{"id":4020,"date":"2018-09-07T10:36:26","date_gmt":"2018-09-07T08:36:26","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4020"},"modified":"2018-09-07T13:54:01","modified_gmt":"2018-09-07T11:54:01","slug":"die-moerder-ag-der-grossen-westlichen-demokratien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4020","title":{"rendered":"Die M\u00f6rder-AG der\u00a0gro\u00dfen westlichen Demokratien"},"content":{"rendered":"<p><em>Christian Girschner.<\/em> <strong>Bei diesem Buch von Manlio Dinucci handelt es sich um eine Zusammenstellung von milit\u00e4rpolitischen Kolumnen, die er zwischen 1990 und 2015 verfasste.<!--more--> Einige der abgedruckten Beitr\u00e4ge hat der Verfasser mit anderen Autoren zusammengeschrieben. Die \u00fcberwiegende Mehrheit der Beitr\u00e4ge von Dinucci erschienen in der italienischen Zeitung \u201eII Manifesto\u201c unter der Rubrik \u201eDie Kunst des Krieges\u201c. Mit diesem Rubriknamen bezieht sich der Verfasser unmittelbar auf die klassische Milit\u00e4rtheorie von Sun Tzu. Deshalb ist auch in seinem gleichnamigen Buch jedem Kapitel ein passendes Zitat als Motto von Sun Tzu vorangestellt.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Manlio Dinucci: Die Kunst des Krieges. Jahrb\u00fccher der Strategie. USA\/NATO (1990-2015). 576 Seiten, 2017. Zambon Verlag<\/strong><\/p>\n<p>Im Mittelpunkt der zusammengestellten Analysen von Dinucci steht die Neuausrichtung der geopolitischen und milit\u00e4rischen Doktrin und Praxis der USA (und damit der von ihr beherrschten NATO) nach dem Zerfall und dem Verschwinden der Sowjetunion. Unter diesem Gesichtspunkt erkl\u00e4rt der Autor die zwischen 1990 und 2015 erfolgten Kriege und verdeckten Milit\u00e4roperationen (d. h. den Irakkrieg von 1991 und 2003, Jugoslawienkrieg 1999, Afghanistankrieg 2001, Libyenkrieg 2011 und den NATO-Putsch in der Ukraine von 2014). In einem Kapitel \u00fcber die verdeckten Kriege der USA\/NATO geht er au\u00dferdem auf den Syrienkrieg ein und erl\u00e4utert u.a. weitere Milit\u00e4roperationen in Afrika (Mali, S\u00fcdsudan, Nigeria). In den zahlreichen Beitr\u00e4gen \u00fcber den Nahen Osten geht der Verfasser auch immer wieder auf israelische Milit\u00e4reins\u00e4tze ein.<\/p>\n<p>Dinucci stellt in seinen Kolumnen keine allgemeine Theorie auf, sondern benennt verbl\u00fcffende Details, Zusammenh\u00e4nge und Hintergr\u00fcnde dieser Kriege, die nur wenigen bekannt sein d\u00fcrften. Zudem erl\u00e4utert er immer wieder, wie die USA und ihre Verb\u00fcndeten diese Kriege zum Testen von neuen Waffensystemen nutzten (amerikanische Fassbomben, &gt;G\u00e4nsebl\u00fcmchenschneider&lt; bzw. daisy cutter, Grafit-Bomben, Killerdrohnen mit ihren Waffensystemen usw.) und beschreibt diese in ihren furchtbaren Wirkungen, die in unseren Massenmedien nie genannt werden. Im Folgenden werde ich den informativen Gehalt der milit\u00e4rpolitischen Kolumnen von Dinucci an einigen Punkten veranschaulichen. Alex Zanotelli schreibt im Vorwort zu diesem Buch v\u00f6llig zurecht, dass er Dinucci \u201ezutiefst dankbar\u201c ist, \u201edass er f\u00fcr mich und viele andere in Italien drei\u00dfig Jahre lang eine unersch\u00f6pfliche Informationsquelle \u00fcber die Waffen und jeweiligen Kriege war\u201c. Hierzulande sollte man ebenfalls auf diese italienische Informationsquelle zur\u00fcckgreifen, um die geo- und milit\u00e4rpolitischen Hintergr\u00fcnde der vergangenen und noch kommenden USA\/NATO-Kriege besser zu verstehen.<\/p>\n<p><strong>1) Der erste Irakkrieg als Modell zuk\u00fcnftiger Kriege<\/strong><\/p>\n<p>Im Irakkrieg (1991), dem \u201eersten Krieg nach dem Kalten Krieg\u201c, wurden die neuen Grundprinzipien der Au\u00dfenpolitik der USA entworfen. Nach diesem Krieg gingen diese dann in die entscheidenden milit\u00e4r- und au\u00dfenpolitischen Leitlinien ein. Schlie\u00dflich war dieser Krieg gegen den Irak eine \u201eDemonstration der amerikanischen Milit\u00e4rmacht\u201c nach dem Sieg im Kalten Krieg (S. 64): Die Vereinigten Staaten sind nun die \u201ealleinige Supermacht\u201c. Letzteres demonstrierten die USA nicht nur durch die Stationierung von rund 1000 Nuklear-Sprengk\u00f6pfen auf dem irakischen Kriegsschauplatz (S. 67), sondern auch dadurch, wie Dinucci 1991 betonte, dass dieser Krieg als der zerst\u00f6rerischste in die Geschichte eingeht, \u201eder jemals in solch einer kurzen Zeit mit &gt;konventionellen&lt; Waffen ausgetragen worden ist\u201c (S. 21). Dazu geh\u00f6rt die durch freigegebene Unterlagen vom US-Milit\u00e4rgeheimdienstes DIA belegte Tatsache, dass die US-Luftwaffe und ihre Verb\u00fcndeten die irakischen Trinkwasseranlagen und Aufbereitungsanlagen gezielt und methodisch durch ihre Bombardierungen zerst\u00f6rten, um Infektionskrankheiten und Epidemien in der Bev\u00f6lkerung auszul\u00f6sen, \u201eum den Zusammenbruch des Iraks zu beschleunigen\u201c (S. 251 ff.). In einem l\u00e4ngeren Beitrag erl\u00e4utert der Verfasser deshalb nicht nur die Vorgeschichte des Irakkrieges, sondern auch, wie die USA diesen Krieg bewusst eingef\u00e4delt hatten, um ihren neuen Weltmachtstatus zelebrieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Irakkrieg wurde von den USA als \u201eModell f\u00fcr zuk\u00fcnftige Kriege\u201c nach dem Kalten Krieg angesehen. Die daraus hervorgegangene au\u00dfenpolitische Leitlinie der USA l\u00e4sst sich wie folgt zusammenfassen (S. 82-100): Die Vereinigten Staaten \u00fcben die globale Kontrolle \u00fcber die Welt nach dem Verschwinden der Sowjetunion aus. Diese unangefochtene Weltmachtposition soll erhalten werden. Daher wollen die USA mit politischen, \u00f6konomischen und milit\u00e4rischen Mitteln verhindern, dass andere Staaten zu regionalen oder sogar zu globalen Konkurrenten aufsteigen. Letzteres schlie\u00dft ein, dass die USA die \u00f6konomisch und strategisch wichtigen Regionen und Ressourcen wie Erd\u00f6l und Erdgas sowie die Transportwege\/-korridore f\u00fcr Rohstoffe, Energie und Waren auf der Welt kontrollieren. So k\u00f6nnen die USA jeden Staat von dem Zugang zu diesen Ressourcen und M\u00e4rkten abschneiden, der sich nicht ihrem Kommando unterordnen will, weil er eigene regionale oder globale Machtambitionen verfolgt. Die Durchsetzung dieses globalen Herrschaftsanspruchs der USA kann daher nicht auf den Einsatz von milit\u00e4rischer Gewalt verzichten. Dementsprechend hei\u00dft es im Pentagon-Dokument \u201eDefense Planning Guidance\u201c von 1992: \u201eUnser erstes Ziel ist es, das Erscheinen eines neuen Feindes zu verhindern, sei es auf dem Gebiet der Sowjetunion oder anderswo (&#8230;). Dieser Gedanke ist entscheidend f\u00fcr die neue regionale Verteidigungsstrategie, die fordert, dass wir jede Macht daran hindern, eine Region zu beherrschen, deren Ressourcen zur Entstehung einer globalen Macht ausreichen w\u00fcrden. Diese Regionen umfassen Westeuropa, Ostasien, Sowjetunion und S\u00fcdwest-Asien\u201c (S. 82 f.). Dieser Anspruch wird u.a. spezifiziert, wenn in aller Deutlichkeit ausgef\u00fchrt wird: \u201eUnser generelles Ziel im Nahen Osten und in S\u00fcdwest-Asien sind die externe Vormachtstellung in der Region und der amerikanische und westliche Zugang zum Erd\u00f6l dieser Region. (&#8230;) Wie die irakische Invasion in Kuwait gezeigt hat, bleibt es grunds\u00e4tzlich wichtig, zu verhindern, dass eine Hegemonialmacht oder eine Machtkoalition die Region beherrscht. Dies betrifft besonders die arabische Halbinsel\u201c (S. 88).<\/p>\n<p>Obendrein ging diese US-Leitlinie in die nach dem Kalten Krieg formulierte neue Strategie der NATO ein (S. 93 ff. u. S. 157). Denn die NATO-Staaten sollten nun auch dem US-Weltherrschaftsanspruch dienstbar zur Seite stehen, in dem sie jetzt Milit\u00e4roperationen au\u00dferhalb des NATO-Gebietes absolvieren, um den \u201c&gt;Erhalt des freien Welthandels&lt;\u201c und den Zugang \u201e&gt;zu strategischen Rohstoffen&lt;\u201c zu gew\u00e4hrleisten (S. 102). Die NATO-Mitglieder sollen also die unter amerikanischer F\u00fchrung stehende \u201eneue Weltordnung\u201c (Bush) milit\u00e4risch absichern helfen, wenn \u201ewestliche Interessen infrage gestellt werden\u201c (S. 105). In dem oben zitierten Pentagon-Dokument wird dar\u00fcber hinaus herausgestellt, dass die NATO \u201eals Kanal des amerikanischen Einflusses\u201c in Europa erhalten werden muss. Deshalb muss die \u201eSchaffung alleiniger europ\u00e4ischer Sicherheitsinstrumente\u201c verhindert werden, die die \u201eintegrierte Kommando-Struktur der Allianz\u201c, also die US-Kommandohoheit in der NATO, bedrohen w\u00fcrden (S. 85).<\/p>\n<p>Die neue Strategie der NATO nach dem Kalten Krieg f\u00fchrte einerseits dazu, dass diese u.a. in Afghanistan, Irak, Sudan, Somalia, Syrien, Libyen, am Horn von Afrika und im Indischen Ozean milit\u00e4risch aktiv wurde (S. 460). Andererseits ist die NATO-Organisation \u201egrenzenlos geworden\u201c (S. 518). Und zwar, um nur einige Beispiele zu nennen, durch die erfolgte \u201eNATO-Annexion aller L\u00e4nder des fr\u00fcheren Warschauer Paktes, plus zweier jugoslawischer und dreier Ex-UdSSR-Republiken\u201c sowie durch die faktische Einverleibung der Ukraine (S. 476 f.); durch die vertiefte Zusammenarbeit mit den Staaten aus &gt;Mittelasien&lt; (Georgien, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan); durch die Partnerschaft mit vier Golf-Monarchien (Bahrain, Vereinigte Arabische Emirate, Kuwait, Katar); durch die Milit\u00e4rkooperation mit Saudi Arabien und Israel. Hinzu kommen noch Abkommen mit Japan und Australien sowie die milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung der Afrikanischen Union. Inzwischen sollen auch mit lateinamerikanischen Staaten, wie zum Beispiel Kolumbien, Kontrakte geschlossen werden (S. 519, 312) <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>.<\/p>\n<p>Allerdings ist die Durchsetzung des amerikanischen Weltherrschaftsanspruchs nach dem Kalten Krieg f\u00fcr Dinucci vom langsamen \u00f6konomischen Abstieg der USA gepr\u00e4gt, der sich u.a. in einem wachsenden Handelsbilanzdefizit ausdr\u00fcckt (S. 231), welches nur durch den Zustrom ausl\u00e4ndischen Kapitals finanziert werden kann. Da dieser Abstieg offenbar nicht mehr allein mit wirtschaftlichen Ma\u00dfnahmen aufgehalten werden kann, wirft Washington umso st\u00e4rker \u201esein Schwert in die Waagschale\u201c (S. 513), um ausl\u00e4ndisches Kapital anzuziehen. Besonders institutionelle Anleger legen ihr Kapital nicht nur wegen des Profits in den USA an, sondern sie tun dies \u201eim Glauben an die USA als &gt;globale Macht&lt;, die ihre Interessen auch mit milit\u00e4rischer Gewalt durchsetzt\u201c (S. 231). Die amerikanische Supermacht braucht also den Krieg \u201enicht nur wegen der Zurechtst\u00fctzung aufstrebender Regionalm\u00e4chte und der Kontrolle strategischer Gebiete (&#8230;). Sie braucht den Krieg, weil sie durch den Wurf ihres Schwertes in die Waagschale ihr Supremat behauptet und daher ihre Zuverl\u00e4ssigkeit in den Augen der Gro\u00dfinvestoren, die durch das Anlegen ihres Kapitals in den USA das amerikanische Defizit finanzieren\u201c (231 f.).<\/p>\n<p>Die Verteidigung und Erhaltung der amerikanischen Weltmachtposition f\u00fchrte unter diesen Umst\u00e4nden zur neuen \u201eKampfansage an Russland\u201c sowie zur wachsenden Verlegung von US-Streitkr\u00e4ften in die Asien-Pazifik-Region gegen China. Damit wollen die USA gemeinsam mit den europ\u00e4ischen M\u00e4chten verhindern, dass eine \u201echinesische Milit\u00e4rmacht zusammen mit Russland die &gt;derzeitige Weltwirtschaftsordnung&lt; st\u00fcrzt\u201c (S. 513). Die USA\/NATO entfachen deshalb auch einen gegen China und Russland gerichteten \u201eR\u00fcstungswettlauf in den Atomkrieg\u201c (S. 485 &#8211; 569) und wollen mit &gt;Freihandelsabkommen&lt; die anti-russisch-chinesische Front weiter konsolidieren, die zugleich den Einfluss der USA in Europa und Asien weiter erh\u00f6hen (S. 477). Gleichzeitig ist die USA\/NATO unter dem Vorwand der Terrorismusbek\u00e4mpfung dabei, ein Milit\u00e4rnetz (St\u00fctzpunkte, Milit\u00e4rhilfen etc.) \u00fcber Afrika zu spannen, um die gegen\u00fcber China in vielen Regionen verlorene Kontrolle \u00fcber die afrikanischen Ressourcen f\u00fcr die eigenen Konzerne wieder herzustellen (S. 407 f., 413).<\/p>\n<p><strong>2) Neubeginn des Kalten Krieges: Jugoslawienkrieg und NATO-Osterweiterung<\/strong><\/p>\n<p>In seinen Beitr\u00e4gen \u00fcber den Krieg gegen Jugoslawien f\u00fchrt Dinucci aus, dass die Ursache dieses Krieges in einem alles dominierenden \u00f6konomischen und geopolitischen Interesse der USA lag: Die Vereinigten Staaten sahen nach dem Verschwinden der sozialistischen Staaten in einem geeinten Europa eine Gefahr f\u00fcr ihre Weltherrschaft. Deshalb legt es Washington \u201edarauf an\u201c, bemerkt Dinucci schon 1999, \u201edie nach dem Kalten Krieg entstandene Wirtschaftsachse zwischen West- und Osteuropa (einschlie\u00dflich Russland) zu schlagen, durch die Zerst\u00f6rung der Wirtschaft Serbiens (Knotenpunkt der Ost-West-Verbindung), durch die F\u00f6rderung des politischen Auseinanderfallens im Balkan, und indem es Europa\u00a0<strong>in einen neuen Kalten Krieg zwingt (wozu die NATO-Erweiterung in den Osten beitr\u00e4gt)<\/strong>. Diese erstarkende Achse k\u00f6nnte einen zusammengewachsenen Bereich schaffen, der sich durch deutliches \u00dcberfl\u00fcgeln von Nordamerika zum weltweiten Wirtschaftszentrum auswachsen k\u00f6nnte, bis zur Autonomie sogar auf milit\u00e4rischer Ebene\u201c (S. 144 f.; Herv. von C.G.).<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang wirft der Autor die Frage auf, warum die europ\u00e4ischen Regierungen, die sich am Krieg gegen Jugoslawien beteiligt hatten, diese \u00f6konomische Selbstsch\u00e4digung bzw. \u201eSelbstverst\u00fcmmelung\u201c (S. 176) mittragen: \u201eIst dieses Europa mit einer Einheitsw\u00e4hrung wirklich so kurzsichtig, dass es ihm nicht gelingt, zu erkennen, was ihm schadet? Oder haben die Regierungen, wie die britische, deutsche und franz\u00f6sische, der neuen NATO, deren Osterweiterung und dem Krieg gegen Jugoslawien erst zugestimmt, nachdem sie heimlich mit Washington eine Aufteilung Osteuropas und anderer Regionen in Einflussbereiche ausgehandelt hatten?\u201c (S. 145)<\/p>\n<p>Denn die \u00f6konomischen und \u00f6kologischen Sch\u00e4den des Krieges sind gewaltig: \u201eSystematisch zerst\u00f6rte das Bombardement die Strukturen und Infrastrukturen in Serbien und im Kosovo, mit Tausenden Opfern, die meisten Zivilisten. Unter anderem wurden 63 Br\u00fccken, 14 Kraftwerke, die Raffinerien in Pancevo und Novi Sad, die Automobilfabrik Zastava und weitere 40 Industriebetriebe, \u00fcber 100 Einkaufszentren, 13 Flugh\u00e4fen, 23 Bahnstationen und -linien, \u00fcber 300 Schulen mit gesch\u00e4tzten Kosten (nur f\u00fcr Serbien) von \u00fcber hundert Milliarden Dollar zerst\u00f6rt\u201c (S. 171). Hinzu kommen noch die kriegsbedingten Umweltsch\u00e4den (z. B. durch Hunderte Tonnen von freigesetzten hochgiftigen Chemikalien, die Sch\u00e4den durch abgereicherte Urangeschosse) sowie der wirtschaftliche Schaden f\u00fcr den gesamten Balkan, Mittelost-Europa und die Europ\u00e4ische Gemeinschaft (S. 174).<\/p>\n<p>Mit dem Jugoslawienkrieg wollten also die USA verhindern, \u201edass durch autonome Integration ein wirtschaftlicher Gegenpol zum nordamerikanischen entsteht\u201c. Allerdings zogen die europ\u00e4ischen Staaten aus dem Jugoslawienkrieg nicht die zu erwartende Lehre, dass man sich nun daf\u00fcr einsetzt, wie \u201eman weitere Kriege (&#8230;) durch Opposition gegen die Machtpolitik der Vereinigten Staaten\u201c verhindert, sondern, dass man vielmehr seine milit\u00e4rischen Kapazit\u00e4ten ausbauen muss, \u201eum weitere Kriege f\u00fchren und sich gegen\u00fcber dem amerikanischen Verb\u00fcndeten st\u00e4rker behaupten\u201c zu k\u00f6nnen (S. 176 f.).<\/p>\n<p>Und die von den USA vorangetriebene NATO-Osterweiterung benutzte diese nicht nur dazu, die Grundlage f\u00fcr einen neuen Kalten Krieg mit Russland zu legen, sondern auch um ihren Einfluss in den neuen NATO-Mitgliedern auszubauen und zu sichern. Denn die USA setzten durch, dass die osteurop\u00e4ischen L\u00e4nder amerikanische Waffensysteme als \u201eBedingung f\u00fcr die Aufnahme in die NATO\u201c anschaffen m\u00fcssen. Die USA stellten gro\u00dfz\u00fcgige Kredite f\u00fcr diese Waffenk\u00e4ufe und eine enge milit\u00e4rische Zusammenarbeit (Ausbildung, Beratung, Modernisierung etc.) zur Verf\u00fcgung: \u201eSo sichern sich die Vereinigten Staaten eine Reihe milit\u00e4rischer, wirtschaftlicher und daher auch politischer Werkzeuge, um diese L\u00e4nder innerhalb der NATO bei der Stange und in direkter Abh\u00e4ngigkeit von Washington zu halten\u201c (S. 164). Und Dinucci weist ferner darauf hin, dass die USA damit auch einen politischen Hebel installierten, um das &gt;alte Europa&lt; (Deutschland und Frankreich) \u00f6konomisch weiter zu schw\u00e4chen und notfalls \u201ezu isolieren, das eines Tages autonom werden k\u00f6nnte\u201c (S. 160 f.), um so den Aufstieg eines neuen und global agierenden Konkurrenten zu verhindern: \u201eWeil Polen, Tschechien und Ungarn \u00fcber kurz oder lang auch der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft beitreten werden (die anderen Ost-L\u00e4nder werden folgen), sichern sich die Vereinigten Staaten auch direkten Einfluss auf die EU und in der EU selbst. Andererseits gehen die wirtschaftlichen und sozialen Probleme jener L\u00e4nder zulasten der EU, mit deren zus\u00e4tzlicher Belastung durch die gestiegenen Milit\u00e4rausgaben\u201c (S. 164). Der Sinn und Zweck der NATO-Osterweiterung ist nur angemessen zu begreifen, wenn diese als ein Baustein in der US-Weltherrschaftssicherung nach dem Zerfall der Sowjetunion angesehen wird, d. h. die \u201eNeufestlegung der geopolitischen und geostrategischen Landkarte von ganz Europa unter Anlehnung seiner Ver\u00e4nderungsprozesse an den wirtschaftlichen, politischen und milit\u00e4rischen Interessen der USA\u201c (S. 164).<\/p>\n<p><strong>3) Der lang vorbereitete Krieg gegen Afghanistan<\/strong><\/p>\n<p>Hinsichtlich des dritten Krieges nach dem Kalten Krieg, dem Afghanistankrieg (2001), stellt Dinucci heraus, dass dieser Krieg nur ad\u00e4quat verstanden werden kann, wenn er als ein zentraler Baustein in der langfristigen Weltmachtstrategie der USA in Asien gesehen wird.<\/p>\n<p>Afghanistan ist von \u201eenormer strategischer Bedeutung\u201c sowohl f\u00fcr die Kontrolle der umliegenden Region (dem Kaspischen Meer mit seinen gro\u00dfen Erd\u00f6l- und Gasreserven; den ehemaligen Sowjetrepubliken; den \u00f6konomisch aufsteigenden Staaten China und Indien; Pakistan; Iran und der Nahe Osten mit dem gr\u00f6\u00dften Erd\u00f6lvorkommen der Welt; im S\u00fcden der strategisch wichtige Indische Ozean f\u00fcr jede Milit\u00e4raktion in Asien) als auch als Transportkorridor f\u00fcr Erd\u00f6l und Gas vom Kaspischen Meer zum Golf, der Russland und den Iran umgeht. Bereits 1994 erkl\u00e4rten die USA die Kaspische Region zum vorrangigen amerikanischen Interessenbereich (S. 219), um die Machtl\u00fccke zu f\u00fcllen, die der Untergang der Sowjetunion dort hinterlassen hatte (S. 210). In einer Chronologie \u00fcber die Entwicklung der afghanischen Pipelineprojekte f\u00fcr Erd\u00f6l und Gas zeigt Dinucci, dass den USA sp\u00e4testens 1999 die Kontrolle \u00fcber den afghanischen Transportkorridor entglitten war \u201eund damit die M\u00f6glichkeit der Kontrolle \u00fcber die Energieversorgung aus Asien mit dem Gas und Erd\u00f6l vom Kaspischen Meer\u201c (S. 223). Damit war die Situation eingetreten, die das Pentagon in seinen Strategiepapieren vorhergesehen hatte und die Antwort kann nur der \u201eEinsatz der &gt;bewaffneten Streitkr\u00e4fte\u201c sein, \u201ederen Ziel der Schutz und die F\u00f6rderung der nationalen Interessen der Vereinigten Staaten ist&lt;, um &gt;das Regime eines feindlichen Staates auszuwechseln oder ein fremdes Gebiet zu besetzen, bis die strategischen amerikanischen Ziele verwirklicht sind&lt;\u201c (S. 223).<\/p>\n<p>Deshalb waren die US-Planungen und Vorbereitungen f\u00fcr einen Krieg gegen Afghanistan schon vor den Anschl\u00e4gen in den Vereinigten Staaten vom 11.9.2001 abgeschlossen und lagen bereits zwei Tage vor den Anschl\u00e4gen auf dem Tisch des US-Pr\u00e4sidenten (S. 209) <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>. Au\u00dferdem h\u00e4tte ohne \u201evorherige Vorbereitung (&#8230;) die Operation &gt;dauerhafte Freiheit&lt; niemals so schnell und planvoll durchgezogen werden k\u00f6nnen\u201c (S. 199). Zu den langfristigen Kriegsvorbereitungen geh\u00f6rte beispielsweise die Ausbildung von Piloten f\u00fcr 50 Stunden-Fl\u00fcge des Tarnkappen-Bombers B2-Spirit, damit diese von den USA aus Afghanistan bombardieren konnten. Zudem bezieht sich Dinucci auch auf einen Bericht des US-Verteidigungsministeriums (Quadrenial Defense Review) vom 30.09.2001: \u201eDer Bericht zeigt ohne Umschweife auf, dass die Operation \u201edauerhafte Freiheit\u201c keine auf die Vernichtung der Bin Laden-Organisation beschr\u00e4nkte Milit\u00e4raktion ist, sondern den ersten Schritt einer langfristigen Strategie darstellt, mit der die USA ihre Rolle als \u201eglobale Macht\u201c aufzwingen und verhindern wollen, dass sich M\u00e4chte in &gt;entscheidenden Regionen entfalten&lt;, beginnend in Asien, welche die Vereinigten Staaten herausfordern k\u00f6nnten.\u201c (S. 213). Hierunter f\u00e4llt auch die von den USA als \u201eHerausforderung amerikanischer Interessen\u201c angesehene \u201eWiederann\u00e4herung\u201c zwischen China und Russland (S. 210), die 2001 gerade neue Wirtschafts- und Milit\u00e4rabkommen miteinander abgeschlossen hatten.<\/p>\n<p>Bei dieser ersten Kriegsoperation zur \u201eNeuordnung des asiatischen Raums\u201c hatten die USA bezeichnenderweise die NATO \u00fcbergangen. Deutschland und Frankreich entwickelten deshalb einen gro\u00dfen Eifer, sich an dem Krieg gegen Afghanistan ungefragt zu beteiligen, denn ihnen war klar, \u201edass am Ende eine Neuaufteilung der Einflussbereiche\u201c in Asien (vor allem im Bereich des erd\u00f6lreichen Kaspischen Meers) stehen w\u00fcrde, wie sie es \u201eschon auf dem Balkan erlebt\u201c hatten (S. 214).<\/p>\n<p>Afghanistan, so stellt Dinucci 2014 nochmals heraus, ist ein \u201eDrehkreuz zwischen Mittel- und S\u00fcd-, West- und Ostasien\u201c und wird \u201eheute immer wichtiger, wo die USA-\/NATO-Strategie auf eine neue Auseinandersetzung mit Russland und letztendlich mit China zusteuert\u201c (S. 435). Aus diesem Grund haben die USA\/NATO ein Abkommen mit Afghanistan \u00fcber ihre milit\u00e4rischen St\u00fctzpunkte geschlossen, welche eine \u201eLagerung der f\u00fcr einen gr\u00f6\u00dferen \u00f6rtlichen Krieg erforderlichen Waffen und Ausr\u00fcstung gestattet\u201c (S. 434).<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu vielen anderen Autoren, wie z. B. Noam Chomsky, die die offizielle Version der Anschl\u00e4ge vom 11.9.2001 in den USA unhinterfragt vertreten, bezweifelt Dinucci diese nicht nur, sondern legt sich angesichts der unz\u00e4hligen Ungereimtheiten und L\u00fccken, von denen er zahlreiche anf\u00fchrt, deutlich fest: \u201eDie offizielle Version f\u00e4llt jedoch zusammen wie die T\u00fcrme: wie ein Kartenhaus\u201c (S. 192).<\/p>\n<p>Treffend weist er darauf hin, dass diese Anschl\u00e4ge zur passenden politischen Vollmacht und ideologischen Legitimation f\u00fcr die US-Weltherrschaftssicherungspl\u00e4ne wurden, um nun \u00fcberall auf der Welt Kriege anzuzetteln und spezielle Milit\u00e4rkommandos einzusetzen: \u201eDieser &gt;Krieg neuer Art&lt;, in dem &gt;es keine klaren geografischen Grenzen gibt&lt;, wird nicht gegen einen pr\u00e4zisen Feind gef\u00fchrt, wie Bush definierte, sondern &gt;gegen einen Feind, der sich im Dunkeln versteckt&lt;. Als solcher kann von Fall zu Fall nicht nur ein Terrorist identifiziert werden, sondern jeder, der sich gegen die amerikanische Politik und Interessen stellt\u201c (S. 193). Man kann sich hierbei sicher sein, schreibt Dinucci, dass jede milit\u00e4rische Operation der USA nicht vorwiegend dazu gef\u00fchrt wird, um den Terrorismus zu bek\u00e4mpfen, sondern um \u201eihre Kontrolle \u00fcber bestimmte strategische Gebiete zu st\u00e4rken\u201c (S. 195). Allerdings kann auch Washington einer Sache nicht sicher sein: \u201eder Reaktionen auf solche Aktionen\u201c (ebd.).<\/p>\n<p><strong>4) Das Modell der M\u00f6rder-AG der gro\u00dfen westlichen Demokratien<\/strong><\/p>\n<p>Zu diesem \u201eKrieg neuer Art\u201c geh\u00f6rt nicht nur der massive Einsatz von Killer-Drohnen in Afghanistan, Pakistan, Irak, Jemen, Somalia und anderen Staaten, sondern auch von verdeckt agierenden Spezialeinheiten des Milit\u00e4rs. F\u00fcr diesen Zweck hatten die USA das Kommando f\u00fcr Sonderoperationen (USSOCOM) erschaffen, welches inzwischen (2014) in 78 Staaten mit rund 70.000 Kr\u00e4ften und Fachleuten im Einsatz ist, um (a) Feinde auszuschalten, (b) nicht konventionelle Kriege mit (von ihnen organisierten, ausgebildeten und bewaffneten) externen Kr\u00e4ften zu f\u00fchren, um (c) Gegenaufst\u00e4nde zur Unterdr\u00fcckung von Rebellionen zur Unterst\u00fctzung verb\u00fcndeter Staaten zu initiieren und (d) psychologische Operationen zur Beeinflussung der \u00f6ffentlichen Meinung zugunsten von US-Milit\u00e4raktionen und amerikanischen Interessen zu lancieren (S. 370, 375, 415 ff.).<\/p>\n<p>USSOCOM hat sich inzwischen das Ziel gesetzt, ein globales Netz f\u00fcr Sonderoperationen unter US-Befehl und unter Beteiligung der Verb\u00fcndeten bis 2020 einzurichten (S. 417). Die neue Art der Kriegsf\u00fchrung, die mit verdeckten Operationen einen Angriff vorbereiten und durchf\u00fchren, soll ein Land von innen untergraben (Modell Libyen) oder den inneren Zusammenbruch eines Landes herbeif\u00fchren (Modell Syrien) (S. 406 f.).<\/p>\n<p>Verdeckte Kriegsoperationen werden zunehmend von den USA bevorzugt, \u201eweil der offene Krieg die Karten der amerikanischen Strategie und die dahinter liegenden Interessen aufdeckt\u201c (S. 405). Aus diesem Grund wird \u201eder Krieg nicht mehr erkl\u00e4rt\u201c (S. 402), sondern verdeckt praktiziert.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem wurde eine Privatisierung des Krieges eingeleitet. Dies erfolgte durch den Einsatz einer von Unternehmen betriebenen Schattenarmee (\u201eKriegs-AG\u201c) an der Seite der offiziellen Armee, \u201edie wiederum zunehmend aus Sondereinheiten besteht, deren Operationen geheim sind. Die Privatisierungs-Strategie, die den Staat zugunsten der wirtschaftlichen und finanziellen Eliten demontiert, in deren H\u00e4nden die wirkliche Macht liegt, gilt also auch f\u00fcr den Krieg. Mit dem Vorteil, dass hier das Blut im Verborgenen flie\u00dft, was den Schein wahrt und die \u00f6ffentliche Meinung der &gt;gro\u00dfen westlichen Demokratien&lt; nicht beunruhigt. Nicht privatisiert werden dagegen die Kosten f\u00fcr den Krieg\u201c (S. 377).<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang verweist Dinucci u.a. auf das Handbuch der US-Armee \u00fcber den \u201e&gt;Stellvertreter-Krieg f\u00fcr das 21. Jahrhundert&lt;\u201c, wo ausgef\u00fchrt wird: Die traditionellen Streitkr\u00e4fte werden in diesem Krieg \u201edurch Spezialkr\u00e4fte und Geheimdienste ersetzt, die verdeckt arbeiten, mit Unterst\u00fctzung der Verb\u00fcndeten, die unter dem Kommando der USA handeln\u201c (S. 373). Es handelt sich hier um ein Modell einer \u201estaatlichen M\u00f6rder-AG\u201c: \u201eDie Kommandos f\u00fcr Sonderoperationen tragen allgemein keine Uniformen, sondern verkleiden sich orts\u00fcblich. Die von ihnen ver\u00fcbten Morde und Folterungen bleiben daher anonym. Und weil in der NATO die Vereinigten Staaten das Sagen haben, werden die Verb\u00fcndeten h\u00f6chstwahrscheinlich das gleiche Modell \u00fcbernehmen, das Modell der M\u00f6rder-AG der &gt;gro\u00dfen westlichen Demokratien&lt;\u201c (S. 376; vergl. Rose 2018; Scahill 2013).<\/p>\n<p>Sogar die New York Times berichtete 2015 \u00fcber eine \u201esupergeheime Einheit des US-Kommandos f\u00fcr Sondereinheiten\u201c mit dem Namen Team 6, \u201edie &gt;stille Morde&lt; \u00fcbernimmt. (&#8230;) Sie morden sogar mit &gt;primitiven Tomahawks&lt;, tummeln sich in &gt;Spionagestationen in der ganzen Welt&lt;, geben sich als &gt;zivile Firmenmitarbeiter oder als Botschaftsangeh\u00f6rige&lt; aus, verfolgen diejenigen, welche die &gt;Vereinigten Staaten t\u00f6ten oder gefangen nehmen wollen&lt;. Das &gt;Team 6&lt; ist zu einer &gt;globalen Menschenjagd-Maschine&lt; geworden\u201c (S. 456).<\/p>\n<p>Solche Kommandos f\u00fcr verdeckte Sonderoperationen wurden beispielsweise nach der Irakinvasion (2003) eingesetzt, um die Opposition gegen die amerikanische Besatzung zu vernichten: \u201eZu diesen Operationen z\u00e4hlen die Folterungen und Massenerschie\u00dfungen durch Todesschwadronen. Letztere setzen sich aus Angeh\u00f6rigen der amerikanischen und irakischen Geheimdienste und gewiss auch aus qualifizierten Fremdfirmenmitarbeitern (contractors) zusammen, direkt oder indirekt vom Pentagon angeheuert\u201c (S. 278).<\/p>\n<p>Die verdeckt gehaltenen Kriegsoperationen f\u00fchren dazu, dass diese aus dem Blickfeld der \u00d6ffentlichkeit verschwinden, \u201edie weitgehend nur noch das glaubt, was sie sehen kann, besser gesagt, was die gro\u00dfen Medien ihr nach Verdrehungen und Verf\u00e4lschungen wissen lassen wollen\u201c (S. 417).<\/p>\n<p>Sowieso ist es nach Dinucci ein \u201eTalent der Kriegskunst im 21. Jahrhundert (&#8230;), den Krieg, nachdem er gef\u00fchrt wurde, durch die Verschleierung seiner Folgen aus dem Ged\u00e4chtnis verschwinden zu lassen. Die Urheber von Aggressionen, Invasionen und Massent\u00f6tungen k\u00f6nnen sich das Gewand der guten Samariter \u00fcberziehen, die eine barmherzige Hand ausstrecken, besonders gegen\u00fcber Kindern und Jugendlichen, den ersten Opfern des Krieges\u201c (S. 389).<\/p>\n<p><strong>5) Neuaufteilung Afrikas: Krieg gegen Libyen<\/strong><\/p>\n<p>Die verdeckte Kriegsf\u00fchrung &#8211; mit Sonderkommandos und dem Einsatz ausgebildeter externer Kr\u00e4fte &#8211; ist nicht nur kennzeichnend f\u00fcr den bis heute andauernden NATO-Krieg gegen Syrien, sondern auch f\u00fcr den Krieg gegen Libyen (2011), dem f\u00fcnften Krieg nach dem Kalten Krieg, den Dinucci als wichtigen Baustein zur Neuaufteilung Afrikas ansieht.<\/p>\n<p>Auch in diesem Krieg wurden neue Waffensysteme und der Einsatz von Killerdrohnen getestet, die Dinucci beschreibt. Schlie\u00dflich wurde dieser NATO-Krieg durch den Abwurf von 40. bis 50.000 Bomben \u00fcber Libyen in \u00fcber 10.000 Luftangriffen und durch das Einschleusen sowohl von amerikanischen, britischen, franz\u00f6sischen, katarischen, italienischen Geheimdienstagenten und Spezialkr\u00e4ften, die den Krieg vor Ort organisierten und koordinierten, als auch durch bewaffnete und vom Pentagon ausgebildete katarische Einsatzkr\u00e4fte, die als libysche Rebellen getarnt wurden, gewonnen.<\/p>\n<p>Nebenbei haben amerikanische und europ\u00e4ische F\u00fchrungskreise libysche Staatsgelder geraubt. Vor dem Krieg hatte vermutlich Goldmann Sachs fast 1,3 Milliarden Dollar veruntreut, die Libyen dort investiert hatte. Neben Goldmann Sachs hatten weitere internationale und europ\u00e4ische Banken und Finanzunternehmen f\u00fcr einen unerkl\u00e4rlichen Schwund libyscher Investitionen gesorgt: Libyen drohte \u201eallen mit internationalen Klagen, was dem Ruf dieser &gt;angesehenen&lt; Finanzverwalter geschadet h\u00e4tte. Alles l\u00f6ste sich in Wohlgefallen auf, als USA und EU die libyschen Staatsgelder im Februar einfroren. Deren &gt;treuh\u00e4nderische Verwahrung&lt; obliegt genau denjenigen Banken und Finanzfirmen, welche diese so gut verwaltet hatten. Aus dem Diebstahl wurde mit dem Beginn des Krieges im M\u00e4rz bewaffneter Raub. (&#8230;)\u201c (S. 353).<\/p>\n<p>Katar investierte in diesen \u201eBeutezug\u201c gegen Libyen rund 2 Milliarden Dollar. Es schleuste 5.000 Mann Spezialkr\u00e4fte als \u201eRebellen\u201c in Libyen ein, um die St\u00e4mme aufzumischen, und lieferte Waffen und Ger\u00e4te, um sich anschlie\u00dfend &gt;eingefrorene&lt; Anteile des libyschen Staatsschatzes einzuverleiben (S. 366 f., 401).<\/p>\n<p>Mit diesem Krieg sollte auch eine Neuaufteilung \u00fcber das libysche Erd\u00f6l und Gas hergestellt werden, von dem US-Konzerne weitgehend ausgeschlossen waren. Aber den entscheidenden Antrieb f\u00fcr diesen USA\/NATO-Krieg sieht Dinucci darin, dass Libyen den afrikanischen Kontinent aus dem W\u00fcrgegriff des Westens l\u00f6sen wollte, indem es nicht nur massiv in afrikanische Infrastruktur- und Wirtschaftsprojekte, wie z. B. den Bau und Einsatz eines ersten Telekommunikations-Satelliten f\u00fcr Afrika, sondern auch in drei Finanzorganisationen der Afrikanischen Union (W\u00e4hrungsfonds, Zentralbank, Investitionsbank) investierte: \u201eMit diesen drei Institutionen h\u00e4tten sich die afrikanischen L\u00e4nder der Kontrolle der Weltbank und des Internationalen W\u00e4hrungs-Fonds entziehen k\u00f6nnen, den Werkzeugen der neokolonialen Vorherrschaft. Sie h\u00e4tten auch den CFA-Franc abgeschafft, die W\u00e4hrung, die 14 L\u00e4nder zu nutzen gezwungen sind, die ehemaligen franz\u00f6sischen Kolonien\u201c (S. 343).<\/p>\n<p>Dieser Krieg wurde in der Machtkuppel entschieden, so res\u00fcmiert Dinucci, \u201edem h\u00f6chsten F\u00fchrungsgremium in geheimer Zusammensetzung, dem Mitglieder der gr\u00f6\u00dften multinationalen und Finanz-Konzerne sowie der Milit\u00e4rindustrie angeh\u00f6ren, unter meisterlicher Leitung des internationalen Sekretariats, welche die internen Dissidenten angestachelt und bewaffnet hatte (durch eingeschleuste Geheimdienstler und Kommandos), um das Ganze wie eine Revolution aussehen zu lassen\u201c (S. 364 f.).<\/p>\n<p>Au\u00dferdem weist Dinucci darauf hin, dass die Balkanisierung Libyens von Washington geplant wurde, \u201efalls es nicht gelingt, den Einheitsstaat zu beherrschen\u201c (S. 401).<\/p>\n<p>Neben den vielen vom Autor angef\u00fchrten Details \u00fcber diesen NATO-Raub- und Vernichtungskrieg geht er auch auf die Ermordung von Gaddafi durch die NATO ein. Er zeigt, dass die offizielle Medienversion der NATO eine L\u00fcge ist, die die T\u00f6tung als eine grausame, aber unvermeidliche Begleiterscheinung eines Volksaufstandes verkaufte: Agenten von CIA und MI6, amerikanische und britische Spezialkr\u00e4fte konzentrierten sich auf die Jagd nach Gaddafi. Als sie seinen Aufenthaltsort festgestellt hatten, wurde dieser von britischen, franz\u00f6sischen und amerikanischen Kampffliegern und Drohnen unter Feuer genommen: \u201eDieser Angriff trug entscheidend zum Ergreifen Gaddafis bei. All dies beweist, dass tats\u00e4chlich die NATO Gaddafi gefangen genommen und ihn an die islamischen Milizen von Misrata ausgeliefert hat, die ihn besonders stark hassten. (&#8230;) Der in Washington, London und Paris ausgeheckte Plan sah die Ausschaltung Gaddafis vor, der in einem \u00f6ffentlichen Prozess unbequeme Wahrheiten \u00fcber die westlichen Regierungen h\u00e4tte aussagen k\u00f6nnen\u201c (S. 364) <a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>.<\/p>\n<p><strong>6) Die Strategie des verdeckten Krieges: Syrien<\/strong><\/p>\n<p>\u201eIm &gt;verdeckten Krieg&lt; in Syrien\u201c, schreibt Dinucci im M\u00e4rz 2013, \u201eliegen allm\u00e4hlich die Karten offen\u201c (408). Er meint damit u.a. folgende Aspekte:<\/p>\n<p>Ziel des Krieges gegen Syrien ist die Verhinderung einer Gasleitung, die Syrien, Iran und Irak im Juli 2011 vertraglich beschlossen hatten. Diese Gasleitung sollte das iranische Gasfeld South Pars mit \u201eSyrien verbinden und zum Mittelmeer gehen (&#8230;). Syrien, wo in Homs ein gro\u00dfes Gasfeld gefunden wurde, k\u00f6nnte zum Drehkreuz f\u00fcr Energie-Korridore werden, alternativ zur T\u00fcrkei und zu anderen Gasleitungen, die von amerikanischen und europ\u00e4ischen Firmen kontrolliert werden\u201c (403).<\/p>\n<p>Die USA\/NATO gingen in Syrien wie in Libyen vor: Man finanzierte und bildete 2011 erste milit\u00e4rische Gruppen unter dem Namen \u201efreie Armee\u201c in der T\u00fcrkei, Jordanien und an anderen Orten aus und schleuste sie zusammen mit milit\u00e4rischen Spezialkommandos und Geheimdienstmitarbeitern dann nach Syrien ein (S. 371, 403, 443 f.), die dort dann einen &gt;B\u00fcrgerkrieg&lt; entfesselten. Schon 2011 enth\u00fcllte die \u00e4gyptische Zeitung al-Arabi, dass der US-General Charles Cleveland in der T\u00fcrkei die Kommandos der &gt;freien syrischen Armee&lt; ausbildete und diese in Syrien befehligte (S. 374).<\/p>\n<p>2012 fasst Dinucci seinen Erkenntnisstand \u00fcber den Stand des verdeckten Krieges wie folgt zusammen: \u201eAusbildung und Bewaffnung der &gt;Freien Syrischen Armee&lt; und anderer Gruppen (etwa hundert), aus verschiedenen L\u00e4ndern angeheuert, von Saudi Arabien bezahlt; eingesetzt werden auch Milizen und komplette bewaffnete islamische Gruppen, die vorher als gef\u00e4hrliche Terroristen gebrandmarkt worden waren; Einschleusung nach Syrien von Sonderkr\u00e4ften, wie die katarischen Sondereinheiten voriges Jahr in Libyen, die sich als einheimische Oppositionsgruppen ausgaben\u201c (S. 393). Die islamischen K\u00e4mpfer aus Afghanistan, Bosnien, Tschetschenien, Libyen und anderen L\u00e4ndern, \u201edie mit falschen P\u00e4ssen ausgestattet sind (CIA-Spezialit\u00e4t), reisen in die t\u00fcrkischen Provinzen Adan und Hatay ein, an der Grenze zu Syrien, wo die CIA milit\u00e4rische Ausbildungszentren eingerichtet hat\u201c (402 f.).<\/p>\n<p>Begleitet wird dieser verdeckte Krieg durch eine weltweite Medienkampagne mit manipulierten Bildern, die \u201eunabl\u00e4ssig versuchen, der syrischen Regierung die Schuld an allen Massenmorden zuzuschieben\u201c (S. 393). Daf\u00fcr richtete das US-Au\u00dfenministerium in Istanbul ein Propagandab\u00fcro ein (S. 403). W\u00e4hrenddessen schuf die CIA ein internationales Netzwerk zur Bewaffnung der \u201eRebellen\u201c (S. 409). Die von der CIA organisierten Waffenk\u00e4ufe werden haupts\u00e4chlich von Saudi Arabien, Katar und anderen Golfmonarchien finanziert. Dazu richtete die CIA 2012 Luftbr\u00fccken f\u00fcr den Transport der Waffen in die T\u00fcrkei und Jordanien ein. Und die USA stellten f\u00fcr die Waffentransporte Katar die \u201eriesigen Cargoflugzeuge C-17\u201c zur Verf\u00fcgung. \u201eGleichzeitig pendelten jordanische Frachtflieger nach Zagreb f\u00fcr den Transport der kroatischen Waffenbest\u00e4nde, die mit saudischem Geld gekauft worden waren. F\u00fcr die Bef\u00f6rderung wurden riesige Iljuschin-Flugzeuge der Jordanien International Air Cargo eingesetzt. Seit Februar dieses Jahres fliegen au\u00dfer den jordanischen und katarischen Frachtfliegern auch saudische C-130, die im t\u00fcrkischen St\u00fctzpunkt Esenboga landen\u201c (S. 409 f.).<\/p>\n<p>Das \u201eOperations-Kommando\u201c f\u00fcr diesen verdeckten Krieg befindet sich \u201ean Bord von NATO-Schiffen im Hafen von Iskenderun.\u201c Ferner errichtete die NATO, f\u00fchrt Dinucci im Oktober 2012 weiter aus, \u201eauf dem Cassius-Berg gleich an der Grenze zu Syrien einen neuen elektronischen Spionage-St\u00fctzpunkt, zus\u00e4tzlich zur Radarstation in Kisecik und zur Luft\u00fcberwachung in Incirlik\u201c (S. 403).<\/p>\n<p>Der sogenannte Islamische Staat (IS) entsteht 2013 in Syrien und leitete zuerst eine Offensive im Irak ein, der sich Peking und Moskau angen\u00e4hrt hatte (S. 427), um anschlie\u00dfend auch Syrien anzugreifen.<\/p>\n<p>Die ersten IS-Gruppen bildeten sich im verdeckten NATO-Krieg gegen Libyen. Die IS-K\u00e4mpfer werden nach dem Sturz von Gaddafi nach Syrien transferiert (S. 418, 424 f.). Der IS wird \u201efinanziert, bewaffnet und gef\u00fchrt von den engsten Verb\u00fcndeten der Vereinigten Staaten: Saudi Arabien, Katar, Kuwait, T\u00fcrkei, Jordanien\u201c (ebd.), die dem IS zudem \u201eTransitrouten\u201c bereitstellen (S. 440). Unbestritten ist es, f\u00fchrt Dinucci aus, dass etliche IS-K\u00e4mpfer \u201ewestliche und arabische Geheimdienstler sind, die eigens f\u00fcr solche Operationen ausgebildet wurden\u201c (S. 440).<\/p>\n<p>2014 fasst Dinucci die strategische Rolle des IS zusammen, wenn er ausf\u00fchrt: \u201eUnwiderlegbare Fakten beweisen, dass der IS eine Schachbrettfigur im gro\u00dfen neuen imperialen Spiel im Nahen Osten darstellt. Im Mai 2013, einen Monat nach der IS-Gr\u00fcndung, trifft Ibrahim al-Badri &#8211; der &gt;Kalif&lt;, heute bekannt unter dem Kampfnamen Abu Bakr al-Bagdadi (der den IS leitet; C.G.) &#8211; in Syrien den amerikanischen Senator John McCain, vom Demokraten Obama beauftragter Republikaner f\u00fcr verdeckte Operationen der Regierung. Von dem Treffen gibt es Fotos. Sehr verd\u00e4chtig ist auch der unbeschr\u00e4nkte Zugang des IS zu den weltweiten Mediennetzen, die von den amerikanischen und europ\u00e4ischen gro\u00dfen Medien beherrscht werden (&#8230;)\u201c (S. 425). Das mit dem IS anvisierte strategische Ziel der USA\/NATO in diesem verdeckten Krieg \u201eist die Wiederbesetzung des Iraks und die Zerst\u00f6rung Syriens\u201c (S. 425). Die IS-Offensive im Irak diente von Anfang an dem strategischen Ziel der USA, die verlorene Kontrolle \u00fcber den irakischen Staat wieder zur\u00fcckzugewinnen, in dem man scheinbar uneigenn\u00fctzige milit\u00e4rische Hilfe zur Bek\u00e4mpfung des IS leistet, um, so spekuliert Dinucci, vielleicht doch noch den Joe Biden-Plan aus dem Jahr 2007 umsetzen zu k\u00f6nnen: \u201e&gt;Die Dezentralisierung des Iraks in drei halbautonome Gebiete, kurdisch, sunnitisch und schiitisch&lt;, mit einer &gt;eingeschr\u00e4nkten Zentralregierung in Bagdad&lt;. Mit anderen Worten, die Zersplitterung des Landes\u201c (S. 419).<\/p>\n<p>Es zeigt sich, dass erd\u00f6lreiche und geostrategisch wichtige Staaten, die \u201eganz oder teilweise der Kontrolle durch den Westen entzogen\u201c sind, regelm\u00e4\u00dfig \u201edurch Krieg vernichtet\u201c werden. Westliche Regierungen legitimieren dieses Vorgehen gerne damit, dass es sich bei diesen L\u00e4ndern um gescheiterte Staaten gehandelt habe. F\u00fcr Dinucci sind vielmehr die gro\u00dfen westlichen Staaten als Demokratien gescheitert, weil sie \u201eihre eigenen Verfassungen verraten und zum Imperialismus der vergangenen Jahrhunderte\u201c zur\u00fcckgekehrt sind (S 423).<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Ahmed, Nafeez M. 2003: Geheimsache 09\/11; M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Baraki, Matin 2004: Kampffeld Naher Osten und Mittler Osten; Heilbronn<\/p>\n<p>Dinucci, Manlio 2018: Ausbauf\u00e4hig und immer noch teurer, die NATO breitet sich \u00fcber ganz Europa aus; in:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.voltairenet.org\/article202025.html\">www.voltairenet.org\/article202025.html<\/a><\/p>\n<p>Igel, Regine 2006: Terrorjahre. Die dunkle Seite der CIA in Italien; M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Pilger, John 2004: Verdeckte Ziele; Frankfurt\/M.<\/p>\n<p>Roberts, Paul Craig 2013: Amerikas Kriege(r); Innsbruck<\/p>\n<p>Rose, J\u00fcrgen 2018: Der M\u00f6rder-Staat. In seinen Kriegen setzt der Westen auf staatsterroristische Mordoperationen; in:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.rubikon.news\/artikel\/der-morder-staat\">www.rubikon.news\/artikel\/der-morder-staat<\/a><\/p>\n<p>Scahill, Jeremy 2013: Schmutzige Kriege. Amerikas geheime Kommandoaktionen; M\u00fcnchen<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.trend.infopartisan.net\/trd0918\/t040918.html\">trend&#8230;<\/a> vom 7. September 2018<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> \u201eDie Reichweite der NATO reicht inzwischen weit \u00fcber Europa hinaus, das \u00fcber eine Reihe von Partnern verf\u00fcgt, die durch verschiedene Programme der milit\u00e4rischen Zusammenarbeit mit dem B\u00fcndnis verbunden sind. Zu den zwanzig L\u00e4ndern, die der euro-atlantischen Partnerschaft beitreten, geh\u00f6ren \u00d6sterreich, Finnland und Schweden. Die Mittelmeerpartnerschaft umfasst Israel und Jordanien, die offiziell st\u00e4ndige Vertretungen im NATO-Hauptquartier in Br\u00fcssel haben, sowie \u00c4gypten, Tunesien, Algerien, Marokko und Mauretanien. Die Partnerschaft der Golfstaaten umfasst Kuwait, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate, die st\u00e4ndige Vertretungen in Br\u00fcssel haben, sowie Bahrein. Die NATO hat auch neun &#8222;Weltpartner&#8220; in Asien, Ozeanien und Lateinamerika &#8211; Irak, Afghanistan, Pakistan, Mongolei, S\u00fcdkorea, Japan, Australien, Neuseeland und Kolumbien &#8211; von denen einige &#8222;aktiv zu den milit\u00e4rischen Operationen der NATO beitragen&#8220;.\u201c(Dinucci 2018).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Zur Untermauerung dieser These von Dinucci kann auch noch darauf verwiesen werden, dass der fr\u00fchere pakistanische Au\u00dfenminister Niaz Naik gegen\u00fcber der BBC ausplauderte, dass die amerikanische Regierung Pakistan schon im Juli 2001 mitteilte, dass man f\u00fcr Mitte Oktober einen Krieg gegen Afghanistan plane (Ahmed 2003, S. 63 f.; Pilger 2004, S. 28 f.) \u201eDie Anschl\u00e4ge des 11. Septembers\u201c, so kommentierte M. Baraki diese Enth\u00fcllung, \u201edienten zur Rechtfertigung eines bereits beschlossenen Krieges. H\u00e4tte es den 11. September nicht gegeben, man h\u00e4tte ihn erfinden m\u00fcssen. Der Krieg gegen Afghanistan war ein milit\u00e4rischer und politischer Testfall f\u00fcr weitere Eroberungsfeldz\u00fcge von USA und NATO in der ganzen Region\u201c ( Baraki 2004, S. 47). Passend dazu enth\u00fcllte sp\u00e4ter der damalige britische Botschafter Craig Murray in Usbekistan, dass er in seiner Funktion Schriftst\u00fccke sah, \u201edie beweisen, dass der Grund f\u00fcr die milit\u00e4rische Aggression der Vereinigten Staaten von Amerika und des Vereinigten K\u00f6nigreichs gegen Afghanistan mit den Erdgasvorkommen in Usbekistan und Turkmenistan zu tun hatte. Die Amerikaner wollten eine Pipeline, die an Russland und Iran vorbeif\u00fchrte und durch Afghanistan ging. Um das sicherzustellen, war eine Invasion erforderlich. Der dummen amerikanischen \u00d6ffentlichkeit konnte man auf die Nase binden, dass die Invasion wegen 9\/11 und um den Schutz vor &gt;Terrorismus&lt; willens notwendig war\u201c (Roberts 2013, S. 39 f.).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> In diesem Zusammenhang sei darauf verwiesen, dass die NATO schon im Juni 1980 Gaddafi durch den Abschuss seines Regierungsflugzeuges \u00fcber Usticia in Italien ermorden wollte. Statt die Regierungsmaschine von Gaddafi abzuschie\u00dfen, wurde ein Passagierflugzeug mit 81 Personen vom Himmel geholt, welches anschlie\u00dfend nicht im Meer versank, weshalb Froschm\u00e4nner eines britischen U-Bootes am n\u00e4chsten Tag den Flugzeugrumpf in drei Teile sprengten. Verletzte und \u00dcberlebende sollten nicht geborgen werden, sondern sie wurden als unliebsame Zeugen umgebracht, um den Tathergang zu verschleiern. Erst nach dieser vollbrachten Tat wurde ein nutzlos gewordener Bergungseinsatz eingeleitet. Bis 1996 wurden vermutlich mehr als 13 Angeh\u00f6rige der italienischen Luftwaffe mit \u201eT\u00e4terwissen\u201c umgebracht, weil wohl bef\u00fcrchtet wurde, sie k\u00f6nnten ihr Wissen \u00fcber den irrt\u00fcmlichen Abschuss der Passagiermaschine durch die USA\/NATO der \u00d6ffentlichkeit preisgeben (Igel 2006, S. 323-349).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christian Girschner. 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