{"id":3149,"date":"2018-02-21T17:35:20","date_gmt":"2018-02-21T15:35:20","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3149"},"modified":"2018-02-22T10:57:07","modified_gmt":"2018-02-22T08:57:07","slug":"zentrum-automobil-speit-von-rechts-gegen-die-ig-metall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3149","title":{"rendered":"\u00bbZentrum Automobil\u00ab speit von ganz rechts gegen die IG-Metall"},"content":{"rendered":"<p><em>Johannes Supe. <\/em>Vor den Besch\u00e4ftigten spucken die rechten Betriebsr\u00e4te des \u00bbZentrums Automobil\u00ab gro\u00dfe T\u00f6ne. In den Werken der Autoindustrie wollen sich rechte Betriebsr\u00e4te breitmachen \u2013 und die DGB<!--more-->-Gewerkschaften schw\u00e4chen. In Verhandlungen mit den Chefs sind sie still. Ein Gespr\u00e4ch mit Michael Clauss; er ist seit mehr als 20 Jahren Betriebsrat bei Daimler in Untert\u00fcrkheim<\/p>\n<p><strong>Der Verein \u00bbZentrum Automobil\u00ab sorgt f\u00fcr Furore. Bei den anstehenden Betriebsratswahlen will er den DGB-Verb\u00e4nden Konkurrenz machen. Ma\u00dfgeblich vorangetrieben wird das von Oliver Hilburger und Christian Schickart, beide in f\u00fchrender Position bei \u00bbZentrum Automobil\u00ab. Sie sind mit beiden im selben Betriebsrat bei Daimler in Untert\u00fcrkheim, was k\u00f6nnen Sie \u00fcber Hilburger und Schickart sagen?<\/strong><\/p>\n<p>Hilburger war fr\u00fcher Mitglied der christlichen Gewerkschaft CGM. Als aber bekanntwurde, dass er bei der rechtsradikalen Band \u00bbNoie Werte\u00ab spielte \u2013 der\u00a0<em>S\u00fcdwestrundfunk<\/em>\u00a0hat das mit unserer Hilfe aufgedeckt \u2013 trat er als Betriebsrat zur\u00fcck. Zwei Jahre sp\u00e4ter, das war 2010, kandidierte er aber erneut, diesmal auf der Liste \u00bbZentrum Automobil\u00ab. Die Liste bekam zwei Mandate, 2014 waren es dann schon vier von derzeit 45. Gleichzeitig verlor die christliche Liste ihre Bedeutung. Hillburger hat damals bereits erkl\u00e4rt, es brauche eine \u00bboppositionelle Gewerkschaft\u00ab, denn die IG Metall sei Teil des Establishments und stehe dem Kapital zu nahe. \u00dcber seine rechte Vergangenheit sagt er einfach, dass es sich um Jugends\u00fcnden handele. Schickart kann man keine rechtsradikale Vergangenheit nachweisen.<\/p>\n<p><strong>Unterscheidet sich die Betriebsratsarbeit, die beide leisten, von dem, was Sie tun?<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich machen die zum Teil Arbeit wie wir auch; Kollegen kommen mit Problemen zu Hilburger, und manchmal kriegt er auch etwas hin. Aber \u00bbSozialarbeiter\u00ab sind wir im Betriebsrat alle. Sein Spiel funktioniert so: Er sagt, wir m\u00fcssten daf\u00fcr k\u00e4mpfen, dass nur in Deutschland produziert wird. Als Daimler ein Motorenwerk in Polen errichten wollte, hat er dagegen in Flugbl\u00e4ttern angeschrieben. Er redet den Leuten ein, wir k\u00f6nnten es tats\u00e4chlich schaffen, dass zwar Menschen \u00fcberall auf der Welt unsere Autos kaufen, wir die aber nur in der Bundesrepublik herstellen. Doch diese Auseinandersetzung haben wir schon lange verloren. Was in die Richtung Internationalismus geht, lehnt er ab. Dabei w\u00e4re genau das die Antwort im Kampf gegen das Kapital: Nicht nur in Deutschland k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Gro\u00dfe T\u00f6ne spuckt er auch, wenn es um Standortvereinbarungen geht. Die w\u00fcrden zu viele Kompromisse enthalten. Alles gut, ich k\u00f6nnte auch verstehen, wenn er da die Kollegen mobilisiert. Doch er sitzt ja in den Verhandlungen \u00fcber solche Vertr\u00e4ge mit drin, auch zuletzt, wo es darum ging, die Produktion von Elektroantriebskomponenten zu uns zu holen. Vielleicht hat er da in f\u00fcnfzig Stunden Verhandlungen mal vier S\u00e4tze gesagt \u2013 er h\u00e4lt sich einfach raus. Er hat auch gegen Vertr\u00e4ge gestimmt, mit denen Leiharbeiter in normale Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse \u00fcberf\u00fchrt wurden. Doch dann hei\u00dft es wieder, bei der IG Metall seien alle korrupt.<\/p>\n<p><strong>Ist die IG Metall nicht tats\u00e4chlich sehr auf Ausgleich mit dem Kapital bedacht?<\/strong><\/p>\n<p>Eine richtige Konfrontation suchen die ja auch nicht. Er zieht sich immer auf den Standpunkt zur\u00fcck: \u00bbIch habe ja nicht die Mehrheit im Betriebsrat. Sp\u00e4ter werde ich ganz anders auftreten.\u00ab Das ist doch ein bisschen zu bequem, oder? Und eine \u00bbalternative Gewerkschaft\u00ab, wie er sie fordert, ist doch Quatsch. Als w\u00e4re noch mehr Zersplitterung die L\u00f6sung. Ich k\u00e4mpfe innerhalb der IG Metall daf\u00fcr, dass die k\u00e4mpferischer wird.<\/p>\n<p><strong>In einem Werbevideo der beiden f\u00fcr die Betriebsratswahlen hei\u00dft es, Kollegen w\u00fcrden entlassen, weil sie die AfD w\u00e4hlen.<\/strong><\/p>\n<p>Das ist Unsinn. Nicht mal Hilburger wurde entlassen, obwohl er in einer rechtsradikalen Band gespielt hat. Es gab keine einzige K\u00fcndigung, nur weil jemand die AfD gew\u00e4hlt hat.<\/p>\n<p><strong>Eine Mehrheit der Betriebsratssitze werden Hilburger und Schickart wohl auch nun nicht erlangen. Wird nicht zuviel Wind um die ganze Kampagne gemacht?<\/strong><\/p>\n<p>Man muss das ernst nehmen. Vermutlich gibt es auch in unserem Werk bis zu 15 Prozent AfD-W\u00e4hler. Und Hilburger wei\u00df eines ganz genau: Eine echte Gewerkschaft wird sein \u00bbZentrum Automobil\u00ab nur, wenn es die Tariff\u00e4higkeit erlangt, daf\u00fcr muss die Gruppe aber in die Breite gehen. Daran arbeitet er jetzt, er hat wohl Kontakt zu Akteuren der AfD, zum Netzwerk \u00bbEin Prozent\u00ab und zur rechten Zeitschrift\u00a0<em>Compact<\/em>. Bei BMW in Leipzig unterst\u00fctzt er die Gr\u00fcndung einer Betriebsratsgruppe, ebenso bei Mercedes in Rastatt, in Sindelfingen hat er eine Liste f\u00fcr die Betriebsratswahlen eingereicht. Wir haben die IG Metall darauf schon vor Jahren aufmerksam gemacht, doch es hie\u00df immer nur, die beiden w\u00fcrden sowieso scheitern. Doch nun gibt es die Gefahr, dass \u00fcber diese Dinge die AfD eine Plattform in den Betrieben bekommt. An die Stelle der Auseinandersetzung mit dem Kapital w\u00fcrde dann die mit den DGB-Gewerkschaften treten. Um dem zu begegnen m\u00fcssten sich die Spitzen der Gewerkschafter viel deutlicher vom Kapital abgrenzen als bisher. Auch die Arbeit in den Betrieben m\u00fcsste beteiligungsorientierter sein, die Kollegen m\u00fcssten schon in die Planung der Kampagnen st\u00e4rker einbezogen werden.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/327700.die-konfrontation-suchen-die-nicht.html\">jungewelt.de&#8230;<\/a> vom 21. Februar2018<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Johannes Supe. Vor den Besch\u00e4ftigten spucken die rechten Betriebsr\u00e4te des \u00bbZentrums Automobil\u00ab gro\u00dfe T\u00f6ne. 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