{"id":4004,"date":"2018-09-05T10:13:07","date_gmt":"2018-09-05T08:13:07","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4004"},"modified":"2018-09-05T10:13:07","modified_gmt":"2018-09-05T08:13:07","slug":"der-kapitalistische-zauberlehrling-die-nazis-die-ich-rief","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4004","title":{"rendered":"Der kapitalistische Zauberlehrling: Die Nazis, die ich rief&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><em>Simon Zamora Martin. <\/em><strong>AfD und Nazi-Hools verschmelzen in der fr\u00fcheren Karl-Marx-Stadt. Tausende stellen sich ihnen entgegen. Doch Neoliberale und Konzerne wollen das vereinnahmen.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Chemnitz am Samstag: Nazi-Tattoos, T-Shirts und Gespr\u00e4che der Teilnehmer*innen des rechtsextremen \u201eTrauermarsches\u201c best\u00e4tigten wieder, dass es sich nicht nur um \u201ebesorgte B\u00fcrger*innen\u201c handelt, sondern zu einen beachtlichen Teil auch um organisierte Neonazis. Die Jagden auf Linke und Migrant*innen, zu denen es auch Samstagnacht wieder kam, sind schrecklich.<\/p>\n<p>Nachdem der rechte \u201eTrauermarsch\u201c gegen Migrant*innen nach nur 300 Metern von der Polizei beendet wurde, gingen rund 1.000 gewaltbereite Nazis und Hooligans an den Polizeiketten vorbei und schw\u00e4rmten in kleine und gr\u00f6\u00dfere Gruppen durch die Innenstadt. Glasflaschen und Feuerwerksk\u00f6rper flogen auf linke Gegendemonstrant*innen. Nicht-wei\u00dfe Menschen wurden von Nazigruppen angegriffen. Unter dem Karl-Marx-Denkmal rief ein kahlgeschorener Vierj\u00e4hriger aus seinem Kinderwagen \u201eHeil Hitler\u201c. Und eine gr\u00f6\u00dfere Gruppe Neonazis hielt sich noch bis sp\u00e4t in der Nacht an dem blumen\u00fcberdeckten Ort auf, an dem letzte Woche Sonntag der deutsch-kubanische Antifaschist Daniel Hillig in einem Handgemenge laut Ermittlungsbeh\u00f6rden vermeintlich von einem Iraker und einem Syrer mit einem Messer t\u00f6dlich verletzt wurde. Sie skandierten immer wieder laute Parolen: \u201eWir sind das Volk\u201c, \u201eWiderstand, Widerstand\u201c und \u201eL\u00fcgenpresse auf die Fresse\u201c.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite demonstrierten am Samstag nach unterschiedlichen Angaben bis zu 4.500 Menschen mit einer Kundgebung und mit Blockaden gegen die rechtsextreme Demo. Antifaschist*innen, die teilweise viel riskierten, um sich den rechten Horden entgegen zu stellen. Aber anders als bei den gro\u00dfen antirassistischen Demos in Berlin und Hamburg in den Vortagen, wollten sich am Samstag in Chemnitz auch diejenigen mit den Protesten zu schm\u00fccken, die eine entscheidende Verantwortung im Aufstieg der AfD haben. Denn neben Gewerkschaften, Linkspartei und SPD hatten auch die CDU und die Gr\u00fcnen, aber auch die Industrie- und Handelskammer, und eine Reihe lokaler Unternehmer*innen zu der Gegenkundgebung aufgerufen.<\/p>\n<p>Am Montag mobilisierten sich noch mehr Menschen gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Bei einem Gratiskonzert von Bands wie\u00a0<em>Feine Sahne Fischfilet, K.I.Z., Toten Hosen<\/em>\u00a0und anderen unter dem Motto #wirsindmehr kamen 65.000 Menschen zusammen.<\/p>\n<p>Die Zahl ist beeindruckend und sendet ein starkes Zeichen. Die Aufgabe ist es jedoch, diese Menschen auch zuk\u00fcnftig zu Demonstrationen und Blockaden zu mobilisieren und langfristig gegen den Rechtsruck und seine sozialen und \u00f6konomischen Ursachen zu organisieren. Ansonsten bleibt das Konzert eine leere Geste, oder kann hinter den Karren der b\u00fcrgerlichen Parteien gespannt werden, die sich einen moralischen Diskurs gegen Rassismus auf die Fahnen schreiben: Selbst Bundespr\u00e4sident Steinmeier hatte zu dem Konzert aufgerufen. Der Zynismus des b\u00fcrgerlichen \u201eAntifaschismus\u201c blieb jedoch auch dort nicht weit, denn CDU-Generalsekret\u00e4rin Kramp-Karrenbauer hatte gemeinsam mit der Springer-Presse Steinmeier genau daf\u00fcr kritisiert, weil an dem Konzert auch\u00a0<em>Feine Sahne Fischfilet<\/em>\u00a0teilnahm, die vom Verfassungsschutz bespitzelt wurden.<\/p>\n<p><strong>Die AfD fusioniert mit den faschistischen Milizen<\/strong><\/p>\n<p>Rund 6.000 Menschen waren am Samstag dem Aufruf von AfD und PEGIDA gefolgt, mit einem \u201eTrauermarsch\u201c den vermeintlichen Opfern von Merkels Asylpolitik zu gedenken. Perfiderweise meinen sie damit nicht die tausenden Gefl\u00fcchteten, die j\u00e4hrlich im Mittelmeer ertrinken oder auf anderen Fluchtrouten sterben, sondern die Opfer des angeblichen Anstiegs der \u201eAusl\u00e4nderkriminalit\u00e4t\u201c \u2013 aller anderslautender Statistiken zum Trotz. So wie sie den Tod des Antifaschisten Daniel \u2013 Kind von Gastarbeiter*innen \u2013 instrumentalisierten, eigneten sie sich auch ein Symbol des antifaschistischen Kampfes an: die wei\u00dfe Rose.<\/p>\n<p>Jugendlich war ihre Demonstration bei Weitem nicht. Gesch\u00e4tzter Altersdurchschnitt: 50 Jahre. Die Regeln, die die AfD von den Demonstrationsbesucher*innen erwartete: schwarze Kleidung \u2013 wenn m\u00f6glich mit wei\u00dfer Rose \u2013, kein Essen, kein Trinken, kein Rauchen, keine Transparente und keine Fahne au\u00dfer der Deutschlandfahne. Und tats\u00e4chlich schaffte es der AfD-Demonstrationsf\u00fchrer und sein Bataillon an Ordner*innen, w\u00e4hrend der Demo selbst die Freien Kamaradschaften und Hooligans zu disziplinieren. Kein Wort schepperte so oft \u00fcber die Lautsprecheranlagen wie jenes: \u201eDisziplin\u201c. Und in der Tat: Nach einigen Ermahnungen wurden die Reichsfahnen, Schilder und Transparente eingesteckt und die Parolen verstummten. Zumindest, bis die Demonstration der Rechtsextremen aufgel\u00f6st wurde und f\u00fcr die Nazi-Hooligans die Stunde der Jagd begann.<\/p>\n<p>Die gemeinsame erfolgreiche Mobilisierung von AfD und PEGIDA ist in der Tat ein Zeichen des Erstarken des \u201eFl\u00fcgels\u201c der AfD um den Th\u00fcringer Landeschef Bj\u00f6rn H\u00f6cke. Vor einem halben Jahr noch war die Zusammenarbeit mit PEGIDA in der AfD verboten. Die sich vertiefende Allianz zwischen Bj\u00f6rn H\u00f6cke und PEGIDA-Chef Lutz Bachmann, dem ein AfD-Beitritt zwar verwehrt bleibt, der jedoch schon seit Langem regelm\u00e4\u00dfiger Gast auf Treffen des \u201eFl\u00fcgels\u201c ist, zeigt zum ersten Mal ihre Kraft auf der Stra\u00dfe. Die Einheit von AfD und PEGIDA schaffte es, die Regionalpartei Pro-Chemnitz des Neonazis und Anwalts der \u201eGruppe Freital\u201c, Martin Kohlmann, in ihre Front zu zwingen, und vereinigt die zersplitterte Neonazi-Szene hinter sich. Sie disziplinierten die Hooligans und Kameradschaften f\u00fcr den Zeitraum der offiziellen Demonstration und lie\u00dfen diese nach der Beendigung durch die Polizei ihren Terror auf dem Stra\u00dfen verbreiten.<\/p>\n<p>Den Rechtsextremen zufolge sei der Staat vor den linken Blockierer*innen eingeknickt und h\u00e4tte den Trauermarsch nicht zugelassen, da sie eine Opposition zu den herrschenden Verh\u00e4ltnissen nicht toleriere (Linksradikale sind f\u00fcr sie nur bezahlte Schergen der Regierung). H\u00f6cke\u00a0<a href=\"https:\/\/youtu.be\/n25rcGipd58?t=6m3s\"><strong>wird nicht m\u00fcde zu betonen<\/strong><\/a>, dass sie alle Mittel des Rechtsstaates f\u00fcr ihren Protest nutzen, aber auch selbst Hand anlegen, wenn die politischen F\u00fchrungen nicht die law and order-Auffassung der AfD durchsetzen.<\/p>\n<p>H\u00f6cke, der wohl unter dem Synonym \u201eLandolf Ladig\u201c\u00a0<a href=\"https:\/\/www.politicalbeauty.de\/landolf\/%20\"><strong>seine politische Karriere bei der NPD begann<\/strong><\/a>\u00a0, genie\u00dft viel Vertrauen in der Kameradschaftsszene. Dieses Vertrauen und die B\u00fcndnispolitik H\u00f6ckes kann die neofaschistischen Schl\u00e4germilizen in die AfD integrieren und diese perspektivisch so zu einer wirklichen faschistischen Partei aufsteigen lassen. In Chemnitz haben wir in diesen Tagen wichtige Schritte in diese Richtung gesehen.<\/p>\n<p><strong>Chemnitz und eine passive Polizei<\/strong><\/p>\n<p>Sechs Wasserwerfer, R\u00e4umpanzer, und 1800 Polizeikr\u00e4fte aus Bayern, Brandenburg, Bremen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, der Bundespolizei und BFE waren am Samstag im Einsatz. Mit dem Argument des Mangels an Einsatzkr\u00e4ften wurde das Fu\u00dfballspiel zwischen Dynamo Dresden und dem HSV abgesagt. Das f\u00fchrte zu einer noch gr\u00f6\u00dferen Mobilisierung der rechten Hooligans von Dynamo, welche zu hunderten statt zum Fu\u00dfball gleich zur \u201edritten Halbzeit\u201c nach Chemnitz fuhren.<\/p>\n<p>Obwohl die Polizei visuell St\u00e4rke demonstrierte, war sie in alle Richtungen sehr zur\u00fcckhaltend. Ein Teilnehmer der antifaschistischen Proteste berichtete\u00a0<em>Klasse Gegen Klasse<\/em>\u00a0gegen\u00fcber:\u00a0<em>\u201eIch habe in all den Jahren noch nie erlebt, dass so einfach war, bei Naziblockaden auf deren Route zu kommen und auch dort zu bleiben.\u201c<\/em>\u00a0Mit der Jugendorganisation Revolution reiste er aus Berlin an, um den Naziaufmarsch zu blockieren.\u00a0<em>\u201eNachdem Gegendemonstrant*innen in ihrer \u201aAktion Grundgesetz\u2018 viele Exemplare einmal quer \u00fcber die Demoroute der Nazis gestellt hatten, sind wir mit nur 30 Personen auf die Stra\u00dfe gegangen, um uns den Nazis wirklich in den Weg zu stellen. Die Polizei hat uns nicht wie \u00fcblich von der Stra\u00dfe gepr\u00fcgelt. Wir haben ein bisschen mit ihnen diskutiert, es gab aber noch nicht einmal eine offizielle Aufforderung, dass wir die Stra\u00dfe verlassen sollten.\u201c<\/em>\u00a0Nichtsdestotrotz wurde eine andere Gruppe von ca. 300 Personen, die versuchte, eine m\u00f6gliche Ausweichroute der rechtsextremen Demo zu blockieren, in einer Seitenstra\u00dfe gekesselt und f\u00fcr Stunden festgehalten.<\/p>\n<p>Zwar stellte die Polizei zum Ende des rechten Trauerspiels ihre Wasserwerfer auf, um f\u00fcr die hunderten Kameras aus dem In- und Ausland St\u00e4rke zu demonstrieren, doch waren die ganze Zeit wenig Polizeikr\u00e4fte anwesend. Sie verhinderten nicht, dass die Nazis sich weiter in Richtung der linken Gegendemonstrant*innen bewegten, diese angriffen und mehrere Antifaschist*innen verletzten. Die Nazis spazierten durch die losen Polizeiketten hindurch, w\u00e4hrend sie den Einsatzkr\u00e4ften auf die Schulter klopften, oder umgingen die Kette zehn Meter weiter rechts. Den Neonazis erlaubte die Polizei, sich frei \u00fcber die ganze Innenstadt zu verteilen und die ganze Nacht Attacken auf Migrant*innen und Linke zu ver\u00fcben.<\/p>\n<p><strong>Der Schrei nach dem Polizeistaat<\/strong><\/p>\n<p>\u201eMehr Polizei\u201c, \u201eAusbau der Geheimdienste\u201c, \u201eder Rechtsstaat muss durchsetzungsf\u00e4hig bleiben\u201c: Das waren in der vergangenen Woche die am lautesten artikulierten L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge, die von allen Parteien und der b\u00fcrgerlichen Presse diskutiert wurden. Selbst die Linkspartei fiel in diesen Chor mit ein und\u00a0<a href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article181396376\/Katja-Kipping-Die-Rechtsradikalisierung-der-AfD-wird-voranschreiten.html\"><strong>forderte, dass die AfD endlich vom Verfassungsschutz beobachtet werden sollte<\/strong><\/a>\u00a0. Dabei k\u00fcmmert sich der Verfassungsschutz ja schon um die AfD:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2018-08\/verfassungsschutz-frauke-petry-afd-hans-georg-maassen-ex-mitarbeiterin-geheimdienst\"><strong>in Form von Beratungen<\/strong><\/a>\u00a0oder im pers\u00f6nlichen Auftrag von Gauland zur\u00a0<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/innenministerium-maassens-verhalten-bei-gauland-bitte-nicht-gaengige-praxis-1.4100658\"><strong>Bespitzelung von Parteikollegen<\/strong><\/a>\u00a0.<\/p>\n<p>Dass eine \u00dcberwachung durch den Verfassungsschutz meist nicht gerade zu einer Schw\u00e4chung von Rechtsextremen f\u00fchrt, zeigen Beispiele wie der NSU, des Kameradschaftsnetzwerk \u201eTh\u00fcringer Heimatschutz\u201c oder der NPD: Oft haben sie die extreme Rechte gest\u00e4rkt und nicht geschw\u00e4cht. Und auch die aktuellen F\u00e4lle wie die Ver\u00f6ffentlichung des Haftbefehls im Mordfall von Daniel H. oder der Fall des \u201eHutb\u00fcrgers\u201c Maik zeigen,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/pegizei-lka-maik-ist-nur-die-spitze-des-eisbergs\/\"><strong>wie eng die Repressionsorgane des Staates mit der extremen Rechten verwachsen sind<\/strong><\/a>.<\/p>\n<p>In Folge der Auseinandersetzungen in Chemnitz wird es wohl weitere Schritte der Militarisierung nach innen geben. Gegen wen sich st\u00e4rkere Repressionsorgane vor allem richten, ist klar: gegen die Kr\u00e4fte, die das Regime von links in Frage stellen.<\/p>\n<p><strong>Exkurs: \u201eWir sind das Volk\u201c &#8211; wie 1989?<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201e1989\u201c<\/em>, ruft ein \u00e4lterer Teilnehmer der rechtsextremen Demonstration am Samstag in Chemnitz mit lauter Stimme,\u00a0<em>\u201eist die Revolution auch von Sachsen ausgegangen. Wie heute auch waren wir erst nur tausende. Dann aber zehntausende, hunderttausende und dann ist die Diktatur gefallen. 30 Jahre nach der Wiedervereinigung haben wir wieder eine Diktatur unter Merkel. Aber auch diese werden wir zu Fall bringen.\u201c<\/em>\u00a0Die umstehenden Menschen stimmen ihn mit Jawuhl-Rufen und Beifall zu. Ob\u00a0<a href=\"https:\/\/youtu.be\/V2KoZTN-vME?t=7m23s\"><strong>Lutz Bachmann<\/strong><\/a>\u00a0oder\u00a0<a href=\"https:\/\/youtu.be\/LXAEu7-NvIg?t=17m10s\"><strong>Martin Kohlmann<\/strong><\/a>: Immer wieder ziehen fast alle Rechtsextreme eine Parallele zwischen den Demonstrationen 1989 und den aktuellen Demonstrationen in Chemnitz. Zwar fordert nur eine kleine Minderheit der Neonazis separatistische L\u00f6sungen wie Pro-Chemnitz, um sich von \u201eder BRD-Diktatur\u201c zu befreien, doch spielen sie fast alle mit dem Ungerechtigkeitsempfinden der \u201eOssis\u201c \u00fcber die Auswirkungen der kapitalistischen Restauration.<\/p>\n<p>Doch sind es nicht die \u201eAusl\u00e4nder\u201c, die den Osten auf Gehei\u00df der Bundesregierung invadierten, um den deutschen \u201eVolksk\u00f6rper\u201c zu zerst\u00f6ren, sondern es war das westdeutsche Kapital, welches sich nach der Wende die ehemalige DDR aneignete. Sie eroberten sich neue Absatzm\u00e4rkte und ein Reservoir an 16 Millionen Billigarbeitskr\u00e4ften. Die gesamte ostdeutsche Volkswirtschaft wurde in nur wenigen Jahren dem Erdboden gleich gemacht. Massive Arbeitslosigkeit, soziale Verelendung und eine Ver\u00f6dung weiter Teile der ehemaligen DDR waren die Folge.<\/p>\n<p>Die schnelle imperialistische Annexion der DDR \u2013 als Methode der kapitalistischen Restauration \u2013 brachte jedoch langfristig auch Probleme f\u00fcr das Kapital. Die schnelle Zerschlagung der gesamten DDR-Belegschaft machte politisch f\u00fcr den Westen Sinn: So konnten sie doch verhindern, dass die Planwirtschaftserfahrungen der DDR-Belegschaften einen Einfluss auf die gesamtdeutsche Arbeiter*innenklasse entwickeln konnten. Doch durch die damit einhergehende Deindustrialisierung bildeten sich viele strukturelle Probleme und l\u00f6sten gro\u00dfe Wellen des Wegzugs aus. Chemnitz verlor beispielsweise seit 1989 20 Prozent seiner Einwohner*innen. Ein Loch, das Arbeitgeberverb\u00e4nde gerne mit neuen Billiglohn-Arbeitskr\u00e4ften auff\u00fcllen w\u00fcrden. Der Rassismus gegen Migrant*innen wird dadurch noch weiter gesch\u00fcrt.<\/p>\n<p><strong>Alle Demokrat*innen gegen Rechts?<\/strong><\/p>\n<p>Bis auf die AfD verurteilen alle Bundestagsparteien die Nazidemos in Chemnitz. Auch wenn der gr\u00f6\u00dfte rechte Hetzer der Regierung \u2013 der Innen- und Heimatminister Seehofer \u2013 sich kaum zu den Vorf\u00e4llen \u00e4u\u00dfert, kommt auch er nicht darum herum, die gewaltsamen Angriffe von rechts zu verurteilen. Neben Forderungen nach einer sch\u00e4rferen inneren Militarisierung wird auch immer mehr \u00fcber die Mobilisierung aller Demokrat*innen gegen Rechts gesprochen. Selbst der CDU-Ministerpr\u00e4sident von Auch der ehemalige westdeutsche Ministerpr\u00e4sident Sachsens, Kurt Biedenkopf, spricht \u00fcber die Wichtigkeit, Kr\u00e4fte gegen Rechts auf der Stra\u00dfe zu mobilisieren. Heuchlerisch erinnert er sich\u00a0<a href=\"https:\/\/youtu.be\/B75LtOoh5-A?t=9m49s\"><strong>bei Maischberger<\/strong><\/a>, wie \u201edie jahrelange Invasion\u201c von Nazis am Jahrestag der Bombardierung Dresdens durch eine \u201eB\u00fcrgerkette\u201c beendet wurde. Wo doch die Antifaschist*innen, die durch Blockaden den j\u00e4hrlichen Naziaufmarsch stoppten,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/tim-ist-frei-der-kampf-gegen-nazis-geht-weiter\/\"><strong>massivsten Repressionen durch Polizei und Justiz<\/strong><\/a>\u00a0ausgesetzt waren. Auch letztes Jahr schickte die s\u00e4chsische Landesregierung z.B. gegen 400 Antifaschist*innen\u00a0<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/kampf-gegen-linksextremismus-sek-mit-sturmgewehren-bei-antifa-demo\/\"><strong>mit Maschinenpistolen bewaffnete Spezialkr\u00e4fte<\/strong><\/a>.<\/p>\n<p>Freunde der Mobilisierung von Menschen auf den Stra\u00dfen waren b\u00fcrgerliche Politiker*innen noch nie. Dass jetzt selbst die rechten b\u00fcrgerlichen Kr\u00e4fte zumindest verbal zu der Mobilisierung auf den Stra\u00dfen gegen Nazis aufrufen, zeigt vor allem die Sackgasse, in der sie ihre rassistische und neoliberale Politik selbst getrieben hat. Der kapitalistische Zauberlehrling: Ihre rassistische Politik, die sie nutzten, um die Restauration des Kapitalismus und neoliberale Angriffe auf die Arbeiter*innenklasse durchzuf\u00fchren, hat (nicht nur in Ostdeutschland) Kr\u00e4fte geschaffen, die sie nicht mehr b\u00e4ndigen k\u00f6nnen. Kr\u00e4fte, die auch zunehmend\u00a0<a href=\"https:\/\/www.chemnitz.ihk24.de\/servicemarken\/presse\/aktuelle-presseinformationen\/ihk-chemnitz\/pm-74---gemeinsame-pressemeldung\/4172588\"><strong>die Interessen der deutschen Bourgeoisie in Gefahr bringen<\/strong><\/a>.<\/p>\n<p>Die AfD ist aktuell eine Bedrohung f\u00fcr die Profitinteressen der Mehrheitsfraktion der deutschen Bourgeoisie. Mit ihrer wirtschaftsprotektionistischen Politik stellt sie sich gegen die Interessen der Exportwirtschaft, welche sich in einer globalen Politik des Freihandels eine goldene Nase verdient hat. Und auch der sehr radikale Rassismus steht gegen die Interessen des deutschen Kapitals, welche z.B. eine\u00a0<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/fluechtlinge-in-deutschland-unternehmer-kaempfen-gegen-abschiebungen-1.4064935\"><strong>Aussetzung der Abschiebung von Gefl\u00fcchteten mit einem g\u00fcltigen Arbeitsvertrag<\/strong><\/a>\u00a0fordern. Im Umkehrschluss: Wenn sie eine K\u00fcndigung riskieren, riskieren sie auch eine Abschiebung. Die Mehrheit der deutschen Bourgeoisie m\u00f6chte \u2013 in begrenzten Rahmen \u2013 Gefl\u00fcchtete als Billigarbeitskr\u00e4fte ausbeuten. Der radikale Rassismus der AfD bedroht diese Politik.<\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz gibt es kleinere Kapitalfraktionen, die auf die AfD setzen. 2015 erhielt die AfD \u00fcber acht Millionen Euro an Spenden und Krediten. Hauptspender waren unter anderem Heinrich Weiss, Ex-BDI-Chef und Eigent\u00fcmer des famili\u00e4ren Stahlriesen SMS-Groop, und die Au\u00dfenwerberfirma Wall AG. Das sind noch keine gro\u00dfen Fraktionen des Kapitals. Wirtschaftlich k\u00f6nnte die AfD jedoch wichtig f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Fl\u00fcgel des deutschen Kapitals werden, wenn Merkel es nicht schafft, gegen Trump eine Freihandelspolitik aufrecht zu halten, und sie nach Alternativen suchen, die eine st\u00e4rker protektionistische und bilaterale Wirtschaftspolitik umsetzen. Ein Kapitalfl\u00fcgel, die dies bereits l\u00e4nger fordert, ist die Metallindustrie. Die Gesamtmetall-Verb\u00e4nde spendeten zum Wahlkampf 2017 der CSU 7,7 Mio Euro: mehr als an CDU, SPD und FDP zusammen. Wenn sich die CSU weiter als unf\u00e4hig erweist, k\u00f6nnte die AfD wirklich zu einer Alternative f\u00fcr die Bourgeoisie werden. Und faschistische Schl\u00e4gertrupps auf den Stra\u00dfen sind auch gut, um Angriffe gegen die Arbeiter*innen in Deutschland durchzuf\u00fchren. Aber zur Zeit sind wir noch weit entfernt von diesem Szenario, und die rechtsextremen Kr\u00e4fte auf der Stra\u00dfe sind f\u00fcr die gro\u00dfe Mehrheit der Bourgeoisie eine Bedrohung ihrer Kapitalinteressen.<\/p>\n<p>Zur Gegenkundgebung am Samstag riefen neben Gewerkschaften, Arbeiter*innenparteien und migrantischen Verb\u00e4nde auch die CDU und Arbeitgeberverb\u00e4nde auf. Und f\u00fcr das gestrige Konzert gegen Rechts in Chemnitz #wirsindmehr nahmen Unternehmen viel Geld in die Hand, um diese Aktion zu sponsoren. Flixbus-Gr\u00fcnder Daniel Krauss stellte zum Beispiel kostenlose Fahrkarten zur Verf\u00fcgung und Coca-Cola Freigetr\u00e4nke.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/der-kapitalistische-zauberlehrling-die-nazis-die-ich-rief\/\"><em>klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 5. September 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Simon Zamora Martin. AfD und Nazi-Hools verschmelzen in der fr\u00fcheren Karl-Marx-Stadt. Tausende stellen sich ihnen entgegen. 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