{"id":4165,"date":"2018-10-17T10:03:06","date_gmt":"2018-10-17T08:03:06","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4165"},"modified":"2018-11-11T17:12:57","modified_gmt":"2018-11-11T15:12:57","slug":"von-1918-zu-2018-ein-kreislaufkollaps-fuer-die-deutsche-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4165","title":{"rendered":"Von 1918 zu 2018: Ein Kreislaufkollaps f\u00fcr die deutsche Geschichte"},"content":{"rendered":"<p><em>Fritz Weinegg.<\/em><strong> Weder Wirtschaftskrise noch Weltkrieg, und doch gibt es heute \u00c4hnlichkeiten zu 1918. Gedanken eines Krankenhausbesch\u00e4ftigten aus Berlin zum Erbe der deutschen Revolution.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Vergleicht man das heutige Deutschland mit dem vor 100 Jahren, sieht man auf den ersten Blick keine Parallelen. Weder haben wir zur Zeit die Welt in einen Krieg getrieben, noch hungert die Bev\u00f6lkerung, noch befinden wir uns am Ende eines furchtbaren Krieges. Mit diesen unmenschlichen Aktionen, tun sich gerade andere Staaten hervor. Deutschland spielt zur Abwechslung milit\u00e4risch eher die Rolle des Mitl\u00e4ufers. Der Wirtschaft, also dem Kapital, geht es hier zu Lande bestens. Aber gerade darum steckt Deutschland wie 1918 in einer ernsthaften Krise \u2013 einer politischen Krise.<\/p>\n<p><strong>1918<\/strong><\/p>\n<p>Ende 1918 ist das Kaiserreich am Ende, der bis dahin regierende Adel ist unf\u00e4hig und zu tr\u00e4ge, um auf die wirtschaftlichen und politischen Ver\u00e4nderungen zu reagieren. Der mit ihm einher schreitende Militarismus ist durch den erfolglosen Krieg geschw\u00e4cht. Dieser Krieg hat sich zu einem Gemetzel bisher nie bekannten Ausma\u00dfes entwickelt und die Bev\u00f6lkerung hungert.<\/p>\n<p>In der Folge davon gewinnt die SPD immer mehr an Zulauf und es kommt zu massiven Streiks in den Fabriken, Matrosenaufst\u00e4nden und zur Bildung von basisdemokratischen Arbeiter*innen- und Soldat*innenr\u00e4ten, was zur Absetzung des Kaisers f\u00fchrt. In Berlin ruft Karl Liebknecht die Deutsche R\u00e4terepublik aus. In Teilen wird Deutschland auch kurzzeitig r\u00e4terepublikanisch vom Volk gef\u00fchrt. Beispiele davon finden wir in Bayern, Bremen und Braunschweig.<\/p>\n<p>Die Kommunist*innen des Spartakusbundes und andere linke Splittergruppen wie die USPD, spielen keine wirkliche Rolle in der Novemberrevolution, denn sie sind uneinig. Als politische Institution \u00fcbernimmt die SPD das Zepter. Zu bl\u00f6d, dass an deren Spitze schon damals eher b\u00fcrgerlich, kleinkarierte Personen wie Friedrich Ebert sitzen. F\u00fcr diese Clique ist die ausgerufene R\u00e4terepublik ein Fiasko. Sie braucht zwar deren Massen zur Erhaltung ihrer Macht und ihres eigenen Lebens, aber ihre Vorstellung von einem \u201eneuen\u201c Deutschland entspricht eher der des alten Deutschlands. Mit dem Zusatz einer anerkannten SPD als mitbestimmender Partei, d\u00fcrfte in ihren Vorstellungen sogar die Monarchie zur\u00fcckkehren.<\/p>\n<p>Um dieses Ziel zu verfolgen wird die Novemberrevolution von 1918 mehrmals von ihnen verraten und genau so oft das Vertrauen der Massen in \u201eihre F\u00fchrung\u201c missbraucht. Mit Hilfe der ebertschen Sozialdemokratie werden durch Noske reaktion\u00e4re Kampfverb\u00e4nde gegr\u00fcndet. Diese schie\u00dfen die Novemberrevolution daraufhin blutig zusammen und bilden sp\u00e4ter den Grundstock der SA und SS im dritten Reich.<\/p>\n<p><strong>Und heute?<\/strong><\/p>\n<p>Auch heute steckt Deutschland in einer politischen Krise. Trotz vorhandener Staatsmilliarden und einer guten Wirtschaftskonjunktur sind der Staat und die regierenden Parteien unf\u00e4hig zu handeln. Auf kommunaler Ebene sind die Einrichtungen \u00f6ffentlicher Daseinsvorsorge durch das Diktat der Schuldenbremse nahezu handlungsunf\u00e4hig geworden. Was nutzen Milliarden Steuergulden, wenn es keinen funktionierenden Apparat mehr gibt, der das Geld in die Infrastruktur investieren KANN.<\/p>\n<p>Auf Bundesebene werden die gut flie\u00dfenden Einnahmen f\u00fcr die Waffen-, Auto- und Finanzindustrie verballert. Bei Bildung, Gesundheit und sozialem Wohnungsbau bleibt es seltsamerweise immer heikel zu investieren. Dort wird durch die Hintert\u00fcr ebenfalls privaten Investoren der Weg geebnet.<\/p>\n<p>Auf der linken Seite der Parteienlandschaft bietet sich nahezu das gleiche zerstrittene Bild wie 1918. Eine Partei die sich \u201edie Linke\u201c nennt streitet sich mit der SPD um den sozialdemokratischen Platz in Deutschland, der ihr eigentlich nicht zusteht. Weil Links links sein sollte.<\/p>\n<p>Die SPD wiederum rangelt sich mit der rechtskonservativen CDU um den Platz \u201eder Mitte\u201c. Beide Parteien treten sich hier mit den kleinb\u00fcrgerlich, spie\u00dfigen Gr\u00fcnen und der kapitalverherrlichenden FDP gegenseitig auf die F\u00fc\u00dfe. Hier herrscht im Grunde absolute Einigkeit. Der \u00d6ffentlichkeit werden zwar unterschiedliche Standpunkte vorgegaukelt, aber das HANDELN ist absolut dasselbe. Eindrucksvoller als Olaf Scholz ( SPD ) kann man das nicht ausdr\u00fccken: \u201eEin deutscher Finanzminister bleibt ein deutscher Finanzminister!\u201c<\/p>\n<p>Wir in Berlin k\u00f6nnen das Ministerding genauso best\u00e4tigen, wir hatten hier sogar mal einen \u201elinken\u201c Wirtschaftssenator, der sich als Wolf im Schafspelz entpuppte. Es w\u00e4re einer Kom\u00f6die wert, m\u00fcsste man nicht heulen vor Wut.<\/p>\n<p>Rechts entsteht dadurch ein Vakuum, also ein Loch. Diese rechten L\u00f6cher werden nun von der AfD gef\u00fcllt. Wo die hin wollen macht die Online Plattform gegen \u201ezu linke\u201c Lehrer*innen in Hamburg nur allzu deutlich. Deutschland r\u00fcstet wieder mit denunzierenden \u201eBlockwarten\u201c des dritten Reichs auf. Das dieses Land einen Antisemitismus-Beauftragten braucht, sagt alles \u00fcber seinen politischen Zustand aus. Diese \u201ePartei\u201c favorisiert die Militarisierung Deutschlands. Gleichfalls soll alles, was nicht niet- und nagelfest ist an das Kapital verh\u00f6kert werden und der Mob rennt diesen (eindeutig!) neofaschistischen Rattenf\u00e4ngern blind hinterher. Das erste, was nach deren Machtergreifung fallen wird, ist das gerade von ihnen so gern genutzte Recht auf Demonstrationen und freie Meinungs\u00e4u\u00dferung.<\/p>\n<p><strong>Schlusswort<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe in diesem Artikel bewusst nur eine Parallele zwischen 1918 und 2018 genau benannt. Es ist gesetzm\u00e4\u00dfig, dass der Widerspruch zwischen Kapital- und Sozialinteressen nicht durch eine nie wirklich existente \u201eSozialpartnerschaft\u201c zu \u00fcberbr\u00fccken sein wird. Bei jedem Versuch Kompromisse mit dem Kapital zu schlie\u00dfen, verlieren wir und verraten uns selbst, oder werden verraten.. (liebe Gewerkschaften)<\/p>\n<p>Selbst bei Teilerfolgen zieht sich das Kapital nur kurzfristig und scheinbar zur\u00fcck, um kurz darauf brutaler und hinterh\u00e4ltiger zuzuschlagen. Als letztes Mittel bleibt ihnen immer noch der Faschismus. Dieser \u00e4ndert nichts am kapitalistischen System, sondern macht dieses durch seine Unmenschlichkeit sogar noch gewinnbringender.<\/p>\n<p>Bevor das aber nicht in den meisten K\u00f6pfen angekommen ist, werden wir weiter verlieren m\u00fcssen! Schlimmer noch, wir drehen uns geschichtlich im Kreis. Wenn sich Geschichte nicht wiederholen soll, brauchen wir unser eigenes Bewusstsein, Denken und schlussendlich gemeinsames Handeln.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/von-1918-zu-2018-ein-kreislaufkollaps-fuer-die-deutsche-geschichte\/\"><em>klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 17. Oktober 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fritz Weinegg. Weder Wirtschaftskrise noch Weltkrieg, und doch gibt es heute \u00c4hnlichkeiten zu 1918. 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