{"id":3375,"date":"2018-04-05T08:10:19","date_gmt":"2018-04-05T06:10:19","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3375"},"modified":"2018-04-05T08:10:19","modified_gmt":"2018-04-05T06:10:19","slug":"handelskriege-sind-gut-zur-gefahr-eines-globalen-handelskrieges","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3375","title":{"rendered":"\u201eHandelskriege sind gut\u201c \u2013 Zur Gefahr eines globalen Handelskrieges"},"content":{"rendered":"<p><em>Markus Lehner. <\/em>Donald Trump mag in vielem wie ein Clown wirken. Diesmal k\u00f6nnten die von ihm unterzeichneten Dekrete zur Verh\u00e4ngung von Einfuhrz\u00f6llen auf Stahl und Aluminium und f\u00fcr Strafz\u00f6lle<!--more--> gegen China historische Bedeutung annehmen.<\/p>\n<p><strong>Erste Runde der Tweets<\/strong><\/p>\n<p>Unmittelbar benutzt der US-Pr\u00e4sident ein Schlupfloch in der US-Handelspolitik, das ihm bei \u201eBedrohung der nationalen Sicherheit\u201c erlaubt, am Kongress vorbei \u201eSchutzz\u00f6lle\u201c zu dekretieren. Allerdings sind die 25 % Einfuhrz\u00f6lle auf Stahl und 10 % auf Aluminium nach den Regularien der Welthandelsorganisation WTO eher als Strafz\u00f6lle zu verstehen.<\/p>\n<p>Insofern machte der US-Pr\u00e4sident damit unmissverst\u00e4ndlich klar, dass ihm die internationalen Handelsabkommen und ein eventuelles Strafverfahren bei der WTO im Zweifelsfall egal sind. Als die EU-Kommission darauf in vorhersehbarer Weise entlang eben dieser WTO-Regularien mit wertgleichen Gegenma\u00dfnahmen drohte (25\u00a0% Z\u00f6lle auf Whisky, Erdnussbutter, Jeans etc. im Einfuhrwert von 2,8 Milliarden Euro), reagierte Trump mit der Drohung, dann auch Einfuhrz\u00f6lle auf Autos in ebensolcher Weise zu erh\u00f6hen. Mit Verweis auf das 800 Milliarden Handelsbilanzdefizit der USA erkl\u00e4rte Trump \u00fcber Twitter, dass unter solchen Voraussetzungen \u201eHandelskriege gut und leicht zu gewinnen\u201c seien.<\/p>\n<p><strong>Aufregung der Weltpresse<\/strong><\/p>\n<p>Am deutlichsten und dramatischsten reagierte der Londoner \u201eEconomist\u201c, seit seiner Gr\u00fcndung 1843 ein \u201eZentralorgan\u201c des Freihandels. Auf der Titelseite des Journals wurde Trump als Handgranate dargestellt, mit der \u00dcberschrift \u201eGefahr f\u00fcr den Welthandel\u201c. Das Blatt titelte am 8. M\u00e4rz \u201eThe rule based system is in danger\u201c (Das auf dem Recht basierende System ist in Gefahr), zog Parallelen zu den 1930er-Jahren, als die USA unter Pr\u00e4sident Hoover in den Protektionismus (Smoot-Hawley Tariff Act) verfielen und dabei die Weltwirtschaftskrise erst recht zu einer globale Depression versch\u00e4rften.<\/p>\n<p>Nach Ansicht nicht nur des Economist w\u00fcrden die Z\u00f6lle zwar kurzfristig die US-Stahlindustrie st\u00fctzen, daf\u00fcr aber die Vorprodukte der Stahl verarbeitenden Unternehmen, die zu den weitaus produktiveren Bereichen der US-\u00d6konomie z\u00e4hlen, verteuern. Dies war auch die Erfahrung mit dem letzten Versuch unter Pr\u00e4sident Bush, Z\u00f6lle um 2005 f\u00fcr den Stahlbereich einzuf\u00fchren. Letztlich war damals der Druck der anderen Industrien gr\u00f6\u00dfer und f\u00fchrte zur Wiederabschaffung. Auch diesmal haben die gro\u00dfen Wirtschaftsverb\u00e4nde, allen voran die m\u00e4chtige US Chamber of Commerce gegen eine Ausdehnung der Zollpolitik durch den Pr\u00e4sidenten Stellung bezogen (Protesterkl\u00e4rung vom 18.3.). Ihr folgte auch ein gro\u00dfer Teil der Abgeordneten, selbst der Republikanischen Partei. Der R\u00fccktritt des Chef-Wirtschaftsberaters des Wei\u00dfen Hauses, Gary Cohn, signalisierte sicherlich ein Zerw\u00fcrfnis mit der Freihandelsfraktion in der US-Bourgeoisie. Allerdings wurde mit Lawrence A. \u201eLarry\u201c Kudlow (ehemals Chef\u00f6konom bei der Investmentbank Bear Sterns) sofort wieder ein anderer Republikaner aus dem Businessfl\u00fcgel zum Nachfolger ernannt, der die Zollerh\u00f6hungen noch kurz davor als \u201eversteckte Steuererh\u00f6hungen\u201c, die 5 Millionen Jobs kosten w\u00fcrden, kritisiert hatte. Dies k\u00f6nnte darauf hindeuten, dass es den USA letztlich nicht wirklich um einen Handelskrieg, sondern um eine Neuverhandlung der Welthandelsbedingungen geht, in die jetzt Trump seine \u00f6konomischen Bulldoggen Lighthizer (Handelsbeauftragter) und Ross (Handelsminister) schickt.<\/p>\n<p>Dabei sind nat\u00fcrlich die USA alles andere als die \u201eLeidtragenden\u201c des bestehenden Handelssystems. Zolltarife spielen seit den 90er-Jahren eine immer geringere Rolle im internationalen Handel \u2013 sie gingen im Weltdurchschnitt von 13,1\u00a0% im Jahr 1995 auf heute 7,5\u00a0% zur\u00fcck. Die USA erheben auf EU-Waren im Durchschnitt 3,2\u00a0% Zoll, die EU auf US-Waren im Gegenzug 3,9\u00a0%. Insgesamt bleibt der Zolleffekt f\u00fcr die Handelsbilanz bisher marginal. Entscheidend ist hier das Preis-, sprich das Produktivit\u00e4tsproblem bestimmter Sektoren der US-Industrie.<\/p>\n<p>Das Handelsbilanzdefizit der USA wird allerdings andererseits wettgemacht durch die St\u00e4rke des US-Technologie- und -Finanzkapitals. So kommt es erst zustande, dass trotz des enormen Handelsbilanzdefizits der Dollar nicht wesentlich abst\u00fcrzt. Das wiederum f\u00fchrt zur Best\u00e4rkung der Exportschw\u00e4che der herstellenden Industrie in den USA. Dar\u00fcber hinaus haben die US-Konzerne wesentliche Bereiche ihrer Herstellung entweder in die NAFTA-Staaten (Freihandelsabkommen mit Kanada und Mexiko) oder nach China ausgelagert. So sind 40\u00a0% der Importe von Elektronik-Waren in die USA tats\u00e4chlich Produkte von US-chinesischen Joint-Ventures. Offensichtlich haben gro\u00dfe Teile des US-Kapitals von dieser Art internationaler Arbeitsteilung stark profitiert.<\/p>\n<p><strong>Konkurrenz China<\/strong><\/p>\n<p>Allerdings hat sich vor allem nach den Ersch\u00fctterungen im Gefolge der Finanzkrise und den ihr nachfolgenden gro\u00dfen Investitionsprogrammen an der Rolle Chinas einiges ge\u00e4ndert. Inzwischen ist das Land in den Wertsch\u00f6pfungsketten der internationalen Arbeitsteilung wesentlich nach oben geklettert. Nunmehr besch\u00e4ftigt China selbst Billigproduktion im von ihm abh\u00e4ngigen Ausland und hat technisches Know-how f\u00fcr eigene Hochtechnologie-Branchen angesammelt. Seine Konzerne k\u00f6nnen heute denen anderer Gro\u00dfm\u00e4chte l\u00e4ngst auf allen Gebieten Konkurrenz machen. Insbesondere die USA, die \u00fcber Hochtechnologiekompetenz und Finanzkapital weiterhin am oberen Ende der internationalen Wertsch\u00f6pfungskette stehen, m\u00fcssen sich derzeit durch China essentiell herausgefordert f\u00fchlen. Die Teile des US-Kapitals, die diese Bef\u00fcrchtungen teilen, sind wohl auch hinter Trumps Aktionen zu sehen.<\/p>\n<p>Daher war auch die Ank\u00fcndigung der Zolltarife auf Stahl und Aluminium durch Trump am 8. M\u00e4rz nur das Vorbeben zur eigentlichen Show, die am 22. M\u00e4rz im Oval Office stattfand: die Ank\u00fcndigung von Strafz\u00f6llen gegen China in der H\u00f6he von 60 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: das von den Z\u00f6llen bei Stahl betroffene Volumen des EU-Exportes betrug etwa 5 Milliarden. Interessanterweise verk\u00fcndete Lighthizer am selben Tag im zust\u00e4ndigen Kongresskomitee, dass die EU vorerst zusammen mit den NAFTA-Staaten, Australien, Argentinien, Brasilien und S\u00fcdkorea (Japan wurde irgendwie vergessen) von den Z\u00f6llen f\u00fcr Stahl und Aluminium vorl\u00e4ufig (bis Anfang Mai) ausgenommen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Letztere Tatsache zeigt, dass sich hier im Rahmen des Handelskonflikts auch eine verst\u00e4rkte Neuordnung der imperialistischen Weltordnung abspielt. Noch Anfang M\u00e4rz forderten alle Freihandels-EnthusiastInnen auch innerhalb der EU bis hin zu den SozialdemokratInnen geschlossene Ablehnung und begannen Gespr\u00e4che mit China und anderen M\u00e4chten f\u00fcr gemeinsame Gegenaktionen. Kanada war als erstes umgefallen, zu Kompromissen bei den NAFTA-Verhandlungen bereit, um dann auch als erstes von den Z\u00f6llen ausgenommen zu werden.<\/p>\n<p>Die EU blieb zwar geschlossen und EU-Kommissarin Malmstr\u00f6m wie auch Bundeswirtschaftsminister Altmaier bearbeiteten Lighthizer und Ross. Kurz vor der vorl\u00e4ufigen Einigung erkl\u00e4rte CDU-Politiker J\u00fcrgen Hardt (Koordinator f\u00fcr transatlantische Beziehungen im ausw\u00e4rtigen Amt): \u201eNat\u00fcrlich werden wir den Amerikanern auch sagen, dass wir gemeinsame Ma\u00dfnahmen gegen unfaire Handelspraktiken aus China ergreifen k\u00f6nnten\u201c (FAZ, 17.3.). Im Interesse der EU sei es eher, eine Einigung mit den USA anzustreben, als sich auf die Seite Chinas zu stellen. Dies ist nun offenbar geschehen und die Liste der L\u00e4nder mit Ausnahmen zeigt, wie isoliert China gegen\u00fcber dem viel massiveren Angriff vom 22. M\u00e4rz dasteht. Das letzte Wort in Sachen Blockbildung ist damit aber sicher nicht gesprochen \u2013 die Ausnahmen gelten ja nur bis zum 1. Mai und die massiven US-Forderungen an die EU k\u00f6nnen auch jederzeit einen Frontenwechsel bewirken.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich sind die USA schon wegen der Gr\u00f6\u00dfe ihrer Binnen\u00f6konomie wesentlich weniger vom Warenexport abh\u00e4ngig als alle anderen Konkurrenten. Der aktuelle Einschnitt in den Welthandel trifft daher alle \u00d6konomien heftiger, die st\u00e4rker vom Export abh\u00e4ngig sind \u2013 also nicht nur China, sondern auch Deutschland. So erkl\u00e4rte der Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des DIHT (Industrie- und Handelskammertag) Wansleben: \u201eWir sind heute alle ein bisschen China\u201c (ntv, 23.3.).<\/p>\n<p>Die Bef\u00fcrchtung, dass ein Handelskrieg zwischen USA und China insgesamt zu einem Einbruch im Welthandel und damit auch zu einem Problem f\u00fcr die deutschen Exporte geraten k\u00f6nnte, liegt auf der Hand. In den 1930er Jahren f\u00fchrte die gegenseitige Aufschaukelung im Zollkrieg zu einer Halbierung des Welthandels innerhalb von nur 3 Jahren. Auch heute entwerfen \u00d6konomInnen des IWF bedrohliche Szenarien f\u00fcr das Abbrechen des 2017 gerade erst begonnenen Erholungszyklus der Weltwirtschaft. Schon werden um bis zu 1\u00a0% geringere Wachstumsraten als m\u00f6glich gesehen beziehungsweise sogar wieder ein Weg in die Rezession. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass selbst in den USA die Ank\u00fcndigung von Trump am 22.3. sofort zu einem Absturz des B\u00f6rsenindex DOW um mehr als 700 Punkte f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Viel wird jetzt nat\u00fcrlich auf die Reaktion Chinas ankommen. Ohne Zweifel hat es ein Problem mit seinem \u00fcberdimensionierten Stahlsektor, der die Welt mit Billigstahl \u00fcberschwemmt. Da er aber ein wichtiger Sektor der politisch bedeutsamen Staatswirtschaft ist, h\u00e4tten Kompromisse hier innenpolitisch schwerwiegende Folgen f\u00fcr die Staatsf\u00fchrung. Auch die Fragen von Patentrechten und angeblich illegalem Technologietransfer ber\u00fchren Kernelemente des neuen Wirtschaftsplans. Die chinesische Staatsf\u00fchrung wird auch in Fragen der \u00d6ffnung der M\u00e4rkte (direkte Kapitalkontrolle bei Investitionen) kaum zu Zugest\u00e4ndnissen bereit sein.<\/p>\n<p>Die ersten Erkl\u00e4rungen aus China zu Trumps Ma\u00dfnahmen klangen denn auch sehr patriotisch und fast wie Mobilisierung f\u00fcr einen Krieg. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, dass China tats\u00e4chlich zu Gegenma\u00dfnahmen greift. So k\u00f6nnten z.\u00a0B. Z\u00f6lle auf Import von Soja aus den USA erhoben werden (12 Milliarden), was speziell Trumps W\u00e4hlerschaft in Soja produzierenden Bundesstaaten extrem treffen w\u00fcrde. Da m\u00fcsste allerdings auch Brasilien als Ersatzlieferant f\u00fcr Soja nach China mitspielen. Auch k\u00f6nnte China den Export von seltenen Erden in die USA unterbinden, was die Hightech-Industrie dort schwer treffen w\u00fcrde. Schlie\u00dflich wird China mit schwindendem Marktzugang in den USA aggressiver in andere M\u00e4rkte, so auch in die EU, dr\u00e4ngen. Dies ist schon jetzt absehbar im Stahlsektor \u2013was die europ\u00e4ische Stahlindustrie weitaus heftiger treffen k\u00f6nnte als die US-Z\u00f6lle. Alles in allem sind die Aussichten auf eine Periode turbulenter Handelskonflikte und Einbr\u00fcche in der Weltwirtschaft stark gewachsen.<\/p>\n<p><strong>Ein Blick in die Geschichte<\/strong><\/p>\n<p>Der Kapitalismus kennt unterschiedliche Welthandelsordnungen. So war es die britische Bourgeoisie, die seit den 1840er Jahren weltweit ein Freihandelsregime unter Dominanz der britischen Industrie durchsetzte. Dabei durchzog sie z.\u00a0B. Europa mit einer Reihe von Handelsabkommen (am einschneidendsten 1860 mit Frankreich), die die Z\u00f6lle wesentlich nach unten anglichen. Schlie\u00dflich wurde mit dem Goldstandard 1879 ein Mechanismus gefunden, der den Regierungen \u201eautomatisch\u201c eine Anpassung an die Handelsstr\u00f6me aufzwang (Handelsbilanzdefizite f\u00fchrten durch Goldabfluss automatisch zu W\u00e4hrungsabwertung). In der vorimperialistischen Epoche war es jedoch auch in diesem Rahmen noch m\u00f6glich, dass einzelne protektionistische Inseln errichtet werden konnten. Aufstrebende Konkurrenten f\u00fcr das britische Kapital in Deutschland, USA und Japan konnten bestimmte Bereiche ihrer Industrien und Landwirtschaft durch Schutzz\u00f6lle hochp\u00e4ppeln, verblieben jedoch im Rahmen eines von Gro\u00dfbritannien garantierten Weltfreihandels.<\/p>\n<p>Der imperialistische Widerspruch eklatierte schlie\u00dflich im Ersten Weltkrieg, mit dem auch f\u00fcr einige Jahre Weltfreihandel und Goldstandard zusammenbrachen. Die verzweifelten Versuche Britanniens, 1925 den Goldstandard wiedereinzuf\u00fchren, kontrastierten damit, dass es schon l\u00e4ngst nicht mehr in der Lage war, den Welthandel zu ordnen. Mit der Wirtschaftskrise brachen dann in den 1930er Jahren Goldstandard wie Welthandelssystem zusammen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde mit dem System von Bretton-Woods ein sehr viel weniger offenes System errichtet. Nur der Dollar als Leitw\u00e4hrung hatte noch Goldbindung. Das Zollniveau war weitaus h\u00f6her als in der britischen Periode und das System lebte insgesamt von der Dominanz der US-Kapitalexporte. Der enge Rahmen und die eindeutige Hegemonie einer imperialistischen Macht erm\u00f6glichten jedoch die kapitalistische Boomperiode der Nachkriegszeit bis zum Zusammenbruch von Bretton-Woods Anfang der 1970er Jahre.<\/p>\n<p>Nach den Krisen der 1970er-\/80er Jahre, in denen verschiedene Regime (frei floatende W\u00e4hrungen, Wechselkursfixierungen, Handelsbeschr\u00e4nkungen versus -liberalisierungen) sich abwechselten und neue Konkurrenz zum US-Kapital auftauchte, gelang es erst in den 1990er Jahren wieder, ein neues System des Welthandels zu errichten. Das W\u00e4hrungssystem wird nunmehr endg\u00fcltig von \u201eden M\u00e4rkten\u201c (vor allem f\u00fcr Devisen, Derivate, Staatsanleihen) dominiert und die Deregulation der internen M\u00e4rkte erlaubt privaten Kapitalexport in zuvor nicht gekanntem Ausma\u00df. Die Produktionsketten der gro\u00dfen Kapitale sind heute auch in der Tiefe international, wodurch ein betr\u00e4chtlicher Teil des Welthandels aus Handel mit Zwischenprodukten besteht. Zentral f\u00fcr die relative und vor\u00fcbergehende Stabilisierung der Globalisierungsperiode war jedoch auch der Aufstieg Chinas zur billigen Weltfabrik, kombiniert mit seiner Ausnahme vom gegenw\u00e4rtigen W\u00e4hrungssystem, d.\u00a0h. einer k\u00fcnstlich niedrig gehaltenen chinesischen W\u00e4hrung. Dollarank\u00e4ufe durch die chinesische Zentralbank, billige China-Ware und eine durch die US-Verm\u00f6gen gedeckte Schulden\u00f6konomie zur Finanzierung des US-Imports waren die Motoren des Globalisierungsaufschwungs.<\/p>\n<p><strong>Krise 2008<\/strong><\/p>\n<p>Durch die Wirtschaftskrise nach 2008 wurde dieses Wachstumsmodell offensichtlich ersch\u00fcttert, konnte aber durch die Politik des billigen Geldes (Quantitative Easing) und durch gro\u00dfe staatliche Investitionsprogramme vor allem in China zumindest eine Zeitlang weiter betrieben werden \u2013 allerdings vor dem Hintergrund einer stagnativen Grundtendenz der Weltwirtschaft. Insgesamt hat dies aber zu einer wesentlichen St\u00e4rkung Chinas gef\u00fchrt und langfristig wird es sicherlich eine andere Rolle anstreben, als ihm in der Globalisierungsperiode zufiel. Offensichtlich stehen wir wieder einmal vor einer Neuordnungsauseinandersetzung der kapitalistischen M\u00e4chte. Dies wird nicht mit ein paar Auseinandersetzungen um Z\u00f6lle beendet werden. Es sind vielmehr \u00e4hnlich turbulente Zeiten wie etwa in den 1970er\/80er Jahren zu erwarten. Auch damals gab es immer wieder scheinbare Stabilisierungen in der R\u00fcckkehr zu alten Regeln, z.\u00a0B. die Plaza-Louvre-Abkommen zur Fixierung der Wechselkurse. Je nach Heftigkeit der Auseinandersetzungen sind jedoch auch schwerwiegendere Einbr\u00fcche wie Anfang der 1930er Jahre m\u00f6glich. Selbst wenn es in den USA zu einem Regierungswechsel oder bei den n\u00e4chsten Kongresswahlen zu einem Mehrheitswechsel kommt, so wird der Gegensatz zu China nicht verschwinden und die Ma\u00dfnahmen jeder US-Regierung werden in n\u00e4chster Zeit weiterhin die Weltmarktordnung ersch\u00fcttern.<\/p>\n<p>Auch wenn die USA bzw. ihr Pr\u00e4sident den aktuellen Konfrontationskurs mit den gro\u00dfen Handelspartnern und gleichzeitigen Rivalen vor allem als Mittel betrachten, die eigene Position auf dem Weltmarkt zu verbessern und die KonkurrentInnen zu Zugest\u00e4ndnissen zu zwingen, so kann aus dem Wetterleuchten am Firmament der Weltwirtschaft leicht ein Orkan werden. Ein Handelskrieg mag zwar nicht gew\u00fcnscht sein, die Konfrontation hat jedoch ihre eigene Logik, die zu einer Versch\u00e4rfung der Lage f\u00fchren kann und in den kommenden Jahren auch f\u00fchren muss.<\/p>\n<p><strong>Und die ArbeiterInnenklasse<\/strong><\/p>\n<p>In dieser Situation ist es umso wichtiger, dass sich die ArbeiterInnenklasse nicht vor den Karren der \u201eeigenen\u201c herrschenden Klasse spannen l\u00e4sst. Die Versprechungen Trumps an die Lohnabh\u00e4ngigen in der US-Stahlindustrie werden sich in jedem Fall als hei\u00dfe Luft entpuppen. Allenfalls k\u00f6nnen sie vor\u00fcbergehend auf Jobs hoffen \u2013 allerdings zu weitaus schlechteren Arbeitsbedingungen und geringeren L\u00f6hnen. Insgesamt werden alle Regierungen versuchen, die Kosten eines Handelskriegs auf die Lohnabh\u00e4ngigen in Form h\u00f6herer Preise abzuw\u00e4lzen \u2013 sei es durch verteuerte Importe oder, indem der Kauf teuerer heimischer Produkte als patriotische Pflicht dargestellt wird.<\/p>\n<p>Jede Unterst\u00fctzung einer solchen Politik kann nur zur nationalistischen Spaltung der Lohnabh\u00e4ngigen verschiedener L\u00e4nder f\u00fchren. Daher muss jede Mitwirkung der Gewerkschaften, der sozialdemokratischen oder linker Parteien an einer Schutzzollpolitik scharf verurteilt werden \u2013 ebenso wie umgekehrt die Lebensl\u00fcgen des kapitalistischen Freihandels und seine leeren Versprechungen denunziert werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Jeder nationale Schulterschluss hinter den Handelspraktiken der \u201eeigenen Regierung\u201c, jeder Akt der \u201eVergeltung\u201c mit eigenen Schutzz\u00f6llen muss entschieden zur\u00fcckgewiesen werden. Handelskriege sind letztlich keine rein \u00f6konomischen Angelegenheiten, dienen nicht nur der Verteidigung oder Eroberung von Positionen auf dem Weltmarkt, sondern auch in der imperialistischen Weltordnung. Sie sind Teil eines Kampfes um die Neuaufteilung der Welt, der sich heute zwischen den alten und neuen Gro\u00dfm\u00e4chten entwickelt. Nur wenn die ArbeiterInnenklasse in ihrer \u201eeigenen\u201c imperialistischen Bourgeoisie und nicht im \u201eHandelsrivalen\u201c den Hauptfeind erkennt, wenn sie den Klassenkampf nicht im \u201enationalen\u201c Interesse zur\u00fcckstellt, kann eine Zuspitzung der wachsenden Konkurrenz, ein Welthandelskrieg und dessen politische Folgewirkungen verhindert werden \u2013 durch den internationalen Klassenkampf, durch die sozialistische Weltrevolution.<\/p>\n<p><em>Quelle:\u00a0 <\/em><a href=\"http:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2018\/04\/04\/handelskriege-sind-gut-zur-gefahr-eines-globalen-handelskrieges\/\"><em>Neue Internationale 227, April 2018&#8230;<\/em><\/a><em> vom 5. April 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Markus Lehner. Donald Trump mag in vielem wie ein Clown wirken. 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