{"id":3241,"date":"2018-03-12T17:17:59","date_gmt":"2018-03-12T15:17:59","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3241"},"modified":"2018-03-12T17:17:59","modified_gmt":"2018-03-12T15:17:59","slug":"internationaler-rechtsruck-seine-grundlagen-verstehen-um-ihn-zu-bekaempfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3241","title":{"rendered":"Internationaler Rechtsruck \u2013 seine Grundlagen verstehen, um ihn zu bek\u00e4mpfen!"},"content":{"rendered":"<p><em>Jaqueline Katherina Singh.<\/em> Wenn wir uns in der Welt umschauen, kann uns ein Schauer \u00fcber den R\u00fccken laufen.\u00a0In Deutschland hat\u2019s die AfD bei fast allen Wahlen zweistellig in den Landtag geschafft,\u00a0w\u00e4hrend<!--more--> die etablierten Parteien einen deutlichen Stimmenverlust erlitten. Neben dem\u00a0massiven Anstieg von \u00dcbergriffen auf Gefl\u00fcchtete und ihre Unterk\u00fcnfte in den letzten\u00a02 Jahren h\u00e4ufen sich auch Angriffe auf Linke sowie auf B\u00fcros von Gewerkschaften,\u00a0Linkspartei, SPD und anderen linken sowie migrantischen Einrichtungen.<\/p>\n<p>Begleitet\u00a0wurde dies mit Asylgesetzversch\u00e4rfungen, die letztendlich in eine gro\u00dfe Abschiebekampagne seitens der Regierung m\u00fcndeten.\u00a0Doch nicht nur in Deutschland hat sich die Lage ver\u00e4ndert. Schauen wir in der Welt\u00a0umher, sieht\u2019s in anderen L\u00e4ndern nicht viel besser aus.<\/p>\n<p>Werfen wir einen Blick nach\u00a0Frankreich: Seit 2009 wird die Front National einflussreicher und der staatliche\u00a0Rassismus nimmt zu. Seine antimuslimische Spielart ist besonders stark ausgepr\u00e4gt,\u00a0wie die Debatte zum Burka-Verbot oder die physischen Angriffe auf Muslima nachdem Terroranschlag auf Charlie Hebdo zeigen.<\/p>\n<p>Auch in Polen sieht\u2019s da nicht besser aus. Seit 2015 ist die rechtskonservative Prawo i Sprawiedliwo\u015b\u0107 (kurz: PiS, dt: Recht und Gerechtigkeit) an der Regierung und\u00a0verabschiedet reaktion\u00e4re Gesetze. Erst griff sie die Pressefreiheit an, im Herbst 2016\u00a0wurden Abtreibungen zu verbieten versucht. Von der Gefl\u00fcchtetenpolitik des Landes\u00a0will man lieber schweigen. Hinzu kommt eine starke faschistische Szene, die Linke\u00a0systematisch angreift.<\/p>\n<p>Auch in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern sehen wir eine starke Rechte. W\u00e4hrend in\u00a0\u00d6sterreich die FP\u00d6, eine rechtsextreme, populistische Partei, stark zulegt und es nur eine Frage von 2\u00a0% war, ob sie den Bundespr\u00e4sidenten stellte, streifen in der Ukraine\u00a0faschistische Milizen umher. Ebenfalls in Ungarn ist ein Rechtspopulist an der Regierung mit der faschistischen Jobbik (dt: Bewegung f\u00fcr ein besseres Ungarn) im R\u00fccken und auch in Schweden sowie Finnland haben die Rechten gut zugelegt. Doch dabei h\u00f6rt es nicht auf. Im Gro\u00dfteil der Welt k\u00f6nnen wir einen Rechtsruck verzeichnen. Von den USA bis zu den Philippinen k\u00f6nnen wir beobachten, wie Rechtspopulist_Innen Erfolg haben. Klar ist:\u00a0Dem Rechtsruck m\u00fcssen wir uns entgegenstellen. Aber wie?<\/p>\n<p><strong>Warum ist das so?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn wir uns effektiv wehren wollen, m\u00fcssen wir auch verstehen, wie dieser\u00a0Rechtsruck zustande kommt. Dazu m\u00fcssen wir uns anschauen, in was f\u00fcr einer Welt\u00a0wir eigentlich leben. Um dies gleich zu beantworten: Aktuell leben wir im Stadium des Imperialismus.\u00a0Dieses ist\u00a0die \u201eh\u00f6chste\u201c Stufe des Kapitalismus. Es gibt einen internationalen\u00a0Weltmarkt samt einer internationalen Arbeitsteilung. Das hei\u00dft, dass weltweit\u00a0gehandelt wird und deswegen nicht jedes Land alles f\u00fcr sich selber herstellen muss \u2013\u00a0wichtiger noch: \u00fcberhaupt nicht in der Lage ist, mit der Produktivit\u00e4t dieser\u00a0internationalen Arbeitsteilung mitzuhalten.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem gibt es zwei Formen von\u00a0L\u00e4ndern: imperialistische und unterworfene. Aus dem Schulunterricht kennen die einen\u00a0oder anderen den Begriff der \u201eKolonisierung\u201c. Damals gab es L\u00e4nder, die offen andere\u00a0L\u00e4nder, also zu Kolonien, abh\u00e4ngig gemacht haben \u2013 wirtschaftlich und politisch.\u00a0Imperialistische L\u00e4nder machen in einer gewissen Weise das Gleiche. Sie halten unterworfene L\u00e4nder, auch Halbkolonien genannt, wirtschaftlich abh\u00e4ngig, jedoch\u00a0politisch formal unabh\u00e4ngig. Oberfl\u00e4chlich erscheinen die meisten Halbkolonien als\u00a0eigene Staaten. Schaut man sich aber an, wem die Firmen geh\u00f6ren, welche Zusch\u00fcsse\u00a0der Staat bekommt und wie verwoben die Beziehungen mancher Politiker_Innen mit den imperialistischen Gro\u00dfm\u00e4chten sind, wird schnell klar: komplett unabh\u00e4ngig agieren die L\u00e4nder nicht.\u00a0Nat\u00fcrlich gibt\u2019s noch mehr zum Thema Imperialismus zu sagen. Aber das\u00a0w\u00fcrde den Rahmen des Artikels sprengen. Deswegen gehen wir an dieser Stelle nur\u00a0noch auf zwei weitere, f\u00fcr den Rechtsruck relevante Punkte ein.<\/p>\n<p>Einer ist die fortschreitende Monopolisierung. Konzerne fusionieren,\u00a0kaufen auf und nehmen das Ganze in die Hand, w\u00e4hrend kleinere Firmen und\u00a0H\u00e4ndler _Innen verdr\u00e4ngt oder aufgekauft werden. Das ist ein Prozess, der innerhalb der\u00a0kapitalistischen Produktionsverh\u00e4ltnisse nicht g\u00e4nzlich aufzuhalten ist. Einer kleinen\u00a0B\u00e4ckerei im Dorf ist es n\u00e4mlich unm\u00f6glich, in der gleichen Zeit so viele Br\u00f6tchen\u00a0herzustellen, wie es eine B\u00e4ckereikette machen kann (aufgrund von mehr Maschinen, gr\u00f6\u00dferer Anzahl an Arbeiter_Innen, g\u00fcnstigeren Rohstoffpreisen usw. usf.). So wird dann auch der Preis der Dorfb\u00e4ckereibr\u00f6tchen teurer und mehr Menschen gehen zur B\u00e4ckereikette, weil es g\u00fcnstiger ist. Das Ganze hat positive wie auch negative Seiten. Ersteres ist verst\u00e4ndlicherweise schwer zu glauben, wenn man sich anschaut was Bayer, Monsanto oder Unilever so verzapfen. Aber mit der Monopolisierung geht eine Zentralisierung der Produktion einher und sie legt den Grundstein f\u00fcr eine global organisierte Planwirtschaft. Da die gro\u00dfen Konzerne allerdings in scharfer Konkurrenz untereinander stehen, kann dieser positive Aspekt nur genutzt werden, wenn die Arbeiter_Innen \u00fcber die Produktionsmittel selber verf\u00fcgen. Ist das nicht der Fall, produzieren die Konzerne\u00a0aneinander vorbei und die negativen Auswirkungen wie Umweltverschmutzung, Raubbau etc. kommen zum Vorschein \u2013 logische Folge der anarchischen Produktionsweise.<\/p>\n<p>Es gibt aber noch einen anderen Aspekt der Monopolisierung: Kleinere Firmen, auch\u00a0gerne als Mittelstand bezeichnet, haben Angst, ihre Stellung zu verlieren und\u00a0pleitezugehen. Getrieben von der Angst des sozialen Abstieges fangen sie an, laut herumzubr\u00fcllen: Protektionismus, Nationalchauvinismus, Standortborniertheit, das sind ihre Argumente, um sich zu sch\u00fctzen. Kurz gesagt: Sie wollen das Rad der\u00a0Geschichte aufhalten, um nicht ihren Reichtum zu verlieren, sich gegen die internationale,\u00a0arbeitsteilige Struktur des Gesellschaftssystems stellen.<\/p>\n<p>Einen weiteren Aspekt des Imperialismus bildet der Kampf um die Neuaufteilung der Welt. Zwar ist sie schon in unterdr\u00fcckte und imperialistische L\u00e4nder aufgeteilt, aber\u00a0die oben beschriebene Konkurrenz wirkt sich auch auf die Nationalstaaten\u00a0aus, die, vereinfacht gesagt, auch Interessenvertreter_Innen der jeweiligen national\u00a0vorherrschenden Kapitalfraktionen sind. Die imperialistischen Staaten und B\u00fcndnisse\u00a0wetteifern darum, wer welchen Absatzmarkt beherrscht, wer welchen national\u00a0untergliederten Teil der Arbeiter_Innenklasse zu welchem Profit ausbeuten kann und\u00a0die Zug\u00e4nge zu Rohstoffen kontrolliert. So wird der aktuell f\u00fchrende, aber auch\u00a0schw\u00e4cher werdende US-Imperialismus \u00f6konomisch von China, der EU global\u00a0herausgefordert.<\/p>\n<p>Diese Konkurrenz geht auch von Russland v.\u00a0a. in milit\u00e4rischen Fragen\u00a0(bspw. Syrien, Ukraine) aus.\u00a0Diese immerw\u00e4hrende Konkurrenz f\u00fchrt dazu,\u00a0dass es f\u00fcr einen immer kleiner werdenden Teil von Produzent_Innen etwas zu verteilen gibt \u2013 weder ans Proletariat (Arbeiter_Innen) noch an \u201eMittelschichten\u201c. Diese k\u00f6nnen gegen\u00fcber dem Gro\u00dfkapital immer weniger bestehen bzw. m\u00fcssen sich den gesteigerten Anforderungen dessen unterwerfen \u2013 als betrieblich wie menschlich kleinb\u00fcrgerliche Existenz.<\/p>\n<p>So werden die Kapitalist_Innen gezwungen immer nach einem Weg zu schauen, wie sie\u00a0mehr Profit anh\u00e4ufen k\u00f6nnen. Diesen erzielen sie beispielsweise\u00a0dadurch, dass sie L\u00f6hne k\u00fcrzen oder in die Verbesserung der Produktionsmittel\u00a0investieren. \u00c4hnlich wie bei der Monopolisierung ist das aber eine Medaille mit zwei Seiten.\u00a0Der Zwang, die Produktionsmittel, also Maschinen, zu erneuern, bedeutet in einem\u00a0gewissen Ma\u00df Fortschritt.<\/p>\n<p>Diese\u00a0Investitionen in immer mehr Maschinen f\u00fchren dazu, dass der Wertanteil lebendiger Arbeit am gesamten Kapital sinkt. Die organische Zusammensetzung steigt: d.\u00a0h. der Anteil des konstanten (Maschinen, Geb\u00e4ude, Rohstoffe etc.) am gesamten Kapital nimmt zu, der variable (Arbeitslohn) sinkt. Dies f\u00fchrt zum \u201etendenziellen Fall der Profitrate\u201c, den Marx und Engels entdeckt haben, weil damit auch der Mehrwert im Verh\u00e4ltnis zum gesamten vorgeschossenen Kapital abnimmt. Die Arbeitskraft ist ja dessen einzige Quelle. Es gibt entgegenwirkende Ursachen, die den Fall der Profitrate zeitweise aufhalten k\u00f6nnen, aber nicht auf Dauer. Die wichtigste ist die Steigerung der Ausbeutungsrate (Mehrwertrate). Da technischer Fortschritt im Kapitalismus aber immer wieder in Erh\u00f6hung der organischen Kapitalzusammensetzung m\u00fcndet, setzt sich in der langfristigen Tendenz der Profitratenfall jedoch durch. Krisen brechen in dem Moment aus, wenn auch noch die absolute Profitmasse f\u00e4llt.<\/p>\n<p>Profit macht das Kapital mit der Ausbeutung der Ware Arbeitskraft (also mit\u00a0Arbeiter_Innen, die ihre Arbeitskraft verkaufen). Diese ArbeiterInnen arbeiten mit\u00a0Maschinen, sowie Rohstoffen (Produktionsmittel) und schaffen ungeheure Werte,\u00a0wovon sie allerdings nur einen Bruchteil als Lohn bekommen. Je teurer die\u00a0Produktionsmittel und Rohstoffe werden, je geringer der Anteil menschlicher Arbeit in\u00a0der einzelnen Ware, daher sinkt die Rate, wenn auch nicht die Masse der Profite. Um\u00a0also die jeweilige Profitrate (also wie viel Gewinn pro investiertes Kapital)\u00a0zu erhalten, gibt es nicht viele Auswege f\u00fcr Kapitalist_Innen. Sie m\u00fcssen versuchen, andere aufzukaufen oder zu fusionieren. Auch Spekulationen bieten kurzfristig eine M\u00f6glichkeit, den Prozess hinauszuz\u00f6gern. Sind dann alle M\u00f6glichkeiten ausgesch\u00f6pft und Absatzm\u00e4rkte erschlossen, greift man zu rabiateren Methoden. Dies kann man zum einen durch Austerit\u00e4tspolitik umsetzen, zum anderen aber auch durch wirtschaftlichen oder milit\u00e4rischen Krieg. In diesem werden die Produktionsmittel zerst\u00f6rt und die st\u00e4rkere Kapitalfraktion kann verst\u00e4rkt in neue M\u00e4rkte eindringen, w\u00e4hrend die VerliererInnen noch eventuelle Reparationen und Wiederaufbauarbeiten tragen m\u00fcssen.\u00a0Wenn es dann keine wirklich gute linke Alternative gibt und es den Menschen\u00a0schlechter geht, haben\u00a0die rechten Populist_Innen Erfolg. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise 2007\/08 standen viele Banken kurz vor dem Bankrott. Viele wurden gerettet. Die Kosten daf\u00fcr haben aber nicht jene getragen, die viel Geld\u00a0besa\u00dfen. Nein, sie wurden auf die Arbeiter_Innen abgew\u00e4lzt. Praktisch wurden\u00a0die Armen noch \u00e4rmer gemacht durch Leiharbeit, K\u00fcrzung bei Sozialleistungen,\u00a0sozialen Einrichtungen etc. In Griechenland beispielsweise gab es Zeiten, da konnten\u00a0die Arbeiter_Innen sich entscheiden, ob sie entweder ihre Stromkosten oder ihre\u00a0Krankenversicherung zahlten. Auch in den USA oder Spanien haben viele Leute Jobs\u00a0verloren und es gab keine sozialen Sicherungen. Neueinstellungen fanden im\u00a0Durchschnitt auf einem niedrigeren Lohnniveau statt.\u00a0Parteien, die dagegen die Stimme erhoben haben, gab es kaum. Gerade im Kern\u00a0von Europa haben Sozialdemokrat_Innen wie die SPD dabei geholfen, die Kosten der\u00a0Krise auf die Arbeiter_Innen abzuw\u00e4lzen. Linke Reformist_Innen wie die Linkspartei\u00a0haben es verpasst, kr\u00e4ftig dagegen zu k\u00e4mpfen. So scheiterten europaweite\u00a0Streikversuche oftmals an der Blockade durch Gewerkschaftsb\u00fcrokratien\u00a0imperialistischer Nationen, so nach dem europaweiten Streiktag am 14.11.2012. Aktuell passen sie sich sogar dem Rechtsruck an und mobilisieren nicht aktiv gegen den staatlichen Rassismus oder jenen auf der Stra\u00dfe. Vielmehr versuchen sie, die W\u00e4hler_Innen, die sie an die AfD verloren haben, mit rechter Rhetorik wieder zu gewinnen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus gibt es in vielen anderen L\u00e4ndern gar keine Parteien, die von sich\u00a0behaupten, das Interesse der Arbeiter_Innen zu vertreten. Das hei\u00dft insgesamt: Statt\u00a0die wirklichen Probleme anzusprechen und zu benennen, warum es den Leuten dreckig\u00a0geht, gehen viele Parteien nach rechts und verschieben die Probleme. Man kann also\u00a0sagen, dass die Arbeiter_Innenklasse sich in einer F\u00fchrungskrise befindet, da keine gr\u00f6\u00dfere Organisation existiert, die ihre Gesamtinteressen vertritt und eine klare\u00a0Perspektive bietet.<\/p>\n<p>Allerdings gibt es auch andere Beispiele. Als in Griechenland die etablierten\u00a0Parteien (PASOK und Nea Dimokratia; dt: Neue Demokratie) w\u00e4hrend der Krise an Stimmenzahlen verloren, wurden nicht nur die Rechten st\u00e4rker. Im Zuge der katastrophalen Situation im Land fanden die Linksreformist_Innen von SYRIZA (Schwesterpartei von DIE LINKE) in der Bev\u00f6lkerung Anklang. Die Partei\u00a0versprach schlie\u00dflich, sich gegen die massiven Einsparungen zu wehren, die die\u00a0Lebensgrundlage der Mehrheit im Lande zerst\u00f6rten \u2013 und so wurde sie gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>\u00c4hnliches konnten wir im letzten Jahr in Gro\u00dfbritannien beobachten. Jeremy Corbyn\u00a0gewann die Wahl um den Vorsitz der Labour-Party als linker Reformist in einer sich\u00a0vorher stetig nach rechts bewegenden Partei durch die massive Unterst\u00fctzung der (neuen)\u00a0Parteibasis.<\/p>\n<p>An beiden Beispielen haben wir eine Menge Kritik, schlie\u00dflich hat Corbyn\u00a0Kompromisse mit dem Parteiapparat gemacht und SYRIZA sich dem Spardiktat\u00a0entgegen ihren Versprechungen gebeugt. Nichtsdestotrotz zeigen sie auf, dass erstens\u00a0\u201eradikale Forderungen\u201c, wie es B\u00fcrgerliche nennen, R\u00fcckhalt in der Mehrheit der\u00a0Bev\u00f6lkerung finden k\u00f6nnen, zweitens die Sprengkraft innerhalb b\u00fcrgerlicher Arbeiter_Innenparteien, wenn die konterrevolution\u00e4re Gegenreformpolitik ihrer F\u00fchrungen in Widerspruch zu den Erwartungen ihrer proletarischen Basis ger\u00e4t.<\/p>\n<p><strong>Was f\u00fcr eine Perspektive haben wir?<\/strong><\/p>\n<p>Zugegeben: Wirklich gut h\u00f6rt sich das Ganze nicht an. Der Rechtsruck geht mit\u00a0zunehmender Militarisierung einher. Unterschiedliche L\u00e4nder r\u00fcsten auf,\u00a0Milit\u00e4rparaden oder schlicht und einfach das Werben f\u00fcrs Sterben schleichen sich\u00a0langsam in unseren Alltag. Hinzu kommt der zunehmende Rassismus. Er spaltet die\u00a0Arbeiter_Innenklasse dadurch, dass man Angst vor den Migrant_Innen sowie\u00a0Gefl\u00fcchteten eingeredet bekommt, die einem \u201eArbeit und Sozialleistungen\u201c wegnehmen wollen. All das f\u00f6rdert nationalen Chauvinismus.\u00a0Doch wir m\u00fcssen das Ganze nicht einfach so hinnehmen! Es gibt Wege, dieser tristen\u00a0Zukunft zu entkommen.<\/p>\n<p>Als REVOLUTION treten wir daf\u00fcr ein, dass eine\u00a0antirassistische Bewegung zustande kommt, die sich dem Rechtsruck stellt, neben der \u201eradikalen\u201c Linken aus Gewerkschaften, Sozialdemokratie und linken Reformist_Innen. bestehen soll. Aktuell sind es n\u00e4mlich diese Organisationen, die einen Gro\u00dfteil der organisierten Arbeiter_Innen hinter sich herf\u00fchren. Denn Rassismus ist nicht einfach nur so beschissen. Er schw\u00e4cht auch das objektive Interesse aller Arbeiter_Innen. Anstatt zusammen f\u00fcr eine bessere Lebensgrundlage einzutreten, bek\u00e4mpft man sich gegenseitig (\u201eTeile und herrsche!\u201c).<\/p>\n<p>Deswegen ist es wichtig, auch Forderungen aufzustellen wie nach bezahlbarem\u00a0Wohnraum oder Mindestlohn f\u00fcr alle. Allerdings darf man auch nicht der Illusion\u00a0verfallen, dass es nur ausreicht, die \u201esozialen Fragen\u201c zu betonen. Diese Forderungen\u00a0m\u00fcssen konsequent mit Antirassismus verbunden werden, denn nur in praktischen\u00a0K\u00e4mpfen kann man den sich etablierenden Rassismus anfangen zu beseitigen. Widmet\u00a0man sich in der jetzigen Situation nur den sozialen Fragen, vergisst man, dass\u00a0Rassismus spaltet, kann ihn schlechter bek\u00e4mpfen. Daneben muss auch die Frage der\u00a0Selbstverteidigung aufgeworfen werden. Denn neben rassistischen Gesetzen gibt es\u00a0auch Rassist_Innen auf der Stra\u00dfe, die Migrant_Innen und Linke angreifen.<\/p>\n<p>Aber eine Bewegung reicht nicht aus. F\u00fcr uns Jugendlichen sieht die Zukunft echt beschissen aus: mehr Ausbeutung, mehr \u00dcberwachung, weniger Freiheiten und\u00a0Perspektive. Es wird immer schwerer, einen Ausbildungsplatz oder einen Job zu finden,\u00a0von dem wir leben k\u00f6nnen, ohne vorher den Spie\u00dfrutenlauf durch un(ter)bezahlte\u00a0Praktika oder befristete Jobs absolvieren zu m\u00fcssen. F\u00fcr diejenigen, die weiblich,\u00a0migrantisch oder gefl\u00fcchtet sind, ist das Ganze noch mal ein Zacken h\u00e4rter. Nebenbei\u00a0werden dann auch die Ausgaben f\u00fcr Bildungseinrichtungen gek\u00fcrzt und in der\u00a0Gesellschaft wird unser Selbstbestimmungsrecht \u00fcber unsere K\u00f6rper sowie die eigene Sexualit\u00e4t eingeschr\u00e4nkt, oftmals geleugnet. Deswegen brauchen wir\u00a0Jugendlichen eine internationale Organisation mit einem revolution\u00e4ren Programm, das deutlich macht, dass es keine Spaltung aufgrund\u00a0Herkunft, Geschlecht, Alter oder Sexualit\u00e4t geben darf, und das aus den Fehlern der\u00a0Vergangenheit lernt. Nur so k\u00f6nnen wir unserer Unterdr\u00fcckung auch innerhalb\u00a0der Arbeiter_Innenbewegung selbst entgegentreten. Wir m\u00fcssen die aktuellen\u00a0Probleme mit einer revolution\u00e4ren Perspektive verbinden und diese ins\u00a0Bewusstsein der Menschen tragen. Konkret hei\u00dft das: Wir beteiligen uns an laufenden\u00a0K\u00e4mpfen wie Streiks oder Bewegungen und versuchen, dort eine revolution\u00e4re Perspektive hineinzutragen, insbesondere an den Orten, an denen wir uns befinden, wie Schulen oder Betriebe.\u00a0Aber eine Organisation mit revolution\u00e4rem Programm braucht es nicht nur f\u00fcr uns\u00a0Jugendliche. Als REVOLUTION ist uns n\u00e4mlich bewusst, dass wir Jugendlichen nicht\u00a0die einzigen sind, die unter dem System zu leiden haben und wir das\u00a0System nicht alleine \u00e4ndern k\u00f6nnen. F\u00fcr uns ist die Arbeiter_Innenklasse die einzige Kraft, die eine\u00a0Revolution anf\u00fchren kann, wird doch der\u00a0gesellschaftliche Reichtum durch ihre sch\u00f6pferische Kraft produziert, den sich einzelne anschlie\u00dfend privat aneignen.\u00a0Aus diesem Grund unterst\u00fctzen wir die Anstrengungen, neue\u00a0Arbeiter_Innenmassenparteien aufzubauen, die offen f\u00fcr ein revolution\u00e4res,\u00a0sozialistisches Programm k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2018\/03\/01\/internationaler-rechtsruck-seine-grundlagen-verstehen-um-ihn-zu-bekaempfen\/\">Fight! Revolution\u00e4re Frauenzeitung No. 6&#8230;<\/a> vom 12. M\u00e4rz 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jaqueline Katherina Singh. 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