{"id":327,"date":"2014-11-30T15:17:26","date_gmt":"2014-11-30T13:17:26","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=327"},"modified":"2014-11-30T19:10:00","modified_gmt":"2014-11-30T17:10:00","slug":"autorenkollektiv-arbeiterkaempfe-in-der-schweiz-1945-1973-die-entstehung-einer-multinationalen-arbeiterklasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=327","title":{"rendered":"Autorenkollektiv: Arbeiterk\u00e4mpfe in der Schweiz 1945 \u2013 1973. Die Entstehung einer multinationalen Arbeiterklasse"},"content":{"rendered":"<p><b>Wir bringen im Folgenden die Wiedergabe einer Brosch\u00fcre einer Schweizer Str\u00f6mung des Operaismus aus dem Jahre 1974. Sie bringt eine bis heute einmalige Zusammenstellung von Arbeiterk\u00e4mpfen \u00fcber die beinahe 30 Jahre seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Da diese Brosch\u00fcre zudem kaum mehr auffindbar ist<!--more-->, rechtfertigt sich die Arbeit, sie erneut zug\u00e4nglich zu machen. Uns ist keine Arbeit bekannt, die so weit in die wirklichen Verh\u00e4ltnisse und Probleme der Arbeiterklasse in ihrem Alltag und vor allem in ihren K\u00e4mpfen vordringt. Wenn die angek\u00fcndigte Arbeit von <a href=\"http:\/\/enbas.net\/index.php?id=frederic-deshusses-greves-et-contestations-ouvrieres-en-suisse-1969-1979\">Fr\u00e9d\u00e9ric Deshusses ( Gr\u00e8ves et contestations ouvri\u00e8res en Suisse 1969-1979)<\/a> erscheint, wird man sehen, ob sie zumindest ann\u00e4hernd in eine \u00e4hnliche Richtung zielt.<\/b><\/p>\n<p><b>Man mag eine lange Liste von Kritik an den Einsch\u00e4tzungen und vor allem an den strategischen und taktischen Schlussfolgerungen der Operaisten und Ans\u00e4tzen der Arbeiterautonomie vorbringen, die teilweise oder weitgehend gerechtfertigt sind. Dieser Ansatz, der die Arbeiterklasse als das Hauptsubjekt im modernen Kapitalismus voraussetzt, das Subjekt, das \u00abdas Kapital mit seinen K\u00e4mpfen vor sich her treibt\u00bb, \u00a0hat sich unseres Erachtens vor allem historisch als verfehlt herausgestellt. Insbesondere w\u00e4ren die \u00fcber die vergangenen 30 bis 40 Jahre erlittenen Versch\u00e4rfungen der Arbeitsdisziplin, des Vormarsches der Warenform bis tief in alle Arbeits- und Lebenszusammenh\u00e4nge, der Atomisierung der Arbeiterklasse und andere regressive Entwicklungen vor dem Hintergrund einer \u00fcber die Zeit gesehen \u00abspontan wachsenden Kampfkraft eines Subjekts \u00a0Arbeiterklasse\u00bb nicht verstehbar. Die Operaisten waren denn auch \u2013 angesichts der sich abzeichnenden Stagnation und gar R\u00fcckschl\u00e4ge der Arbeiterk\u00e4mpfe \u2013 zum bewaffneten Kampf \u00fcbergegangen, \u00a0quasi als Substitution f\u00fcr die zunehmend stagnierenden Arbeiterk\u00e4mpfe. Sie verstiessen dabei gegen eines der Grundprinzipien ihres Ansatzes, indem sie versuchten \u00abden Arbeiterstandpunkt stellvertretend f\u00fcr die Arbeiter einzunehmen\u00bb (52). \u00a0Eine wichtige \u00abInspiration\u00bb daf\u00fcr waren die seit den 1950er Jahren da und dort erfolgreichen bewaffneten antikolonialistischen K\u00e4mpfe in Pal\u00e4stina, Indochina, Afrika und die Guerillas in Lateinamerika.<\/b><\/p>\n<p><b>Kein Wunder, dass dieser Ansatz der Arbeiterautonomie in Italien Ende der 1960er \/ Anfang der 1970er Jahre zur vollen Bl\u00fcte gelangte: damals gipfelten die K\u00e4mpfe der Arbeiter und Arbeiterinnen vor allem in Norditalien in der Besitznahme von Fabriken, Stadtteilen, Universit\u00e4ten und\u00a0 sie begannen, die Arbeits- und Lebenszusammenh\u00e4nge von Hundertausenden mit einem Licht von Freiheit und W\u00fcrde zu beleuchten, das weit herum zu sehen war, und die Bourgeoisie in den USA und in Europa zum Zittern brachte. In dieser Zeit begann denn auch die Schweizer Armee ihre \u00dcbungsdispositive und Einsatzdoktrinen \u2013 nebst dem Dauerbrenner eines Krieges gegen die Sowjetunion \u2013 auch auf Arbeitererhebungen auszurichten.<\/b><\/p>\n<p><b>Der wohl richtige Kern des Ansatzes der Operaisten liegt darin, dass erfolgreiche K\u00e4mpfe nur m\u00f6glich sind, wenn sie nicht vollst\u00e4ndig durch die F\u00fchrungen der traditionellen Organisationen der Arbeiterbewegung \u2013 den Gewerkschaften, der Sozialdemokratie, den Kommunistischen Parteien \u2013 kontrolliert werden k\u00f6nnen, sondern wenn\u00a0 es ihnen gelingt, diese in\u00a0 den Dienst ihrer K\u00e4mpfe zu stellen. Gerade in Norditalien entwickelten sich die Arbeiterk\u00e4mpfe ausserhalb dieser institutionell orientierten Strukturen, und gerade dies verhalf ihnen zu ihrer historisch beinahe einmaligen Durchschlagskraft. Ebenso sehr ist der Historische Kompromiss, wie er von massgebenden Kreisen der PCI sp\u00e4testens seit den fr\u00fchen siebziger Jahren angestrebt wurde, ein wesentlicher Faktor, der zur L\u00e4hmung der italienischen Arbeiterbewegung beitrug. <\/b><\/p>\n<p><b>In den letzten Jahren kannte die Schweiz mehrere Arbeiterk\u00e4mpfe, die die Insignen der Autonomie trugen, etwa die Streiks im \u00f6ffentlichen Sektor in Genf, wo die Streikenden einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der K\u00e4mpfe hatten. Oder kleinere Konflikte im Tessin (Verkauf, Industrie).Das vielleicht leuchtendste Beispiel ist der Streik vom Fr\u00fchjahr 2008 in den SBB-Werkst\u00e4tten in Bellinzona, wo die Arbeiter gleich zu Beginn klar deklarierten, dass ausschliesslich das von ihnen gew\u00e4hlte Streikkomitee f\u00fcr alle Belange des Kampfes zust\u00e4ndig sei und nicht die Gewerkschaft; diese wurde so zum Instrument des Kampfes unter der Kontrolle der Arbeiter. Allen diesen K\u00e4mpfen ist ebenfalls gemeinsam, dass sie ihn an die \u00d6ffentlichkeit trugen und versuchten, eine breite Solidarit\u00e4t aufzubauen. (Redaktion <i>maulwuerfe.ch<\/i>)<\/b><\/p>\n<h2><strong>Die Brosch\u00fcre: <a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Arbeiterk\u00e4mpfe-in-der-Schweiz-1945-1973.pdf\">Arbeiterk\u00e4mpfe in der Schweiz 1945 &#8211; 1973<\/a><\/strong><\/h2>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir bringen im Folgenden die Wiedergabe einer Brosch\u00fcre einer Schweizer Str\u00f6mung des Operaismus aus dem Jahre 1974. 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