{"id":3258,"date":"2018-03-15T19:30:38","date_gmt":"2018-03-15T17:30:38","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3258"},"modified":"2018-03-15T19:30:38","modified_gmt":"2018-03-15T17:30:38","slug":"linke-politikerin-marielle-franco-in-rio-ermordet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3258","title":{"rendered":"Linke Politikerin Marielle Franco in Rio ermordet"},"content":{"rendered":"<p><em>Niklas Franzen.<\/em> Der Schock sitzt tief. Am Mittwochabend wurde die prominente Menschenrechtlerin und Politikerin der linken Partei f\u00fcr Sozialismus und Freiheit (PSOL), Marielle Franco, in der Innenstadt<!--more--> von Rio de Janeiro ermordet. Franco befand sich auf dem R\u00fcckweg von einer Veranstaltung \u00fcber schwarze Jugendliche, die im Auswegviertel Lapa stattfand, als Unbekannte auf ihr Auto feuerten. Mindestens vier Sch\u00fcsse trafen die Abgeordnete des Stadtparlaments im Kopf, sie starb vor Ort. Auch Francos Fahrer wurde ermordet, eine Mitarbeiterin wurde schwer verletzt. Die Mordkommission spricht von einer Hinrichtung.<\/p>\n<p>Die Hintergr\u00fcnde des Mordes sind bislang noch unklar.<\/p>\n<p>Aktivist*innen vermuten jedoch einen Racheakt der Polizei. Die 38-J\u00e4hrige schwarze Politikerin war eine der lautesten Stimmen gegen Polizeigewalt und Rassismus in Rio de Janeiro. Einen Tag vor ihrer Hinrichtung postete Franco auf Facebook: \u00bbWie viele von uns m\u00fcssen in diesem Krieg noch sterben?\u00ab Am Samstag kritisierte sie in sozialen Medien die Milit\u00e4rpolizei in der Favela Acari und nannte die Polizeieinheit ein \u00bbBataillon des Todes\u00ab. Auch die Milit\u00e4rintervention in der \u00bbWunderbaren Stadt\u00ab kritisierte Franco scharf. Im vergangenen Monat \u00fcbernahm das Milit\u00e4r die Kontrolle \u00fcber die Sicherheit von Rio de Janeiro. Franco wurde zur Vorsitzenden einer Kommission ernannt, die die Milit\u00e4raktionen in den Favelas \u00fcberwachen soll.<\/p>\n<p>Franco stammte selbst aus einem Armenviertel, dem Favela-Complex Mar\u00e9 im Norden von Rio de Janeiro. In dem Viertel liefern sich Polizei und Drogengangs fast t\u00e4glich schwere Auseinandersetzungen. Regelm\u00e4\u00dfig kommt es zu Menschenrechtsverletzungen von Sicherheitskr\u00e4ften gegen Bewohner*innen. Im Vorfeld der Fu\u00dfballweltmeisterschaft besetzte das Milit\u00e4r den Favela-Complex.<\/p>\n<p>Rio de Janeiro durchlebt einen dramatischen Anstieg der Gewalt. Nirgendwo sonst in Brasilien t\u00f6tet die Polizei so h\u00e4ufig wie in der Stadt am Zuckerhut. Die meisten Opfer: jung, arm und schwarz. Aktivist*innen sprechen von einem \u00bbGenozid an der schwarzen Bev\u00f6lkerung\u00ab. F\u00fcr viele Brasilianer*innen steht der Mord an Franco sinnbildlich f\u00fcr die strukturelle Gewalt gegen die arme, schwarze Bev\u00f6lkerung in Brasilien. Dass eine bekannte Politikerin auf offener Stra\u00dfe ermordet wird, ist aber selbst f\u00fcr Rio de Janeiro neu.<\/p>\n<p>Franco war Politikerin f\u00fcr die Partei PSOL, eine Linksabspaltung der Arbeiterpartei PT. Bei den Kommunalwahlen im Jahr 2016 erhielt die 38-J\u00e4hrige die f\u00fcnftmeisten Stimmen und sa\u00df seitdem im Stadtparlament. Franco war Vork\u00e4mpferin f\u00fcr Menschenrechte und gegen Rassismus. Der Kern von Francos Politik waren feministische Themen. Sie brachte unter anderem einen Gesetzesentwurf auf den Weg, womit Frauen der Zugang zu Schwangerschaftsabbr\u00fcchen erleichtert werden sollte. Auch k\u00e4mpfte Franco, die selbst in einer Beziehung mit einer Frau lebte, f\u00fcr die Rechte von LGBT.<\/p>\n<p>Mit Trauer und Wut reagierten viele Brasilianer*innen auf die Nachricht des Mordes an Franco. In mehreren brasilianischen St\u00e4dten kam es am Mittwoch zu Demonstrationen. Das Motto: \u00bbWir sind alle Marielle Franco.\u00ab Auch die Teilnehmer*innen des diesj\u00e4hrigen Weltsozialforums (WSF) in Salvador da Bahia, das von schwarzen Frauen dominiert wird, reagierten schockiert. \u00bbMit dem Mord haben sie uns alle getroffen\u00ab, sagte die Aktivistin Silvana Serra von der \u00bbBewegung der schwarzen Frauen M\u00e3e Andresa\u00ab dem \u00bbnd\u00ab. Die f\u00fcr Mittwoch geplanten Veranstaltungen wurden zum Teil abgesagt. Serra meint: \u00bbIch finde richtig, dass heute in Gedenken an Marielle keine Veranstaltungen stattfinden. Heute m\u00fcssen wir auf die Stra\u00dfe gehen.\u00ab Am Vormittag zog eine, von schwarzen Frauen angef\u00fchrte, Demonstration \u00fcber den Campus der staatlichen Universit\u00e4t von Bahia (Ufba), wo ein Gro\u00dfteil der Veranstaltungen des WSF stattfindet.<\/p>\n<p>Auch Politiker*innen der PSOL zeigten sich best\u00fcrzt \u00fcber den Tod von Franco. \u00bbDer Mord an Marielle zeigt wie tief die Wunde in der brasilianischen Demokratie sitzt\u00ab, sagte der Pr\u00e4sidentschaftskandidat der PSOL, Guilherme Boulos, dem \u00bbnd\u00ab. Der sonst so eloquente Boulos stockt und sucht nach Worten. Auch bei ihm sitzt der Schmerz sp\u00fcrbar tief. \u00bbDas ist ganz klar eine Nachricht von der anderen Seite: sie sind bereits alles zu tun.\u00ab Boulos fordert: \u00bbWir werden keine Ruhe geben bis wir wissen, wer Marielle ermordet hat\u00ab.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1082567.marielle-franco-linke-politikerin-in-rio-ermordet.html\">neues-deutschland.de&#8230;<\/a> vom 15. M\u00e4rz 2018<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Niklas Franzen. Der Schock sitzt tief. 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