{"id":3056,"date":"2018-01-25T16:26:21","date_gmt":"2018-01-25T14:26:21","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3056"},"modified":"2018-01-25T16:26:21","modified_gmt":"2018-01-25T14:26:21","slug":"eine-neofaschistische-betriebsgruppe-bei-daimler-stuttgart","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3056","title":{"rendered":"Eine neofaschistische Betriebsgruppe bei Daimler Stuttgart"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zu den Betriebsratswahlen bei Daimler in Untert\u00fcrkheim ist auch in diesem Jahr wieder die Liste \u201eZentrum\u201c angetreten. Die dahinterstehende Gruppe \u201eZentrum Automobil e.V.\u201c ist<!--more--> eine neofaschistische Betriebsorganisation. Ziel ist gem\u00e4\u00df ihrer Satzung der Aufbau von Betriebsgruppen in der Automobilindustrie, ausgehend vom Pilotprojekt beim Autohersteller Daimler. Dort arbeitet die Gruppe am Daimler-Stammsitz in Stuttgart-Untert\u00fcrkheim seit Jahren. Ihre Aktivit\u00e4ten richten sich besonders gegen die Arbeiteroffensive und die seit Jahrzehnten dort geleistete marxistisch-leninistische Kleinarbeit. Der Einfluss revolution\u00e4rer und klassenk\u00e4mpferischer Kr\u00e4fte w\u00e4chst, wie zuletzt durch den Erfolg der \u201eOffensiven Metaller\u201c mit sieben Prozent bei den Betriebsratswahlen im M\u00e4rz 2014. Das wird vom \u201eZentrum\u201c attackiert.<\/strong><\/p>\n<p>Die Eigendarstellung der Gruppe \u201eZentrum\u201c als\u00a0<em>\u201e\u00fcberparteilich\u201c\u00a0<\/em>ist vors\u00e4tzlicher Betrug. Alle wesentlichen Ziele und Methoden k\u00f6nnen und m\u00fcssen \u2013 trotz Tarnung \u2013 ideologisch, politisch und organisatorisch auf die neofaschistische Szene unter ma\u00dfgeblicher F\u00fchrung der NPD zur\u00fcckverfolgt werden. Der Gleichklang mit dem NPD-Programm ist unverkennbar!<\/p>\n<p>Wie gegen\u00fcber der NPD und anderen Neonazis muss auch gegen \u201eZentrum\u201c die Forderung nach Verbot aller faschistischen Organisationen vertreten und durchgesetzt werden. In diesem Sinne ist eine Aufkl\u00e4rungs- und Erziehungsarbeit in Betrieb und Gewerkschaft zu leisten. Sie muss die antifaschistische Wachsamkeit in der \u00d6ffentlichkeit und besonders den Belegschaften sch\u00e4rfen und das proletarische Klassenbewusstsein wecken und h\u00f6herentwickeln.<\/p>\n<p>Dass die Liste des \u201eZentrum\u201c bei den erw\u00e4hnten Betriebsratswahlen in Untert\u00fcrkheim ihrerseits 1.200 Stimmen verbuchen konnte und damit fast zehn Prozent, muss als Alarmsignal verstanden werden. Vor allem bedeutet es eine kritische Herausforderung an alle gewerkschaftlichen, k\u00e4mpferischen und klassenk\u00e4mpferischen Kr\u00e4fte, darauf offensiv zu antworten!<\/p>\n<p>\u201e<strong>Zentrum\u201c entfaltet sozialfaschistische Demagogie<\/strong><\/p>\n<p>\u201eZentrum\u201c entfaltet eine nicht immer leicht zu durchschauende sozialfaschistische Demagogie unter der Belegschaft, z. B. auf Betriebsversammlungen oder mit ihrer Betriebszeitung \u201eKompass\u201c. Dabei n\u00fctzt sie an der Basis vorhandene Kritiken an der Klassenzusammenarbeitspolitik der rechten Gewerkschafts- und Betriebsratsspitze aus. Sie stilisiert sich \u2013 wie es ihre Hauptlosung zu den Betriebsratswahlen ausdr\u00fcckte \u2013 zur<em>\u00a0\u201eOpposition gegen das Co-Management\u201c<\/em>.<\/p>\n<p>Diese Pseudo-Ablehnung des reformistischen Co-Managements w\u00e4chst jedoch aus neofaschistischen Wurzeln, was vielen Kollegen und selbst verschiedenen Kandidaten auf der Betriebsratsliste des \u201eZentrum\u201c nicht wirklich bewusst ist. Das \u201eZentrum\u201c vertritt als ,Alternative\u2018 die faschistische Betriebsgemeinschaft und Volksgemeinschaft \u2013 und damit die offenste und brutalste Unterdr\u00fcckung nach dem Vorbild der NSDAP Hitlers. Diese pr\u00e4gte daf\u00fcr die Losung\u00a0<em>\u201eEin Volk, ein Reich, ein F\u00fchrer!\u201c<\/em>\u00a0Entsprechend wurde in den Betrieben jede k\u00e4mpferische Regung gnadenlos verfolgt und galt die absolute Unterordnung unter die sogenannten \u201eWehrwirtschaftsf\u00fchrer\u201c in der Betriebsleitung. Ausgehend von der Ideologie der Betriebs- und Volksgemeinschaft wird auch heute vom \u201eZentrum\u201c die offene Feindschaft gegen\u00fcber dem proletarischen Klassenkampf und seinen Vertretern im Betrieb propagiert. (<em>\u201eWider den Klassenkampf! Die gegenseitige Abh\u00e4ngigkeit von Arbeitnehmer und Arbeitgeber muss Einzug in das Bewusstsein der einzelnen Wirtschaftsteilnehmer haben!\u201c)<\/em><\/p>\n<p>Ins Visier genommen werden vom \u201eZentrum\u201c nicht die kapitalistischen Monopole und ihre Ausbeutung als solche, sondern die sogenannte\u00a0<em>\u201eGlobalisierung\u201c\u00a0<\/em>und anonyme\u00a0<em>\u201emultinationale Konzerne\u201c.<\/em>\u00a0Demgegen\u00fcber wird demagogisch auf eine\u00a0<em>\u201eRaumorientierte Wirtschaft\u201c<\/em>\u00a0gesetzt, wie es das NPD-Programm vorgibt. Dabei orientieren sich die Neofaschisten an den Interessen der nationalen Monopole und nichtmonopolistischen Bourgeoisie. Zugleich wollen sie die deutschen Vertreter des internationalen Finanzkapitals wie Daimler wesentlich st\u00e4rker machen. In diesem Sinn identifiziert sich die Gruppe \u201eZentrum\u201c vollst\u00e4ndig mit den Vorstandspl\u00e4nen von Daimler-Chef Zetsche zur Eroberung der Weltmarktf\u00fchrung. Ihre Kritik daran ist einzig und allein, dass Daimler eben diesen Spitzenplatz nur dann erreichen k\u00f6nne, wenn er seine Autos in Deutschland mit deutschen Arbeitern und deutschen Produkten herstellen lassen w\u00fcrde. (<em>\u201e,Made in Germany\u2018 muss wieder ,Gefertigt in Deutschland\u2018 hei\u00dfen!\u201c<\/em>) Hinter der scheinbar antikapitalistischen Kritik verbirgt sich offene und reaktion\u00e4re nationalistische Hetze mit dem Hauptsto\u00df gegen den proletarischen Internationalismus und dessen Leitlinie<em>\u00a0\u201eProletarier aller L\u00e4nder, vereinigt euch!\u201c\u00a0<\/em>Losungen wie\u00a0<em>\u201eSolidarit\u00e4t nur in Untert\u00fcrkheim \u2013 und nicht anderswo!\u201c<\/em>\u00a0richten sich auch direkt gegen die Internationale Automobilarbeiterkonferenz (IAC) und ihr f\u00fcr 2015 in Sindelfingen geplantes weltweites Treffen. Entsprechend attackiert das \u201eZentrum\u201c den angeblichen\u00a0<em>\u201eIrrweg des Internationalismus\u201c<\/em>.<\/p>\n<p>Der reaktion\u00e4re, nationalistische und aggressiv antikommunistische Kurs der Gruppe \u201eZentrum\u201c richtet sich auch in der aktuellen betrieblichen Auseinandersetzung gerade im Werk Untert\u00fcrkheim keineswegs gegen Leiharbeit und Werkvertr\u00e4ge sowie f\u00fcr die Gleichstellung dieser Kollegen mit den Stammbesch\u00e4ftigten. Konkret wird allein die bestehende Leiharbeitsquote von acht Prozent kritisiert, aber nur im Sinne einer angeblichen Verhinderung des \u201e<em>Ausblutens deutscher Standorte\u201c<\/em>. Was sich dahinter verbirgt, ist die Forderung der NPD:\u00a0<em>\u201eFremdarbeiter stoppen \u2013 Arbeit f\u00fcr Deutsche!\u201c\u00a0<\/em>In der Konsequenz hei\u00dft das, wie ebenfalls von der NPD propagiert, ausl\u00e4ndische Kollegen aus jeglicher Sozialversicherung in Deutschland herauszuwerfen und sie \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 alle sozialen Kosten selbst finanzieren zu lassen.<\/p>\n<p>Neben der offenen Feindschaft zu revolution\u00e4ren, sozialistischen und internationalistischen Positionen und Kr\u00e4ften geht von der Gruppe \u201eZentrum\u201c eine fortgesetzte und penetrante gewerkschaftsfeindliche Hetze aus. Vom neofaschistischen Prinzip her lehnt sie Gewerkschaften als Klassenorganisationen ebenso wie die NPD ab, denn sie gelten als eine Form\u00a0<em>\u201e\u00fcbertriebener Einzel- und Gruppeninteressen\u201c,<\/em>\u00a0die sich gegen das Funktionieren der<em>\u00a0\u201eVolksgemeinschaft\u201c<\/em>\u00a0richten w\u00fcrden. Konkret ist das verbunden mit typisch sozialfaschistischen und zynischen Verleumdungen, z. B. die IG Metall als\u00a0<em>\u201eIG M\u00f6chtegern\u201c<\/em>\u00a0und den DGB als\u00a0<em>\u201eD\u00e4mlichen Geheim Bund\u201c<\/em>\u00a0zu diskreditieren. Umso wichtiger ist, die Einheitsgewerkschaft auf antifaschistischer Grundlage zu festigen, statt sich durch antikommunistische Tiraden nach dem Muster \u201eRechts- und Linksradikale machen gemeinsame Sache\u201c spalten zu lassen \u2013 wie es nach den Wahlen im Untert\u00fcrkheimer Werk prompt aus Teilen der Betriebsratsspitze zu h\u00f6ren ist. Faschisten sind \u00fcberhaupt nicht radikal, sie gehen dem Kapitalismus gerade nicht an die Wurzel, sondern sind seine aggressivsten Verteidiger!<\/p>\n<p>\u201e<strong>Zentrums\u201c-F\u00fchrer Hilburger, faschistische Musikszene und NSU<\/strong><\/p>\n<p>Der F\u00fchrer der Gruppe \u201eZentrum\u201c ist Oliver Hilburger, fr\u00fcher Mitglied der neofaschistischen Band \u201eNoie Werte\u201c. Mit ihrer Musik waren die Bekennervideos der NSU-Terroristen unterlegt. Erst als die Gruppe NSU aufgeflogen war, distanzierte sich Hilburger in einer \u00f6ffentlichen Erkl\u00e4rung vom Dezember 2011. Die Erkl\u00e4rung muss als taktische Ma\u00dfnahme ohne grunds\u00e4tzliche Selbstkritik gewertet werden. Hintergrund ist, dass Hilburger ohne diese Erkl\u00e4rung weder als Daimler-Betriebsrat noch \u00fcberhaupt als Besch\u00e4ftigter bei Daimler auch nur einen Tag l\u00e4nger tragbar gewesen w\u00e4re. Mit Sicherheit kann davon ausgegangen werden, dass dies sp\u00e4testens mit Beginn des NSU-Prozesses in M\u00fcnchen auch seitens des Daimler-Vorstands eine Bedingung seiner Weiterbesch\u00e4ftigung war. Die Erkl\u00e4rung Hilburgers selbst distanziert sich zwar von der Gruppe NSU, aber ohne ein einziges Wort der Kritik an der Gruppe \u201eZentrum\u201c und der von ihr ausgehenden neofaschistischen Politik. Stattdessen wendet sie sich gegen den angeblichen<em>\u00a0\u201eMissbrauch ehrenwerter Ziele\u201c<\/em>\u00a0\u2013 wie offenbar derjenigen von Hilburger \u2013 durch die NSU-Leute. Das ist durch und durch heuchlerisch und eine Beibehaltung und Rechtfertigung der eigenen neofaschistischen Gesinnung und Praxis.<\/p>\n<p>Die Gruppe \u201eZentrum\u201c gilt in Neonazi-Kreisen Deutschlands als Vorbild f\u00fcr eine erfolgreiche faschistische Betriebsarbeit. Inwieweit sie den Aufbau von Betriebsgruppen \u00fcber Daimler Untert\u00fcrkheim hinaus betreibt, muss weiter untersucht werden. Von Seiten der Monopole ist keine ver\u00f6ffentlichte Kritik an dieser faschistischen Gruppe bekannt. Ihre Aktivit\u00e4ten werden zumindest in Stuttgart vom Daimler-Management bewusst zugelassen und gef\u00f6rdert. Soll auf diese Weise eine neofaschistische Reserve in den Betrieben und Gewerkschaften aufgebaut werden, um sich so gegen einen Aufschwung des proletarischen Klassenkampfs vorzubereiten? Das erinnert an 2004\/05 und die massenhaften Proteste gegen die Hartz-Gesetze. Damals sollte neofaschistischen Gruppen der Zugang in die Demonstrationen nicht selten unter Polizeischutz freigek\u00e4mpft werden \u2013 allerdings vergeblich.<\/p>\n<p>Gegen Gruppen wie das \u201eZentrum Automobil\u201c muss ein ideologisch-politischer Damm errichtet und organisatorisch eine breite antifaschistische Einheitsfront geschmiedet werden: Keinen Fu\u00dfbreit den Faschisten \u2013 nirgendwo und schon gar nicht in den Betrieben!<\/p>\n<p><strong>(Verwendete Zitate aus: \u201eUnsere Ziele\u201c, \u201eVereins-Satzung\u201c, \u201eKompass\u201c \u2013 alle herausgegeben von \u201eZentrum\u201c sowie NPD-Programm)<\/strong><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.mlpd.de\/2014\/kw17\/zentrum-automobil-e-v-eine-neofaschistische-betriebsgruppe-bei-daimler-stuttgart\">mlpd.de&#8230;<\/a> vom 25. Januar 2018<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu den Betriebsratswahlen bei Daimler in Untert\u00fcrkheim ist auch in diesem Jahr wieder die Liste \u201eZentrum\u201c angetreten. 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