{"id":4125,"date":"2018-10-09T08:12:08","date_gmt":"2018-10-09T06:12:08","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4125"},"modified":"2018-10-09T08:12:08","modified_gmt":"2018-10-09T06:12:08","slug":"venezuela-und-die-heuchelei-des-us-imperialismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4125","title":{"rendered":"Venezuela und die Heuchelei des US-Imperialismus"},"content":{"rendered":"<p><em>Bill Van Auken.<\/em> Am Dienstag, den 11. September j\u00e4hrte sich zum 45. Mal eines der blutigsten und tragischsten Ereignisse in der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts: der von den USA unterst\u00fctzte faschistische Milit\u00e4rputsch<!--more--> in Chile, der ein Vierteljahrhundert Polizeistaat und Diktatur in dem s\u00fcdamerikanischen Land einleitete.<\/p>\n<p>Zehntausende chilenischer Arbeiter, Studenten und linker Intellektueller wurden auf Befehl einer Milit\u00e4rjunta unter der Leitung von General Augusto Pinochet zusammengetrieben, gefangen genommen, gefoltert und ermordet. Das Pinochet-Regime f\u00fchrte diese Verbrechen in enger Zusammenarbeit mit dem Wei\u00dfen Haus unter US-Pr\u00e4sident Nixon, der CIA und dem Pentagon durch.<\/p>\n<p>Was eine Situation mit enormem revolution\u00e4rem Potenzial war, gepr\u00e4gt von Massenmobilisierungen, Streiks und Fabrikbesetzungen, wurde zu einer blutigen Niederlage, zu einem m\u00f6rderischen Alptraum der Unterdr\u00fcckung. Dies ist dem Verrat der Unidad Popular-Regierung von Salvador Allende zuzuschreiben, die unterst\u00fctzt von der stalinistischen Kommunistischen Partei Chiles die Offensive der chilenischen Arbeiter unterdr\u00fccken wollte und General Pinochet zum Oberbefehlshaber des Heeres ernannte.<\/p>\n<p>Dass diese Verbrechen nicht nur als bedauerliches Erbe einer l\u00e4ngst vergangenen Zeit angeh\u00f6ren, wurde durch zwei Ereignisse innerhalb der letzten zwei Monate deutlich.<\/p>\n<p>Das erste war die Grabrede f\u00fcr den republikanischen Senator John McCain durch den 94-j\u00e4hrigen Henry Kissinger, den herausragenden amerikanischen Kriegsverbrecher. Als nationaler Sicherheitsberater und damaliger Au\u00dfenminister unter Richard Nixon war Kissinger sowohl an der Planung des chilenischen Staatsstreichs als auch an der Unterst\u00fctzung Washingtons f\u00fcr die von Pinochet begangenen Gr\u00e4ueltaten ma\u00dfgeblich beteiligt. Von Kissinger stammt die ber\u00fcchtigte Aussage: \u201eIch verstehe nicht, warum wir unt\u00e4tig zusehen sollten, wie ein Land wegen der Verantwortungslosigkeit seines eigenen Volkes kommunistisch wird.\u201c<\/p>\n<p>Das zweite war die Ver\u00f6ffentlichung eines Berichts in der\u00a0<em>New York Times<\/em>\u00a0am Samstag, nach dem sich US-Beamte zwischen Herbst 2017 und Anfang dieses Jahres wiederholt mit einer Gruppe venezolanischer Milit\u00e4rs trafen, die US-Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Sturz der Regierung von Pr\u00e4sident Nicolas Maduro erbaten.<\/p>\n<p>US-Pr\u00e4sident Donald Trump hatte bereits im August letzten Jahres \u00f6ffentlich eine \u201emilit\u00e4rische Option\u201c der USA in Venezuela angesprochen und so die \u201eaufst\u00e4ndischen venezolanischen Milit\u00e4rs ermutigt, sich an Washington zu wenden\u201c, schreibt die\u00a0<em>Times<\/em>.<\/p>\n<p>Trump erkl\u00e4rte an der Seite seines damaligen Au\u00dfenministers Rex Tillerson, dem ehemaligen Chef von ExxonMobil, dessen Vorg\u00e4ngerunternehmen lange die \u00d6lf\u00f6rderung in Venezuela dominierte: \u201eVenezuela ist nicht weit weg und die Menschen leiden. Sie liegen im Sterben. Wir haben viele Optionen f\u00fcr Venezuela, einschlie\u00dflich einer m\u00f6glichen milit\u00e4rischen Option, wenn n\u00f6tig.\u201c<\/p>\n<p>Inzwischen ist klar, dass Trumps \u00f6ffentliche Erkl\u00e4rung interne Diskussionen widerspiegelte und er Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Plan einer US-Invasion in Venezuela suchte. Diese Option hatte er auch privat mit ausgew\u00e4hlten lateinamerikanischen Staatschefs am Rande der Er\u00f6ffnungssitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen vor einem Jahr diskutiert.<\/p>\n<p>Die Politik Washingtons hat sich in der Frage nicht ge\u00e4ndert, wie sich bei einer Rede von Tillerson im Februar zeigte, in der er sich auf die lange und blutige Geschichte der von den USA unterst\u00fctzten Staatsstreiche in Lateinamerika berief \u2013 den Sturz des guatemaltekischen Regierungschefs Arbenz 1954, den Sturz der Goulart-Regierung in Brasilien ein Jahrzehnt sp\u00e4ter, den Pinochet-Staatsstreich in Chile, den gescheiterten Putsch gegen Venezuelas Hugo Chavez 2002 und den honduranischen Coup 2009, der von der Obama-Regierung unterst\u00fctzt wurde und Manuel Zelaya zu Fall brachte.<\/p>\n<p>\u201eIn der Geschichte Venezuelas und S\u00fcdamerikas\u201c, erkl\u00e4rte Tillerson, \u201eist das Milit\u00e4r oft der Motor des Wandels, wenn die Dinge schlecht stehen und die F\u00fchrung dem Volk nicht mehr dienen kann.\u201c<\/p>\n<p>In Venezuela, wie in allen anderen L\u00e4ndern, geht und ging es Washington nicht darum, ob die Regierung \u201edem Volk dienen kann\u201c. Die entscheidende Frage lautet vielmehr, ob sie den au\u00dfenpolitischen Interessen der USA und den globalen Profiten amerikanischer Banken und Konzerne im Weg steht.<\/p>\n<p>Wenn die US-Regierung den venezolanischen Offizieren, die sich letztes Jahr an sie gewandt haben, keine materielle Unterst\u00fctzung gew\u00e4hrte, so weil sie diesen M\u00e4nnern nicht zutraute, die F\u00e4higkeiten bzw. das Ma\u00df an Unterst\u00fctzung innerhalb des Milit\u00e4rs zu haben, die f\u00fcr einen erfolgreichen Staatsstreich notwendig sind.<\/p>\n<p>Das zutiefst korrupte Milit\u00e4rkommando war eine tragende S\u00e4ule der b\u00fcrgerlichen nationalistischen Regierung, die unter dem verstorbenen Hugo Chavez entstand und unter Maduro fortexistiert. Sie hat sich selbst bereichert, w\u00e4hrend der Lebensstandard der Arbeiterklasse massiv gesunken ist. Washingtons Strategie ist es, die Wirtschaft des Landes an den Zusammenbruch zu bringen, so dass das Milit\u00e4r die Regierung st\u00fcrzt, um seine eigenen Interessen zu verteidigen, die verarmten Massen gewaltsam unterdr\u00fcckt und ein Regime errichtet, das v\u00f6llig den US-Interessen untergeordnet ist.<\/p>\n<p>Vor bald einem Monat j\u00e4hrten sich ebenfalls zum 17. Mal die Terroranschl\u00e4gen vom 11. September auf New York City und Washington, bei denen fast 3.000 Menschen ums Leben kamen. Die Zeremonien waren in all den Jahren noch nie so verhalten wie in diesem Jahr. Auch hierin zeigt sich die angek\u00fcndigte Ver\u00e4nderung der nationalen US-Verteidigungsstrategie vom \u201eglobalen Krieg gegen den Terror\u201c hin zur Vorbereitung auf eine Konfrontation zwischen den \u201eGro\u00dfm\u00e4chten\u201c, d.h. Krieg gegen die Atomm\u00e4chte Russland und China. Gleichzeitig operieren das US-Milit\u00e4r und die CIA in Syrien, Jemen und anderswo de facto in einer Allianz mit al-Qaida.<\/p>\n<p>Die US-Intervention in Venezuela wird durch diese erkl\u00e4rte Strategie des \u201ezwischenstaatlichen strategischen Wettbewerbs\u201c getrieben, insbesondere durch den Konflikt mit Peking um den zunehmenden Einfluss Chinas in Lateinamerika, das von Washington lange Zeit als eigener \u201eHinterhof\u201c betrachtet wurde.<\/p>\n<p>Die engeren Wirtschaftsbeziehungen der Maduro-Regierung zu China und Russland untergraben offenbar die imperialistische Hegemonie der USA in Lateinamerika und bedrohen die Interessen der US-Energiekonzerne in einem Land, das auf den gr\u00f6\u00dften nachgewiesenen \u00d6lreserven der Welt sitzt.<\/p>\n<p>In den letzten zehn Jahren hat China \u00d6lf\u00f6rdergesch\u00e4fte mit Venezuela in H\u00f6he von mehr als 50 Milliarden Dollar gemacht, und erst vor zwei Monaten k\u00fcndigte die China Development Bank weitere 250 Millionen Dollar f\u00fcr die Entwicklung der \u00d6lproduktion des Landes an. Russland hat unterdessen rund 6 Milliarden Dollar an den staatlichen Konzern Petr\u00f3leos de Venezuela (PDVSA) als Gegenleistung f\u00fcr \u00d6l gezahlt.<\/p>\n<p>Um die US-Interessen in Venezuela wie in der gesamten Hemisph\u00e4re zu sichern, greift Washington offen auf Methoden zur\u00fcck, die von Aushungern bis zu Milit\u00e4rputsch, Attentat und direkter US-Invasion reichen.<\/p>\n<p>In Zusammenhang mit der US-Politik in Venezuela und ganz Lateinamerika erkennt man die Heuchelei, wenn Teile des US-Establishments, der Demokratischen Partei, der Medien sowie des Milit\u00e4r- und Geheimdienstapparates \u00fcber die \u201erussische Einmischung\u201c klagen. Nicht weiter belegte Behauptungen \u00fcber das russische Hacking von Computern der Demokratischen Partei und die angebliche Aktivit\u00e4t von Social Media Bots verblassen angesichts der langen und blutigen Geschichte der US-Interventionen, bei denen Washington gew\u00e4hlte Regierungen st\u00fcrzte, m\u00f6rderische Diktaturen installierte und milit\u00e4risch intervenierte \u2013 und angesichts der laufenden Vorbereitungen f\u00fcr \u00e4hnliche Verbrechen in der Zukunft.<\/p>\n<p>Der US-Imperialismus bleibt der gr\u00f6\u00dfte globale \u201eEinmischer\u201c, mit schrecklichen Folgen f\u00fcr viele Menschen auf der ganzen Welt. Die Arbeiterklasse in den USA muss sich entschieden gegen die Interventionen wenden, ebenso gegen die ekelerregende Heuchelei, mit der die militaristische Politik der USA betrieben wird.<\/p>\n<p>Was Venezuela betrifft, so liegt die Aufgabe einer Abrechnung mit Maduro und den korrupten milit\u00e4rischen und kapitalistischen Elementen, die er vertritt, bei den venezolanischen Arbeitern, nicht bei der CIA und beim Pentagon.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2018\/09\/12\/pers-s12.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 9. Oktober 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bill Van Auken. Am Dienstag, den 11. September j\u00e4hrte sich zum 45. Mal eines der blutigsten und tragischsten Ereignisse in der zweiten H\u00e4lfte des 20. 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