{"id":3592,"date":"2018-05-25T13:24:17","date_gmt":"2018-05-25T11:24:17","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3592"},"modified":"2018-05-25T13:24:17","modified_gmt":"2018-05-25T11:24:17","slug":"rot-fuer-die-bildung-breiter-streik-der-lehrerinnen-in-arizona","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3592","title":{"rendered":"\u00bbRot f\u00fcr die Bildung\u00ab \u2013 Breiter Streik der LehrerInnen in Arizona"},"content":{"rendered":"<p><em>Jonah Furman.<\/em> 75.000 LehrerInnen und Unterst\u00fctzerInnen in roten T-Shirts f\u00fcllten die Stra\u00dfen von Phoenix, als die Lehrkr\u00e4fte Arizonas am 26. April 2018 zu einem landesweiten Streik f\u00fcr eine Erh\u00f6hung<!--more--> des Schuletats und die bessere Bezahlung aller an Schulen Besch\u00e4ftigten aufgerufen hatten. \u00bbIn West Virginia sind sie aufgestanden, in Kentucky stehen sie auf, in Oklahoma\u00ab, sagte Brittani Karbginsky, Lehrerin einer sechsten Klasse in Phoenix. \u00bbJetzt kommen wir.\u00ab<\/p>\n<p>Monatelang hatte der Multimillion\u00e4r und Gouverneur von Arizona, Doug Ducey, darauf bestanden, der bescheidenen ein-prozentigen Lohnerh\u00f6hung f\u00fcr LehrerInnen im n\u00e4chsten Jahr wiederum nur eine Erh\u00f6hung um ein Prozent folgen zu lassen.<\/p>\n<p>Unter dem wachsenden Druck der Graswurzelbewegung #RedforEd (<em>Red for Education\u00a0<\/em>\/ Rot f\u00fcr die Bildung) gab er am 20. April bekannt, dass LehrerInnen im Jahr 2020 eine 20-prozentige Lohnerh\u00f6hung bekommen sollen.<\/p>\n<p>Klingt nach Sieg? Die LehrerInnen sahen das nicht so. Die landesweite Organisation AEU (<em>Arizona Educators United<\/em>\u00a0-Vereinte Lehrkr\u00e4fte Arizonas), die in den letzten zwei Monaten aufgebaut wurde, betonte, dass die Erh\u00f6hung im Staatshaushalt nicht eingerechnet war. Sie bestand auf eine ausgewiesene Finanzierungsquelle, um sicherzugehen, dass sie mehr als ein leeres Versprechen erreicht hatte. AEU besteht au\u00dferdem darauf, dass Ducey und die Legislative sich auch der anderen Forderungen annehmen soll, die bei einer Demonstration am 28. M\u00e4rz aufgestellt wurden:<\/p>\n<ul>\n<li>Deutliche Lohnerh\u00f6hungen f\u00fcr alle Schulbesch\u00e4ftigten, nicht nur die Lehrkr\u00e4fte,<\/li>\n<li>Wiederherstellung der Schulfinanzierung auf dem Niveau von 2008,<\/li>\n<li>keine neuen Steuererleichterungen, bevor die Ausgaben Arizonas pro Sch\u00fclerIn den nationalen Durchschnitt erreicht haben und<\/li>\n<li>j\u00e4hrliche Lohnerh\u00f6hungen f\u00fcr LehrerInnen, damit sie das nationale Durchschnittsgehalt erreichen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Werden die Lebenshaltungskosten eingerechnet, liegt das Gehalt von LehrerInnen im Vergleich der Bundesstaaten auf dem letzten Platz. Das durchschnittliche LehrerInnengehalt ist in Arizona seit 2003 um 9.000 Dollar zur\u00fcckgegangen. Steuererleichterungen f\u00fcr Unternehmen haben der Staatskasse im vergangenen Jahrzehnt vier Milliarden Dollar entzogen; die Ausgaben pro Sch\u00fclerIn sind um 14 Prozent gefallen. Also ging die Eskalationskampagne weiter; die Arbeitsniederlegungen f\u00fchrten zur Schlie\u00dfung von Schulen in den 30 gr\u00f6\u00dften Distrikten des Bundesstaates.<\/p>\n<p><strong>#RedforEd<\/strong><\/p>\n<p>Die LehrerInnen Arizonas begannen ihre Bewegung mit einer ganz einfachen Aktion: Sie kleideten sich jeden Mittwoch \u00bbrot f\u00fcr die Bildung\u00ab. Die Idee war in der Twitter-Kommunikation zwischen einem Lehrer und dem Gewerkschaftsvorsitzenden des Bundesstaates w\u00e4hrend des Streiks in West Virginia aufgekommen. \u00bbWir hatten drei Tage, das vorzubereiten, und wir bekamen tausende Bilder, aus fast jeder Schule\u00ab, sagt Karbginsky.<\/p>\n<p>Seitdem sind stetig wachsende Teile Arizonas vom \u00bbRot\u00ab erfasst worden. Zuerst waren es rote T-Shirts \u2013 getragen in der Schule, bei Demos anl\u00e4sslich von Duceys Radioauftritten, bei Versammlungen vor dem Parlamentsgeb\u00e4ude, bei Wochenendausfl\u00fcgen in den Lebensmittelladen, auf Fu\u00dfball- und auf Baseballfeldern. Rot gekleidete LehrerInnen standen an vielbefahrenen Stra\u00dfen im ganzen Staat. \u00dcber eine volle Durchfahrtsstra\u00dfe in Tucson berichtet der Highschool-Lehrer Jim Byrne: \u00bbAn jeder Ecke \u00fcber zehn Meilen gab es rote T-Shirts und hupende Autos.\u00ab<\/p>\n<p>Als die Shirts nicht ausreichten, organisierten die LehrerInnen sich, um \u00bbden Staat anzumalen\u00ab.<\/p>\n<p>\u00bbAlle sagten immer: wir brauchen eine Werbetafel\u00ab, sagt Rebecca Garelli, Mathe- und Naturwissenschaftslehrerin in der Siebten. \u00bbIch meinte eher: Nein, brauchen wir nicht, wir haben alle fahrbare Werbetafeln\u00ab \u2013 n\u00e4mlich Autos. \u00bbIch bin losgegangen, hab mir im Baumarkt Fensterstifte gekauft, #RedforEd auf mein Auto geschrieben, ein Foto gemacht und gesagt: \u203aGut, ich hab einen Arbeitsweg von 30 Meilen.\u2039 Da sind viele aufgesprungen, so weit, dass es hier in der Gegend keine rote Fensterfarbe mehr zu kaufen gab.\u00ab<\/p>\n<p>Die LehrerInnen veranstalteten au\u00dferdem sogenannte morgendliche Walk-ins, bei denen sie sich vor der Schule trafen, um vor Arbeitsbeginn Flugbl\u00e4tter zu verteilen und dann geschlossen reinzugehen. In der Woche des Streiks, der an einem Donnerstag begann, gab es diese Walk-ins am Montag, Dienstag und Mittwoch. \u00bbIch finde das eine ziemlich gute Idee, die Walk-ins an drei Tagen in Folge durchzuziehen\u00ab, sagt Byrne, \u00bbweil wir so unsere Botschaft an die Eltern und die Sch\u00fclerInnen weitergeben k\u00f6nnen und da sind, falls es aus ihren Reihen Fragen gibt\u00ab.<\/p>\n<p><strong>Parallele Organisierungen<\/strong><\/p>\n<p>AEU hat schnell ein Kommunikationsnetz aufgebaut, einschlie\u00dflich 1.000 \u00bbVor-Ort-Verbindungen\u00ab. \u00bbWir brauchten einen Vertreter oder eine Vertreterin in jeder Schule des Bundesstaates\u00ab, sagt Garelli, eine treibende Kraft der Gruppe. \u00bbWir haben Leute gebeten, sich freiwillig zu melden, unabh\u00e4ngig davon, ob sie Mitglied der Vereinigung waren oder nicht.\u00ab Zu den Freiwilligen z\u00e4hlten nicht nur LehrerInnen, sondern auch BusfahrerInnen und Geistliche.<\/p>\n<p>Diese Verbindungsleute wurden mit einem steten Fluss an Informationen und Materialien aus der zentralen Gruppe versorgt, etwa mit Petitionen, K\u00e4rtchen zur Dokumentation von Selbstverpflichtungen und Liederzetteln. Und es gibt eine Facebook-Gruppe mit 50.000 Mitgliedern, in der die F\u00fchrungsgruppe von AEU Neuigkeiten weitergibt; eine kleinere, weniger zentral organisierte Diskussionsgruppe sowie lokale AEU-Facebook-Gruppen in jedem Distrikt.<\/p>\n<p>Die K\u00f6pfe der AEU haben zum Ausdruck gebracht, dass sie \u00bbparallel\u00ab zur Lehrergewerkschaft, der\u00a0<em>Arizona Education Association<\/em>\u00a0arbeiten, die die Bewegung unterst\u00fctzt. Manche der lokalen Verbindungsleute sind zugleich als Vertrauensleute der Gewerkschaft aktiv. Es waren die AEU-Verbindungsleute, die am 17. und 18. April Schule f\u00fcr Schule die Abstimmungen \u00fcber die Arbeitsniederlegung durchf\u00fchrten. Aufbauend auf die Walk-Ins veranstalteten die Lehrkr\u00e4fte \u00bbVote-Ins\u00ab, bei denen sie sich vor Unterrichtsbeginn versammelten, um ihre Stimme abzugeben. In jeder Schule bauten die LehrerInnen ihre Wahlurnen selbst \u2013 Anleitungen dazu gab es in Videos auf der AEU-Facebook-Seite und in E-Mails an die Verbindungsleute \u2013 und schm\u00fcckten sie mit den Logos ihrer jeweiligen Schule.<\/p>\n<p>Zwei Wochen vor der Abstimmung berichteten die OrganisatorInnen von 110.000 TeilnehmerInnen bei den Walk-ins in 1.100 Schulen. Eine Petition mit den oben genannten Forderungen von AEU gewann 35.000 weitere Unterschriften. Schlie\u00dflich gaben 57.000 LehrerInnen und weitere Besch\u00e4ftigte ihre Stimme zur Arbeitsniederlegung ab \u2013 78 Prozent waren daf\u00fcr. Der Termin wurde auf eine Woche sp\u00e4ter gelegt. Am 26. April, dem ersten Tag des Streiks, liefen 75.000 LehrerInnen und Unterst\u00fctzerInnen, allesamt in Rot gekleidet, durch Phoenix.<\/p>\n<p>Die Lorbeeren daf\u00fcr geb\u00fchren den Energien, die an der Basis freigesetzt wurden. \u00bbEs gibt immer noch Leute, die mir Nachrichten wie diese schreiben: \u203aIst es in Ordnung, wenn ich dies oder das \u2026?\u2039\u00ab, sagt Garelli. \u00bbIch antworte dann: \u203aWas meinst Du? Frag nicht! Leg los!\u2039 Graswurzel hei\u00dft Loslegen!\u00ab<\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzung: Stefan Schoppengerd, aus Labor Notes, Online-Ausgabe vom 27. April 2018<\/em><\/p>\n<p><em>Siehe auch:<\/em><\/p>\n<p><strong><em>\u00bbSturm in der Staubglocke\u00ab \u2013 Neun Tage Streik der LehrerInnen Oklahomas<br \/>\n<\/em><\/strong><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3589\"><em>Artikel von Samantha Winslow<\/em><\/a><em>, erschienen in express, Zeitung f\u00fcr sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit 5\/2018 \u00fcber Ziele und ein offenes Ende<\/em><\/p>\n<p><strong><em>und: \u00bbLehren aus dem Lehrerprotest\u00ab \u2013 Klassenk\u00e4mpfe um Klassenzimmer<br \/>\n<\/em><\/strong><a href=\"http:\/\/www.labournet.de\/?p=132458\"><em>Artikel von Samantha Winslow<\/em><\/a><em>, erschienen in express, Zeitung f\u00fcr sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit 5\/2018<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/www.labournet.de\/internationales\/usa\/arbeitskaempfe-usa\/schulstreik-usa\/rot-fuer-die-bildung-riesige-beteiligung-streik-der-lehrerinnen-arizona\/\"><em>express.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 25. Mai 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jonah Furman. 75.000 LehrerInnen und Unterst\u00fctzerInnen in roten T-Shirts f\u00fcllten die Stra\u00dfen von Phoenix, als die Lehrkr\u00e4fte Arizonas am 26. 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