{"id":4041,"date":"2018-09-23T11:01:02","date_gmt":"2018-09-23T09:01:02","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4041"},"modified":"2018-09-23T11:01:02","modified_gmt":"2018-09-23T09:01:02","slug":"den-gemeinsamen-widerstand-organisieren-fuer-die-einheitsfront","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4041","title":{"rendered":"Den gemeinsamen Widerstand organisieren \u2013 f\u00fcr die Einheitsfront!"},"content":{"rendered":"<p><em>Georg T. <\/em>Die Demonstration gegen das Treffen der EU-Finanzminister am Samstag, 8. September, in Wien kann nur als Zeichen der Schw\u00e4che der \u00f6sterreichischen Arbeiter_innenbewegung<!--more--> gewertet werden. Angek\u00fcndigt als \u201eAuftakt\u201c zu einem \u201ehei\u00dfen Herbst\u201c waren die knapp 130 Teilnehmer_innen ausgesprochen entt\u00e4uschend.<\/p>\n<p>Unsere Kritik wendet sich nat\u00fcrlich nicht gegen jene, die sich tats\u00e4chlich um 12.00 Uhr beim Donauzentrum in Kagran eingefunden haben (das hat auch Axel Magnus von der \u201ePlattform Gewerkschafterinnen gegen Rassismus und Sozialabbau\u201c bei seiner Ansprache ganz richtig hervorgehoben) und sie ist auch kein Angriff auf diejenigen, die nicht da waren. Sie richtet sich gegen die politisch Verantwortlichen f\u00fcr diese Krise.<\/p>\n<p>Auffallend war die Abwesenheit der Parteien und Organisationen, die von ihrer Geschichte her aus der Arbeiterbewegung entstanden sind und sich immer noch (mehr oder weniger) auf sie berufen oder sich an die Lohnabh\u00e4ngigen wenden: Die SP\u00d6 und die Gewerkschaften. Was erkl\u00e4rt diesen Abstentionismus? Die Angst, mit \u201eLinksxtremen\u201c gemeinsam zu demonstrieren und daf\u00fcr vom Boulevard gepr\u00fcgelt zu werden? Die Sorge ist unberechtigt, denn die Dichand- und Fellnermedien haben sich ohnehin schon mit Sack und Pack dem neuen reaktion\u00e4ren Zeitgeist angebiedert und \u00fcberbieten sich mit Angriffen auf alles, was sie f\u00fcr \u201esozialistisch\u201c halten.<\/p>\n<p>Ist es der Irrglaube, durch ein im Rahmen der parlamentarischen Demokratie, wie sie die 2. Republik lange Jahre erlebt hat, \u201evern\u00fcnftiges\u201c und \u201ekonstruktives\u201c Auftreten das Kapital davon zu \u00fcberzeugen, dass die reformistischen B\u00fcrokrat_innen die besseren (weil besser erzogenen) Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des b\u00fcrgerlichen Staates w\u00e4ren? Das verkennt die Realit\u00e4t, dass die jahrzehntelange Unterordnung der sozialdemokratischen B\u00fcrokrat_innen unter die Interessen der herrschenden Klasse die Lohnabh\u00e4ngigen politisch entwaffnet, buchst\u00e4blich\u00a0<em>bewusstlos<\/em>\u00a0gemacht hat. Die historisch die heimische Arbeiter_innenklasse in ihrer Mehrheit vertretende Partei hat ihre Basis vom Kampf entw\u00f6hnt, das Bewusstsein \u00fcber ihre eigene Klassenlage versch\u00fcttet (gibt es doch in einer \u201eSozialpartnerschaft\u201c keine Klassengegens\u00e4tze mehr) und damit ihre eigene Basis so ausgeh\u00f6hlt, dass sie heute staunend und verst\u00e4ndnislos erlebt, wie der einst hochgelobte \u201eSozialpartner\u201c jetzt mit ihr umspringt.<\/p>\n<p>Wenn wir die j\u00fcngsten Proteste gegen die t\u00fcrkis-blaue Kapitalistenregierung Revue passieren lassen, k\u00f6nnen wir feststellen: Nach wie vor gibt es in und um die Sozialdemokratie (wobei wir hier nicht zwischen Partei und Gewerkschaftsfraktion unterscheiden) Kr\u00e4fte, die bereit sind, den Protest auf die Stra\u00dfe zu tragen, die instinktiv nach proletarischen Antworten auf die Angriffe des Kapitals suchen. Wenn wir den Vergleich zur Bewegung gegen schwarz-blau 2000 ziehen, m\u00fcssen wir aber konstatieren, dass dieses Potenzial (immerhin sind 17 demoralisierende Jahre vergangen!) merklich geschrumpft ist. Ebenfalls sp\u00fcrbar: Die gesunkene Militanz der Jugend, die sich zur Jahrtausendwende noch in ziemlich breiten Streikbewegungen an den Schulen ausgedr\u00fcckt hat.<\/p>\n<p>Wenn heute bei Kundgebungen und Demonstrationen Fahnen und Transparente von Organisationen, die \u201elinks\u201c von der SP\u00d6 stehen, st\u00e4rker auffallen als fr\u00fcher, ist das kein Beweis f\u00fcr eine Verlagerung des Schwerpunkts der Bewegung nach links, geschweige denn ein Wachstum dieser Kr\u00e4fte \u2013 es ist ein Ausdruck davon, dass straffer organisierte und politisch geschultere Gruppen schlicht und einfach dem Druck der Reaktion und der gesamten b\u00fcrgerlichen Gesellschaft besser standhalten und ihre kleinen Kaderkerne besser zusammenhalten k\u00f6nnen (was keine wie immer geartete programmatische Bewertung dieser Organisationen sein soll!).<\/p>\n<p>Ebenfalls k\u00f6nnen wir feststellen: die \u201eVirtualisierung\u201c von Protesten hat sich totgelaufen. Mobilisierungen \u00fcber Facebook, WhatsApp-Gruppen oder Twitter scheinen (unter nicht-vorrevolution\u00e4ren Bedingungen) an ihre Grenzen gesto\u00dfen zu sein. Ja, viele \u201eliken\u201c eine Demo, ein paar Hundert dr\u00fccken den \u201eich nehme teil\u201c-Button \u2013 und bleiben dann weg. Der Mausklick wird schon zum Aktivismus. Ist das \u00fcbertrieben, negativ, defaitistisch? Wir haben rund um die Proteste der Lehrer_innen gegen den \u201eDeutschklassen\u201c-Erlass, die Proteste gegen die Angriffe auf die AUVA, die Demonstrationen w\u00e4hrend der diversen EU-Ministertreffen in Wien mit politisierten Menschen gesprochen, die zornig sind \u00fcber die Politik dieser Regierung, die ihre und die Zukunft ihrer Kinder gef\u00e4hrdet sehen, die bereit sind, die demokratischen Errungenschaften der Klassenk\u00e4mpfe der Vergangenheit zu verteidigen \u2013 und die oft genug von den geplanten Aktionen nichts wussten, weil sie entweder nicht besonders intensiv im Internet unterwegs sind oder \u201enicht die richtigen Gruppen\u201c abonniert haben. Die Mobilisierung \u00fcber Plakate, Flyer und pers\u00f6nliche Gespr\u00e4che ist in den letzten Jahren deutlich zugunsten der Propaganda in den \u201esozialen Medien\u201c zur\u00fcckgegangen \u2013 im \u00f6ffentlichen Raum hat damit ebenfalls eine \u201eEntpolitisierung\u201c stattgefunden, die sich nicht zwangsl\u00e4ufig in Desinteresse, aber daf\u00fcr im Nicht-Wissen-um-den-Protest ausdr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Angesichts der massiven Angriffe auf soziale (Arbeitszeit; Arbeitslosengeld; Mindestsicherung; Senkung der Leistungen im Gesundheitswesen durch \u201eOptimierungen\u201c, u.s.w.) und politische (Demonstrationsrecht; Aufr\u00fcstung der Polizei und des Bundesheers; Ausbau staatlicher \u00dcberwachung; Ausgangssperren f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge;\u2026) Errungenschaften gewinnt die Notwendigkeit einer\u00a0<strong>Klasseneinheitsfront<\/strong>\u00a0gegen die Bourgeoisie rasant an Bedeutung. Das bedeutet: Ohne bestehende Differenzen zwischen den Parteien und Gruppen, die sich auf die Arbeiter_innenklasse berufen, zu verschleiern, m\u00fcssen diese Organisationen gemeinsam und koordiniert den Widerstand gegen die oben skizzierten Attacken organisieren. Das bedeutet nicht (nur), dass sich die F\u00fchrungen zum gemeinsamen Kampf verpflichten, das bedeutet vor allem, dass an der \u201eBasis\u201c \u2013 in den Betrieben, Schulen, Universit\u00e4ten, Stadtteilen, D\u00f6rfern \u2026 \u2013 breite Einheitsfrontkomitees gebildet werden m\u00fcssen, an denen Arbeiterinnen und Arbeiter, Jugendliche, Arbeitslose unabh\u00e4ngig von ihrer Parteizugeh\u00f6rigkeit, Ethnie, Religion\u2026 den Widerstand organisieren und politisch weniger bewusste Kolleg_innen in die proletarischen Reihen hinein- und von den reaktion\u00e4ren Parteien wegziehen.<\/p>\n<p>Die Gruppe KLASSENKAMPF ist bereit, jede derartige ernstgemeinte Initiative zu unterst\u00fctzen. Im Kampf gegen den Faschismus ist das starke deutsche Proletariat 1933 den Nazis unterlegen, weil die gro\u00dfen Arbeiterparteien KPD und SPD die Einheitsfront verweigert haben. Zwei Jahre nach der Niederlage in Deutschland fand im franz\u00f6sischen Stra\u00dfburg eine \u201eInternationale Arbeitermusikolympiade\u201c statt, an der sich Arbeiterch\u00f6re unterschiedlicher politischer Herkunft beteiligten. Bert Brecht und Hans Eissler schrieben und komponierten f\u00fcr dieses Treffen das Lied von der Einheitsfront. Ihr Aufruf kann uns noch heute eine Richtschnur sein.<\/p>\n<p><em>Und weil der Prolet ein Prolet ist,<\/em><\/p>\n<p><em>drum wird ihn kein anderer befrein.<\/em><\/p>\n<p><em>Es kann die Befreiung der Arbeiter<\/em><\/p>\n<p><em>nur das Werk der Arbeiter sein.<\/em><\/p>\n<p><em>Drum links, zwei, drei! Drum links, zwei, drei!<\/em><\/p>\n<p><em>Wo dein Platz, Genosse ist!<\/em><\/p>\n<p><em>Reih dich ein, in die Arbeitereinheitsfront,<\/em><\/p>\n<p><em>weil du auch ein Arbeiter bist.<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/klassenkampf.net\/den-gemeinsamen-widerstand-organisieren-fuer-die-einheitsfront\/\"><em>klassenkampf.net&#8230;<\/em><\/a><em> vom 23. September 2018 <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Georg T. Die Demonstration gegen das Treffen der EU-Finanzminister am Samstag, 8. 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