{"id":3226,"date":"2018-03-09T11:21:58","date_gmt":"2018-03-09T09:21:58","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3226"},"modified":"2018-03-09T11:21:58","modified_gmt":"2018-03-09T09:21:58","slug":"irma-trksak-widerstandskaempferin-und-kommunistin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3226","title":{"rendered":"Irma Trksak &#8211; Widerstandsk\u00e4mpferin und Kommunistin"},"content":{"rendered":"<p><em>Jana Szasz.<\/em> <strong>Als Jugendliche verteilt sie 1934 mit ihrem Vater die damals verbotene Arbeiterzeitung als Akt des Widerstands gegen den aufkommenden Austrofaschismus, und auch noch mit 90 Jahren<!--more--> k\u00e4mpfte sie erpicht gegen Rassismus, Antisemitismus und soziale Benachteiligung. Irma Trksak ist der Inbegriff einer Widerstandsk\u00e4mpferin, die trotz aller Steine, die ihr in den Weg gelegt wurden, immer weiter gemacht hat.<\/strong><\/p>\n<p>Geboren im Jahre 1917, entstammt Irma Trksak einer slowakischen Arbeiterfamilie. Als das zweite von vier Kindern verbringt sie ihre Kindheit und Jugend in bescheidenen Verh\u00e4ltnissen, in einer Zinswohnung im 20. Wiener Gemeindebezirk. Ihr Vater, welcher sich von einem Hilfsarbeiter zum Maschinisten einer Eisfabrik hochgearbeitet hat, ist Mitglied in der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP).<\/p>\n<p><strong>Slawische Wurzeln<\/strong><\/p>\n<p>Da Irma Angeh\u00f6rige der slowakischen Minderheit ist, wird sie schon fr\u00fch mit Anfeindungen konfrontiert. Trotz der schwierigen Umst\u00e4nde schlie\u00dft sie ihre Matura am tschechischen Komensky-Realgymnasium mit Bravour ab \u2013 als M\u00e4dchen aus einer Arbeiterfamilie eine Seltenheit. Nach einer Ausbildung zur Lehrerin \u00fcbt Trksak diesen Beruf an einer Volks- und einer Hauptschule in Wien aus, bis ihr Vertrag 1939 nicht mehr verl\u00e4ngert wird.<\/p>\n<p><strong>Erbitterter Widerstand<\/strong><\/p>\n<p>Als Slowakin wird sie nach der nationalsozialistischen Macht\u00fcbernahme zum \u201eMenschen zweiter Klasse\u201c degradiert. Sie schlie\u00dft sich dem kommunistisch gesinnten tschechoslowakischen Widerstand in Wien an. Mit ihrem Partner Ludwig \u0160t\u011bp\u00e1nek und anderen Widerstandsk\u00e4mpfern verteilt sie Flugbl\u00e4tter und f\u00fchrt mit den Angeh\u00f6rigen einer sogenannten Terrorgruppe Sabotageakte durch. In der Lobau und in Schwechat setzen sie Strohtristen und Getreidespeicher, die der Lagerung von Milit\u00e4rgut dienen, in Brand; als Liebespaar getarnt, installiert Trksak mit einem Kumpanen Z\u00fcndk\u00f6rper.<\/p>\n<p>Aufgrund einer H\u00e4ufung der Anschl\u00e4ge durch die Widerstandsgruppe, in der sich Trksak engagiert, beginnt die Gestapo gen Ende des Jahres 1941 verst\u00e4rkt an der Aufkl\u00e4rung der F\u00e4lle und Fahndung nach den T\u00e4tern zu arbeiten. Die Verhaftungen folgen Schlag auf Schlag. 20 Mitglieder werden hingerichtet. \u0160t\u011bp\u00e1nek wird verhaftet; er begeht noch im selben Jahr Selbstmord. Trksak wird im Polizeigef\u00e4ngnis Rossauer L\u00e4nde inhaftiert. Nach einem Jahr wird sie in das Frauenkonzentrationslager Ravensbr\u00fcck deportiert.<\/p>\n<p><strong>Unaufh\u00f6rlicher Kampfgeist<\/strong><\/p>\n<p>Anfang Oktober 1942 erreicht sie mit den anderen Frauen des Transportes das Konzentrationslager. Obwohl sie dort entsetzlichen Qualen ausgesetzt ist und hungernd und gedem\u00fctigt ihr Dasein fristet, leistet sie weiterhin Widerstand. Sie wird zur Arbeit in der \u201eSiemens\u201c-Fabrik im Lager verpflichtet. Als Schreiberin muss sie die Arbeitsleistung der H\u00e4ftlinge verzeichnen, wobei sie die Statistiken zugunsten der Schw\u00e4cheren verf\u00e4lscht.<\/p>\n<p>Die traumatisierenden Erlebnisse aus der Zeit im KZ begleiten Trksak ein Leben lang. Mit den anderen inhaftierten Frauen gelingt es ihr immer wieder, besonders gef\u00e4hrdete Kameradinnen vor der Selektion zu bewahren. Beispielsweise besorgt sie Mathilde Huferbauer, einer Mit-Inhaftierten, der die Vernichtung durch die Nationalsozialisten bevorstand, eine gef\u00e4lschte franz\u00f6sische Nummer einer bereits Verstorbenen, um ihr zu erm\u00f6glichen, mit einem Rettungsdienst f\u00fcr franz\u00f6sische Kriegsgefangene das Lager zu verlassen.<\/p>\n<p><strong>Endlich frei<\/strong><\/p>\n<p>Ende April 1945 kann Irma mit ihren Freundinnen beim Todesmarsch aus Ravensbr\u00fcck der SS entfliehen. Nach einer langen, an Strapazen reichen Reise findet sie ihre Eltern wieder. Auf dem Weg wird sie von einem Rotarmisten vergewaltigt. Dieser Vorfall ersch\u00fcttert ihr Vertrauen in die Befreiung durch die Rote Armee Stalins gewaltig. Seither sagt sie immer: \u201eIch habe mich selbst befreit. Mich hat niemand befreit! Ich habe mich selbst befreit!\u201c \u2013 und das zu Recht.<\/p>\n<p>Zuhause angekommen muss sie erfahren, dass Ihre beiden Br\u00fcder und ihr geliebter Mann den Krieg leider nicht \u00fcberlebt haben. Nach 1945 engagiert sie sich als Zeitzeugin, besucht Schulen und verrichtet Aufkl\u00e4rungsarbeit. Des Weiteren gr\u00fcndet sie die \u00d6sterreichische Lagergemeinschaft Ravensbr\u00fcck. Im Jahr 2017 stirbt Trksak im Alter von 99 Jahren.<\/p>\n<p>Die Worte, welche Irma im Jahre 2007 bei einer Gedenkfeier im Namen der Ravensbr\u00fcck-H\u00e4ftlinge in ihrer Rede w\u00e4hlte, sprechen f\u00fcr sich: \u201eWir \u00dcberlebenden \u2026 werden, so lange es uns m\u00f6glich sein wird, die Erinnerungen an diese Zeit wach halten und gegen das Vergessen, gegen das Verdr\u00e4ngen und gegen das Leugnen des Unfassbaren, des Unvorstellbaren, k\u00e4mpfen. Damit niemals auf der Erde den Menschen \u00c4hnliches widerf\u00e4hrt \u2026Unser Wunsch ist es, dass Erinnern und Gedenken gefestigt werden, um der historischen Wahrheit die Ehre zu geben.\u201c<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/linkswende.org\/irma-trksak\/\">linkswende.org&#8230;<\/a> vom 9. M\u00e4rz 2018<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jana Szasz. 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