{"id":4196,"date":"2018-10-24T08:04:46","date_gmt":"2018-10-24T06:04:46","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4196"},"modified":"2018-10-24T08:04:46","modified_gmt":"2018-10-24T06:04:46","slug":"migranten-sind-keine-kriminellen-wir-sind-internationale-arbeiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4196","title":{"rendered":"\u201cMigranten sind keine Kriminellen, wir sind internationale Arbeiter!&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><em>Eric London.<\/em> Die gewaltige Karawane von Migranten, die am 13. Oktober San Pedro de Sula in Honduras in Richtung Vereinigte Staaten verlie\u00df, erf\u00e4hrt gro\u00dfe Aufmerksamkeit und Unterst\u00fctzung von zig Millionen Arbeitern und<!--more--> verarmten Menschen in ganz Lateinamerika. Was als kleine Gruppe von mehreren hundert Einwanderern begann, die zur eigenen Sicherheit und zum gegenseitigen Schutz gemeinsam reisten, hat sich zu einer 7.000 Personen starken transkontinentalen politischen Demonstration f\u00fcr Gleichberechtigung und demokratische Rechte entwickelt.<\/p>\n<p>Jeden Tag verfolgen Millionen Menschen \u00fcber die mexikanischen, mittelamerikanischen und US-amerikanischen Nachrichtensender die Live-Berichterstattung von der Karawane und ihrem Weg. Im S\u00fcden Mexikos begr\u00fc\u00dfen die Einwohner an der Strecke die Migranten mit Lebensmitteln, Wasser, Kleidung und anderen Spenden, damit sie ihren Weg fortsetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Karawanenteilnehmer sehen sich nicht als unterdr\u00fcckte Opfer, sondern als selbstbewusste Vertreter der Arbeiterklasse. Angesichts der Drohungen von US-Pr\u00e4sident Donald Trump und der gewaltt\u00e4tigen Angriffe von Seiten der mexikanischen und guatemaltekischen Polizei geben sie den Sprechchor aus: \u201eMigranten sind nicht kriminell, wir sind internationale Arbeiter\u201c. Dies findet ein Echo in der durch Armut, Gewalt und Korruption gezeichneten Region.<\/p>\n<p>Die Bedingungen im \u201en\u00f6rdlichen Dreieck\u201c Mittelamerikas, vor dem diese Arbeiter fliehen, sind alles in allem das Ergebnis der schrecklichen Verbrechen, die der amerikanische Imperialismus seit \u00fcber einem Jahrhundert in der gesamten Region begangen hat und begeht.<\/p>\n<p>In Guatemala organisierten die USA 1954 einen Putsch gegen den demokratisch gew\u00e4hlten Jacobo \u00c1rbenz, installierten den Diktator Castillo Armas und schufen die Voraussetzungen f\u00fcr den 36-j\u00e4hrigen B\u00fcrgerkrieg von 1960 bis 1996. In den fr\u00fchen 1980er Jahren f\u00fchrte die von den USA unterst\u00fctzte Diktatur von Efra\u00edn R\u00edos Montt einen Massenmord an Arbeitern und armen Dorfbewohnern durch, einschlie\u00dflich eines kalkulierten V\u00f6lkermords an der indigenen Maya-Bev\u00f6lkerung, bei dem Zehntausende starben.<\/p>\n<p>Die Bewohner des benachbarten El Salvador erlebten von 1979 bis 1992 die Schrecken eines B\u00fcrgerkriegs, der fast 100.000 Menschenleben forderte. Das US-Milit\u00e4r wandte die Taktik der Verbrannten Erde an, die es in Vietnam perfektioniert hatte. Es stand direkt hinter der salvadorianischen Regierung, als diese Dissidenten wie Erzbischof \u00d3scar Romero ermordete und Gr\u00e4ueltaten wie das Massaker am Sumpul River ver\u00fcbte, wo Soldaten 600 Dorfbewohner t\u00f6teten, die sich auf der Flucht nach Honduras befanden.<\/p>\n<p>Honduras hat in der Vergangenheit als Ausgangsort f\u00fcr den Massenmord in der gesamten Region gedient. In den 1980er Jahren trainierten die USA paramilit\u00e4rische \u201eContra\u201c-Truppen im Land und entsandten sie nach Nicaragua, wo 1979 der von den USA unterst\u00fctzte Diktator Somoza durch eine Revolution gest\u00fctzt worden war.<\/p>\n<p>Der Imperialismus handelte, um die Gewinne amerikanischer Unternehmen wie der United Fruit Company zu sichern, indem Streiks und Rebellionen unter Arbeitern und armen Bauern in der gesamten Region unterdr\u00fcckt wurden. Millionen Menschen verloren dabei ihr Leben. Wie der ehemalige US-Milit\u00e4rgeneral Smedley Butler bekannte: \u201eIch habe die Vergewaltigung von einem halben Dutzend mittelamerikanischen Republiken zugunsten der Wall Street durchgef\u00fchrt.\u201c<\/p>\n<p>Auch wenn sich die Namen der Unternehmen ge\u00e4ndert haben, ist die Dominanz des amerikanischen Imperialismus nur noch gewachsen. Der verhasste honduranische Pr\u00e4sident Juan Orlando Hern\u00e1ndez ist an der Macht, weil die Obama-Regierung den 2009 demokratisch gew\u00e4hlten Pr\u00e4sidenten Manuel Zelaya wegputschte und Porfirio Lobo Sosa als Vorg\u00e4nger des jetzigen Pr\u00e4sidenten einsetzte.<\/p>\n<p>Im Jahr 2014 verurteilte die honduranische Umweltaktivistin Berta C\u00e1ceres die damalige Au\u00dfenministerin Hillary Clinton wegen ihrer pers\u00f6nlichen Rolle bei der Organisation des Putsches. Die von den USA unterst\u00fctzte Regierung ermordete C\u00e1ceres im M\u00e4rz 2016.<\/p>\n<p>Durch ihre Geschichte ist Mittelamerika die ungleichste Region der Welt und Honduras das ungleichste Land. 68 Prozent der Bev\u00f6lkerung Honduras lebt in Armut und 44 Prozent in extremer Armut.<\/p>\n<p>US-Pr\u00e4sident Donald Trump hat angek\u00fcndigt, dass er Milit\u00e4r einsetzt, um die demonstrierenden Arbeiterinnen und Arbeiter von der Einreise in die USA abzuhalten. Er zeigt Bereitschaft, die Einwanderer zu massakrieren, sollten sie versuchen, die Grenze zu \u00fcberschreiten, wie sie es sowohl in Guatemala als auch in Mexiko getan haben.<\/p>\n<p>Die Demokratische Partei in den USA ignoriert diese gef\u00e4hrliche Ank\u00fcndigung. In einer Pressemitteilung am Samstag sagten die Fraktionsf\u00fchrer der Demokraten im Kongress Charles Schumer und Nancy Pelosi, Trump versuche \u201everzweifelt, das Thema von der Gesundheitsversorgung auf die Einwanderung zu verlagern\u201c. Sie reagierten nicht weiter auf Trumps faschistische Drohungen.<\/p>\n<p>Der ehemalige Anw\u00e4rter auf die Pr\u00e4sidentschaftskandidatur der Demokraten Bernie Sanders erw\u00e4hnte nicht einmal Trumps Ank\u00fcndigung, die Grenze abzuriegeln und das Milit\u00e4r einzusetzen. Gerade im Vergleich zur hysterischen Wut der Demokraten \u00fcber Vorw\u00fcrfe sexuellen Fehlverhaltens verdeutlicht ihr Schweigen zum Schicksal verarmter Einwanderer &#8211; darunter viele Frauen, die h\u00e4uslicher Gewalt, Vergewaltigung und sexueller Sklaverei entkommen &#8211; den reaktion\u00e4ren Charakter der #MeToo-Kampagne.<\/p>\n<p>Dieses Schweigen wird noch verst\u00e4rkt durch die angeblich \u201esozialistischen\u201c Organisationen, die innerhalb der Demokratischen Partei operieren. Die Demokratischen Sozialisten Amerikas (DSA) erw\u00e4hnen Trumps j\u00fcngsten Angriff auf Einwanderer auf ihrer Webseite nicht einmal, und weder das DSA-orientierte Magazin\u00a0<em>Jacobin<\/em>\u00a0noch das Organ der International Socialist Organization (ISO) schreiben prominent \u00fcber die Frage der Einwanderer. Dies ist nur der j\u00fcngste Beweis daf\u00fcr, dass diese nationalistischen, prokapitalistischen Organisationen nichts mit dem Sozialismus zu tun haben.<\/p>\n<p>Es ist unbedingt wichtig, dass Arbeiter aller Nationalit\u00e4ten in dieser Karawane ein freundliches Regiment von Klassenbr\u00fcdern und -schwestern erkennen.<\/p>\n<p>Im Kapitalismus ist das Leben von Milliarden Arbeitnehmern v\u00f6llig den Gewinnen der Gro\u00dfbanken und Konzerne untergeordnet. Wie Dreck von einer Windb\u00f6e aufgewirbelt wird, sto\u00dfen Kriege, Wirtschaftskrisen oder fallende L\u00f6hne und Rohstoffpreise Millionen von Arbeiterinnen und Arbeitern aus ihren H\u00e4usern, entwurzelten sie, trennen sie von ihren Familien und Kulturen und zwingen sie, Sicherheit in anderen Ecken der Welt zu suchen.<\/p>\n<p>Trotz der immensen Gefahr f\u00fcr Einwanderer haben der Prozess der Massenmigration und insbesondere die Karawane jedoch revolution\u00e4re Auswirkungen.<\/p>\n<p>Die Arbeiterklasse beweist de facto, indem sie \u00fcber nationale Barrieren marschiert, dass die de jure Aufteilung der Welt in Nationalstaaten unter dem Kapitalismus unvereinbar ist mit den Bestrebungen und materiellen Bed\u00fcrfnissen von Milliarden von Arbeitnehmern. Mit ihrem grenz\u00fcberschreitenden Marsch beweist die Karawane, dass die Gesetze, die die Einwanderung \u201eillegal\u201c machen, den Fortschritt der Menschheit ebenso blockieren wie die Gesetze, die den Kauf und Verkauf von Menschen als Sklaven legalisieren.<\/p>\n<p>In einem Essay von 1913 mit dem Titel \u201eKapitalismus und Einwanderung der Arbeiter\u201c erkl\u00e4rte Wladimir Lenin:<\/p>\n<p>\u201eEs besteht kein Zweifel, da\u00df nur \u00e4u\u00dferstes Elend die Menschen veranla\u00dft, die Heimat zu verlassen, und da\u00df die Kapitalisten die eingewanderten Arbeiter in gewissenlosester Weise ausbeuten. Doch nur Reaktion\u00e4re k\u00f6nnen vor der\u00a0<em>fortschrittlichen<\/em>\u00a0Bedeutung dieser modernen V\u00f6lkerwanderung die Augen verschlie\u00dfen. (&#8230;) Und gerade in diesen Kampf zieht der Kapitalismus die werkt\u00e4tigen Massen der\u00a0<em>ganzen<\/em>\u00a0Welt hinein, indem er die Muffigkeit und Zur\u00fcckgebliebenheit des lokalen Lebens durchbricht, die nationalen Schranken und Vorurteile zerst\u00f6rt und Arbeiter aller L\u00e4nder in den gro\u00dfen Fabriken und Gruben Amerikas, Deutschlands usw. miteinander vereinigt.\u201c (Wladimir Lenin: Kapitalismus und Arbeiterimmigration (1913), in Werke, Band 19, Berlin 1962, S. 447)<\/p>\n<p>Amerikanische Arbeiterinnen und Arbeiter m\u00fcssen ihre Br\u00fcder und Schwestern aus dem S\u00fcden verteidigen. Die Socialist Equality Party fordert:<\/p>\n<ul>\n<li>Sichere Durchreise und legale Einreise f\u00fcr alle Karawanenteilnehmer in die Vereinigten Staaten!<\/li>\n<li>Aufl\u00f6sung von Einwanderungskontrollbeh\u00f6rde (ICE) sowie Zoll- und Grenzschutz (CBP) und Entmilitarisierung der Grenzregion!<\/li>\n<li>Sofortige Freilassung aller \u201eillegalen\u201c Einwanderer in den Vereinigten Staaten!<\/li>\n<li>Arbeitspl\u00e4tze, Wohnraum, medizinische Versorgung und Bildungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Karawanenteilnehmer und alle Einwanderer!<\/li>\n<li>Milliarden f\u00fcr den Wiederaufbau Mittelamerikas, finanziert durch die Enteignung amerikanischer Milliard\u00e4re!<\/li>\n<li>Allen Arbeiterinnen und Arbeitern das Recht, sich sicher und angstfrei auf der ganzen Welt zu bewegen!<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2018\/10\/24\/pers-o24.html\">wsws.org&#8230;<\/a> vom 24. Oktober 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eric London. Die gewaltige Karawane von Migranten, die am 13. 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