{"id":4168,"date":"2018-10-17T10:25:44","date_gmt":"2018-10-17T08:25:44","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4168"},"modified":"2018-10-17T10:25:44","modified_gmt":"2018-10-17T08:25:44","slug":"ueber-anarchosyndikalismus-und-den-aufbau-einer-linken-aktionseinheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4168","title":{"rendered":"\u00dcber Anarchosyndikalismus und den Aufbau einer linken Aktionseinheit"},"content":{"rendered":"<p><em>REVOLUTION. <\/em>Am 12.10.2018 ver\u00f6ffentlichte das Dresdner Syndikat der anarchosyndikalistischen Gewerkschaft FAU (Freie Arbeiter_Innen Union) eine Stellungnahme unter dem Titel<!--more--> \u201e<a href=\"https:\/\/dd.fau.org\/\">Warum wir nicht mit Revo zusammenarbeiten\u201c.<\/a>Die 35-Seiten z\u00e4hlende Kritik beginnt mit folgenden Worten: \u201eF\u00fcr die, die den Anlass dieses Statements nicht kennen: Seit ca. 2 Jahren (Anm.: eigentlich sind es schon 3 Jahre) sind verschiedene Gruppen und Strukturen in Dresden mit einer kleinen, trotzkistischen Jugendorganisation konfrontiert. Diese ist bundesweit in 8 St\u00e4dten vertreten und auch international vernetzt. Sie forderte immer wieder, einen Platz in B\u00fcndnissen zu erhalten, obwohl sie von den meisten emanzipatorischen Akteur_innen in Dresden abgelehnt wurde. Mit diesem Statement hoffen wir, anhaltende und anstrengende Auseinandersetzungen um eine eventuelle Akzeptanz der Organisation inhaltlich begr\u00fcndet und dauerhaft zu beenden.\u201c<\/p>\n<p>Die Kritik an unserer Organisation arbeitet sich an zwei Punkten ab: 1. an unserer praktischen B\u00fcndnisarbeit. Uns wird unser Ziel, eine Einheitsfront aller linken Kr\u00e4fte und der Organisationen der Arbeiter_Innenklasse gegen den Rechtsruck aufzubauen, wohlgemerkt trotz der massiven Zunahme rassistischer und faschistischer Mobilisierungen und Angriffe in Sachsen, zum Vorwurf gemacht. Ferner wird behauptet, wir w\u00fcrden uns durch die Mitarbeit in B\u00fcndnissen ausschlie\u00dflich selbst aufbauen wollen. Um dies zu belegen, werden wider besseren Wissens falsche Informationen und Ger\u00fcchte verbreitet und uns grunds\u00e4tzlich hinterh\u00e4ltiges taktieren und Intransparenz unterstellt.<\/p>\n<p>Der zweite Punkt bezieht sich auf unser Programm selbst (An dieser Stelle sei angemerkt, dass wir uns bereits vor \u00fcber einem Jahr ein neues internationales Programm gegebenen haben und sich alle von der FAU zitierten Passagen auf unser altes Programm beziehen. Dieses ist zwar inhaltlich immer noch super, aber wer unsere Organisation inhaltlich-fundiert kritisieren m\u00f6chte, sollte sich doch wenigstens die M\u00fche machen, dies auf ihrer aktuellen programmatischen Grundlage zu tun). All die Unterschiede, die zwischen einer anarchosyndikalistischen Gewerkschaft und einer kommunistischen Jugendorganisation selbsterkl\u00e4rend existieren, die unterschiedlichen Vorstellungen \u00fcber den Weg zum Aufbau einer Arbeiter_Innenbewegung, \u00fcber Parteien und R\u00e4te werden als Gr\u00fcnde mit angef\u00fchrt, weshalb eine gemeinsame B\u00fcndnisarbeit mit uns unter keinen Umst\u00e4nden vertretbar sei. Weiterhin wird uns in Bezug auf den Nahostkonflikt ein \u201elatenter Antisemitismus\u201c vorgeworfen, der durch eine abstruse Verf\u00e4lschung unserer sozialistischen Position und einer widerspr\u00fcchlichen Verteidigung des Zionismus \u201ebelegt\u201c werden soll.<\/p>\n<p>Wir wollen an dieser Stelle die M\u00f6glichkeit nutzen, auf die Kritik einzugehen, unsere eigenen Positionen unverf\u00e4lscht darzulegen und den hinter dieser Stellungnahme stehenden Aufruf, jede \u201eeventuelle Akzeptanz\u201c und Kooperation mit uns dauerhaft zu beenden, entschieden zur\u00fcckweisen.<\/p>\n<p><strong>Der Rechtsruck und der Aufbau einer linken Bewegung<\/strong><\/p>\n<p>Chemnitz, 26.08.2018: Nachdem ein 35-j\u00e4hriger mutma\u00dflich durch einen Menschen mit Migrationshintergrund mit einem Messer niedergestochen wurde, zieht ein Mob von \u00fcber 1000 Rassist_Innen und Faschist_Innen durch die Stadt, macht Jagd auf migrantisch und links aussehende Menschen, skandiert Parolen wie \u201ef\u00fcr jeden toten Deutschen einen toten Ausl\u00e4nder\u201c und \u201ewir sind die Fans von Adolf Hitler \u2013 Hooligans\u201c. Am darauffolgenden Tag kommen bei einer Demonstration von \u201ePro Chemnitz\u201c \u00fcber 5000 Rechte zusammen, unter ihnen AfD\u2019ler, organisierte faschistische Kr\u00e4fte wie der \u201eIII. Weg\u201c und Nazihools. Ihnen stehen gerade mal 1500 Gegendemonstrant_Innen gegen\u00fcber. Auch an diesem Tag kommt es wieder zu Hetzjagden auf Linke und Migrant_Innen, 12 vermummte Neonazis st\u00fcrmen mit Eisenstangen bewaffnet ein j\u00fcdisches Restaurant und rufen \u201ehau ab aus Deutschland, du Judensau!\u201c. Allein innerhalb\u00a0 dieser beiden Tage wurden 18 Angriffe auf Migrant_Innen dokumentiert, fast so viele, wie im Vorjahr in Chemnitz insgesamt registriert wurden (20). Zum Weltfriedenstag, am 1. September, ruft die AfD zur Demonstration auf und versucht ebenfalls, den Tod des 35-j\u00e4hrigen f\u00fcr ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Diesem Aufruf folgen fast 10 000 Menschen, angef\u00fchrt wird die Demo vom faschistischen Fl\u00fcgel der AfD um H\u00f6cke, dahinter Lutz Bachmann und organisierte faschistische F\u00fchrungskader.<\/p>\n<p>Der gesellschaftliche Rechtsruck \u00e4u\u00dfert sich auch auf den Stra\u00dfen \u2013 das ist uns allen, gerade hier in Sachsen, sp\u00e4testens seit dem Entstehen der PEGIDA-Bewegung bewusst. Dem Erstarken der Rechten und auch der faschistischen Kr\u00e4fte konnten wir als Linke in den letzten Jahren kaum etwas entgegensetzen. Wir haben es nicht geschafft, eine Gegenbewegung aufzubauen, die den Kampf gegen Rassismus und Faschismus konsequent gef\u00fchrt h\u00e4tte, die den Rassist_Innen und Faschist_Innen die Stra\u00dfen strittig und eine Perspektive gegen den Rechtsruck aufgezeigt h\u00e4tte. Dies bekommen wir nun immer deutlicher auf den Stra\u00dfen zu sp\u00fcren: wir schaffen es nicht, faschistische Aufm\u00e4rsche zu verhindern oder empfindlich zu st\u00f6ren, wir sind fast immer in der Unterzahl und k\u00f6nnen pogromartigen Zust\u00e4nden nur zuschauen, die Hetzjagden der Nazis nicht verhindern.<\/p>\n<p><strong>Wo dr\u00fcckt\u2018s im Schuh bei der FAU?<\/strong><\/p>\n<p>Gerade vor dem Hintergrund dieser allgemeinen Schw\u00e4che der Linken und der Defensive, in der sich die Arbeiter_Innenbewegung befindet, halten wir den vor kurzem ver\u00f6ffentlichten Aufruf der FAU Dresden zur Spaltung der wenigen linken Kr\u00e4fte f\u00fcr einen schwerwiegenden politischen Fehler. Wir w\u00fcrden mit einem besseren Gewissen Zeit und Energie in diese Gegenstellungnahme stecken, wenn wir w\u00fcssten, dass sie sich aufgrund einer gemeinsamen Praxis im Kampf gegen den Rechtsruck auch tats\u00e4chlich lohnen w\u00fcrde. Durch das ultimatistische und sektiererische Verhalten der FAU jedoch, haben sie uns nun einen gro\u00dfen Haufen vor die T\u00fcr gekackt, den wir nun m\u00fchsam wegputzen m\u00fcssen. Es ist uns auch nicht ganz klar, weshalb wir uns in diesem Schreiben f\u00fcr unsere Politik rechtfertigen m\u00fcssen. So ist es doch eigentlich die FAU, die sich daf\u00fcr rechtfertigen sollte, warum sie eine effektive antirassistische Praxis in Dresden so aktiv behindert.<\/p>\n<p>Diese w\u00e4re n\u00e4mlich der gemeinsame Aufbau einer linken Bewegung, die den antirassistischen und antifaschistischen Kampf mit der sozialen Frage und einer antikapitalistischen Perspektive verbindet. Eine Aktionseinheit aller linken Gruppen und der Arbeiter_Innenparteien und -Organisationen, insbesondere der Partei DIE LINKE und der Gewerkschaften, w\u00e4re imstande, dem gesellschaftlichen Rechtsruck etwas entgegenzusetzen und den Rassismus effektiv zur\u00fcckzudr\u00e4ngen. Stattdessen zieht die FAU Dresden es vor, einen politischen Kleinkrieg gegen andere linke Gruppen zu f\u00fchren, br\u00fcstet sich selbst mit Verboten und damit, uns seit nun drei Jahren schon zu bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>So schreibt die FAU Dresden in ihrer Stellungnahme passend zu ihrem sektiererischen Verhalten: \u201eDie von Revo beschworene Einheitsfront, wir wollen sie nicht. Sie schadet mehr, als dass sie n\u00fctzt und es gibt in Dresden einen ziemlich breiten libert\u00e4ren Konsens dar\u00fcber, wo politische Ans\u00e4tze den (sicherlich alles andere als eindeutigen) Weg zur Emanzipation sp\u00e4testens verlassen. Einige der Positionen von Revo sind nicht akzeptabel. Sch\u00e4dlich f\u00fcr eine breite linke Bewegung ist nicht der Ausschluss von Revo aus B\u00fcndnissen, sondern die Vehemenz, mit der Revo sich in solche B\u00fcndnisse hineinerpresst und damit viel Zeit und Energien bindet.\u201c<\/p>\n<p>Gruppen wie die unsere, die versuchen, m\u00f6glichst viele linke Kr\u00e4fte zusammenzuf\u00fchren und in der Aktion zu b\u00fcndeln und zu diesem Zweck auch in selbsternannten \u201eoffenen B\u00fcndnissen\u201c mitarbeiten, sind also \u201esch\u00e4dlich f\u00fcr eine breite (!) linke Bewegung\u201c, und deshalb sei auch der Ausschluss solcher Gruppen folgerichtig. Hier kann unserer Meinung nach nur einer von zwei \u00fcblen Denkfehlern vorliegen: Entweder, die FAU leidet unter gnadenloser Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung und glaubt, den Rechtsruck alleine stoppen zu k\u00f6nnen. Oder, und das w\u00e4re noch viel trauriger, der tats\u00e4chliche Kampf gegen den Rechtsruck auf der Stra\u00dfe und in unseren St\u00e4dten ist ihr eigentlich gar nicht so wichtig, sondern es geht ihr im Grunde nur darum den Einfluss der eigenen Organisation auszuweiten.<\/p>\n<p>Dass sich diese Stellungnahme nicht nur gegen uns, die internationale, kommunistische Jugendorganisation REVOLUTION richtet, sondern gegen alle sozialistischen und marxistischen Organisationen in G\u00e4nze und die FAU Dresden f\u00fcr den Aufbau einer breiten linken Bewegung nur mit anarchistischen Gruppen (bedingt) zusammenarbeiten w\u00fcrde, wird unter anderem durch folgende Zeilen ersichtlich:<\/p>\n<p>\u201eSelbst wenn die restlichen Kritikpunkte an Revo nicht geteilt werden oder aus der Welt geschafft werden, kann Revos Einstellung, vorbehaltslos mit allen anderen linken Organisationen zusammenzuarbeiten, ein echtes Problem werden: Revo ist potentielle B\u00fcndnispartnerin jeder vorstellbaren politischen Gruppierung, so lange sie sich als links oder sozialistisch begreift. Wenn Revo in Dresden w\u00e4chst und durch die emanzipatorische Bewegung Akzeptanz erf\u00e4hrt, k\u00f6nnte sie durch ihre Bereitschaft zu B\u00fcndnissen Einzelpersonen zur Aktionsf\u00e4higkeit und damit zum Aufbau von Organisationen verhelfen, die in Dresden sonst wohl keine Chance h\u00e4tten. [\u2026] Weniger offensichtlich mag die Gefahr sein, wenn es um handzahmer daherkommende Organisationen wie die DKP-Jugend SDAJ oder die DKP selbst geht. Nur weil diese Organisationen weniger aktionistisch und aggressiv daher kommen, sind sie nicht weniger problematisch. [\u2026] Stimmen wir Revos B\u00fcndnispolitik dadurch zu, dass wir die Organisation in unseren B\u00fcndnissen und R\u00e4umen akzeptieren, unterst\u00fctzen wir damit auch die potentielle \u00d6ffnung der radikalen und emanzipatorischen Bewegung Dresdens f\u00fcr Unterst\u00fctzer_innen solcher stalinistischer Parteien und autorit\u00e4ren Regime.\u201c<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt erscheint es uns als sehr widerspr\u00fcchlich, wenn die FAU Dresden behauptet, wir seien f\u00fcr den Aufbau einer breiten linken Bewegung sch\u00e4dlich, wenn sie ein paar S\u00e4tze weiter folgendes schreibt:<\/p>\n<p>\u201eRevo fordert immer wieder ein Zusammengehen aller linken Kr\u00e4fte. Wir halten das f\u00fcr eine problematische Sichtweise, da links ein undefinierter Kaugummibegriff ist, der ganz unterschiedliche Bewegungen betitelt, die als unvereinbar gelten d\u00fcrfen. So gibt es auch durchaus plausible Argumentationen, mit denen Anarchosyndikalist_innen diese Klassifizierung f\u00fcr sich insgesamt ablehnen. Es stellt sich also die Frage, wer ist links? Der sozialliberale Fl\u00fcgel der FDP? Anarchoprimitivist_innen, die eine menschenverachtende, darwinistische Utopie vertreten? Anh\u00e4nger_innen des Jugendwiderstandes, die mit dem F-Wort gegen Antifaschist_innen wettern und \u201eAntikommunist_innen t\u00f6ten, auch Linke!\u201c an die Wand kritzeln? Stalinos, die sich eine gute Position im aufzubauenden, totalit\u00e4ren Regime erhoffen? JuSos, die sich heute noch antifaschistisch geben, um morgen zum Wohle der deutschen Wirtschaft Waffenexporte an die Erdogan-Diktatur zu genehmigen? Wir meinen: Mit der Losung von einem Zusammengehen aller linken Kr\u00e4fte kommen wir schwerlich weiter, einfach weil auch unter dem Label \u201elinks\u201c so viel menschenverachtender oder von emanzipatorischen Anspr\u00fcchen befreiter M\u00fcll abgesondert wird, dass mensch diese Losung entweder selbst nicht ernst nimmt oder v\u00f6llig beliebig in der Wahl seiner potentiellen Partner_innen ist und damit auch unm\u00f6glich zielgerichtet f\u00fcr eine bessere Gesellschaftsordnung streiten kann.\u201c<\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund dieser Worte fragen wir uns ernsthaft, mit wem die FAU Dresden \u00fcberhaupt eine \u201ebreite linke Bewegung\u201c aufbauen m\u00f6chte, wenn doch alle anderen au\u00dfer sie selbst nicht links seien bzw. sie selbst diesen \u201eKaugummibegriff\u201c ablehnt? Ausschlie\u00dflich mit sich selbst? Dies w\u00fcrde zumindest ihre B\u00fcndnispolitik erkl\u00e4ren, doch dazu kommen wir sp\u00e4ter. Bei uns geht\u2019s beim \u201eLinkssein\u201c \u00fcbrigens nicht ums kaugummikauende Toddefinieren, sondern um linke Praxis, konkrete Forderungen und den Klassencharakter einer Organisation. Es ist also offensichtlich, dass die anarchosyndikalistische Gewerkschaft mit anderen linken Gruppen, die nicht wie sie in jedem zweiten Satz wahllos die Worte \u201elibert\u00e4r\u201c, \u201eanarchistisch\u201c oder \u201eemanzipatorisch\u201c verbauen, nichts zu tun haben will. Es scheint ihr auch kein Bed\u00fcrfnis zu sein, dem gesellschaftlichen Rechtsruck und den immer offener auftretenden, organisierten faschistischen Kr\u00e4ften eine m\u00f6glichst breite linke Bewegung entgegenzusetzen, auch wenn sie selbst den Aufbau einer solchen an einer Stelle in ihrem Text propagiert. An anderer Stelle hei\u00dft es wiederum:<\/p>\n<p>\u201eIn der Einheitsfront dagegen sind die unterschiedlichen Ziele schon mittelfristig eine potentielle, gegenseitige Bedrohung. So m\u00fcssen prokapitalistische (bspw. sozialdemokratische) B\u00fcndnispartner_innen eine Popularisierung der revolution\u00e4ren Programme von Anarchist_innen und Kommunist_innen f\u00fcrchten. Anarchist_innen wiederum m\u00fcssen f\u00fcrchten, dass die Gl\u00e4ubigkeit an Parteien, Zentralismus, Linkspopulismus und Befehlshierarchien mit der Normalisierung von orthodox kommunistischen Parteien in der linksradikalen Bewegung wieder salonf\u00e4hig werden und damit Erfahrungsprozesse der Bewegung zunichte gemacht werden. Ebenso m\u00fcssen die Beteiligten f\u00fcrchten, dass das Paktieren mit eigentlich politischen Gegner_innen die eigenen Sympathisant_innen verschreckt, weil eine Totalopposition so nicht mehr glaubhaft ist. [\u2026] Durch eine Einheitsfront kann mensch daher auch Kr\u00e4fte verlieren, gerade wenn bereits ein tiefes Misstrauen gegen \u201edie Linke\u201c in der Bev\u00f6lkerung vorherrscht und ihre verschiedenen Str\u00f6mungen nicht mehr als Vertreter_innen grundverschiedener Konzepte wahrgenommen werden, sondern nur noch als unterschiedliche Gesichter des immer gleichen Prinzips korrupter, auf das eigene Privileg bedachter Funktion\u00e4r_innenb\u00fcrokratie. Die Einheitsfront kann maximal eine tempor\u00e4re B\u00fcndelung der Kr\u00e4fte und gegebenenfalls noch eine Umverteilung innerhalb der Einzelkr\u00e4fte bewirken. \u00dcber die schon in der Einheitsfront Organisierten hinaus zu wirken ist dagegen schwierig, da die Einheitsfront in ihrer Widerspr\u00fcchlichkeit f\u00fcr kein wirkliches Konzept stehen kann.\u201c Hier wird die vorherige Propagierung einer breiten linken Bewegung zur Farce und es wird sowohl deutlich, wie wenig Interesse die Anarchosyndikalist_Innen tats\u00e4chlich am Aufbau einer solchen Bewegung haben, als auch, dass die FAU Dresden keine Vorstellung davon hat, wie eine Aktionseinheit auf der Grundlage demokratischer Entscheidungen aller Beteiligten aussehen kann. Wenn es tats\u00e4chlich die Auffassung der Mehrheit der Mitglieder der FAU ist, dass es in Dresden keine Einheitsfront gegen den Rechtsruck und keine Zusammenarbeit von linken Organisationen und allen Kr\u00e4ften der Arbeiter_Innenbewegung braucht, dann fragen wir uns, weshalb sie trotzdem ein offenes (!) B\u00fcndnis zur Vorbereitung eines Bildungsstreiks initiierten. Unserer Auffassung nach ist ein B\u00fcndnis auch immer eine Form linker Einheit, in dem demokratisch f\u00fcr Mehrheiten um die Ausrichtung und Inhalte dieses B\u00fcndnisses gestritten wird. Ein solches B\u00fcndnis bzw. eine solche Aktionseinheit sollte in der Aktion geschlossen und gemeinsam, also als Einheit, auftreten. \u00dcber die richtigen Inhalte, Taktiken, Aktionen, aber auch \u00fcber Differenzen muss offen diskutiert werden. Alle beteiligten Gruppen sollten das Recht haben, Antr\u00e4ge zu stellen, Kritik offen zu \u00e4u\u00dfern und auch eigene Materialien, Veranstaltungen und Inhalte zu verbreiten. Selbstverst\u00e4ndlich kritisieren wir in der Aktionseinheit mit reformistischen Parteien, wie der SPD und der Partei DIE LINKE, diese auch bspw. f\u00fcr ihre Mitverantwortung f\u00fcr die Versch\u00e4rfung\u00a0der Asylgesetze und die rassistischen Abschiebungen, wie zuletzt am 1. September in Chemnitz geschehen. Wir sind davon \u00fcberzeugt, dass es falsch w\u00e4re, unsere Kritik zugunsten einer harmonischen Zusammenarbeit zu verheimlichen. Und nat\u00fcrlich freuen wir uns \u00fcber jede_n Sozialdemokrat_In, die\/der aufgrund unserer Kritik der eigenen Partei den R\u00fccken zukehrt und sich fortan revolution\u00e4r organisiert.<\/p>\n<p>Andersherum w\u00fcrden wir es f\u00fcr einen politischen Fehler halten, nur aufgrund unserer Kritik und bestehender Differenzen nicht mit anderen Arbeiter_Innenparteien und linken Gruppen zusammenzuarbeiten.<\/p>\n<p>In Aktionseinheiten\/B\u00fcndnissen besteht die M\u00f6glichkeit, das eigene Programm und die eigenen Inhalte in der Praxis anzuwenden und zu \u00fcberpr\u00fcfen. Im besten Fall setzen sich auf Grundlage demokratischer Abstimmungen die besseren Argumente und Inhalte durch und aufgrund eines gemeinsam beschlossenen Konsenses lassen sich gemeinsame Ziele erreichen. G\u00e4be es keine Gemeinsamkeiten, keinen gemeinsamen Gegner, kein gemeinsames Ziel \u2013 dann k\u00e4me auch kein Minimalkonsens zustande.<\/p>\n<p>Uns wird vorgeworfen, wir w\u00fcrden uns einen Platz in B\u00fcndnissen \u201eerpressen\u201c, diese kapern und gleichzeitig diffamieren. Au\u00dferdem w\u00fcrden wir bestehende B\u00fcndnisse, in denen wir mitarbeiten, als Tarn- oder Vorfeldstrukturen, als \u201eSchutzschilde\u201c missbrauchen. Diese Behauptungen weisen wir entschieden zur\u00fcck. Seitdem wir in Dresden aktiv sind haben wir kein einziges B\u00fcndnis gekapert und wir haben auch nie versucht, uns einen Platz in irgendeinem B\u00fcndnis \u201emal zu erschleichen, mal zu erbetteln, mal zu erpressen\u201c, wie es die FAU behauptet. Was wir tats\u00e4chlich getan haben und auch weiterhin tun werden, ist uns in linken, offenen B\u00fcndnissen mit einzubringen, unsere Inhalte und Ideen dort zu verbreiten und am Aufbau einer linken Bewegung zu beteiligen, und dies lassen wir uns auch nicht von irgendwelchen F\u00fchrungskadern selbsternannter antiautorit\u00e4rer Gruppen verbieten. Wir haben seit jeher demokratische Entscheidungen akzeptiert und respektiert. Wir haben den Rauswurf aus dem B\u00fcndnis \u201eSolidarity without Limits\u201c zur Vorbereitung der Proteste gegen den europaweiten \u201eFestung Europa\u201c-Aktionstag von PEGIDA zwar kritisiert, aber niemanden erpresst oder gezwungen, weiterhin mit uns zusammenzuarbeiten. Nachdem die FAU Dresden deutlich machte, dass Sie mit uns unter keinen Umst\u00e4nden zusammenarbeiten m\u00f6chte, haben wir im \u201ekritischen Bildungsb\u00fcndnis Dresden\u201c auf eine Entscheidung des gesamten B\u00fcndnisses \u00fcber unseren Verbleib bestanden. Wir haben den Ausschluss aus diesem B\u00fcndnis zwar ebenfalls kritisiert, aber den demokratischen Beschluss hier\u00fcber akzeptiert. Wenn Kritik unsererseits an einer mangelnden Bereitschaft der im Bildungsb\u00fcndnis aktiven Anarchosyndikalist_Innen zur Mobilisierung vor den Schulen als Diffamierung des B\u00fcndnisses aufgefasst wird, zeugt dies nur von der fehlenden F\u00e4higkeit zur Selbstkritik bei diesen Aktivist_Innen und spricht B\u00e4nde \u00fcber deren Verst\u00e4ndnis von B\u00fcndnisarbeit (FAU = kritisches Bildungsb\u00fcndnis, oder wie?). Wir haben selbst in der Anfangszeit der Entstehung unserer Ortsgruppe ein antirassistisches Jugendb\u00fcndnis initiiert, in welchem wir, wie in allen anderen B\u00fcndnissen auch, offen als REVOLUTION auftraten und uns gleichberechtigt neben anderen Gruppen und Einzelpersonen mit einbrachten. Wir haben in diesem Jugendb\u00fcndnis, nachdem dieses von anderen sogenannten Linken immer wieder f\u00fcr die Zusammenarbeit mit uns kritisiert und diffamiert wurde, mehrmals unsere Mitarbeit darin zur Abstimmung gestellt. Jede_r ehrliche Mitstreiter_In in diesem B\u00fcndnis wird dies best\u00e4tigen k\u00f6nnen. Vielleicht sollten die f\u00fcr das Schreiben der Stellungnahme Verantwortlichen, vorlauten F\u00fchrungskader der FAU Dresden einfach mal das Gespr\u00e4ch mit anderen Beteiligten des damaligen Jugendb\u00fcndnisses suchen. In der Stellungnahme selbst wird deren Vers\u00e4umnis, nie das Gespr\u00e4ch mit anderen Beteiligten gesucht zu haben, durchaus einger\u00e4umt. H\u00e4tten die Autor_Innen des FAU-Textes versucht dies vor ihrer Schreibwut nachzuholen, dann w\u00e4re ihnen diese Peinlichkeit, haarstr\u00e4ubende Ger\u00fcchte und haltlose Diffamierungen \u00fcber uns zu verbreiten, erspart geblieben. Im Gegensatz zur FAU haben wir auch nie versucht, irgendwelche Verbote oder Positionen ganzen B\u00fcndnissen undemokratisch, also ohne Abstimmung, \u00fcberzust\u00fclpen. Doch die Vehemenz, mit der die anarchosyndikalistischen Aktivist_Innen in B\u00fcndnissen gegen unsere Beteiligung vorgehen, die Diffamierungen, Verbote und \u00dcbergriffe (Versuch eines FAU-Mitglieds, eine unserer Fahnen zu entwenden), machen deutlich, was diese mit ihrer B\u00fcndnisarbeit beabsichtigen: ihnen geht es nicht um den Aufbau einer m\u00f6glichst breiten, linken Bewegung, sondern einzig um den Aufbau der eigenen Organisation. Zu diesem Zweck werden Andersdenkende hinausgedr\u00e4ngt, um sich selbst m\u00f6glichst gro\u00dfen Einfluss auf unorganisierte Einzelpersonen oder schwankende Gruppen zu verschaffen. Wir w\u00fcrden niemals auf die Idee kommen, trotz aller durchaus bestehenden Differenzen, andere anarchistische Organisationen aus B\u00fcndnissen auszuschlie\u00dfen. Es dr\u00e4ngt sich also die Frage auf, wer hier tats\u00e4chlich Vorfeldstrukturen aufbaut. Wir sind es jedenfalls nicht. Im Gegenteil, unser Eintreten f\u00fcr Aktionsb\u00fcndnisse aller linken und Arbeiter_Innenorganisationen ist, wie auch die FAU wei\u00df, ernst gemeint. Der Grund daf\u00fcr ist einfach. Um bestimmte Ziele \u00fcberhaupt erreichen zu k\u00f6nnen (z.B. eine Lohnerh\u00f6hung bei einem Streik, eine antifaschistische Bewegung, die die Rechten wirklich schlagen kann, \u2026) m\u00fcssen wir versuchen, alle Kr\u00e4fte einzubinden, die unter den gegebenen Verh\u00e4ltnissen auch wirklich diese Ziele erreichen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>So brauchen wir bei einem Schulstreik klare Forderungen, die den Sch\u00fcler_Innen deutlich machen, wof\u00fcr sie \u00fcberhaupt auf die Stra\u00dfe gehen sollen und eine Konfrontation mit Schulleitungen oder Beh\u00f6rden eingehen. Eine solche Aktion kann also nur erfolgreich sein, wenn wir dazu auch aktive Sch\u00fcler_Innen und Sch\u00fcler_Innenvertretungen und linke Jugendorganisationen (also z.B. auch SDAJ, Gewerkschaftsjugenden, Solid, Jusos) zur Aktivit\u00e4t auffordern, an und vor den Schulen mobilisieren, uns um die Unterst\u00fctzung und Zusammenarbeit mit fortschrittlichen Lehrer_Innen und der GEW bem\u00fchen. Ansonsten ist der Schulstreik kein Schulstreik, sondern eine rein symbolische Aktion, eine Propagandaveranstaltung einer M\u00f6chtegern-Gewerkschaft wie der FAU, die in Wirklichkeit nur eine linke Gruppe unter anderen ist.<\/p>\n<p>Noch deutlicher wird das, wenn wir den Rechtsruck in Sachsen und PEGIDA, faschistische Organisationen, ihre Verb\u00fcndeten in der AfD usw. bek\u00e4mpfen wollen. Dazu brauchen wir Masse, Militanz und Organisiertheit. Die Rechten k\u00f6nnen Tausende oder gar Zehntausende mobilisieren, verf\u00fcgen \u00fcber landesweite Strukturen und beherrschen ganze Regionen. Sie sind mittlerweile (nicht nur) in Sachsen so stark, dass wir sie nur erfolgreich bek\u00e4mpfen k\u00f6nnen, wenn wir die Mitglieder und Anh\u00e4nger_Innen der Gewerkschaften, der Linkspartei, ja auch der SPD f\u00fcr den Kampf gewinnen. Wenn \u201ewir\u201c \u2013 also die heterogene \u201eradikale\u201c Linke \u2013 das nicht schaffen, dann werden wir verlieren.<\/p>\n<p>Zweifellos ziehen es die F\u00fchrungen der Gewerkschaften, der SPD und der Linkspartei vor, keine Aktionseinheit mit der radikalen Linke zu bilden. Sie wollen nicht k\u00e4mpfen, sondern ziehen Appelle an den Staat und rein pazifistische Versammlungen abseits von rechten Aufz\u00fcgen in der Regel vor. Sie arbeiten an der eigenen Niederlage. Dummerweise w\u00e4re diese Niederlage aber auch eine der gesamten Arbeiter_Innenklasse, der Migrant_Innen, Gefl\u00fcchteten, der Linken. Daher m\u00fcssen wir Forderungen an diese Massenorganisationen richten \u2013 ihre Mitglieder wie ihre Basis. Wenn also der DGB und damit die SPD und die Linkspartei einen Gro\u00dfteil der bewusstesten Teile der Arbeiter_Innenklasse in der BRD organisieren, kommen wir nicht an diesen Organisationen vorbei, wenn wir sie f\u00fcr eine linke Bewegung gewinnen wollen. Und das funktioniert dann am besten, wenn man nicht mit dem Zeigefinger wackelnd danebensteht, sondern innerhalb der gemeinsamen Aktion f\u00fcr konkrete Forderungen wirbt. Die \u201eradikale Linke\u201c in Sachsen k\u00f6nnte hierbei ein Faktor sein, wenn sie gemeinsam Druck in diese Richtung aufbaut und vor Ort solche B\u00fcndnisse und Aktionen initiiert.<\/p>\n<p>Die FAU lehnt dies offenbar kategorisch ab. Sie f\u00fcrchtet, sie k\u00f6nnte dabei Mitglieder verlieren usw. Diese sektiererische Haltung offenbart nicht nur geringes Vertrauen in die eigene Politik, sie spielt in Wirklichkeit auch den reformistischen F\u00fchrungen in die H\u00e4nde, die ihren Mitgliedern erst gar nicht erkl\u00e4ren m\u00fcssen, warum diese Organisationen nicht gemeinsam mit Kommunist_Innen, Anarchist_Innen und Autonomen gegen die Nazis k\u00e4mpfen sollen. Sie k\u00f6nnen hier vielmehr darauf verweisen, dass Leute vom Schlage der FAU-Theoretiker_Innen ohnedies jede Einheitsfront ablehnen. Damit werden die ung\u00fcnstigen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse in der Arbeiter_Innenbewegung leider nicht in Frage gestellt, k\u00f6nnen Linke in der Aktion nicht in Kontakt zu linken Arbeiter_Innen und Gewerkschafter_Innen treten \u2013 und sie werden auch sehr viel schwerer Geh\u00f6r f\u00fcr ihre Kritik am Reformismus und der b\u00fcrgerlichen Politik von SPD und Linkspartei finden.<\/p>\n<p>Vor allem aber werden die faschistischen Kr\u00e4fte und die AfD davon profitieren. Wer nicht daf\u00fcr k\u00e4mpft, die notwendigen Aktionsb\u00fcndnisse aufzubauen, um die Rechten zu schlagen, bereitet allenfalls die kommende Niederlage vor.<\/p>\n<p><strong>Kein argumentativer Austausch?<\/strong><\/p>\n<p>Die FAU behauptet, M\u00f6glichkeiten zum argumentativen Austausch seien von uns nicht wahrgenommen worden, w\u00e4hrend sie an anderer Stelle das genaue Gegenteil schreibt:<\/p>\n<p>\u201eFaktisch gab es aber mehrere M\u00f6glichkeiten zum argumentativen Austausch. So fand nach \u00fcbereinstimmenden Aussagen mehrerer Aktivist_innen ein mehrst\u00fcndiges Gespr\u00e4ch mit Revo statt, als es um die Versagung von R\u00e4umlichkeiten f\u00fcr die Gruppe in der Dresdner Neustadt ging. Auch die\u201e\u2026ums Ganze!\u201c-F\u00f6deration critique\u2019n\u2019act aus Dresden hatte sich mit einem umfassenden, gemeinsamen Treffen mit Revo auseinandergesetzt.\u201c Was denn nun? Wurden M\u00f6glichkeiten, \u00fcber inhaltliche Differenzen zu diskutieren nun wahrgenommen, oder nicht? Unserer Auffassung nach gab es tats\u00e4chlich einige Diskussionen zwischen uns und anderen linken Gruppen \u2013 jedoch in den allermeisten F\u00e4llen ausschlie\u00dflich im Zusammenhang mit erfolgten Ausschl\u00fcssen und anderen technischen Angriffen uns gegen\u00fcber (u.a. Verbote f\u00fcr uns, offen aufzutreten; verteilen von diffamierenden Flyern auf unseren Aktionen). Wir haben uns das Recht herausgenommen, diese \u00f6ffentlich zu kritisieren und werden dies gerade aufgrund der Notwendigkeit des Aufbaus einer linken Aktionseinheit hier in Sachsen auch zuk\u00fcnftig immer wieder tun. Wir h\u00e4tten uns im Vorhinein, bevor wir mit dem an den Haaren herbeigezogenen Vorwurf des Antisemitismus und anderen Diffamierungen zur Isolation unserer Gruppe konfrontiert wurden, den argumentativen Austausch und die M\u00f6glichkeit, unsere tats\u00e4chlichen Positionen unverf\u00e4lscht darzustellen, gew\u00fcnscht. Wir halten es f\u00fcr wichtig zu erw\u00e4hnen, dass bis heute viele Gespr\u00e4che zwischen einzelnen Mitgliedern der FAU und unserer Organisation zur Kl\u00e4rung der Differenzen stattgefunden haben. Bei all diesen Diskussionen hatten wir stets das Gef\u00fchl, bestehende Vorurteile abbauen zu k\u00f6nnen und unsere Positionen verst\u00e4ndlich erkl\u00e4rt zu haben. Wir bekamen oft das Feedback, dass unsere Positionen ja doch gar nicht so schlimm und nachvollziehbar seien, nachdem wir diese erkl\u00e4rt hatten. Dass immer noch st\u00e4ndig die gleichen Vorw\u00fcrfe wiederholt werden \u2013 trotz der stattgefundenen Diskussionen \u2013 hinterl\u00e4sst bei uns den Eindruck, dass es gar nicht so sehr um unsere politischen Inhalte geht, sondern darum, dass wir als unabh\u00e4ngige, revolution\u00e4re Jugendorganisation als Konkurrenz zur FAU wahrgenommen werden. Die Tatsache, dass sich die Genoss_Innen der FAU die Zeit nehmen, 35 Seiten \u00fcber uns zu schreiben, best\u00e4tigt diesen Verdacht. Wir haben mit unserer Politik in den letzten drei Jahren also scheinbar alles richtig gemacht, wenn unser konsequentes Arbeiten gegen den Rechtsruck und f\u00fcr eine kommunistische und internationalistische Perspektive als politische Konkurrenz wahrgenommen wird.<\/p>\n<p><strong>Marxismus vs. Anarchismus<\/strong><\/p>\n<p>Die FAU Dresden hat sich die M\u00fche gemacht, unser (altes) Programm zu lesen und die Differenzen zwischen ihrer anarchosyndikalistischen Konzeption und unserem marxistischen Programm als so weitreichend empfunden, dass sie diese als weiteren Grund f\u00fcr ihr Spaltungsbed\u00fcrfnis nennt. Die Kritik bezieht sich im Kern darauf, dass wir f\u00fcr den Aufbau einer revolution\u00e4ren Arbeiter_Innenpartei eintreten, die nach dem Konzept des demokratischen Zentralismus strukturiert ist sowie auf unsere Position, dass es nach einer erfolgreichen Revolution gegen den Kapitalismus einen proletarischen Halbstaat braucht. Diesen braucht es deshalb, weil wir davon \u00fcberzeugt sind, dass die Herrschenden nicht einfach aufgeben werden, sondern danach streben werden die Revolution r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen. Ein solcher Halbstaat verteidigt die Klassenherrschaft der ehemals unterdr\u00fcckten Arbeiter_Innen gegen reaktion\u00e4re Kr\u00e4fte, die soziale Fortschritte wieder r\u00fcckg\u00e4ngig machen wollen, und repr\u00e4sentiert die Interessen der Mehrheit der Menschen. Da er als einziger Staat die M\u00f6glichkeit zum Absterben in sich tr\u00e4gt, bezeichnen wir ihn als Halbstaat. Obwohl die FAU Dresden unser Programm gelesen hat, behauptet sie, wir w\u00fcrden die Notwendigkeit einer revolution\u00e4ren Partei und des proletarischen Halbstaates nicht begr\u00fcnden. Au\u00dferdem kritisiert sie uns daf\u00fcr, dass wir die komplette Wirtschaft zur Zerschlagung des kapitalistischen Systems und zur \u00dcberf\u00fchrung der Produktionsmittel unter der demokratischen Kontrolle und Verwaltung durch die Arbeiter_Innen verstaatlichen wollen. Erwischt: wir wollen in der Tat das Privateigentum an den Produktionsmitteln aufheben und anstelle der kapitalistischen, nur auf den Profit ausgerichteten Privat\u00f6konomie eine bed\u00fcrfnisorientierte, durch die Arbeiter_Innenr\u00e4te kontrollierte Planwirtschaft einf\u00fchren. Diese Kritik vonseiten der FAU nehmen wir als ein Gest\u00e4ndnis wahr, dass sie keinerlei Vorstellung davon hat, wie der Kapitalismus durch die Arbeiter_Innenklasse selbst \u00fcberwunden werden kann.<\/p>\n<p>Doch wirklich abstrus wird es, wenn uns von Anarchist_Innen vorgeworfen wird, WIR seien in Wahrheit Idealist_Innen. So schreibt die FAU in ihrer Stellungnahme:<\/p>\n<p>\u201eDas Problem, das hier und an anderen Stellen durchscheint, ist Revos idealistische Argumentationsweise. Es wird angenommen, dass die Macht eines Staates nicht ausgeweitet und missbraucht wird, weil sie als revolution\u00e4re Bewegung das von Anfang an so postuliert h\u00e4tten.\u201c Wirklich traurig macht uns in dieser Aussage vor allem die Tatsache, dass hier soziale Eigenschaften von Menschen, die in kapitalistischen Gesellschaften sozialisiert wurden und deren Machtstrukturen tagt\u00e4glich erfahren m\u00fcssen, naturalisiert werden. Dass Menschen in kapitalistischen Staaten oft egoistisch handeln, gew\u00e4hlte Mandate missbrauchen und nach Macht eifern liegt n\u00e4mlich nicht an ihrer b\u00f6sen Natur, liebe FAU-Kader, und kann deshalb nicht als human-biologisches Dogma auf einen sozialistischen Staat \u00fcbertragen werden. Vielmehr schafft die Erfahrung des emanzipatorischen Kampfes, der kollektiven Aktion, der Selbstorganisation und der sozialistischen Demokratie ein neues Bewusstsein, welches dem Bewusstsein im Kapitalismus keineswegs gleichgestellt werden kann. Diese Annahme ist dabei nicht idealistisch, denn \u2013 kurze Marx-Nachhilfestunde \u2013 das gesellschaftliche Sein der Menschen bestimmt vielmehr ihr Bewusstsein! Dar\u00fcber hinaus scheinen die Personen, die unser Programm gelesen haben, die Sache mit den R\u00e4ten und der Verteidigung des proletarischen Halbstaates gegen die B\u00fcrokratisierung, leider nicht ganz verstanden zu haben. Deshalb hier nochmal die betreffende Stelle: \u201eDie R\u00e4te sollen Orte der offensten Arbeiter_Innendemokratie sein, hier soll die freiste Diskussion bei kollektiver Aktion gelten. Hier muss der Kampf um ein revolution\u00e4res Programm Gradmesser der Entwicklung des Bewusstseins in der Klasse sein. F\u00fcr uns stellt dieses R\u00e4tesystem die Keimform des Arbeiter_Innenstaates dar, die Herrschaft der absoluten Mehrheit der Weltgesellschaft \u00fcber die Minderheit jener die aktuell an der Spitze dieses Systems stehen. Ihnen haben wir keine neuen Verbesserungen zu bieten, dem absoluten Gro\u00dfteil der Welt schon. Der r\u00e4tedemokratische Halbstaat muss also die Herrschaft der Mehrheit gegen die Interessen der b\u00fcrgerlichen Minderheit sein, auch Diktatur des Proletariats genannt. Er muss die konterrevolution\u00e4ren Kr\u00e4fte, wenn notwendig auch mit Gewalt, nieder halten. Ziel dieses Staates muss aber auch immer das Absterben seiner selbst sein, im \u00dcbergang zu einer befreiten Gesellschaft von Gleichen, in der jeder Mensch nach den jeweiligen F\u00e4higkeiten und Bed\u00fcrfnissen leben kann. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir aufs sch\u00e4rfste die Entstehung einer neuen privilegierten Kaste, einer B\u00fcrokratie, bek\u00e4mpfen. Deshalb setzen wir uns bereits im Hier und Jetzt f\u00fcr die W\u00e4hl- und Abw\u00e4hlbarkeit der Delegierten, den Arbeiter_innendurchschnittslohn f\u00fcr sie, volle Rechenschaftspflicht und ein verpflichtendes Rotationsprinzip ein. Die momentane Revolutionierung der Medientechnik, wie durch das Internet, ist f\u00fcr eine solche Arbeiter_innendemokratie ein riesiges Hilfsmittel, kann aber demokratische Diskussionen und Massenversammlungen nie vollst\u00e4ndig ersetzen. Solange nicht global das kapitalistische System gest\u00fcrzt ist, k\u00f6nnen die materiellen Voraussetzungen f\u00fcr das Absterben des Staates nicht vollkommen vollzogen werden. Die Abl\u00f6sung des proletarischen Halbstaates durch den Sozialismus (die \u00dcbergangsgesellschaft zum Kommunismus) kann deshalb nur im internationalen Rahmen vollzogen werden.\u201c<\/p>\n<p>Anarchist_Innen sind der Meinung, dass Parteien an sich bereits autorit\u00e4r seien und ein Instrument w\u00e4ren, um die Herrschaft einer kleinen Minderheit \u00fcber die gesamte Klasse zu manifestieren. Einmal abgesehen davon, dass es auch in der Vergangenheit anarchistische Organisationen gab, die sich nur dem Namen nach von Parteien unterschieden (wie die FAI in Spanien), gehen wir davon aus, dass zur Eroberung der Macht die fortschrittlichsten Teile der Arbeiter_Innenklasse\u00a0in einer Partei organisiert sein\u00a0m\u00fcssen, um\u00a0das gesamte Proletariat f\u00fcr den\u00a0Kommunismus\u00a0zu gewinnen. Ein spontanes, massenhaftes Entstehen von\u00a0kommunistischem Bewusstsein ist\u00a0in einer Gesellschaft,\u00a0die ideologisch von der Bourgeoisie beherrscht wird, nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Dass sich in der Geschichte der \u201erealsozialistischen Staaten\u201c das stalinistische Modell der Herrschaft einer elit\u00e4ren, b\u00fcrokratischen Parteikaste \u00fcber das Proletariat durchsetzen konnte, liegt nicht an der Existenz revolution\u00e4rer Arbeiter_Innenparteien selbst. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr, dass sich Jahre nach der sozialistischen Oktoberrevolution 1917 in Russland erstmals eine solche b\u00fcrokratische Parteienclique anstelle einer Arbeiter_Innendemokratie durchsetzen konnte, sind vor allem:<\/p>\n<p>Die Isolation des ersten Arbeiter_Innenstaates infolge der durch den Verrat der Sozialdemokratie gescheiterten Revolutionsversuche in Europa (Deutschland, \u00d6sterreich, Ungarn, Finnland, Italien\u2026)<\/p>\n<p>Der bis 1922 andauernde B\u00fcrger_Innenkrieg in Russland, in dem gut ein Dutzend anderer Staaten milit\u00e4risch zusammen mit anderen konterrevolution\u00e4ren Kr\u00e4ften gegen die revolution\u00e4re R\u00e4temacht vorgingen. Durch die infolge des Welt- und B\u00fcrger_Innenkrieges wirtschaftlich miserable Lage und dem damit einhergehenden Bruch des B\u00fcndnisses zwischen B\u00e4uer_Innen- und Arbeiter_Innenklasse war letztere derartig geschw\u00e4cht, dass sie den Aufstieg einer b\u00fcrokratischen Schicht nicht verhindern konnte.<\/p>\n<p>Dadurch, dass infolge der Niederlage der sozialistischen Revolutionen in den entwickelten, kapitalistischen L\u00e4ndern Russland isoliert blieb und die Arbeiter_Innen in dem damals noch halbfeudalen Land gerade mal 10% der Bev\u00f6lkerung ausmachten, waren die materiellen Bedingungen f\u00fcr die Entwicklung einer sozialistischen Arbeiter_Innendemokratie nicht gegeben. Letztlich setzten sich auch in anderen L\u00e4ndern (China, Vietnam, Osteuropa, Kuba, Nordkorea) Regime durch, die nach dem Vorbild der stalinistischen Sowjetunion aufgebaut waren. Statt einer notwendigen politischen Revolution gegen die herrschende Kaste zur tats\u00e4chlichen \u00dcberf\u00fchrung des gesamten Staates mitsamt seiner Produktionsmittel in die H\u00e4nde der Arbeiter_Innen selbst, kam es in den meisten degenerierten Arbeiter_Innenstaaten zur Restaurierung des Kapitalismus. In unserem aktuellen Programm ziehen wir deshalb folgende Lehren, um zuk\u00fcnftig zu verhindern, dass \u201esich Geschichte wiederholt\u201c. Diese sind, \u201edass wir gegen jegliche Privilegien f\u00fcr Partei- und Staatsbedienstete eintreten m\u00fcssen. Alle Funktion\u00e4r_Innen d\u00fcrfen nicht mehr als das Durchschnittsgehalt von Facharbeiter_Innen bekommen. Die Beamt_Innenschaft darf nicht institutionalisiert werden, sondern muss stetigen personellen Wechsel unterworfen sein. Alle Funktion\u00e4r_Innen m\u00fcssen der Transparenz verpflichtet und jederzeit w\u00e4hl- und abw\u00e4hlbar sein. Die Struktur der R\u00e4tedemokratie h\u00e4tte im Kampf mit der alten B\u00fcrokratie neu aufgebaut werden m\u00fcssen. Auch die Wirtschaftsplanung, im Stalinismus von einer abgehobenen Technokrat_Innenschicht \u00fcbernommen, h\u00e4tte unter die demokratische Kontrolle durch Produzent_Innen und Konsument_Innen gestellt werden m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p>Oft gibt\u00a0es bei Anarchist_Innen eine absolute Ablehnung jeglicher Form von\u00a0Autorit\u00e4t\u00a0und F\u00fchrung. Dabei werden anstelle von demokratisch gew\u00e4hlten und\u00a0rechenschaftspflichtigen Leitungen lieber undemokratische und intransparente\u00a0Cliquen, die die Politik anleiten, zugelassen. Diese Ablehnung von\u00a0Demokratie\u00a0f\u00fchrt auch\u00a0dazu, dass\u00a0die lautesten, selbstbewusstesten, meistens m\u00e4nnlich-sozialisierten, sowie die Aktivist_Innen mit der meisten\u00a0Zeit am meisten Kontrolle \u00fcber die Bewegung oder Organisation haben und somit zur informellen F\u00fchrung werden. Fragt sich, welches Modell hier wohl insgeheim das eigentlich autorit\u00e4rere ist\u2026<\/p>\n<p><strong>Israel, BDS und Hamas<\/strong><\/p>\n<p>Wie weiter oben schon erw\u00e4hnt konnte die FAU Dresden es nicht lassen, in den verleumderischen Chor der prozionistischen Kr\u00e4fte mit einzustimmen und unterstellt uns wegen unserer sozialistischen und propal\u00e4stinensischen Position in Bezug auf den Nahostkonflikt einen \u201elatenten Antisemitismus\u201c. Dieser Vorwurf wird damit begr\u00fcndet, wir w\u00fcrden die BDS-Bewegung unterst\u00fctzen, welcher wiederum unterstellt wird, sie w\u00fcrde mit der Hamas kooperieren. W\u00f6rtlich behauptet die anarchosyndikalistische Gewerkschaft:<\/p>\n<p>\u201eDa Revo bekennt, die antisemitische, ultra-sexistische und islamfaschistische Hamas dabei als B\u00fcndnispartner zu tolerieren, muss sie sich gefallen lassen, dass wir der Organisation selbst einen latenten Antisemitismus unterstellen.\u201c Diesen \u201elatenten Antisemitismus\u201c kann die FAU dann doch bitte auch gleich vielen ihrer internationalen anarchosyndikalistischen Schwesterorganisationen vorwerfen, die BDS offen unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Es ist \u00fcberhaupt erstaunlich, was sich die Autor_Innen der Stellungnahme alles zusammendichten. Weil unsere Genoss_Innen in Berlin kritisch-solidarisch mit BDS-Aktivist_Innen zusammenarbeiten, gemeinsame Veranstaltungen durchf\u00fchren und diese gegen unwissenschaftliche Antisemitismusvorw\u00fcrfe verteidigen, wird unterstellt, wir w\u00fcrden die Hamas als B\u00fcndnispartner tolerieren, und das obwohl die Autor_Innen ein paar S\u00e4tze weiter selbst zugeben, dass die Zusammenarbeit zwischen BDS und Hamas nicht belegbar ist: \u201eEiner der offensichtlichsten Gr\u00fcnde, eine Zusammenarbeit mit BDS abzulehnen, ist unserer Meinung nach die tragende Mitgliedschaft des \u201eCouncil of National and Islamic Forces in Palestine\u201c im pal\u00e4stinensischen Koordinierungskomitee \u201ePalestinian BDS National Committee\u201c (BNC). Die naheliegende (wenn auch mit \u00f6ffentlich verf\u00fcgbaren Quellen nicht beweisbare) Vermutung, dass das Council identisch ist mit den fast namensidentischen \u201ePalestinian National and Islamic Forces\u201c, impliziert eine Verbindung mit u. a. Hamas, Fatah und PFLP. Auch wenn die Hamas im BDS somit nicht offensichtlich als Akteur auftritt, ist ihre offene Bef\u00fcrwortung des BDS f\u00fcr uns Grund genug, mehr als skeptisch zu werden.\u201c Fassen wir also nochmal zusammen: Eine Verbindung zwischen Hamas und BDS ist nicht nachweisbar, die Bef\u00fcrwortung der Boykottbewegung durch die Hamas sei aber Grund genug, BDS eine Verbindung zu ebendieser zu unterstellen und weil wir als Jugendorganisation mit deren Aktivist_Innen auch schonmal zusammengearbeitet haben, w\u00fcrden wir insgeheim die Hamas als B\u00fcndnispartner tolerieren. Eine so krude Logik allein zum Zweck der Diffamierung unserer Gruppe zu konstruieren, ist schon ein ziemliches Armutszeugnis. Der Grund warum wir partiell und auf kritisch-solidarische Weise mit BDS-Aktivist_Innen in Berlin zusammengearbeitet haben ist \u00fcbrigens derselbe, warum wir auch in Dresden mit der FAU zusammenarbeiten w\u00fcrden. Weiterhin wird die BDS-Bewegung selbst daf\u00fcr kritisiert, der israelischen Wirtschaft zu schaden. Und das, obwohl die FAU Dresden selbst folgendes in der Stellungnahme betont:<\/p>\n<p>\u201eWir stellen au\u00dferdem voran, dass wir Israel nat\u00fcrlich als einen kapitalistischen, rassistischen und patriarchal gepr\u00e4gten Staat begreifen, zumal dieser seit 2009 auch noch rechtskonservativ regiert wird.\u201c Die anarchosyndikalistische Gewerkschaft bezieht sich immer wieder, auch in dem Text zu uns, positiv auf Streiks, Besetzungen und sogar Sabotage in Betrieben. Inwiefern diese Mittel, wenn sie denn in Israel genauso angewandt werden sollen wie in anderen kapitalistischen Staaten auch, der Wirtschaft keinen Schaden zuf\u00fcgen sollen, ist uns ein R\u00e4tsel. \u00dcberhaupt d\u00fcrfte die FAU nach dieser Logik niemals zu Streiks aufrufen, weil solche ja sch\u00e4dlich f\u00fcr die Wirtschaft sind, dies ist ihr ganzer Zweck: den Kapitalist_Innen dadurch Zugest\u00e4ndnisse und Verbesserungen abzuzwingen, dass sie dort getroffen werden, wo es Ihnen wehtut, n\u00e4mlich bei ihren Profiten, die ausbleiben, wenn gestreikt wird. Weshalb wir in der kapitalistischen \u00d6konomie R\u00fccksicht auf die Verluste der Unternehmer_Innen nehmen sollten, und inwieweit sich dies mit dem Anspruch, eine k\u00e4mpferische Gewerkschaft sein zu wollen, vertr\u00e4gt, k\u00f6nnen wir uns selbst nicht erkl\u00e4ren. Scheinbar wird beim \u201ekapitalistischen, rassistischen und patriarchal gepr\u00e4gten Staat\u201c Israel dann doch mal eine Ausnahme gemacht. Dass die kapitalistische Wirtschaft und der b\u00fcrgerliche Nationalstaat nichts mit den Interessen der Lohnabh\u00e4ngigen gemeinsam haben, sollte auch den Autor_Innen der Schm\u00e4hschrift \u00fcber uns klar sein. Warum dann aber ausgerechnet Israel einer Sonderbehandlung bedarf, ja sogar als Garant des Schutzes des gesamten Volkes dargestellt wird \u2013 trotz seines Wesens als kapitalistischer Staat im Interesse der herrschenden Klasse \u2013 ist wohl wieder eines dieser unz\u00e4hligen politischen Kunstst\u00fccke.<\/p>\n<p>Unserer Auffassung nach ist Israel, wie jeder andere b\u00fcrgerlich-kapitalistische Nationalstaat auch, eine Klassengesellschaft, in der die Mehrheit die Lohnabh\u00e4ngigen selbst darstellen, die nichts haben, als ihre Arbeitskraft und deren Interessen denen der herrschenden Besitzenden diametral entgegenstehen. Weiterhin ist die Existenz des israelischen Staates nur gesichert, solange imperialistische Schutzm\u00e4chte wie die USA oder Deutschland einen \u00f6konomischen Nutzen daraus ziehen. Das \u201ebr\u00fcderliche Band der westlichen Werte\u201c kann schnell rei\u00dfen, wenn ein profitablerer Partner in der Region gefunden ist. Das Versprechen des Zionismus, die J\u00fcdinnen und Juden wieder zum Subjekt ihrer eigenen Geschichte zu machen, ist also eine Farce. Der israelische Staat ist somit kein Schutzraum, sondern ein K\u00e4fig. Er k\u00e4mpft gegen andere regionale M\u00e4chte, wie Iran, T\u00fcrkei und Saudi-Arabien um die regionale Vormachtstellung. Durch die Milliardensubventionen f\u00fcr das israelische Milit\u00e4r von imperialistischen Gro\u00dfm\u00e4chten wie den USA und der BRD wird klar, dass es auch in Israel selbst nicht nur um die Interessen der herrschenden Kapitalist_Innen geht, sondern auch um die Interessen des Imperialismus in der ganzen Region \u2013 die unmittelbar an die Unterdr\u00fcckung der Pal\u00e4stinenser_Innen gebunden sind.<\/p>\n<p>In unserem Programm hei\u00dft es wortw\u00f6rtlich weiterhin dazu: ,,Daher ist der Kampf der Pal\u00e4stinenser*innen und aller anderen Unterdr\u00fcckten legitim und muss von jeder fortschrittlichen Bewegung unterst\u00fctzt werden. Gleichzeitig lehnen wir jedoch die Politik der existierenden F\u00fchrungen des pal\u00e4stinensischen Kampfes ab. Kr\u00e4fte wie die Hamas begr\u00fcnden sich auf reaktion\u00e4re Konzepte islamistischer Theokratie und treten f\u00fcr repressive Gesetze ein. Mehr als das, sie blockieren eine fortschrittliche und radikale L\u00f6sung, da ihre reaktion\u00e4ren Ideen, von Antisemitismus bis Sexismus, nicht zeigen, wie die pal\u00e4stinensische und israelische Arbeiter*innenklasse einen gemeinsamen Kampf f\u00fcr ihre Befreiung f\u00fchren k\u00f6nnen. [\u2026] Gerade deshalb muss gesagt werden: permanente Unabh\u00e4ngigkeit von imperialistischer Ausbeutung und nationaler Unterdr\u00fcckung kann es nur innerhalb einer internationalen Widerstandsbewegung, sozialen Revolutionen und einer globalen, sozialistischen F\u00f6deration, auf Grundlage freier multiethnischer, s\u00e4kularer Regierungen mit Arbeiter*innendemokratie geben.\u201c<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Zum Ende sei noch darauf hingewiesen, dass wir als Jugendorganisation keine Kaderpartei sind (andere sozialistische Gruppen, mit denen die FAU auch gerne mal gemeinsame Veranstaltungen organisiert, hingegen schon), bei uns unterdr\u00fcckte Gruppen wie POC\u2019s und Frauen eigene Strukturen bilden k\u00f6nnen, um ihre Anliegen unabh\u00e4ngig zu formulieren und demokratisch abstimmen zu lassen, es bei uns das Recht zur Fraktions- und Tendenzbildung gibt und nicht zuletzt unser Programm gemeinsam von allen Mitgliedern demokratisch ausgearbeitet und abgestimmt wurde und \u00f6ffentlich sowie allen, die unserer Organisation angeh\u00f6ren, bekannt ist, im Gegensatz zu den meisten anarchistischen Organisationen, die \u2013 wenn sie denn \u00fcberhaupt sowas wie ein Programm vorzuweisen haben \u2013 dieses wie ein geheimes Papier behandeln, welches nur die aktivsten F\u00fchrungsmitglieder kennen.<\/p>\n<p>Wir sind auch weiterhin dazu bereit, \u00fcber die bestehenden Differenzen, Vorurteile und Ger\u00fcchte offen in Diskussion zu treten \u2013 nicht nur mit der FAU selbst, sondern mit allen Linken. Gleichzeitig lehnen wir s\u00e4mtliche Ultimaten, sektiererische Ausschl\u00fcsse missliebiger und andersdenkender Organisationen und Diffamierungen ab. Dieser \u201eStil\u201c n\u00fctzt letztlich nur dem Klassenfeind. Wir fordern die FAU auf, ihr Ultimatum zur\u00fcckzuziehen und sich am Aufbau einer gemeinsamen linken Bewegung gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft und gegen die Herrschenden zu beteiligen! Wir haben \u00fcberhaupt kein Problem damit, dass die FAU andere offen und \u00f6ffentlich kritisiert. Wir sind jedoch davon \u00fcberzeugt, dass es f\u00fcr Kritik kein sektiererisches Verhalten und keiner Ausschl\u00fcsse bedarf, sondern dass diese trotz einer Zusammenarbeit in B\u00fcndnissen und gemeinsamer Aktionen ge\u00e4u\u00dfert werden sollte. Denn den Kampf um die Emanzipation der Arbeiter_Innen kann auch eine anarchosyndikalistische Gewerkschaft nicht alleine gewinnen, sondern muss beim Aufbau einer revolution\u00e4ren Arbeiter_Innenbewegung zwangsweise mit anderen Organisationen der Arbeiter_Innenklasse zusammenarbeiten. Das bisherige Verhalten der FAU Dresden l\u00e4sst sich in unseren Augen nicht mit deren Selbstanspruch, eine basisdemokratische und antiautorit\u00e4re Gewerkschaft sein zu wollen, vereinbaren. Wir denken, dass die Mitglieder der FAU ihr sektiererisches Vorgehen \u00fcberdenken sollten und statt, wie es in ihrer Stellungnahme hei\u00dft, sich gen\u00f6tigt zu f\u00fchlen uns mit schlechten Pamphleten zu diffamieren und uns zu bek\u00e4mpfen, was laut eigener Aussage \u201ewohl schon hunderte Stunden politische Arbeit gekostet hat, die f\u00fcr andere Aufgaben besser h\u00e4tten genutzt werden k\u00f6nnen\u201c, sich auf den gemeinsamen Feind zu konzentrieren und statt zu spalten mit uns dar\u00fcber zu reden, wie wir trotz unserer Differenzen gegen Faschos, Staat und Kapital k\u00e4mpfen k\u00f6nnen. Sie k\u00f6nnten beispielsweise damit anfangen, sich an B\u00fcndnistreffen gegen PEGIDA oder das neue Polizeigesetz zu beteiligen, m\u00fcssten hierzu aber dazu bereit sein, \u00fcber den eigenen Schatten zu springen und linke Organisationen und Gruppen, die andere Positionen als sie haben, als B\u00fcndnispartner akzeptieren. Im Rahmen solcher B\u00fcndnisse und gemeinsamen Aktionen sollte die FAU dann auch ihre Kritik an anderen linken Gruppierungen offen \u00e4u\u00dfern k\u00f6nnen, diese sollte aber kein Grund sein, von Vornherein die Zusammenarbeit auszuschlie\u00dfen. Dann k\u00f6nnte auch die FAU, statt ihre Zeit in den Kampf gegen sozialistische Jugendorganisationen wie der unseren zu investieren, ihren Teil dazu beitragen, auf der Grundlage demokratischer Diskussionen und Entscheidungen eine breite linke Bewegung aufzubauen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2018\/10\/17\/ueber-die-fau-den-rechtsruck-und-die-notwendigkeit-des-aufbaus-einer-linken-aktionseinheit\/\"><em>arbeiterinnenmacht.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 17. Oktober 2018 <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>REVOLUTION. 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