{"id":3076,"date":"2018-01-31T12:15:18","date_gmt":"2018-01-31T10:15:18","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3076"},"modified":"2018-01-31T12:15:18","modified_gmt":"2018-01-31T10:15:18","slug":"ueber-tuerkische-propaganda-in-deutschen-und-europaeischen-zeitungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3076","title":{"rendered":"\u00dcber t\u00fcrkische Propaganda in deutschen und europ\u00e4ischen Zeitungen"},"content":{"rendered":"<p><em>Welat Par\u00eaz. <\/em>Der folgende Text besch\u00e4ftigt sich mit einer \u201eAnalyse\u201c, die sich am 24.01.2017 wie ein Feuersturm \u00fcber viele gro\u00dfe und kleine, allgemeine und lokale, deutsche und \u00f6sterreichische Zeitungen verbreitete<!--more--> (Eine nach bisherigem Kenntnisstand bekannte Liste derjenigen Zeitungen, die diesen Artikel ver\u00f6ffentlichten, wird zum Schluss angegeben). Als Quelle wird die Deutsche Presse-Agentur (dpa), als Ort Istanbul angegeben. In den meist auflagenstarken Medien wie\u00a0<em>Die Zeit<\/em>\u00a0oder\u00a0<em>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/em>\u00a0wird kein Autor angegeben. Warum? Erst weitere Recherchen f\u00fchren zum deutsch-t\u00fcrkischen dpa-Korrespondenten\u00a0<em>Can Merey,\u00a0<\/em>dessen Name zwei kleinere Lokalzeitungen angegeben haben. Diese Eckdaten sollen verdeutlichen, wie die einseitige Meinung eines deutsch-t\u00fcrkischen Korrespondenten der gr\u00f6\u00dften deutschen Nachrichten- und Presseagentur die redaktionelle Linie eines Gro\u00dfteils der deutschen Medienlandschaft und damit verbunden die Meinung ihrer breiten Leserschaft gezielt lenken kann. Nun kann gesagt werden, \u201edas ist doch \u00fcblich\u201c. Vergegenw\u00e4rtigt man sich jedoch, dass der Inhalt und die Meinungsbildung einen aktuellen Krieg und damit verbunden das Leid, den Tod und die Flucht von tausenden Menschen tangiert, dann l\u00e4sst sich ebenso behaupten, diese Art des deutschen Journalismus ist stark AKP-t\u00fcrkisch und damit kriegerisch gepr\u00e4gt. Quasi der Gegenentwurf zu Deniz Y\u00fccel.<\/p>\n<p>Der Text hat den Titel\u00a0<em>\u201eAnalyse: Die Kurdenmiliz YPG und die fragw\u00fcrdige Rolle des Westens\u201c.\u00a0<\/em>Diese Art und Weise der Presse und des Journalismus steht im Verdacht, gezielt die Meinungsbildung der deutschsprachigen \u00d6ffentlichkeit im Sinne der t\u00fcrkisch-staatlichen Interessen zu beeinflussen. Im Folgenden wird der Artikel Absatz f\u00fcr Absatz diskursanalytisch kommentiert, um ihn auf diese Weise selbst als eine fragw\u00fcrdige Analyse zu dechiffrieren.<\/p>\n<p><em>\u201eDer t\u00fcrkische Staatspr\u00e4sident h\u00e4lt h\u00e4ufig emotionale Ansprachen, aber bei dieser Rede war Recep Tayyip Erdogan selbst f\u00fcr seine Verh\u00e4ltnisse au\u00dferordentlich ver\u00e4rgert.<\/em><\/p>\n<p><em>Kurz vor der Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG im nordsyrischen Afrin sagte Erdogan: \u201cJetzt liegt es an uns, diese Terrorarmee zu erdrosseln, bevor sie noch geboren wird.\u201d<\/em><\/p>\n<p><em>Hintergrund waren Pl\u00e4ne der US-gef\u00fchrten Koalition in Syrien, eine Grenzschutztruppe unter Einbeziehung der YPG aufzubauen. Damit w\u00e4re die von der T\u00fcrkei als Terrororganisation eingestufte Miliz als milit\u00e4rische Einheit legitimiert und noch dazu mit Aufgaben an der syrisch-t\u00fcrkischen Grenze betraut worden.<\/em><\/p>\n<p><em>Schon davor hatte das S\u00e4belrasseln aus Ankara an Lautst\u00e4rke gewonnen. Aber wom\u00f6glich waren diese Pl\u00e4ne der Ausl\u00f6ser \u2013 oder aus Sicht von Kritikern der Vorwand \u2013 f\u00fcr den Einmarsch der t\u00fcrkischen Truppen in der Region Afrin am vergangenen Sonntag.<\/em><\/p>\n<p><em>Zwar ruderte die US-Regierung zur\u00fcck, nachdem die Koalition die Pl\u00e4ne verk\u00fcndet hatte. Das Au\u00dfenministerium in Washington versicherte, niemand habe die Absicht, eine \u201cGrenzschutztruppe\u201d zu gr\u00fcnden. Stattdessen gehe es um eine \u201cinterne Sicherheitstruppe\u201d f\u00fcr den Kampf gegen die Terrormiliz IS. Da war der Schaden aber aus Sicht Ankaras l\u00e4ngst angerichtet.\u201c<\/em><\/p>\n<p>In diesen einleitenden S\u00e4tzen zeichnet der Autor ein Bild, welches den v\u00f6lkerrechtswidrigen Angriffskrieg der T\u00fcrkei gegen die nordsyrische kurdische Enklave als eine legitime Verteidigung darstellt und die eigentlichen Ursachen der t\u00fcrkischen Aggression nicht thematisiert. Der innere Zustand der T\u00fcrkei als Diktatur wird ignoriert, welche konkrete Gefahr von den syrischen Kurden f\u00fcr die T\u00fcrkei ausgeht wird nicht n\u00e4her beschrieben. Bis heute ist kein einziger Schuss aus Nordsyrien in Richtung T\u00fcrkei gefeuert worden. Was aber wirklich dem t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten bedroht, ist die demokratische Ordnung in Nordsyrien, welche von den\u00a0<em>Demokratischen Kr\u00e4ften Syriens<\/em>\u00a0und der\u00a0<em>YPG<\/em>\u00a0verteidigt wird. Die Leser sollen sich in die t\u00fcrkische Sicht einf\u00fchlen und Verst\u00e4ndnis f\u00fcr ihr kriegerisches Vorgehen aufbauen.<\/p>\n<p><em>\u201eWestliche Staaten spielen nach \u00dcberzeugung der T\u00fcrkei seit langem ein falsches Spiel in Nordsyrien. Kein Mitglied der US-gef\u00fchrten Koalition \u2013 au\u00dfer der T\u00fcrkei \u2013 wollte Bodentruppen in den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) schicken. F\u00fcr die Koalition, der auch Deutschland angeh\u00f6rt, \u00fcbernahmen diese lebensgef\u00e4hrliche Aufgabe die kurdischen \u201cVolksverteidigungseinheiten\u201d (YPG). Diese erfuhren daf\u00fcr nicht nur internationale Anerkennung, sondern sie wurden von den USA sogar mit Waffen ausger\u00fcstet. Waffen, von denen die T\u00fcrkei bef\u00fcrchtet, sie k\u00f6nnten eines Tages gegen sie gerichtet werden.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Es ist weitgehend bekannt, dass die T\u00fcrkei neben dem IS auch andere islamistische Gruppierungen im syrischen B\u00fcrgerkrieg auf vielf\u00e4ltige Weise bis heute unterst\u00fctzt. Unter ihnen die al-Qaida, al-Nusra oder andere, die die t\u00fcrkische Operation auf Efr\u00een mit eigenen Kr\u00e4ften unterst\u00fctzen. Selbst der Bundesnachrichtendienst (BND) kommt in einem Papier zu dem Schluss, dass die T\u00fcrkei sich zur \u201ezentralen Aktionsplattform f\u00fcr islamistische Gruppierungen des Nahen und Mittleren Ostens\u201c entwickelt hat. Es war von Anfang an das Ziel der T\u00fcrkei, mit der Unterst\u00fctzung islamistischer Gruppen das syrische Assad-Regime zu st\u00fcrzen und ihre (neo-osmanische und islamistisch motivierte) Vormachtstellung auf das Nachkriegssyrien durch ihr treue Kr\u00e4fte auszuweiten. Dass die kurdischen Volksverteidigungskr\u00e4fte (YPG) als eine nicht-islamistische und von nordsyrischen Volksgruppen getragene Kraft seit 2011 alleine gegen islamistische Kr\u00e4fte gek\u00e4mpft hat, thematisiert der Autor nicht. Stattdessen wird zwischen den Zeilen die Bereitschaft der T\u00fcrkei, eigene Truppen in ein fremdes Herrschaftsgebiet zu schicken, entgegen internationaler Bestimmungen und Vertr\u00e4ge als rechtens vermittelt. Die US-gef\u00fchrte Koalition begann aufgrund der Alternativlosigkeit am Boden des syrischen B\u00fcrgerkriegs erst ab 2015 mit der Zusammenarbeit mit der YPG. Die YPG ist nicht nur s\u00e4kular, nicht-separatistisch und tritt f\u00fcr die Demokratisierung Syriens ein \u2013 das sind alles Eigenschaften, die die sogenannten Ziele und Vorstellungen westlicher M\u00e4chte f\u00fcr Syrien repr\u00e4sentieren \u2013, sondern sie ist ebenso eine genuin syrische Kraft. Auch dass Kurden aus anderen Teilen Kurdistans wie z. B. aus der T\u00fcrkei in ihr Platz nehmen, \u00e4ndert nichts an dieser Tatsache. Im Gegensatz dazu verletzt die T\u00fcrkei die Souver\u00e4nit\u00e4t Syriens sowohl mit der Mobilisierung islamistischen Glaubenskriegern aus aller Welt, als auch mit dem Einmarsch eigener Truppen. Doch ist die wie auch immer begr\u00fcndete Bef\u00fcrchtung der T\u00fcrkei das zentrale Anliegen des Autors, f\u00fcr das er diese Fakten verdreht und falsche Kausalit\u00e4ten herstellt.<\/p>\n<p><em>\u201eDenn die Kurdenmiliz ist aus Sicht der T\u00fcrkei brandgef\u00e4hrlich: Die YPG ist der bewaffnete Arm der nordsyrischen Kurdenpartei PYD, die einen eigenen Kurdenstaat in Nordsyrien aufbauen will. Die PYD ist wiederum eng verflochten mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK in der T\u00fcrkei. Das sieht nicht nur die T\u00fcrkei so, sondern zum Beispiel auch das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz, das die PYD \u201cden syrischen Ableger der PKK\u201d nennt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Und weiter geht es mit der t\u00fcrkischen Sicht der Brandgefahr und der \u00dcbernahme der t\u00fcrkischen Argumente seitens des Autors der dpa. Was stimmt, ist die politische Verbindung zwischen der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und der Partei der Demokratischen Einheit (PYD), das hei\u00dft ihre gleichen politischen Ziele der Demokratisierung der jeweiligen Staaten, in denen die Kurden unterdr\u00fcckt werden. Diese soll durch die Dezentralisierung und F\u00f6deralisierung der despotischen Nationalstaaten erreicht werden, aber nicht durch ihre Teilung oder Entstehung neuer Grenzen. Das ist kein Separatismus, sondern das Bestreben der Kurden nach Selbstbestimmung und Selbstverwaltung gem\u00e4\u00df V\u00f6lkerrecht und UN-Charta. Die kurdische Bewegung betrachtet den nationalistisch-zentralistischen Staat als den eigentlichen Grund f\u00fcr das Leid und die Probleme sowohl der Kurden als auch alle anderen Gruppen, auch der Machthabenden, in der Region. Das\u00a0 Ziel der Dezentralisierung der T\u00fcrkei verfolgt auch die in der Nationalversammlung der T\u00fcrkei sitzende Demokratische Partei der V\u00f6lker (HDP). Die Gr\u00fcndung eines \u201eKurdenstaats in Nordsyrien\u201c ist schlichtweg Propaganda der T\u00fcrkei, die auf diese Weise die legitimen Forderungen der Kurden nach Demokratie kriminalisiert. Und der Autor \u00fcbernimmt diese Sichtweise und will seiner Leserschaft mitgeben: Die T\u00fcrkei ist im Recht (auch wenn sie Angriffskriege aus\u00fcbt, zu einer Diktatur wird, das V\u00f6lkerrecht und die Menschenrechte mit den F\u00fc\u00dfen tritt).<\/p>\n<p><em>Von westlichen Regierungen wird diese Verbindung ungern thematisiert: Sie m\u00fcssten sonst eine zumindest indirekte Zusammenarbeit mit einer Terrorgruppe im Kampf gegen den IS einr\u00e4umen. Nicht nur in der T\u00fcrkei, sondern auch in der EU und in den USA wird die PKK als Terrororganisation eingestuft.<\/em><\/p>\n<p>Die t\u00fcrkische Sicht dar\u00fcber, die YPG sei gleich PKK, ist an dieser Stelle bereits, laut Autor, ein Fakt. Wenn verschiedene Bewegungen, Parteien oder Organisationen gleichen ideellen Ziele verfolgen, dann macht sie das nicht zur ein und derselben organisationalen Einheit. Sind alle Marxisten dieser Welt Deutsche oder MLKP-Mitglieder? Sind alle Demokraten der Welt Athener? Sind alle Christen der Welt aus dem Nahen Osten oder Kirchenmitglieder? Ist die NATO gleich die BRD? Dass gemeinsame und verbindende Ziel der Kurden in der T\u00fcrkei, Syrien, Irak oder Iran, die jeweiligen Staaten zu demokratisieren, um so die Menschenrechte und Selbstbestimmung der Kurden zu realisieren, ist weder verwerflich noch terroristisch, im Gegenteil.<\/p>\n<p>Die islamistische und diktatorische Entwicklung der T\u00fcrkei und ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr die terroristisch-islamistischen Kr\u00e4fte wird vom Autor bewusst nicht thematisiert, denn sonst verwickelt er sich in Widerspr\u00fcche. Stattdessen stellt er die politisch, geostrategisch und \u00f6konomisch bedingte Kriminalisierung und Auflistung der PKK als terroristisch unhinterfragt als etwas \u201ewahres\u201c und berechtigtes dar. Der letzte Satz im Absatz hat es aber in sich und unterstreicht diese \u201eWahrheit\u201c: \u201eNicht nur in der T\u00fcrkei\u201c sei die PKK als eine Terrororganisation eingestuft, sondern auch von der EU und den USA.<\/p>\n<p>Es ist so, dass die PKK aufgrund bzw. auf Wunsch der T\u00fcrkei (!) \u2013 dem geostrategisch wichtigem Partner, dem Nato-Verb\u00fcndeten, dem EU-Aspiranten, dem wichtigen deutschen Absatzmarkt \u2013 in westlichen Staaten als Terrororganisation aufgelistet ist. Nicht der \u201eTerror der PKK\u201c ist der Grund daf\u00fcr, sondern das fragw\u00fcrdige (!) Verh\u00e4ltnis des Westens zur T\u00fcrkei hinsichtlich der Kurdenproblematik.<\/p>\n<p><em>Noch fragw\u00fcrdiger wird das Verhalten des Westens, wenn man sich vor Augen f\u00fchrt, dass es mitunter dieselben K\u00e4mpfer sind, die je nach Bedarf f\u00fcr die PKK oder f\u00fcr die YPG ins Feld ziehen. Ein und derselbe K\u00e4mpfer ist aus westlicher Sicht also ein Terrorist, wenn er auf der t\u00fcrkischen Seite der Grenze operiert, wird aber zum Verb\u00fcndeten, wenn er die Grenze nach Syrien \u00fcberschreitet.<\/em><\/p>\n<p><em>So sagte eine kurdische Milizion\u00e4rin mit dem Kampfnamen Zind Ruken dem \u201cWall Street Journal\u201d bereits 2015: \u201cManchmal bin ich PKK, manchmal bin ich (der iranische PKK-Ableger) PJAK, manchmal bin ich YPG. Das spielt keine wirkliche Rolle. Das sind alles Mitglieder der PKK.\u201d Die Denkfabrik Atlantic Council wertete Angaben der YPG aus, wonach es sich bei fast der H\u00e4lfte ihrer get\u00f6teten K\u00e4mpfer zwischen Januar 2013 und Januar 2016 um Kurden aus der T\u00fcrkei handelte.<\/em><\/p>\n<p>In diesem Absatz soll das Hauptargument und -anliegen des Autors mittels Aussagen von Einzelpersonen und dem Hinweis auf eine US-amerikanische Denkfabrik als \u201ewissenschaftlich und empirisch\u201c fundiert und best\u00e4tigt werden. Der in Deutschland sozialisierte Autor wei\u00df: Die Wahrheit hier ist die Wissenschaft. Dabei ist dieses Vorgehen nur ein weiteres Beleg daf\u00fcr, dass der Autor bewusst t\u00fcrkische Narrative \u00fcbernimmt und seine Leserschaft auffordert, sich in einem internationalen Konflikt auf die Seite des t\u00fcrkischen Staates zu stellen. Dass die T\u00fcrkei nicht ein PKK-Problem, sondern ein am Demokratiedefizit gekoppeltes Problem mit den Kurden im Allgemeinen hat, dieses durch ihre grenz\u00fcberschreitenden Operation \u00fcberall dort, wo Kurden leben und nach ihren Rechten streben, in den Irak oder Syrien, unter Beweis stellt, maskiert der Autor mit dem t\u00fcrkischen Totschlagargument der \u201eTerrorbek\u00e4mpfung\u201c. Die wesentlich auch westlich verschuldete kurdische Frage seit dem Ersten Weltkrieg wird allein aus t\u00fcrkisch-staatlicher Sicht betrachtet, die Unterdr\u00fcckung der Kurden nicht thematisiert, damit verbunden als legitim dargestellt und wiederum daran gekoppelt, die Demokratisierung der T\u00fcrkei und der gesamten Region ein Riegel vorgeschoben. Und: Wenn die Kurden in allen Staaten unterdr\u00fcckt und bek\u00e4mpft werden, warum ist das verwerflich, wenn sie sich untereinander solidarisieren? Es sind ihre gemeinsamen (kurdischen) Ziele und Forderungen nach Gleichberechtigung, was sie vereint. Warum darf eine Kurdin nicht sowohl gegen die t\u00fcrkische als auch die iranische Unterdr\u00fcckung k\u00e4mpfen, die ihrerseits auch anti-kurdisch kooperieren?<\/p>\n<p>Die Reduzierung des kompliziertesten Konflikts des Nahen bzw. Mittleren Ostens auf \u2013 aus t\u00fcrkischer Sicht \u2013 \u201eTerrorbek\u00e4mpfung\u201c und die politische Kriminalisierung und Denunziation der kurdischen Widerst\u00e4nde durch westliches Recht und Gesetze, dient weder der Demokratisierung der Region, noch der Gew\u00e4hrleistung von Menschenrechten. Auch die heute mit der BRD kooperierenden kurdischen Parteien im Nordirak waren als terroristisch eingestuft. Diese Politik der Unterst\u00fctzung der Despoten und der Kriminalisierung der demokratischen Kr\u00e4fte h\u00e4lt die Region in einer permanenten Konfliktsituation und zielt drauf, sie schwach und in westlicher Abh\u00e4ngigkeit zu halten.<\/p>\n<p>Dass viele Kurden in der T\u00fcrkei ihren syrischen Geschwistern im Kampf gegen den barbarischen IS herbeigeeilt sind, als weder die regionalen noch die internationalen M\u00e4chte eingegriffen haben, wird vom Autor als Terrorismus diffamiert. Eine fragw\u00fcrdige Moral und Wissenschaftlichkeit. Er wei\u00df, dass im eigenen Deutschland der Islamismus zurecht als Feindbild konstruiert wird und \u201edie Demokratie\u201c ideologisch als Ziel und Zustand f\u00fcr Innen- und Au\u00dfenpolitik gilt. Eben deswegen thematisiert er den westlichen Schulterschluss mit der gr\u00f6\u00dften Unterst\u00fctzerin islamistischer Gruppen, die islamistische AKP-T\u00fcrkei, nicht. Ebenso verunglimpft er den Kampf der Kurden um und mit Demokratie, ferner ihren Kampf gegen Fundamentalismus auf verlogene und heuchlerische Art und Weise als Terrorismus. Ein teuflischer Trick oder pure Unkenntnis.<\/p>\n<p><em>Diese Verbindungen zwischen der YPG und der PKK m\u00f6gen keinen Einmarsch in Syrien rechtfertigen, f\u00fcr die T\u00fcrken sind sie aber ein berechtigter Grund zur Sorge. W\u00e4hrend die PKK im Westen keine Terrorangriffe ver\u00fcbt und daher dort auch nur zur\u00fcckhaltend verfolgt wird, gilt das f\u00fcr die T\u00fcrkei nicht. Die PKK-Splittergruppe TAK zeichnete besonders im Jahr 2016 f\u00fcr schwere Anschl\u00e4ge in den t\u00fcrkischen Metropolen Ankara und Istanbul verantwortlich. Dutzende Menschen starben, darunter auch viele Zivilisten.<\/em><\/p>\n<p>Auch das Res\u00fcmee des Autors ist mit Heuchelei und Verzerrungen, sowie den t\u00fcrkisch-nationalistischen Argumentationsmustern beladen. Sie dienen dazu, die \u00fcber die Sachlage wenig informierte deutsche \u00d6ffentlichkeit durch Verwirrung zu verblenden. Denn es ist das Mandat der deutschen W\u00e4hler, das die Regierung repr\u00e4sentiert und auf ihrer Grundlage Politik betreibt.<\/p>\n<p>Obwohl die PKK sich mehrmals \u00f6ffentlich von der TAK distanziert hat und die Anschlagsziele der TAK \u2013 trotz ziviler Opfer \u2013\u00a0 ausschlie\u00dflich die t\u00fcrkischen Sicherheitskr\u00e4ften waren, suggeriert der Autor eine feste Verbindung zwischen den beiden verschiedenen Organisationen. Die zahlreichen Kriegsverbrechen der T\u00fcrkei an den Kurden, ihre Vernichtungs- und Verleugnungspolitik gegen\u00fcber der kurdischen Kultur und Identit\u00e4t, ihre T\u00f6tung von Zivilisten, Akademikern, Politikern, Zeitungstr\u00e4gern; ihre Zerst\u00f6rung und Entv\u00f6lkerung tausender kurdischer D\u00f6rfer etc. sind kein Problem: Es gibt nur ein Problem, und das ist die PKK. Dieses Argumentationsmuster, was er unter seiner deutschen Leserschaft verbreitet, ist das Hauptargument des t\u00fcrkischen Staates, wenn es seine Verbrechen und die legitimen Forderungen der Kurden verschleiert. Die derzeitige Lage in der T\u00fcrkei, die durch die massenhafte Verhaftung der HDP-Politiker und ihrer Unterst\u00fctzer, der Zwangsverwaltung der kurdischen St\u00e4dte, der Inhaftierung der Journalisten, die Gleichschaltung der Medien, die Islamisierung der Gesellschaft etc. gekennzeichnet ist, wird vom Autor bewusst ausgeblendet. Auch wird die \u2013 fragw\u00fcrdige \u2013 Rolle des Sicherheitsapparats des t\u00fcrkischen Staates im Hinblick auf die vom IS ausge\u00fcbten Anschl\u00e4gen in der T\u00fcrkei, die die t\u00fcrkische und kurdische Friedensveranstaltungen und die Versammlungen der HDP-W\u00e4hlerschaft trafen, ignoriert. Es ist heute bekannt, dass die t\u00fcrkischen Sicherheitsapparate die IS-Attent\u00e4ter beobachteten und wenig unternahmen, um die Anschl\u00e4ge zu verhindern. Auch wurden im Parlament jegliche Vorschl\u00e4ge zur Untersuchung der Terroranschl\u00e4ge, welche von der HDP unterbreitet wurden, jedes Mal seitens der AKP abgeschlagen. Stattdessen wird ein Bild von der hochgef\u00e4hrlichen PKK suggeriert, mit der die syrisch-kurdische YPG verb\u00fcndet ist. Daher, so die Botschaft des Autors, ist der v\u00f6lkerrechtswidrige Angriffskrieg gegen (die demokratische Selbstverwaltung der) Kurden legal und legitim. Er verdeckt damit die \u00c4ngste der AKP und Erdo\u011fans dar\u00fcber, dass die demokratische Entwicklung in Nordsyrien auch ein Vorbild f\u00fcr die T\u00fcrkei und damit zur Alternative zum Ein-Mann-Regime Erdo\u011fans werden kann. Denn wenn der syrische Krieg vorbei ist und die Kurden an den Verhandlungen \u00fcber eine politische L\u00f6sung teilnehmen, dann besteht die M\u00f6glichkeit, dass sich Syrien zu einer pluralistischen und f\u00f6deralen Demokratie entwickelt, in der neben Kurden auch alle anderen Minderheiten und insbesondere die Frauen ihren gleichberechtigten Platz haben. Der von Erdo\u011fan despotisch beherrschten T\u00fcrkei macht das Angst. Daf\u00fcr habe ich Verst\u00e4ndnis. Aber warum be\u00e4ngstigt es den Autor der dpa und dieser an zahlreiche wichtige deutsche Zeitungen wie ein Propagandapapier verteilten \u201eAnalyse\u201c?<\/p>\n<p>Seine Analyse der \u201efragw\u00fcrdigen Rolle des Westens\u201c mit der \u201eKurdenmiliz YPG\u201c entpuppt sich als\u00a0 fragw\u00fcrdiger Journalismus im Sinne Erdo\u011fans und des AKP-Regimes.<\/p>\n<p><em>Welat Par\u00eaz ist ein in den 1990er Jahren aufgrund t\u00fcrkischer Kriegspolitik nach Deutschland geflohener und in der Hamburger Universit\u00e4t in Sachen Diskurstheorie (Michel Foucault) und Diskursanalyse (Siegfried J\u00e4ger) ausgebildeter kurdischer Sozialwissenschaftler.<\/em><\/p>\n<p><strong>Der oben behandelte Artikel wurde in folgenden Onlinezeitungen ver\u00f6ffentlicht:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/news\/2018-01\/24\/die-kurdenmiliz-ypg-und-die-fragwuerdige-rolle-des-westens-180124-99-780422\">http:\/\/www.zeit.de\/news\/2018-01\/24\/die-kurdenmiliz-ypg-und-die-fragwuerdige-rolle-des-westens-180124-99-780422<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/news\/politik\/konflikte-die-kurdenmiliz-ypg-und-die-fragwuerdige-rolle-des-westens-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-180124-99-780422\">http:\/\/www.sueddeutsche.de\/news\/politik\/konflikte-die-kurdenmiliz-ypg-und-die-fragwuerdige-rolle-des-westens-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-180124-99-780422<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.analyse-die-kurdenmiliz-ypg-und-die-fragwuerdige-rolle-des-westens.67cb1a15-dcc4-4ae0-96ec-e745c192d8c7.html\">https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.analyse-die-kurdenmiliz-ypg-und-die-fragwuerdige-rolle-des-westens.67cb1a15-dcc4-4ae0-96ec-e745c192d8c7.html<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.derpatriot.de\/artikel\/hintergruende\/die-kurdenmiliz-ypg-und-die-fragwuerdige-rolle-des-westens.html\">https:\/\/www.derpatriot.de\/artikel\/hintergruende\/die-kurdenmiliz-ypg-und-die-fragwuerdige-rolle-des-westens.html<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.rhein-zeitung.de\/topthemen_artikel,-die-kurdenmiliz-ypg-und-die-fragwuerdige-rolle-des-westens-_arid,1761059.html\">https:\/\/www.rhein-zeitung.de\/topthemen_artikel,-die-kurdenmiliz-ypg-und-die-fragwuerdige-rolle-des-westens-_arid,1761059.html<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/incoming\/Die-Kurdenmiliz-YPG-und-die-fragwuerdige-Rolle-des-Westens-id43961001.html\">http:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/incoming\/Die-Kurdenmiliz-YPG-und-die-fragwuerdige-Rolle-des-Westens-id43961001.html<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/opennewswindows.com.ng\/2018\/01\/24\/die-kurdenmiliz-ypg-und-die-fragwurdige-rolle-des-westens\/\">https:\/\/opennewswindows.com.ng\/2018\/01\/24\/die-kurdenmiliz-ypg-und-die-fragwurdige-rolle-des-westens\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.giessener-allgemeine.de\/ueberregional\/infoline-rs\/topthemen\/hintergruende\/Hintergruende-Die-Kurdenmiliz-YPG-und-die-fragwuerdige-Rolle-des-Westens;art1470,379323\">https:\/\/www.giessener-allgemeine.de\/ueberregional\/infoline-rs\/topthemen\/hintergruende\/Hintergruende-Die-Kurdenmiliz-YPG-und-die-fragwuerdige-Rolle-des-Westens;art1470,379323<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/osterreich-nachrichten.eu\/nachrichten\/die-kurdenmiliz-ypg-und-die-fragwurdige-rolle-des-westens-die-welt\">https:\/\/osterreich-nachrichten.eu\/nachrichten\/die-kurdenmiliz-ypg-und-die-fragwurdige-rolle-des-westens-die-welt<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.alsfelder-allgemeine.de\/ueberregional\/infoline-rs\/topthemen\/hintergruende\/Hintergruende-Die-Kurdenmiliz-YPG-und-die-fragwuerdige-Rolle-des-Westens;art1470,379323\">https:\/\/www.alsfelder-allgemeine.de\/ueberregional\/infoline-rs\/topthemen\/hintergruende\/Hintergruende-Die-Kurdenmiliz-YPG-und-die-fragwuerdige-Rolle-des-Westens;art1470,379323 <\/a><\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/civaka-azad.org\/die-analyse-einer-analyse\/\">civaka-azad.org&#8230;<\/a> vom 31. Januar 2018<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welat Par\u00eaz. Der folgende Text besch\u00e4ftigt sich mit einer \u201eAnalyse\u201c, die sich am 24.01.2017 wie ein Feuersturm \u00fcber viele gro\u00dfe und kleine, allgemeine und lokale, deutsche und \u00f6sterreichische Zeitungen verbreitete<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,7],"tags":[39,18,49,15,54,46],"class_list":["post-3076","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-international","tag-deutschland","tag-imperialismus","tag-repression","tag-syrien","tag-tuerkei","tag-usa"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3076","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3076"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3076\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3077,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3076\/revisions\/3077"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3076"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3076"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3076"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}