{"id":4119,"date":"2018-10-08T17:10:46","date_gmt":"2018-10-08T15:10:46","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4119"},"modified":"2018-10-08T17:10:46","modified_gmt":"2018-10-08T15:10:46","slug":"bolsonazi-60-millionen-stimmen-fuer-den-faschismus-in-brasilien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4119","title":{"rendered":"Bolsonazi: 60 Millionen Stimmen f\u00fcr den Faschismus in Brasilien?"},"content":{"rendered":"<p>Ihn als Rechtspopulisten zu bezeichnen, oder als Trump Brasiliens: Zum mindesten grenzt das an Besch\u00f6nigung. Jair Bolsonaro hat es mehr mit Appell zu Mord und Totschlag: Zu wenig davon sei etwa Pinochets Fehler in Chile<!--more--> gewesen, verbreitete er schon vor Jahren \u00fcber alle brasilianischen Sender. Zu wenige Ermordete auch beim gr\u00f6\u00dften brasilianischen Gef\u00e4ngnis-Massaker von Carandiru und \u2013 solche T\u00f6ne gibt es ja auch in der BRD \u2013 Menschenrechte seien ohnehin ein Schutzschild f\u00fcr Kriminelle. So gewinnt er beim ersten Wahlgang \u00fcber 60 Millionen Stimmen, \u00fcber 45% \u2013 und nur deshalb muss er in den zweiten Wahlgang, weil er in den \u00e4rmeren Bundesstaaten des brasilianischen Nordostens verloren hat. Zwei Entwicklungen waren in den letzten Wochen vor der brasilianischen Pr\u00e4sidentschaftswahl \u2013 nachdem der in allen Umfragen f\u00fchrende Expr\u00e4sident Lula von der Wahl ausgeschlossen worden war \u2013 zu verzeichnen: Zum einen wurden die Meldungen \u00fcber Angriffe auf Aktivisten der Linken, der Gewerkschaften und sozialer Bewegungen t\u00e4glich h\u00e4ufiger. Offensichtlich f\u00fchlten sich die Pr\u00fcgelbanden im Geleitzug Bolsonaros von der reaktion\u00e4ren Justiz und den medialen Dreckschleudern befeuert, diese Wahl mit Gewalt f\u00fcr sich zu entscheiden. Zum Zweiten: Nach den Milit\u00e4rs haben auch bekannte neoliberale Politiker verschiedener Parteien und die Unternehmerverb\u00e4nde (nicht nur des Agrarkapitalismus) sich zunehmend in die \u201eBolsonaro-Woge\u201c eingereiht \u2013 was sich auch daran zeigt, dass der eher \u201etraditionelle\u201c neoliberale Kandidat der PSDB, der EX-Paulistaner Gouverneur Alckmin gerade noch 4% der Stimmen bekam. Daf\u00fcr d\u00fcrfen sich, im Falle eines Wahlsiegs der Rechten, alle (nicht wirklich) bewaffnen, um f\u00fcr ihre Sicherheit zu sorgen. Was steht auf dem Spiel \u2013 und wie ist es dazu gekommen -, ist die leitende Fragestellung unserer aktuellen\u00a0<strong>Materialsammlung zur Pr\u00e4sidentschaftswahl in Brasilien nach dem ersten Wahlgang<\/strong>:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/brasilien-jair-bolsonaro-liegt-laut-hochrechnungen-vor-fernando-haddad-a-1232033.html\">\u201ePr\u00e4sidentschaftswahl in Brasilien Rechtspopulist Bolsonaro\u00a0gewinnt erste Runde deutlich\u201c am 08. Oktober 2018 bei Spiegel Online<\/a>\u00a0informiert trotz fragw\u00fcrdiger \u00dcberschrift zum Wahlergebnis: \u201e<em>In Brasilien ziehen der Rechtspopulist Jair Bolsonaro und sein linker Kontrahent Fernando Haddad in die Stichwahl um das Pr\u00e4sidentenamt. Auf Bolsonaro entfielen im ersten Wahlgang 46,7 Prozent, wie die Wahlkommission nach Ausz\u00e4hlung von fast allen Stimmzetteln mitteilte. Haddad von der linken Arbeiterpartei PT kommt demnach auf 28,37 Prozent der Stimmen. Die Stichwahl ist f\u00fcr den 28. Oktober angesetzt. Der linke Bewerber Ciro Gomes kam auf 12,52 Prozent, der Mitte-Rechts-Kandidat Geraldo Alckmin auf 4,83 Prozent. F\u00fcr Henrique Meirelles, Wunschkandidat des amtierenden Staatschefs Michel Temer, stimmten nur 1,21 Prozent der W\u00e4hler. In Brasilien waren rund 147 Millionen Wahlberechtigten aufgerufen, einen Nachfolger f\u00fcr Temer zu w\u00e4hlen. Im Land herrscht Wahlpflicht. Die Abstimmung galt als wichtigster Urnengang seit dem Ende der Milit\u00e4rdiktatur 1985\u2026<\/em>\u201c<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Vor-der-Wahl-in-Brasilien\/!5536753\/\">\u201eVerfeindete Lager\u201c von Andreas Behn am 06. Oktober 2018 in der taz<\/a>\u00a0zur Ausgangssituation, die in der Darstellung je einer W\u00e4hlerin des jeweiligen Lagers nachgezeichnet wird \u2013 hier zur Bolsonaro-Anh\u00e4ngerin: \u201e\u201e<em>Mir ist wichtig, dass in unserer Gesellschaft die Familie wieder aufgewertet wird. Dies ist lange vernachl\u00e4ssigt worden. Kinder sollen nicht in der Schule beeinflusst werden, sie sollen Respekt vor ihren Eltern haben\u201c, argumentiert Renata Mantuan. Sie bezieht sich dabei auf die von religi\u00f6sen Kreisen ins Leben gerufene Kampagne \u201eEscola sem partido\u201c, Schule ohne Partei, die fr\u00fcheren Linksregierungen vorwirft, ihre politischen Ideen in den Lehrstoff einzuschleusen.<\/em>\u00a0\u201eDie Dekonstruktion der Familie muss gestoppt werden\u201c, betont Renata Mantuan noch einmal. \u00c4hnlich wichtig ist ihr das Thema Sicherheit. \u201eSt\u00e4ndig gibt es \u00dcberf\u00e4lle. Meine Kinder k\u00f6nnen nicht mehr mit Handys oder Kopfh\u00f6rern auf der Stra\u00dfe gehen, an vielen Orten ist es einfach zu gef\u00e4hrlich.\u201c Bolsonaro, so meint sie, habe die richtigen Vorschl\u00e4ge. \u201eMit harter Hand gegen Kriminelle vorgehen, mehr Polizei auf der Stra\u00dfe und Verurteilungen wie Strafen wirklich anwenden.\u201c Auch sein Versprechen, die Bewaffnung der B\u00fcrger zu erleichtern, findet die 35-j\u00e4hrige Mutter gut. Und ein anderer Umgang mit Menschenrechten sei notwendig.\u00a0<em>Bolsonaro wiederholt gerne, dass nur ein toter Bandit ein guter Bandit sei, und dass Linke von Menschenrechten reden, um Kriminelle zu sch\u00fctzen. \u201eOhne Sicherheit sind wir wie Gefangene im eigenen Heim. Manchmal trauen wird uns nicht, abends mit dem Auto zu fahren. Deswegen muss der Wechsel her.\u201c Renata Mantuan spricht eindringlich\u2026\u201c<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bastamag.net\/EleNao-Bresil-election-presidentielle-Bolsonaro-extreme-droite-finance-agrobusiness\">\u201e\u00c9lections au Br\u00e9sil\u00a0: les march\u00e9s, l\u2019industrie et l\u2019agrobusiness soutiennent l\u2019extr\u00eame-droite\u201c von Rachel Knaebel am 04. Oktober 2018 im BastaMag<\/a>\u00a0ist ein Beitrag, der ausf\u00fchrlich und konkret nachzeichnet, wie der \u201eAnti-Establishment\u201c Kandidat Bolsonaro \u2013 der zuerst nur die Unterst\u00fctzung jener Schichten hatte, die auch die wichtigste Basis der Diktatur waren, also Offiziere und Gro\u00dfgrundbesitzer (heute meist Agrarkapitalisten) \u2013 nach und nach die Unterst\u00fctzung immer breiterer Teile insbesondere der herrschenden Klasse, aber eben auch der Mittelsichten gewonnen hat, auch in dem Zeitraum, in dem noch um Lulas Recht auf Kandidatur gek\u00e4mpft wurde\u2026<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.resumenlatinoamericano.org\/2018\/10\/04\/brasil-stedile-ya-no-hay-lugar-para-un-gobierno-de-conciliacion-de-clases\/\">\u201eStedile: \u201cYa no hay lugar para un gobierno de conciliaci\u00f3n de clases\u201d\u201c am 04. Oktober 2018 bei Resumen Latinoamericano<\/a>\u00a0ist ein (hier ins Spanische \u00fcbersetztes) Interview mit dem langj\u00e4hrigen Sprecher der brasilianischen Landlosenbewegung MST (ein \u201eHauptfeind\u201c Bolsonaros, dessen erkl\u00e4rtes Ziel es ist, dass man \u201ein Brasilien wieder in Ruhe Land besitzen darf\u201c), in dem dieser seiner Position darlegt, dass die Zeit f\u00fcr eine Regierung, die einen Klassen-Kompromiss darstelle und verfolge, vorbei sei.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/socialistproject.ca\/2018\/10\/mst-open-letter-on-brazil-election\/#more-2382\">\u201eMST Open Letter on Brazil\u00a0Election\u201c am 07. Oktober 2018 bei The Bullett<\/a>\u00a0ist die Dokumentation eines offenen Briefes der Landlosenbewegung MST an ihre globalen Unterst\u00fctzerInnen, in der die speziell angefeindete Organisation ihre Sicht der Dinge darlegt. Wobei neben der Nachzeichnung des Vorgangs und der Auswirkungen des \u201elegalen Putsches\u201c gegen die PT-Pr\u00e4sidentin auch ein Schwerpunkt darauf liegt, dass die \u00dcbergangsregierung Temer und die sie tragenden Parteien massiv an R\u00fcckhalt verloren haben \u2013 der von der \u201eAnti-Establishment-\u201e Kampagne Bolsonaros durchaus zu guten Teilen aufgefangen werden konnte\u2026<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/peoplesdispatch.org\/2018\/10\/06\/the-brazil-elections-how-did-we-get-here-and-what-is-at-stake\/\">\u201eThe Brazil elections: How did we get here and what is at stake?\u201c von Nate Singham am 06. Oktober 2018 bei Peoples Dispatch<\/a>\u00a0ist ein Beitrag, der die Entwicklung hin zum Aufschwung des Rechtsradikalismus in Brasilien nachzeichnet und analysiert. Neben bereits seit l\u00e4ngerem diskutierten Entwicklungen wird dabei vor allem auch hervor gehoben, dass die evangelikalen Glaubensgemeinschaften (Sekten) nach und nach allesamt und immer offener und lautst\u00e4rker die Kandidatur Bolsonaros unterst\u00fctzt haben \u2013 diesen Gruppen geh\u00f6rt etwa eiin Viertel aller W\u00e4hlerInnen des Landes an\u2026<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www1.folha.uol.com.br\/mercado\/2018\/10\/em-movimento-discreto-presidente-da-ambev-pede-reuniao-com-bolsonaro.shtml\">\u201eEm movimento discreto, presidente da Ambev pede reuni\u00e3o com Bolsonaro\u201c von Joana Cunha und Talita Fernandes am 05. Oktober 2018 in der Folha de Sao Paulo<\/a>\u00a0ist ein Bericht \u00fcber ein Treffen, dessen Art es in letzter Zeit immer mehr gab: Der Besitzer eines der gr\u00f6\u00dften Unternehmen des Landes \u201ebittet\u201c um ein Treffen mit dem rechtsradikalen Kandidaten\u2026ganz diskret, versteht sich, ohne Medien.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.esquerdadiario.com.br\/Movimentos-no-xadrez-da-burguesia-em-favor-de-Bolsonaro\">\u201eMovimentos no xadrez da burguesia em favor de Bolsonaro, no limiar das urnas\u201c von Andr\u00e9 Augusto am 03. Oktober 2018 bei Esquerda Diario<\/a>\u00a0ist ein Beitrag, der diese Art von \u201eTreffen\u201c systematsiert, in dem er die \u201elast minute\u201c Bewegung hin zu Bolsonaro nachzeichnet.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/amerika21.de\/2018\/10\/214509\/brasilien-extreme-rechte-bolsonaro-wahl\">\u201eExtreme Rechte in Brasilien vor R\u00fcckkehr an die Macht\u201c von Peter Steiniger und Harald Neuber am 07. Otober 2018 bei amerika21.de<\/a>\u00a0zur aktuellen Situation und ihrer Bedeutung: \u201e<em>Am Ende des Wahlkampfes hatten die beiden aussichtsreichsten Kandidaten den Ton noch einmal deutlich versch\u00e4rft. Einen Tag nach dem Ende der \u00f6ffentlichen Veranstaltungen \u2013 unmittelbar vor der Abstimmung sind solche Auftritte in Brasilien verboten \u2013 nutzen der Rechtsextreme Jair Bolsonaro und der Sozialist Fernando Haddad ihre bevorzugten Foren, um heftige Angriffe auf den politischen Gegner zu fahren: der Rechte auf Twitter, der Linke im direkten Kontakt mit W\u00e4hlern. Bolsonaro schrieb \u00fcber den Kurznachrichtendienst, Brasilien habe es nicht verdient, \u201caus dem Gef\u00e4ngnis heraus regiert zu werden\u201d. Er nahm damit deutlich Bezug auf den inhaftierten da Silva. Auch d\u00fcrfe das Land nicht von politischen Ziehs\u00f6hnen von H\u00e4ftlingen regiert werden, f\u00fcgte er mit Blick auf Haddad an. Der sozialistische Kandidat wiederum nutzte die Anwesenheit der Presse bei einem politischen Spaziergang in Belo Horizonte, um seinen Rivalen heftig zu kritisieren. Bolsonaro sei eine Gefahr f\u00fcr verfassungsrechtliche Prinzipien wie Demokratie, Frieden und Wahrheit. \u201cUnsere Verfassung hat sehr gefestigte Grunds\u00e4tze, die zuletzt unter Beschuss standen, vor allem seitens Bolsonaros. Er f\u00fchlt sich der Demokratie gegen\u00fcber in keiner Weise verpflichtet, er f\u00fchlt sich dem Frieden gegen\u00fcber nicht verpflichtet und auch nicht gegen\u00fcber der Wahrheit\u201d, sagte Haddad. Der m\u00f6gliche Sieg Bolsonaros f\u00fchrt international\u00a0 zu wachsender Sorge. W\u00e4hrend der Rechtsextreme ein Liebling der neoliberalen Finanzm\u00e4rkte ist und auch von der deutschen Bundesregierung indirekt R\u00fcckendeckung bekommen hat, indem sie das Politurteil gegen Lula da Silva rechtfertigte, warnen zahlreiche Beobachter vor den Konsequenzen seines Sieges\u2026<\/em>\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.brasildefato.com.br\/2018\/10\/07\/fernando-haddad-pt-e-jair-bolsonaro-psl-estao-confirmados-no-segundo-turno\/\">\u201eNordeste garante Fernando Haddad (PT) no segundo turno contra Jair Bolsonaro\u201c von Leonardo Fernandes am 07. Oktober 2018 bei Brasil de Fato<\/a>\u00a0ist ein Beitrag, der \u00fcber die Ergebnisse in den nord\u00f6stlichen Bundesstaaten des Landes berichtet, die \u00fcberhaupt erst verhinderten, dass Bolsonaro im ersten Wahlgang gewinnt \u2013 in all den 9 zur Region geh\u00f6renden Bundesstaaten hat er verloren und in acht davon hat der PT-Kandidat Haddad gewonnen. Der PT Kandidat hat demnach \u2013 wie auch die beiden Gouverneure der PT, die gew\u00e4hlt wurden \u2013 dort gewonnen, wo sozialpolitische Reformen die meiste Auswirkung gehabt haben\u2026<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.cut.org.br\/noticias\/haddad-no-2-turno-e-a-defesa-da-democracia-contra-a-barbarie-d1c7\">\u201eHaddad no 2. Turno \u00e9 a defesa da democracia contra a barb\u00e1rie\u201c am 07. Oktober 2018 bei der CUT<\/a>\u00a0ist die Erkl\u00e4rung des gr\u00f6\u00dften Gewerkschaftsbundes des Landes zum Wahlausgang, worin die Tatsache, dass der PT-Kandidat Haddad den zweiten Wahlgang erreicht hat, als Chance zur Verteidigung der Demokratie bewertet wird.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/www.labournet.de\/internationales\/brasilien\/politik-brasilien\/bolsonazi-60-millionen-stimmen-fuer-den-faschismus-in-brasilien\/\"><em>labournet.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 8. Oktober 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ihn als Rechtspopulisten zu bezeichnen, oder als Trump Brasiliens: Zum mindesten grenzt das an Besch\u00f6nigung. 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