{"id":3715,"date":"2018-07-02T16:18:31","date_gmt":"2018-07-02T14:18:31","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3715"},"modified":"2018-07-02T16:18:31","modified_gmt":"2018-07-02T14:18:31","slug":"weniger-und-sinnvoller-arbeiten-30-stunden-woche-statt-12-stunden-tag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3715","title":{"rendered":"Weniger und sinnvoller arbeiten! 30-Stunden-Woche statt 12-Stunden-Tag"},"content":{"rendered":"<p><em>Christian Zeller. <\/em>Die \u00d6VP-FP\u00d6-Regierung verk\u00fcndet in kurzen Abst\u00e4nden einen Angriff nach dem anderen auf soziale Errungenschaften. Die Abschaffung der Notstandshilfe, die K\u00fcrzung der Mindestsicherung,<!--more--> der b\u00fcrokratische Zusammenschluss der Krankenversicherungen und die Abschaffung der Mitbestimmung, die Infragestellung der AUVA und der Unfallkrankenh\u00e4user stehen auf ihrer Tagesordnung. Die Regierung treibt all diese Gegenreformen voran, indem sie gleichzeitig ihre Propaganda gegen Fl\u00fcchtlinge und Migrant*innen versch\u00e4rft. Damit will sie bewusst die Lohnabh\u00e4ngigen spalten. Sie zieht einen Nebelvorhang auf, um ihre Angriffe auf die Lebensbedingungen gro\u00dfer Teile der Bev\u00f6lkerung zu kaschieren. Am 14. Juni hat die Regierung den bislang weitreichendsten Angriff ausgel\u00f6st. \u00dcber den Weg des Initiativantrags zweier Nationalratsabgeordneter will sie das Arbeitsgesetz entscheidend ver\u00e4ndern.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>\u00a0Mit dieser Vorlage f\u00fcr die Verl\u00e4ngerung der maximalen Tagesarbeitszeit von 10 auf 12 Stunden und der Wochenarbeitszeit von 50 auf 60 Stunden lanciert die \u00d6VP-FP\u00d6-Regierung einen Gro\u00dfangriff auf eine historische Errungenschaft der Arbeiter*innenbewegung: den 8-Stunden-Tag.<\/p>\n<p><strong>Was will die \u00d6VP-FP\u00d6-Regierung?<\/strong><\/p>\n<p>Eine Durchsicht der Gesetzesvorlage zeigt, dass die Ver\u00e4nderungen den Lohnabh\u00e4ngigen nicht mehr Wahlfreiheit bieten, sondern ganz im Gegenteil dazu f\u00fchren werden, dass sich die Lohnabh\u00e4ngigen noch st\u00e4rker den Anforderungen und Zw\u00e4ngen der Unternehmen unterordnen m\u00fcssen. Das Regierungsvorhaben wird zu einer deutlichen Lohnsenkung f\u00fchren.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<ul>\n<li>Sie will die t\u00e4glich zul\u00e4ssige Arbeitszeit von 10 auf 12 Stunden und die w\u00f6chentlich zul\u00e4ssige Arbeitszeit von 50 auf 60 Stunden erh\u00f6hen. 12 Stunden t\u00e4glich bzw. 60 Stunden w\u00f6chentlich zu arbeiten ist bereits m\u00f6glich, allerding nur unter bestimmten Vorgaben. So muss der Betriebsrat zustimmen, und wenn ein solcher nicht vorhanden ist, m\u00fcssen bis zu zwei arbeitsmedizinische Gutachten die gesundheitliche Unbedenklichkeit best\u00e4tigen. Die Regierung will nun diesen Schutz f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten abschaffen.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/li>\n<li>Angeblich d\u00fcrfen Besch\u00e4ftigte \u00dcberstunden \u201eaus \u00fcberwiegend pers\u00f6nlichen Interessen ablehnen, wenn durch diese \u00dcberstunden die Tagesarbeitszeit von zehn Stunden oder die Wochenarbeitszeit von 50 Stunden \u00fcbersteigt\u201c.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>Ein\/e Besch\u00e4ftigte\/r kann demnach die 9. und 10. Stunde nicht mehr ablehnen. Das Unternehmen kann die Mehrarbeit einfach anordnen und durchsetzen. Wer kann es sich erlauben, aus \u201e\u00fcberwiegend pers\u00f6nlichen Interessen\u201c die 11. und 12. Stunde wirklich abzulehnen? Bislang musste das Unternehmen die 11. und 12. Stunde begr\u00fcnden und der Betriebsrat zustimmen, nun muss die\/der Besch\u00e4ftigte begr\u00fcnden, warum sie\/er nicht l\u00e4nger arbeiten will. Diese Bestimmung verh\u00f6hnt die Besch\u00e4ftigten, denn der Regierung sind die Machtverh\u00e4ltnisse in den Unternehmen selbstverst\u00e4ndlich klar. Wer die 11. und 12. Stunde ablehnt, tut dies auf eigenes Risiko. Ein\/e Besch\u00e4ftigte kann wegen Arbeitsverweigerung fristlos entlassen werden. Nahezu jeder Arbeitsvertrag enth\u00e4lt die Verpflichtung zur \u00dcberstundenleistung. Erst Monate sp\u00e4ter kann das Arbeitsgericht die Ablehnung beurteilen.<\/li>\n<li>Die bisher m\u00f6gliche Normalarbeitszeit bel\u00e4uft sich bei Gleitzeit auf 10 Stunden pro Tag. Nun will die Regierung die Normalarbeitszeit bei Gleitzeit auf f\u00fcnfmal pro Woche bis zu zw\u00f6lf Stunden erh\u00f6hen. Die \u00dcberstundenzuschl\u00e4ge sind damit ab der 11. Stunde nicht mehr festgeschrieben. Die Regierung will zudem, dass die Zeitguthaben mehrmals in den n\u00e4chsten Durchrechnungszeitraum \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Damit k\u00f6nnen Unternehmen \u00dcberstundenzuschl\u00e4ge einsparen.<\/li>\n<li>Paradoxerweise bietet nur noch die von der EU Arbeitszeitrichtlinie vorgegebene Regelung, dass die durchschnittliche Wochenarbeitszeit innerhalb von 17 Wochen 48 Stunden nicht \u00fcbersteigen darf, einen gewissen Schutz. W\u00e4hrend bislang 320 \u00dcberstunden pro Jahr zul\u00e4ssig sind (52 x 5 + 60) will die Regierung 416 \u00dcberstunden durchsetzen (52 x 8, da im Durchschnitt 48 Std zul\u00e4ssig). Das hei\u00dft aber auch, dass rechtlich m\u00f6glich sein w\u00fcrde, jede Woche 48 Stunden \u00fcber das ganze Jahr hinweg zu arbeiten.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a>Diese Bestimmung zeigt, wie der R\u00fcckgriff auf eine im Dienste des Kapitals durchgesetzte EU-Richtlinie letztlich auch wieder den Interessen nationaler Eliten dient.<\/li>\n<li>Die Neuerung sieht vor, dass Unternehmen unter bestimmten Umst\u00e4nden die t\u00e4gliche H\u00f6chstarbeitszeit sogar \u00fcber 12 (bislang 10) Stunden ausdehnen k\u00f6nnen. Das ist der Fall, \u201ewenn eine Vertretung des Arbeitnehmers durch andere Arbeitnehmer nicht m\u00f6glich ist und dem Arbeitgeber die Heranziehung betriebsfremder Personen nicht zugemutet werden kann.\u201c<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/li>\n<li>Unternehmen im Gast-, Schank- und Beherbergungsgewerbe sollen die Ruhezeit nun eigenst\u00e4ndig von 11 auf 8 Stunden verk\u00fcrzen k\u00f6nnen. Das k\u00f6nnen sie bislang nur mit Zustimmung der Gewerkschaft. Die Regierung will den Kollektivertrag in diesem Bereich ausschalten. Alle wissen, dass die\/der einzelne Lohnabh\u00e4ngige in einer sehr viel schw\u00e4cheren Verhandlungsposition ist als die Gewerkschaft auf Kollektivvertragsebene.<\/li>\n<li>Unternehmen sollen nun die Wochenend- und Feiertagsruhe f\u00fcr jede\/n Lohnabh\u00e4ngige\/n mit Zustimmung des Betriebsrats an vier Wochenenden pro Jahr durchbrechen k\u00f6nnen. In Betrieben ohne Betriebsrat reicht eine Einzelvereinbarung mit Besch\u00e4ftigten. Diese Lohnabh\u00e4ngigen sollen fortan an vier Wochenenden legal zur Arbeit verpflichtet werden k\u00f6nnen. Die Regierung macht damit zahlreichen Lohnabh\u00e4ngigen den freien Sonntag und gesetzliche Feiertage streitig.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die meisten dieser Ver\u00e4nderungen dienen dazu, die Arbeitszeiten weitgehend im Interesse der Unternehmen zu flexibilisieren. Die Zeitsouver\u00e4nit\u00e4t der Lohnabh\u00e4ngigen wird nicht gest\u00e4rkt, sondern massiv eingeschr\u00e4nkt. Die kapazit\u00e4tsorientierte Arbeitszeit soll den Unternehmen helfen, die Schwankungen des Gesch\u00e4fts weitgehend auf die Lohnabh\u00e4ngigen abzuw\u00e4lzen. Nicht zu untersch\u00e4tzen ist, dass diese Flexibilisierungsschritte auch die Konkurrenz zwischen den Lohnabh\u00e4ngigen versch\u00e4rft und die solidarische Kooperation erschwert.<\/p>\n<p><strong>Schw\u00e4chung der Lohnabh\u00e4ngigen und der Gewerkschaften<\/strong><\/p>\n<p>Mit diesen \u00c4nderungen will die Regierung die Lohnabh\u00e4ngigen und die Gewerkschaften in den Betrieben substanziell schw\u00e4chen. Das ist Klassenkampf von oben. Das Kapital st\u00e4rkt seine ohnehin vorhandene Macht in den Betrieben noch weiter. Der Arbeitsrechtsexperte Martin Risak fasst zusammen:<em>\u00a0\u201eDas Radikalste am Entwurf ist die Erm\u00f6glichung des Zw\u00f6lfstundentages und der 60-Stunden-Woche, ohne dass die Kollektivvertragsparteien oder Betriebsr\u00e4te irgendetwas mitbestimmen k\u00f6nnen.<\/em>\u201c<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a>.<\/p>\n<p>Die Industriellenvereinigung treibt bereits seit Jahren die Flexibilisierung der Arbeitszeiten und die Verl\u00e4ngerung der H\u00f6chstarbeitszeiten voran. Die \u00d6VP-FP\u00d6-Regierung entspricht diesen W\u00fcnschen der Kapitalseite vollumf\u00e4nglich.<\/p>\n<p>In dieselbe Richtung zielen die Vertreter der gro\u00dfen Kapitalgruppen in Europa und die EU-Kommission. Diese propagierte im\u00a0<a href=\"https:\/\/www.solidarwerkstatt.at\/arbeit-wirtschaft\/qdie-gewerkschaften-werden-fallen-wie-die-berliner-mauerq\"><em>Labour Market Development-Report\u00a0<\/em><\/a><em>2012<\/em>\u00a0die Flexibilisierung der Arbeitszeit, die Reduktion von \u00dcberstundenzuschl\u00e4gen, sowie generell den Abbau von kollektivvertraglichen Regelungen zugunsten\u00a0<em>\u201edezentralisierter\u201c\u00a0<\/em>Lohnfindung. Dieser Bericht argumentierte offen f\u00fcr die\u00a0<em>\u201eReduktion der gewerkschaftlichen Verhandlungsmacht\u201c.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\"><strong>[9]<\/strong><\/a>\u00a0Das zeigt, die \u00f6sterreichische Regierung steht mit ihrem Vorhaben nicht alleine da. Die EU treibt die Konkurrenz zwischen den Lohnabh\u00e4ngigen mit Hilfe der Regierungen in den Nationalstaaten auf allen Ebenen systematisch voran.<\/em><\/p>\n<p><strong>Ziel der Regierung: L\u00f6hne senken, Arbeit verbilligen, Gewinne steigern<\/strong><\/p>\n<p>Warum treiben die Industriellen Vereinigung und ihre \u00d6VP-FP\u00d6-Regierung die Verl\u00e4ngerung und Flexibilisierung der Arbeitszeit voran? Viele Sektoren der \u00f6sterreichischen Wirtschaft haben sich in den letzten 20 Jahren stark internationalisiert. Im Schatten deutscher Gro\u00dfunternehmen vermochten sie ihre internationale Expansion auf vielen M\u00e4rkten voranzutreiben. Doch der Wettbewerb versch\u00e4rft sich. Die \u00f6sterreichischen Unternehmen versuchen ihre Position zu verbessern, indem sie die Arbeit intensivieren und flexibilisieren. Die Verl\u00e4ngerung der maximalen Arbeitszeit erlaubt ihnen die Arbeitszeit zu verdichten, auf die Lebenszeit der Besch\u00e4ftigten besser zuzugreifen und die L\u00f6hne durch die K\u00fcrzung oder gar den Wegfall der \u00dcberstundenkompensation deutlich zu senken. Nicht nur die gro\u00dfen Unternehmen, auch die kleineren und binnenorientierten Unternehmen wollen mit der Verl\u00e4ngerung der t\u00e4glichen und w\u00f6chentlichen H\u00f6chstarbeitszeiten die unbezahlte Mehrheit verl\u00e4ngern und damit ihre Profite steigern. Die Politik der Industriellenvereinigung und der ihr verbundenen \u00d6VP-FP\u00d6-Regierung zielt also direkt auf eine Umverteilung des durch die Lohnabh\u00e4ngigen erarbeiteten Reichtums zugunsten der Kapitalseite. Das ist Klassenkampf von oben.<\/p>\n<p><strong>Breite Widerstandsbewegung aufbauen<\/strong><\/p>\n<p>Leider sind die Organisationen, die eigentlich die Interessen der Lohnabh\u00e4ngigen verteidigen sollten, schlecht auf diese Situation vorbereitet. Die SP\u00d6 und der ehemalige Bundeskanzler Kern haben mit ihrem Januar 2017 vorgestellten Plan A selber eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeit vorangetrieben und den 12-Stunden explizit als M\u00f6glichkeit vorgesehen.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a>,<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a>\u00a0Nicht \u00fcberraschend kritisiert die SP\u00d6 weniger die Substanz der von der Regierung vorangetriebenen Arbeitszeitregelungen als die Tatsache, dass diese sie ohne sozialpartnerschaftliche Gespr\u00e4che durchsetzen will.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Der Kurier zitiert Christian Kern: \u201eWir haben \u00fcberhaupt nichts gegen den 12-Stunden-Tag\u201c; nur so, wie die Regierung das skizziert hat, gehe das nicht: Wenn es Produktivit\u00e4tssteigerungen gebe und das Unternehmen profitiere, \u201em\u00fcssen die Mitarbeiter auch etwas davon haben.\u201c<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a>\u00a0Die logische Antwort hierauf w\u00e4re eine radikale Arbeitszeitverk\u00fcrzung. Das verlangt die SP\u00d6 aber nicht, sie w\u00fcnscht sich vielmehr, dass die aus ihrer Sicht erforderliche Flexibilisierung der Arbeitszeit besser zu kompensieren sei. Bernhard Auinger, stellvertretender B\u00fcrgermeister von Salzburg (SP\u00d6) beklagte sich, die Verl\u00e4ngerung der maximalen Arbeitszeit behindere ehrenamtliche Arbeit und stelle die St\u00e4dte vor eine Herausforderung \u201ein Sachen Kinderbetreuung\u201c. Diese Einw\u00e4nde sind zwar richtig, zugleich aber ausgesprochen oberfl\u00e4chlich. Sie zeigen, dass sich weitere Teile der SP\u00d6 mit der Regierungspolitik abgefunden haben.<\/p>\n<p><strong>Arbeitszeit radikal verk\u00fcrzen<\/strong><\/p>\n<p>Im Kern der Auseinandersetzungen um die Arbeitszeit steht die Frage, wie die Ertr\u00e4ge aus der Arbeit der Lohnabh\u00e4ngigen und die Produktivit\u00e4tsgewinne in der Gesellschaft verteilt werden. Seit vielen Jahren nimmt die Arbeitsproduktivit\u00e4t in \u00d6sterreich um j\u00e4hrlich knapp 2% zu. Das hei\u00dft, die Lohnabh\u00e4ngigen erarbeiten mit einer gleich hohen Anzahl von Arbeitsstunden eine st\u00e4ndig gr\u00f6\u00dfere Wirtschaftsleistung. Doch die Lohnabh\u00e4ngigen haben von diesem Zuwachs der Wirtschaftsleistung kaum etwas. Weder stiegen die L\u00f6hne entsprechend noch sank die Arbeitszeit. Im Gegenteil, die L\u00f6hne stagnieren in vielen Berufen seit Jahren, die Arbeit wurde immer dichter und zudem ungleicher verteilt. Nicht eine Flexibilisierung nach dem Gefallen der Unternehmen und schon gar nicht eine Verl\u00e4ngerung der zul\u00e4ssigen Arbeitszeit, sondern eine radikale allgemeine Arbeitszeitverk\u00fcrzung bei Erhalt des Lohnes sind auf die Tagesordnung zu setzen.<\/p>\n<p>Die Verk\u00fcrzung der allgemeinen Arbeitszeit auf 30 Stunden in der Woche bei vollem Erhalt des Lohnes ist die Voraussetzung um die Arbeit gerechter zu verteilen und um die Verteilung der reproduktiven Arbeit im Haushalt und der Sorge- und Erziehungsarbeit gerechter zwischen den Geschlechtern zu verteilen. Die Perspektive der 30-Woche benennt zudem klar, dass wir die Produktivit\u00e4t nicht steigern wollen, um immer mehr Waren zu verbrauchen, sondern um unsere freie Zeit auszudehnen. Eine radikale Arbeitszeitverk\u00fcrzung ist zudem mit einer Neuorganisation der Arbeitsprozesse zu verbinden. Nicht um die Arbeitsintensit\u00e4t abermals zu steigern, sondern um auch die Frage der Arbeitsinhalte aufzuwerfen. In diesem Sinne ist die 30-Woche auch eine \u00f6kologische Forderung. Eine radikale Arbeitszeitverk\u00fcrzung ist Voraussetzung eines guten Lebens f\u00fcr alle.<\/p>\n<p><strong>Mehrheit dagegen \u2013 breite Bewegung aufbauen<\/strong><\/p>\n<p>Der \u00d6GB und die Gewerkschaften mobilisieren gegen den 12-Stunden-Tag und die 60-Stunden-Woche. Das ist richtig. Allerdings reicht die Organisierung einer gro\u00dfen Demonstration in Wien bei Weitem nicht aus, um die Regierung und die Industriellenvereinigung in die Knie zu zwingen. Die Gewerkschaften agieren allerdings z\u00f6gerlich und unentschlossen.\u00a0<em>Erstens<\/em>\u00a0argumentieren die Gewerkschafsexponent*innen teilweise oberfl\u00e4chlich. Die Flexibilisierung- und Verl\u00e4ngerung der Arbeitszeit mit begleitenden Ma\u00dfnahmen zu kompensieren oder ertr\u00e4glicher zu machen zu wollen, f\u00fchrt in die Irre. Nur eine grunds\u00e4tzliche Ablehnung der Regierungspolitik auf dem Boden einer soliden Argumentation, die f\u00fcr eine radikale Arbeitszeitverk\u00fcrzung und die Verteilung der Produktivit\u00e4tsgewinne an die Lohnabh\u00e4ngigen einsteht, erlaubt es, koh\u00e4rent zu agieren und das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis zugunsten der Lohnabh\u00e4ngigen zu verschieben.\u00a0<em>Zweitens <\/em>richten sich die Gewerkschaftsf\u00fchrungen nicht entschlossen an die Gesamtheit der Lohnabh\u00e4ngigen und zwar unabh\u00e4ngig davon, wo sie arbeiten, in welchem Arbeitsverh\u00e4ltnis sie stehen, welches Geschlecht sie haben und von welchem Staat sie einen Pass sie erhalten haben. Die Frage der Arbeitszeit ist nicht nur eine betriebliche Angelegenheit. Sie betrifft alle: die Besch\u00e4ftigten, die Familienangeh\u00f6rigen, die Freund*innen, die Studierenden, die Sch\u00fcler*innen.\u00a0<em>Drittens\u00a0<\/em>h\u00e4ngen die Gewerkschaftsf\u00fchrungen weiterhin krampfhaft und v\u00f6llig illusorisch der sogenannten Sozialpartnerschaft an. Sie realisieren nicht, dass die Industriellenvereinigung und ihre Regierung diese Sozialpartnerschaft aufgek\u00fcndigt haben. Die Gewerkschaften k\u00f6nnen deshalb ihre Position nur verbessern, wenn sie sich in den Betrieben konsequent verankern, eine konsequente Organisierungsarbeit leisten und die Besch\u00e4ftigten und die ganze Bev\u00f6lkerung auf die harten Auseinandersetzungen vorbereiten.<\/p>\n<p>Der Widerstand gegen die Verl\u00e4ngerung der zul\u00e4ssigen Arbeitszeit wird nur Erfolg haben, wenn er sich in alle Bereiche der Gesellschaft ausdehnt. Die Gewerkschaften m\u00fcssten daher breite und lokal abgest\u00fctzte B\u00fcndnisse mit allen interessierten Kr\u00e4ften aufbauen und zu offenen Versammlungen einladen, an denen sich alle interessierten Menschen einbringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr k\u00f6nnte es durchaus M\u00f6glichkeiten geben. Denn gem\u00e4\u00df einer Meinungsumfrage sprechen sich 59 % gegen die Vorhaben der Regierung aus, die H\u00f6chstarbeitszeit zu verl\u00e4ngern. 54 % attestieren der Regierung Klientelpolitik \u201ef\u00fcr Unternehmer, Beamte und Bauern, teils auf Kosten anderer Bev\u00f6lkerungsgruppen\u201c<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a>\u00a0Der Widerstand gegen die Verl\u00e4ngerung der H\u00f6chstarbeitszeit st\u00f6\u00dft also auf eine breite Akzeptanz. Umso wichtiger ist es, dass sich die Gewerkschaften und alle Organisationen, die die Interessen der Lohnabh\u00e4ngigen vertreten, sich an die Menschen in den Stadtteilen, in den Orten, an den Arbeitspl\u00e4tzen, Schulen und Universit\u00e4ten wenden, unabh\u00e4ngig davon, wo und wie sie arbeiten und ob sie gewerkschaftlich organisiert sind.<\/p>\n<p>Um den Widerstand zu verankern und zu verbreitern m\u00fcssen wir auch neue Organisierungs- und Aktionsformen ausprobieren. Die Demonstrationen m\u00fcssten ihre Fortsetzung in Streiks finden. Im Zuge solcher breiten B\u00fcndnisse k\u00f6nnen die Gewerkschaften mit Streiks wieder ein relevanter Faktor werden. Durch gemeinsame Aktionen st\u00e4rken die Lohnabh\u00e4ngigen ihr Selbstbewusstsein. Streiks k\u00f6nnen aber nur stattfinden, wenn sich die Besch\u00e4ftigten selber organisieren und die Gewerkschaften in den Betrieben verankert sind. Der Widerstand sollte zugleich auf die \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tze getragen werden. Durch \u00f6ffentliche Versammlungen auf den Pl\u00e4tzen k\u00f6nnen wir Foren schaffen, wo sich die Menschen austauschen und direkt aktiv werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.aufbruch-salzburg.org\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Arbeitszeit_Fb.pdf\"><strong>Flugblatt zum selben Thema als Pdf-Datei<\/strong><\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/www.aufbruch-salzburg.org\/weniger-und-sinnvoller-arbeiten\/\"><em>aufbruch-salzburg.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 2. Juli 2018<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Initiativantrag vom 14. Juni zur \u00c4nderung des Arbeitsgesetzes\u00a0<a href=\"https:\/\/www.parlament.gv.at\/PAKT\/VHG\/XXVI\/A\/A_00303\/imfname_698985.pdf\">https:\/\/www.parlament.gv.at\/PAKT\/VHG\/XXVI\/A\/A_00303\/imfname_698985.pdf<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Das ist auch das Urteil von Walter Pfeil, Professor f\u00fcr Arbeitsrecht an der Universit\u00e4t Salzburg. Salzburger Nachrichten, 20. Juni 2018\u00a0<a href=\"https:\/\/www.sn.at\/politik\/innenpolitik\/experte-ueber-arbeitszeitregelungen-den-unternehmen-nutzt-es-29394478\">https:\/\/www.sn.at\/politik\/innenpolitik\/experte-ueber-arbeitszeitregelungen-den-unternehmen-nutzt-es-29394478<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl. Der Standard, 16. Juni 2018\u00a0<a href=\"https:\/\/derstandard.at\/2000081663094\/Was-fuer-und-gegen-flexiblere-Arbeitszeiten-spricht\">https:\/\/derstandard.at\/2000081663094\/Was-fuer-und-gegen-flexiblere-Arbeitszeiten-spricht<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.solidarwerkstatt.at\/arbeit-wirtschaft\/arbeiten-ohne-ende\">https:\/\/www.solidarwerkstatt.at\/arbeit-wirtschaft\/arbeiten-ohne-ende<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Gem\u00e4\u00df neu eingef\u00fcgtem \u00a77 Abs 6 im Arbeitszeitgesetz.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Arbeitszeitgesetz \u00a7 1 Z 3 im Arbeitszeitgesetz. Vgl. \u00d6GB: Analyse des Initiativantrages vom 14. Juni 2018 \u00a0betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Arbeitszeitgesetz, das Arbeitsruhegesetz und das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz ge\u00e4ndert werden.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.neinzum12stundentag.at\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/3_Analyse-Antrag-Arbeitszeit.pdf\">https:\/\/www.neinzum12stundentag.at\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/3_Analyse-Antrag-Arbeitszeit.pdf<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Arbeitszeitgesetz \u00a7 1 Z 5 \u201310: Vgl. \u00d6GB: Analyse des Initiativantrages vom 14. Juni 2018 \u00a0betreffend ein Bundesgesetz, mit dem das Arbeitszeitgesetz, das Arbeitsruhegesetz und das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz ge\u00e4ndert werden.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.neinzum12stundentag.at\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/3_Analyse-Antrag-Arbeitszeit.pdf\">https:\/\/www.neinzum12stundentag.at\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/3_Analyse-Antrag-Arbeitszeit.pdf<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Arbeitszeitgesetz\u00a7 8, Abs 2.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Interview mit Martin Risak.\u00a0<em>Der Standard<\/em>, 17.6.2018\u00a0<a href=\"https:\/\/derstandard.at\/2000081746174\/Arbeitsrechtsexperte-Risak-zu-Regierungsplaenen-Zwoelfstundentag-wird-zum-Normalfall\">https:\/\/derstandard.at\/2000081746174\/Arbeitsrechtsexperte-Risak-zu-Regierungsplaenen-Zwoelfstundentag-wird-zum-Normalfall<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Siehe den Artikel der Solidarwerkstatt\u00a0<a href=\"https:\/\/www.solidarwerkstatt.at\/arbeit-wirtschaft\/qdie-gewerkschaften-werden-fallen-wie-die-berliner-mauerq\">https:\/\/www.solidarwerkstatt.at\/arbeit-wirtschaft\/qdie-gewerkschaften-werden-fallen-wie-die-berliner-mauerq<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Sozialdemokratische Partei \u00d6sterreichs (2017): Plan A f\u00fcr Austria. Das Programm f\u00fcr Wohlstand, Sicherheit &amp; gute Laune. S. 26.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Der Standard 18. Juni 2018\u00a0<a href=\"https:\/\/derstandard.at\/2000081783534\/Was-wirklich-im-Plan-A-der-SPOe-zum-Zwoelfstundentag-steht\">https:\/\/derstandard.at\/2000081783534\/Was-wirklich-im-Plan-A-der-SPOe-zum-Zwoelfstundentag-steht<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Der Standard, 18. Juni 2018 \u00a0<a href=\"https:\/\/derstandard.at\/2000081741257\/SPOe-Chef-Kern-beklagt-Bruch-der-Spielregeln?ref=rec\">https:\/\/derstandard.at\/2000081741257\/SPOe-Chef-Kern-beklagt-Bruch-der-Spielregeln?ref=rec<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Kurier, 22. Juni 2018\u00a0<a href=\"https:\/\/kurier.at\/politik\/inland\/kern-brauchen-asylcenter-in-afrika\/400055564\">https:\/\/kurier.at\/politik\/inland\/kern-brauchen-asylcenter-in-afrika\/400055564<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> <a href=\"https:\/\/derstandard.at\/2000081658480\/Umfrage-sieht-deutliche-Mehrheit-gegen-Zwoelf-Stunden-Tag\">https:\/\/derstandard.at\/2000081658480\/Umfrage-sieht-deutliche-Mehrheit-gegen-Zwoelf-Stunden-Tag<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christian Zeller. Die \u00d6VP-FP\u00d6-Regierung verk\u00fcndet in kurzen Abst\u00e4nden einen Angriff nach dem anderen auf soziale Errungenschaften. 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