{"id":3208,"date":"2018-03-03T09:31:07","date_gmt":"2018-03-03T07:31:07","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3208"},"modified":"2018-03-03T09:31:07","modified_gmt":"2018-03-03T07:31:07","slug":"was-steckt-hinter-dem-problem-der-schusswaffengewalt-in-den-usa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3208","title":{"rendered":"Was steckt hinter dem Problem der Schusswaffengewalt in den USA?"},"content":{"rendered":"<p><em>\u00a0<a href=\"http:\/\/www.leftvoice.org\/What-s-Behind-America-s-Gun-Violence-Problem\">Left Voice<\/a>.<\/em> <strong>Nach dem j\u00fcngsten Amoklauf an einer High School in Parkland ist die Debatte um das Problem der Schusswaffengewalt in den USA neu entbrannt. Was ist eine marxistische Antwort<!--more--> auf die Schusswaffendiskussion? Sollten wir die Forderung nach einem restriktiveren Waffengesetz unterst\u00fctzen?<\/strong><\/p>\n<p>Nach einem weiteren schrecklichen Massaker, dieses Mal an einer High School in Parkland, im US-Bundesstaat Florida, ist ein leidenschaftlicher Aufschrei ausgebrochen, der eine L\u00f6sung f\u00fcr die mittlerweile weit verbreiteten Amokl\u00e4ufe in den USA verlangt. Die \u00dcberlebenden der Parkland-Trag\u00f6die haben Ausfl\u00fcge und Kundgebungen organisiert, auf denen sie zur einer \u201eMarsch f\u00fcr unser Leben\u201c-Bewegung im n\u00e4chsten Monat aufrufen. Diejenigen von uns, die eine radikale Umgestaltung der Gesellschaft auf sozialistischer Basis anstreben, m\u00fcssen auf diese Frage antworten und dar\u00fcber nachdenken, auf welchem Weg Gewalt unsere Gesellschaft durchdringt.<\/p>\n<p>Es gibt heute eine leidenschaftliche Debatte \u00fcber Waffen: \u201eBewaffnete Lehrkr\u00e4fte\u201c k\u00f6nnten Leben retten,\u00a0<a href=\"https:\/\/edition.cnn.com\/2018\/02\/24\/politics\/trump-tweet-arming-teachers\/index.html\">sagt Trump<\/a>\u00a0und erw\u00e4gt eine Politik, die viele als Widerspruch zur Forderung nach einem restriktiveren Waffengesetz sehen. Sch\u00fcler*innen sind auf die Stra\u00dfe gegangen und in die sozialen Medien aktiv. Dort fordern sie allgemeine Reformen, wie ein Verbot halbautomatischer Waffen und verst\u00e4rkte Hintergrund\u00fcberpr\u00fcfungen bei Waffenk\u00e4ufen (also weshalb der*die K\u00e4ufer*in eine Waffe erhalten m\u00f6chte und ob die Person geeignet erscheint, eine Waffe zu tragen).<\/p>\n<p>Der Wunsch der Sch\u00fcler*innen, Amokl\u00e4ufe zu beenden, ist v\u00f6llig verst\u00e4ndlich. Wenn Millionen Menschen sich fragen, ob sie nicht das n\u00e4chste Opfer eines erneuten Amoklaufs werden, l\u00e4uft etwas zutiefst falsch. Die Proteste haben sich bis jetzt jedoch fast ausschlie\u00dflich auf die Frage der Waffengewalt, des Besitzes von Waffen und der Notwendigkeit irgendeiner Art von Reform des Waffengesetzes konzentriert. W\u00e4hrend der einfache Zugang zu Waffen und ihre Verbreitung in den Vereinigten Staaten es m\u00f6glichen Massenm\u00f6rder*innen vereinfacht ihre m\u00f6rderischen Phantasien in die Realit\u00e4t umzusetzen, kann die Fokussierung auf Waffengesetze von einer komplexeren Frage ablenken: Warum produziert die amerikanische Gesellschaft solch m\u00f6rderische Wut?<\/p>\n<p><strong>Eine Gesellschaft, verwurzelt in Gewalt<\/strong><\/p>\n<p>Patriotische Aufrufe f\u00fcr partei\u00fcbergreifende Ma\u00dfnahmen zur Bew\u00e4ltigung dieser Krise wurden gemacht, aber das Gewaltproblem in den USA ist nicht neu. Die jungen Aktivist*innen von heute m\u00fcssen, wenn sie sich wirklich mit der Realit\u00e4t der US-amerikanischen Gewalt auseinandersetzen wollen, einen n\u00fcchternen Blick auf die Geschichte dieser Nation, ihre Politik und die kulturelle Reproduktion von Gewalt werfen. Die meisten jungen Menschen haben heute zumindest ein allgemeines Gesp\u00fcr daf\u00fcr, dass die USA und die 13 Kolonien davor, auf der Vernichtung der indigenen V\u00f6lker und der Versklavung der Menschen in Afrika gegr\u00fcndet wurden. W\u00e4hrend die Schrecken der Sklaverei mit dem Amerikanischen B\u00fcrger*innenkrieg endeten, wurde die staatliche und institutionelle Gewalt fortgef\u00fchrt und normalisiert.<\/p>\n<p>Die gesamte Gesellschaft wurde Zeuge, wie schwarze und andere nicht-wei\u00dfe Menschen t\u00e4glich von Bullen brutal misshandelt und oftmals ermordet wurden, w\u00e4hrend nur selten Strafen daf\u00fcr verh\u00e4ngt wurden. Hunderttausende mehr m\u00fcssen in gewaltt\u00e4tigen und \u00fcberf\u00fcllten Gef\u00e4ngnissen ausharren. Zus\u00e4tzlich normalisierte die US-Regierung vor langer Zeit die Ermordung von im Ausland geborenen Menschen. Einerseits durch die Bombardierungen unter Georg W. Bush, die Furcht und Schrecken verbreiten sollten, um den Gegner zu l\u00e4hmen und handlungsunf\u00e4hig zu machen, wie es bei der Invasion des Iraks geschah und andererseits durch Obamas orwellschen Drohnenkrieg.<\/p>\n<p>Die Zahl der Amokl\u00e4ufe auf US-Territorium ist gestiegen, aber sie m\u00fcssen in dem gr\u00f6\u00dferen Kontext einer Kultur verstanden werden, die von struktureller, staatlich legitimierter Gewalt durchdrungen ist, die die meisten US-Amerikaner*innen akzeptieren, ohne mit der Wimper zu zucken.<\/p>\n<p><strong>Die Parteien der Massenm\u00f6rder*innen k\u00f6nnen keine L\u00f6sung sein<\/strong><\/p>\n<p>Emma Gonzales, eine der \u00dcberlebenden des Parkland-Massakers, die durch ihren Aufruf f\u00fcr eine Reform des Waffengesetzes bekannt wurde, kritisierte richtigerweise Politiker*innen, die finanzielle Zuwendungen von der Waffenlobby erhalten. Sie argumentierte, dass f\u00fcr gro\u00dfe Teile des politischen Establishments die Leben von Sch\u00fcler*innen nur eine Finanzkalkulation darstellen. Tats\u00e4chlich, das politische Etablishment, Demokrat*innen, wie Republikaner*innen, interessieren sich einen Dreck f\u00fcr junge Menschen \u2013 insbesondere nicht f\u00fcr die schwarze und nicht-wei\u00dfe Jugend der Arbeiter*innenklasse. Die Essenz von Gonzales Kritik an Trump \u2013 dass er und Seinesgleichen, sich mehr um Geld sorgen, als um Menschenleben \u2013 ist korrekt.<\/p>\n<p>Die Demokrat*innen w\u00fcrde gerne mithilfe der waffenkritischen Antwort auf das Massaker 2018 wieder ins Amt kommen, in dem sie verk\u00fcnden, sie seien die \u201evern\u00fcnftige\u201c, pragmatische, unbestechliche Stimme der US-amerikanischen Politik. Die finanziellen Zuwendungen der Waffenlobby gaben den Demokrat*innen ein einfaches Schreckgespenst, um ihr republikanisches Gegenst\u00fcck zu verunglimpfen und f\u00fcr die sinnlose Waffengewalt verantwortlich zu machen. Die Debatte \u00fcber ein strengeres Waffengesetz gibt den Demokrat*innen die M\u00f6glichkeit die Massen davon abzulenken, wof\u00fcr die Demokrat*innen in der Vergangenheit standen und wof\u00fcr sie heute stehen.<\/p>\n<p>Die Demokrat*innen sind verantwortlich f\u00fcr viele der schlimmsten Episoden der Gewalt in der Menschheitsgeschichte: die Unterst\u00fctzung des nuklearen Bombenabwurfs auf Japan, die Bombardierung von Korea, die Fl\u00e4chenbombardierung Vietnams und in der j\u00fcngeren Geschichte, der Krieg im Irak und in Afghanistan und die Fortf\u00fchrung des \u201eKriegs gegen den Terrorismus\u201c. Selbst \u201eprogressive\u201c Demokrat*innen, wie Elizabeth Warren,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.leftvoice.org\/Elizabeth-Warren-Votes-for-Massive-Increase-of-War-Budget\"><strong>stimmten f\u00fcr die Kriegsfinanzierung<\/strong><\/a>, w\u00e4hrend der gesamte Kongress, auch Bernie Sanders, ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr Israels brutalen Krieg gegen den Libanon und in Gaza zusagten. Die Jugend von heute, die nach Antworten auf Gewalt sucht, sollte diese Politiker*innen fragen: Wie viele imperialistische Kriege habt ihr unterst\u00fctzt?<\/p>\n<p>Auch im Inland haben beide Parteien es zugelassen, dass subtilere Formen struktureller Gewalt durch die \u00dcbernahme des Neoliberalismus und die Abschaffung der Sozialf\u00fcrsorge fortbestehen. Angriffe, die Millionen verarmter, \u00e4ngstlicher und ver\u00e4rgerter Menschen hinterlassen haben. Es ist richtig, die Republikaner*innen daf\u00fcr zu verurteilen, dass sie Werkzeuge von bestimmten Interessengruppen sind, aber eine konsequente Analyse muss viel weiter gehen und die Demokrat*innen einbeziehen.<\/p>\n<p><strong>Entfremdung, Ungleichheit und aufgestaute Wut<\/strong><\/p>\n<p>Der Anstieg der Amokl\u00e4ufe ist ein komplexes Thema, das sich nicht einfach erkl\u00e4ren l\u00e4sst. Viele Faktoren spielen gleichzeitig eine Rolle. Aber es ist nicht unm\u00f6glich, grob diejenigen Aspekte der Gesellschaft zu skizzieren, die wahrscheinlich zu dem Problem beigetragen haben. Wir stellten oben fest, dass Gewalt in der amerikanischen Gesellschaft tief verwurzelt ist und in verschiedenen Formen reproduziert wird. Es gibt auch viele Faktoren, die dazu f\u00fchren, dass sich gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung zutiefst entfremdet f\u00fchlen und ver\u00e4rgert sind.<\/p>\n<p>Auch im Jahr 2018 werden in Amerika Millionen von Menschen auf verschiedene Weise an den Rand der Gesellschaft gedr\u00e4ngt. Obdachlosigkeit, Opiate und andere Abh\u00e4ngigkeiten, Depressionen, d\u00fcstere wirtschaftliche Aussichten f\u00fcr Arbeiter*innen (40 Millionen Menschen in Armut, laut dem Amt f\u00fcr Statistik der USA), der Aufstieg der sozialen Medien als prim\u00e4re Form der menschlichen Verbindung, das historische Ausma\u00df der ungleichen Verteilung von Wohlstand \u2013 Faktoren wie diese tragen zu einem Szenario bei, in dem Millionen Menschen sich selbst Schaden zuf\u00fcgen und viele um sich schlagen. Der Staat weigert sich, denjenigen, die von der Wirtschaftskrise am st\u00e4rksten betroffen sind, ein Sicherheitsnetz anzubieten, und f\u00f6rdert gleichzeitig die Politik der Masseninhaftierung.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus gibt es auch ein stark geschlechtsspezifisches Element der j\u00fcngsten Amokl\u00e4ufe. Die US-Kultur f\u00fcgt M\u00e4nnern von klein auf psychologischen Schaden zu, indem sie ihnen beibringt, dass die (eher zerbrechliche) m\u00e4nnliche Identit\u00e4t, die sie annehmen m\u00fcssen, von ihnen verlangt, \u201ehart\u201c zu sein. W\u00e4hrend die Gesellschaft den Frauen einen gewissen Raum bietet, um Emotionen zu verarbeiten und auszudr\u00fccken, \u00fcbt das m\u00e4nnliche Ideal einen Druck auf die M\u00e4nner aus, ihre Gef\u00fchle zu verinnerlichen, keine Schw\u00e4che zu zeigen, was zu der \u201eaufgestauten Wut\u201c f\u00fchrt, f\u00fcr die die j\u00fcngsten Amokl\u00e4ufer m\u00f6glicherweise anf\u00e4llig waren.<\/p>\n<p><strong>Marxistische Haltung gegen\u00fcber Waffenbesitz<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr die \u00fcberwiegende Mehrheit der Bef\u00fcrworter*innen der heutigen Waffengesetze sind zur Reduzierung von t\u00f6dlichen Amokl\u00e4ufen neue Richtlinien erforderlich, die einschr\u00e4nken, welche Waffen gekauft werden k\u00f6nnen, wo sie gekauft werden k\u00f6nnen und von wem. Die Jugend, die auf die Stra\u00dfen geht, um eine Waffenreform zu fordern, will einfach nur am Leben bleiben und nicht in Angst leben, und wer kann es ihnen ver\u00fcbeln. Aber das wirft die Frage auf, nach welchen Kriterien wir entscheiden, wer die am meisten gesch\u00e4tzte T\u00f6tungsvorrichtung der US-Amerikaner*innen besitzen sollte und wer nicht? Wenn Waffenbesitz eine bestimmte Form von Macht begr\u00fcndet, wo wollen wir dann, dass diese Macht liegt?<\/p>\n<p>Die Idee einer universell bewaffneten Gesellschaft war eine Tradition, die zumindest teilweise aus revolution\u00e4ren Traditionen des 17. und 18. Jahrhunderts in Europa \u00fcbernommen wurde und einige fortschrittliche Elemente hatte. Nach der Amerikanischen Revolution erhob sich das entrechtete und arme Volk mehrmals, besonders in\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Shays%E2%80%99_Rebellion\"><strong>Shays\u2018 Rebellion<\/strong><\/a>\u00a0und der\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Whiskey-Rebellion\"><strong>Whiskey Rebellion<\/strong><\/a>. Die Versuche, die milit\u00e4rische Macht in den H\u00e4nden des Staates zu konzentrieren, haben im Laufe der Geschichte vor allem reaktion\u00e4ren Zwecken gedient \u2013 mit dem Ziel, Aufst\u00e4nde der Armen und Arbeiter*innen, Sklav*innenaufst\u00e4nde oder K\u00e4mpfe indigener V\u00f6lker zu verhindern.<\/p>\n<p>Marxist*innen verstehen die USA als eine klassengeteilte Gesellschaft, in der die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung Teil der Arbeiter*innenklasse ist und eine Minderheit der Bev\u00f6lkerung die herrschende Kapitalist*innenklasse verk\u00f6rpert. Die amerikanische Geschichte ist voll von blutigen Beispielen des Klassenkampfes. Oft haben sich Arbeiter*innen friedlich organisiert, Proteste inszeniert, Sit-ins, Streiks, nur um dann mit Gewalt von Schl\u00e4gern, die von den Bossen angeheuert wurden, oder von der Polizei verpr\u00fcgelt zu werden. Manchmal bewaffneten sich die Arbeiter*innen zur Verteidigung und wehrten Angriffe von den Schl\u00e4gern der Bosse oder der Polizei nach bestem Wissen und Gewissen ab. In einer Gesellschaft, die auf Klassenkonflikten basiert, stellen Waffen ein wichtiges Element eines andauernden Machtkampfes dar.<\/p>\n<p>Wenn wir die Gesellschaft im historischen Kontext betrachten und soziale Konflikte analysieren, muss die Waffenkontrolle als eine Ma\u00dfnahme gesehen werden, die die Macht des kapitalistischen Staates st\u00e4rkt \u2013 derselbe reaktion\u00e4re Staat, der Krieg f\u00fchrt, soziale Bewegungen kriminalisiert und einer Polizei Straffreiheit gew\u00e4hrt, die t\u00f6tet, um unterdr\u00fcckte Gemeinschaften und die Arbeiter*innenklasse zu entwaffnen und wehrlos zu halten. Aufrufe zum Verbot von Angriffswaffen und verst\u00e4rkte Hintergrund\u00fcberpr\u00fcfungen erm\u00f6glichen es beispielsweise dem kapitalistischen Staat (Polizei, Armee, Gerichte), seine Kontrolle \u00fcber Waffen weiter zu monopolisieren.<\/p>\n<p>Zur gleichen Zeit f\u00f6rdert die Waffenlobby eine individualistische, wei\u00dfe rassistische Vision von Waffenbesitz, komplett antagonistisch zu den Rechten der Arbeiter*innenklasse, Menschen mit nicht-wei\u00dfer Haut, Migrant*innen, LGBTI*-Menschen, und anderer Teile der Bev\u00f6lkerung, die Opfer von Unterdr\u00fcckung werden. Im Allgemeinen sind die Organisationen, die am aktivsten im Bereich der \u201eWaffenrechte\u201c t\u00e4tig sind, Teil der migrationsfeindlichen, rassistischen, politischen Rechten.<\/p>\n<p><strong>Die Reform des Waffengesetzes wurzelt im Rassismus<\/strong><\/p>\n<p>Auf der anderen Seite ist die Geschichte der amerikanischen \u201egun control\u201c jedoch untrennbar mit der rassistischen Entschlossenheit verbunden, die schwarzen und nicht-wei\u00dfen Gesellschaftsgruppen zu unterwerfen. Nach dem Amerikanischen B\u00fcrger*innenkrieg gab es eine Bewegung, die schwarze Familien dazu ermutigte, Gewehre zu kaufen, um sich vor umherziehenden rassistischen Banden zu sch\u00fctzen. In \u201eSouthern Horrors: Lynch Law in all his Phrases\u201c schrieb die Journalistin Ida B. Wells: \u201e[\u2026] ein Winchester-Gewehr sollte in jedem schwarzen Haus einen Ehrenplatz haben, und es sollte f\u00fcr den Schutz verwendet werden, den das Gesetz nicht gew\u00e4hren will.\u201c<\/p>\n<p>Jedoch war eine der fr\u00fchen Ma\u00dfnahmen der Reform des Waffengesetzes ein Landesgesetz in Florida, eingef\u00fchrt quasi unmittelbar nachdem ein Lynchen durch bewaffnete schwarze Leute verhindert wurde. Als Reaktion darauf verabschiedete der Florida-Gesetzgeber 1893 ein neues Gesetz, das eine Lizenz zum Besitz von Waffen einf\u00fchrte. Ein Richter des Obersten Gerichtshofs von Florida w\u00fcrde sp\u00e4ter erkl\u00e4ren, dass \u201edas Gesetz zum Zweck der Entwaffnung der schwarzen Arbeiter*innen verabschiedet wurde\u201c und es \u201enie beabsichtigt war, es auf die wei\u00dfe Bev\u00f6lkerung anzuwenden, und in der Praxis nie so angewandt wurde\u201c.<\/p>\n<p>Dies war ein Muster, das wiederholt im ganzen Land auftrat; Waffenkontrollgesetze wurden erlassen, um Schwarze daran zu hindern, sich selbst zu verteidigen, und wurden so nur gegen schwarze Familien durchgesetzt, mit einem blinden Auge f\u00fcr die rassistische Gewalt, die ihnen von rechten Gruppen und der Regierung angetan wurde.<\/p>\n<p>Diese Unterdr\u00fcckung versch\u00e4rfte sich im Laufe der Jahre und gipfelte in strengeren Waffengesetzen, als Gruppen wie die Black Panthers die bewaffnete Selbstverteidigung ihrer Gemeinden gegen die brutale Unterdr\u00fcckung der Polizei, organisierten. Als Reaktion auf die Anfechtung des Systems der rassistischen Unterdr\u00fcckung, durch die Black Panthers Party wurden sofort Gesetze wie der kalifornische Mulford Act von 1967 verabschiedet, die das Recht auf offenes Tragen von Waffen einschr\u00e4nkte. Damals unterst\u00fctzte die Waffenlobby diese rechtlichen Ma\u00dfnahmen und offenbarte ihren Rassismus und ihre Heuchelei.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Jugend von Florida und anderen US-Bundesstaaten, restriktivere Waffengesetze nicht aus rassistischen Beweggr\u00fcnden verlangt, m\u00fcssen wir anerkennen, dass es bei strengeren Waffengesetzen, in der Geschichte der USA, vordergr\u00fcndig nie darum ging Menschenleben zu retten. Die Doppelmoral besteht darin, dass w\u00e4hrend die schwarzen Selbstverteidigungsgruppen kriminalisiert und staatlich unterdr\u00fcckt wurden, die rechten Milizen sich hinter dem \u201eRecht, Waffen zu tragen\u201c verstecken durften.<\/p>\n<p><strong>Keine einfache L\u00f6sung im kapitalistischen Amerika<\/strong><\/p>\n<p>Einige der \u00dcberlebenden des Parkland-Massakers haben eine Erh\u00f6hung der Zahl der Schulberater*innen und Psycholog*innen gefordert, zus\u00e4tzlich zur Waffenreform. Die Forderung nach mehr Geld und Personal f\u00fcr psychische Gesundheit geht aber eher in die richtige Richtung, wenn auch in kleinem Ma\u00dfstab. Aber damit w\u00fcrde man noch immer nicht die tief empfundene Entfremdung, Einsamkeit, Wut und Unterdr\u00fcckung gro\u00dfer Teile der Gesellschaft ansprechen. Die b\u00fcrgerliche Psychologie gibt die lediglich Tipps, wie Du Deine angestaute Wut noch besser und effizienter aufstauen kannst, um noch mehr Wut aufzustauen zu k\u00f6nnen, damit diese sich nicht entl\u00e4dt und wom\u00f6glich das System der Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung in Wanken zu bringen.<\/p>\n<p>Eine Gesellschaft, die auf menschliche Bed\u00fcrfnisse und nicht auf Profit ausgerichtet ist, k\u00f6nnte wichtige Schritte unternehmen, um die psychische Gesundheit und die pers\u00f6nliche Erf\u00fcllung aller menschlichen Bed\u00fcrfnisse zu verbessern. Aber leider gibt es keine einfachen L\u00f6sungen innerhalb eines Systems, das seit Jahrhunderten in der gewaltsamen Unterwerfung von Schwarzen und Indigenen verwurzelt ist, und einer Nation, die nach den Worten von Martin Luther King weiterhin \u201eder gr\u00f6\u00dfte Lieferant von Gewalt in der heutigen Welt\u201c ist.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/was-steckt-hinter-dem-problem-der-schusswaffengewalt-in-den-usa\/\">klassegegenklasse.org&#8230;<\/a> vom 3. M\u00e4rz 2018<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Left Voice. Nach dem j\u00fcngsten Amoklauf an einer High School in Parkland ist die Debatte um das Problem der Schusswaffengewalt in den USA neu entbrannt. 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