{"id":3067,"date":"2018-01-27T10:10:43","date_gmt":"2018-01-27T08:10:43","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3067"},"modified":"2018-01-27T10:10:43","modified_gmt":"2018-01-27T08:10:43","slug":"tarifrunde-metall-volle-mobilisierung-fuer-streik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3067","title":{"rendered":"Tarifrunde Metall \u2013 Volle Mobilisierung f\u00fcr Streik!"},"content":{"rendered":"<p><em>Frederik Haber. <\/em>Die Warnstreikwellen hatten gezeigt, dass die Belegschaften bundesweit kampfbereit sind. Hunderttausende beteiligten sich in den ersten Wochen. Die hohe Auslastung der Werke<!--more--> verleiht zus\u00e4tzlich Gewissheit, dass diesmal wirklich etwas durchzusetzen ist.<\/p>\n<p>Die Unternehmerverb\u00e4nde haben ihre Taktik aufgegeben, die Forderung nach einer befristeten \u201everk\u00fcrzten Vollzeit\u201c als illegal zu diffamieren, lediglich die Aufzahlung sehen sie noch als Ungleichbehandlung. Als ob nicht Tarifvertr\u00e4ge immer f\u00fcr die Mitglieder einer Gewerkschaft etwas Besseres vereinbaren sollen!<\/p>\n<p><strong>Gegen die Blockade helfen keine faulen Kompromisse!<\/strong><\/p>\n<p>Dazu haben aber nicht nur die Warnstreiks beigetragen, sondern auch die Andeutung der IG Metall-Verhandlungsf\u00fchrung, dass sie bei der Flexibilisierung den UnternehmerInnen noch weiter entgegenkommen wolle. Die Rede ist von noch mehr 40-St\u00fcnderInnen oder \u00d6ffnungen bei Ruhezeiten.<\/p>\n<p>Solche faulen Kompromisse sind nicht nur v\u00f6llig unn\u00f6tig, sondern auch g\u00e4nzlich kontraproduktiv. Erleichterungen f\u00fcr die einen d\u00fcrfen nicht mit Mehrbelastungen f\u00fcr andere erkauft werden. Die Forderung nach einer \u201everk\u00fcrzten Vollzeit\u201c trug von Anfang an den Geburtsfehler, nur ein Trostpflaster f\u00fcr einzelne statt einer generellen Entlastung zu sein, die allen nutzt, wie es auch von der Mehrheit in der gro\u00dfen Befragung der IG Metall gefordert worden war. Die Arbeitsbelastung w\u00fcrde mit einem solchen Deal noch schlimmer. Die Arbeitszeiten w\u00fcrden noch mehr auseinandergerissen und die \u201everk\u00fcrzte Vollzeit\u201c zum Notnagel f\u00fcr diejenigen, die den noch weiter gestiegenen Stress nicht mitmachen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Ziel der Gewerkschaft muss aber darin liegen, gesunde, familien- und menschenfreundliche Arbeitszeiten f\u00fcr alle zu erreichen!<\/p>\n<p>Der letzte Verhandlungstermin in Baden-W\u00fcrttemberg war am 24. Januar. Dieser sollte die Grundlage f\u00fcr die Entscheidung bilden, ob weiterverhandelt wird oder die Kampfma\u00dfnahmen versch\u00e4rft werden. Der IG Metall-Vorstand traf sich am 26. Januar, zum Zeitpunkt unserer Drucklegung war das Ergebnis seiner Beratungen aber noch nicht bekannt.<\/p>\n<p><strong>Szenarien<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem diese Verhandlungen in der 4. Runde dann doch trotz viel Vorarbeit auf der zweiten Ebene und bis in den Abend des 25. Januar andauernd ohne Ergebnis abgebrochen wurden, sind verschiedene M\u00f6glichkeiten denkbar.<\/p>\n<p>Erstens k\u00f6nnten die Unternehmerverb\u00e4nde bis zum 26. Januar noch einlenken und am folgenden Wochenende mit dem IGM-Vorstand einen Kompromiss zusammenzimmern. Dieser d\u00fcrfte allerdings teuer werden. Gerade in Bayern und Baden-W\u00fcrttemberg, wo die Autoproduktion allen Skandalen zum Trotze derzeit auf Hochtouren l\u00e4uft, sind die Erwartungen sehr hoch. So manche\/r RednerIn auf den Warnstreikkundgebungen sprach davon, dass \u2013 w\u00fcrde die Forderung jetzt aufgestellt \u2013 man wohl eher 8 Prozent fordern w\u00fcrde. Mit anderen Worten: Ein Abschluss muss eine satte 4 vor dem Komma haben.<\/p>\n<p>Eine zweite M\u00f6glichkeit ist der Einsatz der im B\u00fcrokratendeutsch \u201eZweite Eskalationsstufe\u201c genannten 24-Stunden-Streiks. Diese werden wie Streiks bezahlt und werden mit Sicherheit in den gro\u00dfen Produktionsbetrieben mit Kampftradition gerne befolgt. Tats\u00e4chlich d\u00fcrften sie in manchen Betrieben auch zu wirtschaftlimem Druck auf die Unternehmen f\u00fchren. Aber dieser ist begrenzt.<\/p>\n<p>Diese Streiks k\u00f6nnen ohne Urabstimmung angesetzt werden. Die Mitglieder werden nicht befragt, ob es Streik geben soll oder ob sie diese bezahlten Warnstreiks wollen. Sie werden nachher nicht gefragt, ob sie mit dem Ergebnis zufrieden sind oder weiter streiken wollen.<\/p>\n<p>Die Betriebe sind schon lange ausgew\u00e4hlt worden, sie hatten keine Mitsprache. F\u00fcr die Entfaltung der Kampfkraft ist es am besten, wenn die Belegschaften selbst entscheiden, wie sie k\u00e4mpfen wollen: ob sie sich zutrauen, den Betrieb l\u00e4ngere Zeit stillzulegen, oder nur einen l\u00e4ngeren Warnstreik durchhalten.<\/p>\n<p>Die dritte Variante ist ein Streik in einem oder zwei Tarifbezirken. Wenn ernsthaft Druck auf die UnternehmerInnen ausge\u00fcbt werden soll, ist dies das beste Mittel. Tats\u00e4chlich scheint es sogar unter h\u00f6heren Apparatschiks einige zu geben, die der Meinung sind, dass es effektiver ist, auf einen Teil der Unternehmen gr\u00f6\u00dferen Druck auszu\u00fcben, als fl\u00e4chendeckend mit Ein-Tages-Streik zu hantieren.<\/p>\n<p><strong>Kampftaktik<\/strong><\/p>\n<p>Uns geht es darum, die Kampfziele durchzusetzen, nicht um eine m\u00f6glichst klug dosierte \u201eEffektivit\u00e4t\u201c, die zu einem \u201eguten Kompromiss\u201c f\u00fchren soll, also einem \u201evorzeigbaren\u201c oder sch\u00f6ngeredeten Ergebnis, das aber anderseits die Konkurrenzf\u00e4higkeit \u201eunserer\u201c Betriebe, also des deutschen Kapitals, nicht gef\u00e4hrden soll.<\/p>\n<p>Auch wenn von Vorstand und Bezirksleitungen zuletzt immer wieder betont wurde, dass es nur einen Abschluss mit allen drei Bestandteilen \u2013 Tariferh\u00f6hung, verk\u00fcrzte Vollzeit und einen Teillohnausgleich f\u00fcr bestimmte Gruppen \u2013 geben wird, so darf das nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass sie noch immer an m\u00f6glichen Kompromisslinien basteln. Eine davon k\u00f6nnte \u2013 wieder einmal \u2013 der Osten sein. Dort steht 2018 auch eine Tarifrunde zur Angleichung der Arbeitszeit auf 35 Wochenstunden an. Damit diese ohne Lohnverlust und bei gleichzeitigen Neueinstellungen erk\u00e4mpft und auch ohne l\u00e4ngere \u201e\u00dcbergangsfristen\u201c umgesetzt wird, braucht es die Solidarit\u00e4t aller MetallerInnen, ja der gesamten Gewerkschaftsbewegung. Eine Koordinierung der beiden Tarifrunden w\u00e4re dazu das beste und einfachste Mittel. Doch genau das f\u00fcrchtet die Gewerkschaftsf\u00fchrung, weil sie letztlich den Arbeitskampf begrenzen will, nicht \u201ezu viel\u201c und zu viel unkontrollierbare Dynamik sehen will.<\/p>\n<p>Um eine m\u00f6glichst effektive, breite Kampfbewegung herzustellen, braucht es daher eine entschlossene Kampftaktik \u2013 die m\u00f6glichst rasche Einleitung der Urabstimmung und zwar nicht nur in ein, zwei Pilotbezirken, sondern in der ganzen Fl\u00e4che.<\/p>\n<p>\u00dcber diesen Schritt sollen nicht der Vorstand oder selbsternannte TarifexpertInnen, sondern die Mitglieder demokratisch entscheiden!<\/p>\n<ul>\n<li>Die Kontrolle \u00fcber den Kampf dadurch, dass die Entscheidung \u00fcber die Aktionen bei der Belegschaft, den Gewerkschaftsmitgliedern, den Vertrauensleuten und von ihnen gew\u00e4hlten und abw\u00e4hlbaren Streikkomitees liegt.<\/li>\n<li>Die Kontrolle \u00fcber die Arbeitszeit: Die Besch\u00e4ftigten m\u00fcssen in ihren Abteilungen Forderungen nach mehr Personal zur Entlastung der Arbeitenden aufstellen. Die Betriebsr\u00e4te m\u00fcssen sich das zu eigen machen. Die Strategie der Konzernf\u00fchrungen, \u00fcberall noch mehr aus den Menschen rauszupressen, muss von der Gewerkschaft generell bek\u00e4mpft werden \u2013 nicht mit Trostpflastern f\u00fcr die, die nicht mehr k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Zusammenlegung und enge Koordinierung des Kampfs um Entgelt, Verteidigung der Arbeitspl\u00e4tze und Arbeitszeitregelung im Westen mit dem um Verk\u00fcrzung auf 35 Stunden im Osten \u2013 dazu braucht es Kontrolle \u00fcber die Kampftaktik und \u00fcber etwaige Verhandlungen. Kein Abschluss, kein Aussetzen von Aktionen ohne Zustimmung der Basis!<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2018\/01\/26\/tarifrunde-metall-volle-mobilisierung-fuer-streik\/\">Neue Internationale 226, Februar 2018&#8230;<\/a> vom 27. Januar 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frederik Haber. 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