{"id":3360,"date":"2018-04-01T15:04:05","date_gmt":"2018-04-01T13:04:05","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3360"},"modified":"2018-04-01T15:04:05","modified_gmt":"2018-04-01T13:04:05","slug":"der-prager-fruehling-1968-und-die-ddr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3360","title":{"rendered":"Der Prager Fr\u00fchling 1968 und die DDR"},"content":{"rendered":"<p><em>Ilko-Sascha Kowalczuk.<\/em> Als am 21. August 1968 die Verb\u00fcndeten des Warschauer Paktes die zarten Pflanzen eines freiheitlichen, demokratischen Sozialismus brutal niederwalzten, ging mehr kaputt als<!--more--> \u201enur\u201c die Ans\u00e4tze eines \u201eSozialismus mit menschlichem Antlitz\u201c in einem Land. Der von Moskau aus gelenkte Kommunismus spaltete sich, der Eurokommunismus in Spanien, Italien und Frankreich hatte hier eine seiner m\u00e4chtigsten Wurzeln. Im Ostblock selbst erstarb allerorten in der Opposition jede Hoffnung auf die Reformierbarkeit des Staatssozialismus. Und noch heute ist die Hoffnung auf einen demokratischen Sozialismus selbst in der Sozialdemokratie nur sehr schwach ausgepr\u00e4gt \u2013 der Untergang der kommunistischen Staaten und die von ihnen betriebene Pervertierung sozialistischer Ideen wirkt fort.<\/p>\n<p>Die Vorgeschichte der als \u201ePrager Fr\u00fchling\u201c (so hie\u00df ein j\u00e4hrliches Musikfestival in der Moldaustadt) in die Geschichte eingegangenen Vorg\u00e4nge in der \u010cSSR wurzelte in der ausgebliebenen Entstalinisierung. Es kam weder 1953 zu einer Modifizierung des Transformationsprozesses, wie ihn der\u201eNeue Kurs\u201c in der DDR oder in Ungarn ausl\u00f6ste, noch bewirkte der XX. Parteitag der KPdSU 1956 reformerische Bem\u00fchungen. Erst 1962 setzte eine halbherzige Entstalinisierung ein, die aber die Rehabilitation verfolgter Kommunist_innen (nur um solche ging es bei der Entstalinisierung!) verschleppte. Neben politischen \u00d6ffnungstendenzen debattierte die Kommunistische Partei \u00fcber Wirtschaftsreformen. 1967 kulminierte der politische Richtungsstreit in der kommunistischen Partei. Deren Chef, Anton\u00edn Novotn\u00fd, wurde von einem B\u00fcndnis zwischen einer Reformergruppe um Alexander Dub\u010dek und den slowakischen Vertretern im ZK der KS\u010c im Januar 1968 gest\u00fcrzt. Zur eigentlichen Sensation geriet das im April 1968 beschlossene Aktionsprogramm der KS\u010c. Darin wurden die Einf\u00fchrung marktwirtschaftlicher Elemente, Schritte zur Demokratisierung von Staat und Partei, die Kontrolle der Regierung durch das Parlament, der Ausbau rechtsstaatlicher Organe, Gew\u00e4hrung von Religions-, Presse- und Meinungsfreiheit, die Aktivierung der Gewerkschaften und eine f\u00f6deralistische Nationalit\u00e4tenpolitik angek\u00fcndigt. Au\u00dfenpolitisch sollte eine gr\u00f6\u00dfere Bewegungsfreiheit gegen\u00fcber den Ostblockstaaten angestrebt und gegen\u00fcber dem Westen Koexistenz auf Grundlage der UNO-Charta praktiziert werden. Von diesen Ank\u00fcndigungen konnten bis zum August nur wenige Reformen umgesetzt werden.<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr 1968 entstanden B\u00fcrgerbewegungen, die sich an Wahlen beteiligen wollten. Es gab Bestrebungen zur Neugr\u00fcndung der sozialdemokratischen Partei. Die gleichgeschalteten b\u00fcrgerlichen Parteien verselbstst\u00e4ndigten sich. Die kommunistische Jugendorganisation zerfiel in unabh\u00e4ngige Gruppen. In vielen Betrieben entstanden unabh\u00e4ngige Gewerkschaftsgruppen und Arbeiterr\u00e4te. Ein H\u00f6hepunkt der demokratischen Artikulation wurde das Manifest der \u201e2000 Worte\u201c des Schriftstellers Ludv\u00edk Vacul\u00edk, das im Juni 1968 herauskam. Das Manifest warb f\u00fcr Demokratisierung und Pluralisierung.<\/p>\n<p>In der Nacht zum 21. August marschierten die Truppen der Sowjetunion mit der Unterst\u00fctzung Polens, Ungarns und Bulgariens in der Tschechoslowakei ein. DDR-Truppen standen an der Grenze in Reserve. Vorausgegangen war eine lange Reihe von politischen Erpressungsversuchen der Sowjets und heftige Propaganda gegen das Reformprojekt.<\/p>\n<p>Der Einmarsch forderte etwa 100 Tote, zahlreiche Verletzte und brachte viele Menschen in Gef\u00e4ngnisse. Der Protest der tschechoslowakischen F\u00fchrung, auch beim Sicherheitsrat der UNO, zielte auf ein passives Widersetzen von Partei und Gesellschaft. Anf\u00e4nglich konnten sich die Reformkr\u00e4fte mit Dub\u010dek in einer z\u00e4hen Kompromisspolitik noch behaupten. Der Druck bei den Verhandlungen und die allm\u00e4hliche, durch die Sowjets erzwungene Besetzung vieler Positionen mit Reformgegner_innen f\u00fchrten innerhalb eines Jahres zum v\u00f6lligen Zusammenbruch der Reformkr\u00e4fte. Als 1969 Gust\u00e1v Hus\u00e1k Parteif\u00fchrer wurde, setzte die \u201eNormalisierung\u201c ein. Die \u010cSSR erlebte nach 1948\/52 die zweite gro\u00dfe, von den herrschenden Kommunist_innen betriebene Verfolgungskampagne: aus der Kommunistischen Partei wurden 350.000 Mitglieder ausgeschlossen, rund weitere 150.000 Mitglieder traten aus. Rund 120.000 Menschen emigrierten.<\/p>\n<p>F\u00fcr l\u00e4ngere Zeit l\u00f6ste das Ende des Prager Fr\u00fchlings eine allgemeine Depression und bei vielen Menschen in den sozialistischen L\u00e4ndern ihren endg\u00fcltigen Abschied von der kommunistischen Ideenwelt aus. Die sowjetische F\u00fchrung hatte mit der nach dem Einmarsch verk\u00fcndeten so genannten Breshnew-Doktrin von 1968 ihren Willen bekundet, kein Land aus ihrem Einflussbereich zu entlassen. In der Prawda vom 22. August 1968 war unter der \u00dcberschrift \u201eDie Verteidigung des Sozialismus ist h\u00f6chste internationalistische Pflicht\u201c der Kerngedanke der Breshnew-Doktrin bereits zu lesen: \u201eDie Verteidigung des Sozialismus in der \u010cSSR ist nicht nur eine innere Angelegenheit des Volkes dieses Landes, sondern auch mit der Verteidigung der Positionen des Weltsozialismus verkn\u00fcpft.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr den 23. August 1968 hatte die tschechoslowakische F\u00fchrung zum Generalstreik aufgerufen, der vollst\u00e4ndig durchgef\u00fchrt wurde. Damit setzte eine gewaltfreie und zivile Widerstandsperiode ein, die mit erstaunlichem Erfindungsgeist sowohl den sowjetischen Okkupanten wie auch den kommunistischen Kollaborateur_innen eine Zwangsverwaltung des Landes zun\u00e4chst unm\u00f6glich machte. So galt die Losung: \u201eKr\u00fcmmt ihnen kein Haar, reicht ihnen keinen Tropfen Wasser!\u201c<\/p>\n<p>Als der politische \u00f6ffentliche Raum wieder geschlossen war, blieb der tschechoslowakischen Gesellschaft nur noch die symbolische Rekapitulation der Freiheit. Als etwa die tschechoslowakische Nationalmannschaft bei der Eishockey-Weltmeisterschaft im M\u00e4rz 1969 in Schweden zweimal gegen die UdSSR gewann, feierten Hunderttausende auf den Stra\u00dfen. Und am ersten Jahrestag des Einmarsches mussten sowjetische Soldaten gegen die demonstrierenden Massen eingesetzt werden. Das ber\u00fchmteste Symbol mit schrecklichen Folgen setzte der Student Jan Palach bereits am 16. Januar 1969, als er sich aus Protest auf dem Prager Wenzelsplatz verbrannte (er verstarb am 19. Januar). In Prag kamen Hunderttausende zu einer Trauerdemonstration f\u00fcr Palach zusammen. Er war eines von mehreren Selbstverbrennungsopfern in- und au\u00dferhalb der \u010cSSR. 1989 z\u00e4hlte die Erinnerung an den \u201ePrager Fr\u00fchling\u201c und seine Niederschlagung zu den unmittelbaren Ausgangspunkten der Revolution.<\/p>\n<p>Der Einfluss westlicher Jugendkulturen in der DDR war in den 1960er Jahren enorm und setzte die SED-F\u00fchrung erheblich unter Druck. Die Studentenunruhen dann 1968 in West-Berlin, Paris oder Berkeley interessierten viele junge Menschen in der DDR. Noch st\u00e4rker aber interessierten sich viele Menschen in der DDR f\u00fcr die Vorg\u00e4nge in Polen, in Jugoslawien und vor allem und zuallererst in der \u010cSSR. Erstmals in der Geschichte schien es m\u00f6glich, Sozialismus, Demokratie und Freiheit zusammenzubringen. Ein \u201eSozialismus mit menschlichem Antlitz\u201c, ein \u201edemokratischer Sozialismus\u201c stellte f\u00fcr viele Menschen die realistischste Alternative zu den tats\u00e4chlichen Herrschaftsverh\u00e4ltnissen dar.<\/p>\n<p>Die Wiederherstellung freiheitlicher Grundnormen wie etwa die Abschaffung der Zensur, \u00fcbte eine Strahlkraft in die DDR aus, die\u00a0 f\u00fcr die SED-Herrschaft unmittelbar gef\u00e4hrlich erschien. Es liegt nahe, den so genannten Volksentscheid \u00fcber die neue DDR-Verfassung vom 6. April 1968 auch unter dem Einfluss der \u010cSSR-Entwicklungen zu betrachten. Immerhin sind niemals zuvor oder sp\u00e4ter so viele Gegenstimmen und Nichtw\u00e4hler offiziell einger\u00e4umt worden: rund 700.000, etwa sechs Prozent der Stimmberechtigten. In der neuen Verfassung wurde in Artikel 1 der Machtanspruch der SED verankert. Monatelang \u00fcberzog das Land eine Propagandawelle, die f\u00fcr ein \u201eJa\u201c zur neuen Verfassung warb. Die allgemeine Stimmungslage zum \u201eVolksentscheid\u201c brachte im Februar 1968 ein Faschingsmotto zum Ausdruck: \u201eDas ganze Fischvolk diskutiert die neue Verfassung. Schade, dass Fische stumm sind.\u201c Die neue DDR-Verfassung trat am 9. April 1968 in Kraft. Der B\u00fcttenredner ist am 18. M\u00e4rz 1968 vom MfS in Haft genommen worden, auf den Tag 22 Jahre bevor in der DDR erstmals freie Wahlen stattfanden.<\/p>\n<p>Ab M\u00e4rz 1968 gingen f\u00fchrende SED-Funktion\u00e4re immer offener gegen die Reformbestrebungen in der \u010cSSR vor. SED-Propagandachef Kurt Hager kritisierte \u00f6ffentlich \u010cSSR-Regierungsmitglieder, womit er sich den Zorn vieler Tschech_innen und Slowak_innen zuzog. Dass Walter Ulbricht namens der SED-F\u00fchrung zu den besonderen Scharfmachern gegen die Entwicklungen in der \u010cSSR z\u00e4hlte und sp\u00e4ter auch zu den wichtigsten Bef\u00fcrwortern einer milit\u00e4rischen Intervention, hatte sich seit dem Fr\u00fchjahr 1968 \u00f6ffentlich angedeutet. Intern wurden die Funktion\u00e4re deutlicher. ZK Mitglied Bruno Beater, stellv. MfS-Minister, erkl\u00e4rte am 14. M\u00e4rz in einer MfS-Dienstberatung: \u201eDie Ereignisse in der \u010cSSR und in der VR Polen muss man als Versuche, Konterrevolution zu organisieren, und mit dem Bestandteil der Globalstrategie des Westens einsch\u00e4tzen.\u201c Merkw\u00fcrdig erschien ihm: \u201eIn Westberlin demonstrierten die Studenten mit roten Fahnen. In Warschau verbrannten die Studenten die roten Fahnen. Welch ein Widerspruch!\u201c Der MfS-Stratege sah genau: \u201eAuch bei uns liegt ein Haufen Menschen auf der Lauer und wartet nur darauf, dass \u00e4hnliche Situationen wie in Polen und der \u010cSSR eintreten.\u201c<\/p>\n<p>Nach dem Einmarsch versuchte die SED F\u00fchrung, \u00f6ffentlich den Eindruck zu vermitteln, die gesamte ostdeutsche Gesellschaft begr\u00fc\u00dfe die Invasion. Wochenlang versicherten Hunderte Personen in den Spalten des \u201eNeuen Deutschland\u201c und anderer Tageszeitungen, dass die \u201einternationalistische Hilfe\u201c gerechtfertigt sei und nur so dem \u201eimperialistischen Beutezug\u201c Einhalt geboten werden konnte. Der Historiker Leo Stern, langj\u00e4hriger Rektor der Universit\u00e4t Halle, lie\u00df z.B. unter der \u00dcberschrift \u201eM\u00fcnchen 1938 ist Bonner Revancheprogramm\u201c seine Leser_innen wissen, dass der Einmarsch westlichen Invasionspl\u00e4nen lediglich zuvorgekommen sei.<\/p>\n<p>Obwohl entgegen den offiziellen Verlautbarungen die Emp\u00f6rung \u00fcber den Einmarsch auch in der DDR breit und allgemein war, blieb es dennoch weitgehend ruhig oder, um es mit den Worten des Historikers Stefan Wolle auszudr\u00fccken, \u201enur an den Badestr\u00e4nden kam es zu gr\u00f6\u00dferen Menschenansammlungen\u201c. Viele Zeitzeug_innen berichten heute, wie sehr sie der Einmarsch bewegt habe. \u00c4ltere zogen Parallelen zu 1956 und 1953, aber vor allem zu 1938. F\u00fcr J\u00fcngere kam der Einmarsch nun ihrem eigenen \u201e1956\u201c oder \u201e1953\u201c gleich.<\/p>\n<p>Neben der allgemein niedergedr\u00fcckten Stimmung kam es zu einer Vielzahl von demonstrativen Protesten, die quantitativ die Proteste etwa gegen den Mauerbau erheblich \u00fcbertrafen. Im M\u00e4rz 1969 bekannte Erich Mielke vor F\u00fchrungskadern des MfS mit Blick auf die ostdeutschen Proteste gegen die Intervention, dass es insgesamt \u00fcber 2.100 demonstrativ-\u00f6ffentliche Protestakte nach dem 21. August 1968 gegeben hatte. 80 Prozent davon h\u00e4tten nicht aufgekl\u00e4rt werden k\u00f6nnen. Den Schwerpunkt bildete Ost-Berlin, wo das MfS und die Polizei 27 Prozent aller Vorkommnisse z\u00e4hlte, es folgten die Grenzbezirke Dresden (12 %) und Karl-Marx-Stadt (10 %). Das Ministerium des Innern z\u00e4hlte allein bis zum 29. August 1968 1.742 Straftatbest\u00e4nde, die mit dem Einmarsch in direkter Verbindung standen.<\/p>\n<p>In einigen St\u00e4dten kam es zu Kurzdemonstrationen, etwa in Potsdam, Ost-Berlin, Erfurt, Eisenach, Dresden, L\u00fcbbenau oder Gotha. Aus vielen St\u00e4dten und Gemeinden wurden Flugblattaktionen\u00a0 emeldet. Am 26. August kursierten in Annaberg Flugbl\u00e4tter, auf denen Dub\u010dek gefeiert und zugleich ausgedr\u00fcckt wurde: \u201ePrag ist das Stalingrad f\u00fcr Ulbricht\u201c. Eine andere Form der Proteste war das Anbringen von \u201eHetzlosungen\u201c (MfS-Jargon) an H\u00e4userw\u00e4nden, Bahnhofshallen, Friedhofsmauern, Betriebshallen, Br\u00fccken oder auf Autostra\u00dfen. Insgesamt\u00a0 z\u00e4hlte das MfS unmittelbar nach dem Einmarsch 1.690 solcher Losungen. Sehr selten erhob sich Protest, der sich direkt gegen die sowjetischen Truppen in der DDR richtete. In der DDR waren etwa 500.000 sowjetische Soldaten stationiert, in vielen Regionen geh\u00f6rten die \u201eRussen\u201c zum Alltag.<\/p>\n<p>Die in den Betrieben, Schulen, Universit\u00e4ten und Milit\u00e4reinheiten nach dem Einmarsch abgeforderten schriftlichen Zustimmungserkl\u00e4rungen zum Einmarsch in die \u010cSSR verweigerten Tausende DDR-B\u00fcrger_innen. In einigen Betrieben haben komplette Belegschaften oder die Mehrheit der Betriebsangeh\u00f6rigen die Unterschrift verweigert, Versammlungen fielen wegen mangelnder Beteiligung aus, und auch in vielen SED-Versammlungen artikulierten Parteimitglieder Protest und kritische Fragen.<\/p>\n<p>Im Oktober 1968 legte der DDR-Generalstaatsanwalt eine Statistik \u00fcber strafrechtlich belangte Personen vor, die sich an Sympathiekundgebungen f\u00fcr die \u010cSSR beteiligt hatten. Das betraf 1.189 Personen. 70,4 Prozent der Verurteilten waren zwischen 16 und 30 Jahren alt, 4,5 Prozent (absolut: 53) waren sogar j\u00fcnger als 16 Jahre. Drei Viertel aller ermittelten und verurteilten Straftaten stammten also von Personen unter 30 Jahren. 84,2 Prozent der Verurteilten waren Arbeiter_innen und vier Prozent Bauern. Sch\u00fcler_innen und Studierende stellten 8,5 Prozent (absolut: 85). In den nachfolgenden Monaten kamen noch etliche Prozesse mit Haftstrafen hinzu. An den prozentualen Gewichtungen ver\u00e4nderten sie nichts.<\/p>\n<p>Prinzipiell ist festzustellen, dass der \u201ePrager Fr\u00fchling\u201c vor allem auf Intellektuelle und Studierende faszinierend wirkte und sich mit ihm Hoffnungen auf einen \u201edemokratischen Sozialismus\u201c verbanden. Demonstrative Proteste gegen den Einmarsch der Interventionstruppen gingen vor allem von j\u00fcngeren, parteilosen Arbeiter_innen und Lehrlingen aus. Die Stimmungsberichte von SED und MfS dokumentieren, dass die Mehrheit der DDR-Bev\u00f6lkerung den Einmarsch entschieden ablehnte. Vor allem \u00e4ltere Personen verglichen den Einmarsch immer wieder mit dem von 1938. Allgemein wurde vermutet, dass in der \u010cSSR eine Stimmung und Lage herrschte wie 1953 in der DDR und 1956 in Ungarn. Vor allem Frauen und M\u00e4nner \u00fcber 30 Jahren waren oft vom Einmarsch nicht sonderlich \u00fcberrascht. Dieser stellte f\u00fcr viele die Herrschaftslogik der Kommunist_innen wieder her, so wie man es bereits von 1953, von 1956 und in gewisser Hinsicht auch von 1961 her kannte. Die Zustimmung zum politischen System war nach dem Einmarsch auf einem f\u00fcr die SED-F\u00fchrung besorgniserregenden Tiefpunkt angelangt. Aber: Die SED hatte ihr \u201e68\u201c bereits 1953 erlebt und daraus gelernt. Das Herrschaftssystem blieb stabil \u2013 bis Ende der 1980er Jahre.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/lernen-aus-der-geschichte.de\/sites\/default\/files\/attach\/lag_prager_fruehling_maerz_2018.pdf\"><em>lernen-aus-der-geschichte.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 1. April 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ilko-Sascha Kowalczuk. Als am 21. 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