{"id":3223,"date":"2018-03-09T11:13:03","date_gmt":"2018-03-09T09:13:03","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3223"},"modified":"2018-03-09T11:16:22","modified_gmt":"2018-03-09T09:16:22","slug":"mathilde-auferbauer-kommunistin-und-antifaschistin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3223","title":{"rendered":"Mathilde Auferbauer \u2013 Kommunistin und Antifaschistin"},"content":{"rendered":"<p><em>Jana Szasz.<\/em> <strong>Mathilde Auferbauer war Kommunistin und gl\u00fchende Antifaschistin. Sie baute in Leoben eine Widerstandsgruppe auf, wurde 1944 von der Gestapo verhaftet und ins KZ Ravensbr\u00fcck<!--more--> deportiert, was sie nur dank der Opferbereitschaft ihrer Mitgefangenen \u00fcberlebte.<\/strong><\/p>\n<p>Geboren 1908 in der Steiermark, muss Mathilde Auferbauer als Kommunistin bereits mit 21 Jahren eine Gef\u00e4ngnisstrafe verb\u00fc\u00dfen. Doch auch w\u00e4hrend des Krieges nimmt ihr Engagement nicht ab: Neben ihrer Arbeit als Kinderg\u00e4rtnerin engagiert sie sich im Aufbau der antifaschistischen Leobner Widerstandsgruppe, verbreitet Propagandamaterial und stellt ihre Wohnung als Treffpunkt f\u00fcr Besprechungen sowie als Unterschlupf f\u00fcr Antifaschist_innen und Kriegsgefangene zur Verf\u00fcgung. Auferbauer z\u00e4hlt zu den aktivsten Frauen im Kreise jener Organisation.<\/p>\n<p>Zeitlebens plagen sie R\u00fcckenprobleme. Zur Zeit ihrer Verhaftung durch die Gestapo am 13. Juli 1944 ist sie deshalb in Bad Tatzmannsdorf. In den vier darauffolgenden Monaten wird Auferbauer in Graz gefangen gehalten. Weil sie sich weigert, die Namen ihrer Verb\u00fcndeten preiszugeben, wird sie von den Gestapoleuten so schwer gefoltert, dass sie eine lebenslange L\u00e4hmung davontr\u00e4gt.<\/p>\n<p><strong>Ravensbr\u00fcck<\/strong><\/p>\n<p>Die Peinigungen nehmen auch nach ihrer Inhaftierung in Graz kein Ende: Ende November 1944 wird sie in das Konzentrationslager Ravensbr\u00fcck deportiert. Aufgrund ihres schlechten gesundheitlichen Zustands m\u00fcssen sie die Mitgefangenen auf einer Tragbahre in das Lager bef\u00f6rdern. Die folgenden Monate bis zu ihrer Befreiung bringt die Widerstandsk\u00e4mpferin im Krankenrevier zu. Der Anblick der entmenschlichenden Zust\u00e4nde im KZ brennt sich in ihr Ged\u00e4chtnis ein: \u201eDurchwegs nackt sind hier alle (die Frauen im Krankenblock), die Knochen nur mehr von der Haut zusammengehalten. Oft musste ich die Augen schlie\u00dfen. Von hier kommt kaum jemand lebend oder schadlos heraus. Das ist mir bald bewusst geworden.\u201c, so Auferbauer.<\/p>\n<p><strong>Erfahrung der Solidarit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Da Auferbauer nicht imstande ist, k\u00f6rperliche Arbeit zu verrichten und zudem noch an beiden Beinen gel\u00e4hmt ist, wird sie oft von den KZ-Aufsehern selektiert. Einige Male entkommt sie nur knapp der Gaskammer. Mit der Hilfe ihrer Kameradinnen, denen es gelingt, sie von der Liste zu streichen, schafft sie es immer wieder, zu entrinnen. Die Erfahrung der Solidarit\u00e4t unter den Inhaftierten ist f\u00fcr Auferbauer ein kleiner Funken Hoffnung im gro\u00dfen Elend des Lagers. Hermine Jursa, eine Freundin von ihr, welche sich Zeit ihres Lebens nicht minder politisch engagiert, schmuggelt ihr \u00fcber die Lager-Weberei ein Paar Kr\u00fccken hinein, damit sie bei den Selektionen besser stehen kann. Angela Prater l\u00e4sst ihr heimlich ein wenig mehr Essen zukommen. Diesen Einsatz rechnet Auferbauer ihren Helferinnen hoch an: Sie glaubt, nur durch die \u201etodesmutige Opferbereitschaft ihrer Mith\u00e4ftlinge\u201c dem Tod entronnen zu sein.<\/p>\n<p><strong>Flucht aus dem Lager<\/strong><\/p>\n<p>Ein letzter Streich ihrer Gef\u00e4hrtinnen erm\u00f6glicht Auferbauer Ende April 1945 endlich die Flucht aus dem Lager. W\u00e4hrend eines Fluchtversuches bei einer Selektion nutzen ihre Kameradinnen einen kurzen Moment der Unaufmerksamkeit seitens der Aufseher aus, um sie auf einen anderen Block zu bringen. Dort wird sie verkleidet und mit den Papieren einer bereits verstorbenen Franz\u00f6sin ausgestattet. Zur Tarnung tr\u00e4gt sie ein Kopftuch und Augengl\u00e4ser; ihre Haare f\u00e4rbt sie mit Ru\u00df. So kann sie im Zuge einer Rettungsaktion des Schwedischen Roten Kreuzes aus dem Lager geschmuggelt werden.<\/p>\n<p>Auferbauer wird \u00fcber Kopenhagen nach Schweden gebracht, wo sie sich innerhalb von einem Jahr zumindest teilweise von ihren Verletzungen erholt. Ganz genest sie jedoch nie. Sie kann sich nur noch mit Hilfe eines Kr\u00fcckstocks fortbewegen. Im Sommer 1946 kehrt sie in die Steiermark zur\u00fcck und l\u00e4sst sich nun in G\u00f6ss bei Leoben nieder. Noch bis in das Jahr 1992 engagiert sie sich bei der \u00d6sterreichischen Lagergemeinschaft Ravensbr\u00fcck. Sie starb vermutlich 1992 in der Steiermark.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/linkswende.org\/mathilde-auferbauer\/\">linkswende.org&#8230;<\/a> vom 9. M\u00e4rz 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jana Szasz. Mathilde Auferbauer war Kommunistin und gl\u00fchende Antifaschistin. 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