{"id":4032,"date":"2018-09-21T15:28:39","date_gmt":"2018-09-21T13:28:39","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4032"},"modified":"2018-09-21T15:28:39","modified_gmt":"2018-09-21T13:28:39","slug":"argentiniens-kaempfende-werftarbeiter-innen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4032","title":{"rendered":"Argentiniens k\u00e4mpfende Werftarbeiter\/innen"},"content":{"rendered":"<p><em>Hovhannes Gevorkian. <\/em><strong>Argentinien: Inmitten neoliberaler Angriffe auf die Arbeiter*innenklasse zeigt sich auch, dass der gut organisierte Widerstand siegreich sein kann.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Die Rio Santiago Werft nahe der Hauptstadt Buenos Aires besitzt eine lange Kampftradition. In den 1990er-Jahren, als viele Betriebe unter dem neoliberalen Pr\u00e4sidenten Carlos Menem privatisiert wurden, hielt diese Werft stand und ist bis heute ein staatlicher Betrieb. Die zutiefst arbeiter*innenfeindliche Politik von Menem entlud sich Anfang der 2000er Jahre. Das wirtschaftliche Desaster f\u00fchrte im Dezember 2001 zu einem landesweiten Aufstand mit 28 Toten, der Zusammenbruch des Staates nahe war.<\/p>\n<p>Die Probleme von damals sind dabei charakteristisch f\u00fcr halbkoloniale kapitalistische L\u00e4nder: Abwertung der eigenen W\u00e4hrung, hohe Auslandsverschuldung, Kapitalflucht etc. Es sind allerdings auch die Probleme von heute. Die Inflation liegt bei 42 Prozent und die neoliberale Regierung um Pr\u00e4sident Mauricio Macri bittet erneut den Internationalen W\u00e4hrungsfonds (IWF) um\u00a0\u201eHilfe\u201d, d.h. um einen Kredit im Umfang von 50 Milliarden US-Dollar. Damit einher geht die Annahme des ber\u00fchmten\u00a0\u201eStrukturanpassungsprogramms\u201d\u00a0des IWF: Deregulierung der Finanzm\u00e4rkte sowie die Privatisierungsvorhaben sind die Grundlagen dieser Programme, die in Wahrheit nichts weiter als Angriffe auf die Lohnabh\u00e4ngigen darstellen.<\/p>\n<p><strong>Ein zur\u00fcckgeschlagener Angriff<\/strong><\/p>\n<p>Die geplante Privatisierung der Werft in Rio Santiago, in der\u00a0\u00fcber 3300 Arbeiter*innen t\u00e4tig sind, reiht sich dabei ein in eine Kette von Angriffen auf die gesamte lohnabh\u00e4ngige Bev\u00f6lkerung: In etlichen Betrieben sollen Stellen gestrichen und die L\u00f6hne gesenkt werden (der Reallohn sinkt sowieso infolge der galoppierenden Inflation). Die Lohnabh\u00e4ngigen in Argentinien, welche die \u201erevolution\u00e4ren Tage\u201d\u00a0vom Dezember 2001 noch gut in Erinnerung haben, sind gleichwohl in der Lage, sich gegen diese Politik des Sozialabbaus zu wehren. Bereits am 26. Juni fand ein eint\u00e4giger Generalstreik statt, der das Land paralysierte. Er blieb aber beschr\u00e4nkt, weil er keinen strategischen Kampfplan seitens der Gewerkschaften gegen die Macri-Regierung enthielt.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund entlud sich der Zorn der Arbeiter*innen der Werft am 21. August in k\u00e4mpferischen Demonstrationen und Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Werft ist dabei auch das einzige\u00a0\u00f6ffentliche Unternehmen, welches die Menem-Regierung in den 90er-Jahren\u00a0<em>nicht<\/em>\u00a0privatisieren konnte; sie stellt gewisserma\u00dfen eine Bastion der Werft-Arbeiter*innen und aller Lohnabh\u00e4ngigen in Argentinien dar.<\/p>\n<p>Die Regierung um Macri schien gewillt bis zum\u00a0\u00c4u\u00dfersten zu gehen, sodass die Polizei mit enormer H\u00e4rte agierte. Ein Mensch wurde dabei sogar mit einem Polizeiwagen umgefahren. \u201eDie Repression war schrecklich\u201c, so der Werft-Arbeiter Juan Constrisciani. \u201eSie griffen uns mit Tr\u00e4nengas und Gummigeschossen an und ein Polizeiauto\u00a0\u00fcberfuhr einen Kollegen schleuderte ihn buchst\u00e4blich in die Luft. [\u2026] Diese Situation ist das Ergebnis der Provokation seitens der Regierung, die unser Werk leert, unsere Arbeitspl\u00e4tze gef\u00e4hrdet und zudem unsere Geh\u00e4lter angreift. [\u2026] Wir sind mobilisiert und werden es auch bleiben, weil unsere Forderungen bestehen bleiben. Wir lehnen es ab, dass sie unsere Arbeitspl\u00e4tze zerst\u00f6ren und wir werden keines unserer Rechte abgeben.\u201c<\/p>\n<p>Die entscheidende Wende und damit auch der Sieg der Werft-Arbeiter*innen kam am 13. September, als die Werft-Arbeiter*innen nach einer Vollversammlung eine Kundgebung vor der Unternehmensleitung abhielten, die ganze acht Stunden anhielt. Die Arbeiter*innen zwangen die Unternehmensleitung, ein Protokoll zu unterzeichnen, welches die geplante Privatisierung stoppt. Die Regierung garantiert darin auch die weiterf\u00fchrende Produktion im Werk, sodass die Arbeitspl\u00e4tze gesichert sind.<\/p>\n<p>In einer Atmosph\u00e4re des Klassenkampfes, wo nicht nur die Werft-Arbeiter*innen k\u00e4mpfen, sondern auch die Angestellten im Bildungssektor, die Besch\u00e4ftigten im Krankenhaus Posadas, Studierende und Frauen, welche erst k\u00fcrzlich, zusammen mit M\u00e4nnern, zu Hunderttausenden f\u00fcr das Abtreibungsrecht auf die Stra\u00dfen gingen, bedeutet dies einen Triumph f\u00fcr die Arbeiter*innenklasse.\u00a0\u201eDie historische Kampftradition und die Kampfbereitschaft der Werft sind der Spiegel, in dem sich die Arbeiter*innen des ganzen Landes erblicken\u201d, so Jose\u00a0\u201eEl Negro\u201d\u00a0Montes, eine bedeutende Figur des Kampfes aus den 90er-Jahren gegen die Privatisierung.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/lowerclassmag.com\/2018\/09\/argentiniens-kaempfende-werftarbeiterinnen\/\">lowerclassmag.com&#8230;<\/a> vom 21. September 2018<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hovhannes Gevorkian. 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