{"id":342,"date":"2014-12-28T18:00:03","date_gmt":"2014-12-28T16:00:03","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=342"},"modified":"2015-01-07T10:18:12","modified_gmt":"2015-01-07T08:18:12","slug":"lohnabschluesse-2014-der-lohn-fuer-den-kniefall-der-gewerkschaften","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=342","title":{"rendered":"Lohnabschl\u00fcsse 2015 \u2013 Der Lohn f\u00fcr den absoluten Arbeitsfrieden"},"content":{"rendered":"<p>Willi Eberle. <b>Seit Jahren stagnieren die real verf\u00fcgbaren Einkommen der Lohnabh\u00e4ngigen, ausser f\u00fcr eine d\u00fcnne Schicht von ihnen. Andererseits steigen die Kapitaleinkommen als Gewinne, Dividenden, Managerl\u00f6hne\u00a0 und steigenden Aktienkursen immer st\u00e4rker an. Eine gute Gelegenheit, dies zu korrigieren<!--more-->, w\u00e4ren\u00a0 die allj\u00e4hrlich stattfindenden Rituale der Lohnverhandlungen zwischen den\u00a0 Unternehmern und den meist betrieblich isoliert verhandelnden Personalkommissionen. Denkste!<\/b><\/p>\n<p>Der christliche Gewerkschaftsbund Travail Suisse stellte vor ein paar Tagen fest: \u00abSowohl die wirtschaftliche Lage als auch die Aussichten f\u00fcrs Jahr 2015 pr\u00e4sentieren sich durchwegs positiv. Doch die Arbeitnehmenden profitieren nicht oder kaum davon: Die Ergebnisse der Lohnverhandlungen f\u00fcr das kommende Jahr variieren von Nullrunden bis zu Lohnerh\u00f6hungen im Bereich von maximal 1.8%. Im Durchschnitt liegen die meisten Lohnerh\u00f6hungen unter einem Prozent.\u00bb F\u00fcr Hunderausende Lohnabh\u00e4ngige wird es per 1. Januar 2015 eine Nullrunde geben. Nichts Neues gegen\u00fcber den vergangenen Jahren. Obwohl pro Vollzeitstelle umgerechnet ca 170\u2018000 Franken erarbeitet werden, also von den Lohnabh\u00e4ngigen und kleinen Selbstst\u00e4ndigen 2013 geschaffen wurden, erhalten die allermeisten Lohnabh\u00e4ngigen nicht mal zwei F\u00fcnftel davon.<\/p>\n<p><b>Ern\u00fcchternde Ergebnisse<\/b><\/p>\n<p>Betrachtet man nur mal die Sektoren, in denen solche Verhandlungen mehrheitlich stattfinden, so zeigt sich deutlich, wie wenig erreicht wurde &#8211; insbesondere wenn man die Resultate mit den Forderungen den zust\u00e4ndigen Gewerkschaften vergleicht. Dabei wird mal abgesehen von der \u00fcbergrossen Mehrheit der Lohnabh\u00e4ngigen, die in Sektoren ohne Vertr\u00e4ge und ohne Referenzl\u00f6hne arbeiten; f\u00fcr diese Lohnabh\u00e4ngigen entscheidet der Unternehmer alleine ohne irgendwelche \u00a0Verhandlungen \u00fcber allf\u00e4llige Lohnerh\u00f6hungen.<\/p>\n<p>So etwa forderte Vania Alleva, die Co-Pr\u00e4sidentin der Unia an der SGB-Pressekonferenz vom 2. September: \u00ab2015 braucht es eine kr\u00e4ftige Reallohnerh\u00f6hung f\u00fcr alle!\u00bb Ohne allerdings irgendwelche Massnahmen folgen zu lassen, um diesen Forderungen auch nur symbolisch Nachdruck zu verschaffen,\u00a0 z.B. durch Mobilisierungen und der Schaffung von organisatorischen Strukturen, die die Lohnabh\u00e4nggien in den Lohnauseinandersetzungen zusammenbinden w\u00fcrden.\u00a0 Es m\u00fcssen ja nicht gleich eine national koordinierte Arbeitsniederlegung oder andere Kampfmassnahmen sein. Wenn nur schon mal nationale Aktionen verbunden mit grossen Demos aufgebaut worden w\u00e4ren. Aber, auch dies nichts Neues: Nichts von alldem geschah. So ist die nahezu Nullrunde f\u00fcr 2015, auch dies nichts Neues, nicht erstaunlich.<\/p>\n<p><b>Die Atomisierung der Lohnabh\u00e4ngigen<\/b><\/p>\n<p>All dies muss in einem Zusammenhang gesehen werden, wo die unternehmerischen Interessen seit 25 Jahren in Richtung einer Senkung der direkten und indirekten (Sozialversicherungen, Altersvorsorge, Arbeitslosenversicherung, Invalidenversicherung, etc) \u00a0Lohnkosten immer offensiver durchgezogen werden, ohne auf nennenswerten Widerstand zu stossen. Die Arbeitsrealit\u00e4t der Lohnabh\u00e4ngigen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten durchgehend ver\u00e4ndert. Und meist zuungunsten der Arbeitenden \u2013 ihre Arbeitsbedingungen haben sich zusehends individualisiert und flexibilisiert.<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich waren die Gewerkschaften gerade um K\u00e4mpfe der Arbeiterklasse entstanden, um kollektiv Einkommen und Arbeitsbedingungen zu verbessern. Es gab diesbez\u00fcglich verschiedene geschichtliche Phasen in der Geschichte der Schweizer \u2013 wie aller \u2013 Gewerkschaften. In der aktuellen Phase seit sp\u00e4testens den neunziger Jahren ist ein massiver Vormarsch der Warenform in alle Poren auch des Arbeitslebens zu beobachten &#8211;\u00a0 meistens gebilligt und unterst\u00fctzt von den Gewerkschaftsf\u00fchrungen, um damit die Wirtschaft unter der uneingeschr\u00e4nkten F\u00fchrung der Unternehmer konkurrenzf\u00e4higer zu machen.<\/p>\n<p>Dies hat seine Spuren auch in der Lohnstruktur hinterlassen, wo der Lohn immer st\u00e4rker an die individuelle Leistung \u2013 was immer das sei &#8211; gebunden wird. Damit wird den Unternehmern eine immer gr\u00f6ssere Entscheidungsfreiheit \u00fcber die Entwicklung der L\u00f6hne gegeben und die Lohnabh\u00e4ngigen treten diesen jeweils in wachsendem Masse als Einzelmasken gegen\u00fcber. Die Luftgeb\u00e4rden der Gewerkschaftsf\u00fchrungen mit den allfr\u00fchherbstlichen Pressekonferenzen um Lohnforderungen ziehen an dieser Alltagsrealit\u00e4t der Lohnabh\u00e4ngigen vor\u00fcber wie ein fernes, kaum wahrnehmbares \u00a0Donnergrollen an dem verdurstenden Kamel inmitten der W\u00fcste Gobi.<\/p>\n<p>Dies wird auch in den kommenden Jahren kaum anders verlaufen. Erst wenn die Lohnabh\u00e4ngigen kollektiv und aktiv in die Auseinandersetzungen um ihre Arbeitsbedingungen eingreifen, wird eine \u00c4nderung m\u00f6glich sein. Und bislang haben die Gewerkschaftsapparate keine Anstalten gemacht, in diese Richtung t\u00e4tig zu werden. Dies w\u00fcrde n\u00e4mlich \u00a0ein Ende des absoluten Arbeitsfriedens, wie er in jedem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) als wichtigste Bestimmung festgehalten wird, bedeuten. Das heisst die Gewerkschaften m\u00fcssten vollst\u00e4ndig umgebaut werden, so dass sie zu einem Instrument in den H\u00e4nden kampfwilliger Segmente der Lohnabh\u00e4ngigen w\u00fcrden. Und dies zu verhindern, daran haben die Unternehmer und die Gewerkschaftsf\u00fchrungen ein gemeinsames Interesse.<\/p>\n<p><em>Vorw\u00e4rts, 16. Januar 2015<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Willi Eberle. Seit Jahren stagnieren die real verf\u00fcgbaren Einkommen der Lohnabh\u00e4ngigen, ausser f\u00fcr eine d\u00fcnne Schicht von ihnen. Andererseits steigen die Kapitaleinkommen als Gewinne, Dividenden, Managerl\u00f6hne\u00a0 und steigenden Aktienkursen immer st\u00e4rker an. Eine gute Gelegenheit, &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5,3],"tags":[25,26],"class_list":["post-342","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kampagnen","category-schweiz","tag-arbeiterbewegung","tag-gewerkschaften"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/342","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=342"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/342\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":357,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/342\/revisions\/357"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=342"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=342"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=342"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}