{"id":3412,"date":"2018-04-20T18:29:21","date_gmt":"2018-04-20T16:29:21","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3412"},"modified":"2018-04-20T18:29:21","modified_gmt":"2018-04-20T16:29:21","slug":"der-berufsgruppenuebergreifenden-protesttag-am-19-april-in-frankreich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3412","title":{"rendered":"Der berufsgruppen\u00fcbergreifenden Protesttag am 19. April in Frankreich"},"content":{"rendered":"<p><em>Bernard Schmid. <\/em><strong>Teilnahme am ersten berufsgruppen\u00fcbergreifenden Protesttag (19. April): durchwachsen \u2013 Die CGT-Eisenbahner \u00fcberlegt, nun andere Saiten aufzuziehen und das bisherige Korsett<!--more--> des Streikkalenders zu durchbrechen \u2013 Bahngewerkschaften brechen Gespr\u00e4che mit der Transportministerin ab und verlangen, eine Etage h\u00f6her empfangen zu werden \u2013 Die CGT im Energiesektor droht mit gezielten Stromsperren \u2013 Mobilisierungsversuch auch in den Pariser Nahverkehrsbetrieben (RATP); doch am gestrigen Tag ohne sp\u00fcrbare Auswirkungen auf den Verkehr \u2013 Studierendenprotest: Examina in Nanterre mussten verschoben werden, Fakult\u00e4t von Tolbiac wurde am Freitag fr\u00fch ger\u00e4umt \u2013 N\u00e4chste berufsgruppen\u00fcbergreifende Termine: 1. Mai und Samstag, der 05. Mai \u2013 Unterdessen sorgt die CFDT sich vor allem um Eines: dass der Transportstreik nur ja nicht ihren anstehenden Gewerkschaftstag beeintr\u00e4chtigt\u2026<\/strong><\/p>\n<p>Es war eine gute Sache an und f\u00fcr sich, doch der Erfolg ist im Augenblick durchwachsen. Am gestrigen 19. April fand der erste berufsgruppen\u00fcbergreifende gewerkschaftliche \u201eAktionstag\u201c (<em>journ\u00e9e d\u2019action interprofessionnelle) <\/em>statt, der die derzeit laufenden Arbeitsk\u00e4mpfe \u2013 seit dem 03. April bei der Bahngesellschaft SNCF, seit mehreren Wochen im Rhythmus von je zwei aufeinanderfolgenden Streiktagen bei Air France \u2013 sowie die Proteste in den \u00f6ffentlichen Diensten (n\u00e4chster Streiktag: 22.05.18) und an den Universit\u00e4ten \u00fcberw\u00f6lben und b\u00fcndeln soll.<\/p>\n<p>Zu ihm hatte die Spitze des Dachverbands im M\u00e4rz d.J. die Initiative ergriffen. Nachdem Letztere einseitig zu dem Datum aufrief, ohne vorherige Gespr\u00e4che mit anderen Organisationen, nutzten die rechts von der CGT stehenden Dachverb\u00e4nde (CFDT und FO u.a.) dies als Argument, um sich fein herauszuhalten. Seinerseits protestierte der linksalternative Gewerkschaftszusammenschluss Solidaires (oder Union syndicale Solidaires) gegen das Vorgehen des Dachverbands CGT, schloss sich jedoch dann dem Aufruf zur Mobilisierung am gestrigen Donnerstag an.<\/p>\n<p>Und so fanden in 130 franz\u00f6sische St\u00e4dten Versammlungen und Demonstrationen statt, allerdings jedoch i.d.R. ohne Aufrufe zum Streik au\u00dferhalb der Teilnahme an den Stra\u00dfendemonstrationen. Als Veranstalter\/innen traten auf frankreichweiter Ebene die CGT und Solidaires auf; in der Hauptstadt Paris schlossen sich auch kleinere Abordnungen aus den Reihen des \u2013 politisch heterogenen \u2013 Dachverbands FO sowie die Eisenbahnersektion des Gewerkschaftszusammenschlusses UNSA (vordergr\u00fcndig \u201eunpolitisch\u201c, durch die b\u00fcrgerlichen Medien als \u201emoderat\u201c gehandelt) zus\u00e4tzlich an. Voraus gingen Abordnungen von Studierenden aus den derzeit im Protest gegen die k\u00fcnftige Einschr\u00e4nkung des Hochschulzugangs befindlichen Universit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Auf frankreichreichweiter Ebene betrug die Spannbreite der Teilnehmer\/innen\/zahlen, je nach Angaben (CGT oder Innenministerium usw. lieferten sich die \u00fcblichen Zahlenklaubereien), zwischen 119.000 und 300.000; vgl. etwa: <a href=\"https:\/\/actu.orange.fr\/france\/diaporamas\/en-images-mobilisation-nationale-entre-119-000-et-300-000-manifestants-heurts-a-paris-CNT0000011CUjl\/photos\/plusieurs-secteurs-affectes-452d08da5cdd72baf01e61f9b0f01ab1.html\">actu.orange.fr&#8230;<\/a><\/p>\n<p>In der Hauptstadt Paris, wo die Demonstration um 14 Uhr am Montparnasse-Bahnhof losging, z\u00e4hlte die Polizei 11.500 Teilnehmer\/innen, und ein unabh\u00e4ngiges Medienkollektiv \u2013 das die Zahlenangaben gegen den Behauptungen beider Seiten (Staatsmacht und Gewerkschaftsf\u00fchrungen), die i.d.R. unter- respektive \u00fcbertrieben sind, zu objektivieren versucht, gab ihre Zahl mit 15.300 an. (Vgl. dazu eine AFP-Meldung: <a href=\"http:\/\/www.lefigaro.fr\/flash-actu\/2018\/04\/19\/97001-20180419FILWWW00231-paris-15300-manifestants-selon-le-collectif-de-medias-11500-selon-la-police.php\">lefigaro.fr&#8230;<\/a>) Zur Teilnahme speziell in Paris hatte die CGT-F\u00fchrung am fr\u00fchen Donnerstagabend zun\u00e4chst keine eigenen Zahlen publiziert. Inzwischen wurde seitens der CGT die, \u00fcbertriebene, Anzahl von 50.000 bezogen auf Paris genannt.<\/p>\n<p>Diese Zahlen sind f\u00fcr berufsgruppen\u00fcbergreifende soziale Protestmobilisierungen in Frankreich eher unterdurchschnittlich. \u00c4hnlich wie bereits im Fr\u00fchjahr und Fr\u00fchsommer 2016 im Protest gegen das damals geplante \u201eArbeitsgesetz\u201c (in Kraft getreten am 08.08.2016) ist zu beobachten, dass die aktive Teilnahme am Protest gegen fr\u00fchere soziale Bewegungen der Jahre 1995, 2003, 2006, 2010 zahlenm\u00e4\u00dfig zur\u00fcckbleibt \u2013 dass es jedoch einen gr\u00f6\u00dferen \u201eradikalen Kern\u201c gibt. \u00c4hnlich wie im Fr\u00fchjahr und Fr\u00fchsommer 2016 formierte sich auch am gestrigen Tag in Paris ein mehrhundertk\u00f6pfiger \u201eKopfblock\u201c (<em>cort\u00e8ge de t\u00eate<\/em>), welcher der offiziellen Demonstrationsspitze vorausging. In ihm befanden sich \u2013 oft mit Atemschutzmasken oder Schutzbrillen gegen Tr\u00e4nengas ausgestattet \u2013 auch viele zornige j\u00fcngere Gewerkschafter\/innen, etwa aus dem \u00f6ffentlichen Gesundheitswesen. Unter den Anwesenden befanden sich auch mehrere Hundert Vermummte.<\/p>\n<p>Diese sind sicherlich nicht alle \u00fcber einen Kamm zu scheren, was ihre Motivation und ihre Aktionsformen betrifft. Ein Teil von ihnen (Agents provocateurs?, adrenalinbesoffene Jungerwachsene?, Hooligans?) legt auch ausgesprochen problematische Aktionsweisen an den Tag, die wiederum f\u00fcr ein mitunter hochaggressives Agieren der Polizei den Anlass, Grund oder auch Vorwand liefern. Dazu z\u00e4hlte am gestrigen Nachmittag auch das Entglasen (unter den Augen des Autors dieser Zeilen) eines kleineren Restaurants und einer Bushaltestelle, neben Zeitarbeits-Agenturen und Werbetafeln. Ein Versuch von Vermummten, ein Luxushotel (Marriott) in Mitleidenschaft zu ziehen \u2013 vgl. in der b\u00fcrgerlichen Presse dazu u.a. <a href=\"https:\/\/www.huffingtonpost.fr\/2018\/04\/19\/manifestation-du-19-avril-a-paris-le-cortege-interrompu-par-des-heurts-entre-militants-et-forces-de-lordre_a_23415353\/\">huffingtonpost.fr&#8230;<\/a>\u2013 f\u00fchrte zu einem ausgesprochen rabiaten Polizeieinsatz, wobei die Gewalt anf\u00e4nglich nicht immer und allein von deren Einsatzkr\u00e4ften ausging, wie der Verf. als Augenzeuge mitteilen kann. Bei dem daraus resultierenden Pr\u00fcgel- und Granateneinsatz wurden auch sechs Studierende von der Pariser Hochschule Jussieu (Universit\u00e4t Paris-6 und 7) im universit\u00e4ren Protestzug durch Granateneinsatz verletzt.<\/p>\n<p>Die o.g. angegebenen Zahlenangaben erscheinen insgesamt realistisch. Das Vorbeiziehen des Protestzugs an einem festen Punkt (Einbiegung vom boulevard Saint-Jacques in die rue de la Tombe-Issoire) dauerte eine starke halbe Stunde, wobei der Boulevard ziemlich breit ausfiel. Gut 75 Prozent des Pariser Demonstrationszugs bestand aus den traditionell mobilisierbaren Kerntruppen der CGT, nach Bezirksverb\u00e4nden aufgereiht, darunter viele \u00f6ffentlich Bedienstete, aber auch \u201eharte Kerne\u201c aus der Privatindustrie, insbesondere Renault aus dem n\u00f6rdlichen Pariser Umland. Daneben konnte etwa auch das bei der CGT organisierte Personal in Banken und Versicherungen mobilisiert werden. (Vgl. auch <a href=\"http:\/\/natixis.reference-syndicale.fr\/2018\/04\/faites-greve-et-participez-aux-manifestations-le-19-avril\/\">natixis.reference-syndicale.fr&#8230;<\/a>) Eine optische und akustische Attraktion (aber auch eine Belastung f\u00fcr das Trommelfell mit Zughupen und Megab\u00f6llern\u2026) bildeten die Eisenbahner, die zahlreicher aus den Reihen der Solidaires-Mitgliedsgewerkschaft SUD Rail als aus denen der CGT erschienen waren. In den anderen St\u00e4dten m\u00fcsste man jeweils die genauere Zusammensetzung der Protestz\u00fcge analysieren.<\/p>\n<p>Noch weiter klaffen die Zahlenangaben beider Seiten f\u00fcr Marseille auseinander, was in der Mittelmeermetropole allerdings bereits Tradition hat. Hier spricht die CGT von \u201e65.000\u201c und die Polizei von \u201e5.700\u201c Demonstrierenden, die Zahlenangaben klaffen also um mehr als einen Faktor Eins zu Zehn auseinander (grrr)\u2026 \u2013 Vgl. <a href=\"http:\/\/www.linternaute.com\/actualite\/politique\/1400354-manifestation-du-19-avril-tensions-a-paris-grand-ecart-a-marseille\/\">linternaute.com&#8230;<\/a>Bislang stellt sich die Streikstrategie bei der franz\u00f6sischen Eisenbahn aus Sicht jedenfalls mancher Kr\u00e4fte, unter ihnen SUD Rail, eher als Hemmschuh heraus. Zwischen dem 03. und 04. April und dem 27.-28. Juni wurden insgesamt 36 Streiktage vorab festgelegt, wobei jeweils auf zwei bestreikte Tage eine Wiederaufnahme der Arbeit\/des Verkehrs f\u00fcr je f\u00fcnf Tage folgt. Radikalere Kr\u00e4fte betrachten dies als Hindernis f\u00fcr eine Dynamik, die sich aus einer unbefristeten Streikdynamik heraus entwickeln k\u00f6nnte. \u00dcber ein wirkliches Patentrezept verf\u00fcgt jedoch niemand, da das Risiko, dass die \u00f6ffentliche Meinung im negativen Sinne kippt und dass der Arbeitskampf unpopul\u00e4r wird, wesentlich h\u00f6her erscheint als etwa beim mittlerweile \u201ehistorischen\u201c Bahnstreik von November und Dezember 1995 (als die Streiks stets durch eine deutliche Mehrheit der franz\u00f6sischen Bev\u00f6lkerung unterst\u00fctzt wurden). Bislang gaben die Mehrheitsgewerkschaften CGT \/ CFDT \/ UNSA bei der Bahngesellschaft SNCF an, mit ihrer Streikstrategie die Hoffnung zu verkn\u00fcpfen, die \u00f6ffentliche Meinung zu schonen \u2013 und eventuell parallel eine berufsgruppen\u00fcbergreifende Protestdynamik Raum greifen zu lassen.<\/p>\n<p><strong>Die speziellen Sorgen der CFDT-f\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Allerdings scheint der Dachverband CFDT (an der Spitze rechtssozialdemokratisch) sich l\u00e4ngst auf ein \u201eHerunterkommen\u201c vom Streik vorzubereiten. Ein tief blicken lassender Artikel zum Verhalten von dessen Generalsekret\u00e4r Laurent Berger erschien dazu am vorgestrigen Mittwoch, den 18. April 18 in der Wochenzeitung <em>Le Canard encha\u00een\u00e9 <\/em>(nicht online) auf Seite Drei. Demnach wollte Laurent Berger bereits zur Beendigung des Streiks pfeifen, doch innerhalb der CFDT signalisierte ihm die Eisenbahnersektion, dass noch ein paar Zugest\u00e4ndnisse der Regierung \u00fcber die bisherigen hinaus leicht zu erzielen seien, wenn man noch ein bisschen den Druck aufrechterhalte. Das bisherige Zugest\u00e4ndnis der Regierung an die CFDT lautet, dass bei der \u00d6ffnung des Schienenverkehrs (G\u00fcter plus Personentransport) f\u00fcr private Anbieter \u2013 diese soll vollst\u00e4ndig bis 2023 erfolgen \u2013 Letztere einen Kollektivvertrag aufweisen (also nach deutscher Terminologie \u201etarifgebunden\u201c sein) m\u00fcssen. Nur dann, so die Regierungsposition, sei ein Betriebs\u00fcbergang mit eventueller \u00dcbernahme bisherigen SNCF-Personals durch private Transportfirmen denkbar. Anscheinend wollte CFDT-Generalsekret\u00e4r Berger es dabei bewenden lassen, die Eisenbahner-Branchengewerkschaft der CFDT jedoch noch etwas mehr herausholen.<\/p>\n<p>Laurent Berger seinerseits macht sich demselben Artikel zufolge allerdings vor allem mit anderen Sorgen einen Kopf\/ Am 04. Juni dieses Jahres wird in Rennes der n\u00e4chste Kongress (dt. \u201eGewerkschaftstag\u201c) des Dachverbands CFDT er\u00f6ffnet. Es w\u00e4re peinlich, meint Generalsekret\u00e4r Berger demnach, falls die Anreise der geladenen \u2013 auch internationalen \u2013 G\u00e4ste dann durch den Transportstreik beeintr\u00e4chtigt oder verz\u00f6gert w\u00fcrde. Sprich, bis dahin soll dann vielleicht Schluss mit lustig sein..<\/p>\n<p><strong>CGT bei der Eisenbahn und im Transportsektor<\/strong><\/p>\n<p>Umgekehrt drohte die Eisenbahnersektion der CGT inzwischen \u2013 bisher zumindest verbal \u2013 damit, sie k\u00f6nnte auch \u00fcber den bisherigen Streikkalender mit seinen 36, vorher einzeln angemeldeten Streiktagen hinausdenken. Auch ein Aufruf zum Eintritt in einen, dieses Mal nicht von vornherein befristeten Arbeitskampf sei demnach denkbar. Vgl. <a href=\"http:\/\/www.linternaute.com\/sortir\/magazine\/1400252-greve-sncf-des-perturbations-ce-20-avril-et-ensuite-dates-calendrier\/\">linternaute.com&#8230;<\/a> (Eintrag vom 17. April d.J.) Bislang blieb es allerdings bei der Ank\u00fcndigung.<\/p>\n<p>Im Energiesektor droht die CGT, die dort vom gestrigen 19. April bis Ende Juni Arbeitsniederlegungen \u2013 zu spezifischen Forderungen in ihrem Sektor, wie die Einrichtung eines \u00f6ffentlichen Diensts f\u00fcr Energie \u2013 angek\u00fcndigt hat, damit, gezielte Stromsperren an. Solche trafen bei Arbeitsk\u00e4mpfen in der Vergangenheit etwa politische Institutionen, jedenfalls kurzfristig; dieses Mal steht auch im Raum, Unternehmen, die Massenk\u00fcndigungen aussprechen wie derzeit die Supermarktkette Carrefour (2.600 Arbeitspl\u00e4tze sollen dort futsch gehen), <strong>zeitweilig den Saft abzudrehen. Auch an die Belieferung von Haushalten zum g\u00fcnstigeren Nachtarif, wie dies bei vorangegangenen Arbeitsk\u00e4mpfen (2004 gegen die Privatisierung des Stromversorgers EDF, 2010 gegen die \u201eRentenreform\u201c unter Nicolas Sarkozy..) der Fall war, wird gedacht.<\/strong> Vgl. dazu als Widerhall in b\u00fcrgerlichen Medien bspw. <a href=\"http:\/\/rmc.bfmtv.com\/mediaplayer\/video\/greve-edf-on-va-faire-les-robinson-des-bois-et-remettre-l-energie-aux-plus-precaires-1061273.html\">rmc.bfmtv.com&#8230;<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.lefigaro.fr\/flash-actu\/2018\/04\/17\/97001-20180417FILWWW00323-la-cgt-energies-prevoit-des-coupures-d-electricite-ciblees.php\">lefigaro.fr&#8230;<\/a>sowie in Interviewform: <a href=\"https:\/\/www.sudradio.fr\/societe\/julien-lambert-cgt-il-y-aura-des-coupures-delectricite-ciblees-sur-des-industriels\">sudradio.fr&#8230;<\/a> Beim Pariser Buslinien-, M\u00e9tro- und RER- (dt. ungef\u00e4hr S-Bahn-)Betreiber RATP wurde am gestrigen Donnerstag, den 19. April ebenfalls zu einer Personalversammlung im Rahmen des berufsgruppen\u00fcbergreifenden Aktionstags aufgerufen. Auch zum Streik wurde, durch die CGT bei der RATP, seit dem Vorabend aufgerufen. (Vgl. etwa <a href=\"https:\/\/paris.demosphere.eu\/rv\/61031\">paris.demosphere.eu&#8230;<\/a>) Allerdings blieb der Verkehr innerst\u00e4dtisch in Paris am Donnerstag weitestgehend normal, jedenfalls auf den M\u00e9tro-Linien. Auf einigen Buslinien scheint er leicht beeintr\u00e4chtigt gewesen zu sein. Die RER-Linien, die PARis durchqueren (entspricht im Deutschen ungef\u00e4hr S-Bahn-Linien) und zum Teil durch die RATP und jenseits der Stadtgrenzen zum Teil durch die Eisenbahngesellschaft SNCF betrieben werden, sind ohnehin durch den Streik beim Bahnunternehmen ber\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>Studierende<\/strong><\/p>\n<p>Der Studierendenprotest gegen die drohenden Einschr\u00e4nkungen beim Hochschulzugang ab 2018\/19 mit dem Gesetz ORE (vgl. zuletzt unseren Bericht bei Labournet vom Montag, den 16.04.18) bleibt ebenfalls dynamisch, jedoch von starken \u00f6rtlichen Ungleichzeitigkeiten gepr\u00e4gt. Zus\u00e4tzlich fingen nun seit dem vergangenen Wochenende des 14.\/15. April in einem Teil des Pariser Raums vierzehnt\u00e4gige Hochschulferien an, w\u00e4hrend umgekehrt etwa in Nanterre \u2013 westlich von Paris \u2013 just diese Woche bereits die Examensphase beginnen sollte. In den letzten Jahren hat sich die Tendenz, dass die Universit\u00e4ten (seit einem Gesetz Nicolas Sarkozys aus dem Jahr 2007 verwaltungsrechtlich \u201eautonom\u201c gestellt) ihren je eigenen Studienjahres- und Pr\u00fcfungskalender festlegen und eine starke Uneinheitlichkeit herrscht, verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p>In Nanterre mussten jedoch infolge von Protesten und Blockaden seit Montag, dem 16. April die f\u00fcr diese Woche geplanten Jahresabschlusspr\u00fcfungen \u2013 zun\u00e4chst auf unbestimmte Zeit \u2013 verschoben werden. (Vgl. auch etwa die AFP-Meldung dazu: <a href=\"http:\/\/www.lefigaro.fr\/flash-actu\/2018\/04\/16\/97001-20180416FILWWW00070-universite-de-nanterre-bloquee-en-ce-jour-d-examen.php\">lefigaro.fr&#8230;<\/a>) Am gestrigen Donnerstag beschloss eine studentische Vollversammlung mit rund 1.500 Teilnehmenden eine Fortf\u00fchrung der Hochschulblockade bis zum 02. Mai dieses Jahres. (Vgl. <a href=\"http:\/\/www.lefigaro.fr\/flash-actu\/2018\/04\/19\/97001-20180419FILWWW00170-nanterre-les-etudiants-votent-le-blocage-jusqu-au-2-mai.php\">lefigaro.fr&#8230;<\/a>)<\/p>\n<p>Hingegen wurde die sozialwissenschaftliche Fakult\u00e4t von Tolbiac im s\u00fcdlich gelegenen 13. Pariser Bezirk \u2013 eine Dependance der Sorbonne, ihr Hauptgeb\u00e4ude liegt im historischen Zentrum von Paris \u2013 an diesem Freitagvormittag, 20. April nun doch polizeilich ger\u00e4umt. Ein vorheriger R\u00e4umungsversuch hatte zwar dem Hauptgeb\u00e4ude der Sorbonne gegolten, war in Tolbiac jedoch gescheitert (vgl. unseren Beitrag im Labournet vom Montag, den 16. April 18)\/ Dieses Mal hat die R\u00e4umung jedoch stattgefunden und war mit erheblicher Gewalt verbunden. Vier Studierende mussten mit ihren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden. (Vgl. <a href=\"https:\/\/npa2009.org\/communique\/violences-policieres-inacceptables-la-manifestation-du-19-avril-et-lors-de-levacuation-de\">npa2009.org&#8230;<\/a>; und in b\u00fcrgerlichen Medien zur R\u00e4umung: <a href=\"https:\/\/www.francebleu.fr\/infos\/education\/paris-evacuation-de-l-universite-de-tolbiac-ce-vendredi-1524203870\">francebleu.fr&#8230;<\/a>)<\/p>\n<p>Am Freitag f\u00fcr 12 Uhr wurde jedoch auf breiten Kan\u00e4len \u00fcber die \u201esozialen Medien\u201c zu einer Protestversammlung rund um die ger\u00e4umten Geb\u00e4ude aufgerufen. Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses war dazu leider noch nichts N\u00e4heres auszusagen. Wir werden unsere Leser\/innen\/schaft jedoch in n\u00e4chster B\u00e4lde dazu unterrichtet halten.<\/p>\n<p>Ansonsten zeichnet sich ab, dass neben den diesj\u00e4hrigen 1. Mai-Demonstrationen vor allem der Sonnabend, 05. Mai von entscheidender Bedeutung f\u00fcr den Fortgang der Protestdynamik haben wird. Zu diesem Datum wird seit einem Treffen im Pariser Gewerkschaftshaus am Abend des 04. April d.J. (wir berichteten mehrfach) zu einer berufsgruppen\u00fcbergreifenden Mobilisierung aufgerufen. Diese steht unter dem Namen <em>Une f\u00eate pour Macron!<\/em> Dies bedeutet zwar w\u00f6rtlich so viel wie \u201eEine Party pour Emmanuel Macron\u201c, doch lebt von der sprachlichen Doppeldeutigkeit: <em>Ce sera la f\u00eate \u00e0 xy\u2026<\/em> bedeutet n\u00e4mlich vom Sinn her auch: \u201eNa, XY wird was erleben!\u201c Es l\u00e4sst sich also auch, vergr\u00f6bernd, mit \u201eEin blaues Wunder f\u00fcr Macron\u201c \u00fcbersetzen. Oder vielleicht ein rotes, wenigstens ein r\u00f6tliches Wunder\u2026? Warten wir es vorl\u00e4ufig noch ab!<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/www.labournet.de\/internationales\/frankreich\/arbeitskaempfe-frankreich\/frankreich-der-stand-nach-dem-berufsgruppenuebergreifenden-protesttag-19-april\/\"><em>labournet.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 20. April 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bernard Schmid. Teilnahme am ersten berufsgruppen\u00fcbergreifenden Protesttag (19. 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