{"id":3754,"date":"2018-07-08T17:54:49","date_gmt":"2018-07-08T15:54:49","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3754"},"modified":"2018-07-08T17:54:49","modified_gmt":"2018-07-08T15:54:49","slug":"hat-das-grosse-geld-die-fluechtlinge-gezielt-nach-deutschland-gelenkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3754","title":{"rendered":"Hat das gro\u00dfe Geld die Fl\u00fcchtlinge gezielt nach Deutschland gelenkt?"},"content":{"rendered":"<p><em>R\u00fcdiger Rauls.<\/em> Immer mehr greift in der Linken eine Sichtweise um sich, die die Ablehnung offener Grenzen mit h\u00f6heren Werten zu begr\u00fcnden versucht. Sahra Wagenknecht f\u00fchrte daf\u00fcr auf dem Parteitag<!--more--> in Leipzig ein wie auch immer geartetes \u201elinkes Projekt\u201c an. Rainer Rupp sieht darin einen Beitrag im Kampf gegen das \u201e<a href=\"https:\/\/kenfm.de\/tagesdosis-29-6-2018-grenzenlose-migration-und-die-erhoehung-der-profitrate\/\">Gesch\u00e4ft der neoliberalen Globalisierer, der Bankster und der Gro\u00dfkonzerne<\/a>\u201c Eine solche Sichtweise konstruiert jedoch den Mythos eines allm\u00e4chtigen, als einheitliche Kraft die Weltgeschicke lenkenden Kapitals. Sie macht zudem AfD-Positionen hoff\u00e4hig, indem sie sie mit linkem Vokabular aufl\u00e4dt.<\/p>\n<p><strong>W\u00fcrdigung<\/strong><\/p>\n<p>Rainer Rupp gelten Achtung und Dank aller friedliebenden Menschen, ja sogar die Kriegstreiber sollten ihm dankbar sein. Denn auch sie w\u00e4ren vielleicht genauso tot wie die Friedliebenden, h\u00e4tte nicht Rupp durch sein pers\u00f6nliches Engagement dazu beigetragen, einen Dritten Weltkrieg zu verhindern. Daf\u00fcr zolle ich ihm meinen Respekt, auch wenn ich ihn im Folgenden kritisieren werde. Und wenn ich auch in mancher politischen Frage anderer Meinung sein mag als er, so will ich ausdr\u00fccklich betonen, dass bei all meiner Kritik an seinen ANSICHTEN der Respekt vor seinem HANDELN \u00fcberwiegt.<\/p>\n<p>Auch Sahra Wagenknecht sollte als Mitstreiterin f\u00fcr Frieden und soziale Gerechtigkeit geachtet werden \u2013 trotz all der unterschiedlichen Ansichten, die mitunter in den politischen Fragen bestehen. Denn keiner von denen, die um Erkenntnis ringen, haben heute bereits den Stein der Weisen gefunden. Erst die Geschichte wird zeigen, wer in der Einsch\u00e4tzung der Wirklichkeit richtig gelegen und wer die Perspektiven und Vorgehensweisen aufgezeigt hat, die zur Erhaltung des Friedens in der Welt gef\u00fchrt haben werden. Zuerst aber sollte die Linke untereinander friedlich und solidarisch miteinander umgehen und die Verschiedenheit der Ansichten wertsch\u00e4tzen als die Mosaiksteine, die erst die Wirklichkeit in ihrer G\u00e4nze abbilden.<\/p>\n<p><strong>Auf d\u00fcnnem Eis<\/strong><\/p>\n<p>Rupp begibt sich in seinem Beitrag auf d\u00fcnnes Eis, auch wenn der Artikel scheinbar antikapitalistisch daherkommt. In seinen Augen, aber auch in denen vieler anderer, die sich antikapitalistisch geben, ist die Fl\u00fcchtlingswelle der Jahre 2014\/2015 ein abgekartetes Spiel \u201edes\u201c Kapitals, ein von langer Hand vorbereiteter Schachzug zur Optimierung der Kapitalverwertung. Deshalb ist Widerstand gegen diese Pl\u00e4ne und damit auch gegen Zuwanderung erste Pflicht f\u00fcr antikapitalistische Linke. Versucht die AfD Zuwanderung mit nationalistischem Gedankengut zu verhindern, versuchen es Linke wie Rupp und Wagenknecht mit Anti-Kapitalismus. Damit aber laufen Teile der Linken Gefahr, die Abschottungspolitik der AfD weiter hoff\u00e4hig zu machen, indem sie es durch Zugeben marxistischen Vokabulars zu einem antikapitalistischen Projekt ummodeln.<\/p>\n<p>Um es in aller Deutlichkeit und unmissverst\u00e4ndlich auszudr\u00fccken: Hier soll weder den offenen Grenzen das Wort geredet werden noch der Abschottung. Denn all das liegt nicht in der Macht derer, die in ihren Allmachtsfantasien glauben, dass sich die Vorg\u00e4nge in der Welt nach ihrer Meinung richten. Kein Afrikaner wird seine Entscheidung, den gef\u00e4hrlichen und teuren Weg nach Europa und in ein hoffentlich besseres Leben zu wagen, davon abh\u00e4ngig machen, ob Kipping f\u00fcr offene Grenzen oder Rupp und Wagenknecht dagegen sind. Und ebenso wenig sind Wagenknecht oder Kipping in der Position, als Entscheidungstr\u00e4ger das Fl\u00fcchtlingsproblem zu handhaben.<\/p>\n<p><strong>Selbst die M\u00f6glichkeiten \u201edes\u201c Kapitals sind begrenzt<\/strong><\/p>\n<p>Hier soll keinesfalls bestritten werden, dass Teile des deutschen und internationalen Unternehmertums Interesse am Zuzug von Arbeitskr\u00e4ften haben. Nur ist zu bezweifeln, dass \u201edas\u201c Kapital \u00fcber die M\u00f6glichkeiten verf\u00fcgt, eine Fl\u00fcchtlingswelle wie die der Jahre 2014\/2015 zu veranlassen als einen bewusst herbeigef\u00fchrten und gesteuerten Akt. Wie soll das praktisch gehen? Es gen\u00fcgt nicht, einen Plan und ein Interesse zu haben. Dazu m\u00fcssen dann auch Personen und Kr\u00e4fte aktiv und offen erkennbar daran arbeiten, diese praktisch umzusetzen.<\/p>\n<p>Niemand in Afrika oder woanders in der Welt wird sich von Vertretern irgendwelcher deutschen Unternehmerverb\u00e4nde oder gar den Teilnehmern der Bilderberg-Treffen, die selbst in ihren Heimatl\u00e4ndern kaum offen auftreten, zum gef\u00e4hrlichen und teuren Exodus nach Europa bewegen lassen. Wer soll solche Pl\u00e4ne unter das Volk bringen? Wer soll in der Dritten Welt die Propaganda f\u00fcr diese Pl\u00e4ne machen, die Bewegung lostreten, organisieren und koordinieren? Und das alles an den offiziellen Stellen vorbei, wenn diese nicht eingeweiht werden oder gar diesen Pl\u00e4nen Widerstand entgegensetzen?<\/p>\n<p>Dazu w\u00e4re ein kostspieliges und umfangreiches Netz von Aktiven und Helfern notwendig, das ab einer bestimmten Gr\u00f6\u00dfe und Wirkung nicht mehr geheim gehalten werden k\u00f6nnte. Und um einen geheimen Plan scheint es sich ja nach Ansicht der Vertreter dieser Theorie zu handeln. Wie also soll \u201edas\u201c Kapital schlagartig Millionen Menschen dazu bewegen k\u00f6nnen, ihre Heimat zu verlassen? Dazu geh\u00f6rt doch mehr als nur die intrigante Absicht einiger Coupon-Schneider.<\/p>\n<p>Viel entscheidender als die W\u00fchlarbeit \u201edes\u201c Kapitals f\u00fcr die Fluchtbewegungen ist die Verschlechterung der Lebensumst\u00e4nde, sodass das Bleiben in der Heimat f\u00fcr die Menschen gef\u00e4hrlicher und aussichtsloser ist als die Gefahren des Exodus. Deshalb war der Anteil der Fl\u00fcchtlinge aus den Kriegsl\u00e4ndern Syrien und Afghanistan besonders hoch. Auch wenn diese Kriege zur\u00fcckzuf\u00fchren sind auf die Interessen und Unterst\u00fctzung des Westens, so ist das ja kein bis ins Detail durchgearbeiteter Plan, wie die Vertreter dieser Theorie glauben machen wollen. Zudem w\u00e4re ein solcher Plan auch immer mit dem Risiko behaftet, dass die Kriege f\u00fcr den Westen verloren gehen. Und danach sieht es ja im Moment auch aus. In diesem Falle h\u00e4tte sich dann dieser angeblich fein ausget\u00fcftelte Plan \u201edes\u201c Kapitals als Fehlschlag herausgestellt.<\/p>\n<p><strong>Der Plan ist gescheitert<\/strong><\/p>\n<p>Selbst wenn man argumentiert, dass diese Kriege Bestandteil dieses heimt\u00fcckischen und menschenverachtenden Plans sind, so hat er seine Ziele nicht erreicht. Die \u00fcberwiegende Mehrheit der Fl\u00fcchtlinge kam nicht nach Europa, sondern wartet unter menschenunw\u00fcrdigen Zust\u00e4nden in den Auffanglagern Afrikas und des Nahen Ostens auf eine bessere Zukunft. W\u00fcrde es \u201edem\u201c Kapital nur um die Versorgung mit billiger Arbeitskraft gehen, was st\u00fcnde der gezielten \u00dcberf\u00fchrung dieser Menschen nach Europa im Wege? Wenn es so m\u00e4chtig w\u00e4re, Fl\u00fcchtlingswellen loszutreten, dann d\u00fcrfte es doch ein Leichtes sein, die zust\u00e4ndigen Regierungen zur Freigabe dieser ungenutzten Arbeitskraft zu \u00fcberreden.<\/p>\n<p>Die T\u00fcrkei, Jordanien, der Libanon und die vielen Aufnahmel\u00e4nder in Afrika h\u00e4tten bestimmt keine Einw\u00e4nde, wenn ihnen diese soziale Belastung der eigenen Gesellschaften abgenommen w\u00fcrde. Bisher aber gibt es keine Berichte, dass entweder \u201edas\u201c Kapital selbst oder von ihm bestellte Vertreter sich um die Freigabe dieser Arbeitskr\u00e4fte bem\u00fchen. So d\u00e4mmert dieses Potential ungenutzt in den Zeltst\u00e4dten auf der anderen Seite des Mittelmeers vor sich hin, anstatt hier bei der Steigerung der Profitrate behilflich zu sein. Selbst wenn es also diesen Plan gegeben haben sollte, so ist er gr\u00fcndlich fehlgeschlagen. Und dieser Fehlschlag w\u00e4re ein weiterer Beweis gegen die aufgebauschte Allmacht \u201edes\u201c Kapitals.<\/p>\n<p>Stattdessen muss es mehr oder weniger tatenlos zusehen, wie seine Pl\u00e4ne von vielen europ\u00e4ischen Regierungen durchkreuzt werden. Da werden Z\u00e4une gebaut, um die Fl\u00fcchtlinge zur\u00fcckzuhalten, Schleuser verfolgt, H\u00e4fen geschlossen, Absprachen mit den Regierungen Nordafrikas getroffen, um sie an der \u00dcberfahrt zu hindern, Lager in der T\u00fcrkei finanziert, um sie von Europa fernzuhalten. In Deutschland drohen an der Fl\u00fcchtlingsfrage die Fraktionsgemeinschaft aus CDU und CSU nach Jahrzehnten der Zusammenarbeit und vielleicht sogar die Gro\u00dfe Koalition zu scheitern, die doch gerade erst unter erheblichen Geburtswehen den Krei\u00dfsaal verlassen hat. Und f\u00fcr all das hat \u201edas\u201c \u00fcberm\u00e4chtige Kapital keinen Plan? Haben seine vorausschauenden Konzepte all das nicht bedacht und schon gar nicht verhindern k\u00f6nnen? Oder sind nun auch CDU, CSU und AfD auf einmal antikapitalistisch, so dass sie \u201edem\u201c Kapital in den Arm fallen?<\/p>\n<p><strong>Es gibt gen\u00fcgend Arbeitskraft<\/strong><\/p>\n<p>H\u00e4tte \u201edas\u201c Kapital all diesen Aufwand nur betrieben, um an billige Arbeitskraft zu kommen, so h\u00e4tte es nicht sehr rationell gehandelt, was in der Sph\u00e4re der Produktion doch sonst gerade seine St\u00e4rke ist. Nichts w\u00e4re doch einfacher gewesen, als \u00fcber staatliche Vereinbarungen wie in den 1950er und 1960er Jahren billiger Arbeitskraft den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt zu gew\u00e4hren. Gerade eben wurden \u00dcberlegungen von Gesundheitsminister Spahn laut, ausl\u00e4ndische Pflegekr\u00e4fte nach Deutschland zu rufen, um den aktuellen Personalmangel zu beheben.<\/p>\n<p>Die EU selbst verf\u00fcgt \u00fcber Millionen von Arbeitslosen, die sich frei in Europa auf Arbeitssuche begeben k\u00f6nnen. Da braucht es doch keine verdeckten und hinterh\u00e4ltigen Pl\u00e4ne, die Menschenmassen in Bewegung setzen. Selbst in Deutschland sind die Arbeitslosenzahlen h\u00f6her als das Arbeitsplatzangebot. Z\u00e4hlt man die Bezieher von Hartz IV dazu, die in den offiziellen Statistiken gar nicht als Arbeitslose gez\u00e4hlt werden, so betr\u00e4gt das Arbeitskraftangebot alleine hier schon mehr als 6 Millionen Menschen, und die sprechen deutsch und m\u00fcssen nicht erst durch Sprach- und Integrationskurse auf das n\u00f6tige Qualifikationsniveau gep\u00e4ppelt werden.<\/p>\n<p>Zudem hat die Bedeutung von Migranten f\u00fcr den deutschen Arbeitsmarkt ohnehin nachgelassen, seit f\u00fcr alle Arbeitskr\u00e4fte auch in Deutschland ein Mindestlohn gezahlt werden muss. Da nimmt der deutsche Unternehmer lieber einen Deutschen, mit dem er keine sprachlichen Probleme in der Kommunikation am Arbeitsplatz hat.<\/p>\n<p>Richtig ist die Behauptung von Rupp, dass die Unternehmer versuchen, den Mindestlohn f\u00fcr Migranten auszusetzen gerade unter Hinweis auf deren mangelnde sprachliche Qualifikation. Aber bisher hat sich das scheinbar allm\u00e4chtige Kapital, das angeblich Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me verursachen kann, in dieser Frage nicht einmal gegen eine wirtschaftsfreundliche Regierung durchsetzen k\u00f6nnen. Es scheint also doch nicht so einfach zu sein mit der \u00dcberschwemmung der Arbeitsm\u00e4rkte mit billigen Arbeitskr\u00e4ften.<\/p>\n<p>Es ist au\u00dferdem eine falsche Sichtweise, dass die Unternehmen billige Arbeitskr\u00e4fte suchen. Sie suchen produktive Arbeitskr\u00e4fte, solche also, bei denen Lohnkosten und Arbeitsertrag im besten Verh\u00e4ltnis stehen. Die deutschen Unternehmen verlagern die Produktion nicht nach Afghanistan oder Zentralafrika, obwohl die Arbeitskraft dort fast umsonst ist. Denn dort ist auch die Produktivit\u00e4t der Arbeitskraft am geringsten. Den Arbeitskr\u00e4ften fehlen dort die F\u00e4higkeiten, die den hohen Anspr\u00fcchen der kapitalistischen Produktionsweise gerecht werden.<\/p>\n<p>Auch wenn der Arbeiter vielleicht nur ein Hundertstel von dem kostet, was ein deutscher Arbeiter an Lohn erh\u00e4lt, so ist die Produktivit\u00e4t des deutschen doch wesentlich h\u00f6her, wenn er daf\u00fcr ein Tausendfaches von dessen Ertrag erbringt. Nicht umsonst will Spahn Pflegekr\u00e4fte aus dem Kosovo und Albanien holen, statt deutsche Arbeitslose zu Pflegekr\u00e4ften auszubilden, weil es dort \u201ejunge ausgebildete Pflegekr\u00e4fte\u201c <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> gibt.<\/p>\n<p>\u201eMit der vom Kapital gew\u00fcnschten Migrationsschwemme soll also eine Reservearmee von Billigtagel\u00f6hnern zwecks Lohndruckerei in der gesamten Wirtschaft geschaffen werden.\u201c Damit hat Rupp nicht ganz Unrecht. Aber es ist andererseits auch nicht so einfach, wie er es darstellt, und es entspricht vor allem nicht den Vorg\u00e4ngen. Um eine Reservearmee von Billigtagel\u00f6hnern zu nutzen, muss man keine V\u00f6lkerwanderungen ins Rollen bringen. Diese Reservearmee ist weltweit verf\u00fcgbar. Und wenn sie nicht zu uns kommt, geht die Produktion zu ihnen.<\/p>\n<p><strong>Das Kapital ist ein Haifischbecken<\/strong><\/p>\n<p>Trotz all dieser Einw\u00e4nde und Zweifel soll keinesfalls bestritten werden, dass die Unternehmer ein Interesse am Zuzug von Arbeitskraft haben. Rupp nimmt in seiner Argumentation \u00fcber das unumschr\u00e4nkte Walten \u201edes\u201c Kapitals Bezug auf eine Studie des Weltwirtschaftsforums (WEF) von 2013, mit der er das Interesse \u201edes\u201c Kapitals an der Fl\u00fcchtlingswelle nachzuweisen glaubt. Diese Studie wurde kurz vor der Fl\u00fcchtlingswelle erstellt, als mit dem millionenfachen Zuzug aus den Kriegsgebieten des Nahen Ostens noch gar nicht zu rechnen war. Die zeitliche N\u00e4he erweckt den Eindruck, alles sei das Ergebnis der Allmacht \u201edes\u201c Kapitals und seiner scheinbar unaufhaltsamen Pl\u00e4ne.<\/p>\n<p>Bei dieser Diskussion von 2013 ging es noch in erster Linie darum, die Freiz\u00fcgigkeit von Arbeitskraft innerhalb der EU anzuregen, besonders vor dem Hintergrund der Perspektivlosigkeit in Spanien, Griechenland und auch Italien. Nat\u00fcrlich waren die deutschen Unternehmen auch darauf erpicht, qualifizierte und billige Arbeitskr\u00e4fte zu bekommen. Aber es war nicht \u201edas\u201c Kapital allgemein, sondern das deutsche, vielleicht auch das franz\u00f6sische, britische, halt eben das der f\u00fchrenden Industrienationen, aber keineswegs das griechische, spanische oder italienische. Diese Kapitalfraktionen waren eher besorgt \u00fcber den Abzug der qualifizierten Arbeitskraft, was eine weitere Schw\u00e4chung ihrer Konkurrenzf\u00e4higkeit bedeutete.<\/p>\n<p>Es geht hier nicht darum, \u201edas\u201c Kapital zu verharmlosen, sondern es mit seinen M\u00f6glichkeiten richtig einzusch\u00e4tzen, um es nicht zu \u00fcbersch\u00e4tzen. Es ist nicht so allm\u00e4chtig, wie solche Beitr\u00e4ge wie der von Rupp, aber auch von anderen den Eindruck erwecken, wenn sie ihm die Macht beimessen, die in der Lage sein soll, Fl\u00fcchtlingswellen auszul\u00f6sen. Denn in solchen Darstellungen von Allmacht liegt die gro\u00dfe Gefahr der Entmutigung derer, die doch eigentlich ermutigt werden sollten.<\/p>\n<p>Es sind Linke, die das Kapital m\u00e4chtiger erscheinen lassen, als es ist, also gerade jene, die doch eigentlich seine Herrschaft \u00fcberwinden wollen. Wie aber wollen sie einen Gegner bezwingen, wenn sie ihn so \u00fcberm\u00e4chtig darstellen, dass man vor ihm eigentlich nur in die Knie gehen kann? Dieses Aufbauschen ist letztlich nur das Ergebnis mangelnder oder mangelhafter Analyse der gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse. Das Kapital ist m\u00e4chtig, aber nicht allm\u00e4chtig. Denn auch \u201edas\u201c Kapital ist nicht der monolithische Block, als der er von solchen Beitr\u00e4gen wie dem von Rupp dargestellt wird.<\/p>\n<p>Es ist vielmehr ein Haifischbecken, in dem jede Kapitalfraktion der Todfeind der anderen ist. \u201eDas\u201c Kapital ist in sich zerfressen durch die Konkurrenz untereinander um M\u00e4rkte und Marktanteile, Investoren, staatliche Auftr\u00e4ge und Subventionen, auch um billige Arbeitskr\u00e4fte. Und diese Konkurrenz ist die Natur seiner Ordnung, Teil ihres Wesens. Die Konkurrenz ist die treibende Kraft innerhalb des Systems, das dieses System immer wieder von innen zu sprengen droht. Denn jeder muss von dem anderen auf der Hut sein. Der Gro\u00dfe frisst den Kleinen und muss selbst auch wieder darauf achten, nicht von einem noch Gr\u00f6\u00dferen geschluckt zu werden. Das macht alle Unternehmer, Unternehmen und Kapitalfraktionen untereinander zu Gegnern.<\/p>\n<p>Nur in einem Falle sind sich all diese Haie einig: Wenn es darum geht, die Ordnung der Haie im Haifischbecken zu erhalten, ihre Ordnung. Das Kapital tritt nur dann als geeinte Klasse auf, wenn es dem geeinten Proletariat gegen\u00fcbersteht, das seine Ordnung und seine Macht bedroht. Das war 1933 in Deutschland im nationalen Rahmen der Fall, als der Faschismus die bestehende Ordnung gegen die drohende sozialistische Revolution verteidigte. Auf der internationalen Ebene wirkte das Regime der USA als Klammer, die besonders die Staaten der heutigen Westlichen Wertegemeinschaft zusammenhielt im Kampf gegen den Sozialismus. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion war diese Bedrohung des Kapitalismus verschwunden. Das ist neben den wirtschaftlichen einer der Gr\u00fcnde f\u00fcr die derzeitigen Konflikte zwischen den f\u00fchrenden kapitalistischen Staaten.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/ruedigerraulsblog.wordpress.com\/2018\/07\/06\/die-migrations-waffe\/\">ruedigerraulsblog&#8230;.<\/a> vom 8. Juli 2018 <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> FAZ vom 2. Juli 2018: Gesundheitsminister Spahn sucht 50.000 Pfleger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>R\u00fcdiger Rauls. Immer mehr greift in der Linken eine Sichtweise um sich, die die Ablehnung offener Grenzen mit h\u00f6heren Werten zu begr\u00fcnden versucht. 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