In einem elementaren Sinne aktualisiert des Kapital Praktiken aus seiner historischen Durchsetzungsphase zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert: Sinkende Reall\u00f6hne werden wieder zu einem zentralen Moment des Akkumulationsprozesses.<\/p>\n<p>Alleine durch die Intensivierung der Ausbeutung und die Reduzierung der \u00bbLohnquote\u00ab gelingt es den kapitalistischen Akteuren jedoch nicht, die erforderlichen Kapitalmassen zu erwirtschaften, um den steigenden Investitionsaufwand bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen. Die Unternehmen sind vielmehr zunehmend zur Kreditaufnahme bzw. zur Verbreiterung ihrer Kapitalbasis durch Aktien oder Beteiligungen gen\u00f6tigt. Sie sind auf die internationalen Finanzm\u00e4rkte angewiesen und gezwungen, sich deren Regeln zu unterwerfen. Dieser Druck wird unmittelbar auf die Betriebe und Belegschaften \u00fcbertragen, als \u00bbobjektiver\u00ab Zwang zur Rentabilit\u00e4t inszeniert, d. h. in der Regel zum Arbeitsplatzabbau und zur Leistungsintensivierung. Dieser \u00bbneue\u00ab Druck ist nichts anderes, als der gew\u00f6hnliche kapitalistische Leistungs- und Anpassungszwang unter ver\u00e4nderten Akkumulations- und Regulationsbedingungen. In dem gleichen Ma\u00dfe, wie durch das Konkurrenzverh\u00e4ltnis die \u00f6konomischen Protagonisten zur Steigerung des Mehrwerts gezwungen werden, muss aus den Arbeitenden ein Maximum an Leistung herausgepresst werden. Selektion des Personals und Ausgrenzung der \u00bb\u00dcberfl\u00fcssigen\u00ab sind ihre zwangsl\u00e4ufigen Konsequenzen, wie schon Gramsci vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit einem sich entwickelnden \u00bbFordismus\u00ab prognostizierte: \u00bbUnausweichlich wird es eine verst\u00e4rkte Auslese geben, ein Teil der alten Arbeiterklasse wird unerbittlich aus der Welt der Arbeit &#8230; eliminiert.\u00ab (Gramsci 1999, S. 2086f.) Der gegenw\u00e4rtige Kapitalismus funktioniert als Ausgrenzungsmaschine \u2013 und die Produktion von Randst\u00e4ndigkeit z\u00e4hlt zu seinen Funktionsmomenten. \u00bbDie enorme Zerst\u00f6rung physischpsychisch-geistiger Produktivkraft, die dabei zu dem Zweck stattfindet, der Gesellschaft ihre Produktivit\u00e4t zu erhalten, zeugt davon, wie wenig die alte Spannung zwischen Produktivkr\u00e4ften und Produktionsverh\u00e4ltnissen &#8230; auch nur im mindesten behoben ist und wie reich nur die Formen sind, in denen sie sich immer katastrophischer entl\u00e4dt.\u00ab (T\u00fcrcke 1995, S. 52f.) VIII. Pr\u00e4gendes Merkmal der gegenw\u00e4rtigen kapitalistischen Ausbeutungsdynamik und Basis der Herrschaftsperpetuierung ist ein selektiver Zugriff auf die Arbeitskr\u00e4fte: In den auf Vordermann gebrachten betrieblichen Ausbeutungsstrukturen ist nur noch f\u00fcr die hundertprozentig Leistungsf\u00e4higen Platz. Die \u00c4lteren und die gesundheitlich Angeschlagenen, alle die nicht \u00bbwendig\u00ab und \u00bbflexibel\u00ab genug sind, werden \u00bbaussortiert\u00ab und den Sozialkassen \u00fcberantwortet. Diese Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber andere Menschen, macht den Kern b\u00fcrgerlicher Klassenherrschaft aus. Ungleiche Verteilung des gesellschaftlichen Mehrprodukts und ein mehr oder weniger an Lebenschancen sind dagegen \u00bbabgeleitete\u00ab Ergebnisse dieses herrschaftsdeterminierten Gesellschaftsgef\u00fcges. Dass die \u00bbFreisetzungen\u00ab und Ausgrenzungen nur als vermittelter Ausdruck kapitalistischer Ausbeutungsmechanismen und der Strukturen der Mehrwertaneignung begriffen werden k\u00f6nnen, zeigt sich besonders auff\u00e4llig in der Intensivierung und \u00bbVerdichtung\u00ab der Arbeit f\u00fcr die nach einer \u00bbRationalisierungswelle\u00ab weiter Besch\u00e4ftigten. Die teilweise dramatisch reduzierten Belegschaften werden gezwungen, immer mehr und immer Besseres zu leisten. In vielen industriellen Bereichen muss ein Besch\u00e4ftigter, der vor wenigen Jahren noch f\u00fcr eine Maschine zust\u00e4ndig war, mittlerweile zwei oder drei bedienen.<\/p>\n<p>Die neoliberalistischen Strategien haben nicht nur die Arbeitswelt ver\u00e4ndert. Die ausbeutungsorientierten Umgestaltungsinitiativen erfordern gleichzeitig eine Umstrukturierung der Lebensverh\u00e4ltnisse. Denn wenn innerhalb des Arbeitsprozesses die Leistungspotentiale optimal ausgesch\u00f6pft werden sollen, m\u00fcssen die Alltagsverh\u00e4ltnisse mit den strukturellen Ver\u00e4nderungen in der Arbeitswelt korrespondieren: Wenn die Arbeitszeiten \u00bbflexibilisiert\u00ab (und das bedeutet fast immer, dass sie \u00bbentgrenzt\u00ab werden und neue Belastungen f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten entstehen), bedarf es beispielsweise auch der Anpassung von Laden\u00f6ffnungszeiten. Schon hierin zeigt sich, dass \u00bbNeoliberalismus\u00ab nicht nur ein \u00f6konomisches System, sondern auch ein sozialer und kultureller Umw\u00e4lzungsvorgang ist, dessen Antriebsenergie die Inszenierung eines allgegenw\u00e4rtigen Druck- und Bedrohungsszenariums ist. Die \u00bbKollateralsch\u00e4den\u00ab der Umgestaltungen, die Verarmungstendenzen und die Entstehung von Zonen der Entkoppelung stellen keine \u00bbEntgleisungen\u00ab der neoliberalen Umgestaltungsstrategien dar, sondern sind deren notwendiger Bestandteil. Denn f\u00fcr die ausbeutungsorientierte Transformation der Sozialverh\u00e4ltnisse ist die Vergr\u00f6\u00dferung der sozialen Unterschiede und die Institutionalisierung der existentiellen Unsicherheit von grunds\u00e4tzlicher Bedeutung. Wenn die sozialen Errungenschaften eingeschr\u00e4nkt und das Lohnniveau abgesenkt, die Ausbeutungsrate erh\u00f6ht und die Mitgestaltungsm\u00f6glichkeiten der Besch\u00e4ftigten eingeschr\u00e4nkt werden sollen, muss es Ungleichheit und Ausgrenzung, auch sp\u00fcrbare Formen der Bed\u00fcrftigkeit und Armut geben : Nur wenn durch Einsch\u00fcchterung und \u00c4ngste die Artikulation der eigenen Interessen erschwert wird, k\u00f6nnen die Menschen so gef\u00fcgig gemacht werden, dass die universale Verf\u00fcgbarkeit \u00fcber die Arbeitskr\u00e4fte und die vollst\u00e4ndige Einordnung des menschlichen Lebensrhythmus in den sich beschleunigenden Kreislauf der Kapitalakkumulation durchgesetzt werden kann. Schon 2003 stellte eine Allensbach-Studie bei 71 Prozent der Befragten die Bereitschaft fest, f\u00fcr \u00bbsichere Arbeitspl\u00e4tze\u00ab ohne Lohnausgleich, l\u00e4nger zu arbeiten. Die Einsch\u00fcchterung durch Verunsicherung funktioniert besonders effektiv, weil sich der Eindruck einer gesellschaftspolitischen Alternativlosigkeit verallgemeinert hat. Das Schlagwort vom \u00bbEnde der Utopien\u00ab hat reale Ursachen: In ihm kommt zum Ausdruck, dass durch die unmittelbare Lebenspraxis keine perspektivische Zuversicht mehr vermittelt wird, wie es in der Phase des Prosperit\u00e4tskapitalismus noch der Fall gewesen ist. Auch diese kapitalistische Entwicklungsphase war nicht frei von Krisentendenzen, jedoch konnten beispielsweise die von Rationalisierungsma\u00dfnahmen Betroffenen realistischerweise davon ausgehen, nicht all zu tief zu fallen. Oft waren betriebliche Umgestaltungen mit Aufstiegschancen verbunden und wer arbeitslos wurde, konnte mit einer schnellen Wiedereingliederung rechnen.<\/p>\n<p>Mittlerweile sind jedoch die sozialen Risiken bei Br\u00fcchen in der Arbeitsbiographie unkalkulierbar geworden. Es dominiert \u00bbdie Angst, \u00fcberfl\u00fcssig zu sein, oder zur\u00fcckgelassen zu werden\u00ab (wie es die angesprochene Allensbach-Studie ausdr\u00fcckt), weil der herrschende Block keinen Zweifel daran aufkommen l\u00e4sst, dass der Kapitalismus in seinem gegenw\u00e4rtigen Entwicklungsstadium, nicht mehr alle Arbeitskraftverk\u00e4uferinnen und -verk\u00e4ufer ben\u00f6tigt und seine Protagonisten auch bereit sind, die Abkoppelung gro\u00dfer Sozialschichten in Kauf zu nehmen. Verbunden mit dieser Haltung ist der Abschied von der gesellschaftlichen Selbstverpflichtung einer materiellen Grundsicherung f\u00fcr alle, die sich auch in dem Bestreben \u00e4u\u00dfert, die sozialen Hilfeleistungen, unter das existenziell notwendige abzusenken. Der Pr\u00e4sident eines Bundesverbandes der Deutschen Industrie (M. Rogowski) war nicht der einzige, der eine Absenkung des Arbeitslosengeldes um (mindestens) 25 Prozent \u2013 und somit auf ein Elendsniveau \u2013 gefordert hat. Pierre Bourdieu hat die Konsequenzen dieser Strategien der Verunsicherung auf ihren machttheoretischen Punkt gebracht: \u00bbDie Prekarit\u00e4t ist Teil einer neuartigen Herrschaftsform, die auf die Errichtung einer zum allgemeinen Dauerzustand gewordenen Unsicherheit fu\u00dft und das Ziel hat, die Arbeitnehmer &#8230; zur Hinnahme ihrer Ausbeutung zu zwingen.\u00ab (Bourdieu 1998, S. 100). Denn die Verallgemeinerung von Unsicherheit f\u00fchrt dazu, dass die Bedrohten, in der Hoffnung, dem sozialen Absturz doch noch entkommen zu k\u00f6nnen, Konzepten und Ver\u00e4nderungen zustimmen, die ihrer eigenen Interessenlage elementar widersprechen.<\/p>\n<p>Die aktuellen Prozesse sozialer Ausgrenzung sind so strukturiert, dass eine Bereitschaft zur Selbstunterdr\u00fcckung erzeugt wird. In der Verallgemeinerung selbstrepressiver Verarbeitungsformen wird das \u00bbErfolgsgeheimnis\u00ab sp\u00e4tkapitalistischer Systemreproduktion (die schon funktionierte, bevor der Begriff \u00bbNeoliberalismus\u00ab in aller Munde war) deutlich: Er erzwingt Anpassung durch verunsichernde Konfrontationsstrategien: Gesellschaftspolitischer \u00bbKonsens\u00ab wird vorrangig nicht durch intellektuelle \u00bb\u00dcberzeugungsarbeit\u00ab und ideologische Beeinflussung, sondern durch massenpsychische Formierung hergestellt. Traditionelle ideologische Vermittlungsformen spielen zwar auch eine Rolle (der \u00bbNeoliberalismus\u00ab stellt eine geradezu klassische Form konzeptioneller Ideologie dar), jedoch sind der inhaltlichen \u00bb\u00dcberzeugungsarbeit\u00ab der gleichgeschalteten Medienapparate und einer fast vollst\u00e4ndig formierten \u00f6ffentlichen Debatte, ideologische Anpassungsbereitschaft f\u00f6rdernde Ver\u00e4ngstigungen und aus ihnen resultierende irrationalistische Reaktionsmuster vorgelagert. (Vgl.: Hahn 2006) Spaltung, Fragmentarisierung und Abkoppelung sind gleichzeitig Mechanismen der Kanalisierung gesellschaftlicher Widerspr\u00fcche. Sie bewirken die \u00bbIndividualisierung\u00ab der Konflikte und eine Spaltung der Krisenopfer. Durch die Komplettierung ihrer Ausgrenzung durch Selbststigmatisierung und R\u00fcckzugstendenzen, wird der herrschende Block in der BRD von der Notwendigkeit entlastet, im gro\u00dfen Umfang offene Repressionsma\u00dfnahmen einzusetzen, wie es in den USA geschieht, wo die fehlenden sozialen Sicherungssysteme durch kriminaltechnische Erfassungsnetze ersetzt werden, um die Ausgegrenzten unter Kontrolle zu halten und disziplinieren zu k\u00f6nnen. In \u00bbVerbrecherkarteien\u00ab wurden schon am Ende 20. Jahrhunderts die Daten von 30 Millionen Personen (das sind 30 Prozent der erwachsenen m\u00e4nnlichen Bev\u00f6lkerung) erfasst. Sie bilden die Grundlagen f\u00fcr eine Inhaftierungspraxis, f\u00fcr die es in vergleichbaren Industriestaaten keine Beispiele gibt: Anfang 2006 waren 2,3 Millionen Menschen in US-amerikanischen Gef\u00e4ngnissen eingeschlossen, zum Teil, \u00bbweil selbst Biertrinken im Park zu Haftstrafen f\u00fchren kann.\u00ab (Der Spiegel, Nr. 25\/2007, S. 112) Es sind 4 bis 5 Prozent der arbeitsf\u00e4higen Bev\u00f6lkerung (mit einem weit \u00fcberproportionalen Anteil von Farbigen), die von Fall zu Fall von einer Gef\u00e4ngnisindustrie \u00bbentsorgt\u00ab werden, die zunehmend privatwirtschaftlich organisiert wird. (Vgl.: Wacquant 1999 und Davis 2004) \u00bbDas massive, in den Achtzigerjahren begonnene Projekt des Gef\u00e4ngnisbaus schuf die Mittel zur Konzentration und Verwaltung der Elemente, die das kapitalistische System stillschweigend zum menschlichen \u00dcberschuss erkl\u00e4rt hatte.\u00ab (Davis 2007, S. 60) Ein \u00bbabgeh\u00e4ngtes Prekariat\u00ab taucht hier in Gestalt einer weggeschlossenen und strafrechtlich bearbeiteten \u00bb\u00dcberschussbev\u00f6lkerung\u00ab (Marx) wieder auf. In diesem Gef\u00e4ngnissystem haben auch profitable \u00bbBesch\u00e4ftigungsprogramme\u00ab ihren Platz: F\u00fcr Lohnkosten von einem Dollar und weniger, haben Gro\u00dfkonzerne wie beispielsweise Microsoft unmittelbaren Zugriff auf die Arbeitskraft der Gefangenen. F\u00fcr reibungslosen Nachschub sorgt eine Rechtsprechung, die Wiederholungst\u00e4ter bei der dritten Straftat f\u00fcr 25 Jahre oder gar lebensl\u00e4nglich inhaftiert, auch wenn es sich um Bagatelldelikte handelt.<\/p>\n<p>Bei einem realistischen Blick auf die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse und einer analytischen Trennung des Wesentlichen vom Unwesentlichen wird offensichtlich, dass die Prekarisierungs- und Verarmungsprozesse als Ausdruck einer grundlegenden Ver\u00e4nderung der klassengesellschaftlichen Regulationsformen begriffen werden m\u00fcssen. Und gemessen an den (zumindest in den Metropolenl\u00e4ndern) erk\u00e4mpften Standards, sind sie auch als Symptome einer sozialpolitischen R\u00fcckschrittstendenz zu begreifen: Neoliberalismus und Prekarisierung sind die beiden Seiten der gleichen Medaille. Der franz\u00f6sische Soziologe Alain Touraine hat von einer Dreiteilung der Gesellschaft in den Arbeitsverh\u00e4ltnissen gesprochen. Faktisch handelt es sich dabei nat\u00fcrlich um eine Umgestaltung der Klassengesellschaft, die auf der Wahrnehmungsoberfl\u00e4che als Prozess von Privilegierung auf der einen, sowie Statusentwertung und sozialer Gef\u00e4hrdung auf der anderen Seite erscheint. Neue Differenzierungslinien verlaufen sowohl zwischen dem herrschenden Block (der ebenfalls in der skizzierten Weise einer strukturellen Neuausrichtung unterworfen ist) und den Lohnabh\u00e4ngigen, jedoch auch mitten durch die diversen Schichten der Klasse der Arbeitskraftverk\u00e4uferinnen und -verk\u00e4ufer. Wie schon angedeutet wurde, kristallisiert sich ein Gesellschaftsgef\u00fcge heraus, das aus einem gutsituierten knappen Bev\u00f6lkerungsdrittel besteht (und auch die herrschende Klasse und ihre Funktionseliten umfasst). Ein weiteres Drittel kann phasenweise mit ausk\u00f6mmlichen Lebens- und Arbeitsverh\u00e4ltnissen rechnen, doch sind dessen \u00bbLebenslagen\u00ab alles andere als sicher, weil die soziale Existenz permanent von Dequalifizierungs- und sozialen Absturztendenzen bedroht ist. Wenn ihre Fertigkeiten und Leistungspotentiale nicht mehr ben\u00f6tigt werden, sind die Angeh\u00f6rigen dieser neuen \u00bbZwischenschicht\u00ab akut von sozialer R\u00fcckstufung bedroht. \u00dcbrig bleibt ein Restdrittel, das als \u00f6konomische Dispositionsmasse dient und kaum noch Chancen besitzt, den Zonen der Bed\u00fcrftigkeit und existenzieller Unsicherheit jemals entkommen zu k\u00f6nnen. Vor allem der \u00dcbergang zwischen dem unteren und dem mittleren Drittel ist flie\u00dfend, weil die Zonen der Sicherheit schrumpfen. Ob die Verschlechterung der Lebensverh\u00e4ltnisse und die Verallgemeinerung von Unsicherheit als blo\u00dfe \u00dcbergangserscheinungen begriffen werden k\u00f6nnen, ist in hohem Ma\u00dfe fraglich. Denn die Kapitalakkumulation kann auf dem zur Systemproduktion notwendigen Niveau nur noch durch Aktivit\u00e4ten mit makro\u00f6konomisch und daraus folgend auch sozio-kulturell destruktiven Konsequenzen funktionieren. Eines ihrer Charakteristika ist die Konzentration auf hochprofitable \u00bbKerne\u00ab, in Kombination mit arbeitsplatzvernichtenden Rationalisierungsstrategien. Die neoliberalistische Verwertungsperspektive wirkt gesamtgesellschaftlich als Entwicklungshypothek, weil dem Imperativ einer kurzfristigen Profitmaximierung immer \u00f6fter nur um den Preis eines Verzichtes auf Zukunftschancen entsprochen werden kann: Es wird auf Forschungsvorhaben, Ausbildung des Personals, aber auch perspektivische Investitionsprogramme verzichtet. Nicht selten wird gegenw\u00e4rtig auch von der Substanz einer \u00fcber lange Zeitr\u00e4ume angeh\u00e4uften Mehrwertmasse (die betriebswirtschaftlich als \u00bbstille Reserven\u00ab bezeichnet werden) gezehrt. Diese Prozesse werden durch das Spekulationskapital beschleunigt, das bei seinen Aktivit\u00e4ten nicht selten eine Spur der Verw\u00fcstung hinterl\u00e4sst.<\/p>\n<p>Der Kapitalismus mutiert zu einem Raubsystem, sichert tempor\u00e4re Akkumulationserfolge durch Ressourcenzerst\u00f6rung sowohl in der Peripherie als auch im Zentrum \u2013 er kehrt auch in dieser Hinsicht zu seinen Anf\u00e4ngen zur\u00fcck, als Raub und Handel noch eine untrennbare Einheit bildeten. (Vgl.: Biermann\/Kl\u00f6nne 2005) Das moderne Raubsystem mag Grenzen haben und es scheint auch der Punkt erreicht zu sein, wo gro\u00dfe Massen des Spekulationskapitals noch erfolgversprechend investiert werden k\u00f6nnen. Jedoch werden durch seine Vorgehensweise neue Standards \u00f6konomischen Verhaltens gesetzt; es werden Zw\u00e4nge geschaffen, die bewirken, dass \u00bbManager, Ingenieure oder Firmen nur noch dem kurzfristigen Cash-Gewinn hinterherhecheln\u00ab. (Der Spiegel, Nr. 51, 2006, S. 71) Destruktives Agieren wird zum \u00f6konomischen und sozialen Organisationsprinzip \u2013 mit Konsequenzen, die einer gesellschaftlichen Wohlfahrtsentwicklung nicht f\u00f6rderlich sind.<\/p>\n<p>Der Kapitaldominanz und ihren destruktiven Effekten k\u00f6nnten zwar neue Schranken gesetzt werden, jedoch nicht durch die Akzeptanz klassengesellschaftlicher Zustandsformen: Die Position einer \u00bbAnerkennung prek\u00e4rer Arbeits- und Lebensverh\u00e4ltnisse\u00ab (D\u00f6rre 2005, S. 14) mit der Intention die beschr\u00e4nkten Handlungsoptionen zu vergr\u00f6\u00dfern (vgl.: Kessel 2005, S. 31), korrespondiert mit der klassisch-hilflosen Position der \u00bbArmenf\u00fcrsorge\u00ab, die sich auf eine Abmilderung sozialen Elends konzentrierte, die gesellschaftlichen Ungleichheitsstrukturen jedoch als Faktizit\u00e4t akzeptierte. \u00bbDie Armen\u00ab, schrieb 1777 Pestalozzi, \u00bbwerden sich in der Art, sich zu erhalten, nach den Ressourcen bequemen m\u00fcssen, welche nach den Lokalumst\u00e4nden eines jeden Distrikt den Armen offen stehen\u00ab. Sie m\u00fcssten sich deshalb an den \u00bbBeschwerlichkeiten aller niedrigen Unterhaltungswege\u00ab ausrichten. (Zit. nach: Kessel 2005, S. 30) F\u00fcr eine Politik in progressiver Ver\u00e4nderungsperspektive ist eine solche konzeptionelle \u00bbSelbstbeschr\u00e4nkung\u00ab kontraproduktiv. Wenn \u00bbEntprekarisierung\u00ab eine Chance haben soll, muss die Produktion von \u00bb\u00dcberfl\u00fcssigen\u00ab skandalisiert, jene auch als Widerspruchsprinzip zu den Selbstanspr\u00fcchen einer entwickelten b\u00fcrgerlichen Gesellschaft (die einmal die Maxime \u00bbWohlstand f\u00fcr alle\u00ab auf ihre Fahnen geschrieben hatte) dargestellt werden. Es muss zum Ausdruck gebracht werden, dass die soziale R\u00fcckstufung und die Ausschlie\u00dfungsvorg\u00e4nge Konsequenz einer Klassendominanz sind. Wer davon nicht reden will, sollte \u00fcber die Prekarisierung schweigen!<\/p>\n<p>Oder anders formuliert: Dort wo die meisten theoretischen Versuche \u00fcber die Prekarisierung aufh\u00f6ren, m\u00fcsste eine kritische Analyse eigentlich beginnen! Die praktischen Konsequenzen einer schonungslosen Analyse des klassengesellschaftlichen Kontextes einer angeblich \u00bbNeuen sozialen Frage\u00ab liegen auf der Hand: Wenn die Lohnabh\u00e4ngigen ihre Lage wieder verbessern, auch nur stabilisieren wollen, muss mit gr\u00f6\u00dferem Einsatz und auch auf \u00bbbreiterer Front\u00ab als in den letzten Jahren gek\u00e4mpft werden. Denn die \u00bbGewerkschaften haben sich nicht auf \u203aetwas\u2039 Sozialabbau und auf ein \u203aetwas niedrigeres\u2039 Tarifniveau einzustellen, sondern sie haben es mit einem grundlegenden Angriff auf die Grundlagen der sozialen Regulierung zu tun.\u00ab (L. Mayer 2006, S. 22) Obwohl Illusionen \u00fcber die sozialpolitische Destruktionstendenz kaum existieren, ist der grunds\u00e4tzliche Charakter der sozialstaatlichen Abbautendenzen auch in vielen prekarit\u00e4tstheoretischen Zusammenh\u00e4ngen nur unvollst\u00e4ndig begriffen worden. Es dominieren Hoffnungen den \u00bbRheinischen Kapitalismus\u00ab wieder rekonstruieren zu k\u00f6nnen. Diese Grundstimmung zur Basis einer strategischen Ausrichtung linker Politik machen zu wollen (wie es oft im Umfeld der Zeitschrift \u00bbSozialismus\u00ab geschieht [in der Schweiz \u2013 bestenfalls! &#8211; im Umfeld von\u00bbDenknetz\u00ab und der Zeitschrift\u00bbWiderspruch\u00ab; Anm. maulwuerfe.ch]), k\u00f6nnte jedoch leicht in einer Sackgasse enden, weil \u00f6konomische und soziale Bewegungsspielr\u00e4ume, die den \u00bbklassischen\u00ab Reformismus erm\u00f6glichten nicht mehr existieren. Erfolgversprechend k\u00f6nnen deshalb nur Arbeitsk\u00e4mpfe sein, die mit der gleichen Grunds\u00e4tzlichkeit wie von der Kapitalseite gef\u00fchrt werden. Das hei\u00dft auch, dass sie in ein Gesamtkonzept gesellschaftlicher Ver\u00e4nderungen eingebunden und die einzelnen Aktionen aufeinander bezogen werden m\u00fcssen. In den entscheidenden Auseinandersetzungen sind Kampfformen, die sich auf einzelne Branchen beschr\u00e4nken, schon lange nicht mehr erfolgversprechend. N\u00f6tig ist eine Intensivierung der Aktionen, die latent die Grenzen zum \u00bbpolitischen Streik\u00ab \u00fcberschreiten m\u00fcssten. Wenn die Gewerkschaften ihre Handlungsf\u00e4higkeit wiedergewinnen wollen, muss es zumindest bei der Verteidigung elementarer Interessen Aktionsb\u00fcndnisse \u00fcber Branchen und Besch\u00e4ftigungssektoren hinaus geben.<\/p>\n<p>Die Standards haben das Kapital und die in seinem Sinne agierenden staatlichen Institutionen gesetzt, wie beispielsweise bei der Verl\u00e4ngerung der Arbeitszeiten im \u00f6ffentlichen Dienst. Denn mit dem Arbeitszeit-Diktat sollten Fakten, ein Modell f\u00fcr die Arbeitswelt in ihrer Gesamtheit geschaffen werden. Auf diese Provokation h\u00e4tte mit einer breiten Streikfront reagiert werden m\u00fcssen \u2013 und sie w\u00e4re, den entsprechenden Willen bei den Gewerkschaftsf\u00fchrern vorausgesetzt, auch zustande gekommen. Denn in den meisten gro\u00dfen Auseinandersetzungen der letzten Jahre hat es eine profilierte Konfrontationsbereitschaft der Belegschaften gegeben, die von den Gewerkschaftsb\u00fcrokratien jedoch ignoriert wurde. Gerade weil durch die gegenw\u00e4rtige Machtdominanz des Kapitals sich die Erfolgsaussichten der Gewerkschaften verschlechtert haben, m\u00fcssen alle M\u00f6glichkeiten ausgesch\u00f6pft werden. Noch befinden sich die Lohnabh\u00e4ngigen in der Defensive. Jedoch gilt es, die Krise als Chance zu begreifen. Wo durch Fragmentarisierung in den Betrieben und durch die Internationalisierung der Arbeitsm\u00e4rkte die Handlungsspielr\u00e4ume des Kapitals gr\u00f6\u00dfer geworden sind, m\u00fcssen branchen\u00fcbergreifende Kampfformen gefunden werden, die selbst jedoch in gesellschaftspolitischen Konzepten fundieren m\u00fcssen. Den Strategien der Verarmung und Dem\u00fctigung muss die Utopie des guten Lebens und der sozialen Selbstbestimmung entgegengesetzt werden. Auf die neoliberalistische Wahnvorstellung einer vollst\u00e4ndigen Einordnung der Menschen in den beschleunigten Rhythmus der Kapitalakkumulation muss mit dem Anspruch auf Zeitautonomie geantwortet werden; der Kampf um die Arbeitszeit, also als Auseinandersetzung um zentrale Lebensinteressen verst\u00e4ndlich gemacht werden. Der Verteidigung des erreichten Arbeitszeitniveaus kommt schon deshalb zentrale Bedeutung zu, weil dessen Durchsetzung eines der gro\u00dfen Projekte der Gewerkschaftsbewegung nach dem 2. Weltkrieg gewesen ist. Aber erfolgversprechend kann diese Auseinandersetzung nicht sein, wenn sie nur als Verteidigung des Erreichten gef\u00fchrt wird: Sie muss einen offensiven Charakter bekommen. Es gibt keinen Grund, auf die Perspektive weiterer Arbeitszeitverk\u00fcrzungen zu verzichten. Das Ziel der Auseinandersetzung kann nicht sein, nur die fl\u00e4chendeckende Wiedereinf\u00fchrung der 40-Stundenwoche zu verhindern: Gegen\u00fcber der kapitalistischen Logik der Arbeitsplatzvernichtung und der \u00bbFreisetzung\u00ab von Arbeitskr\u00e4ften gilt es vielmehr selbstbewusst festzustellen, dass 30 w\u00f6chentliche Arbeitsstunden mehr als genug sind! Politik, die \u00bbEntprekarisierung\u00ab vorantreiben will, muss aufs \u00bbGanze\u00ab gehen, im Prinzip den Kapitalismus in Frage stellen. Nur dann wird sie auch das gegenw\u00e4rtig M\u00f6gliche durchsetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><em><a href=\"http:\/\/www.labournet.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/klassenanalysen_seppmann.pdf\">labournet.de&#8230;<\/a><\/em><em> vom 11. 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