{"id":3524,"date":"2018-05-14T12:04:36","date_gmt":"2018-05-14T10:04:36","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3524"},"modified":"2018-05-14T12:04:36","modified_gmt":"2018-05-14T10:04:36","slug":"gruendung-israels-mit-unterstuetzung-moskaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3524","title":{"rendered":"Gr\u00fcndung Israels mit Unterst\u00fctzung Moskaus"},"content":{"rendered":"<p><em>Knut Mellenthin.<\/em> <strong>Vor 70 Jahren wurde Israel gegr\u00fcndet. Die Sowjetunion erkannte den Staat als erste de jure an und half anfangs mit Waffen.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Vor 70 Jahren, am Nachmittag des 14. Mai 1948, verlas David Ben-Gurion, der wenige Stunden sp\u00e4ter erster Regierungschef des jungen Staates wurde, die israelische Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung. Schauplatz war das Kunstmuseum von Tel Aviv, wo sich die Mitglieder des J\u00fcdischen Nationalrats \u2013 einer Art ungew\u00e4hlten Parlaments des Jischuw, der in Pal\u00e4stina lebenden Juden \u2013 versammelt hatten. Ben-Gurion, F\u00fchrer der sozialdemokratischen Partei MAPAI, handelte in diesem Moment als Vorsitzender der Jewish Agency, die vor der Staatsgr\u00fcndung auf internationaler Ebene Regierungsfunktionen wahrnahm. Der Nationalrat bildete anschlie\u00dfend eine provisorische Regierung.<\/p>\n<p>Die Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung trat um Mitternacht in Kraft. Elf Minuten sp\u00e4ter teilten die USA als erster Staat der Welt mit, dass sie die provisorische Regierung als \u00bbDe-facto-Autorit\u00e4t des Staates Israel\u00ab anerkannt h\u00e4tten. Als zweiter Staat folgte die Sowjetunion, die Israel am 17. Mai 1948 nicht nur als Tatsache, sondern auch \u00bbde jure\u00ab, von Rechts wegen, anerkannte. Diesen Schritt vollzogen die USA erst am 31. Januar 1949, nachdem sechs Tage zuvor ein israelisches Parlament gew\u00e4hlt worden war.<\/p>\n<p><strong>Diplomatische Wende<\/strong><\/p>\n<p>Genau ein Jahr vor der Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung hatte sich im Verh\u00e4ltnis zwischen der Sowjetunion und dem Jischuw eine Wende abgezeichnet, die weltweit als \u00fcberraschend, geradezu sensationell wahrgenommen wurde, obwohl sie im R\u00fcckblick eine nachvollziehbare Vorgeschichte hatte: Am 14. Mai 1947 hielt der sowjetische Vertreter bei den Vereinten Nationen, Andrej Gromyko, eine Rede vor der UN-Versammlung, in der er praktisch die Unterst\u00fctzung seiner Regierung f\u00fcr die Forderung der zionistischen Weltbewegung nach einem eigenen Staat in Aussicht stellte.<\/p>\n<p>Der damals 37j\u00e4hrige Berufsdiplomat sprach am vorletzten Tag einer Sondersitzung, die am 28. April 1947 begonnen hatte. N\u00f6tig geworden war diese Debatte, nachdem die britische Regierung am 7. Februar angek\u00fcndigt hatte, dass sie sich von dem Mandat f\u00fcr Pal\u00e4stina zur\u00fcckziehen werde, das ihr der Vorl\u00e4ufer der UNO, der V\u00f6lkerbund, 1922 \u00fcbertragen hatte. Damit lagen Diskussion und Entscheidung \u00fcber die Zukunft des Gebiets bei den Vereinten Nationen, ohne dass die Regierung in London dazu einen eigenen Vorschlag machen wollte.<\/p>\n<p>Dieser Schritt der Briten reflektierte die zunehmenden Schwierigkeiten, denen die Kolonialmacht in Pal\u00e4stina gegen\u00fcberstand. Anfang 1947 waren dort mehr als 100.000 britische Soldaten stationiert. Der Sicherheitsapparat zur Eind\u00e4mmung der Konflikte zwischen arabischen und j\u00fcdischen Bewohnern verursachte hohe Kosten, die das durch den Weltkrieg finanziell geschw\u00e4chte Gro\u00dfbritannien nicht mehr tragen wollte. Anschl\u00e4ge rechtszionistischer Terroristen hatten schmerzhafte Verluste der britische Truppen zur Folge. Das Bem\u00fchen des Vereinigten K\u00f6nigreichs, jede weitere j\u00fcdische Einwanderung nach Pal\u00e4stina zu blockieren, war in vielen westlichen L\u00e4ndern unpopul\u00e4r und kollidierte auch mit der Regierungspolitik der USA. \u00dcberdies war Gro\u00dfbritannien damals dabei, sich von einem Teil seines Kolonialreichs zu trennen und Gr\u00f6\u00dfe und Aktionsradius seiner Armee zu verkleinern. Seit Kriegsende liefen die Vorbereitungen f\u00fcr den R\u00fcckzug aus der Kronkolonie Indien und deren Teilung in mehrheitlich hinduistische und mehrheitlich muslimische Gebiete. Mehr als 14 Millionen Menschen verloren ihre Heimat. Um Mitternacht zwischen dem 14. und dem 15. August 1947 wurden Indien und Pakistan als getrennte und verfeindete Staaten offiziell unabh\u00e4ngig.<\/p>\n<p>F\u00fcr Pal\u00e4stina bestanden die zwei Alternativen, \u00fcber die haupts\u00e4chlich gestritten wurde, in der Bildung eines binationalen Staates oder der Teilung des Mandatsgebiets. Die Zionisten lehnten jedoch einen gemeinsamen Staat grunds\u00e4tzlich ab. Die arabische Seite h\u00e4tte eine solche L\u00f6sung nur ohne Gruppenrechte f\u00fcr den j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerungsteil akzeptiert. Da es in Pal\u00e4stina rund doppelt so viele Araber wie Juden gab, w\u00e4re das auf einen arabischen Staat ohne kollektive Minderheitsrechte f\u00fcr die Juden hinausgelaufen.<\/p>\n<p>Bis zur Rede ihres UN-Vertreters am 14. Mai 1947 hatte die Sowjetunion sich f\u00fcr die Bildung eines binationalen Staates eingesetzt. Mit dieser Tradition brach auch Gromyko nicht abrupt. Aber die Akzente, die er setzte, waren neu: Pal\u00e4stina sei, so f\u00fchrte er aus, zur \u00bbHeimat zweier V\u00f6lker\u00ab geworden, die dort beide \u00bbhistorische Wurzeln\u00ab h\u00e4tten. Die legitimen Interessen beider V\u00f6lker m\u00fcssten ausreichend ber\u00fccksichtigt werden. Das k\u00f6nne nach sowjetischer Ansicht nur durch die \u00bbErrichtung eines unabh\u00e4ngigen, binationalen, demokratischen und homogenen arabisch-j\u00fcdischen Staates\u00ab geschehen, in dem beide Bev\u00f6lkerungsteile gleichberechtigt seien.<\/p>\n<p>Sollte sich die Bildung eines solchen Staates aber \u00bbangesichts der Verschlechterung der Beziehungen zwischen Juden und Arabern\u00ab als unm\u00f6glich erweisen, so Gromyko, sei es n\u00f6tig, die Alternative in Erw\u00e4gung zu ziehen, n\u00e4mlich die Teilung Pal\u00e4stinas in zwei unabh\u00e4ngige, autonome Staaten. Eine solche L\u00f6sung sei allerdings nur zu rechtfertigen, falls sich die Beziehungen zwischen den Bev\u00f6lkerungsgruppen wirklich als so schlecht herausstellen sollten, dass Vers\u00f6hnung und friedliche Koexistenz zwischen ihnen unm\u00f6glich seien.<\/p>\n<p>Gromykos Rede enthielt auch Passagen, die \u00fcber die rein politische Dimension des Konflikts hinauswiesen: Die Juden in den von der Wehrmacht besetzten Territorien h\u00e4tten durch die \u00bbfaschistischen Aggressoren\u00ab \u2013 der Diplomat sprach auch von \u00bbHitleristen\u00ab, aber nicht von Deutschen \u2013 Unbeschreibliches erlitten. Sie seien Opfer einer nahezu vollst\u00e4ndigen physischen Ausrottung geworden. Etwa sechs Millionen Juden seien ermordet worden, nur anderthalb Millionen h\u00e4tten den Krieg \u00fcberlebt. Diese Zahlen g\u00e4ben aber noch keine Vorstellung von den Schwierigkeiten, in denen sich eine gro\u00dfe Anzahl von Juden nach Beendigung des Krieges befinde. Hunderttausende seien in Lager f\u00fcr \u00bbDisplaced Persons\u00ab (heimatlose Ausl\u00e4nder) gesperrt. Die Tatsache, dass kein westeurop\u00e4ischer Staat in der Lage gewesen sei, die Juden vor ihren faschistischen Verfolgern zu sch\u00fctzen, erkl\u00e4re deren Streben, ihren eigenen Staat zu errichten. \u00bbEs w\u00e4re ungerecht, das nicht zu ber\u00fccksichtigen und dem j\u00fcdischen Volk das Recht zu verweigern, seine angestrebten Ziele zu verwirklichen.\u00ab<\/p>\n<p>Den Auftrag zu dieser Rede hatte Gromyko, das kann als sicher gelten, von Au\u00dfenminister Wja\u00adtscheslaw Michailowitsch Molotow erhalten. Insgesamt ist die Aktenlage \u00fcber diese Vorg\u00e4nge aber leider immer noch sehr d\u00fcnn. Dass Molotow die Linie der Rede vorgegeben oder genehmigt hatte, ist sehr wahrscheinlich. Dass dar\u00fcber hinaus auch der gesamte Text, Satz f\u00fcr Satz, abgesprochen worden war, ist zu vermuten. Partei- und Staatsf\u00fchrer Josef Stalin selbst pflegte sich in solche Details der Au\u00dfenpolitik nicht unbedingt direkt einzuschalten, sondern gab Molotow weitgehend freie Hand. Aber ohne Stalins Zustimmung w\u00e4re diese Wende zugunsten des Jischuw und der Zionisten nicht m\u00f6glich gewesen. Das wiederum setzte voraus, dass er aufgrund der ihm vorliegenden oder vorgetragenen Berichte und Analysen von der Richtigkeit dieser Umorientierung \u00fcberzeugt war.<\/p>\n<p>Als Gromyko seine Ansprache hielt, hatte die Vollversammlung bereits die Bildung eines Ausschusses beschlossen, der die Lage im Mandatsgebiet untersuchen und Empfehlungen f\u00fcr die Zeit nach dem britischen R\u00fcckzug entwickeln sollte. Am folgenden Tag, dem 15. Mai 1947, wurde das United Nations Special Committee on Palestine (UNSCOP) offiziell eingesetzt. Grunds\u00e4tzlich war vereinbart worden, dass der Ausschuss nur aus Delegierten \u00bbneutraler\u00ab Staaten gebildet werden sollte. \u00dcber Einzelheiten der Besetzung hatte es Kontroversen gegeben. Schlie\u00dflich geh\u00f6rten dem Ausschuss Vertreter folgender L\u00e4nder an: Australien, Kanada, Tschechoslowakei, Guatemala, Indien, Iran, Niederlande, Peru, Schweden, Uruguay und Jugoslawien.<\/p>\n<p><strong>Der Teilungsplan<\/strong><\/p>\n<p>Das UNSCOP legte seinen Bericht am 3. September 1947 vor. Neben einer F\u00fclle von Fakten und Einsch\u00e4tzungen enthielt er zwei getrennte Abstimmungsergebnisse: Einstimmig wurde unter anderem empfohlen, das britische Mandat zum fr\u00fchestm\u00f6glichen Datum zu beenden, Pal\u00e4stina so bald wie m\u00f6glich in die Unabh\u00e4ngigkeit zu entlassen, eine \u00dcbergangsperiode unter Verantwortung der UNO vorzuschalten, die heiligen St\u00e4tten unter internationalen Schutz zu stellen und die Probleme der j\u00fcdischen Displaced Persons in Europa mit besonderer Dringlichkeit anzugehen.<\/p>\n<p>Zur Zukunft Pal\u00e4stinas gab es ein Mehrheits- und ein Minderheitsvotum. Von den elf Staaten, die am UNSCOP beteiligt waren, stimmten sieben der Empfehlung zu, das Mandatsgebiet zu teilen. Eine Minderheit von drei Staaten \u2013 Indien, Iran und Jugoslawien \u2013 bef\u00fcrwortete einen alternativen Vorschlag. Pal\u00e4stina sei das \u00bbgemeinsame Land der einheimischen Araber und Juden\u00ab, hie\u00df es dort; beide V\u00f6lker seien mit diesem Land \u00bbhistorisch verbunden\u00ab und sollten nach einer \u00dcbergangszeit von h\u00f6chstens drei Jahren in einem gemeinsamen, f\u00f6derativ aufgebauten Staat gleiche Rechte haben. Unter dem Dach dieser F\u00f6deration sollten ein j\u00fcdischer und ein arabischer Staatsteil mit einem hohen Grad an Autonomie, unter anderem auch eigenen Polizeikr\u00e4ften, bestehen. Die j\u00fcdische Einwanderung \u2013 ausschlie\u00dflich in den j\u00fcdischen Staatsteil \u2013 sollte unter internationaler Aufsicht so reguliert werden, dass sich die demographischen Verh\u00e4ltnisse in Pal\u00e4stina nicht wesentlich verschieben w\u00fcrden. Die Verbesserung der Lage der auf rund 250.000 gesch\u00e4tzten j\u00fcdischen Displaced Persons in Europa sollte als dringliche internationale Aufgabe, aber au\u00dferhalb Pal\u00e4stinas angegangen werden.<\/p>\n<p>Die Mehrheitsempfehlung zur Teilung Pal\u00e4stinas in einen arabischen und einen j\u00fcdischen Staat enthielt v\u00f6llig wirklichkeitsfremde, aber auffallend ausf\u00fchrliche Ideen zu deren Strukturen, zu den politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen ihnen und sogar zu ihren Staatsausgaben und -einnahmen. Teil der Empfehlung war auch eine genaue Beschreibung der Grenzen der beiden Staaten und des Gebiets von Jerusalem, das unter internationale Verwaltung gestellt werden sollte. Aus diesem Plan ergab sich erstens, dass der j\u00fcdische Staat rund 54 Prozent des Mandatsgebiets erhalten sollte. Zu diesem Zeitpunkt waren jedoch nur etwa ein Drittel der Einwohner Juden. Fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig wurden kaum 15 Prozent des Landes von Juden bewohnt. Der Mehrheitsempfehlung zufolge sollten im j\u00fcdischen Staat 498.000 Juden, 407.000 Araber und 90.000 gesondert gez\u00e4hlte, aber ebenfalls arabische \u00bbBeduinen\u00ab leben. Die offensichtlich ungerechte Aufteilung des Mandatsgebiets wurde damit begr\u00fcndet, dass der j\u00fcdische Staat eine \u00bbReserve\u00ab brauche, um mehr \u00dcberlebende des Holocaust aufnehmen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Eine territoriale Aufteilung Pal\u00e4stinas unter den beiden Bev\u00f6lkerungsgruppen war unter den damaligen Realit\u00e4ten eine komplizierte Aufgabe, die voraussichtlich nicht mit friedlichen Mitteln zu l\u00f6sen war. Zwar gab es gro\u00dffl\u00e4chige arabische Gebiete, aber die Juden lebten mehr oder weniger \u00fcber das ganze Land verteilt. Eine konsequente Grenzziehung entlang der Wohngebiete h\u00e4tte ein beispielloses Chaos von Miniterritorien und Enklaven zur Folge gehabt. Dem UNSCOP-Mehrheitsvorschlag zufolge h\u00e4tten die beiden Nationalstaaten jeweils aus drei separaten Gebieten bestehen sollen, die so ineinander verschachtelt waren, dass die Verbindungswege zwischen ihnen \u00fcber das Gebiet des anderen Staates f\u00fchren mussten. Das h\u00e4tte ein Maximum an gutem Willen vorausgesetzt, um zu funktionieren. In der ex\u00adtrem angespannten realen Situation stellte diese Idee eine indirekte Aufforderung zur schnellen Kl\u00e4rung der Verh\u00e4ltnisse durch Krieg dar. Dazu kam ein weiterer Umstand: Nach der Mehrheitsempfehlung h\u00e4tten 497.000 Araber unter die Herrschaft des j\u00fcdischen Staates kommen sollen. Diese lebten mehrheitlich in ausschlie\u00dflich arabischen St\u00e4dten, Orten und Gebieten. Gegen ihren Willen war der Teilungsplan nur gewaltsam durchzusetzen.<\/p>\n<p><strong>Verbreitete Legende<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem neu gebildete Unteraussch\u00fcsse der UNO einige Details der UNSCOP-Empfehlung in wochenlangen Debatten ver\u00e4ndert hatten, stand der Plan in modifizierter Form am 29. November 1947 in der Vollversammlung zur Abstimmung. Von den damals nur 57 Mitgliedern der Weltorganisation stimmten 33 f\u00fcr und 13 gegen den konkreten Teilungsvorschlag. Es gab zehn Enthaltungen, und ein Staat \u2013 Thailand \u2013 nahm an der Abstimmung nicht teil. Die Gegenstimmungen kamen mit Ausnahme Griechenlands, Kubas und des religi\u00f6s gemischten Indien von muslimischen Staaten. Gro\u00dfbritannien als Mandatsmacht im Abschied enthielt sich. F\u00fcr den Teilungsvorschlag stimmten neben der Sowjetunion unter anderem auch die Ukraine, Wei\u00dfrussland \u2013 beide hatten, obwohl Teil der Sowjetunion, in der UNO ein eigenes Stimmrecht \u2013, die Tschechoslowakei und Polen.<\/p>\n<p>Die \u00fcberall im Westen nacherz\u00e4hlte zionistische Legende besagt, \u00bbdie Araber\u00ab h\u00e4tten die Teilungsresolution 181 abgelehnt, w\u00e4hrend \u00bbdie Juden\u00ab sie begeistert begr\u00fc\u00dft und vor Freude sogar auf den Stra\u00dfen getanzt h\u00e4tten. Der erste Teil dieser Geschichte stimmt, wenn man sich nicht daran st\u00f6rt, dass es keinen einzigen arabischen Staat mit einer frei gew\u00e4hlten Regierung gab. Auch \u00bbdie Juden\u00ab hatten keine demokratisch legitimierte oder allgemein anerkannte F\u00fchrung, die autorisierte Erkl\u00e4rungen h\u00e4tte abgeben k\u00f6nnen. Die Reaktion des \u00adJischuw war uneinheitlich: W\u00e4hrend die Mehrheit die Teilung aus realpolitischer Sicht akzeptierte, ohne den Anspruch auf das gesamte Pal\u00e4stina aufzugeben, protestierte die Rechte \u2013 also die Vorl\u00e4ufer der heutigen Regierungspartei Likud \u2013 vehement, sprach von einer \u00bbnationalen Katastrophe\u00ab und verweigerte mit radikalen Parolen die Anerkennung der Resolution 181.<\/p>\n<p>Unmittelbar nach Bekanntwerden der Entscheidung der UN-Vollversammlung begann der bewaffnete Kampf um Durchsetzung oder Verhinderung der Teilung des Landes. Am 25. Januar 1948 meldeten die Mandatsbeh\u00f6rden, dass in den vorausgegangenen acht Wochen 721 Araber, 408 Juden und zw\u00f6lf britische Polizisten get\u00f6tet worden seien. Im selben Zeitraum seien 1.171 Araber, 749 Juden und 37 britische Soldaten oder Polizisten verletzt worden.<\/p>\n<p>Die Beschaffung von modernem Kriegsger\u00e4t wurde entscheidend f\u00fcr die milit\u00e4rischen Erfolge des Jischuw. W\u00e4hrend die US-Regierung am 5. Dezember 1947 ein Waffenembargo \u00fcber den Nahen Osten verh\u00e4ngte, erwies sich die Hilfe der Sowjetunion als \u00e4u\u00dferst entgegenkommend und \u2013 nach Aussagen und Einsch\u00e4tzungen vieler israelischer Politiker \u2013 sogar kriegsentscheidend. Moskau trat dabei allerdings nicht direkt in Erscheinung, sondern delegierte die Waffenlieferungen an die Regierung in Prag. Zwischen Dezember 1947 und dem 15. Mai 1948 erwarb die Jewish Agency f\u00fcr 13 Millionen Dollar \u2013 haupts\u00e4chlich aus Spenden, die in den USA gesammelt worden waren \u2013 Waffen in der Tschechoslowakei. In der zweiten Jahresh\u00e4lfte 1948 stellte Prag einen Kredit von zw\u00f6lf Millionen Dollar f\u00fcr weitere Waffenk\u00e4ufe zur Verf\u00fcgung. Um zu einer realistischen Vorstellung des gegenw\u00e4rtigen Werts zu kommen, m\u00fcssten diese Summen mindestens verzehnfacht werden. Die Tschechoslowakei \u00fcbernahm daneben auch die Ausbildung israelischer Piloten und Fallschirmj\u00e4ger. Ein Teil der an Israel gelieferten Waffen stammte aus erbeuteten Best\u00e4nden der deutschen Wehrmacht. Von herausragender milit\u00e4rischer Bedeutung war, dass Prag im Fr\u00fchjahr 1948 auch 25 Jagdflugzeuge des Typs Avia \u00bbS-199\u00ab lieferte. Im Grunde handelte es sich dabei um einen Nachbau der \u00bbMe 109\u00ab \u2013 offiziell Mes\u00adserschmitt \u00bbBf 109\u00ab \u2013, eines der besten Flugzeuge der deutschen Luftwaffe. Man kann sagen, dass damit die niemals gebrochene israelische Luft\u00fcberlegenheit ihren Anfang nahm.<\/p>\n<p><strong>Ungew\u00f6hnliche Kooperation<\/strong><\/p>\n<p>Die ungew\u00f6hnliche Kooperation zwischen der Sowjetunion und Israel verlor nach dem Abflauen der Kriegshandlungen im Herbst 1948 allm\u00e4hlich, aber keineswegs abrupt an Intensit\u00e4t und Umfang. Definitiv endete sie erst am 13. Februar 1953, als Moskau nach einem rechtszionistischen Terroranschlag auf seine Botschaft in Tel Aviv die diplomatischen Beziehungen abbrach. Ein nachhaltiger Einschnitt waren allerdings schon vorher die prozionistischen Kundgebungen in Moskau in Zusammenhang mit der ersten Botschafterin Israels in der Sowjetunion, Golda Meir.<\/p>\n<p>Die 1898 in der Ukraine geborene, aber schon als F\u00fcnfj\u00e4hrige mit ihrer Familie in die USA \u00fcbergesiedelte MAPAI-Politikerin, die damals noch den Nachnamen ihres Ehemannes, Meyerson, f\u00fchrte, hatte ihr Diplomatenamt in der sowjetischen Hauptstadt am 2. September 1948 angetreten. Ihre Gottesdienstbesuche in Moskaus bedeutendster Synagoge verursachten mindestens dreimal Menschenaufl\u00e4ufe jubelnder und applaudierender Juden. Das bedeutendste Ereignis dieser Art fand am 4. Oktober 1948 anl\u00e4sslich des Beginns des j\u00fcdischen Neujahrsfestes statt. Meir schrieb sp\u00e4ter in ihren Memoiren, dass ann\u00e4hernd 50.000 Menschen sich an diesem Tag rund um die Synagoge versammelt h\u00e4tten. Die Szene diente als Vorlage f\u00fcr die Grafik auf dem Zehn-Schekel-Geldschein.<\/p>\n<p>Aus Sicht der sowjetischen F\u00fchrung, namentlich des konstant misstrauischen Stalins, best\u00e4tigten diese Aufl\u00e4ufe die Bef\u00fcrchtung, dass viele j\u00fcdische B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger mit dem neugegr\u00fcndeten zionistischen Staat sympathisierten. Das war, da die KPdSU den Zionismus schon zur Zeit Lenins abgelehnt hatte und nationalistische Bestrebungen im eigenen Vielv\u00f6lkerstaat grunds\u00e4tzlich f\u00fcr pro\u00adblembeladen hielt, selbstverst\u00e4ndlich unerw\u00fcnscht. Schon im Fr\u00fchjahr 1948 hatte die sowjetische F\u00fchrung damit begonnen, international wirkende j\u00fcdische Strukturen wie das Antifaschistische Komitee, die w\u00e4hrend des Krieges gegen die deutsche Aggression sehr n\u00fctzlich gewesen waren, zu liquidieren. Am 20. November 1948 wurden das Komitee selbst und seine Zeitschrift\u00a0<em>Ejnikait<\/em>\u00a0(Einigkeit) aufgel\u00f6st. Es folgten im Dezember 1948 und Januar 1949 die Verhaftungen aller F\u00fchrer des Antifaschistischen Komitees.<\/p>\n<p>Wenn \u00fcber die Gr\u00fcnde und Hintergr\u00fcnde der kurzlebigen Zusammenarbeit der Sowjetunion mit der zionistischen Weltbewegung und dem Jischuw gesprochen wird, stehen realpolitische Kalk\u00fcle in Vordergrund. Stalin habe vor allem die Position Gro\u00dfbritanniens schw\u00e4chen wollen, hei\u00dft es. Hinzugekommen sei, dass aus sowjetischer Sicht der entstehende israelische Staat sehr viel progressiver erschien als die reaktion\u00e4ren arabischen Regimes der Region. Letzteres galt damals als sehr wichtig. Aber zum Bild geh\u00f6rt auch, dass die zionistische Weltbewegung schon seit sp\u00e4testens 1941 enge und konstante Beziehungen zu sowjetischen Auslandsdiplomaten, insbesondere solchen mit j\u00fcdischen Wurzeln, unterhalten hatte. Deren Berichte und Memoranden beeinflussten wiederum die Sichtweise Molotows und \u00fcber diesen letztlich auch Stalin.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/332405.mit-unterst%C3%BCtzung-moskaus.html\"><em>jungewelt.de..<\/em><\/a><em> vom 14. Mai 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Knut Mellenthin. Vor 70 Jahren wurde Israel gegr\u00fcndet. 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