{"id":3362,"date":"2018-04-02T08:04:43","date_gmt":"2018-04-02T06:04:43","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3362"},"modified":"2018-04-02T08:04:43","modified_gmt":"2018-04-02T06:04:43","slug":"israel-17-demonstranten-im-gazastreifen-getoetet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3362","title":{"rendered":"Israel: 17 Demonstranten im Gazastreifen get\u00f6tet"},"content":{"rendered":"<p><em>Jean Shaoul.<\/em> Israelische Soldaten haben am 30. M\u00e4rz mindestens 17 Pal\u00e4stinenser get\u00f6tet und \u00fcber 1.400 weitere verwundet. Mit scharfer Munition gingen sie gegen eine Protestaktion an der Grenze<!--more--> zwischen Gaza und Israel vor. Die Protestierenden waren nur mit Steinen und selbst hergestellten Brands\u00e4tzen bewaffnet.<\/p>\n<p>Die israelische Armee setzte Scharfsch\u00fctzen, Drohnen und Waffen zur Aufstandsbek\u00e4mpfung ein. Auch in den St\u00e4dten des Westjordanlands gingen etwa 900 Pal\u00e4stinenser auf die Stra\u00dfe, und bei Zusammenst\u00f6\u00dfen in Nablus verletzten israelische Soldaten weitere 27 Pal\u00e4stinenser.<\/p>\n<p>Die Protestaktionen am Grenzzaun des Gazastreifens, genannt \u201eGro\u00dfer Marsch der R\u00fcckkehr\u201c, sollen die n\u00e4chsten sechs Wochen andauern. Das Gaza-Gebiet wird von Israel und \u00c4gypten seit elf Jahren auf kriminelle und unmenschliche Weise von der Welt abgeschnitten.<\/p>\n<p>Die Demonstrationen sollen bis zum 15. Mai andauern, dem 70. Jahrestag der Staatsgr\u00fcndung Israels. Dieser Tag tr\u00e4gt unter Pal\u00e4stinensern den Namen\u00a0<em>Nakba<\/em>\u00a0(Katastrophe). An dem Tag begann der bis heute w\u00e4hrende Krieg Israels gegen seine arabischen Nachbarn.<\/p>\n<p>Nach dem Krieg von 1948\u20131949 blieben von den 1,2 Millionen Pal\u00e4stinensern, die in dem Teil Pal\u00e4stinas gelebt hatten, der zu Israel werden sollte, nur noch etwa 200.000 Pal\u00e4stinenser \u00fcbrig. W\u00e4hrend viele vor dem Krieg flohen, verlie\u00dfen die meisten das Land aus Angst vor dem Schicksal, das ihnen unter dem Regime zionistischer Terroristen drohte. Der neugegr\u00fcndete Staat beschlagnahmte ihre H\u00e4user und ihr Land. Besonders ber\u00fcchtigt war das Massaker von Deir Yasin, wo Menachem Begins Terrororganisation Irgun jedes Haus durchk\u00e4mmte, die Pal\u00e4stinenser daraus vertrieb und dabei 250 M\u00e4nner, Frauen und Kinder kaltbl\u00fctig ermordete.<\/p>\n<p>Laut den Vereinten Nationen gibt es derzeit etwa 5 Millionen registrierte pal\u00e4stinensische Fl\u00fcchtlinge. Darunter sind die Vertriebenen des ersten israelisch\u2013arabischen Kriegs von 1948\u20131949 und des Kriegs vom Juni 1967 und ihre Nachkommen, sowie zahllose weitere Fl\u00fcchtlinge, die sp\u00e4ter aus Israel und den von ihm besetzten Territorien vertrieben wurden. Die meisten von ihnen leben bis heute unter den entsetzlichen Bedingungen von Fl\u00fcchtlingslagern im Gazastreifen, im Westjordanland, in Jordanien, im Libanon oder in Syrien. Viele leben heute \u00fcber den ganzen Nahen Osten verstreut oder in westlichen L\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Israel weigert sich hartn\u00e4ckig, pal\u00e4stinensischen Fl\u00fcchtlingen und ihren Nachkommen das Recht auf R\u00fcckkehr zu gew\u00e4hren, weil das einem Eingest\u00e4ndnis seiner Verantwortung f\u00fcr ihre Vertreibung gleichkommen w\u00fcrde. Au\u00dferdem w\u00fcrde dies die j\u00fcdische Mehrheit in Israel gef\u00e4hrden, und deshalb behauptet der zionistische Staat immer wieder, es w\u00fcrde sein \u00dcberleben gef\u00e4hrden.<\/p>\n<p>Die Demonstrationen begannen an diesem Freitag, weil dies auch der \u201eTag des Bodens\u201c ist, den Pal\u00e4stinenser in aller Welt jedes Jahr begehen. An diesem Tag vor 42 Jahren erschossen israelische Soldaten sechs pal\u00e4stinensische B\u00fcrger Israels. Sie hatten dagegen protestiert, dass pal\u00e4stinensisches Land im Norden Israels enteignet worden war, um j\u00fcdische Siedlungen zu errichten. Weitere hundert pal\u00e4stinensische Israelis wurden an diesem Tag, dem 30. M\u00e4rz 1976, verletzt, und hunderte weitere verhaftet.<\/p>\n<p>Eine zentrale Forderung des Gro\u00dfen Marschs der R\u00fcckkehr ist die volle Durchsetzung der Resolution 194 der UN-Generalversammlung vom Dezember 1948. Darin hei\u00dft es, \u201edass denjenigen Fl\u00fcchtlingen, die zu ihren Wohnst\u00e4tten zur\u00fcckkehren und in Frieden mit ihren Nachbarn leben wollen, dies zum fr\u00fchestm\u00f6glichen Zeitpunkt gestattet werden soll\u201c.<\/p>\n<p>Von den 1,9 Millionen Pal\u00e4stinenser, die heute im Gazastreifen leben, sind 1,3 Millionen Fl\u00fcchtlinge, wie das Pal\u00e4stinensische Zentralb\u00fcro f\u00fcr Statistik im Februar 2018 festgestellt hat.<\/p>\n<p>Die Pal\u00e4stinenser haben mehrere Zeltlager im Grenzgebiet zwischen Gaza und Israel aufgestellt, die tausende Demonstranten fassen k\u00f6nnen. Sie werden nahe dem Grenzzaun einen lang anhaltenden Protest durchf\u00fchren und bis zum\u00a0<em>Nakba<\/em>-Tag am 15. Mai jeden Freitag Demonstrationen durchf\u00fchren.<\/p>\n<p>Israel hat sich darauf intensiv vorbereitet: Es hat Stacheldrahtz\u00e4une errichten lassen und mehr als einhundert Scharfsch\u00fctzen postiert. Die Regierung best\u00e4tigte schon vor den gestrigen Protesten, dass sie sich darauf vorbereitet habe, \u201eProteste mit Tr\u00e4nengas, Schockgranaten und gezielten Sch\u00fcssen auf R\u00e4delsf\u00fchrer auseinanderzutreiben\u201c. Dazu mobilisierte sie die Armee, und nicht nur Polizei und Grenzsch\u00fctzer. Als Grund nannte sie Demonstrationen am Tag des Bodens in Israel und die Furcht vor Angriffen in Jerusalem.<\/p>\n<p>Armeef\u00fchrer Gadi Eizenkot sagte, dass die israelische Armee (IDF) bei den Protesten keine \u201emassenhafte Infiltrierung\u201c Israels erlauben oder die Besch\u00e4digung von Grenzanlagen zwischen Gaza und Israel tolerieren werde.<\/p>\n<p>Er sagte: \u201cWir haben mehr als einhundert Scharfsch\u00fctzen stationiert, die wir aus allen milit\u00e4rischen Einheiten zusammengezogen haben, haupts\u00e4chlich aus Sondereinheiten.\u201c Er f\u00fcgte hinzu: \u201eWenn das Leben von Israelis bedroht ist, gilt ein Schie\u00dfbefehl. Wie werden keine massenhafte Infiltration nach Israel und keine Besch\u00e4digung des Grenzzauns zulassen, und schon gar nicht, dass israelische Siedlungen beeintr\u00e4chtigt werden.\u201c<\/p>\n<p>Deswegen ist auch die gesamte Grenzregion zu einer geschlossenen milit\u00e4rischen Zone erkl\u00e4rt worden, was man nur als \u201eShoot-to-kill\u201c-Strategie verstehen kann.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem hat Israel auch Druck auf Facebook ausge\u00fcbt, damit es pal\u00e4stinensische Journalisten zensiert und jedwede kritische Berichterstattung \u00fcber Israel unterbindet.<\/p>\n<p>Letzte Woche schloss Facebook beflissen die gro\u00dfe Nachrichtenseite der pal\u00e4stinensische Presseagentur Safa, die 1,3 Millionen Follower hat, auch ihr Instagram-Account wurde geschlossen. Facebook verteidigte ihr Vorgehen mit der Begr\u00fcndung, dass es ein Schritt gegen \u201ehate speech\u201c und \u201eAufwiegelung\u201c sei.<\/p>\n<p><em>Ha\u2019aretz<\/em>\u00a0zufolge, hat Facebook seit Anfang des Jahres ungef\u00e4hr 500 Seiten von pal\u00e4stinensischen Aktivisten und Journalisten geschlossen. Die Zeitung betont, dass Safa der Hamas angeschlossen sei und als Gegengewicht zur offiziellen pal\u00e4stinensischen Nachrichtenagentur Wafa gelte, die von der pal\u00e4stinensischen Autonomiebeh\u00f6rde und ihrer Fatah-Fraktion von Mahmoud Abbas kontrolliert wird.<\/p>\n<p>Die Facebook Blockade folgt auf den Live Streaming-Bericht \u00fcber ein pal\u00e4stinensisches M\u00e4dchen, Ahed Tamimi, die einem schwerbewaffneten israelischen Soldaten eine Ohrfeige verpasst hatte. Sie wurde daf\u00fcr festgenommen und zu acht Monaten Gef\u00e4ngnis verurteilt. Auch ihre Mutter, die den Vorfall gefilmt hatte, wurde verhaftet. Das M\u00e4dchen ist seither zu einem internationalen Attraktionspunkt f\u00fcr Pal\u00e4stinenser in aller Welt geworden.<\/p>\n<p>Das israelische Au\u00dfenministerium instruierte seine Botschaften und erkl\u00e4rte schon vor den Ereignissen, dass \u201eHamas und die anderen Pal\u00e4stinenserorganisationen f\u00fcr alle Zusammenst\u00f6\u00dfe verantwortlich\u201c seien.<\/p>\n<p>Nur Stunden vor Beginn der Demonstrationen t\u00f6tete ein israelischer Panzer einen Bauern aus Gaza, der auf dem Feld arbeitet, und verwundete einen anderen in einem Dorf im S\u00fcden des Gazastreifens.<\/p>\n<p>Der Gro\u00dfe Marsch der R\u00fcckkehr findet inmitten zunehmender Spannungen statt. Die Wirtschaft des Gazas ist l\u00e4ngst ausgeblutet und befindet im Zusammenbruch. Die Blockade und die m\u00f6rderischen Angriffe auf den Gazastreifen haben den gr\u00f6\u00dften Teil seiner Infrastruktur zerst\u00f6rt. So sind in den Angriffen von 2008\u20132009, 2012 und 2014 jeweils 1.417, 147 und 2.250 Pal\u00e4stinenser get\u00f6tet und zehntausende Wohnungen zerst\u00f6rt worden.<\/p>\n<p>Stromsperren f\u00fchrten zu Wasserknappheit, und Abwasser blieb ungekl\u00e4rt, nachdem die auf der Westbank herrschende Pal\u00e4stinensische Autonomiebeh\u00f6rde Israel kein Geld mehr f\u00fcr Treibstoff f\u00fcr das Kraftwerk von Gaza \u00fcberwies. Die L\u00f6hne f\u00fcr tausende Besch\u00e4ftigte des \u00f6ffentlichen Dienstes wurden gestrichen oder gek\u00fcrzt. Diese Ma\u00dfnahmen zwangen die Hamas zwar, \u201eVers\u00f6hnungsgespr\u00e4che\u201c mit der Fatah aufzunehmen. Die Gespr\u00e4che scheiterten aber und brachten keine materiellen Erleichterungen.<\/p>\n<p>Im Oktober gab das World Food Programm wegen knapper Haushaltsmittel eine K\u00fcrzung seiner Lebensmittellieferungen nach Gaza bekannt. Anfang diesen Jahres hielt die Trump-Regierung Geld f\u00fcr Lebensmittelhilfen und f\u00fcr die United Nations Relief and Work Agency (UNRWA), zur\u00fcck, die 1,2 Millionen Menschen in Gaza unterst\u00fctzt. Dadurch wurde die letzte Versorgungsleitung nach Gaza unterbrochen.<\/p>\n<p>Seit Monaten gibt es fast w\u00f6chentlich Demonstrationen gegen die Blockade und die humanit\u00e4re Krise. Im Dezember erreichten die Spannungen einen neuen H\u00f6hepunkt, als US-Pr\u00e4sident Donald Trump Jerusalem als Israels Hauptstadt anerkannte. Anfang dieses Jahres traten die H\u00e4ndler im Gaza aus Protest gegen die sich verschlechternde Situation in den Streik.<\/p>\n<p>UN-Generalsekret\u00e4r Antonio Guterres beschrieb den Gaza als eine einzige \u201est\u00e4ndige humanit\u00e4re Katastrophe\u201c. Vergangenes Jahr hie\u00df es in einem UN-Bericht, dass die Lebensbedingungen der beinahe zwei Millionen Einwohner des Gazastreifens sich st\u00e4ndig verschlechterten, und zwar schneller, als dies noch 2012 erwartet worden war. In dem damaligen Bericht hatte es gehei\u00dfen, dass es bis 2020 nicht mehr m\u00f6glich sein werde, dort zu leben.<\/p>\n<p>Die imperialistischen M\u00e4chte, die sonst so leichth\u00e4ndig mit den \u201eMenschenrechten\u201c argumentieren, wenn es darum geht, Kriege zu rechtfertigen, die sie f\u00fcr geostrategische Interesse f\u00fchren, schweigen sich aus und nehmen ihren regionalen Polizisten in Schutz.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2018\/04\/02\/isra-a02.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 2. April 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jean Shaoul. Israelische Soldaten haben am 30. M\u00e4rz mindestens 17 Pal\u00e4stinenser get\u00f6tet und \u00fcber 1.400 weitere verwundet. 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