{"id":4030,"date":"2018-09-21T12:04:42","date_gmt":"2018-09-21T10:04:42","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4030"},"modified":"2018-09-21T12:04:42","modified_gmt":"2018-09-21T10:04:42","slug":"starker-anstieg-rechtsextremer-uebergriffe-ein-hauch-von-33","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4030","title":{"rendered":"Starker Anstieg rechtsextremer \u00dcbergriffe. \u201eEin Hauch von `33\u201c"},"content":{"rendered":"<p><em>Marianne Arens und Ulrich Rippert.\u00a0<\/em>Nur wenige Wochen sind vergangen seit rechtsextreme Schl\u00e4ger und Neofaschisten am 26. und 27. August in Chemnitz eine Hetzjagd auf Ausl\u00e4nder<!--more--> organisierten. Seitdem haben f\u00fchrende Politiker, allen voran Innenminister Horst Seehofer (CSU) und Ex-Verfassungsschutzpr\u00e4sident Hans-Georg Maa\u00dfen die Ereignisse verharmlost.<\/p>\n<p>Maa\u00dfen leugnete, dass es \u00fcberhaupt eine rassistische Hetzjagd gegeben habe. Der Innenminister erkl\u00e4rte, die Migration sei die \u201eMutter aller Probleme\u201c und f\u00fcgte sp\u00e4ter hinzu, er w\u00e4re als B\u00fcrger in Chemnitz auch auf die Stra\u00dfe gegangen. Als Seehofer das sagte, war bereits bekannt, dass ein Dutzend Neonazis das j\u00fcdische Restaurant \u201eSchalom\u201c in Chemnitz mit Steinen, Flaschen und Stahlrohren angegriffen und den Inhaber \u00fcbel antisemitisch beschimpft hatten.<\/p>\n<p>Maa\u00dfen wurde nicht gema\u00dfregelt und zur Rechenschaft gezogen, sondern in Absprache mit allen Regierungsparteien bef\u00f6rdert. Er vertritt seine rechte AfD-Politik nun als Staatssekret\u00e4r im Innenministerium, verantwortlich f\u00fcr zentrale Bereiche der inneren Sicherheit.<\/p>\n<p>Diese Entwicklung hat die AfD und rechtsradikale Schl\u00e4gerbanden \u2013 die eine kleine verhasste Minderheit in der Bev\u00f6lkerung darstellen \u2013 gest\u00e4rkt und ermutigt. Die Nazi-Schl\u00e4ger f\u00fchlen sich vor Strafverfolgung sicher und treten immer hemmungsloser und aggressiver auf.<\/p>\n<p>Opferberatungsstellen berichten, dass sich rassistische, antisemitische und rechtsextreme \u00dcbergriffe in erschreckendem Ma\u00dfe ausgeweitet haben. Es komme praktisch t\u00e4glich zu neonazistischen Angriffen und Gewalthandlungen.<\/p>\n<p>Gestern ver\u00f6ffentlichte die\u00a0<em>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/em>\u00a0auszugsweise eine Chronologie und schrieb, die rechte rassistische Gewalt entwickle sich \u201ewie eine Welle\u201c.<\/p>\n<p>Unter anderem f\u00fchrt die Zeitung folgende F\u00e4lle auf:<\/p>\n<ul>\n<li>August, Wismar (Mecklenburg-Vorpommern): In einem Park brechen drei Angreifer einem 20-j\u00e4hrigen Gefl\u00fcchteten das Nasenbein und schlagen mit einer Eisenkette auf seinen Oberk\u00f6rper ein.<\/li>\n<li>August, Sondershausen (Th\u00fcringen): Vier M\u00e4nner, die laut Polizei der rechten Szene angeh\u00f6ren, verletzen einen 33-j\u00e4hrigen Eritreer schwer.<\/li>\n<li>September, Essen (Nordrhein-Westfalen): Zwei M\u00e4nner verpr\u00fcgeln ein Mitglied des Integrationsrates und seinen Begleiter, einen Gefl\u00fcchteten aus Afghanistan, und beleidigen sie rassistisch.<\/li>\n<li>September, Rostock (Mecklenburg-Vorpommern): Ein Mann greift drei Studierende aus Aserbaidschan mit einem Kn\u00fcppel an einer S-Bahnstation an.<\/li>\n<li>September, Chemnitz (Sachsen): Mehrere M\u00e4nner verpr\u00fcgeln einen 41-j\u00e4hrigen Tunesier.<\/li>\n<li>September, M\u00fcnchen (Bayern): &#8222;Ich bringe alle Ausl\u00e4nder um&#8220;, ruft ein 54-J\u00e4hriger in M\u00fcnchen und spr\u00fcht einem Nigerianer Pfefferspray ins Gesicht.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ein besonders krasses Beispiel sind die antisemitischen Morddrohungen gegen den Berliner Blogger Schlecky Silberstein und seine Mitarbeiter. Das Satire-Team wird auf rechtsradikalen Internetsites mit dem Tod bedroht, nachdem sie im Auftrag des SWR eine Parodie \u00fcber die rechtsextremen Ausschreitungen in Chemnitz gedreht haben.<\/p>\n<p>Schlecky Silberstein, alias Christian M. Brandes, war erst Werbetexter und arbeitet heute als Autor, Moderator, Schauspieler und Blogger. Den\u00a0<a href=\"http:\/\/www.schleckysilberstein.com\/\"><strong>satirischen Clip<\/strong><\/a>\u00a0hatte seine Produktionsfirma am 7. September in Berlin-Lichtenberg f\u00fcr die Online-Comedyshow \u201eBohemian Browser Ballett\u201c erstellt; Auftraggeber ist der \u00f6ffentlich-rechtliche S\u00fcdwestrundfunk (SWR).<\/p>\n<p>Das Satire-Video \u201eVolksfest in Sachsen\u201c bringt in zugespitzter Form einige Merkmale der rechtsextremen\u00a0<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2018\/08\/31\/chem-a31.html\"><strong>Chemnitzer Ausschreitungen<\/strong><\/a>\u00a0vom 27. August auf den Punkt. Darin sind folgende Szenen zu sehen: Nazistische Dumpfbacken greifen die Nachricht vom gewaltsamen Tod eines Deutschen als Gelegenheit f\u00fcr rechte Randale auf (\u201eEs geht wieder los!\u201c). Ein \u201eWir-sind-das-Volk\u201c-Schreier mit schwarz-rot-goldener M\u00fctze entpuppt sich als Polizist im Dienst \u2013 eine offensichtliche Parodie auf den bekannt gewordenen, inzwischen entlassenen LKA-Mann in Sachsen. Die Teilnehmer eines angeblichen Trauermarsches greifen Journalisten und Schwarze brutal an. Ein Neonazi verkauft seine Hitlergr\u00fc\u00dfe f\u00fcr 10 Euro an Pressefotografen. Nicht zuletzt gibt es Seitenhiebe auf verlogene\u00a0<em>BILD<\/em>-Schlagzeilen, Pseudo-Demokraten und \u201eWir sind mehr\u201c-Events, die sich von Coca Cola und Flixbus sponsern lassen.<\/p>\n<p>In dem Clip kommt auch ein Infostand einer Partei vor, die der AfD zum Verwechseln \u00e4hnlich sieht. Mit der Aufforderung, \u201eJeder kann hier Mitglied werden!\u201c, spricht dort ein Parteifunktion\u00e4r einen stiernackigen Skinhead in Camouflage-Hose an. Der AfD-Funktion\u00e4r tr\u00e4gt unverkennbar die wei\u00dfe Rose im Knopfloch, wie die Parteif\u00fchrer von AfD und Pegida bei ihrem so genannten Schweigemarsch in Chemnitz.<\/p>\n<p>Die Crew um Silberstein\/Brandes versuchte mit ihrem Video die braune Gefahr ins Blickfeld zu r\u00fccken und geriet damit sofort selbst ins Fadenkreuz der rechten Szene.<\/p>\n<p>Die AfD Berlin-Lichtenberg reagierte prompt und machte einen eigenen Film. Darin versuchte sie, die Parodie als bewusste F\u00e4lschung hinzustellen, ohne darauf einzugehen, dass es sich ganz offensichtlich um Satire handelte. Als habe es Nazi-Aufm\u00e4rsche, Hetzjagden auf Schwarze und das Zeigen des Hitlergru\u00dfes in ihrem Umfeld nie gegeben, stellte die AfD dies alles als Erfindung b\u00f6swilliger linker Journalisten dar, um sie als \u201eFake News\u201c der AfD in die Schuhe zu schieben.<\/p>\n<p>Der AfD-Clip mit der \u00dcberschrift \u201eNeues Fake-Video aufgedeckt\u201c zeigt Aufnahmen des Silberstein-Filmsets, worauf der AfD-Funktion\u00e4r Karsten Woldeit (Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus) erkl\u00e4rt, es sei \u201eunfassbar, zu welchen Mitteln gegriffen wird, um die AfD zu diskreditieren\u201c. Das Video endet mit Woldeits Aufforderung, jetzt gehe es darum, \u201efestzustellen: Wer ist der Urheber dieses Videos?\u201c<\/p>\n<p>Ein Facebook-Kommentar darunter lautet: \u201eDie Typen m\u00fcssen doch zu identifizieren sein, sind doch auf dem Video deutlich zu erkennen\u2026\u201c<\/p>\n<p>Kurz nachdem die AfD dieses Video gepostet hatte, standen der AfD-Abgeordnete Frank-Christian Hansel und ein Kameramann vor der Haust\u00fcr von Silbersteins Partner und filmten dessen Klingelschild. Als niemand aufmachte, drohte Hansel: \u201eWir kommen wieder.\u201c Dieser Clip, in dem Name, Stra\u00dfe und Hausnummer gut zu erkennen sind, verbreitete die AfD-Berlin dann \u00fcber ihren Facebook- und YouTube-Kanal.<\/p>\n<p>Wenige Stunden sp\u00e4ter ging die Morddrohung gegen Silbersteins Partner ein. Darin hei\u00dft es: \u201eUnd es sind wieder Juden wie ihr, die so Hetze betreiben [sic]\u2026 Ihr Juden seid ein Geschw\u00fcr. Euch muss man ermorden!!\u2026 Wir ermorden euch eines Tages.\u201c Auf dem Videokanal der AfD rief eine Person offen zum Sturm auf die Privatr\u00e4ume der Filmemacher auf.<\/p>\n<p>\u201eEin Hauch von `33\u201c, kommentierte Brandes dies in seinem j\u00fcngsten Blog. \u201eWenn Politiker bei K\u00fcnstlern auftauchen, um ihnen zu zeigen \u201aWir wissen, wo Du wohnst\u2018, dann sind wir wieder soweit, liebe Freunde.\u201c<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2018\/09\/21\/silbe-s21.html\">wsws.org&#8230;<\/a> vom 21. September 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marianne Arens und Ulrich Rippert.\u00a0Nur wenige Wochen sind vergangen seit rechtsextreme Schl\u00e4ger und Neofaschisten am 26. und 27. 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