{"id":4172,"date":"2018-10-18T07:59:59","date_gmt":"2018-10-18T05:59:59","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4172"},"modified":"2018-10-18T07:59:59","modified_gmt":"2018-10-18T05:59:59","slug":"warnstreik-der-bauarbeiter-im-tessin-und-in-genf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4172","title":{"rendered":"Warnstreik der Bauarbeiter im Tessin und in Genf"},"content":{"rendered":"<p><em>Marianne Arens.\u00a0<\/em>Anfang dieser Woche haben tausende Bauarbeiter an Warnstreiks im Tessin und in Genf teilgenommen. Sie k\u00e4mpfen gegen Lohndumping und \u00fcberlange Arbeitstage und verteidigen ihre schwer erk\u00e4mpfte Fr\u00fchrente<!--more--> ab 60 Jahren.<\/p>\n<p><strong>Bauarbeiter blockieren Mont-Blanc-Br\u00fccke in Genf<\/strong><\/p>\n<p>Am Montag marschierten rund 3000 Bauarbeiter im Tessiner Hauptort Bellinzona zum Sitz des Schweizerischen Baumeisterverbandes. Am Dienstag blockierten dann weitere 2500 Arbeiter die Mont-Blanc-Br\u00fccke in Genf und beschlossen, den Streik auf Mittwoch auszudehnen. Eine Umfrage unter 20.000 Arbeitern auf den Baustellen hatte im Sommer ergeben, dass \u00fcber 93 Prozent bereit w\u00e4ren, zur Verteidigung der Fr\u00fchrente in Streik zu treten.<\/p>\n<p>Zum Ende des Jahres l\u00e4uft der dreij\u00e4hrige Landesmanteltarifvertrag (LMV) f\u00fcr rund 80.000 Besch\u00e4ftigte im Bauhauptgewerbe aus. Infolge der engen Zusammenarbeit der Gewerkschaften Unia und Syna mit den Unternehmern haben die Arbeiter seit drei Jahren keine Lohnerh\u00f6hungen erhalten, obwohl die Baubranche boomt.<\/p>\n<p>Nun haben die Bauunternehmer angek\u00fcndigt, ab dem n\u00e4chsten Jahr die L\u00f6hne um 150 Franken monatlich zu erh\u00f6hen. Allerdings fordern sie im Gegenzug die Erh\u00f6hung der flexiblen Arbeitsstunden von heute 100 auf 300 Stunden im Jahr. Das w\u00fcrde bedeuten, dass die Bauarbeiter im Sommer Regelarbeitstage von \u00fcber zehn Stunden haben, mit dem Arbeitsweg sogar von zw\u00f6lf Stunden und mehr, ohne dass sie daf\u00fcr Zulagen erhalten.<\/p>\n<p>Gleichzeitig sollen die Arbeiter h\u00f6here Beitr\u00e4ge zur flexiblen Altersrente tragen, w\u00e4hrend die Beitr\u00e4ge der Unternehmer gesenkt werden. Die nationale Rentenkasse hatte schon im Mai den Vertrag mit der Baubranche aufgek\u00fcndigt, weil angeblich zu viele Bauarbeiter die Fr\u00fchrente in Anspruch nahmen.<\/p>\n<p>Das Recht, mit 60 in den Ruhestand gehen zu k\u00f6nnen, hatten die Bauarbeiter vor 16 Jahren in einem landesweiten Streik durchgesetzt. Seither wird es immer wieder in Frage gestellt. Die Unternehmer haben praktisch von Anfang an st\u00e4ndig versucht, diese Fr\u00fchrente r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen.<\/p>\n<p>Zuletzt haben sich die Gewerkschaften mit den Bauunternehmern auf eine neue Beitragsstruktur geeinigt, welche die Arbeiter benachteiligt und die Unternehmer beg\u00fcnstigt. Demnach sollen die Beitr\u00e4ge der Unternehmer zu der Stiftung FAR (Flexibler Altersr\u00fccktritt), welche die Fr\u00fchpensionen regelt, von 6 auf 5,5 Prozent gesenkt und die Arbeiterbeitr\u00e4ge von 1,5 auf 2,25 Prozent des Bruttolohnes erh\u00f6ht werden.<\/p>\n<p>Die Bauindustrie geh\u00f6rt zu den lukrativsten Branchen und besch\u00e4ftigt rund 100.000 Bauarbeiter in der Schweiz, darunter viele Grenzg\u00e4nger aus Italien. Auf den Baustellen greifen Zeitarbeit und das Subunternehmertum immer st\u00e4rker um sich. \u00c4ltere Arbeiter \u00fcber f\u00fcnfzig werden immer \u00f6fter entlassen und finden nur noch Arbeit \u00fcber Zeitfirmen. Als tempor\u00e4re Arbeiter werden sie sogar oft bei den gleichen Unternehmen wieder eingestellt, bei denen sie zuvor jahrzehntelang besch\u00e4ftigt waren.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ist laut einer Studie die Zahl der tempor\u00e4r besch\u00e4ftigten Bauarbeiter auf Schweizer Baustellen in nur drei Jahren um \u00fcber zwanzig Prozent angestiegen, wobei die Zunahme bei den \u00dcber-50-J\u00e4hrigen am gr\u00f6\u00dften war. Da diese Zeitarbeiter sehr oft im Winter keine Arbeit finden, sind sie auch nicht mehr in der Lage, ihre Beitr\u00e4ge zur Pensionskasse zu bezahlen, und verlieren ihren Anspruch auf die flexible Altersrente ab 60.<\/p>\n<p>Die Gewerkschaften Unia und Syna gehen das Problem des Lohndumpings als rein nationale Frage an. Zum Schutz der Schweizer L\u00f6hne fordern sie eine st\u00e4rkere Abschottung vor ausl\u00e4ndischen Arbeitskolonnen. So spalten und entwaffnen sie die Arbeiter gegen die Angriffe der Bauunternehmer. Sie haben sogar schon Polizeirazzien auf den Baustellen unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Unia und Syna stehen in st\u00e4ndigen Verhandlungen mit den Bauunternehmern und wollen am 9. November mit ihnen einen neuen Vertrag abschlie\u00dfen. In Verhandlungen im August und September haben sie dem faulen Kompromiss mit der 150-Franken-Lohnerh\u00f6hung bereits zugestimmt und ihn als Sieg im Kampf um die Fr\u00fchrente hingestellt.<\/p>\n<p>Nun werden Proteste und Warnstreiks als Ventil organisiert, um die Angriffe auf die Arbeiter letztendlich durchzusetzen. Die Aktionen sind Teil eines Man\u00f6vers, die Arbeiter m\u00fcrbe zu machen und unabh\u00e4ngige Arbeitsk\u00e4mpfe zu verhindern.<\/p>\n<p>Schon am 23. Juni fand\u00a0<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2018\/07\/04\/zuer-j04.html\"><strong>in Z\u00fcrich eine Demonstration<\/strong><\/a>\u00a0mit 18.000 Bauarbeitern statt. Im September haben die Gewerkschaftsdelegierten von Unia und Syna die heutigen Warnstreiks beschlossen, weil sie zur Einsicht gelangt waren, dass die Bauarbeiter eine so massive \u00dcberstundenerh\u00f6hung gegen den \u201evergifteten K\u00f6der\u201c der 150-Franken-Lohnerh\u00f6hung niemals schlucken w\u00fcrden, wie es in einer Mitteilung der Syna hei\u00dft.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich sind die 150 Franken nach dreij\u00e4hrigem Lohnverzicht nicht blo\u00df ein l\u00e4cherliches Almosen, sondern Teil eines gef\u00e4hrlichen Betrugs. Die angedrohte Verl\u00e4ngerung der Arbeitstage im Sommer ist ein Frontalangriff auf Gesundheit und Leben der Arbeiter. Wie jeder wei\u00df, geht die Arbeit am Bau mit der Gefahr von R\u00fccken- und Gelenkleiden, H\u00fcftarthrose etc. einher, und eine Verl\u00e4ngerung der Arbeitszeit erh\u00f6ht massiv das Unfallrisiko.<\/p>\n<p>Die Streiks und Proteste haben die gro\u00dfe Unruhe und Unzufriedenheit zum Ausdruck gebracht, die in den Betrieben und auf den Baustellen vorherrscht. Sie erfordert jedoch eine neue politische Perspektive. Die\u00a0<em>World Socialist Web Site<\/em>\u00a0und die Vierte Internationale rufen dazu auf, unabh\u00e4ngige Aktionskomitees zu gr\u00fcnden und Kontakt mit der <strong><a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/\">Bewegung f\u00fcr den Sozialismus<\/a><\/strong> in der Schweiz oder mit der\u00a0<a href=\"http:\/\/www.gleichheit.de\/mitmachen\/registrieren\/\"><strong>Sozialistischen Gleichheitspartei<\/strong><\/a>\u00a0in Deutschland aufzunehmen, um die K\u00e4mpfe der Schweizer Bauarbeiter mit den weltweit anwachsenden Arbeitsk\u00e4mpfen zu verbinden und ihnen eine sozialistische Richtung zu geben.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2018\/10\/18\/sbau-o18.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 18. Oktober 2018 mit einer \u00c4nderung durch Redaktion maulwuerfe.ch<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marianne Arens.\u00a0Anfang dieser Woche haben tausende Bauarbeiter an Warnstreiks im Tessin und in Genf teilgenommen. 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