{"id":3904,"date":"2018-08-11T10:34:09","date_gmt":"2018-08-11T08:34:09","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3904"},"modified":"2018-08-11T10:34:09","modified_gmt":"2018-08-11T08:34:09","slug":"30-jahre-marxistische-betriebsintervention-bei-opel-bochum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=3904","title":{"rendered":"30 Jahre \u00bbmarxistische Betriebsintervention\u00ab bei Opel Bochum"},"content":{"rendered":"<p><em>Wolfgang\u00a0Schaumberg.<\/em> Herauszuarbeiten, was an unserer Betriebspolitik als \u00bbmarxistische Intervention\u00ab bezeichnet werden kann, erfordert einen l\u00e4ngeren R\u00fcckblick auf wesentliche Bestandteile<!--more--> unseres Kampfes, die zun\u00e4chst mal mit Marxismus, mit der Orientierung an der Kritik der politischen \u00d6konomie von Karl Marx, nichts zu tun haben.<\/p>\n<p>Im Oktober 2004 gab es bei uns den l\u00e4ngsten selbst\u00e4ndig organisierten oder \u00bbwilden\u00ab Streik in der deutschen Autoindustrie, gut dokumentiert in dem Buch \u00bb6 Tage der Selbsterm\u00e4chtigung\u00ab von Jochen Gerster und Willi Hajek, sowie in dem WDR-Film \u00bbDer Kampf um Opel 2004\u00ab.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Zitiert wird in dem Buch der Bochumer Marxist Robert Schlosser. Er kommt zu dem Fazit: \u00bbEs gilt festzuhalten: Ca. eine Woche lang wurde die Ware Opelauto nicht produziert und folglich konnte Opel diese (\u2026) Ware auch nicht (\u2026) in Geld umwandeln. Damit (\u2026) stoppte f\u00fcr eine Woche die Verwertung eines Einzelkapitals, das \u00f6konomische Gesetz der Verwertung von Wert war einen Moment lang und an einem Ort durch die Aktion der Belegschaft au\u00dfer Kraft gesetzt. Die Menschen verweigerten nicht nur dem abstrakten, \u00f6konomischen Sachzwang ihre Gefolgschaft, sondern auch den Funktion\u00e4ren des Kapitals. Sie folgten nicht dem fremden Kommando \u00fcber ihre Arbeitskraft. Sie wurden \u203avertragsbr\u00fcchig\u2039 und stellten damit auch das Rechtsgef\u00fcge der kapitalistischen Warenproduktion in Frage. (\u2026) Solche solidarischen Gemeinschaftsaktionen sind die einzige M\u00f6glichkeit, die Vereinzelung der Einzelnen aufzuheben und soziale F\u00e4higkeiten zu erlernen, die ben\u00f6tigt werden, um den Kapitalismus \u00fcberwinden zu k\u00f6nnen. (\u2026) Ohne solche Aktionen kann es auch keine gesellschaftliche Perspektive zur \u00dcberwindung des Systems der Lohnarbeit geben und damit keine Perspektive zu \u00dcberwindung von Mangel, Armut und existentieller Unsicherheit.\u00ab<\/p>\n<p>Wie bei dem Vorl\u00e4ufer, dem Bochumer selbst\u00e4ndigen Streik von f\u00fcnf Schichten im Jahr 2000, wurde die Produktion fast aller 17 Opel-Werke in Europa zum Stillstand gezwungen, und die Belegschaft erfuhr eine begeisternde lokale (ca. 25.000 Menschen bei der Soli-Demo in Bochum), nationale und internationale Solidarit\u00e4t. Auch wenn weiterer Arbeitsplatzabbau nicht verhindert werden konnte, wurde der Streik in beiden F\u00e4llen als Erfolg erlebt, im Ergebnis zwar ein Kompromiss, aber einer, der nicht von Stellvertretern ausgehandelt, sondern von der Belegschaft selber erk\u00e4mpft wurde, als Erfahrung von Macht und W\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die GoG hat dazu durch ihre jahrzehntelange Aufkl\u00e4rungs- und Mobilisierungsarbeit\u00a0einen wichtigen Beitrag geleistet.<\/p>\n<p><strong>I.<\/strong><\/p>\n<p>Im Folgenden einige nicht marxistisch begr\u00fcndete, aber unabdingbare Bestandteile unserer Betriebspolitik:<\/p>\n<p>Seit unserer ersten Betriebsratswahl 1972 blieben die Kritik am BetrVG und die Forderung nach t\u00e4glicher Arbeitszeitverk\u00fcrzung wichtiges Element in jedem Wahlprogramm.<\/p>\n<p>\u00dcber jede Betriebsrats-Sitzung verteilten wir Info-Bl\u00e4tter, \u00fcbersetzt auch auf Spanisch und T\u00fcrkisch; ebenso fast monatlich unsere GoG-Betriebszeitungen, gut dokumentiert im Archiv f\u00fcr soziale Bewegungen Bochum<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> und ab 1999 auch unter labournet.de.<\/p>\n<p>Die offensive Nutzung der vier Belegschaftsversammlungen pro Jahr machte uns auch alle pers\u00f6nlich in der gesamten Belegschaft sehr bekannt. Besonders in den 1970er Jahren ergaben sich praktisch Redeschlachten, die zum Teil \u00fcber acht Stunden dauerten. (Protokolle handschriftlich auch im Archiv)<\/p>\n<p>Die Zusammenarbeit mit den \u00fcber 500 Vertrauensleuten, bei einem IGM-Organisationsgrad von rund 90 Prozent, war auch w\u00e4hrend unseres Gewerkschaftsausschlusses von 1973 bis 1993 selbstverst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>Basisdemokratie haben wir u.a. dadurch mit vorangebracht, dass vor einer Abstimmung des BR \u00fcber Verzichts- und andere Vereinbarungen zuerst die Belegschaft zu befragen war. Besonders wirksam war 1995 die gegen die Gesch\u00e4ftsleitung und die BR-Mehrheit durchgesetzte Abstimmung, in der fast 70 Prozent f\u00fcr eine t\u00e4gliche Arbeitszeitverk\u00fcrzung statt weiterer Freischichten stimmten, als es um den letzten Schritt der Realisierung der 35-Stunden-Woche nach dem IGM-Streik 1984 ging. Ebenso wurde z.B. 2014 bundesweit die Ablehnung des IGM-Vorschlags anl\u00e4sslich der Schlie\u00dfungsdrohung mit \u00fcber 70 Prozent der Stimmen bekannt. Die Belegschaft musste mit ihrer Abstimmung Stellung beziehen, was zu hei\u00dfen Debatten in allen Abteilungen f\u00fchrte; die altbekannte Ausrede \u00bbunsereiner kann ja nichts machen\u00ab samt dem Schimpfen auf \u00bbden BR\u00ab oder \u00bbdie Gewerkschaft\u00ab im Anschluss an eine BR-Abstimmung wurde verbaut&#8230;<\/p>\n<p>Die \u00bbgro\u00dfen\u00ab Streikaktionen 2000 und 2004 w\u00e4ren nie zustande gekommen, wenn wir nicht vorher f\u00fcr zahllose kleinere mitmobilisiert h\u00e4tten. Nur ein Beispiel: mehrfach drangen um die 20 bis 50 KollegInnen w\u00e4hrend ihrer Pause in eine BR-Sitzung ein, \u00fcber die wir vorher informiert hatten, und verwickelten den BR in hei\u00dfe Debatten, manchmal ein bisschen \u00fcber die Pause hinaus, so dass der BR-Vorsitzende die Gesch\u00e4ftsleitung darauf aufmerksam machen musste, dass die B\u00e4nder nicht sofort nach der Pause wieder voll anlaufen konnten&#8230;<\/p>\n<p><strong>II.<\/strong><\/p>\n<p>Unsere Betriebsarbeit war nur m\u00f6glich und durchzuhalten durch solidarische Unterst\u00fctzung vieler Genossinnen und Genossen.<\/p>\n<p>Seit Ende 1972 organisierten sich die zumeist studentischen Unterst\u00fctzerInnen im Solidarit\u00e4tskomitee \u00bbSoko\u00ab und nahmen nur noch mit zwei wechselnden Delegierten an den GoG-Sitzungen teil. Sie diskutierten regelm\u00e4\u00dfig jede Woche unsere Betriebsarbeit, organisierten \u00dcbersetzungen unserer Flugbl\u00e4tter usw. und verteilten sie regelm\u00e4\u00dfig vor allen Schichten an allen sechs Werkstoren. Besonders lange durchgehalten haben bis Anfang der 1980er Jahre die GenossInnen der Kommunistischen Gruppe Bochum\/Essen (KGB\/E), an deren Diskussionen au\u00dfer mir auch noch weitere GoG-Kollegen teilgenommen haben. Bis heute tagt der Rest der GoG immer noch jede Woche, und wie all die Jahrzehnte vorher nehmen mindestens zwei marxistisch orientierte Unterst\u00fctzer ohne jeden F\u00fchrungsanspruch an unseren Sitzungen teil.<\/p>\n<p>Bis zur Schlie\u00dfung von Opel Bochum hat auch Michael Dornieden als Rechtsanwalt an unseren Sitzungen teilgenommen, unverzichtbare Beratung geleistet und eine Unzahl von Prozessen f\u00fcr uns und viele KollegInnen gegen die Adam Opel AG gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Bei unseren j\u00e4hrlichen GoG-Wochenenden gab es ebenfalls immer mitorganisierende und mitdiskutierende Unterst\u00fctzerInnen.<\/p>\n<p>Seit dem NRW-Arbeitnehmerweiterbildungsgesetz von 1984 haben wir \u00fcber 40 Bildungsurlaub-Wochen mit 20 und mehr KollegInnen selbst\u00e4ndig organisiert, undenkbar ohne die Hilfe von Rainer Kopp als Leiter der offiziell anerkannten Bildungseinrichtung Forum Eltern und Schule (fesch) in Dortmund, oft mit Beteiligung von KollegInnen aus anderen Autowerken. Als Teamer haben \u00fcber die Jahrzehnte besonders Jens Huhn von Transnationals Information Exchange<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> und Willi Hajek mit uns Schulungsarbeit gemacht, oft mit Gastreferenten wie Uli Briefs, Robert Kurz, Rainer Roth u.v.a. Lehrreich waren auch unsere Besuche in anderen Fabriken unterschiedlicher Branchen, bei streikenden Bahnkollegen, in \u00f6kologischen Landwirtschaftsbetrieben\u2026<\/p>\n<p>Internationale Vernetzung unter GM-Belegschaften haben wir durch unsere BU-Gruppenreisen nach Antwerpen, Liverpool\/Ellesmereport, Zaragoza, Gliwice, Warschau voranzubringen versucht, unvergesslichen Erfahrungsaustausch erlebt beim Besuch auf den Philippinen 1987&#8230; Praktisch erfahren haben wir dabei auch, wie heutzutage globale Produktion planvoll organisiert wird, wie sie sich aber \u00fcberall gegen die Lohnabh\u00e4ngigen auswirkt und wie Gegenstrategien diskutiert werden. Unsere Bildungsurlaubserfahrungen wurden immer durch unsere Betriebszeitungen, auf Versammlungen wie in den Alltagsgespr\u00e4chen im Betrieb weitergegeben.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>All diese GoG-Aktivit\u00e4ten wurden und werden bis heute erm\u00f6glicht durch die kontinuierliche finanzielle Unterst\u00fctzung der Stiftung Menschenw\u00fcrde und Arbeitswelt. Peter Vollmer sind wir zu gro\u00dfem Dank verpflichtet.<\/p>\n<p><strong>III.<\/strong><\/p>\n<p>Das Engagement unserer Unterst\u00fctzerInnen ist mitpr\u00e4gend f\u00fcr das, was man bei unserer Betriebspolitik als marxistisch begr\u00fcndete Aufkl\u00e4rung und Debatte ansehen kann. Auch dazu einige Beispiele:<\/p>\n<p>Es gibt keinen \u00bbgerechten\u00ab Lohn, auch keinen \u00bbfairen\u00ab Weltmarkt. Lohnverbesserungen erh\u00f6hen zwar die allgemeine Kaufkraft, sind aber nie im Interesse der einzelnen Unternehmen. Prozentuale Tariferh\u00f6hungen vertiefen die Spaltung&#8230; Pr\u00e4ziser sagen wir \u00bbGleicher Lohn bei gleicher Arbeit\u00ab statt \u00bb&#8230; f\u00fcr gleiche Arbeit\u00ab \u2026<\/p>\n<p>Managerfehler sind nicht Ursache f\u00fcr Krisen, \u00bbbessere Manager\u00ab k\u00f6nnen uns nicht retten&#8230;<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Als z.B. der Opel-Personalvorstand auf einer Belegschaftsversammlung erkl\u00e4rte: \u00bbSie nennen uns hier Erpresser, ich verbitte mir das, wir sind doch keine Erpresser, der Markt zwingt uns dazu\u00ab war klarzustellen: Erstens hat er recht, zweitens verteidigt er dieses Marktsystem und kriegt daf\u00fcr und f\u00fcr seinen Job Millionengeh\u00e4lter, und drittens f\u00e4ngt die Erpressung ja schon damit an, dass die gro\u00dfe Mehrheit bei den Fabrikbesitzern um einen Job betteln muss, um leben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Standorte und Belegschaften werden gegeneinander ausgespielt und erpresst, aber zwischen Unternehmen, nicht zwischen Belegschaften gibt es Konkurrenz; die zu sch\u00fcren ist Managementstrategie.<\/p>\n<p>\u00dcberproduktion ist nicht einfach die von Produkten, sondern von nicht profitabel absetzbaren Waren. Die Krisenursache liegt im System.<\/p>\n<p>\u00bbKampf um jeden Arbeitsplatz\u00ab kann nicht allgemeine Leitparole sein, weder in R\u00fcstungs- noch in Auto- oder Nudelfabriken.<\/p>\n<p>Verzichtsvertr\u00e4ge retten keine Jobs; kein Unternehmer kann uns eine \u00bbsicherere Zukunft\u00ab garantieren. Gegen die Leitparole des Euro- und GBR-Vorsitzenden und IGM-Repr\u00e4sentanten Klaus Franz \u00bbGeteiltes Leid ist halbes Leid\u00ab haben wir, auch auf T-Shirts, verbreitet: \u00bbVerzicht is f\u00fcrn Arsch\u00ab.<\/p>\n<p>Abfindungsvertr\u00e4ge werden oft als \u00bbsozialvertr\u00e4glicher Arbeitsplatzabbau\u00ab bezeichnet; das haben wir als \u00bbL\u00fcgenwort\u00ab angegriffen: Abfindungen m\u00f6gen f\u00fcr den einen oder die andere individuell vertr\u00e4glich sein, sind es aber nicht f\u00fcr die Gesellschaft. Eigentlich will die Bezeichnung \u00bbsozialvertr\u00e4glich\u00ab zum Ausdruck bringen, dass der Abbau ohne soziale Unruhen \u00fcber die B\u00fchne geht.<\/p>\n<p>Und wenn Gewerkschaftsf\u00fchrungen wie die der IGM propagieren: \u00bb<em>Tatenlos sieht die Regierung zu, wie andere L\u00e4nder &#8230; ihre M\u00e4rkte brutal nach au\u00dfen dichtmachen&#8230; Und jetzt dr\u00e4ngen auch noch die Koreaner auf den Weltmarkt&#8230;<\/em>\u00ab oder: \u00bb<em>Wollen wir tatenlos warten, bis das erste amerikanische oder japanische Drei-Liter-Auto in Bremerhaven angelandet wird?\u00ab\u00a0<\/em>u.\u00e4., dann wird vielmehr ein \u00fcbler und gef\u00e4hrlicher Nationalismus als \u00bbAusweg\u00ab propagiert, der die Hoffnungen der Gewerkschaftsmitglieder an die Sicherung \u00bbdeutscher\u00ab Unternehmerprofite auf dem Weltmarkt bindet.<\/p>\n<p>Wichtig bleibt festzuhalten: Nach meiner Erfahrung in einem Gro\u00dfbetrieb werden die Leute heute schon bei der geringsten Forderung mit dem Kostenargument und sofort mit \u00bbVerlust an globaler Wettwettbewerbsf\u00e4higkeit\u00ab unter Druck gesetzt. Die Bochumer Opel-Belegschaft ist immer wieder durch widerspenstiges Verhalten aufgefallen. Gegen die anscheinend \u00fcberm\u00e4chtige Unternehmermacht samt ihren Co-Managern und Wirtschaftsexperten anzuk\u00e4mpfen, erfordert gemeinsame \u00dcberwindung der Angst, und dazu braucht man unter anderem unbedingt passende Argumente gegen die herrschende Ideologie. Mit unserer Argumentation standen wir meistens im Widerspruch zu dem, was die gro\u00dfe Mehrheit unserer KollegInnen f\u00fcr richtig hielt, und immer\u00a0\u2013 und stets gut dokumentiert\u00a0\u2013 im Widerspruch zur offiziellen Politik und Ideologie der Gewerkschaftsf\u00fchrung.<\/p>\n<p><strong>IV.<\/strong><\/p>\n<p>Haben wir mit solcher Mobilisierungs- und Aufkl\u00e4rungsarbeit f\u00fcr eine andere Gesellschaft, f\u00fcr Sozialismus gek\u00e4mpft? Aus der allt\u00e4glichen Gegenwehr gegen die Unternehmerangriffe und aus dem Verst\u00e4ndnis, dass unsere seit Hunderten von Jahren gewachsene kapitalistische Gesellschaftsordnung kein Naturereignis ist und einfach nicht funktionieren kann, erw\u00e4chst noch keine hoffnungstr\u00e4chtige Idee, wie eine andere Organisation unserer Gesellschaft samt Produktion und Verteilung der gew\u00fcnschten Produkte denn aussehen k\u00f6nnte. Die herrschende Ideologie zu zersetzen bleibt allerdings Voraussetzung daf\u00fcr, dass mehr Leute eine andere Gesellschaftsordnung als zu \u00fcberlegendes und unabdingbares Ziel erkennen.<\/p>\n<p>Oft genug wurde ich im Betriebsalltag mit Meinungen und Fragen konfrontiert wie: \u00bbDas war schon immer so: Eine kleine Minderheit hat die Macht und den Reichtum, der gro\u00dfe Rest muss eben backen. Willst du das \u00e4ndern?\u00ab oder \u00bbDass wir, dass die Masse der Gesellschaft die Regie, was wie produziert und verteilt werden soll, in die eigene Hand nimmt, das haben wir nicht gelernt&#8230;\u00ab<\/p>\n<p>Diese Debatte haben wir aufzugreifen versucht, wenn auch wohl zu wenig&#8230; Zwei Beispiele dazu:<\/p>\n<p>1.) Unser Diskussionspapier \u00bbGegen die Konkurrenz- und Standortlogik und gegen ihre Akzeptanz durch die Gewerkschaften. Von Kolleginnen und Kollegen der Standorte-Gruppe bei Opel in Bochum\u00ab (5. September 1995)<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Am Schluss ergaben sich aus unserer Analyse f\u00fcr die Perspektiven-Debatte folgende Fragen:<\/p>\n<ul>\n<li>Wo zeigen sich die Widerspr\u00fcche zwischen vergesellschafteter Produktion und privater Aneignung heute am deutlichsten, sozusagen als breit erkennbare und von uns zu nutzende Bruchpunkte der Entwicklung? Ist mit einer neuen Stufe der globalen Vergesellschaftung der Arbeit auch eine neue Chance geplanter Produktion mit dem Ziel der m\u00f6glichst besten Bed\u00fcrfnisbefriedigung aller erm\u00f6glicht? Mit einer neudefinierten Vorstellung von \u00bbWachstum\u00ab: \u00f6kologisch vern\u00fcnftig, m\u00f6glichst global zukunftssicher, global emanzipativ, massendienlich&#8230;?<\/li>\n<li>Wie ist solch ein System von Produktion und Verteilung auf der Grundlage heutiger Technologie, Produktion und Verteilung und ihrer globalen Vernetzung vorstellbar?<\/li>\n<li>Welche Bedeutung k\u00e4me dabei den Gro\u00dfregionen, L\u00e4ndern, Kommunen zu?<\/li>\n<li>Wie ist die Enteignung und Entmachtung der Kapitaleigner und ihrer politischen Vertretung auf globalem Niveau vorstellbar?<\/li>\n<li>Welche Organisationsformen f\u00fcr demokratische Gegenmacht und perspektivischer Organisation einer von Kapitalzw\u00e4ngen befreiten globalen Gesellschaft sind vorstellbar?<\/li>\n<li>Wie weit sind globale Reformbewegungen\u00a0\u2013 z.B. f\u00fcr Frieden, \u00f6kologische Forderungen, gegen Rassismus und Sexismus, f\u00fcr soziale und politische Forderungen\u00a0\u2013 gerade von uns als GewerkschafterInnen mit voranzutreiben und mit Hilfe welcher Organisationen (Nicht-Regierungs-Organisationen? ILO? Rolle von UN-Organisationen? Etc.), und wo liegen ihre Grenzen?<\/li>\n<\/ul>\n<p>2.)<strong>\u00a0<\/strong>In meiner Brosch\u00fcre<em>\u00a0\u00bb<\/em>Eine andere Welt ist vorstellbar? Schritte zur konkreten Vision\u00ab<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a>, habe ich versucht, Erfahrungen aus der aktuellen Auto-Produktion f\u00fcr die \u00dcberlegung zu nutzen, wie die Aneignung der Produktion durch die Gesellschaft vorgestellt werden k\u00f6nnte. Beispiele daf\u00fcr waren Gruppensitzungen in der Arbeitszeit, gew\u00e4hlte und abw\u00e4hlbare Gruppensprecher, lebenslanges Lernen&#8230;<\/p>\n<p><strong>V.<\/strong><\/p>\n<p>GoG-Erfahrungen sind nutzbar f\u00fcr aktuelle<strong>\u00a0<\/strong>K\u00e4mpfe\u00a0\u2013 dazu einige Stichworte:<\/p>\n<ul>\n<li>ein konsequenter Verteidigungskampf erfordert eine gut begr\u00fcndete Kapitalismus-Kritik, die Entlarvung falscher Argumente, illusorischer Hoffnungen&#8230;<\/li>\n<li>Dass derzeit viele radikale Linke K\u00e4mpfe von KollegInnen unterst\u00fctzen, sei es gegen Wohnungsnot oder Leiharbeit oder Amazon, gegen besonders krasse Ausbeutung usw. ist wunderbar. Solche Unterst\u00fctzung muss m.E.\u00a0langfristig\u00a0angelegt sein, sie muss mit\u00a0Schulungs- und Bildungsarbeit einhergehen und deutlich machen: \u00dcber 200 Jahre Entwicklung zum Kapitalismus, in Kenntnis vieler gescheiterter Revolutionen, das erfordert eben einen langen Atem. Gemeinsam \u00fcber eigene Lebensentw\u00fcrfe, Familie, Kinder, Geldverdienen zu diskutieren, ist dabei unabdingbar&#8230;<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.linksnet.de\/artikel\/47507\">linksnet.de&#8230;<\/a> vom 11. August 2018 <\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\">http:\/\/www.youtube.com<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.isb.rub.de\/afsb\/bestaende\/bestand_schaumberg.html.de\">http:\/\/www.isb.rub.de\/afsb\/bestaende\/bestand_schaumberg.html.de<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Siehe Jens Huhn: \u00bbTrotz alledem&#8230; TIE\u00a0\u2013 eine \u203aandere\u2039 Internationale in Zeiten der Globalisierung\u00ab (Berlin 2015, ISBN 978-7375-7185-2)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Zur Entstehung und Entwicklung der GoG, zu den Unterst\u00fctzerInnen usw. s. auch <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=3HxybGWhL34\">http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=3HxybGWhL34<\/a>, Film von Uli Wendemann, GoG-eine Gruppe oppositioneller Gewerkschafter bei Opel in Bochum 1998.\u00a0\u2013 Ein neuer Film \u00fcber die GOG wird derzeit von B\u00e4rbel Sch\u00f6nafinger, labournet.tv gedreht, s. u.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Unsere Kritik an der IGM-F\u00fchrung wurde immer mit Zitaten belegt, z.B. \u00bbIGM-Vorstandsmitglied Karin Benz-Overhage bezeichnete die Unf\u00e4higkeit der Unternehmer als wichtigsten Standortnachteil in Deutschland\u00ab, Die Welt, 4. November 1996<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Siehe <a href=\"http:\/\/archiv.labournet.de\/diskussion\/gewerkschaft\/stratpap.html\">http:\/\/archiv.labournet.de\/diskussion\/gewerkschaft\/stratpap.html<\/a>. Von 1993 bis 2000 nannten wir uns entsprechend unserer Betriebszeitung \u00bbStandorte-Gruppe\u00ab, \u00bbGoG\u00ab blieb der in unserer Belegschaft bekannte Name.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> <a href=\"http:\/\/archiv.labournet.de\/diskussion\/arbeit\/prekaer\/anderewelt.pdf\">http:\/\/archiv.labournet.de\/diskussion\/arbeit\/prekaer\/anderewelt.pdf<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wolfgang\u00a0Schaumberg. Herauszuarbeiten, was an unserer Betriebspolitik als \u00bbmarxistische Intervention\u00ab bezeichnet werden kann, erfordert einen l\u00e4ngeren R\u00fcckblick auf wesentliche Bestandteile<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,7,5],"tags":[25,29,87,39,26,45,22,4,17],"class_list":["post-3904","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-international","category-kampagnen","tag-arbeiterbewegung","tag-arbeitskaempfe","tag-arbeitswelt","tag-deutschland","tag-gewerkschaften","tag-neoliberalismus","tag-politische-oekonomie","tag-strategie","tag-widerstand"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3904","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3904"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3904\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3905,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3904\/revisions\/3905"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3904"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3904"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3904"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}