{"id":3338,"date":"2018-03-30T12:14:00","date_gmt":"2018-03-30T10:14:00","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3338"},"modified":"2018-03-30T12:14:00","modified_gmt":"2018-03-30T10:14:00","slug":"streiks-bei-amazon-in-spanien-und-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3338","title":{"rendered":"Streiks bei Amazon in Spanien und Deutschland"},"content":{"rendered":"<p><em>Marianne Arens.\u00a0<\/em>In den Tagen vor Ostern haben Amazon-Arbeiter an mehreren europ\u00e4ischen Standorten gestreikt. Sie k\u00e4mpfen gegen Niedrigl\u00f6hne, Ausbeutung und totale \u00dcberwachung. Sie sind Teil von weltweit<!--more--> rund 300.000 Arbeitern in etwa 400 Versandzentren, die dem reichsten Mann der Welt, Jeff Bezos, geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>\u201eOstern steht vor der T\u00fcr \u2013 wir auch!\u201c steht auf dem Transparent vor dem Eingang zum Amazon-Logistikzentrum in Graben bei Augsburg, wo am gestrigen Donnerstag rund 300 Amazon-Mitarbeiter die Arbeit niedergelegt haben. Schon am Vortag hatten 900 Mitarbeiter im Versandhaus in Rheinberg mehrere Schichten bestreikt.<\/p>\n<p>In Bad Hersfeld beteiligten sich am Dienstag \u00fcber 500 Arbeiter an einem spontan ausgerufenen Streik, als das Versandvolumen und damit auch der Arbeitsdruck kurz vor Ostern immer unertr\u00e4glicher wurden. Der Streik wurde auf Mittwoch ausgeweitet. Als der Arbeitskampf drohte, den Betrieb zum Erliegen zu bringen, schickte die Werksleitung die B\u00fcro-Angestellten als Hilfsarbeiter in die Produktion.<\/p>\n<p>Europaweit unterh\u00e4lt Amazon mittlerweile \u00fcber 60 so genannte\u00a0<em>Fulfillment\u00a0Centers<\/em>\u00a0in Deutschland, Polen, Spanien, Frankreich, Italien, Tschechien und der Slowakei. Gegen die menschenverachtenden Arbeitsbedingungen kommt es immer \u00f6fter zu Streiks und Protesten.<\/p>\n<p>In Spanien bestreikten die Amazon-Arbeiter am 21. und 22. M\u00e4rz das Logistikzentrum San Fernando de Henares bei Madrid. Es war der allererste Streik in diesem Betrieb, und laut Angaben der Gewerkschaft CCOO beteiligten sich 98 Prozent der 2000-k\u00f6pfigen Belegschaft. Neben 1100 fest eingestellten Arbeitern sind dort 900 Arbeiter \u00fcber Zeitarbeitsfirmen besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Die spanischen Amazon-Arbeiter wehren sich gegen K\u00fcrzungen der Zulagen f\u00fcr Nachtschicht und \u00dcberstunden, und sie fordern eine deutliche Lohnerh\u00f6hung. Ein Arbeitsvertrag zwischen der CCOO und der spanischen Amazon-Leitung ist bereits vor \u00fcber einem Jahr abgelaufen. Ein erstes Lohn-Angebot wurde zur\u00fcckgewiesen, da es nicht einmal die Inflationsrate ausgleichen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>An deutschen Standorten haben im M\u00e4rz verschiedene Amazon-Belegschaften gestreikt.<\/p>\n<p>Am 5. M\u00e4rz traten in Werne mehrere hundert Amazon-Mitarbeiter nach dem Umzug in ein neues Logistikzentrum in einen spontanen Proteststreik. Aufgrund des m\u00f6rderischen Zeitdrucks kam es dort zu \u201echaotischen Zust\u00e4nden\u201c und M\u00e4ngeln der Arbeitssicherheit, als die Besch\u00e4ftigten trotz enger, vollgestellter G\u00e4nge und noch nicht fest montierter Regale normal arbeiten sollten.<\/p>\n<p>Parallel zu dem Streik in Spanien legten am 21. M\u00e4rz in Leipzig rund 400 Mitarbeiter der Nacht-, Fr\u00fch-, Mittag- und Sp\u00e4tschicht die Arbeit nieder. Morgens zwischen sechs und sieben Uhr fand w\u00e4hrend des Schichtwechsels eine Kundgebung vor dem Tor statt, an der sich etwa 200 Arbeiter beteiligten.<\/p>\n<p>Am darauf folgenden Tag, dem 22. M\u00e4rz, streikten auch in Bad Hersfeld mehrere hundert Amazon-Besch\u00e4ftigte. Und zuletzt waren jetzt kurz vor Ostern in Graben und Rheinberg, sowie in Bad Hersfeld Amazon-Arbeiter im Ausstand.<\/p>\n<p>Immer wieder geht es um die unmenschlichen Arbeitsbedingungen, welche Amazon auf der ganzen Welt den Arbeitern aufzwingt. In Polen sind solche Bedingungen vor kurzem in einem Arbeitsgerichtsprozess aktenkundig geworden.<\/p>\n<p>Wie\u00a0<em>LabourNet<\/em>\u00a0berichtete, hatte ein Arbeiter aus Poznan gegen Amazon geklagt. Er war wegen seiner Teilnahme an einem Bummelstreik im Jahr 2015 entlassen worden. Als Grund f\u00fcr seine K\u00fcndigung wurden \u201eVerlangsamung der Arbeit\u201c und \u201eNichterf\u00fcllung der Normen\u201c angegeben. Der Arbeiter ist einer von zahlreichen Kollegen, die damals entlassen wurden.<\/p>\n<p>Im Prozess best\u00e4tigte ein Gerichtsgutachter, dass die Art und Weise, wie Amazon die Arbeit organisiert, die \u201ephysischen und psychischen M\u00f6glichkeiten des Menschen\u201c systematisch missachtet. Der Gutachter hatte die Verh\u00e4ltnisse im Versandlager Sady bei Poznan im November 2017 untersucht.<\/p>\n<p>Wie er vor Gericht ausf\u00fchrte, dauern die Nachtschichten in Sady von 17:30 Uhr bis 4:00 Uhr morgens, also zehneinhalb Stunden. In dieser Zeit m\u00fcssen im Eiltempo Waren aus den Regalen herausgesucht und zum F\u00f6rderband geschafft werden. \u201eDie ganze Zeit stehen oder gehen die Leute \u2013 am Tag legen sie ca. 20 km zur\u00fcck. Und all das in hohem Tempo, denn jeder Arbeiter muss im Verlaufe einer Schicht 1000 Artikel packen.\u201d Kritisiert wurde auch, dass es f\u00fcr fast 500 Arbeiter nur einen einzigen Stuhl zum Ausruhen gebe, und dass die wenigen Toiletten sehr weit von den Arbeitspl\u00e4tzen entfernt l\u00e4gen.<\/p>\n<p>Solche und \u00e4hnliche Bedingungen herrschen in allen Versandlagern von Amazon vor. Deshalb m\u00fcssen sich die Amazon-Arbeiter im Kampf gegen diesen Weltkonzern international zusammenschlie\u00dfen. Das Internationale Komitee der Vierten Internationale (IKVI) und die\u00a0<em>World Socialist Web Site<\/em>haben die Plattform\u00a0<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/AmazonWorkersVoice\/\"><strong>International Amazon Workers Voice<\/strong><\/a>\u00a0gegr\u00fcndet, damit sich Amazon-Arbeiter aller L\u00e4nder untereinander\u00a0<a href=\"https:\/\/tools.wsws.org\/wsws\/forms\/amazon-newsletter.html?facebook+campaign+launch\"><strong>vernetzen<\/strong><\/a>\u00a0k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Amazon-Arbeiter k\u00f6nnen eine ungeahnte Kampfkraft entwickeln, wenn sie sich auf der Grundlage eines solchen Programms weltweit zusammenschlie\u00dfen. Sie werden sich aber gegen die Dominanz der national basierten Gewerkschaften durchsetzen m\u00fcssen, die die Streiks isolieren und die Arbeiter spalten, weil sie die kapitalistische Ordnung und nationale Interessen verteidigen.<\/p>\n<p>An den deutschen Standorten werden die Streiks bisher im Rahmen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi organisiert. Verdi hat sich im Fr\u00fchjahr 2013 eingeschaltet, als in Bad Hersfeld ein spontan ausgebrochener Streik die Kontrolle der DGB-Gewerkschaften in Frage stellte. Seither organisiert Verdi an verschiedenen Standorten immer wieder kurzfristige Einzelstreiks mit dem Ziel, den Amazon-Konzern zur Akzeptanz eines Tarifvertrags nach den Regeln des deutschen Einzel- und Versandhandels zu zwingen.<\/p>\n<p>Solange der Arbeitskampf auf dieser beschr\u00e4nkten Grundlage gef\u00fchrt wird, ist er nicht zu gewinnen. Amazon ist es ein Leichtes, ihn auszuhebeln und seine Wirkung durch Mehrarbeit an andern Standorten zu konterkarieren. Gegen die Verdi-Forderung nach einem deutschen Tarifabschluss f\u00fchrt Amazon das Argument ins Feld, der Logistikkonzern bezahle auch so schon \u201efaire\u201c L\u00f6hne, die dem ebenfalls von Verdi ausgehandelten Tarifvertrag f\u00fcr die Logistikbranche entsprechen.<\/p>\n<p>In mehreren deutschen Betrieben st\u00fctzt sich Amazon mittlerweile auf Betriebsr\u00e4te von Verdi, die sich an der Organisation eines reibungslosen Betriebsablaufs beteiligen. Um erfolgreich gegen Amazon zu k\u00e4mpfen, ist es notwendig, mit Verdi zu brechen, unabh\u00e4ngige Arbeiterkomitees zu gr\u00fcnden und den Kampf in die eigenen H\u00e4nde zu nehmen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2018\/03\/30\/amaz-m30.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 30. M\u00e4rz 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marianne Arens.\u00a0In den Tagen vor Ostern haben Amazon-Arbeiter an mehreren europ\u00e4ischen Standorten gestreikt. 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