{"id":3502,"date":"2018-05-09T08:09:38","date_gmt":"2018-05-09T06:09:38","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3502"},"modified":"2018-05-09T08:09:38","modified_gmt":"2018-05-09T06:09:38","slug":"palaestina-70-jahre-nach-dem-massaker-von-deir-jassin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3502","title":{"rendered":"Pal\u00e4stina: 70 Jahre nach dem Massaker von Deir Jassin"},"content":{"rendered":"<p><em>Dave Stockton. <\/em>Die Feierlichkeiten zum Jahrestag der Gr\u00fcndung des Staates Israel waren in diesem Jahr gr\u00f6\u00dfer denn je. Sie fanden am 18. April statt. Dieses Datum im hebr\u00e4ischen Kalender entspricht<!--more--> dem 15. Mai nach gregorianischem Kalender.<\/p>\n<p>Und an diesem Tag gedenken die Pal\u00e4stinenserInnen der Nakba von 1948, der \u201eKatastrophe\u201c. Nakba steht f\u00fcr die Vertreibung von 750.000 und 900.000 Pal\u00e4stinenserInnen von ihrem Land, aus D\u00f6rfern und St\u00e4dten, um einen zionistischen Staat zu schaffen, in dem die j\u00fcdischen SiedlerInnen die Mehrheit bildeten. Davor hatten die Pal\u00e4stinenserInnen zwei Drittel der Bev\u00f6lkerung gestellt und besa\u00dfen 90 Prozent seines Landes.<\/p>\n<p>Israels offizielle Lesart davon, wie und warum dies geschah, besagt, dass die umliegenden arabischen Staaten Radiobotschaften gesendet h\u00e4tten, die die pal\u00e4stinensischen AraberInnen zur Flucht gedr\u00e4ngt h\u00e4tten. Das sollte den Armeen von vier arabischen Staaten als Vorwand f\u00fcr einen Einmarsch in Pal\u00e4stina dienen, um \u201edie J\u00fcdInnen ins Meer treiben\u201c zu d\u00fcrfen. David Ben-Gurion, der \u201eGr\u00fcndervater\u201c des israelischen Staates, behauptete tats\u00e4chlich, die pal\u00e4stinensischen AraberInnen seien geflohen, um den arabischen Armeen einen zweiten Holocaust zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p><strong>L\u00fcgen<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcber Jahrzehnte hinweg haben jedoch nicht nur pal\u00e4stinensische, sondern auch eine Handvoll mutiger israelischer HistorikerInnen diesen \u201eBericht\u201c als einen Haufen L\u00fcgen entlarvt. Zionistische paramilit\u00e4rische Kr\u00e4fte, viele bewaffnet und ausgebildet von den Briten in den 1930er und 1940er Jahren, waren bei weitem die st\u00e4rkste aller Armeen vor Ort.<\/p>\n<p>Anfang 1948 umfasste die Hauptmiliz der zionistischen ArbeiterInnenbewegung, die Haganah, etwa 50.000 und stieg bis zum Sommer auf 80.000 Angeh\u00f6rige. Zu ihr geh\u00f6rten eine kleine Luftwaffe, eine Marine und Einheiten von Panzern, gepanzerten Fahrzeugen und schwerer Artillerie. Dagegen hatten die Pal\u00e4stinenserInnen kein stehendes Heer, nur etwa 7.000 schlecht ausger\u00fcstete irregul\u00e4re Einheiten, die meisten von ihnen Einheimische und einige Freiwillige aus Syrien und dem Irak. Die Haganah konnte auch auf die Unterst\u00fctzung der mehr rechtsgerichteten zionistischen Milizen wie der vom italienischen Faschismus inspirierten Irgun (Nationale Milit\u00e4rorganisation) und Lechi (K\u00e4mpferInnen f\u00fcr die Freiheit Israels, auch bekannt als \u201edie Stern-Bande\u201c nach ihrem Gr\u00fcnder Avraham Stern) z\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Die umliegenden arabischen Staaten \u2013 Transjordanien, Irak, Syrien, Libanon und \u00c4gypten \u2013 waren gerade erst aus der britischen oder franz\u00f6sischen Kolonialherrschaft hervorgegangen und ihre Regierungen waren immer noch von britischen und franz\u00f6sischen Interessen beherrscht. Ihre Armeen, gut f\u00fcr wenig mehr als Palastrevolten und die Erschie\u00dfung von Streikenden und DemonstrantInnen, waren zum Zwecke der internen Repression und nicht f\u00fcr ernsthafte Kriege mit anderen Staaten geschaffen worden.<\/p>\n<p>Und von diesen f\u00fcnf L\u00e4ndern bestand die Hauptaufgabe des Libanon im Pal\u00e4stina-Krieg 1947-49 darin, pal\u00e4stinensische Fl\u00fcchtlinge und K\u00e4mpferInnen auf seinem Territorium zusammenzutreiben und zu entwaffnen, anstatt ihnen zu helfen. Nur Jordanien hatte eine gut ausgebildete Berufsarmee, die Arabische Legion, und sie wurde immer noch von einem britischen General, Sir John Bagot Glubb (\u201eGlubb Pascha\u201c), kommandiert.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem verhandelte Jordaniens K\u00f6nig Abdullah heimlich mit Ben-Gurion (vermittelt durch andere F\u00fchrerInnen der zionistischen ArbeiterInnenbewegung wie Golda Meir) \u00fcber eine jordanische Besetzung des Westjordanlandes und dessen Annexion an sein ressourcenarmes K\u00f6nigreich. Beide Seiten wollten die Entstehung eines eigenen Staates f\u00fcr die pal\u00e4stinensischen AraberInnen unter der F\u00fchrung des Gro\u00dfmufti von Jerusalem, Amin al-Husseini, oder schlimmer noch, unter der F\u00fchrung der pal\u00e4stinensischen Guerillaf\u00fchrerInnen, die w\u00e4hrend der arabischen Revolte von 1936-1939 gegen die britische Kolonialmacht und die ZionistInnen gek\u00e4mpft hatten, verhindern.<\/p>\n<p>In enger Anlehnung an die \u201eroten Linien\u201c des \u00dcbereinkommens zwischen K\u00f6nig Abdullah und Ben-Gurion \u2013 von dem die Briten eindeutig vorher Kenntnis besa\u00dfen \u2013 sorgte Glubb daf\u00fcr, dass die Arabische Legion zu keinem Zeitpunkt des Krieges auch nur irgendeinen Zipfel des von den Vereinten Nationen (UN) f\u00fcr einen \u201ej\u00fcdischen Staat\u201c vorgesehenen Gebietes besetzte. Die Arabische Legion lie\u00df sogar Tiberias und Safed im Norden des Landes (Galil\u00e4a) im April und Mai 1948 an die Haganah fallen, um Husseini daran zu hindern, dort eine provisorische pal\u00e4stinensische Regierung zu bilden.<\/p>\n<p>Die meisten K\u00e4mpfe zwischen der Haganah und der Arabischen Legion fanden statt, weil die ZionistInnen versuchten, Gebiete zu besetzen, die weit \u00fcber diese vorher vereinbarte Aufteilung der Beute hinausgingen.<\/p>\n<p><strong>Gro\u00dfbritannien spielt J\u00fcdInnen und AraberInnen gegeneinander aus<\/strong><\/p>\n<p>Britannien hatte zuvor mit der Idee gespielt, Pal\u00e4stina gem\u00e4\u00df den Vorschl\u00e4gen der Peel-Kommission im Juli 1937 zu spalten, um den arabischen Aufstand zu beenden. Aber der Ausbruch des Krieges in Europa im September 1939 zwang sie, den Peel-Plan aufzugeben, um die pal\u00e4stinensisch-arabische Meinung zu beschwichtigen, sehr zum \u00c4rger der j\u00fcdischen KolonistInnnen, die die britische Kolonialherrschaft gegen die rebellischen AraberInnen unterst\u00fctzt hatten.<\/p>\n<p>Viele dieser j\u00fcdischen KolonistInnen waren \u00fcber die von Gro\u00dfbritannien gesponsorte zionistische paramilit\u00e4rische Organisation Palmach (Einsatztruppen) f\u00fcr die britischen Kriegsanstrengungen im Libanon und in Syrien rekrutiert worden. Diese wurde die wichtigste legale Deckung f\u00fcr die Untergrundorganisation Haganah, bis die britischen Beh\u00f6rden 1942 ihre Finanzierung einstellten. Eine kleine Minderheit innerhalb der zionistischen Bewegung f\u00fchrte jedoch auch w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs eine terroristische Kampagne gegen britische und arabische Ziele durch, um gegen das britische \u201eWei\u00dfbuch\u201c zu protestieren, das auf den beiseitegelegten Peel-Plan folgte.<\/p>\n<p>Vertreten durch Lechis F\u00fchrer Avraham Stern wandte sich diese extremistische Minderheit sogar an die Nazis mit der Bitte um deutsche Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Schaffung eines prodeutschen faschistischen Staates unter ihrer F\u00fchrung, in den Adolf Hitler dann die j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerungen aus den L\u00e4ndern Europas unter deutscher Besatzung massenhaft deportieren k\u00f6nnte. Die Nazis betrachteten diesen Vorschlag jedoch als Ablenkung von der genozidalen \u201eEndl\u00f6sung der Judenfrage\u201c, die sie bereits in Europa unternahmen, und Stern selbst wurde im Februar 1942 bei einer Schie\u00dferei mit der britischen Polizei gefangen genommen und get\u00f6tet.<\/p>\n<p>Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Mai 1945 schloss sich Lechi jedoch die eher zum rechten \u201eMainstream\u201c geh\u00f6rende Irgun an, von der Lechi sich urspr\u00fcnglich im August 1940 getrennt hatte, als sie ihren bewaffneten Feldzug wieder aufnahm, um Gro\u00dfbritannien zu zwingen, einen j\u00fcdischen Staat in ganz Pal\u00e4stina zu akzeptieren. Der mit Abstand ber\u00fcchtigste Angriff dieser beiden Gruppen war der Bombenanschlag auf das King David Hotel in Jerusalem im Juli 1946, bei dem 91 Menschen get\u00f6tet wurden, darunter 41 AraberInnen, 28 britische Regierungsangestellte und 17 J\u00fcdInnen.<\/p>\n<p>Diese bewaffnete Kampagne genoss die gelegentliche, wenn auch indirekte Unterst\u00fctzung der offiziellen zionistischen Arbeitsparteif\u00fchrung um Ben-Gurion und warf die britische Politik in Pal\u00e4stina in eine Krise. Der britische Imperialismus, der nicht bereit war, \u201ePartei zu ergreifen\u201c und seine Beziehungen sowohl zur zionistischen Bewegung in Pal\u00e4stina als auch zu den von ihm abh\u00e4ngigen arabischen Regimen zu st\u00f6ren, \u00fcbergab das \u201ePal\u00e4stina-Problem\u201c zynisch an die neu gegr\u00fcndete UNO, die damals noch von europ\u00e4ischen M\u00e4chten mit eigenen gro\u00dfen Kolonialreichen beherrscht wurde.<\/p>\n<p><strong>Gro\u00dfbritannien fungiert als Helfer<\/strong><\/p>\n<p>Die UNO kam dann zu einem detaillierten Plan f\u00fcr die Teilung Pal\u00e4stinas in arabische und j\u00fcdische Staaten, allerdings vereinbart mit \u201efreiwilligen Transfers\u201c und \u201eAustausch\u201c der Bev\u00f6lkerung. Arabische Regierungen und pal\u00e4stinensisch-arabische F\u00fchrerInnen lehnten den Plan mit \u00fcberw\u00e4ltigender Mehrheit ab, weil er grob gesch\u00e4tzt die H\u00e4lfte Pal\u00e4stina an das j\u00fcdische Drittel seiner Bev\u00f6lkerung f\u00fcr den vorgeschlagenen \u201ej\u00fcdischen Staat\u201c vergab, in dem die AraberInnen selbst dann noch eine knappe Mehrheit bilden w\u00fcrden. Nat\u00fcrlich unter der Annahme, dass sie dort blieben.<\/p>\n<p>Andererseits akzeptierten Ben-Gurion und die zionistische ArbeiterInnenbewegung den UN-Teilungsplan als Sprungbrett f\u00fcr zuk\u00fcnftige zionistische W\u00fcnsche in Pal\u00e4stina als Ganzem, w\u00e4hrend die \u201erevisionistischen zionistischen\u201c Irgun und Lechi ihn beide ablehnten. F\u00fcr die rechten RevisionistInnen blieb dieser Plan weit hinter ihren urspr\u00fcnglichen Forderungen nach einem j\u00fcdischen Staat auf beiden Seiten des Jordans zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Beide Fl\u00fcgel der zionistischen Bewegung hatten jedoch die volle Absicht, die J\u00fcdInnen zu einer \u00fcberw\u00e4ltigenden Mehrheit der dortigen Bev\u00f6lkerung zu machen, indem sie das Land von seiner indigenen Bev\u00f6lkerung \u201eabl\u00f6sten, zur\u00fcckkauften\u201c, das hei\u00dft, indem sie AraberInnen vertrieben und j\u00fcdische EinwandererInnen und Fl\u00fcchtlinge aus Europa, der arabischen Welt und von anderswo ins Land holten.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich gab der UN-Aufteilungsplan der zionistischen Bewegung weit mehr Land, als damals von der j\u00fcdischen SiedlerInnen-Minderheit Pal\u00e4stinas besessen oder kontrolliert wurde. Und um die \u201ej\u00fcdische Mehrheit\u201c zu erreichen, die einem j\u00fcdischen Staat in Pal\u00e4stina \u00fcberhaupt politische oder demographische Lebensf\u00e4higkeit geben w\u00fcrde, war es notwendig, eine Reihe von Pl\u00e4nen in die Tat umzusetzen, die Jahre oder Jahrzehnte zuvor ausgearbeitet worden waren, um die AraberInnen zu vertreiben.<\/p>\n<p>Der umfassendste davon war als Plan Dalet (oder \u201ePlan D\u201c) bekannt, der die meisten milit\u00e4rischen Aktionen der Haganah in den Jahren 1947-49 anstiftete. Dieser sah die Zwangsumsiedlung von Hunderttausenden von pal\u00e4stinensischen AraberInnen aus der arabischen Mehrheitsregion des l\u00e4ndlichen Galil\u00e4a und der Negev-W\u00fcste sowie die ethnische S\u00e4uberung der gro\u00dfen St\u00e4dte Pal\u00e4stinas, insbesondere der H\u00e4fen Haifa, Jaffa und Akkon (Acre), vor.<\/p>\n<p>Gro\u00dfbritanniens Antwort auf den Teilungsplan im November 1947 war, sich wie Pontius Pilatus \u201edie H\u00e4nde reinzuwaschen\u201c. Gro\u00dfbritannien k\u00fcndigte lediglich an, sein ehemaliges Mandat des V\u00f6lkerbundes \u00fcber Pal\u00e4stina am 14. Mai 1948 zu beenden. Die Zionistische J\u00fcdische Agentur f\u00fcr Pal\u00e4stina, eine von den britischen Beh\u00f6rden gegr\u00fcndete und von Ben-Gurion gef\u00fchrte quasi-staatliche Einrichtung, erkl\u00e4rte dann einseitig die Unabh\u00e4ngigkeit des neuen Staates Israel am selben Tag, als der formelle R\u00fcckzug Gro\u00dfbritanniens vonstattenging.<\/p>\n<p>In den dazwischen liegenden sechs Monaten war Gro\u00dfbritannien jedoch immer noch offiziell f\u00fcr die Aufrechterhaltung von \u201eRecht und Ordnung\u201c in Pal\u00e4stina verantwortlich. Aber die britischen Streitkr\u00e4fte hatten sich in Wirklichkeit in ihre Lager zur\u00fcckgezogen, und die Polizeistationen unter britischer Befehlsgewalt taten absolut nichts, um diese (\u00fcberwiegend) AraberInnen, aber auch einige J\u00fcdInnen vor Massakern oder Vertreibungen zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Diese Niedertracht war ganz im Stil von Gro\u00dfbritanniens Aktionen w\u00e4hrend der Teilung Indiens nur wenige Monate zuvor, als Gro\u00dfbritannien beiseitetrat und nichts unternahm, um die schrecklichen kommunalistischen Massaker und Vertreibungen von Millionen Menschen zu verhindern. Zuvor hatte es Jahrzehnte damit verbracht, Hindus, Muslime und Sikhs gegeneinander aufzubringen. Beide Ausstiege aus dem Empire bleiben furchtbare unabwaschbare Blutflecken an den H\u00e4nden von Clement Attlees gefeierter Labour-Regierung von 1945-51.<\/p>\n<p>Im konkreten Fall haben die gut bewaffneten und hervorragend ausgebildeten Milizen des neuen israelischen Staates 78 Prozent des ehemaligen britischen Mandatsgebietes beschlagnahmt, weit mehr als die 56 Prozent, die ihnen von der UNO zugesprochen wurden. Dabei wurden etwa 530 arabische D\u00f6rfer zerst\u00f6rt oder von ihren arabischen BewohnerInnen geleert ebenso wie die arabischen Viertel aller gro\u00dfen Stadtgebiete, einschlie\u00dflich der westlichen Teile Jerusalems. Jaffa wurde am 25. April 1948 von der \u201eoffiziellen\u201c Haganah angegriffen, die neben der noch m\u00f6rderischeren Irgun agierte. Seine arabische Bev\u00f6lkerung von 100.000 wurde in wenigen Tagen auf 5.000 reduziert.<\/p>\n<p>Diese Gr\u00e4ueltaten wurden nicht einfach im Eifer des Gefechts begangen, sondern waren darauf ausgelegt, Panik zu verbreiten und so die einheimische arabische Bev\u00f6lkerung zur Flucht zu bewegen. Laut dem israelischen Milit\u00e4rhistoriker Arieh Itzchaki gab es w\u00e4hrend der Aufteilung zehn gro\u00dfe und etwa 100 kleinere Massaker, die von verschiedenen zionistischen Milizen ver\u00fcbt wurden.<\/p>\n<p>Caesarea (\u201eQaysaria\u201c auf Arabisch) war das erste Dorf, das am 15. Februar 1948 vollst\u00e4ndig vertrieben wurde. Weitere vier D\u00f6rfer wurden am selben Tag \u201eges\u00e4ubert\u201c, allesamt beobachtet von britischen Truppen, die in nahegelegenen Polizeistationen stationiert waren. Ein weiteres Dorf, das in der gleichen Nacht angegriffen wurde, war Sa\u2019sa\u2018 nahe der libanesischen Grenze, wo der verantwortliche Offizier Mosche Kelman sich sp\u00e4ter erinnerte: \u201eWir hinterlie\u00dfen 35 abgerissene H\u00e4user (ein Drittel des Dorfes) und 60-80 Leichen (einige davon waren Kinder)\u201c.<\/p>\n<p><strong>Deir Jassin<\/strong><\/p>\n<p>Das ber\u00fcchtigtste zionistische Massaker fand jedoch am 9. April 1948 im Dorf Deir Jassin bei Jerusalem statt. Es wurde von den Irgun- und Lechi-Milizen durchgef\u00fchrt, deren nationale Befehlshaber jeweils Menachem Begin und Jitzchak Schamir waren. Beide wurden sp\u00e4ter Politiker der rechten Likud-Partei des derzeitigen israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu und zudem 1977-83 bzw. 1986-92 selbst Premierminister.<\/p>\n<p>Die Verantwortung f\u00fcr dieses Massaker wurde im Allgemeinen allein diesen beiden Milizen zugeschoben. Das liegt zum Teil daran, dass Ben-Gurion das damalige Massaker zugegeben und sich daf\u00fcr \u201eentschuldigt\u201c hat, um die internationale Schuld auf seine rechten Rivalen abzuw\u00e4lzen. Aber israelische \u201eNeue Historiker\u201c wie Ilan Pappe haben gezeigt, dass die Haganah-Kommandeure ihre Pl\u00e4ne guthie\u00dfen und die Palmach sogar nach Deir Jassin schickten, um Irgun und Lechin dabei zu helfen, den Rest zu erledigen.<\/p>\n<p>Dieses Massaker hatte jedoch unmittelbare Auswirkungen auf die Moral der arabischen Zivilbev\u00f6lkerung. Sein Ausma\u00df wurde bewusst benutzt, um andere D\u00f6rfer und Stadtteile in Angst und Schrecken zu versetzen. Lastwagen mit Lautsprechern \u00fcbertrugen die Nachrichten und forderten die AraberInnen auf, einem \u00e4hnlichen Schicksal zu entfliehen.<\/p>\n<p>Dieses Dorf mit nur 600 Einwohnern liegt nur wenige Kilometer westlich von Jerusalem. Die DorfbewohnerInnen hatten einen Nichtangriffspakt mit benachbarten j\u00fcdischen Siedlungen und sogar mit Lechi-KommandantInnen unterzeichnet. Sie hatten h\u00f6chstens etwa 30 bewaffnete DorfbewohnerInnen zu ihrer Verteidigung.<\/p>\n<p>Rund 132 Irgun- und 60 Lechi-Kommandos st\u00fcrmten bei Anbruch der Morgend\u00e4mmerung hinein. Ilan Pappes Buch \u201eDie ethnische S\u00e4uberung Pal\u00e4stinas\u201c von 2006 fasst zusammen, was geschah:<\/p>\n<p>\u201eAls sie in das Dorf eindrangen, \u00fcberzogen die j\u00fcdischen Soldaten die H\u00e4user mit Maschinengewehrfeuer und t\u00f6teten viele der BewohnerInnen. Die \u00fcbrigen DorfbewohnerInnen wurden dann an einem Ort versammelt und kaltbl\u00fctig ermordet, ihre K\u00f6rper misshandelt, w\u00e4hrend einige der Frauen vergewaltigt und dann get\u00f6tet wurden.\u201c<\/p>\n<p>Der neuere Dokumentarfilm von der in Deir Jassin geborenen israelischen Regisseurin Neta Shoshani sammelte eine Reihe von Augenzeugenberichten, unter anderem von einigen an den Ereignissen beteiligten Israelis. Einer war Yehoshua Zettler, der Jerusalemer Kommandeur Lechis. In einem offenen und unmissverst\u00e4ndlichen Interview beschrieb er die Art und Weise, wie die BewohnerInnen von Deir Jassin get\u00f6tet wurden:<\/p>\n<p>\u201eIch werde dir nicht sagen, dass wir sie mit Samthandschuhen anfassten. Haus f\u00fcr Haus setzen wir Sprengstoff ein und sie rennen davon. Eine Explosion und weitergehen, eine Explosion und weitergehen und innerhalb weniger Stunden ist das halbe Dorf nicht mehr da.\u201c<\/p>\n<p>Ein weiterer Zeuge war Professor Mordechai Gichon, ein ehemaliger Haganah-Nachrichtenoffizier, der nach dem Ende des Massakers nach Deir Jassin geschickt wurde:<\/p>\n<p>\u201eF\u00fcr mich sah es ein bisschen wie ein Pogrom aus. Wenn man eine Armeeposition einnimmt, ist es kein Pogrom, auch wenn hundert Menschen get\u00f6tet werden. Aber wenn man in einen zivilen Ort kommt und Tote darin verstreut sind \u2013 dann sieht es aus wie ein Pogrom. Wenn die KosakInnen in die j\u00fcdischen Viertel einbrachen, dann h\u00e4tte das ungef\u00e4hr so aussehen m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p>Trotz der Versuche von Ben-Gurion und VertreterInnen der zionistischen ArbeiterInnenbewegung, dieses und andere Massaker als au\u00dfergew\u00f6hnliche Ergebnisse der Aktionen einiger Extremisten darzustellen, wurden diese \u201eExtremisten\u201c in keiner Weise bestraft. Tats\u00e4chlich haben sie in den 1970er Jahren die Nachfolge der zionistischen Regierung der Arbeitspartei angetreten und fuhren mit denselben Methoden im S\u00fcdlibanon der 1980er Jahre fort. Und diese \u201erespektablen\u201c Extremisten haben sich nie f\u00fcr ihre Taten 1948 entschuldigt. Ganz im Gegenteil.<\/p>\n<p>Menachem Begin, der 1978 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, schrieb in seinen Memoiren \u201eThe Revolt: Inside Story of the Irgun\u201c 1951:<\/p>\n<p>\u201eDas Massaker war nicht nur gerechtfertigt, es h\u00e4tte auch keinen Staat Israel ohne den Sieg bei Deir Jassin gegeben.\u201c<\/p>\n<p>Er fuhr fort:<\/p>\n<p>\u201eDie Legende von Deir Jassin half uns insbesondere bei der Rettung von Tiberias und der Eroberung von Haifa. [\u2026] Alle j\u00fcdischen Truppen zogen durch Haifa wie ein Messer durch die Butter. Die AraberInnen flohen in Panik und riefen: \u201aDeir Jassin\u2019!\u201c<\/p>\n<p>Heute t\u00f6ten Scharfsch\u00fctzInnen der israelischen Streitkr\u00e4fte IDF Dutzende unbewaffnete pal\u00e4stinensische DemonstrantInnen und verwunden Hunderte am Grenzzaun zum Gazastreifen. Diese DemonstrantInnen versuchen, mit ihrem Gedenken an den 70. Jahrestag der Nakba das Totschweigen der israelischen und westlichen Medien \u00fcber ihre immer noch verzweifelte Situation zu durchbrechen.<\/p>\n<p>Und der entsetzlich rassistische und israelfreundliche US-Pr\u00e4sident Donald Trump droht damit, die US-Botschaft in Jerusalem am oder um den 15. Mai pers\u00f6nlich zu er\u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Deshalb ist es wichtig, dass die globale Solidarit\u00e4tsbewegung mit Pal\u00e4stina deutlich macht, dass ein Staat, der aus der Enteignung eines ganzen Volkes entstanden ist \u2013 ein rassistischer Staat, der auf der Grundlage von hundert Deir Jassins geschaffen wurde \u2013, kein Recht hat, auf dieser Grundlage weiter zu existieren.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2018\/05\/08\/palaestina-70-jahre-nach-dem-massaker-von-deir-jassin\/\"><em>arbeiterinnenmacht.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 9. Mai 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dave Stockton. Die Feierlichkeiten zum Jahrestag der Gr\u00fcndung des Staates Israel waren in diesem Jahr gr\u00f6\u00dfer denn je. Sie fanden am 18. April statt. 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