{"id":3353,"date":"2018-04-01T09:57:57","date_gmt":"2018-04-01T07:57:57","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3353"},"modified":"2018-04-01T13:55:33","modified_gmt":"2018-04-01T11:55:33","slug":"die-neue-rechte-in-den-betriebsraeten-und-die-standortpolitik-ig-metall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3353","title":{"rendered":"Die Neue Rechte in den Betriebsr\u00e4ten und die Standortpolitik der IG Metall"},"content":{"rendered":"<p><em>Frederik Haber. <\/em>Die Kandidaturen von rechten Listen insbesondere in der Auto- und Metallbranche haben schon fr\u00fch f\u00fcr Wirbel gesorgt. Wird die (extreme) Rechte in den Betrieben Fu\u00df fassen?<!--more--> F\u00fcr GewerkschafterInnen, vor allem linke, ein Albtraum. F\u00fcr die b\u00fcrgerlichen Medien, die gerne die AfD als ein Problem mangelnder Bildung darstellen und insbesondere in der ArbeiterInnenklasse angesiedelt sehen, die Nagelprobe. Jetzt liegen Ergebnisse vor.<\/p>\n<p><strong>Daimler<\/strong><\/p>\n<p>Daimler war von den Rechten speziell ins Visier genommen worden, zumal sich in Untert\u00fcrkheim schon lange ein profilierter Rechtsradikaler mit der CGM (Christliche Gewerkschaft Metall) und sp\u00e4ter als \u201eZentrum\u201c im Betriebsrat etabliert hat. Es wurde wirklich Wahlkampf gemacht: Plakate, Flyer, professionelle Verteiltrupps. Die linke Betriebszeitung \u201ealternative\u201c dokumentierte das Ergebnis und kommentiert: \u201eMit dem (\u2026) \u201aOppositionsverst\u00e4ndnis\u2018 gegen die IG Metall (anstatt gegen die Unternehmer) war Zentrum nicht so erfolgreich, wie sie dachten. Ihre Entt\u00e4uschung \u00fcber das Wahlergebnis war ihnen bei der \u00f6ffentlichen Ausz\u00e4hlung anzusehen. Sie hatten sich wohl wesentlich mehr erhofft. Auch was bis jetzt an bundesweiten Ergebnissen bekannt ist, sind sie in nur wenigen Betrieben vertreten. (\u2026) Und trotzdem ist jedes Mandat f\u00fcr die Rechten eines zu viel. (\u2026) Deshalb kann man sie auch nicht einfach \u201awegschweigen\u2018. (\u2026) Und wir werden uns auch in der IG Metall f\u00fcr eine wirksame Kampagne gegen rechts stark machen. Dazu geh\u00f6rt auch eine selbstkritische Sicht auf unsere eigene Arbeitsweise in der IG Metall.\u201c<\/p>\n<p>In den anderen Daimler-Werken war die Rechte deutlich schw\u00e4cher:<\/p>\n<ul>\n<li>Zentrale Stuttgart: 108 von 6626 abgegebenen Stimmen, kein Mandat.<\/li>\n<li>In Sindelfingen, dem gr\u00f6\u00dften Standort mit \u00fcber 40.000 Wahlberechtigten, bekam die IG Metall knapp 75 % (16.992 Stimmen) und hat damit 46 der 59 Betriebsratssitze. Die rechte Liste \u201eZentrum\u201c bekam 764 Stimmen, dies entspricht 3,4 Prozent und 2 Mandaten.<\/li>\n<li>Rastatt: \u00dcber verschiedene Listen sind 29 IG Metall-Mitglieder in den 35k\u00f6pfigen Betriebsrat gew\u00e4hlt worden. Die CGM bekam keinen Sitz. Die rechtsextreme Liste \u201eZentrum\u201c bekam 447 Stimmen und 3 Mandate.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auch in Leipzig war \u201eZentrum Automobil\u201c erfolgreich. Bei Porsche erzielte die damit verbundene \u201eInteressengemeinschaft Beruf und Familie\u201c (IG BuF) 6 % der Stimmen und 2 von 31 Sitzen. Bei BMW waren es 12 % und 4 der 35 Sitze.<\/p>\n<p>Die in den Medien verbreitete Behauptung, dass bei Siemens in G\u00f6rlitz aus dem Stand heraus mit 16,4 % zwei rechte Betriebsr\u00e4te gew\u00e4hlt worden seien, wird von der IG Metall dementiert. Die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.igmetall.de\/betriebsratswahlen-2018-27186.htm\">IG Metall<\/a>\u00a0z\u00e4hlt bundesweit 19 Mandate f\u00fcr rechte Listen. Insgesamt seien in ihrem Organisationsbereich \u00fcber 78 000 Betriebsratssitze in \u00fcber 11 000 Betrieben zu vergeben.<\/p>\n<p><strong>Zahlen reichen nicht<\/strong><\/p>\n<p>Um zu verstehen, was in den Betrieben los ist, reicht es weder, einzelne Ergebnisse hochzurechnen, noch so zu tun, als sei in 10&#8217;990 Betrieben die Welt in Ordnung. Um was geht es normalerweise bei Betriebsratswahlen?<\/p>\n<p>Die meisten Wahlen laufen auf unglaublich niedrigem inhaltlichem Niveau ab, der Begriff \u201epolitisch\u201c w\u00e4re schon \u00fcbertrieben. Bei den Personenwahlen sind individuelle Stellungnahmen zu Themen verp\u00f6nt, auch bei Listenwahlen bewegen sich die Aussagen auf \u00e4hnlich niedrigem Niveau wie die gewohnte IG Metall-Propaganda von \u201eguter Arbeit\u201c oder \u201esch\u00f6nem Leben\u201c. Warum aber, bitte sch\u00f6n, sollen Betriebsratswahlen inhaltlicher tiefer gehen als Bundestagswahlen? Bei Betriebsratswahlen sind zumindest die AkteurInnen und ihre Ansichten zu betrieblichen Themen bekannt, vielleicht ihre F\u00e4higkeiten und, ob sie sich als GewerkschafterInnen hervortun.<\/p>\n<p>Von Seiten der Besch\u00e4ftigten werden die Wahlen allerdings auch genutzt, um die Unzufriedenheit mit der Arbeit des Betriebsrates auszudr\u00fccken \u2013 und in diesem Jahr mindestens so sehr wie vor 4 und 8 Jahren. Es gibt zunehmend unterschiedliche Listen gerade auch von Gewerkschaftsmitgliedern. Anders als fr\u00fcher sind es weniger gewerkschaftsferne Angestellte, die eigene Listen aufstellen, sondern gewerkschaftlich organisierte ArbeiterInnen. Dabei spielt auch die gr\u00f6\u00dfere Chance, in den BR einzuziehen, eine Rolle. Die pers\u00f6nliche Karrierechance ist aber gerade in Gro\u00dfbetrieben, wo BR-Mandate mit Privilegien verbunden sind, auch bei den Mehrheitslisten ein entscheidender Antrieb, oftmals mehr als bei den Initiativen von unten.<\/p>\n<p>Diese vielen Gegenlisten dr\u00fccken eine Unzufriedenheit mit der Politik des Co-Managements, der Deals hinter dem R\u00fccken und\/oder auf Kosten der Belegschaft oder dem schlichten Desinteresse der Spitzenbetriebsratsmitglieder f\u00fcr die Belange der Belegschaft aus. Selten wird diese pr\u00e4zise formuliert, meist wird sie an der Person der\/s jeweiligen Betriebsratsf\u00fcrstIn festgemacht und umgekehrt an der Glaubw\u00fcrdigkeit der Gegen-Listenf\u00fchrerInnen.<\/p>\n<p>Dort, wo es linken Einfluss gab und gibt, k\u00f6nnen solche Listen dann eine gewisse Methodik, vielleicht sogar Programmatik entwickeln. Die gro\u00dfe Zeit der linken Listen ist allerdings vorbei und die spontanen Gegenlisten entwickeln selten Konstanz \u00fcber die Wahl hinaus. Die AkteurInnen werden in den Apparat integriert oder abgesto\u00dfen \u2013 ein Prozess also, wie er in der fast durchg\u00e4ngig vom b\u00fcrokratischen Apparat beherrschten IG Metall st\u00e4ndig passiert. Die Zust\u00e4nde in den Betrieben und die Angriffe des Kapitals provozieren Widerstand. Diejenigen, die als AktivistInnen in und mit der IG Metall aktiv bleiben wollen, werden einem echten H\u00e4rtetest unterworfen, der letztlich dazu dient festzustellen, ob sie bereit sind, die Disziplin der Apparate im Betriebsrat und der IG Metall zu akzeptieren.<\/p>\n<p>In Kleinbetrieben kann die IG Metall manchmal noch das Instrument des k\u00e4mpferischen Teils der Belegschaft sein, auch gegen eine unternehmerh\u00f6rige Betriebsratsspitze. In den Gro\u00dfunternehmen der Autoindustrie, ja der ganzen Auto-Branche, sieht sich die IG Metall als Garant des Export-Modells Deutschland mit Klassenzusammenarbeit auf der Ebene der Betriebe, der Konzerne, der Aufsichtsr\u00e4te und der Regierung \u2013 dort vermittelt auch durch die SPD. Diese Politik muss mit einer entsprechenden Machtpolitik abgest\u00fctzt werden. So wie die IG Metall in der Tarifrunde bewiesen hat, dass sie eine halbe Million in Streiks und noch mehr in Warnstreiks f\u00fchren kann, ohne dass auch nur eine Belegschaft in der Aktion weitergeht als vom Apparat erlaubt, muss sie auch in der Betriebspolitik dem Kapital beweisen, dass sie die Belegschaften unter Kontrolle hat.<\/p>\n<p><strong>Erfolgsgarant Klassenzusammenarbeit?<\/strong><\/p>\n<p>Ihre F\u00e4higkeit, erfolgreich zwischen Kapital und Arbeit zu vermitteln und zum Wohl des Standorts beizutragen, h\u00e4lt die IG Metall nicht nur f\u00fcr erfolgreich, sondern auch f\u00fcr einen Schutzwall gegen rechts. Das bringt der Vorsitzende Hofmann folgenderma\u00dfen auf den Punkt: \u201eDer beste Weg, damit das Zentrum eine Randerscheinung bleibt, ist, unsere erfolgreiche Politik fortzusetzen.\u201c Anders gesagt: Rassismus und Rechtsradikalismus sind kein Problem, solange die IG Metall die Kontrolle hat. Weiter so.<\/p>\n<p>Es kann mit Gewissheit angenommen werden, dass auch \u00fcber die Listen der IG Metall oder v\u00f6llig unpolitisch auftretende Listen AfD-Mitglieder oder -Anh\u00e4ngerInnen in die Betriebsr\u00e4te der Metallindustrie gew\u00e4hlt wurden, wahrscheinlich sogar im vierstelligen Bereich. Dass H\u00f6cke in Erfurt auf IG Metall-Demos in der zweiten Reihe mitlaufen durfte und auf der Protestversammlung gegen die Schlie\u00dfung von Siemens in G\u00f6rlitz der dortige AfD-Abgeordnete begr\u00fc\u00dft wird, zeigt die \u201eNormalit\u00e4t\u201c, mit der die IG Metall mit der AfD umgeht, sofern diese nicht wie bei Daimler gezielt gegen die Gewerkschaft agiert.<\/p>\n<p><strong>Politik der IG Metall<\/strong><\/p>\n<p>Das \u201eNetzwerk-Info\u201c der Gewerkschaftslinken beschreibt: \u201eIm Report Mainz am 27. Februar 2018 kam ein IG Metall-Vertrauensmann vom Werk Rastatt zu Wort, der sich seit Jahren gegen rechte Tendenzen im Betrieb engagiert \u2013 gegen Widerst\u00e4nde vor allem aus den eigenen Gewerkschaftsreihen. Er kritisierte die IG Metall und f\u00fchlt sich im Stich gelassen \u201avon den Kollegen im Betriebsrat und auch von der Gewerkschaftsspitze. Die Linie von oben ist eben: Den Kampf nehmen wir gar nicht erst auf. Es ist besser so, wir ducken uns da weg und das Problem geht damit vorbei.\u2019\u201c<\/p>\n<p>Das hat seinen Grund. Die \u201eerfolgreiche Politik\u201c, die IGM-Chef Hofmann fortsetzen will, ist keine Waffe gegen die Rechten, sondern f\u00f6rdert sie. Ihrem weitgehend undiskutierten Inhalt nach ist sie Klassenkollaboration \u2013 nicht nur mit dem jeweiligen Unternehmen, wie das Betriebsr\u00e4te urw\u00fcchsig tun, sondern mit einem f\u00fchrenden Teil des deutschen Kapitals, dem Exportkapital. Der Export von Autos, Maschinen, Waffen und Gro\u00dfchemie ist zugleich die wichtigste Waffe des deutschen Imperialismus in der globalen Konkurrenz und zur Ausbeutung der Halbkolonien. Die IG Metall hat die Standort-Deutschland-Politik zur Perfektion entwickelt und alle daf\u00fcr n\u00f6tigen Ma\u00dfnahmen, von Leiharbeit, Flexibilisierung, Ausgliederungen, Einschr\u00e4nkung des Streikrechts bis zu Industrie 4.0 und Abgaspolitik aktiv unterst\u00fctzt. Das wurde mit den Extraprofiten aus dem Export geschmiert, wie sich in Korruption bei den Betriebsratsf\u00fcrstInnen und den Privilegien f\u00fcr die Stammbelegschaften der Auto-Industrie zeigt.<\/p>\n<p>Die innergewerkschaftliche Diskussion wurde daf\u00fcr weitgehend entpolitisiert: keine Debatte zu Einschr\u00e4nkungen des Streikrechts. Die Gesetzesnovelle zur Leiharbeit war kein Thema, h\u00f6chstens oberhalb der betrieblichen Funktion\u00e4rskaste. Selbst die SPD, mit der doch auf h\u00f6chster Ebene aufs Engste kooperiert wird, kommt nicht als solche vor, sondern immer nur \u201edie Politik\u201c, die gewisserma\u00dfen \u201enat\u00fcrlich\u201c eine sozialdemokratische und vor allem sozialpartnerschaftliche sein solle. Wahlaufrufe sind, wenn \u00fcberhaupt, solche, nicht die AfD zu w\u00e4hlen. Sie sind v\u00f6llig unvermittelt, da sie mit der Tagespolitik der Gewerkschaft nichts zu tun haben, und werden oftmals als Bevormundung aufgefasst, was sie \u2013 wie die ganze IGM-Propaganda \u2013 letztlich auch sind.<\/p>\n<p>Wie sollen denn der Nationalismus und Rassismus der AfD und der rechten Listen bek\u00e4mpft werden, wenn ein Hauptbestandteil der \u201eerfolgreichen\u201c IGM-Politik die Standortvereinbarungen sind, die Arbeitspl\u00e4tze in Deutschland gegen die Lohnabh\u00e4ngigen im Ausland sichern? Man braucht diese gar nicht rassistisch zu beschimpfen, ja man kann sie sogar bedauern. Wenn man eine Politik betreibt, die diese ganz praktisch als BedroherInnen des \u201eeigenen\u201c Arbeitsplatzes darstellt, die einen zu Opfern und Verlusten zwingen, ist der Weg nicht weit, MigrantInnen und Gefl\u00fcchtete als GegnerInnen und Bedrohung zu betrachten. Die Kampagne \u201ekein Platz f\u00fcr Rassismus\u201c ist dann das Alibi f\u00fcr die Praxis der IGM, die dem Rassismus den Boden bereitet und nicht bek\u00e4mpfen kann. Die Kampagne verkommt so notwendigerweise zu einer Spielwiese f\u00fcr BasisaktivistInnen und verbleibt weitgehend auf der Ebene humanistischen Gutmenschentums in Eintracht mit PastorInnen und Fussballstars.<\/p>\n<p><strong>Die Strategie des Zentrums Automobil<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Gro\u00dfteil der Rechten in der IG Metall also sauber im Gefolge des Apparates mitschwimmen kann (und auch brave Sozis rassistische Ansichten entfalten k\u00f6nnen), haben \u201eZentrum Automobil\u201c und sein Frontmann Oliver Hilburger einen anderen Ansatz gesucht. Sie greifen die IG Metall da an, wo der Verrat der F\u00fchrung deutlich wird:<\/p>\n<p>\u201eDie Herausforderungen der Zukunft liegen in der immer weiter um sich greifenden Globalisierung und deren negativen Folgen. Diese Herausforderung bedarf eines v\u00f6llig neuen gewerkschaftlichen Ansatzes. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, neue Strategien zu entwickeln. Auswege und L\u00f6sungen m\u00fcssen, f\u00fcr die sich aus der Globalisierung ergebenden Ver\u00e4nderungen und Herausforderungen, aufgezeigt und angeboten werden. (\u2026) \u2013 Kampf gegen Korruption und Co-Management. (\u2026) Aufbau einer gewerkschaftlichen Opposition, da in vielen F\u00e4llen die Einheits- bzw. Monopolgewerkschaften nicht Teil der L\u00f6sung, sondern Teil des Problems sind!<\/p>\n<p>Wir sind gegen:<\/p>\n<p>Arbeitsexport<\/p>\n<p>Co-Management<\/p>\n<p>Beg\u00fcnstigung und Korruption<\/p>\n<p>Lohnverzicht als Erpressungsmittel<\/p>\n<p>Intransparenz<\/p>\n<p>Faule Kompromisse.\u201c (<a href=\"http:\/\/zentrum-auto.de\/\">http:\/\/zentrum-auto.de\/<\/a>)<\/p>\n<p>Das Zentrum kombiniert Nationalismus und Rassismus vergleichsweise geschickt mit einem Angriff auf Privilegien, Korruption, Kungelei der Gewerkschaftsb\u00fcrokratie. Seine rechtsextreme, nationalistische Einstellung kommt in der Ablehnung jedes \u201eArbeitsexports\u201c zum Ausdruck. Die Forderung w\u00e4re also ein extremer Protektionismus, der weit \u00fcber den eines Trump hinausginge. Da der \u201eExport von Arbeit\u201c(-spl\u00e4tzen) schwer zu verhindern und mit den Interessen eines auf den Weltmarkt orientierten Kapitals unvereinbar ist, bleibt als unmittelbares Ziel, den Zustrom von Arbeit(-skr\u00e4ften) aus anderen L\u00e4ndern zu verhindern. Rassismus bildet den Kern der rechten Betriebspolitik, die in \u201eoppositionell\u201c verpackt wird.<\/p>\n<p>Bemerkenswert und bedrohlich zugleich ist, dass das Zentrum den Wahlkampf in Untert\u00fcrkheim tats\u00e4chlich als Protestbewegung gestalten konnte. \u00dcber 170 Besch\u00e4ftigte lie\u00dfen sich auf ihrer Liste als KandidatInnen eintragen, die H\u00e4lfte davon mit Migrationshintergrund. Auch wenn darunter bekannte Unterst\u00fctzerInnen der Grauen W\u00f6lfe, von Chrysi Avgi und andere faschistischer Gruppierungen waren, so liegt die eigentliche Bedeutung des Untert\u00fcrkheimer Ergebnisses darin, dass es den FaschistInnen gelungen ist, eine Basis unter den ArbeiterInnen aufzubauen \u2013 anders als in den meisten anderen Betrieben, wo die Zustimmung von wenigen Prozenten eher noch eine \u201enormale (Protest-)Wahlerscheinung\u201c bleibt. Doch das kann sich in den n\u00e4chsten Jahren \u00e4ndern, wenn die IG Metall ihre Politik weiter verfolgt, die AfD und andere Rechte wie Compact daran gehen, mit viel Geld und Apparat eine \u201enationale Opposition\u201c aufzubauen, und die IG Metall ihre Politik fortsetzt. Diese wird n\u00e4mlich zunehmend in Widerspruch zu den Interessen ihrer Mitglieder geraten, insbesondere wenn sich die konjunkturelle Lage verschlechtert und damit der sozialpartnerschaftliche Spielraum verengt.<\/p>\n<p><strong>Linke Alternativen ?<\/strong><\/p>\n<p>Gegen diese Gefahr reicht blo\u00dfe Emp\u00f6rung \u00fcber das Ph\u00e4nomen rechter Gegenkandidaturen nicht. Erst recht hilft es nichts, daraus den Schluss zu ziehen, die Listen der IG Metall unkritisch zu unterst\u00fctzen. Das ist kein Wunder bei der SPD, bei der Linkspartei und ihren Anh\u00e4ngerInnen, die immer und \u00fcberall den Apparat unterst\u00fctzen bzw. Teil desselben sind. Sie fordern gelegentlich, mehr gegen Rechte zu tun. Allein, in der Praxis tragen sie die Politik J\u00f6rg Hofmanns mit und damit auch sein oben zitiertes \u201eweiter so\u201c.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich sieht es bei DKP und MLPD aus, die fast \u00fcberall die Einheit beschw\u00f6ren und sich in deren Namen dem Apparat unterordnen. Bei Daimler in Untert\u00fcrkheim betreibt die MLPD allerdings seit Jahren eine eigene Liste entgegen ihrem eigenen Dogma, keine gewerkschaftsoppositionellen Strukturen aufzubauen. Dieser Schwenk wurde jedoch vollzogen, nachdem ihr Protagonist Kraft aus der IG Metall ausgeschlossen worden war. Ausgerechnet diese Liste hat jetzt 2 von 3 Sitzen verloren, ihre W\u00e4hlerInnen d\u00fcrften entweder angesichts der Polarisierung im Betrieb zur\u00fcck zur IG Metall gegangen sein, die 2 Sitze gewonnen hat, manche gar zum Zentrum. W\u00e4re sch\u00f6n, wenn das nicht die opportunistische Linie innerhalb der MLPD st\u00e4rkt, sondern die Positionierung gegen\u00fcber der IG Metall-Spitze, die in den letzten Jahren etwas sch\u00e4rfer geworden ist, besser fundiert wird. Die Kritik ihrer Untert\u00fcrkheimer Liste am Apparat und seiner Politik war leider stets auf erb\u00e4rmlich populistischem Niveau und nicht un\u00e4hnlich der des Zentrums: Es reicht nicht, \u201eCo-Management\u201c zu denunzieren. Man muss sagen, worin es besteht und was die Alternativen sind.<\/p>\n<p>Der Ansatz der \u201eAlternative\u201c in Untert\u00fcrkheim ist demgegen\u00fcber richtig: f\u00fcr eine wirksame Kampagne gegen rechts und dabei die (eigene) IG Metall-Politik kritisch betrachten. Alle, die gegen die Rechten in den Metallbetrieben k\u00e4mpfen wollen, sollten zu einer Konferenz zusammenkommen, um dort folgende Themen zu diskutieren und dazu gemeinsame Aktionen zu vereinbaren:<\/p>\n<ul>\n<li>Wie Rassismus bek\u00e4mpfen?<\/li>\n<li>F\u00fcr eine k\u00e4mpferische Antwort gegen Standortschlie\u00dfungen und Verzichtsvereinbarungen<\/li>\n<li>F\u00fcr eine internationalistische Antwort auf Standortsicherung und \u201eStandort Deutschland\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dazu ist eine Debatte \u00fcber die Politik der Gewerkschaft bzw. ihrer F\u00fchrung notwendig und die Kr\u00e4fte aus der IG Metall, der LINKEN und der SPD k\u00f6nnen und m\u00fcssen sich dieser stellen.<\/p>\n<p>Eine anti-rassistische Bewegung in den Betrieben h\u00e4tte auch die Chance, die gesamtgesellschaftliche Bewegung gegen Rassismus aus der Perspektivlosigkeit herauszuholen, in der sie derzeit steckt.<\/p>\n<p>Strategisch muss die Linke ihre Ignoranz gegen\u00fcber den Gegenlisten von der Basis aufgeben. Die ProduktionsarbeiterInnen, teilweise auch die FacharbeiterInnen, haben mit ERA und den Standortvereinbarungen viel verloren. Ihre Arbeitspl\u00e4tze sind es, die bedroht sind. Die IG Metall tritt im Betrieb selten als Gewerkschaft, als \u201eOrganisation der Lohnabh\u00e4ngigen\u201c auf, sondern in Person der Funktion\u00e4rInnen, meistens der Betriebsratsmitglieder. Da zudem Vertrauensk\u00f6rper nur in einer Minderheit der Betriebe existieren und dann oftmals dem Betriebsrat untergeordnet sind, findet der Kampf daf\u00fcr, die Gewerkschaft wieder zu der eigenen zu machen, notwendig den Weg \u00fcber Kandidaturen und eigene Listen.<\/p>\n<p>Hier k\u00f6nnen Linke helfen, den Unmut zu formulieren, ihm Ausdruck geben und zugleich die Diskussion beginnen \u00fcber die Ursachen des Verrats, der Korruption und des Gekungels mit dem Chef. Eine Diskussion, die auch aufzeigen muss, dass die L\u00f6sung nicht innerhalb eines Betriebes m\u00f6glich ist, sondern eine Vernetzung erfordert, eine Bewegung \u00fcber die Betriebe hinweg \u2013 f\u00fcr eine andere Politik der IG Metall, einen anderen, demokratischen Aufbau und ohne die Schicht der B\u00fcrokratInnen, die sie voll im Griff haben. Der erste, aber keineswegs leichte Schritt dahin ist eine klassenk\u00e4mpferische, oppositionelle Basisbewegung.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2018\/03\/30\/rechte-in-den-betriebsraeten-und-die-ig-metall\/\"><em>arbeiterinnenmacht.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 1. April 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frederik Haber. Die Kandidaturen von rechten Listen insbesondere in der Auto- und Metallbranche haben schon fr\u00fch f\u00fcr Wirbel gesorgt. 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