{"id":3487,"date":"2018-05-06T11:55:49","date_gmt":"2018-05-06T09:55:49","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3487"},"modified":"2018-05-06T11:56:07","modified_gmt":"2018-05-06T09:56:07","slug":"chinas-aufstieg-zur-imperialistischen-macht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3487","title":{"rendered":"Chinas Aufstieg zur imperialistischen Macht"},"content":{"rendered":"<p><em>Abhi Madhavarapu.<\/em> <strong>Von Nigeria bis zum S\u00fcdchinesischen Meer \u2013 der Einflussbereich Chinas dehnt sich in neue Regionen und Wirtschaftssektoren aus. Der Konflikt mit den alten Grossm\u00e4chten ist vorprogrammiert.<!--more--> Eine Charakterisierung dieser neuen Imperialmacht.<\/strong><\/p>\n<p>KapitalistInnen des Westens sehen ihre Profite von der wachsenden Volkswirtschaft in China bedroht. In den letzten 20 Jahren wurde China zur Produktionsst\u00e4tte der Welt und eroberte eine Industriebranche nach der anderen. Nach Lenins Analyse des Imperialismus wird sich diese Anh\u00e4ufung von wirtschaftlicher Macht fr\u00fcher oder sp\u00e4ter in politischer und milit\u00e4rischer Macht ausdr\u00fccken. Diese Beobachtung wird durch die heutige Lage Chinas mehr als best\u00e4tigt.<\/p>\n<p><strong>Der chinesische Kapitalismus<\/strong><\/p>\n<p>Immer mehr dominieren chinesische Grosskonzerne ihre jeweilige Branche. Das Beispiel der Aluminiumindustrie zeigt dies am eindr\u00fccklichsten auf. Chinesische Staatsunternehmen produzieren mehr Aluminium als der Rest der Welt. Die staatliche Kontrolle und die g\u00fcnstige Produktion erlauben ihnen, gezielt die westliche Konkurrenz auszuschalten und schlussendlich aufzukaufen.<\/p>\n<p>Nicht mehr nur die Produktion, sondern auch das Kapital des Landes nimmt monstr\u00f6se Gr\u00f6ssen an. Das einheimische Finanzkapital, welches durch die Verschmelzung der Grossbanken und der Industriekonzernen entstand, w\u00e4chst zu einer der bestimmenden Kr\u00e4fte der Weltwirtschaft an. Vier der zehn gr\u00f6ssten Unternehmen der Welt sind chinesische Banken. Ihre Kaufkraft von 12 Billionen Dollar ist etwa gleich gross wie die j\u00e4hrliche Wirtschaftsleistung Chinas. Somit reicht die lokale Wirtschaft nicht mehr aus, um den Appetit des chinesischen Finanzkapitals zu z\u00fcgeln.<\/p>\n<p><strong>Die Seidenstrasse<\/strong><\/p>\n<p>Am eindeutigsten zeigt sich die Macht des chinesischen Imperialismus im gr\u00f6ssten Bauprojekt des 21. Jahrhunderts, der \u00abneuen Seidenstrasse\u00bb. Das Infrastrukturnetz aus Strassen, Eisenbahnlinien, Erd\u00f6lpipelines und H\u00e4fen von Pakistan bis Nigeria wird China Rohstoffe aus der halben Welt g\u00fcnstig zur Verf\u00fcgung stellen und gleichzeitig etliche L\u00e4nder in finanzielle Abh\u00e4ngigkeit zwingen. Die sechs geplanten Handelsrouten erstrecken sich \u00fcber 65 L\u00e4nder in Asien, Afrika und Europa, welche insgesamt 65% der Weltbev\u00f6lkerung umfassen. Durch die millionenschweren Bauvertr\u00e4ge, die sich auf vier bis acht Billionen Dollar summieren werden, schafft sich das Land \u00a0zus\u00e4tzlich noch einen Absatzmarkt f\u00fcr ihre riesigen Stahl- und Betonreserven und eine ergiebige Investitionsm\u00f6glichkeit f\u00fcr ihre Banken. Solche Vorst\u00f6sse sind charakteristisch f\u00fcr den Imperialismus \u2013 statt eine milit\u00e4rische Annexion ist oft eine finanzielle Knechtschaft profitabler f\u00fcr die KapitalistInnen.<\/p>\n<p><strong>Konflikte im s\u00fcdchinesischen Meer<\/strong><\/p>\n<p>Aber der Kampf um die Vorherrschaft findet nicht nur in der Gesch\u00e4ftswelt statt. Dass im modernen Imperialismus die geografische Aufteilung der Welt unter den Grossm\u00e4chten vollzogen ist, \u00a0heisst es nicht, dass eine Neuaufteilung unm\u00f6glich w\u00e4re, sobald sich die \u00f6konomischen Machtverh\u00e4ltnisse gen\u00fcgend ver\u00e4ndern. Dieser Prozess ist teilweise bereits im Gang. Es werden nicht nur erste \u00dcbersee-Milit\u00e4rbasen wie zum Beispiel in Dschibuti aufgebaut. Auch die Grenze der eigenen milit\u00e4rischen Macht wird bereits offen abgetastet.<\/p>\n<p>Seit Jahren baut China k\u00fcnstliche Inseln und milit\u00e4rische St\u00fctzpunkte im S\u00fcdchinesischen Meer, welche in provozierender N\u00e4he zu Vietnam, Malaysia und den Philippinen liegen. Durch diese aggressive Ausweitungskampagne soll die Kontrolle \u00fcber die strategisch wichtigen Handelsrouten im Meer gesichert werden. Um die dominante Grossmacht in der Region zu werden, stellt sich China auf einen Konfrontationskurs mit der amerikanischen Kriegsmaschinerie ein, welche zurzeit die Handelsrouten kontrolliert. Die USA haben weiterhin mit Abstand die m\u00e4chtigste Milit\u00e4rkraft der Welt. \u00a0Das chinesische Milit\u00e4r r\u00fcstet jedoch soweit auf, dass sie zumindest in einem defensiven Kampf \u00fcber Monate Widerstand leisten k\u00f6nnten. Bisher hat sich der Konflikt auf verbale Drohungen und milit\u00e4rische \u00ab\u00dcbungsman\u00f6ver\u00bb beschr\u00e4nkt. Mit der zunehmenden Konkurrenz wird sich der Zwist um die Handelsrouten noch versch\u00e4rfen.<\/p>\n<p><strong>China und die USA<\/strong><\/p>\n<p>Auch andernorts dr\u00e4ngen die Ausw\u00fcchse des chinesischen Imperialismus immer mehr in die Einflusszonen des Westens. Vor 30 Jahren exportierte China fast ausschliesslich Konsumg\u00fcter wie Kleider und Spielzeuge. Durch staatliche F\u00f6rderung der technologischen Entwicklung ist sie jetzt in der Lage, Hightech-Produkte wie Solaranlagen und Mikrochips herzustellen und die Absatzm\u00e4rkte ihrer westlichen Konkurrenten wegzugraben. Die g\u00fcnstigen Produktionsbedingungen, die schwache W\u00e4hrung und ihre massive \u00dcberproduktion haben zur Folge, dass chinesische Produkte zu Wegwerfpreisen im Ausland verkauft werden. Somit sind westliche Konzerne entweder gezwungen, die Produktion nach China auszulagern oder werden von chinesischen Konkurrenten aufgekauft.<\/p>\n<p>Seit der Wirtschaftskrise vor zehn Jahren hat sich die Konkurrenz auf dem internationalen Markt zugespitzt und Nationalstaaten sind wie noch nie zuvor unter Druck, die eigene Wirtschaft mit allen Mitteln zu verteidigen. Die amerikanische Bourgeoisie reagiert darauf mit Schutzz\u00f6llen \u2013 unter anderem auf Stahl, Aluminium und Solaranlagen. Somit garantieren sie, dass sie wenigstens im eigenen Land ihre Produkte verkaufen k\u00f6nnen. Es droht also einen Handelskrieg, der die Weltwirtschaft in eine tiefe Krise zerren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Aber trotz der Unruhe der US-KapitalistInnen ist der amerikanische Imperialismus weiterhin unbestrittener Meister der Weltwirtschaft. Obwohl die chinesische Wirtschaft fast sieben Prozent und die der USA zwei Prozent pro Jahr w\u00e4chst, ist die j\u00e4hrliche US- Wirtschaftsleistung mehr als eineinhalb Mal gr\u00f6sser als die chinesische. In fast allen messbaren Statistiken ist China noch weit vom Spitzenplatz entfernt.<\/p>\n<p><strong>Die Weltpolitik im Wandel<\/strong><\/p>\n<p>Vor etwa 100 Jahren untersuchte Lenin diese Mechanismen in seinem Buch \u00abDer Imperialismus als h\u00f6chstes Stadium des Kapitalismus\u00bb. Es ging ihm in erster Linie darum, die Ursachen, welche zum ersten Weltkrieg gef\u00fchrt haben, zu ergr\u00fcnden. Damals waren die USA und Deutschland die aufsteigenden M\u00e4chte, die das damalige Gleichgewicht der Kr\u00e4fte mehr und mehr in Frage stellten. Heute wird diese Rolle von China eingenommen. Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter wird das betr\u00e4chtliche Wachstum Chinas zu massgebenden Machtverschiebungen in der Weltordnung f\u00fchren. Dies hat bereits heute zu einer relativen Schw\u00e4chung der USA gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die schon vor der Wirtschaftskrise vorhandenen Widerspr\u00fcche des Kapitalismus, wie zum Beispiel die zunehmenden \u00dcberkapazit\u00e4ten, die ges\u00e4ttigten Absatzm\u00e4rkte und die wachsende Ungleichheit, spitzen sich durch den Aufstieg neuer Grossm\u00e4chte weiter zu. Ob sich das in Handelskriegen, Wirtschaftskrisen, milit\u00e4rischen Stellvertreterkonflikten oder allem zusammen \u00e4ussern wird, steht noch in den Sternen. Aber eines steht fest. Der Kapitalismus ist heute alles andere als stabil.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.derfunke.ch\/htm\/de\/deutsch\/international\/asien\/chinas-aufstieg-zur-imperialistischen-macht\/\">derfunke.ch&#8230;<\/a> vom 6. Mai 2018 <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abhi Madhavarapu. Von Nigeria bis zum S\u00fcdchinesischen Meer \u2013 der Einflussbereich Chinas dehnt sich in neue Regionen und Wirtschaftssektoren aus. 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