{"id":4278,"date":"2018-11-08T12:59:01","date_gmt":"2018-11-08T10:59:01","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4278"},"modified":"2018-11-08T12:59:01","modified_gmt":"2018-11-08T10:59:01","slug":"lenin-lesen-und-dann-etwas-tun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4278","title":{"rendered":"\u201eLenin lesen! Und dann etwas tun\u201c"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4110\"><strong>Lenins\u00a0<\/strong><\/a><strong>Imperialismustheorie ist heute noch wichtig, um Kriege zu verstehen und gegen sie vorzugehen. Ein Interview mit Franziska Lindner. Das Interview f\u00fchrte Benni Roth.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong><em>Auf dem 68er-Kongress in Berlin von \u201eDie Linke.SDS\u201c leitest Du am 8. Dezember einen Workshop zur \u201eEinf\u00fchrung in Lenins Imperialismustheorie\u201c. Wieso ist es wichtig, zum f\u00fcnfzigj\u00e4hrigen Jubil\u00e4um der 68er auch dar\u00fcber zu sprechen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Leninsche Imperialismustheorie zeigt die Zusammenh\u00e4nge von Politik und Wirtschaft in der Epoche des Monopolkapitalismus auf. Daraus lassen sich Ableitungen f\u00fcr die Praxis der internationalen Linken gegen imperialistische Kriege ziehen. Das haben Teile der Studentenbewegung der 60er Jahre getan, zum Beispiel mit dem Internationalen Vietnamkongress von 1968, der wie der 68er-Kongress an der TU Berlin stattfand. Etwa 5000 Studentinnen und Studenten aus 14 verschiedenen L\u00e4ndern zeigten ihren Widerstand gegen den Vietnamkrieg der USA und gegen den westlichen Imperialismus allgemein.<\/p>\n<p><strong><em>Laut Lenins Brosch\u00fcre aus dem Jahre 1917 ist der Imperialismus das h\u00f6chste Stadium des Kapitalismus. Was zeichnet dieses Stadium aus?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Damit ist der Monopolkapitalismus gemeint, der den Kapitalismus der freien Konkurrenz am Ende des 19. Jahrhunderts abgel\u00f6st hat. Lenin sieht eine neue Entwicklungsstufe des Kapitalismus erreicht. Kennzeichen ist die Bildung von Gro\u00dfkonzernen in Industrie, Handel und Finanzsektor in Folge einer enormen Konzentration und Zentralisation von Produktion und Kapital. Die Gr\u00fcndung von Aktiengesellschaften und Kartellen, die wachsende Bedeutung des Kredits schufen neue M\u00f6glichkeiten der Kapitalakkumulation. Der Kapitalexport legte im Vergleich zum Warenexport massiv zu und die Aufteilung der Welt unter den internationalen Kapitalistenverb\u00e4nden begann. Hierbei spielte und spielt der b\u00fcrgerliche Staat eine wichtige Rolle, der die Bedingungen f\u00fcr die Durchsetzung und Aufrechterhaltung dieser Ordnung sichert.<\/p>\n<p>In Deutschland stehen bis heute existierende Gro\u00dfkonzerne wie BASF, Bayer, Thyssen-Krupp, Deutsche Bank oder Commerzbank f\u00fcr dieses monopolistische Stadium des Kapitalismus.<\/p>\n<p><strong><em>Was daran bis heute aktuell \u2013 und was hat sich ge\u00e4ndert?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Wir befinden uns noch in eben diesem Entwicklungsstadium des Kapitalismus. Ge\u00e4ndert hat sich aber das Ausma\u00df: So hat sich die Produktion noch weiter konzentriert, die Rolle des Finanzsektor im Wirtschaftsgef\u00fcge hat sich immens verst\u00e4rkt und der Kapitalexport wurde massiv ausgedehnt. Aber die Produktionsverh\u00e4ltnisse haben sich nicht ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p><strong><em>Damals f\u00fchrten die Weltm\u00e4chte den Ersten Weltkrieg, ganz vorne dabei das Deutsche Kaiserreich. Ist Deutschland heute wieder ein imperialistisches Land?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Der Imperialismusbegriff von Lenin ist vor allem ein \u00f6konomischer. Der Motor von Kriegen besteht in der Konkurrenz kapitalistischer Gro\u00dfm\u00e4chte, die untereinander um die Aufteilung der Welt ringen. Seit Anfang der 1990er Jahre findet in Deutschland eine ungebremste milit\u00e4rische Aufr\u00fcstung statt. Deutsche Soldaten sind weltweit in vielen Konfliktgebieten pr\u00e4sent. Das festigt geostrategische Einflussm\u00f6glichkeiten, den Zugang zu Handelswegen, Rohstoffen und Absatzm\u00e4rkten. Ebenso sichern aggressive Handels- und Investitionspolitiken die Profite deutscher Konzerne ab. Das ist Teil der Politik imperialistischer Staaten.<\/p>\n<p><strong><em>Als Politikwissenschaftlerin hast Du Dich etwas mit Russland besch\u00e4ftigt und dieses Fr\u00fchjahr ein Buch \u00fcber \u201eDie deutsch-russischen Energiebeziehungen im geopolitischen Umfeld\u201c im Papyrossa-Verlag ver\u00f6ffentlicht. Welche Rolle spielt Russland im heutigen imperialistischen Weltsystem?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Diese Frage ist nicht direkt Teil meines Buches und ich finde sie vielschichtig. Ich kann sie soweit beantworten, als dass die Schw\u00e4chung Russlands ein Ziel westlicher Au\u00dfenpolitik ist. Das zeigen beispielsweise die sukzessive NATO- und EU-Osterweiterung bis an die russischen Au\u00dfengrenzen, die Unterst\u00fctzung des prowestlichen Putsches in der Ukraine 2013\/14 und die Sanktionen, die folgten. In diesen Tagen f\u00fchrt die NATO im russischen Nachbarland Norwegen die 50.000 soldatenschwere Operation \u201eTrident Juncture\u201c durch, das gr\u00f6\u00dfte Man\u00f6ver seit dem Kalten Krieg. N\u00e4chstes Jahr wird Deutschland dort das Oberkommando \u00fcbernehmen. Die \u00dcbung dient der Abschreckung Russlands, obwohl gerade erst bekannt geworden ist, dass Deutschland und f\u00fchrende NATO-Milit\u00e4rs keine Anzeichen s\u00e4hen, dass Russland einen Angriff auf einen NATO-Staat plane.<\/p>\n<p><strong><em>Welche Schlussfolgerung ziehst du f\u00fcr die Linke daraus?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich Lenin lesen! Und dann etwas tun. Gegen Kriege auf die Stra\u00dfe gehen, die Aktionen der Friedensbewegung, auch wenn sie klein wirken mag, unterst\u00fctzen, sich darin nicht spalten lassen. Hier in Deutschland die milit\u00e4rische Mobilmachung gegen Russland angreifen und der medialen Russlandhetze eine versachlichte Darstellung entgegensetzen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/lenin-lesen-und-dann-etwas-tun\/\"><em>diefreiheitsliebe.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 8, November 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lenins\u00a0Imperialismustheorie ist heute noch wichtig, um Kriege zu verstehen und gegen sie vorzugehen. Ein Interview mit Franziska Lindner. 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