{"id":3238,"date":"2018-03-12T09:17:38","date_gmt":"2018-03-12T07:17:38","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3238"},"modified":"2018-03-12T09:17:38","modified_gmt":"2018-03-12T07:17:38","slug":"neue-zuercher-zeitung-auf-afd-kurs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3238","title":{"rendered":"Neue Z\u00fcrcher Zeitung auf AfD-Kurs"},"content":{"rendered":"<p><em>Marianne Arens.<\/em> Die\u00a0Neue Z\u00fcrcher Zeitung\u00a0wandelt sich vom marktliberalen und konservativen Organ der Schweizer Bourgeoisie mehr und mehr zu einem rechtspopulistischen Hetzblatt. <!--more-->Sie richtet sich dabei nicht nur an ihre Schweizer Leserschaft, sondern gezielt auch an ein Publikum in Deutschland.<\/p>\n<p>Unter anderen berichteten\u00a0Die Zeit\u00a0am 13. Dezember 2017 und das Medienmagazin ZAPP des Norddeutschen Rundfunks (ndr) am 28. Februar \u00fcber den Rechtsruck der NZZ. Sie arbeite sich \u201einzwischen geradezu obsessiv an konservativen Reizthemen ab: an der Geschlechterfrage, an der politischen Korrektheit, am angeblich alles dominierenden sozialdemokratischen Mainstream\u201c, schrieb\u00a0Die Zeit.<\/p>\n<p>ZAPP wies auf die rechtspopulistisch aufgeladenen Themen hin, die auff\u00e4llig oft die Seiten der\u00a0NZZ\u00a0f\u00fcllen. Dazu geh\u00f6rt Kritik an Kanzlerin Angela Merkel von rechts, z.B. unter dem Titel \u201eStarrsinn im Kanzleramt\u201c, sowie das Sch\u00fcren von Antiislamismus mit Artikeln \u00fcber die Burka als \u201eGef\u00e4ngnis aus Stoff\u201c oder \u00fcber \u201eislamisch gepr\u00e4gte junge Herrenmenschen\u201c.<\/p>\n<p>In einem Artikel \u00fcber die Fl\u00fcchtlingspolitik der Kanzlerin schrieb\u00a0NZZ-Chefredakteur Eric Gujer: \u201eMit der abrupten \u00d6ffnung der Ostgrenze gab die CDU zugleich die Idee des Staatsvolks auf, das sich von andern V\u00f6lkern unterscheidet und aus dieser Distinktion seine Existenzberechtigung ableitet.\u201c Zwei Autoren des Z\u00fcrcher\u00a0Tagesanzeigers\u00a0kommentierten zu Recht, Gujer argumentiere \u201enahe an v\u00f6lkischen Thesen, die Migration als unzul\u00e4ssige \u201aV\u00f6lkervermischung\u2018 grunds\u00e4tzlich ablehnen\u201c. Die AfD hat diesen Artikel weitherum geteilt.<\/p>\n<p>Gegen Russland betreibt die\u00a0NZZ\u00a0eine regelrechte Kriegshetze. Im Juni 2016 bedauerte Christian Weisflog unter dem Titel \u201eEuropas Verrat an der Ukraine\u201c, dass der Westen nicht offen Krieg gegen Russland gef\u00fchrt habe. Er beklagte die \u201eMitverantwortung des Westens\u201c, der \u201edie wehrlose Ukraine str\u00e4flich im Stich\u201c gelassen und Waffenlieferungen kategorisch ausgeschlossen habe. \u201eMinsk II\u201c habe es vers\u00e4umt, \u201eden russischen Aggressor in die Pflicht zu nehmen\u201c. Weisflog forderte in der\u00a0NZZ\u00a0unverhohlen h\u00e4rtere Sanktionen, mehr \u201eDruck auf Russland\u201c, die Aufnahme der Ukraine in die Nato und die Aufr\u00fcstung der ukrainischen Armee.<\/p>\n<p>Die\u00a0NZZ\u00a0hat auch dem Berliner Historiker J\u00f6rg Baberowski mehrmals eine Plattform f\u00fcr seine rechtsextremen \u00c4u\u00dferungen gegeben und ihn ausdr\u00fccklich gegen Kritik der trotzkistischen Jugendorganisation IYSSE verteidigt. In der\u00a0NZZ\u00a0erhob Baberowski den Vorwurf, Deutschland sei zur \u201eTugend-Republik\u201c von \u201eMoralpredigern\u201c geworden, und jeder, der gegen die Konvention versto\u00dfe, werde \u201enach Dunkel-Deutschland verbannt\u201c.<\/p>\n<p>Am 20. Mai 2017 konnte Baberowski seine rechtsradikalen Ansichten in einem langen\u00a0<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2017\/05\/25\/babe-m25.html\"><strong>Interview<\/strong><\/a>\u00a0in der\u00a0NZZ\u00a0ausbreiten. Er beklagte die \u201eHegemonie der Linken\u201c, und dass es keine Konservativen wie Franz-Josef Strau\u00df mehr gebe, \u201eder von sich mit Stolz gesagt [habe], er sei ein Konservativer und Rechter\u201c. \u201eWer wagt es heute noch, von sich zu behaupten, er sei rechts?\u201c fragte Baberowski.<\/p>\n<p>In der Schweiz stellte sich die\u00a0NZZ\u00a0auch hinter die NoBillag-Initiative zur Abschaffung des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks, die am 4. M\u00e4rz in einer Volksabstimmung mit 72 Prozent abgelehnt wurde. Unterst\u00fctzt hatte die Initiative nur die rechtsextreme SVP des Milliard\u00e4rs Christoph Blocher, der selbst mehrere Zeitungen kontrolliert.<\/p>\n<p>In einem Aufsehen erregenden Kommentar mit dem Titel \u201eDie Schweiz braucht keine Staatsmedien\u201c nahm Gujer am 15. Dezember 2017 Partei f\u00fcr die Gegner der SRG (Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft), die er als \u201etotalit\u00e4r\u201c, \u201eStaatsfunk\u201c und als \u201eDinosaurier\u201c aus einer l\u00e4ngst vergangenen Zeit bezeichnete.<\/p>\n<p>Die\u00a0Neue Z\u00fcrcher Zeitung\u00a0ist die \u00e4lteste Zeitung der Schweiz. Zur Zeit ihrer Gr\u00fcndung im Jahr 1780 war sie das Organ des damals fortschrittlichen Z\u00fcrcher B\u00fcrgertums und als solches dem \u201edemokratischen Freisinn\u201c verpflichtet. Im zwanzigsten Jahrhundert wurde sie zum klassischen Bollwerk von Economiesuisse, der Schweizer Banken und Unternehmen, und der FDP, der traditionellen, rechtsliberalen Partei des Schweizer B\u00fcrgertums.<\/p>\n<p>Die j\u00fcngste Rechtswende begann im Dezember 2014, als der\u00a0NZZ-Verwaltungsrat den damaligen Chefredakteur Markus Spillmann zum R\u00fccktritt zwang. Was sich genau im\u00a0NZZ-Verwaltungsrat, den FDP-F\u00fchrungsgremien und den Sitzungen des Rotary Clubs abspielte, wurde nicht ver\u00f6ffentlicht. Doch als Markus Somm als Spillmanns Nachfolger vorgeschlagen wurde, zeigte sich, in welche Richtung der Verwaltungsrat die\u00a0NZZ\u00a0dr\u00e4ngte.<\/p>\n<p>Markus Somm steht beispielhaft f\u00fcr den Rechtsruck in der Schweizer Medienlandschaft. Der Blocher-Biograf und Sohn eines Industriemanagers wurde Chefredakteur der\u00a0Basler Zeitung, nachdem der Finanzier Tito Tettamanti das renommierte Blatt im Auftrag Blochers \u00fcbernommen hatte. Vorher war er stellvertretender Chefredakteur der\u00a0Weltwoche, die Blocher bereits 2001 unter seine Kontrolle gebracht hatte und die seither einen stramm rechten Kurs verfolgt.<\/p>\n<p>Die\u00a0Weltwoche, die vom f\u00fchrenden SVP-Mitglied Roger K\u00f6ppel geleitet wird, macht Schlagzeilen mit anti-Roma-Hetze und Propaganda f\u00fcr die rechtsradikalen Projekte der SVP. Erst vor wenigen Tagen, am 7. M\u00e4rz, lud sie den einstigen Chefstrategen Donald Trumps Steve Bannon nach Z\u00fcrich ein, wo er die Zusammenarbeit aller rechten Bewegungen Europas forderte und Blocher in den h\u00f6chsten T\u00f6nen lobte.<\/p>\n<p>Die \u00dcbernahme der\u00a0Neuen Z\u00fcrcher Zeitung\u00a0durch Somm scheiterte schlie\u00dflich, weil sich starker Widerstand regte. Statt seiner wurde im August 2015 Eric Gujer zum Chefredakteur ernannt.<\/p>\n<p>Der langj\u00e4hrige Deutschland-Korrespondent der\u00a0NZZ, der in Freiburg i.B. und K\u00f6ln Geschichte, Politik und Slawistik studiert hatte, hatte 2007 mit dem Buch \u201eSchluss mit der Heuchelei. Deutschland ist eine Gro\u00dfmacht\u201c deutlich gemacht, wo er politisch steht. Er argumentierte darin, Deutschland d\u00fcrfe sich nicht mit moralischen Argumenten aus milit\u00e4rischen Konflikten heraushalten. Gujer beriet als Geheimdienstexperte auch die Schweizer Regierung und hatte schon zuvor ein Buch \u00fcber den deutschen Auslandsgeheimdienst BND verfasst.<\/p>\n<p>Unter Gujer verschob sich der Kurs der\u00a0NZZ\u00a0weiter nach rechts. Gestandene Journalisten und Mitarbeiter wurden zu Dutzenden entlassen oder zur K\u00fcndigung gedr\u00e4ngt. Dagegen protestierten im Oktober 2017 70 Akademiker und fr\u00fchere\u00a0NZZ-Journalisten. Sie h\u00e4tten den Eindruck, \u201edass die personellen Entscheidungen der letzten Zeit nicht allein auf \u00f6konomische Zw\u00e4nge zur\u00fcckzuf\u00fchren\u201c sind, sondern auch eine \u201epolitische \u00d6ffnung am rechten Rand des Liberalismus oder hin zu einem bem\u00fcht unkonventionellen Libertarismus\u201c nahelegen, schreiben sie.<\/p>\n<p>Unter Eric Gujer baut die\u00a0NZZ\u00a0systematisch ihre Pr\u00e4senz in Deutschland aus. Kurz vor den Bundestagswahlen im September 2017 lancierte er seinen allw\u00f6chentlichen Newsletter \u201eDer andere Blick\u201c, in dem er regelm\u00e4\u00dfig Deutschland-bezogene Themen aufgreift, die sich oft als AfD-nahe erweisen. Gujer hat wiederholt betont, seine Zeitung mache es sich zur Pflicht, die \u201edemokratische Auseinandersetzung mit allen Meinungen\u201c zu suchen. Was er damit meint, wird in den Interviews mit Frauke Petry und Alice Weidel (AfD) deutlich, die das erweiterte Berliner\u00a0NZZ-B\u00fcro beisteuerte.<\/p>\n<p>Der Rechtsruck der\u00a0NZZ\u00a0folgt einem Muster, das man weltweit beobachten kann. Angesichts wachsender sozialer Gegens\u00e4tze, internationaler Spannungen und Kriegsgefahr r\u00fccken die einstigen \u201eFlagschiffe\u201c und mit ihnen die gesamte b\u00fcrgerliche Presse nach rechts. Die Londoner\u00a0Times\u00a0wurde bereits 1981 von Rupert Murdoch geschluckt, die\u00a0New York Times\u00a0ist zu einem Sprachrohr f\u00fcr Milit\u00e4rs und Geheimdienste geworden, und auch die Linie der\u00a0Frankfurter Allgemeine Zeitung\u00a0n\u00e4hert sich jener der AfD.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2018\/03\/12\/nzze-m12.html\">wsws.org&#8230;<\/a> vom 12. M\u00e4rz 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marianne Arens. 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