{"id":4083,"date":"2018-10-01T15:28:39","date_gmt":"2018-10-01T13:28:39","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4083"},"modified":"2018-10-01T15:36:58","modified_gmt":"2018-10-01T13:36:58","slug":"brasilianerinnen-jetzt-schlaegt-unsere-stunde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4083","title":{"rendered":"Brasilianerinnen: \u00bbJetzt schl\u00e4gt unsere Stunde\u00ab"},"content":{"rendered":"<p><em>Anna Schlidt. <\/em>Amanda zieht an ihrer Zigarette und schaut vor sich ins Get\u00fcmmel. Dort ist alles lila. Ihre Freunde pinseln sich die letzten Buchstaben der Kampagne \u00bbEle N\u00e3o!\u00ab (Nicht er!) auf den K\u00f6rper und begeben sich in die tobende Menge.<!--more--> \u00bbJetzt schl\u00e4gt unsere Stunde\u00ab, sagt die 26-j\u00e4hrige Aktivistin der Gruppe frente feminista (feministische Front). \u00bbDer Feminismus k\u00e4mpft letztendlich f\u00fcr die Gleichheit aller und deshalb werden wir siegen.\u00ab In der brasilianischen Metropole S\u00e3o Paulo demonstrierten am Samstag 150 000 Menschen. Ihre gemeinsame Botschaft, knapp eine Woche vor dem ersten Wahlgang der Pr\u00e4sidentschaftswahlen lautet: Nein zum Faschismus und nein zu Jair Bolsonaro, Kandidat der extremen Rechten.<\/p>\n<p>Vor noch einem Monat h\u00e4tte niemand geglaubt, dass eine Social-Media-Gruppe zu Massenprotest f\u00fchren w\u00fcrde. Aber der rechtsextreme Pr\u00e4sidentschaftskandidat Bolsonaro bringt immer mehr Brasilianerinnen gegen sich auf. Laut W\u00e4hlerstudie lehnen ihn 54 Prozent der Frauen strikt ab. Sie k\u00f6nnten die Wahlergebnisse damit entscheidend beeinflussen. Verwunderlich sind diese Statistiken nicht, denn Bolsonaro vertritt \u00f6ffentlich menschenverachtende Positionen. Als langj\u00e4hriger Parlamentsabgeordneter ist er bereits mehrfach mit sexistischen, homophoben oder gewaltverherrlichenden \u00c4u\u00dferungen aufgefallen. Einer Abgeordneten teilte er mit, dass sie zu h\u00e4sslich sei, um vergewaltigt zu werden: haarstr\u00e4ubende Aussagen eines m\u00f6glichen Pr\u00e4sidenten.<\/p>\n<p>Trotzdem f\u00fchrt Bolsonaro laut W\u00e4hlerstudie mit 28 Prozent der Stimmen und k\u00f6nnte den ersten Wahlgang am 7. Oktober f\u00fcr sich entscheiden. Seine Popularit\u00e4t ist gestiegen, nachdem er Anfang September bei einer Wahlkampfveranstaltung niedergestochen wurde.<\/p>\n<p>Die Facebook-Gruppe \u00bbMulheres unidas contra Bolsonaro\u00ab (Frauen vereint gegen Bolsonaro) hatte bereits f\u00fcnf Tage nach der Gr\u00fcndung mehr als zwei Millionen Mitglieder. \u00dcber die Social-Media-Plattform hat sich der \u00fcberwiegend weibliche Protest auch \u00fcber die brasilianischen Grenzen hinaus mobilisiert: In New York, Berlin oder Paris solidarisierten sich Menschen mit den Brasilianer*innen und setzten so ein gemeinsames Zeichen gegen den globalen Rechtsruck. \u00bbBolsonaros Sieg zu verhindern, l\u00f6st das Problem nicht. Er ist nur eine weitere Figur des Gesamtsystems, das den Rechtsextremismus auf internationaler Ebene wachsen l\u00e4sst\u00ab, sagt Diana Assun\u00e7\u00e3o, Gr\u00fcnderin der antikapitalistischen Frauenorganisation P\u00e3o e Rosas (Brot und Rosen). \u00bbDeshalb darf der weibliche Widerstand nicht mit den Wahlen enden, sondern muss fortgef\u00fchrt werden, bis die Rechte aller dauerhaft garantiert sind.\u00ab<\/p>\n<p>Seit der Amtsenthebung von Brasiliens Ex-Pr\u00e4sidentin Dilma Rousseff im Jahr 2016 hat sich das politische Klima im Land zugespitzt. Die provisorische Regierung unter Michael Temer besetzte die Minister\u00e4mter fast ausschlie\u00dflich mit alten wei\u00dfen und reichen M\u00e4nnern, deren neoliberale Reformen die Schw\u00e4chsten der Gesellschaft am h\u00e4rtesten treffen. Afrobrasilianerinnen beispielsweise sind am h\u00e4ufigsten in prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnissen besch\u00e4ftigt und werden damit vom Recht auf Bildung und Gesundheit ausgeschlossen.<\/p>\n<p>Gerade unter ihnen ist wiederum die Ablehnung des frauenfeindlichen und rassistischen Kandidaten Bolsonaro am gr\u00f6\u00dften. Dieser hat wohl kaum bedacht, dass seine Hass sch\u00fcrenden Tiraden nicht unkommentiert an der Bev\u00f6lkerung vorbeiziehen. Eine Woche vor den Wahlen stellt sich die Situation nun so dar, dass Bolsonaro zwar auf gute Umfragewerte blicken kann, aber gleichzeitig Hunderttausende gegen ihn auf die Stra\u00dfe gehen &#8211; mit dem Ziel, einen Pr\u00e4sidenten Bolsonaro zu verhindern. \u00bbDie Frauen haben diese Bewegung initiiert und k\u00f6nnten mit ihren Stimmen den Antritt eines Pr\u00e4sidenten verhindern, der f\u00fcr alle alles andere als Fortschritt bedeutet. In diesem historischen Moment m\u00f6chte auch ich die Frauenbewegungen unterst\u00fctzen\u00ab, sagt ein Demonstrant am Samstag in S\u00e3o Paulo und klebt sich einen Aufkleber auf die Brust mit der Aufschrift: Ele N\u00e3o &#8211; Nicht er.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1102017.frauenprotest-in-brasilien-jetzt-schlaegt-unsere-stunde.html\"><em>neues-deutschland.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 1. Oktober 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anna Schlidt. Amanda zieht an ihrer Zigarette und schaut vor sich ins Get\u00fcmmel. Dort ist alles lila. 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