{"id":3658,"date":"2018-06-05T15:57:54","date_gmt":"2018-06-05T13:57:54","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3658"},"modified":"2018-06-05T15:57:54","modified_gmt":"2018-06-05T13:57:54","slug":"was-passiert-im-sueden-von-syrien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3658","title":{"rendered":"Was passiert im S\u00fcden von Syrien?"},"content":{"rendered":"<p><em>Halit Ermi\u015f.<\/em> Nach den Stellvertreterkriegen werden die Widerspr\u00fcche zwischen den Staaten immer deutlicher. Die Polarisierung oder Allianzen innerhalb der Region sind genauso instabil wie<!--more--> die Verwerfungslinien in aktiven Erdbebenregionen. Der Krieg in der Region, der lange vom Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) gepr\u00e4gt war, gewinnt nun sowohl im Rahmen der Widerspr\u00fcche der globalen M\u00e4chte USA und Russland, als auch zwischen den USA und der Regionalmacht Iran an Dynamik.<\/p>\n<p>Es scheint, als ob die Koalition der USA und der anderen L\u00e4nder des Westens nach ihren Lektionen im Irak und in Syrien einen neuen Plan zur Belagerung des Iran entwickelt hat. Es ist wahrscheinlich, dass die USA eine andere Vorgehensweise gegen\u00fcber dem Iran verfolgen wird \u2013 nicht zuletzt, weil sie seit 2003 im Irak, der im Vergleich zum Iran eine instabile Struktur besitzt, nicht ihre Ziele verwirklichen konnte und in Syrien \u00e4hnliche Erfahrungen machen musste.<\/p>\n<p>Historisch gesehen, hat der Iran immer eine aktive Au\u00dfenpolitik verfolgt, mit der Druck auf den jeweiligen Gegner ausge\u00fcbt wurde. Auf diese Weise versucht der Iran Gefahren von seinem eigenen Staatsgebiet fernzuhalten. Seine Strategie, schiitische Gruppen im Mittleren Osten zu organisieren, dient genau diesem Zweck. Dass die USA im Irak und in Syrien nicht ihre Ziele verwirklichen konnte, liegt auch am Iran. Aufgrund der Tatsache, dass die USA im Mittleren Osten aufgrund der soziokulturellen Struktur und der Religion keine Ergebnisse erzielen konnte, ist sie nun dazu gezwungen mit ihren westlichen Partnern \u2013 auf Grundlage der Erfahrungen der letzten 20 Jahre \u2013 eine Strategie\u00e4nderung hinsichtlich der Belagerung des Irans vorzunehmen.<\/p>\n<p>Dass die USA zuletzt versucht haben, die Linie vom Grenz\u00fcbergang Abu Kamal bis nach Daraa zu erobern, die sich entlang der Grenze zu Jordanien erstreckt, ist ein Teil der neuen Strategie gegen den schiitischen Korridor des Iran. Der Grenz\u00fcbergang Abu Kamal ist eine der Hauptverbindungslinien zwischen dem Irak und Syrien. Der Grenz\u00fcbergang Tanaf im S\u00fcden vervollst\u00e4ndigt diese Verbindung und ist f\u00fcr die Verbindung zwischen Syrien und Jordanien strategisch wichtig. Wenn es die USA schaffen, diese Linie zu erobern, k\u00f6nnen sie von der Grenze des Irak (angefangen beim Grenz\u00fcbergang Abu Kamal) bis ganz in den S\u00fcden in Daraa zwischen Syrien und Jordanien den Weg komplett abriegeln. Somit wird dem Iran die Strecke, die f\u00fcr den schiitischen Korridor vorgesehen war, verwehrt. Auch die Grenze Daraas, das weiter im S\u00fcden liegt und f\u00fcr Israel \u2013 aufgrund m\u00f6glicher Angriffe von hier aus \u2013 eine immense Bedeutung besitzt, wird unter US-israelische Kontrolle geraten.<\/p>\n<p>Wenn diese Linie unter die Kontrolle der USA und Israels ger\u00e4t, werden alle Landwege zwischen Syrien und Jordanien abgeschnitten sein. Ohnehin wird Daraa gr\u00f6\u00dftenteils von Organisationen kontrolliert, die den USA nahestehen. Diese Strukturen werden gr\u00f6\u00dftenteils von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterst\u00fctzt. Die j\u00fcngsten Aussagen Israels, man werde in Syrien keinen Einfluss und keine Pr\u00e4senz des Iran akzeptieren, deuten drauf hin, dass der Konflikt ein kompliziertes und milit\u00e4risches Ausma\u00df annehmen wird.<\/p>\n<p>Wie bereits am Anfang erw\u00e4hnt, besteht das Ziel darin, Irans schiitische Politik erst in der Region zunichte zu machen, die Verbindungsrouten zu unterbrechen und den Iran zu zwingen, sich auf sein eigenes Territorium zur\u00fcckzuziehen. In dieser Situation wird das Verhalten Russlands sehr wichtig sein. Die USA haben sich nicht gegen die Erlaubnis Russlands an die T\u00fcrkei gestellt, Afrin zu besetzen und vor Ort einen Genozid durchzuf\u00fchren. Im Gegenzug scheint es sehr wahrscheinlich, dass Russland amerikanische Offensiven in Daraa und den weiter n\u00f6rdlich gelegenen Regionen Hama und Humus dulden wird. Denn wenn die USA die Grenze zum Irak und Jordanien und\u00a0 Daraa mittels ihr nahestehender Gruppen kontrolliert, k\u00f6nnte es m\u00f6glich werden, unter Einbezug der Grenzen des Libanon Syrien einzukesseln und den Einfluss des Iran in Syrien vollst\u00e4ndig zunichte zu machen. In diesem Fall k\u00f6nnten die USA von Russland verlangen: \u201eWas ich dir in Afrin erlaubt habe, musst du mir auch erlauben.\u201c In letzter Zeit gab es wohl zahlreiche Gespr\u00e4che zwischen Russland und den USA hinsichtlich der Linie von Daraa aus in den Norden.<\/p>\n<p>Nun lautet die Frage, wie sehr dieses m\u00f6gliche Abkommen zwischen Russland und den USA das Astana-Format zwischen dem Iran, der T\u00fcrkei und Russland beeinflussen w\u00fcrde. Sollte Russland seine Zustimmung geben, w\u00fcrde dies zu einem Konflikt mit dem Iran f\u00fchren. In dieser Situation w\u00fcrde sich das Astana-Format aufl\u00f6sen. Selbstverst\u00e4ndlich w\u00fcrde das auch Folgen f\u00fcr die T\u00fcrkei haben. In einer solchen Situation, egal ob die T\u00fcrkei sich mit Russland oder mit den USA verb\u00fcndet, w\u00e4re die Allianz zwischen der T\u00fcrkei und dem Iran nicht mehr haltbar.<\/p>\n<p>Doch w\u00e4hrend die USA, der Westen und Israel versuchen ihre Pl\u00e4ne umzusetzen, wird der Iran nicht tatenlos zuschauen und stattdessen mit Gegenma\u00dfnahmen antworten. In ihren einflussreichen Gebieten im Mittleren Osten wird er mit hoher Wahrscheinlichkeit neue taktische Angriffe durchf\u00fchren. Das wird zur Folge haben, dass sich das regionale Chaos vertieft. Chaos ist ein grundlegendes Merkmal des Dritten Weltkriegs. Daher ist es schwierig zu vorherzusagen, zu welchen Entwicklungen es morgen kommen wird.<\/p>\n<p><em>Die Kolumne erschien im Original am 30.05.2018 unter dem Titel \u201eSuriye\u2019nin g\u00fcneyindeki oyun plan\u0131 ne?\u201c in der Tageszeitung Yeni \u00d6zg\u00fcr Politika. <\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/civaka-azad.org\/was-passiert-im-sueden-von-syrien\/\"><em>civaka-azad.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 5. Juni 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Halit Ermi\u015f. Nach den Stellvertreterkriegen werden die Widerspr\u00fcche zwischen den Staaten immer deutlicher. 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