{"id":3373,"date":"2018-04-04T18:07:24","date_gmt":"2018-04-04T16:07:24","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3373"},"modified":"2018-04-04T18:07:24","modified_gmt":"2018-04-04T16:07:24","slug":"der-franzoesische-eisenbahnerstreik-beginnt-stark","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3373","title":{"rendered":"Der franz\u00f6sische Eisenbahnerstreik beginnt stark"},"content":{"rendered":"<p><em>Bernard Schmid.<\/em> <strong>Auch die M\u00fcllversorgung f\u00e4ngt an zu streiken, Air France bereitet sich auf einen neuen Streik am 10. und 11. April vor. Eine Studierendenbewegung<!--more--> scheint in die G\u00e4nge zu kommen.<\/strong><\/p>\n<p>Am Dienstag, den 03. April 18 begann der Streik der franz\u00f6sischen Eisenbahner\/innen mit einem au\u00dferordentlich starken Auftakt. Laut offiziellen Angaben (wie sie durch die Direktion bekannt gegeben wurden) traten 48 Prozent des Gesamtpersonals der Bahngesellschaft SNCF, jedoch 77 Prozent der Lokomotivf\u00fchrer\/innen in den Streik. (Vgl. bspw.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.challenges.fr\/entreprise\/transports\/48-de-grevistes-a-la-sncf-mardi-77-chez-les-conducteurs_577890\">challenges.fr&#8230;<\/a>) Nur circa 12 Prozent der Hochgeschwindigkeitsz\u00fcge (TGV) und 28 Prozent der Regionalz\u00fcge TER konnten verkehren. (Vgl.\u00a0<a href=\"http:\/\/www.bfmtv.com\/societe\/greve-sncf-trafic-tres-perturbe-des-mardi-avec-seulement-12percent-de-tgv-maintenus-1409859.html\">bfmtv.com&#8230;<\/a>) Im Raum Paris bildeten sich am Dienstag fr\u00fch rund 400 Kilometer Stau (vgl.\u00a0<a href=\"http:\/\/www.leparisien.fr\/info-paris-ile-de-france-oise\/transports\/greves-jusqu-a-400-km-de-bouchons-ce-matin-en-ile-de-france-03-04-2018-7643259.php\">leparisien.fr&#8230;<\/a>) \u2013 dies mag vielleicht eine \u00f6kologische Kehrseite darstellen, doch in Wirklichkeit wird nat\u00fcrlich umgekehrt ein Schuh draus: Nur wenn es gelingt, den \u00f6ffentlichen Dienst des Schienenverkehrs in dieser Auseinandersetzung zu verteidigen (oder perspektivisch zu verbessern), wird es auch m\u00f6glich werden, den motorisierten Individualverkehr richtigerweise einzud\u00e4mmen.<\/p>\n<p>Die Direktion der Bahngesellschaft setzt als Abwehrstrategien gegen den Streik darauf, eine Streikbruchpr\u00e4mie in H\u00f6he v. 150 Euro daf\u00fcr zu zahlen, dass Bedienstete \u2013 i.d.R. F\u00fchrungskr\u00e4fte, die ansonsten ihre Arbeitszeit im B\u00fcro und nicht hinter dem Steuer verbringen \u2013 ausnahmsweise als Zugfahrer\/innen einspringen. (Vgl.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.francetvinfo.fr\/economie\/transports\/sncf\/info-franceinfo-la-sncf-verse-une-prime-a-des-cadres-pour-les-inciter-a-conduire-des-trains-les-syndicats-denoncent-une-manoeuvre_2684600.html\">francetvinfo.fr&#8230;<\/a>\u00a0und\u00a0<a href=\"http:\/\/www.europe1.fr\/societe\/greve-a-la-sncf-une-prime-pour-inciter-des-cadres-a-conduire-des-trains-3614903\">europe1.fr&#8230;<\/a>) Nun k\u00f6nnen wir nur hoffen, dass dies zu keinen Unf\u00e4llen beitragen wird\u2026 Dem Vernehmen nach sollen ferner Streikbrecher aus dem Vereinigten K\u00f6nigreich \u2013 britisches Bahnpersonal \u2013 her\u00fcbergeholt werden; vgl.\u00a0<a href=\"http:\/\/www.lefigaro.fr\/flash-eco\/2018\/04\/02\/97002-20180402FILWWW00158-sncf-la-cgt-accuse-la-direction-de-vouloir-pousser-a-la-faute.php\">lefigaro.fr&#8230;<\/a><\/p>\n<p>Auf einer der Pariser Vorstadtlinien (ungef\u00e4hr mit deutschen S-Bahnen vergleichbar), dem\u00a0<em>RER D<\/em>, ist demzufolge sogar an zwangsweise Dienstverpflichtungen gedacht, was im Prinzip nur in dezidierten Notsituationen\/Notstandsf\u00e4llen rechtlich zul\u00e4ssig ist (vgl. dieselbe AFP-Meldung wie zuvor zitiert).<\/p>\n<p>Auch die M\u00fcllentsorgung streikte am Dienstag besonders im Raum Paris, in Nord- und Westfrankreich (vgl.\u00a0<a href=\"http:\/\/www.lefigaro.fr\/flash-eco\/2018\/04\/03\/97002-20180403FILWWW00056-gestion-des-dechets-debut-d-une-greve-de-la-cgt.php\">lefigaro.fr&#8230;<\/a>). Dort wird unter anderem die Umwandlung der Abfallentsorgung in einen landesweiten \u00f6ffentlichen Dienst gefordert. Bei der Luftfahrtgesellschaft Air France, wo Lohnverhandlungen bislang scheiterten, rufen mehrere Gewerkschaften nun f\u00fcr den 10. und 11. April zu einem erneuten Arbeitskampf (nach den Streiktagen im M\u00e4rz dieses Jahres) auf. Und, vgl. unten, eine Studierendenbewegung scheint ganz allm\u00e4hlich in die G\u00e4nge zu kommen.<\/p>\n<p><strong>Kampf um die Bahn; erster kleiner Teilr\u00fcckzieher der Regierung<\/strong><\/p>\n<p>In Frankreich geht es derzeit f\u00fcr die Eisenbahner\/innen um viel. Eine im Januar d.J. angek\u00fcndigte, am 20. Februar 18 im Kabinett beschlossene so genannte Reform soll die bisherige \u00f6ffentlich-rechtliche Bahngesellschaft SNCF in eine Aktiengesellschaft umwandeln. Das Personalstatut der Eisenbahner\/innen, das bislang Laufbahn- und Gehaltsgarantien enth\u00e4lt, soll jedenfalls f\u00fcr alle neueingestellten Besch\u00e4ftigten durch privatrechtliche Arbeitsvertr\u00e4ge mit mehr oder minder frei verhandelbarem Inhalt ersetzt werden. Daneben planen die Regierung sowie die SNCF-Direktion, 9.000 Streckenkilometer Bahn als \u201ewirtschaftlich unrentabel\u201c wegzusparen. (Auch wenn die Regierung es derzeit offiziell dementiert, und die Verantwortung daf\u00fcr aller Voraussicht nach an die franz\u00f6sischen Regionen weiterreichen wird, so ist der Fall inhaltlich dennoch sonnenklar. Vgl. dazu bspw.\u00a0<a href=\"http:\/\/www.lavoixdunord.fr\/337126\/article\/2018-03-16\/petites-lignes-sncf-et-ouverture-la-concurrence-quoi-s-attendre#utm_source=push-web&amp;utm_medium=redaction&amp;utm_campaign=push-web-une\">lavoixdunord.fr&#8230;<\/a>)<\/p>\n<p>Der damalige Premierminister Alain Jupp\u00e9 scheiterte mit vergleichbaren Vorhaben im Herbst 1995 an einer Streikfront, er wollte damals 11.000 Kilometer Schienen wegsparen. In beiden F\u00e4llen w\u00fcrden dabei halbe Regionen vollst\u00e4ndig vom Bahnnetz abgeschnitten. Offiziell dementiert die Regierung derzeit, dass auch dieses Vorhaben \u2013 das im Januar 18 explizit angek\u00fcndigt worden war \u2013 Teil der jetzigen Reform sei, denn um diese nicht scheitern zu lassen, sollen die Pl\u00e4ne st\u00fcckweise umgesetzt zu werden.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie bei der zweiten Stufe der Arbeitsrechtsreform im Herbst 2017 sollte zun\u00e4chst auch dieses Mal\u00a0 mit <em>ordonnances<\/em>, also Regierungsvorhaben mit Gesetzeskraft, statt auf gesetzgeberischem Wege operiert werden. Also erneut ohne Aussprache im Parlament. Die franz\u00f6sische Verfassung erlaubt ein solches Eilverfahren bei dringenden und nicht aufschiebbaren Beschl\u00fcssen, doch auch viele b\u00fcrgerliche Demokraten sind der Auffassung, ihre Verwendung bei l\u00e4ngerfristig geplanten, wirtschafts- und sozialpolitischen Reformen diene allein der Knebelung der Opposition. Inzwischen hat die Regierung bei dieser Verfahrensfrage jedenfalls einen Teilr\u00fcckzieher \u00fcbernommen: Jedenfalls das Thema\u00a0<em>\u201e\u00d6ffnung des Schienenverkehrs f\u00fcr private Konkurrenz\u201c<\/em>\u00a0soll nun doch nicht auf dem\u00a0<em>ordonnance-<\/em>Weg geregelt werden. (Vgl.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.huffingtonpost.fr\/2018\/03\/31\/avant-la-greve-a-la-sncf-le-gouvernement-renonce-aux-ordonnances-pour-louverture-a-la-concurrence_a_23399779\/\">huffingtonpost.fr&#8230;<\/a>)<\/p>\n<p>Und wie steht die \u00f6ffentliche Meinung dazu? Bislang zeigt sie sich durchwachsen. Und es kommt auch jeweils darauf an, wie die konkrete Fragestellung lautet, welche an die \u00d6ffentlichkeit gerichtet wird. Ende Februar dieses Jahres \u2013 kurz nach Bekanntgabe der Regierungspl\u00e4ne am 20. Februar 18 \u2013 antworteten etwa 69 Prozent bei einer Umfrage \/\/ vgl. AFP-Meldung zu selbiger:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.lefigaro.fr\/flash-eco\/2018\/02\/27\/97002-20180227FILWWW00016-sncf-69-des-francais-pour-la-fin-du-statut-de-cheminot-sondage.php\">lefigaro.fr&#8230;<\/a>\/\/ mit \u201eJa\u201c auf die Frage, ob die Regierung (wie geplant) den \u201eEisenbahnerstatus\u201c abschaffen und durch privatrechtliche Arbeitsvertr\u00e4ge ersetzen solle. An dieser Stelle schl\u00e4gt der \u00f6ffentliche Neiddiskurs in vielen Medien, der die Laufbahn- und Mindestgehalts-Garantien im Bahndienst (wo die Geh\u00e4lter keineswegs, keineswegs \u00fcppig ausfallen!) als unverdiente \u201ePrivilegien\u201c darstellt, voll durch. H\u00e4tte das Umfrageinstitut nachgefragt, ob die Menschen f\u00fcr die Stilllegung von 9.000 Kilometern Schienenstrecken sind, w\u00e4re das Ergebnis noch erheblich klarer mit \u201eNein\u201c ausgefallen.. Gleichzeitig, in derselben Umfrage, erntete die Unterst\u00fctzung f\u00fcr die sich damals anbahnende Streikbewegung (mit 43 Prozent\u00a0<em>\u201edaf\u00fcr\u201c<\/em>, 38 Prozent\u00a0<em>\u201edagegen\u201c\u00a0<\/em>und 19 Prozent unentschiedenen Befragten) jedoch eine relative Mehrheit; vgl. ebenfalls unter\u00a0<a href=\"http:\/\/www.lefigaro.fr\/flash-eco\/2018\/02\/27\/97002-20180227FILWWW00016-sncf-69-des-francais-pour-la-fin-du-statut-de-cheminot-sondage.php\">lefigaro.fr&#8230;<\/a><\/p>\n<p>Derzeit scheint die Unterst\u00fctzung leicht anzuwachsen. In einer Befragung am 30.\/31. M\u00e4rz d.J. erkl\u00e4rten, dem demoskopischen Institut\u00a0<em>Ifop\u00a0<\/em>zufolge, 46 Prozent der Umfrageteilnehmer\/innen die sich abzeichnenden Streiks bei der Bahngesellschaft SNCF f\u00fcr\u00a0<em>\u201eberechtigt\u201c.<\/em>\u00a0Demnach waren es bei vergleichbaren Umfragen zuvor 42 Prozent (am 14.\/15. M\u00e4rz) und dann 44 Prozent (am 20.\/21. M\u00e4rz) gewesen; vgl.\u00a0<a href=\"http:\/\/www.lefigaro.fr\/flash-eco\/2018\/04\/01\/97002-20180401FILWWW00017-greve-sncf-46-de-francais-qui-trouvent-le-mouvement-justifie.php\">lefigaro.fr&#8230;<\/a><\/p>\n<p>Sicherlich f\u00e4llt die Unterst\u00fctzung derzeit nicht derart durchschlagend aus wie im ber\u00fchmten Streikherbst vom November und Dezember 1995 (damals \u00e4u\u00dferten jeweils stabile Mehrheiten zwischen 60 und 70 Prozent, den ganzen \u00fcber dreiw\u00f6chigen Arbeitskampf hindurch, permanent ihre Unterst\u00fctzung in Umfragen). Die \u00f6ffentliche Meinung zeigt sich gespalten und beeinflussbar. Die Frage wird nur sein, in welche Richtung der Zeiger in K\u00fcrze ausschlagen wird. Dies wird sicherlich auch von der Durchschaubarkeit der Streik-Strategie und den erkennbaren Chancen, gegen die Regierung zu gewinnen, abh\u00e4ngen. Denn merke, die Faustregel lautet: Je unverst\u00e4ndlicher eine Kampfstrategie wirkt, je geringer die Durchsetzungschancen gegen eine (durchaus viele soziale Frustrationen in unterschiedlichen Bereichen verk\u00f6rpernde) Regierung erscheinen, desto schneller droht eine Bewegung unpopul\u00e4r zu werden\u2026<\/p>\n<p>Im Sp\u00e4therbst 1995 blieb die Streikbewegung ohne Unterbrechung popul\u00e4r, obwohl diese damals f\u00fcr das Publikum doch mit relativ starken Beeintr\u00e4chtigungen verbunden war \u2013 \u00fcber drei Wochen lang verkehrte etwa im Raum Paris buchst\u00e4blich kein Zug und kein Bus, fast keine Briefe wurden verteilt. Doch die Bewegung zeigte sich in den Augen der \u00d6ffentlichkeit in der Lage, eine auf manifeste Weise zum brachialen Durchregieren entschlossene, konservativ-wirtschaftsliberale Regierung mehr und mehr in die Enge zu treiben, und zog dadurch Sympathien auf sich. Die Herzen flogen ihr vielleicht nicht daf\u00fcr entgegen, dass keine \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel fuhren, doch die Menschen ertrugen es mit manifester Leichtmut und erwiesen sich zugleich kreativ: In jenen Tagen kamen Skateboard-Fahren (auf dem t\u00e4glichen Weg zur Arbeit), Tretroller,\u00a0<em>Car-sharing r<\/em>espektive Mitfahrdienste unter Nachbar\/inne\/n und andere Fortbewegungsmethoden in Mode.<\/p>\n<p>Es bleibt nur zu hoffen, dass die derzeitige Streikbewegung ebenfalls in der Lage sein wird, in die Gesellschaft hinein auszustrahlen.<\/p>\n<p><strong>Studierendenprotest<\/strong><\/p>\n<p>Neben den \u00fcbrigen \u00f6ffentlichen Diensten, die sich unter anderem gegen die Einf\u00fchrung eines \u201eKarenztags\u201c \u2013 unbezahlten Krankheitstags \u2013 und gegen Personalm\u00e4ngel in Krankenh\u00e4usern und Pflege sowie den geplanten Abbau von 120.000 Arbeitsstellen wehren, geraten derzeit auch Teile der Studierendenschaft in Bewegung. Dort geht es um die Neueinf\u00fchrung von Aufnahmeh\u00fcrden f\u00fcr Universit\u00e4ten, die bislang mit dem Abitur jedenfalls im ersten Studienjahr f\u00fcr Alle zug\u00e4nglich waren. Ein Gesetzentwurf im Sp\u00e4therbst 1986, welcher dem ein Ende setzen wollte, die\u00a0<em>Loi Devaquet<\/em>\u00a0\u2013 der gleichnamige Minister verstarb k\u00fcrzlich \/\/ vgl.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.francetvinfo.fr\/politique\/l-ancien-ministre-alain-devaquet-pere-d-une-reforme-de-luniversite-abandonnee-apres-une-forte-contestation-en-1986-est-mort_2572911.html\">francetvinfo.fr&#8230;<\/a>\/\/ \u2013 musste im Dezember jenes Jahres infolge aufflammender Proteste und nach dem spektakul\u00e4ren Tod des Demonstranten Malik Oussekine ersatzlos zur\u00fcckgenommen werden.<\/p>\n<p>Dies \u00e4ndert sich nun durch die Einf\u00fchrung des neuen Einschreibportals \u201eParcourssup\u201d und den Gesetzentwurf unter dem Titel<em>\u00a0ORE\u00a0<\/em>\/\/ vgl.\u00a0<a href=\"http:\/\/www.assemblee-nationale.fr\/15\/projets\/pl0391.asp\">assemblee-nationale.fr&#8230;<\/a>\/\/, wobei \u2013 je nach Studiengang \u2013 neben dem Abitur zus\u00e4tzliche Anforderungen eingef\u00fchrt werden. Auf nationaler Ebene, wo es erstmals im Januar dieses Jahres Demonstrationen dazu gab, die jedoch zun\u00e4chst relativ schwach besucht waren (knapp 2.000 Teilnehmer\/innen in Paris), kommt eine Bewegung dazu bislang nur schleppend in Gang. Bei der gemeinsamen Demo von Eisenbahner\/inne\/n und \u00f6ffentlichen Diensten am vorigen Donnerstag, den 22. M\u00e4rz 18 war jedoch die studentische Komponente etwa in Paris deutlich sichtbar vertreten.<\/p>\n<p>\u00d6rtlich hat die Streikbewegung der Studierenden jedoch begonnen, Fu\u00df zu fassen. In Reaktion darauf kam es mehrfach dazu, dass neofaschistische Aktivistengr\u00fcppchen \u2013 wie insbesondere der GUD (<em>Groupe Union D\u00e9fense<\/em>) und Untergruppen der \u201eidentit\u00e4ren Bewegung\u201c \u2013 Teilnehmer\/innen des Studierendenprotests k\u00f6rperlich attackieren. Solche, im Wortsinne faschistischen Gewalttaten ereigneten sich in Montpellier am 22. M\u00e4rz<em>\u00a0(wir berichteten ausf\u00fchrlich bei Labournet)<\/em>, im nordfranz\u00f6sischen Lille am 26. M\u00e4rz sowie im ostfranz\u00f6sischen Strasbourg am 28. M\u00e4rz dieses Jahres. In Montpellier wurden deswegen (also wg. aktiver Teilnahme an einem solchen Angriff) mittlerweile immerhin ein Dekan der juristischen Fakult\u00e4t \u2013 er musste deswegen von diesem Amt zur\u00fccktreten \u2013 sowie ein Hochschullehrer in Polizeigewahrsam genommen, unter Anklage gestellt sowie vom Dienst suspendiert\u2026 (Vgl. u.a, unter vielen Artikeln, zusammenfassend:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.lejdd.fr\/societe\/education\/violences-a-la-fac-de-montpellier-la-chute-du-doyen-petel-3614819\">lejdd.fr&#8230;<\/a>)<\/p>\n<p>Eine frankreichweite Studierendenmobilisierung soll nun genau deswegen, in Antwort darauf, mit einer Zentraldemonstration am 14. April in Montpellier stattfinden. (Vgl.\u00a0<a href=\"http:\/\/www.lefigaro.fr\/flash-actu\/2018\/04\/01\/97001-20180401FILWWW00182-montpellier-manifestation-nationale-des-etudiants-le-14-avril.php\">lefigaro.fr&#8230;<\/a>) Dazu ruft eine mittlerweile gegr\u00fcndete, frankreichweite studentische Koordination auf.<\/p>\n<p><strong>Sektoren\u00fcbergreifende Sozialprotestdemo(s)?<\/strong><\/p>\n<p>Ferner plant die CGT zu einer gemeinsamen Demonstration aller laufenden sozialen Protestbewegungen am 19. April d.J. aufzurufen. Am Montag, den 26. M\u00e4rz erkl\u00e4rte jedoch\u00a0<em>Force Ouvri\u00e8re<\/em>\u00a0(FO) \u2013 der drittst\u00e4rkte, politisch schillernde gewerkschaftliche Dachverband in Frankreich, der seit 1995 an der Mehrzahl der Streikbewegungen teilnahm, jedoch aufgrund wechselnder Interessenlagen seines Apparats oft unberechenbar auftritt -, es sei nicht einzusehen, warum man daran teilnehmen soll. Auch die CFDT als st\u00e4rkster oder zweitst\u00e4rkster Dachverband \u2013 ungef\u00e4hr gleichauf mit der CGT \u2013 sieht\u00a0<em>\u201ekeinerlei Grund\u201c<\/em>, daran teilzunehmen.<\/p>\n<p>Neben den eher regierungsfreundlichen Positionen dieser beiden Dachverb\u00e4nde bzw. ihrer Spitzen in den jetzigen Auseinandersetzungen (sowie, was FO betrifft, ihrem kurz bevorstehenden Kongress) kommt hinzu, dass die Leitung der CGT bei der Ank\u00fcndigung des Mobilisierungstermins offensichtlich auf B\u00fcndnisgespr\u00e4che keinerlei R\u00fccksicht genommen hat \u2013 und dadurch selbst den grunds\u00e4tzlich teilnahmewilligen, linken Gewerkschaftszusammenschluss\u00a0<em>Solidaires\u00a0<\/em>vor den Kopf stie\u00df. Allem Anschein nach handelt die CGT-F\u00fchrung derzeit eher, um interne Gleichgewichte auszutarieren, als um handlungsf\u00e4hige B\u00fcndnisse nach au\u00dfen hin zu bilden. (Vgl. in der b\u00fcrgerlichen Presse dazu auch, allerdings in der ohnehin CGT-feindlichen und eher CFDT-freundlich gesonnenen, keinesfalls neutralen Pariser Abendzeitung<em>\u00a0Le Monde<\/em>:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.lemonde.fr\/politique\/article\/2018\/03\/26\/fo-ne-veut-pas-participer-a-la-mobilisation-du-19-avril-a-laquelle-appelle-la-cgt_5276457_823448.html\">lemonde.fr&#8230;<\/a><em>)<\/em><\/p>\n<p>Die gewerkschaftliche Spaltung vertieft sich derzeit gegen\u00fcber den Vorjahren tendenziell. Zwar k\u00f6nnte es zu einigen n\u00f6tigen inhaltlichen Kl\u00e4rungen in der Gewerkschaftslandschaft sein, gleichzeitig ist dieser Zustand dennoch ein Hemmfaktor f\u00fcr die Ausweitung der Mobilisierung.<\/p>\n<p>Hinzu kommt nun noch der Linkssozialdemokrat und Linksnationalist Jean-Luc M\u00e9lenchon: Letzter insistiert darauf, nun in naher Zukunft f\u00fcr einen Samstag zum Sozialprotesttag aufzurufen \u2013 mit dem Argument, die Gewerkschaften wie die CGT vertr\u00e4ten jeweils Besch\u00e4ftigtenkategorien, an die sich ihre Streikaufrufe richteten. Er (M\u00e9lenchon) und die Seinen vertr\u00e4ten jedoch\u00a0<em>\u201edas Volk\u201c<\/em>, das eine \u00fcbergreifendere Kategorie darstelle und deswegen auch nicht lohnabh\u00e4ngig arbeitende Sektoren umfasse, so dass es eher an einem Wochenende zu mobilisieren sei. (Vgl. dazu M\u00e9lenchon glasklar in dieser Ausgabe seines w\u00f6chentlichen Videos, ab circa 9 Minuten und 35 Sekunden:\u00a0<a href=\"https:\/\/melenchon.fr\/2018\/03\/28\/rdls59-arnaud-beltrame-social-extreme-droite-oiseaux-eau\/\">melenchon.fr&#8230;<\/a>)<\/p>\n<p>Rund um den ersten gewerkschaftlichen Aktionstag vom 22. M\u00e4rz d.J (\u00f6ffentliche Dienste und Eisenbahn, plus die sich dranh\u00e4ngende Studierendenbewegung) hatte es bereits einen Aufruf der politischen Linkskr\u00e4fte zur Aktionseinheit in der Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Sozialprotest gegeben. Urspr\u00fcnglich hatte dazu Olivier Besancenot von der \u201eNeuen Antikapitalistischen Partei\u201c (NPA), Mitglied der Postgewerkschaft SUD-PTT, Anfang M\u00e4rz 18 aufgerufen. (Vgl.\u00a0<a href=\"http:\/\/www.bfmtv.com\/politique\/reforme-de-la-sncf-besancenot-appelle-a-un-front-commun-de-hamon-a-melenchon-1391962.html\">bfmtv.com&#8230;<\/a><em>\u00a0<\/em>und\u00a0<a href=\"http:\/\/www.liberation.fr\/france\/2018\/03\/09\/mobilisation-du-22-mars-besancenot-appelle-a-un-front-commun-avec-melenchon-et-hamon_1634918\">liberation.fr&#8230;<\/a>) Schlussendlich kam dabei ein beinahe erstaunlicher Bogen der unterst\u00fctzenden Kr\u00e4fte \u2013 von Beno\u00eet Hamon, im Fr\u00fchjahr 2017 (gescheiterter) Pr\u00e4sidentschaftskandidat der Regierungssozialdemokratie und Mitglied ihres linken Fl\u00fcgels und inzwischen Chef einer eigenen Kleinpartei unter dem Namen\u00a0<em>G\u00e9n\u00e9ration.s<\/em>, bis zu Teilen der antikapitalischen radikalen Linken \u2013 zustande. (Vgl.\u00a0<a href=\"http:\/\/www.europe1.fr\/politique\/mobilisation-du-22-mars-a-gauche-une-union-de-circonstance-3605717\">europe1.fr&#8230;<\/a>)<\/p>\n<p>Doch Jean-Luc M\u00e9lenchon, in dessen Augen seine eigene Partei\/<em>Wahlplattform La France insoumise<\/em>\u00a0(\u201eDas unbeugsame Frankreich\u201c) im Zentrum zu stehen hat und \u201edas rebellische Volk\u201c als solches verk\u00f6rpert, mochte von dieser Aktionseinheit noch nie viel wissen, obwohl er sich ihr im Vorfeld des 22. M\u00e4rz noch unterordnen musste. (Vgl.\u00a0<a href=\"http:\/\/www.lemonde.fr\/politique\/article\/2018\/03\/20\/manifestation-du-22-mars-melenchon-soumis-a-l-unite-des-gauches_5273524_823448.html\">lemonde.fr&#8230;<\/a>\u00a0und\u00a0<a href=\"https:\/\/www.challenges.fr\/politique\/melenchon-hamon-unite-de-facade-a-gauche-pour-la-manifestation-du-22-mars_575467\">challenges.fr&#8230;<\/a>\u00a0sowie\u00a0<a href=\"https:\/\/www.marianne.net\/politique\/qui-signe-la-france-insoumise-benoit-hamon-s-echarpent-sur-appel-unitaire-22-mars\">marianne.net&#8230;<\/a>) In seinem oben zitierten Interview tut der linksautorit\u00e4re Ex-Pr\u00e4sidentschaftskandidat (2012, 2017) diese bisherige Aktionseinheit zur Unterst\u00fctzung der Sozialproteste als bedeutungslose Allianz von\u00a0<em>\u201edrei Gr\u00fcppchen\u201c\u00a0<\/em>ab: Auf die Bewegung \u201edes Volkes\u201c komme es an; und diese(s) verk\u00f6rpert nun mal er.<\/p>\n<p>Auch auf politischer Ebene d\u00fcrfte es also in naher Zukunft noch so manchen Hader rund um die Sozialproteste und ihre tats\u00e4chliche und\/oder vermeintliche Unterst\u00fctzung geben\u2026<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/www.labournet.de\/internationales\/frankreich\/arbeitskaempfe-frankreich\/frankreich-eisenbahnerstreik-beginnt-stark-auch-die-muellversorgung-faengt-zu-streiken-air-france-bereitet-sich-auf-einen-neuen-streik-10-und-11-april-vor-eine-studierendenbewegung-scheint\/\"><em>labournet.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 4. April 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bernard Schmid. Auch die M\u00fcllversorgung f\u00e4ngt an zu streiken, Air France bereitet sich auf einen neuen Streik am 10. und 11. April vor. Eine Studierendenbewegung<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,5],"tags":[25,61,26,56,45,17],"class_list":["post-3373","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-international","category-kampagnen","tag-arbeiterbewegung","tag-frankreich","tag-gewerkschaften","tag-grossbritannien","tag-neoliberalismus","tag-widerstand"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3373","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3373"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3373\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3374,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3373\/revisions\/3374"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3373"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3373"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3373"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}