{"id":4280,"date":"2018-11-08T13:43:26","date_gmt":"2018-11-08T11:43:26","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4280"},"modified":"2018-11-09T09:37:55","modified_gmt":"2018-11-09T07:37:55","slug":"von-der-novemberrevolution-zur-nationalversammlung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4280","title":{"rendered":"Von der Novemberrevolution zur Nationalversammlung"},"content":{"rendered":"<p><em>LFI.<\/em> <strong>Strukturkrise des Kaiserreichs. Die deutsche Revolution 1918\/19 war Bestandteil einer internationalen revolution\u00e4ren Krise der kapitalistischen L\u00e4nder, die durch den Ersten Weltkrieg ausgel\u00f6st wurde. Nur in Verbindung<!--more--> mit einer milit\u00e4rischen Niederlage der betreffenden Staaten Ru\u00dfland, Deutschland und \u00d6sterreich-Ungarn, die \u2013 wenn auch in unterschiedlichem Ausma\u00df \u2013 noch von vorb\u00fcrgerlichen Z\u00fcgen gepr\u00e4gt waren, f\u00fchrte diese zum Umsturz.<\/strong><\/p>\n<p>Das monarchisch-b\u00fcrokratische deutsche Kaiserreich war ein autorit\u00e4res, von seiner sozialen Basis relativ autonomes Regime mit bonapartistischen Z\u00fcgen: es beruhte auf der politischen Hegemonie und sozialen Privilegierung der ostelbischen Junker \u2013 des nicht mehr feudalen, sondern agrarkapitalistischen Gro\u00dfgrundbesitzer\u201cadels\u201c \u2013 bei gleichzeitiger F\u00f6rderung der wirtschaftlichen Interessen und der gesellschaftlichen Herrschaftsposition des Industrie- und Bankkapitals.<\/p>\n<p>Das Arrangement des Gro\u00dfb\u00fcrgertums mit dem status quo unter Verzicht auf liberale Traditionen fu\u00dfte auf handfesten Vorteilen: das Reich sicherte die rechtlichen, institutionellen und machtpolitischen Voraussetzungen einer beschleunigten Kapitalakkumulation; es hinderte aber vor allem die Sozialdemokratie daran, ihre wachsende Anh\u00e4ngerschaft in politischen Einflu\u00df umzusetzen!<\/p>\n<p>Der Preis daf\u00fcr wurde jedoch f\u00fcr gro\u00dfe Teile der Bourgeoisie und der Mittelschichten immer untragbarer: die nachlassende Konkurrenzf\u00e4higkeit der Gro\u00dfagrarwirtschaft mu\u00dfte zugunsten des Erhalts der wirtschaftlichen Stellung der Junker mittels Schutzz\u00f6llen k\u00fcnstlich aufrechterhalten werden. Dies verletzte nicht nur die Interessen der Verbraucher, sondern auch des Handelskapitals und trieb der Vorkriegs-SPD die st\u00e4dtischen Massen \u00fcber das Proletariat hinaus in die Arme. Die Machtposition des Gro\u00dfgrundbesitzes verhinderte au\u00dferdem eine Finanzreform<\/p>\n<p>Au\u00dfenpolitisch legte sich Deutschland als versp\u00e4tete imperialistische Macht auf eine Offensivstrategie fest, um das Mi\u00dfverh\u00e4ltnis zwischen den \u00f6konomischen Potenzen einerseits und den Beschr\u00e4nkungen hinsichtlich der Rohstoffversorgung, der Absatzm\u00e4rkte und Kapitalexportm\u00f6glichkeiten auszugleichen. Das B\u00fcndnis Gro\u00dfgrundbesitz-Industrie verfolgte dabei eine gleicherma\u00dfen antibritische wie antirussische Politik und f\u00fchrte somit die Einkreisung des Reichs vor dem Ersten Weltkrieg auch selbst herbei.<\/p>\n<p>Innenpolitisch war die Integration wenigstens von Teilen der Sozialdemokratie in den Staat blockiert, so da\u00df ihr Kampf um demokratische Rechte per se zu einem Angriff auf die Substanz des bestehenden Systems geriet: in Preu\u00dfen herrschte das Dreiklassen-Wahlrecht, der Reichstag war gegen\u00fcber der Regierung v\u00f6llig einflu\u00dflos. Das immer labiler werdende bonapartistische Gleichgewicht des Kaiserreichs offenbarte sich zwischen 1908 und 1913 in mehreren Aff\u00e4ren, die vor\u00fcbergehend eine von der SPD bis zu den Nationalliberalen reichende Protestkoalition gegen die Selbstherrlichkeit Wilhelms II. und der preu\u00dfischen Herrenkaste ins Leben riefen und das halbautokratische Regime im Volk zeitweilig stark isolierten. Als Gegenreaktion festigte die Schwerindustrie \u2013 konfrontiert mit den h\u00e4rtesten Arbeiterk\u00e4mpfen \u2013 ihr B\u00fcndnis mit den Gro\u00dfagrariern. Ihre Sammlungspolitik \u2013 Vereinheitlichung aller agrarischen, b\u00fcrgerlichen und kleinb\u00fcrgerlichen Klassen und Schichten unter dem \u201eBlock an der Macht\u201c \u2013 beinhaltete den Versuch, alle Fraktionen der herrschenden Klasse sowie Kleineigent\u00fcmer, Beamte und Angestellte gegen die sozialistische und demokratische Bedrohung im Sinne einer pr\u00e4ventiven Konterrevolution \u2013 notfalls f\u00fcr eine putschistische Verfassungs\u00e4nderung \u2013 zu mobilisieren.<\/p>\n<p>Wenn dieses Ziel auch nicht erreicht wurde, standen die unmittelbaren Vorkriegsjahre doch im Zeichen einer mit \u2013 auch in anderen L\u00e4ndern in dieser Periode des voll herausgebildeten Imperialismus zu verzeichnender \u2013 allgemeiner Versch\u00e4rfung der Klassenk\u00e4mpfe (H\u00f6hepunkt: Bergarbeiterstreik von 1912) zusammenfallenden immer offenbarer werdenden Krise des Obrigkeitsstaats (latente Staatsstreichdrohung, Entliberalisierung auch in den s\u00fcddeutschen Bundesstaaten, scharfe Reaktionen der Unternehmer gegen Streiks). Bereits diese Entwicklungen waren ein Hohn auf die harmonischen Entwicklungsperspektiven der (latenten) revisionistischen SPD-Mehrheit!<\/p>\n<p>Die Strukturkrise des Kaiserreichs war wie dieses auch Erbe der gescheiterten b\u00fcrgerlichen Revolution von 1848. Diese Revolution hatte zwei Ziele gehabt: nationale Einigung nach au\u00dfen und demokratische Neugestaltung im Innern. Die Aufgaben des dritten Standes \u00fcbernahmen andere: die Einebnung \u00fcberholter Staatsgrenzen besorgte statt seiner Bismarck, an der Spitze der preu\u00dfischen Junkerklasse und mit Hilfe der preu\u00dfischen Armee; die innere Modernisierung \u00fcbernahm als unerledigte b\u00fcrgerlich-demokratische Aufgabe der vierte Stand aus den H\u00e4nden des schwach gewordenen dritten.<\/p>\n<p>Das nach au\u00dfen m\u00e4chtig und furchtsam erscheinende zweite Reich litt an inneren Ungleichzeitigkeiten und Ungleichm\u00e4\u00dfigkeiten: als Nationalstaat konnte es nur ungef\u00e4hr gelten \u2013 es schlo\u00df viele Deutsche (Deutsch-\u00d6sterreich) aus und viele Nichtdeutsche (Polen, Ukrainer) ein; die Bismarcksche Verfassung war eigent\u00fcmlich blockiert \u2013 der ungel\u00f6ste Dualismus zwischen Reich und Preu\u00dfen, die Scheinmacht des Bundesf\u00fcrsten und des Bundesrats, die unklar geteilte Allmacht von Kaiser und Reichskanzler, die institutionalisierte Ohnmacht des Reichstags, die unintegrierte Armee. Noch entscheidender war die \u201er\u00fcckst\u00e4ndige\u201c Machtverteilung zwischen seinen Klassen(fraktionen): die wirtschaftlich absinkenden Junker mu\u00dften einen sich treibhausm\u00e4\u00dfig entwickelnden Industriestaat f\u00fchren; das seit 1849 an Verantwortungslosigkeit gew\u00f6hnte und dadurch verw\u00f6hnte kapitalistische B\u00fcrgertum suchte in au\u00dfenpolitischen Abenteuern die ihm drinnen verwehrte Macht; die sozialdemokratischen Arbeiter waren \u201eReichsfeinde\u201c (vgl. Haffner, S. 8). Dabei war die SPD auf fatale Weise viel enger an diesen Staat gebunden, mit dem sie fast zeitgleich entstanden war, als es ihre Gegner von rechts wahrhaben wollten \u2013 fatal f\u00fcr ihre eigene Mitgliedschaft und die deutsche Arbeiterbewegung insgesamt, wie sich in der Novemberrevolution zeigen sollte!<\/p>\n<ol>\n<li><strong> Die Vorbereitung der Revolution durch den Krieg<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Der Erste Weltkrieg aktualisierte und versch\u00e4rfte alle in der deutschen Gesellschaft angelegten strukturellen Widerspr\u00fcche. Der im August 1914 begonnene \u201ePr\u00e4ventivkrieg\u201c schien im Gegensatz dazu das innen- und au\u00dfenpolitische Dilemma des Reiches zu l\u00f6sen: den Herrschenden galt er als Reformersatz, die f\u00fchrenden Funktion\u00e4re der Arbeiterbewegung sahen in ihm eine Chance zur Demokratisierung. Die Gewerkschaften suchten sich durch \u201ekonstruktive Mitarbeit\u201c unentbehrlich zu machen. Das von der 3. Obersten Heeresleitung unter Hindenburg und Ludendorff zwecks Militarisierung der Arbeit durchgesetzte \u201eHilfsdienstgesetz\u201c von 1916 best\u00e4tigte die neuen Positionen der Gewerkschaften, u.a. durch Errichtung von \u201eArbeiteraussch\u00fcssen\u201c in den Betrieben.<\/p>\n<p>Die reformistische Mehrheitsfraktion der SPD betrieb v.a. seit Bildung des \u201eInterfraktionellen Ausschusses\u201c 1917 durch Zusammenarbeit mit den offen b\u00fcrgerlichen Parteien die Parlamentarisierung des Reiches. Diese Integrationspolitik von Partei- und Gewerkschaftsf\u00fchrung entfernte sich jedoch immer mehr von der Entwicklung an der gesellschaftlichen Basis; die 1914 zweifellos vorhandene \u00dcbereinstimmung zwischen Vorst\u00e4nden, Mitgliedschaft und Anh\u00e4ngerschaft der Arbeiterorganisationen ging verloren.<\/p>\n<p>Der Erste Weltkrieg trug Z\u00fcge eines totalen Krieges. Im totalen Krieg werden schlechthin alle Ressourcen in den Dienst der Kriegf\u00fchrung gestellt; der Unterschied zwischen Front und \u201eHeimat\u201c wird geh\u00f6rig eingeebnet. In einer beispiellosen Massenmobilisierung wurden im deutschen Kaiserreich die H\u00e4lfte aller M\u00e4nner zwischen 16 und 60 eingezogen (13,2 Mio.); mehr als die H\u00e4lfte davon wurde get\u00f6tet oder dauerhaft verwundet (8,7 Mio.). Der Lebensstandard an der Heimatfront sank rapide ab. Der Sozialisierung der Verluste stand die krasse Privatisierung der Gewinne gegen\u00fcber. Der Radikalnationalismus der Vorkriegsjahrzehnte wurde noch einmal gesteigert: den westlichen Ideen von 1789 wurde das arrogante Selbstbewu\u00dftsein von einem \u00fcberlegenen deutschen \u201eSonderweg\u201c entgegengesetzt, verkn\u00fcpft mit der sozial\u201cdarwinistischen\u201c Idee eines Vorsprungs beim Kampf ums \u00dcberleben und der Schim\u00e4re einer weltbegl\u00fcckenden siegreichen deutschen Kulturnation.<\/p>\n<p>Unter der Kriegsbelastung sprang der Klassencharakter der Sozialstruktur noch sch\u00e4rfer ins Auge: Ungleichheit der Lebensmittelversorgung, exorbitante Unternehmensgewinne, ihre ausbleibende Besteuerung, Radikalisierung des Imperialismus in der Kriegszielpolitik. Die politischen Machtzentren formierten sich neu: die 3. Oberste Heeresleitung wurde ab August 1916 zu einer de facto Leitungsinstanz. Diese Milit\u00e4rdiktatur wertete die politische Reichsleitung, den Reichstag, den Monarchen zu Statisten ab \u2013 man sprach von Wilhelm II. als \u201eSchattenkaiser\u201c. In England und Frankreich pr\u00e4gte dagegen eine autorit\u00e4re Zivilregierung das Kriegsregime.<\/p>\n<p>An der Front sank die Hemmschwelle von Millionen M\u00e4nnern gegen\u00fcber der Gewalt angesichts Tag f\u00fcr Tag durchlittener Grenzsituationen zwischen Todesgefahr und Scheinruhe. Die deutsche Kriegswirtschaft fungierte als Kriegskorporativismus, in dem staatliche und private Interessen verzahnt waren (z.B. Kriegsrohstoffamt). Probleme stellten sich der staatskapitalistischen Kriegswirtschaft zuhauf: die englische Blockade und die dadurch vereitelte Einfuhr von Chilesalpeter zur Munitionsherstellung wurde durch Habers Erfindung der Stickstoffsynthese wettgemacht; dadurch konnte der Milit\u00e4rapparat seine Kapitulation bereits im November 1914 verhindern.<\/p>\n<p>Von Anfang bis Ende herrschte Arbeitskr\u00e4ftemangel, der durch Frauen, Jugendliche und ausl\u00e4ndische Zwangsarbeiter notd\u00fcrftig gelindert wurde. Die 16 wichtigsten Stahl- und Montanbetriebe hingegen steigerten ihren Gewinn bis 1917 um 800 Prozent \u2013 \u201eDie Dividenden steigen, die Proletarier fallen\u201c (Rosa Luxemburg). Die Kriegskosten beliefen sich schlie\u00dflich auf schier unglaubliche 162 Milliarden Mark. Eine angemessene Steuererh\u00f6hung wurde mit R\u00fccksicht auf die Konservativen abgelehnt: nur 21 Mrd. Mark wurden von den \u00f6ffentlichen K\u00f6rperschaften aufgebracht. Diese eklatante Ungerechtigkeit untergrub die politische Moral der Volksmassen. Die Reichsleitung begr\u00fcndete ihre Weigerung mit zuk\u00fcnftigen Reparationszahlungen der Entente nach einem \u201eSiegfrieden\u201c. Ihre Kriegskasse bediente sich solange mit 9 Anleihen auf dem deutschen Kapitalmarkt (fast 100 Mrd. Mark). Der Geldumlauf wurde von 2 auf 18 Mrd. Mark gesteigert. Der de facto Verzicht auf die Besteuerung der Gewinne, die das Geld aus dem Verkehr gezogen, den inflation\u00e4ren Preisdruck gemildert und die Kriegsprofiteure gebremst h\u00e4tte, trug seinen Teil zur erst in der Nachkriegszeit voll durchbrechenden gro\u00dfen deutschen Inflation bei, die 1923 die W\u00e4hrung zerst\u00f6rte.<\/p>\n<p>Das Sozialprodukt sank w\u00e4hrend des Krieges auf 60 % des Standes von 1913; die Realeinkommen minderten sich durchschnittlich um 40 %, statt 3400 Kalorien pro Kopf gab es 1917 nur mehr 1000. Der Schwarzmarkt schlo\u00df von vornherein drei Viertel der Bev\u00f6lkerung als K\u00e4ufer aus. Klassenspezifische Ungleichheit kennzeichnete auch die Unterst\u00fctzungsgelder f\u00fcr die Familien der Soldaten: eine Arbeiterfrau mit zwei Kindern, deren Mann vor dem Krieg monatlich 130 Mark heimgebracht hatte, erhielt jetzt ganze 24 Mark, obwohl ohne Miete und Kleidung mindestens 60 Mark n\u00f6tig gewesen w\u00e4ren. Bar jeder finanziellen Reserven mu\u00dften die Unterklassen jede Art von Lohnarbeit annehmen. Um die Bitternis komplett zu machen, florierte das obere kapitalistische B\u00fcrgertum beachtlich, blockte aber verbissen Korrekturw\u00fcnsche der Freien Gewerkschaften und der Sozialdemokratie ab.<\/p>\n<p>Das Bildungsb\u00fcrgertum (z.B. h\u00f6here Beamte) wurde dagegen \u00f6konomisch geschw\u00e4cht; sein Realeinkommen sank um 60 %. Je h\u00e4rter es \u00f6konomisch getroffen wurde, desto vehementer engagierte es sich f\u00fcr die bizarren Kriegsziele, f\u00fcr den autorit\u00e4ren Staat, f\u00fcr die Revanche an den M\u00e4chten der Entente. Um so h\u00e4rter traf es der Schock der Niederlage, die Flucht aller gekr\u00f6nten H\u00e4upter, der \u00dcbergang zur Republik. Im Kleinb\u00fcrgertum verlor der \u201eneue Mittelstand\u201c mehr an Kaufkraft als die Arbeiterschaft; die Angestellten r\u00fcckten immer n\u00e4her an deren soziale Lage heran. Im \u201ealten Mittelstand\u201c wurde die H\u00e4lfte der Handwerker und Kleinh\u00e4ndler eingezogen, ein Drittel ihrer Betriebe mu\u00dfte schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Das Proletariat durchlitt einen Verarmungsproze\u00df wie zuletzt w\u00e4hrend der Fr\u00fchindustrialisierung: der Anteil der Frauenarbeit stieg auf ein Drittel, die Schutzbestimmungen f\u00fcr sie wurden sofort aufgehoben, der Arbeitstag auf 14 bis 17 Stunden ausgedehnt, dazu regelm\u00e4\u00dfige Nacht- und Sonntagsschichten eingef\u00fchrt. Der Barlohn lag bei nur 40 % des M\u00e4nnerlohns. Bei den Industriearbeiterinnen vermehrte sich die Zahl w\u00e4hrend des Krieges trotzdem nur um 17 %. Das lag au\u00dfer an der schlechten Entlohnung an der durchg\u00e4ngigen Verweigerung der Ausbildung zu Facharbeiterinnen und der teilweise enorm schweren k\u00f6rperlichen Arbeit in den R\u00fcstungsbetrieben: z.B. mu\u00dften 37 kg schwere Schrapnells oder 80 kg schwere Minen 8 bis 10 Stunden t\u00e4glich f\u00fcr 3 Mark geschleppt werden, ein Drittel der dort besch\u00e4ftigten Frauen war wegen \u201eUnterleibsproblemen\u201c stets krankgeschrieben. Nicht selten wurden die Frauen von den M\u00e4nnern im Betrieb als Lohndr\u00fcckerinnen mi\u00dfachtet.<\/p>\n<p>Die Oberste Heeresleitung scheiterte jedoch mit dem \u201eHilfsdienstgesetz\u201c daran, alle arbeitsf\u00e4higen Frauen in die R\u00fcstungsindustrie zwangsweise zu verpflichten; die Emp\u00f6rung der Frontsoldaten und die Mi\u00dfstimmung an der \u201eHeimatfront\u201c lie\u00dfen Reichstag und Beh\u00f6rden mit Erfolg dagegen protestieren. Zu diesem Schicksal gesellten sich Unterern\u00e4hrung, stundenlanges \u201eSchlangestehen\u201c f\u00fcr rationierte Lebensmittel insbesondere nach dem \u201eR\u00fcbenwinter\u201c 1916\/17 und Mangelkrankheiten. Die Kindersterblichkeit stieg um 30 %, die Anzahl der Abtreibungen nahm rapide zu, Heiratsquote und Fruchtbarkeit fielen auf ein F\u00fcnftel bis ein Siebtel. Noch ehe die Phase der Massenstreiks im April 1917 begann, gab es bereits mehrere Pl\u00fcnderungen und Lebensmittelkrawalle, Demonstrationen und Proteststreiks unter Mitwirkung unz\u00e4hliger Frauen.<\/p>\n<p>Durch die Konzentration des Kapitals und die Tendenz zu normierter Massenproduktion, die Ersetzung gelernter durch angelernte Arbeitskr\u00e4fte kam es zu einer kurzfristig starken Zusammenballung von v.a. Frauen, Jugendlichen und Menschen aus einem nicht-industriellen Milieu in einzelnen Betrieben und Regionen. In Mammutbetrieben wie Thyssen und Leuna wurde so die Basis eines bis dahin in Deutschland kaum gewohnten rebellischen Arbeiterradikalismus gelegt. Gleichzeitig wurden aus einer bestimmten politischen Tradition heraus hochqualifizierte und gut verdienende Facharbeiter wie die Berliner Revolverdreher zu Kadern der \u201eRevolution\u00e4ren Obleute\u201c, der Arbeiteravantgarde der Oppositionsbewegung gegen den Krieg.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens seit Anfang 1917 kann man von einer Arbeitermassenbewegung gegen absolute Verelendung, politische Unterdr\u00fcckung und Krieg reden. Ihr H\u00f6hepunkt war der Januar 1918, als \u00fcber 1 Mio. Arbeiter unter der Androhung und mit der Konsequenz massenhafter Einberufungen zur Armee streikten, davon 300000 in Berlin. Hier wurde eine \u201eArbeiterrat\u201c genannte Streikleitung mit zahlreichen F\u00fchrern beider sozialdemokratischer Parteien gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Die Klassenlinie zog sich auch durch die Front und desavouierte das nationalistische Geschwafel von der \u201eSch\u00fctzengrabengemeinschaft\u201c: ein Leutnant erhielt 340 Mark Sold, ein gew\u00f6hnlicher Soldat 15, von den \u00fcblichen Offiziersprivilegien (Bordelle, Diener, Alkohol, Verpflegung, Unterbringung) zu schweigen. Dinosaurierartige Massenheere, Klassenunterschiede und staatlich legitimierte Massenabschlachtungen \u2013 das war das Gesicht des totalen Krieges an der Front (vgl. Wehler). Seit Fr\u00fchsommer 1918 l\u00f6ste sich die Westfront auf: Befehlsverweigerungen, Verfall der Kampfmoral, totale Ersch\u00f6pfung regierten. Bei der Verlegung des Ostheeres an die Westfront verschwanden 10 %, eine Million Soldaten marschierten unter Vorw\u00e4nden von der Front in die Etappe, so da\u00df durchaus von einem latenten Soldatenstreik geredet werden kann.<\/p>\n<p>Demgegen\u00fcber war die Opposition aller anderen Klassen und Schichten diffus und richtete sich gegen Schwarzmarkt und ungleiche Verteilung; oft auch gegen \u201eden Staat\u201c, \u201edas gro\u00dfe Geld\u201c oder \u201edie Preu\u00dfen\u201c als Gegenst\u00e4nde kleinb\u00fcrgerlich-b\u00e4uerlichen Unmuts \u00fcber die kriegswirtschaftlichen Zwangsma\u00dfnahmen; kleine Selbst\u00e4ndige und Bauern f\u00fchlten sich als Opfer eines die Gro\u00dfindustrie beg\u00fcnstigenden staatskapitalistischen Dirigismus. Die abh\u00e4ngigen Mittelschichten \u2013 Beamte und v.a. Angestellte \u2013 reagierten auf ihre niedergedr\u00fcckte soziale Lage mit einer nur begrenzten und vor\u00fcbergehenden Linkswendung.<\/p>\n<p>Das Parteienlager polarisierte sich: in der Deutschen Vaterlandspartei fand ein neuer Rechtsradikalismus f\u00fcr seine extremen Kriegsziele mehr Anh\u00e4nger als die Vorkriegs-SPD, darunter viele sp\u00e4tere NS-Gr\u00f6\u00dfen; die Unabh\u00e4ngige Sozialdemokratische Partei (USPD) schied aus Protest gegen den Krieg aus der SPD aus. Sie war eine lose F\u00f6deration aller pazifistischen und antimilitaristischen Gruppierungen der SPD, darunter zentristische Theoretiker wie Kautsky und Hilferding, Revisionisten wie Bernstein, aber auch die revolution\u00e4re Spartakusgruppe um Liebknecht und Luxemburg.<\/p>\n<p>Mit wenigen tausend Mitgliedern war letztere jedoch kaum mehr als eine Propagandagruppe, die angesichts scharfer Verfolgung und mangels Verankerung in den Gro\u00dfbetrieben kaum Einflu\u00df auf das Geschehen hatte. Demgegen\u00fcber gelang es den Revolution\u00e4ren Obleuten, die ebenfalls zum linken USPD-Fl\u00fcgel z\u00e4hlten, ein dichtes Netz von Vertrauensleuten in den Berliner Metallbetrieben aufzuziehen, durch das sie nicht nur genau \u00fcber die Stimmung in der Arbeiterschaft orientiert waren, sondern auch viel eher aktiv eingreifen konnten.<\/p>\n<p>Fazit: die Revolution war nicht nur der Preis f\u00fcr die milit\u00e4rische Niederlage; sie verk\u00f6rperte auch nicht nur das Aufbegehren gegen das Vorhaben, trotz der Niederlage im Westen weiterzuk\u00e4mpfen und die Schlachtflotte auf eine Todesfahrt gegen den weit \u00fcberlegenen englischen Gegner zu schicken. Vielmehr entsprang sie also auch einem Problemstau, der sich seit vielen Jahren im Kaiserreich gebildet hatte und im November 1918 sein Ventil suchte.<\/p>\n<p><strong>III. Von der \u201cOktoberreform\u201d zur Novemberrevolution<\/strong><\/p>\n<p>Mit ihrem \u201eJa\u201c zum Krieg glaubte die SPD, die Schwelle zur Macht zu betreten. Die erlangte statt der Reichstagsmehrheit bis zum Kriegsende aber vielmehr das Milit\u00e4r. Aber die deutschen Verfassungsverh\u00e4ltnisse gerieten doch in Bewegung: die einzige \u201eGegenkraft\u201c neben der Obersten Heeresleitung wurde die Reichstagsmehrheit aus SPD, Fortschrittspartei und Zentrum, w\u00e4hrend Kaiser und Bundesf\u00fcrsten zu blo\u00dfen Ornamenten der Verfassung, Reichskanzler und Kabinett zu Hilfsorganen der Obersten Heeresleitung wurden. Ganz und gar nicht verfassungsgem\u00e4\u00df st\u00fcrzten Parlamentsmehrheit und Oberste Heeresleitung, deren politisch-strategischer Kopf Ludendorff war, im Juli 1917 den Reichskanzler. Den neuen bestimmte Ludendorff, aber mit einem parlamentarischen Vizekanzler. Zwei Dauerdebatten wurden zwischen beiden \u201ePolen\u201c gef\u00fchrt: die Reichstagsmehrheit mahnte einen Verhandlungsfrieden ohne gro\u00dfe Koalitionsziele an, die Oberste Heeresleitung trat weiter f\u00fcr den \u201eSiegfrieden\u201c ein; auf die Forderung nach Anwendung des Reichtstagswahlrechts auf alle Bundesstaaten, Pressefreiheit, Demokratisierung, Parlamentarisierung antwortete die Milit\u00e4rf\u00fchrung: \u201eNach dem Siege \u2013 vielleicht\u201c.<\/p>\n<p>Die MSPD war zwar nicht in die Macht hineingewachsen, aber in die Machtatmosph\u00e4re, ging in den \u00c4mtern ein und aus. Mit Monarchie und Kapitalismus hatte sie sich abgefunden. Was sie erstrebte, war die parlamentarische Regierungsform und den Verst\u00e4ndigungsfrieden. Die Beziehung zwischen Spitzenfunktion\u00e4ren und Parteivolk litt darunter: einige der alten Hochburgen \u2013 Leipzig, Bremen, Hamburg, Berlin \u2013 wurden Zentren der neuen USPD. Trotzdem vertrauten die Massen immer noch ihren F\u00fchrern \u2013 sie waren alles, was sie hatten. Bei der gro\u00dfen Streikbewegung vom Januar 1918 w\u00e4hlten die Streikenden auch die SPD-F\u00fchrer in die Streikleitung \u2013 und lie\u00dfen sich von ihnen nach wenigen Tagen zum Abbruch des Streiks \u00fcberreden. Nach dem Krieg erhofften die meisten eine Wiedervereinigung der Partei, zumal die Unterschiede zwischen Mehrheit und Unabh\u00e4ngigen sich f\u00fcr sie \u2013 im Unterschied zur Rhetorik ihrer F\u00fchrer \u2013 nur als verschiedene Schattierungen von Verst\u00e4ndigungsfrieden, Wahlrechtsreform und Demokratie darstellten. Nach dem Krieg \u2013 das bedeutete aber f\u00fcr die allermeisten nach dem Sieg oder allenfalls nach einem Verhandlungsfrieden; der Gedanke an eine m\u00f6gliche Niederlage wurde nie ernsthaft aufgeworfen!<\/p>\n<p>Als aber am 27. September die Alliierten die Hindenburglinie im Westen angriffen und am gleichen Tag Bulgarien nach dem vorherigen Zusammenbruch der Balkanfront kapitulierte, war es Erich Ludendorff, der unverz\u00fcglich einen Plan entwarf, mit der nicht mehr abzuwendenden Niederlage so umzugehen, da\u00df Existenz und Ehre der Armee gerettet wurden. Dazu mu\u00dfte schleunigst ein Waffenstillstand geschlossen werden; das Ersuchen darum mu\u00dfte aber von der Regierung ausgehen \u2013 nicht von der Obersten Heeresleitung \u2013 und politisch, nicht milit\u00e4risch motiviert sein. Das Waffenstillstandsgesuch mu\u00dfte mit einem Friedensangebot verkn\u00fcpft sein; daf\u00fcr eigneten sich die Parteien der Reichstagsmehrheit, die folglich in die Regierung eintreten sollten.<\/p>\n<p>Die \u00dcbernahme der Verantwortung f\u00fcr die Niederlage sollte ihnen mit dem \u00dcbergang zu einer parlamentarischen Regierungsform vers\u00fc\u00dft werden, was wiederum US-Pr\u00e4sident Wilson die Ablehnung des Waffenstillstandsangebots erschweren w\u00fcrde \u2013 die Entente behauptete ja, einen Krieg f\u00fcr die Demokratisierung Deutschlands zu f\u00fchren. Lehnte er ab, w\u00fcrde die neue \u201eVolksregierung\u201c entweder einen verzweifelten Volksaufstand gegen das alliierte Diktat durchf\u00fchren oder sich unterwerfen; Ehre und Existenz der Armee w\u00e4ren in jedem Fall gerettet! Auf dieser Abw\u00e4lzung der Verantwortung vom Heer sollte sich sp\u00e4ter die sogen. Dolchsto\u00dflegende der gesamten deutschnationalen Reaktion aufbauen! F\u00fcr Ludendorff stand fest: wenn es auf der Gegenseite noch Zweifel am Sieg, in Deutschland Zweifel an der Niederlage und daher dort noch Verhandlungsbereitschaft, hier noch Widerstandsbereitschaft gab (besonders unter den Stabsoffizieren), dann mu\u00dfte die Bitte um sofortigen Waffenstillstand sie zunichte machen.<\/p>\n<p>Unter der neuen Reichsregierung, die diese Suppe ausl\u00f6ffeln sollte, rochen sowohl der neue Reichskanzler Prinz Max von Baden wie auch der zweite Mann und au\u00dfenpolitische Sprecher der SPD, Philipp Scheidemann, den vergifteten K\u00f6der Ludendorffs. Scheidemann warnte vor einem Eintritt in \u201eein bankrottes Unternehmen\u201c und traf damit die Stimmung in seiner Fraktion. Das Waffenstillstandsersuchen ging auch erst am 4. Oktober heraus.<\/p>\n<p>Ihren Widerstand brachen jedoch der Kaiser einer- und der sozialdemokratische Parteif\u00fchrer andererseits: Ebert argumentierte in der gleichen Fraktionssitzung, die Partei d\u00fcrfe in einem Augenblick, in dem alles zusammenbr\u00e4che, nicht dem Vorwurf aussetzen, ihre Mitwirkung zu versagen, wenn sie von allen Seiten darum gebeten werde. So erfuhr die \u00fcberraschte \u00d6ffentlichkeit am 5. Oktober, da\u00df das Deutsche Reich jetzt eine parlamentarische Demokratie sei, einen neuen Reichskanzler und eine neue Regierung mit der SPD als st\u00e4rkster Partei und zwei sozialdemokratischen Ministern habe. Diese spielte das Spiel der Obersten Heeresleitung mit und verk\u00fcndete, sie habe ein Friedens- und Waffenstillstandsgesuch an Woodrow Wilson gerichtet, erw\u00e4hnte aber mit keinem Wort, da\u00df Ludendorff dahinter steckte, es geradewegs erzwungen hatte!<\/p>\n<p>Das Kriegsende lie\u00df aber auf sich warten. Wilson hatte ja nicht allein dar\u00fcber zu befinden. Z\u00f6gernd und mi\u00dftrauisch sandte er zwischen dem 8. und 23. Oktober drei Noten: in der ersten forderte er den R\u00fcckzug aus den besetzten Gebieten, in der zweiten die Einstellung des U-Boot-Krieges und in der dritten die Abdankung des Kaisers. Um jede dieser Noten wurde in Berlin und zwischen der Hauptstadt und dem Hauptquartier im belgischen Spa tagelang gerungen. Die Westfront wich zur\u00fcck, zerbrach aber bis zum Tage der Waffenruhe im November nicht. Im Laufe des Oktober gaben aber die letzten Verb\u00fcndeten, \u00d6sterreich-Ungarn und die T\u00fcrkei, auf. Jetzt wechselte Ludendorff seinen Standpunkt und war f\u00fcr Abbruch des Notenwechsels und Weiterk\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Hinter seiner Kehrtwendung steckte nur eine innenpolitische \u00dcberlegung: er wollte gewi\u00df aus der parlamentarischen Demokratie keine Dauereinrichtung machen, sondern sie mit dem Makel der Niederlage und der Kapitulation behaften, um sie nach getaner Arbeit um so schneller und sicherer wieder zu Fall bringen zu k\u00f6nnen. Diese gab am 16. Oktober die Direktive aus:<\/p>\n<p><em>\u201eUnter allen Umst\u00e4nden mu\u00df der Eindruck vermieden werden, als gehe unser Friedensschritt von milit\u00e4rischer Seite aus. Reichskanzler und Regierung haben es auf sich genommen, den Schritt von sich ausgehen zu lassen. Diesen Eindruck darf die Presse nicht zerst\u00f6ren.\u201c<\/em>\u00a0(zitiert nach Haffner, S. 36)<\/p>\n<p>Umso ungef\u00e4hrdeter, je offensichtlicher es kein Zur\u00fcck mehr gab, konnte es sich die Heeresf\u00fchrung jetzt leisten, gegen solch schw\u00e4chliches und schm\u00e4hliches Aufgeben zu protestieren. Den dar\u00fcber entbrannten Konflikt zwischen Regierung und Oberster Heeresleitung verlor Ludendorff, der mit Zustimmung des Kaisers abgesetzt wurde.<\/p>\n<p>Als der \u00fcberf\u00e4llige Waffenstillstand nicht n\u00e4her r\u00fcckte, kam in den Massen eine bitter gereizte Ungeduld hoch. In ihnen herrschten zwei Grundstimmungen: eine \u00e4u\u00dferste Friedenssehnsucht und Bitternis dar\u00fcber, da\u00df die fr\u00fcheren Regierungen den Glauben an die Unbesiegbarkeit so stark gen\u00e4hrt hatten. Seit der dritten Wilson-Note waren pl\u00f6tzlich zwei Worte in aller Munde: \u201eKaiserfrage\u201c und \u201eRevolution\u201c.<\/p>\n<p>Existierte nicht die neugebackene Demokratie nur von Gnaden der Obersten Heeresleitung? Im Lande herrschte \u00fcberall noch der Belagerungszustand, nach wie vor gaben die Generalkommandos den Ton an. War die Regierung des Prinzen Max nicht nur eine d\u00fcnne parlamentarische T\u00fcnche \u00fcber den alten Zust\u00e4nden? Verdankte sie ihre Existenz nicht nur einer \u201eRevolution von oben\u201c? Sollte der Kaiser nicht schnell abdanken, wenn seine Person einem Waffenstillstand im Weg war?<\/p>\n<p>Die herrschenden Kreise f\u00fcrchteten das Gespenst einer Revolution, die den Kaiser loszuwerden trachtete; mit ihm w\u00fcrde sie aber zugleich alles hinwegfegen: Monarchie, Staat, Heer und Flotte, Regierung und Obrigkeit, Adel und Gro\u00dfb\u00fcrgertum. Um die Frage \u201eMonarchie oder Republik\u201c ging es ihnen dabei (noch) nicht; sie sahen in einem schnellen Thronverzicht des Kaisers, einer neuen Regentschaft und einem schnellen Waffenstillstand vielmehr eine M\u00f6glichkeit, Staat, Verfassung und Monarchie noch zu halten.<\/p>\n<p>Auch Ebert war jetzt auf das Programm der Regierung eingeschwenkt \u2013 Abdankung des Kaisers, schneller Waffenstillstand, Regentschaft, Rettung der Monarchie; Niederlage und Revolution im Innern \u2013 das war zuviel auf einmal, damit war nicht fertig zu werden. Der Kaiser dachte nicht an Abdankung, f\u00fcrchtete aber die Revolution wie kein Zweites. Er sehnte den Waffenstillstand herbei, weil er das Heer brauchte, um die Revolution in der Heimat niederschlagen zu k\u00f6nnen, sollte sie denn kommen. So bangte in diesem Monat Oktober jeder um etwas anderes: der Kaiser um den Thron, die Oberste Heeresleitung um Ehre und Zusammenhalt der Armee, der Kanzler um den rechtzeitigen Waffenstillstand, die sozialdemokratische Parteif\u00fchrung um die Geduld der Massen.<\/p>\n<p>Am Ende l\u00f6ste ein Verzweiflungsakt der Marineleitung die Revolution aus. F\u00fcr das Offizierskorps, von der Verantwortung f\u00fcr die Niederlage entlastet und von einem ganz bestimmten Ehrbegriff beseelt, der das Denken, F\u00fchlen und Handeln der deutschen Oberklasse traditionell pr\u00e4gte, war Aufgeben Schande. Der Schande zog es den Tod vor. Und die Mannschaften hatten gef\u00e4lligst mitzusterben. Die aber wollten jetzt nicht mehr mitziehen, nachdem der Krieg verloren gegeben war, nicht um einer Klassenehre willen, die nicht ihre war.<\/p>\n<p>Unter dem Eindruck der russischen Februarrevolution gr\u00fcndeten Matrosen der Kriegsflotte unter Max Reichpietsch einen geheimen Bund von Soldaten und Matrosen. Dieser st\u00fctzte sich auf Komb\u00fcsen-Aussch\u00fcsse, die es sich zur Aufgabe machten, die Versorgung der Mannschaften mit Nahrungsmitteln zu kontrollieren. Reichpietsch fa\u00dfte sie als einen ersten Schritt zum Aufbau von Matrosenr\u00e4ten nach russischem Muster auf. Er nahm Verbindung zu USPD-F\u00fchrern auf, die aber die Bedeutung seiner Organisation nicht begriffen. Seiner Flottenzentrale folgten ca. 5000 Soldaten. Ein Hungerstreik auf einem Kriegsschiff und massives \u201eAn-Land-Gehen\u201c ohne Erlaubnis f\u00fchrte zu harten Unterdr\u00fcckungsma\u00dfnahmen. Ein Kriegsgericht verh\u00e4ngte f\u00fcnf Todesurteile. Am 5. September 1917 wurden Reichpietsch und K\u00f6bis als R\u00e4delsf\u00fchrer hingerichtet.<\/p>\n<p>Im April 1917 hatte es eine Streikwelle gegen die Verringerung der w\u00f6chentlichen Brotration von 1350 auf 450 Gramm gegeben. Im Januar 1918 brach ein von revolution\u00e4ren Obleuten gegen den Willen ihrer Parteif\u00fchrung, die ein Verbot ihrer Organisation bef\u00fcrchtete, hervorragend organisierter Streik aus, bei dem erstmals zahlreiche politische Forderungen gestellt wurden: Frieden ohne Aneignung fremder Gebiete und ohne Entsch\u00e4digungsleistungen (\u201eAnnexionen und Kontributionen\u201c); Selbstbestimmungsrecht der V\u00f6lker; Anwesenheit von Arbeitervertretern bei den Friedensverhandlungen; Aufhebung des Belagerungszustandes; Demokratisierung des Staates auf allen Ebenen. Der Streik endete mit einer Niederlage. Tausende aktiver Arbeiter bezahlten ihn mit ihrem Leben. Sie wurden sofort eingezogen und an die vorderste Front in die Sch\u00fctzengr\u00e4ben geschickt!<\/p>\n<p>Am 22. Oktober wurde Karl Liebknecht aus dem Gef\u00e4ngnis entlassen. In Berlin besa\u00df der Spartakusbund zu dieser Zeit ungef\u00e4hr 50 Mitglieder. Er wandte sich an die revolution\u00e4ren Obleute \u2013 wie die Spartakisten in der USPD -, weil nur sie in der Lage waren, die Arbeiterinnen und Arbeiter in Bewegung zu setzen. Am 26. Oktober 1918 beschlossen die Obleute, sich als Arbeiterrat zu konstituieren und nahmen in deren Ausschu\u00df drei Spartakisten auf: Karl Liebknecht, Wilhelm Pieck und Ernst Meyer. Dieser substitutionalistische, \u201everschw\u00f6rerische\u201c Zug bei der Bildung eines Arbeiterrates dr\u00fcckte einen Ultimatismus aus, der sich noch im Unverm\u00f6gen widerspiegeln sollte, die sozialdemokratische Mehrheit der Arbeitermassen durch geeignete Taktiken im Rahmen der R\u00e4tedemokratie von ihren F\u00fchrern loszubrechen und f\u00fcr revolution\u00e4re Politik zu gewinnen. Eine Politik verzweifelter Man\u00f6ver bzw. der \u201eKontrolle\u201c der Volksbeauftragten durch Posten im Vollzugsrat sollte dieses Manko und das Fehlen eines Aktionsprogramms ersetzen.<\/p>\n<p>Die USPD-F\u00fchrung sah im Arbeiterrat nur ein Mittel, Druck auf die neue Regierung auszu\u00fcben. Liebknecht dagegen wollte die Mobilisierung der Massen durch Kundgebungen und Demonstrationen, damit diese sich ihrer Kraft bewu\u00dft werden und den Willen herausbilden, tats\u00e4chlich zu siegen. Dies allein war allerdings zu wenig, um die Mehrheit der Arbeiterschaft zu gewinnen. Ein Bruch mit ihren F\u00fchrungen von SPD und USPD sowie der Gewinn der linken Zentristen, der Obleute, war nur m\u00f6glich mittels eines Systems klarer Forderungen und einer Konfrontation der Bed\u00fcrfnisse der Massen mit der Politik ihrer traditionellen F\u00fchrer. Ihr Vertreter Richard M\u00fcller war nach dem Januarstreik zum Milit\u00e4r eingezogen worden. Barth, der an seine Stelle getreten war, und der linke USPDler Ledebour lehnten Liebknechts Vorschlag ab, am 3. November in Berlin Kundgebungen und Demonstrationen zu organisieren.<\/p>\n<p>Dabei konnten die Soldaten zum Vorteil der Revolution nur Auge in Auge mit breiten Massen auf der Stra\u00dfe gewonnen werden. So gelang es dem SPD-F\u00fchrer Wels am 9. November, die Garnison zu neutralisieren, damit sie nicht auf die Massen schossen. Sie wurden aber in der Verf\u00fcgungsgewalt ihrer Offiziere gelassen und blieben bis auf eine Ausnahme Schutztruppe des gegenrevolution\u00e4ren Rats der Volksbeauftragten. In einer st\u00fcrmischen Diskussion wurde der 11. November 1918 als Tag des Aufstands in Berlin festgesetzt. Vergeblich hatte Liebknecht davor gewarnt, einen bewaffneten Aufstand ohne vorherige Mobilisierung, ohne vorangehenden Generalstreik auszul\u00f6sen.<\/p>\n<p>Seine Kritik war insoweit berechtigt, als sie die Notwendigkeit der Vorbereitung der Massen auf den Aufstand betonte. Sie war aber ungen\u00fcgend. Was sollte das Ziel dieses Aufstandes sein? Die Machtergreifung der Arbeiterklasse? Wenn ja, f\u00fcr die Diktatur des Proletariats? Waren aber nicht die Massen noch mehrheitlich hinter SPD und USPD? Wollten die F\u00fchrer der beiden sozialdemokratischen Parteien nicht aber nur eine parlamentarisch verbr\u00e4mte Monarchie ohne Wilhelm II. bzw. eine b\u00fcrgerliche Republik?<\/p>\n<p>Hatte nicht die Bewegung des politischen Massenstreiks im Januar in unklarer Form von \u201eDemokratisierung des Staats auf allen Ebenen\u201c gesprochen? Bestenfalls konnte das Massenbewu\u00dftsein zur Einsicht in die Autorit\u00e4t und Notwendigkeit von Arbeiterr\u00e4ten gelangen. Aber dies war nicht identisch mit der \u00dcberzeugung von der Notwendigkeit der Machtergreifung der R\u00e4te \u00fcber die Zerschlagung des b\u00fcrgerlichen Staats.<\/p>\n<p>Dazu mu\u00dfte eine revolution\u00e4re Partei her, die im Kampf um die Verteidigung der R\u00e4te schlie\u00dflich ihre Allmacht durchsetzt und in diesem Proze\u00df die b\u00fcrgerlich-demokratischen Illusionen der Mehrheit der Arbeiterklasse positiv \u00fcberwindet, indem letztere zur \u00dcberzeugung gelangt, da\u00df es f\u00fcr ihre Herrschaft als Klasse nur die erfolgreiche Durchsetzung der Diktatur des Proletariats in Form der R\u00e4teherrschaft unter kommunistischer F\u00fchrung, die Vollendung der proletarischen Revolution gibt. Die andere Alternative kann nur die siegreiche, blutige Gegenrevolution sein, die Liquidierung der Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te und erneute Konsolidierung des b\u00fcrgerlichen Staatsapparates, seiner nicht gew\u00e4hlten und nicht rechenschaftspflichtigen Exekutive. Alles andere als eine \u201eVolksherrschaft\u201c, der das B\u00fcrgertum l\u00e4ngst reaktion\u00e4r abgeschworen hatte!<\/p>\n<p>Doch der \u201erevolution\u00e4re Generalstab\u201c wurde von den Ereignissen \u00fcberrollt \u2013 vom Aufstand der Matrosen! Am 20. Oktober hatte die Reichsregierung die Einstellung des U-Boot-Krieges gefordert. Die deutsche Flottenf\u00fchrung beschlo\u00df jedoch, trotzdem noch eine Entscheidungsschlacht mit der britischen Hochseeflotte zu suchen. Die Matrosen lehnten dies ab und weigerten sich auszufahren \u2013 zun\u00e4chst in Wilhelmshaven. Sie sahen den Befehl als eine Art Meuterei gegen den Willen der Regierung an und verteidigten diese insofern gegen die Offiziere.<\/p>\n<p>Die Meuterei endete zun\u00e4chst unentschieden. Die Aufr\u00fchrer wurden verhaftet und nach Kiel gebracht, aber der Admiralit\u00e4t erschien die vor Wilhemshaven versammelte Flotte zu unzuverl\u00e4ssig f\u00fcr ihr Unterfangen, so da\u00df sie zerstreut wurde. Nach Tagen ergebnislosen Verhandelns mit der Ortskommandantur, endlosen Debatten mit anderen Matrosen und Dockarbeitern versammelten sich die Mannschaften des Dritten Geschwaders, das in Wilhelmshaven noch nicht gemeutert hatte, zusammen mit Tausenden Arbeitern zu einer Protestdemonstration f\u00fcr die Freilassung ihrer verhafteten Kameraden in Kiel. Eine Patrouille scho\u00df in die Menge. Es gab neun Tote und 29 Verletzte, ein Matrose erscho\u00df den Befehlshaber.<\/p>\n<p>Das war der Startschu\u00df zur Revolution, nun gab es kein Zur\u00fcck mehr! Am Morgen des 4. November w\u00e4hlten alle Matrosen des Dritten Geschwaders Soldatenr\u00e4te, entwaffneten ihre Offiziere, bewaffneten sich selbst und hi\u00dften auf den Schiffen die rote Fahne. Ihr wichtigster Wortf\u00fchrer war Karl Artelt, USPD-Mitglied, der wegen seiner Beteiligung am Aufstand von 1917 zu f\u00fcnf Monaten Gef\u00e4ngnis verurteilt worden war. Am 4. November 1918 stand er an der Spitze eines von 20000 Matrosen gest\u00fctzten Rats.<\/p>\n<p>Die Offiziere sahen sich gezwungen, s\u00e4mtlichen Forderungen zuzustimmen: Aufhebung der Gru\u00dfpflicht, Erleichterung im Dienst, mehr Landurlaub, Freilassung der Gefangenen. Am gleichen Abend war die ganze Garnison in Soldatenr\u00e4ten organisiert, die Rote Fahne wehte \u00fcber den Kriegsschiffen. Sozialdemokraten und Unabh\u00e4ngige riefen in Kiel gemeinsam den Generalstreik aus. Ein Arbeiterrat wurde gebildet, der sich mit dem Rat der Matrosen vereinigte. Die Regierung ernannte daraufhin den Sozialdemokraten Gustav Noske zum Milit\u00e4rgouverneur von Kiel, um den revolution\u00e4ren Brand einzud\u00e4mmen. Aber auch Noske war vorerst gezwungen, die Autorit\u00e4t des neuen Arbeiter- und Soldatenrats anzuerkennen. Dieser begr\u00fc\u00dfte ihn mit Jubel und Erleichterung und w\u00e4hlte ihn sogar ebenfalls zum Gouverneur.<\/p>\n<p>Eine \u201eBefriedung\u201c gelang ihm erst, als die Matrosen die Garnison verlassen hatten, um die Revolution binnen f\u00fcnf Tagen in alle wichtigen Zentren des Reichs zu tragen. Sie hatten begriffen, da\u00df sie ohne Ausweitung ihres Experiments in der Falle s\u00e4\u00dfen, in den H\u00e4nden der von ihnen gedem\u00fctigten Offiziere deren blutiger Rache preisgegeben w\u00e4ren. \u00dcberall, wo ihre Abordnungen erschienen, fanden sich Arbeiter, die ihrem Beispiel folgten. Eine Stadt nach der anderen wurde so erobert. Im Ausschu\u00df der Revolution\u00e4ren Obleute in Berlin schlugen Liebknecht und Pieck vor, die geplante Aktion auf den 8. oder 9. November vorzuverlegen. Die Mehrheit lehnte dies ab, weil es Lohnzahlungstage waren. Am urspr\u00fcnglichen Termin wurde festgehalten. Doch einige Arbeiter in den Betrieben, darunter sozialdemokratische Vertrauensleute, einigten sich in der Zwischenzeit auf eine Aktion am 9. November \u2013 trotz Zahltag!<\/p>\n<p>In der Zwischenzeit waren sich alle Machtzentren des Reichs darin einig, die drohende Revolution zu stoppen, den noch bestehenden Staat zu retten und das Westheer daf\u00fcr im Innern einzusetzen. Der Kaiser wollte dabei das Westheer anf\u00fchren, Prinz Max war f\u00fcr einen neuen Regenten und General Groener vom Generalhauptquartier f\u00fcr den Heldentod Wilhelms an der Front. Ebert sah deutlicher als die anderen Machtzentralen, wie stark die Revolution schon war und forderte die Abdankung des Monarchen seit dem 6.11. \u2013 auch um den Zulauf der Massen zu den Unabh\u00e4ngigen zu bremsen und die von diesen f\u00fcr den Abend des 7.11. anberaumten 26 Versammlungen zu beeindrucken. Die Berichte der MSPD-Betriebsvertrauensleute sprachen von Vertrauensverlusten in die Partei, von Radikalisierung ihrer Anh\u00e4nger. Sie lie\u00dfen es ratsam erscheinen, rechtzeitig auf die Seite des baldigen Aufstands \u00fcberzugehen. Ebert bangte um mehr als den Zusammenhalt des Westheeres, n\u00e4mlich auch darum, ob die MSPD sich noch halten k\u00f6nne!<\/p>\n<p>In Berlin str\u00f6mten am 9. November Hunderttausende stadteinw\u00e4rts. Sie erwarteten einen Kampf um die Kasernen. Sie wu\u00dften nichts davon, da\u00df die Truppe \u201enicht mehr hielt\u201c. In den vorderen Reihen trug man Schilder mit der Aufschrift \u201eBr\u00fcder! Nicht schie\u00dfen!\u201c In den hinteren Reihen trug man vielfach Waffen. Und tats\u00e4chlich gab es kein Blutvergie\u00dfen! Die Soldaten schlossen sich den Demonstranten an, \u00f6ffneten die Kasernen, hi\u00dften selbst die roten Fahnen und verteilten Waffen. Die Polizei verdr\u00fcckte sich und lie\u00df ihre Waffen zur\u00fcck. Die Regierung des Prinzen Max hatte noch schnell auf Flugbl\u00e4ttern verk\u00fcndet, der Kaiser sei zur\u00fcckgetreten. In Wirklichkeit hatte dieser sich dazu noch gar nicht durchgerungen, wollte zumindest K\u00f6nig von Preu\u00dfen bleiben. Erst Tage sp\u00e4ter, nachdem er sich aus Spa sang- und klanglos davongemacht hatte, verk\u00fcndete er aus dem niederl\u00e4ndischen Exil seine Abdankung. Aber dies spielte jetzt keine Rolle mehr.<\/p>\n<p>Der Reichskanzler setzte Ebert auf dessen Verlangen als seinen Nachfolger ein, Scheidemann verk\u00fcndete die Republik \u2013 ohne Billigung Eberts \u00fcbrigens! Der schlaue Fuchs erkannte aber schnell, da\u00df er dahinter nicht wieder zur\u00fcckfallen durfte, wollte man die Revolution z\u00fcgeln. Vielmehr mu\u00dfte er unter dem Druck der Ereignisse noch einen Schritt weiter gehen, als Reichskanzler einer b\u00fcrgerlich-parlamentarischen Republik zu werden. Als Parteif\u00fchrer der MSPD mu\u00dfte er seine Regierungsgewalt im Namen der R\u00e4te aus\u00fcben, wollte er die Z\u00fcgel in der Hand behalten!<\/p>\n<p>Die Revolution\u00e4ren Obleute hatten n\u00e4mlich am Abend desselben Tages gehandelt: sie versammelten sich zu einer Sitzung im Reichstag, wo auch die beiden sozialdemokratischen Fraktionen \u00fcber die Bedingungen des Eintritts in die Regierung debattierten. Ebert verlangte dies von der USPD, um sie in die Verantwortung f\u00fcr seine gegenrevolution\u00e4re Politik hineinzuziehen. Die Versammlung der Revolution\u00e4ren Obleute beschlo\u00df f\u00fcr den n\u00e4chsten Morgen Wahlen zu Arbeiter- und Soldatenr\u00e4ten in den Fabriken und Kasernen. Nachmittags sollten die R\u00e4teabgeordneten eine provisorische Regierung \u2013 den \u201eRat der Volksbeauftragten\u201c \u2013 im Zirkus Busch w\u00e4hlen. Eberts Regierung hatte man nicht erw\u00e4hnt, als gebe es sie nicht; man wollte sie einfach beiseite schieben.<\/p>\n<p>Ebert wollte zun\u00e4chst die Massendemonstrationen \u00fcberstehen, um dann in Ruhe den Regierungsgesch\u00e4ften nachgehen zu k\u00f6nnen. Nun mu\u00dfte er sich die Legitimation als Volksbeauftragter von dieser Versammlung holen. Er mu\u00dfte zum Schein an die Spitze der Revolution treten. Daf\u00fcr war die Konfrontation der R\u00e4teversammlung mit der fertigen Tatsache einer allsozialistischen Regierung, die Betonung der Beendigung des \u201eBruderkampfs\u201c jetzt doppelt wichtig. Wels bearbeitete wie am Vormittag wieder die Soldaten, die in der Fr\u00fch noch nicht einmal wu\u00dften, ob sie die Revolution niederschie\u00dfen sollten.<\/p>\n<p>Er redete aber nicht von Vers\u00f6hnung, sondern von einem drohenden Komplott gegen die Regierung, die die Soldaten durch \u201erichtige\u201c Wahl am n\u00e4chsten Morgen \u201everteidigen\u201c sollten. Den Revolution\u00e4ren Obleuten war gegen Mittag des 10. klar, da\u00df die Anh\u00e4nger Ebert-Scheidemanns die Wahl gewonnen hatten. Laut Pierre Brou\u00e9 zogen bei dieser Wahl rechte Unabh\u00e4ngige zugunsten der Mehrheitssozialisten zur\u00fcck. Ein am 8. November von Ebert zusammengestellter Marionetten-Soldatenrat wird aber durch die Wahl in den Kasernen gegenstandslos ebenso wie durch die Wahl in den Fabriken ein \u201eArbeiter- und Soldatenrat\u201c; mit dieser Bezeichnung unterschrieb eine Versammlung von SPD-F\u00fchrern ihre Proklamation der \u201esozialen Republik\u201c am 9. November.<\/p>\n<p>Die gew\u00e4hlten Soldatenr\u00e4te bezogen auch scharf Stellung gegen einen im Kriegsministerium zusammengestellten \u201eAktionsausschu\u00df der Gro\u00df-Berliner Truppen\u201c, der von sich behauptete, gew\u00e4hlt worden zu sein, was der Reichskanzler durch seine Unterschrift best\u00e4tigte. Um 13 Uhr 30 akzeptierte Ebert eilig die Bedingungen der Unabh\u00e4ngigen f\u00fcr deren Regierungseintritt. Die MSPD akzeptierte jetzt ein rein sozialdemokratisches Kabinett ebenso wie die Forderung, da\u00df die politische Gewalt in den H\u00e4nden der Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te liegen sollte. Die Fachminister konnten B\u00fcrgerliche sein, sie wurden als \u201etechnische Gehilfen\u201c der Regierung bezeichnet. Ihnen wurde je ein Mehrheitssozialist und ein Unabh\u00e4ngiger beigeordnet.<\/p>\n<p>Die Frage der Konstituante sollte erst nach der Konsolidierung der Revolutionserrungenschaften er\u00f6rtert werden. Zuvor hatte der SPD-Parteivorstand die Forderung der USPD abgelehnt, die exekutive, legislative und rechtssprechende Macht ausschlie\u00dflich in die H\u00e4nde von gew\u00e4hlten Vertrauensm\u00e4nnern der gesamten werkt\u00e4tigen Bev\u00f6lkerung und der Soldaten zu legen, weil die Diktatur eines Teils einer Klasse nicht demokratischen Grunds\u00e4tzen entspreche, sofern dahinter nicht die Volksmehrheit steht. Im Gegenzug lie\u00df der USPD-Vorstand eine Fristbestimmung des Eintritts auf drei Tage fallen. Die USPD nominierte Haase, Dittmann und den Revolution\u00e4ren Obmann Barth f\u00fcrs Kabinett. Am Nachmittag beschlossen die Revolution\u00e4ren Obleute angesichts der Unvermeidbarkeit einer \u201eR\u00e4teregierung\u201c Ebert, der Versammlung im Zirkus Busch die Wahl eines Aktionsausschusses vorzuschlagen. Es sollte dar\u00fcber keine Debatte geben, auf der Vorschlagsliste standen nur Namen ihrer Meinungsgef\u00e4hrten. Dieser Bluff sollte der Schaffung eines Gegengewichts gegen Eberts Machenschaften dienen!<\/p>\n<p>Die Revolution lief in ganz Deutschland nach weitgehend demselben Muster ab: die Soldaten der Garnisonen w\u00e4hlten Soldatenr\u00e4te, die Arbeiter w\u00e4hlten Arbeiterr\u00e4te, die Milit\u00e4rbeh\u00f6rden kapitulierten, ergaben sich oder flohen, die zivilen Beh\u00f6rden erkannten erschrocken und versch\u00fcchtert die neue Oberhoheit der Arbeiter-Soldaten-R\u00e4te an. Das \u00e4u\u00dfere Bild glich wie auf geheime Verabredung wie ein Ei dem anderen: \u00fcberall gro\u00dfe Stra\u00dfenumz\u00fcge, gro\u00dfe Volksversammlungen, Verbr\u00fcderungsszenen zwischen Soldaten und Zivilisten, \u00fcberall wurden als erstes die politischen Gefangenen befreit, nach den Gef\u00e4ngnissen die Rath\u00e4user, die Bahnh\u00f6fe, die Generalkommandos, manchmal auch die Zeitungsredaktionen besetzt.<\/p>\n<p>Als \u201eArbeiterr\u00e4te\u201c wurden meistens Mitglieder der \u00f6rtlichen Parteivorst\u00e4nde der beiden sozialistischen Parteien nominiert und in Massenversammlungen per Akklamation best\u00e4tigt. Meist waren dabei die Arbeiterr\u00e4te parit\u00e4tisch aus beiden Parteien zusammengesetzt; der Wille der Massen richtete sich eindeutig auf Wiedervereinigung der beiden feindlichen Bruderparteien, die sich im Kriege getrennt hatten. Zusammen sollten sie die neue Regierung der Revolution bilden.<\/p>\n<p>Die Revolution war gutm\u00fctig. Es gab keine Lynchjustiz und keine Revolutionstribunale. Viele politische Gefangene wurden befreit, aber niemand wurde verhaftet. Man begn\u00fcgte sich, den Offizieren Kokarden und Rangabzeichen wegzunehmen, selten wurde ein verha\u00dfter Offizier oder Polizist verpr\u00fcgelt. F\u00fcr diese galt das trotzdem als unverzeihliche Entehrung. Die besiegten Herren verziehen den Aufst\u00e4ndischen den Sieg trotz ihrer Gutm\u00fctigkeit nicht, ja nicht einmal der Partei Eberts, die sich ja nicht sofort frontal gegen die Revolution stellen konnte, sondern sich an ihre Spitze stellen mu\u00dfte, um sie dann abw\u00fcrgen, zur\u00fcckrollen zu k\u00f6nnen. F\u00fcr die militaristische Offizierskaste war sie gleichwohl die Partei der \u201eNovemberverbrecher\u201c!<\/p>\n<p>Was beseitigt wurde, waren die Generalkommandos, die milit\u00e4rischen Obergewalten, die den ganzen Krieg hindurch jede deutsche Stadt und jeden Landkreis unter dem Belagerungszustand regiert hatten. Was an ihre Stelle gesetzt wurde, war die neue revolution\u00e4re Autorit\u00e4t der Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te. Die zivilen Verwaltungsbeh\u00f6rden blieben unangetastet und arbeiteten unter der Aufsicht und Oberhoheit der R\u00e4te weiter, wie sie im Kriege unter der Aufsicht und Oberhoheit der Milit\u00e4rbeh\u00f6rden gearbeitet hatten. An das private Eigentum r\u00fchrte die Revolution nicht. In den Fabriken blieb alles beim alten. Was zugleich mit den bisher allm\u00e4chtigen Milit\u00e4rbeh\u00f6rden hinweggefegt wurde, das waren die Monarchen, in deren Namen sie regiert hatten, und die milit\u00e4rische Autorit\u00e4t der Offiziere in den Armeeformationen; an ihre Stelle traten die Soldatenr\u00e4te. Die Revolution war nicht sozialistisch oder kommunistisch, sondern republikanisch, pazifistisch und antimilitaristisch. Die Massen, die sich das neue F\u00fchrungs- und Staatsorgan der Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te schufen, waren keine Spartakisten oder Bolschewisten, sondern Sozialdemokraten.<\/p>\n<p>Die Anh\u00e4nger des Spartakusbundes stellten der Revolution fast ausnahmslos keine F\u00fchrer, nicht einmal \u201eR\u00e4delsf\u00fchrer\u201c. \u00dcberhaupt hatte diese Revolution, au\u00dfer z.T. in M\u00fcnchen, keine F\u00fchrer und keine Organisation, keinen Generalstab und keinen Operationsplan, kein fest umrissenes Programm, sie war das spontane Werk der Massen, der Arbeiter und gew\u00f6hnlichen Soldaten. Die \u201eRevolution von unten\u201c wollte die \u201eRevolution von oben\u201c nicht kassieren, sondern erg\u00e4nzen, beleben, vorw\u00e4rtstreiben, recht eigentlich erst zur Wirklichkeit machen. Die Massen f\u00fchlten, da\u00df die Milit\u00e4rherrschaft aus dem Wege ger\u00e4umt werden mu\u00dfte, weil sie \u2013 zutiefst antidemokratisch \u2013 sich gegen die Revolution \u00fcberhaupt richtete und gegen den zuk\u00fcnftigen \u201eVolks- und Friedensstaat\u201c. Die sozialdemokratischen Massen, die so dachten und die die Revolution machten, glaubten sich darin eins mit ihren F\u00fchrern. Diese T\u00e4uschung geriet ihnen und der Revolution zur Trag\u00f6die!<\/p>\n<ol>\n<li><strong> Die Politik des Rats der Volksbeauftragten<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Zun\u00e4chst sprach Ebert am Abend des 10. November im Zirkus Busch. Er traf die Stimmung der Mehrheit der Anwesenden genau und redete \u00fcber die wiederhergestellte Einheit der sozialdemokratischen Parteien als Vorbedingung f\u00fcr die Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung, aber die war jetzt n\u00f6tig \u201ef\u00fcr den vollst\u00e4ndigen Sieg der Revolution\u201c. Haase wirkte matt und konnte ihn im Grunde nur best\u00e4tigen, obwohl er eigentlich gegen diese Koalition war. Liebknecht hielt der MSPD ihr S\u00fcndenregister aus der Kriegszeit vor. Das stie\u00df auf wenig Begeisterung.<\/p>\n<p>Au\u00dferplanm\u00e4\u00dfig \u2013 denn eigentlich sollte jetzt unverz\u00fcglich zur Wahl des Aktionsausschusses \u00fcbergegangen werden \u2013 ergriff Barth, der Versammlungsleiter, noch einmal das Wort, so da\u00df der aufmerksame Zuh\u00f6rer die unausgesprochenen Absichten erkennen konnte. Ebert erkl\u00e4rte dieses Gremium f\u00fcr \u201eeigentlich \u00fcberfl\u00fcssig\u201c, wenn es aber denn schon gew\u00e4hlt werden solle, m\u00fcsse es im Gegensatz zu den Vorstellungen der Obleute parit\u00e4tisch aus beiden Parteien besetzt werden. Daraufhin erkl\u00e4rte Barth w\u00fctend, in diesem Ausschu\u00df d\u00fcrfe kein Rechtssozialist sitzen! Nach dem darauf folgenden Tumult besonders in Reihen der Soldaten, die androhten, die Revolution ohne Parteien allein weiterzuf\u00fchren und eine Milit\u00e4rherrschaft zu errichten, schien die Versammlung gesprengt. Ihnen wurde schlie\u00dflich auch Parit\u00e4t mit den Arbeitervertretern im Ausschu\u00df zugestanden. Die Berliner R\u00e4te w\u00e4hlten also einen Vollzugsrat aus 13 Unabh\u00e4ngigen, die unter dem Einflu\u00df der Revolution\u00e4ren Obleute standen und 13 Sozialdemokraten bei den Arbeiterr\u00e4ten, am n\u00e4chsten Tag kamen 14 (meist wenig politisierte) Vertreter der Soldatenr\u00e4te hinzu (unterschiedliche Zahlenangaben bei Haffner, Moneta und M\u00fcller). Dieser gab den sechs \u201eVolksbeauftragten\u201c seinen Segen. Ebert erhielt so zweimal seine Investitur \u2013 vom alten Regime wie vom neuen! Die alten Ministerien, der alte Verwaltungsapparat, Armee und Polizei blieben jedoch intakt. Die \u00fcbernommenen alten Spitzenbeamten gehorchten nat\u00fcrlich nur den rechtssozialistischen Volksbeauftragten, v.a. Ebert.<\/p>\n<p><em>\u201eWenn die sozialdemokratische Regierung, den Sieg ihrer Anh\u00e4nger nutzend und auf den Oktoberfrieden mit der Obersten Heeresleitung verzichtend, jetzt die Niederlage der alten milit\u00e4rischen F\u00fchrung vollendete und sich eigene revolution\u00e4re Streitkr\u00e4fte schuf, dann brauchte sie die Rache der entmachteten Generale und Offiziere nicht mehr zu f\u00fcrchten. Wenn sie ihnen aber erlaubte, sich wieder zu erheben und sich von dem ebenso beleidigenden wie bet\u00e4ubenden Schlag, der sie im November getroffen hatte, zu erholen, dann durfte sie keine Schonung erwarten \u2013 keine Schonung f\u00fcr ihre revolution\u00e4ren Anh\u00e4nger, die zu \u201emeutern\u201c gewagt hatten, aber keine Schonung auch f\u00fcr sich selbst.\u201c<\/em>\u00a0(Haffner, S. 98)<\/p>\n<p>F\u00fcgen wir hinzu, da\u00df die Rache der militaristischen Gegenrevolution gegen die Aufst\u00e4ndischen fr\u00fcher als gegen die sozialdemokratische Reichsregierung erfolgte.<\/p>\n<p>Das Programm des Rates der Volksbeauftragten vom 12. November hob Einschr\u00e4nkungen der b\u00fcrgerlichen Freiheiten und der Arbeiterschutzbestimmungen durch den Belagerungszustand auf, verk\u00fcndete den achtst\u00fcndigen Maximalarbeitstag ab 1. Januar 1919 und das Wahlrecht f\u00fcr alle mindestens 20 Jahre alten Personen beiderlei Geschlechts. Neben dieser Erf\u00fcllung einiger demokratischer und \u00f6konomischer Minimalforderungen sprach er sich aber auch daf\u00fcr aus, \u201edie geordnete Produktion aufrecht(zu)erhalten \u2026\u201c und \u201edas Eigentum gegen Eingriffe Privater \u2026 zu sch\u00fctzen.\u201c Das bedeutete nichts anderes als den Schutz der kapitalistischen Produktionsweise vor revolution\u00e4ren Ersch\u00fctterungen! Am 15.11.1918 lie\u00dfen Gewerkschaften und Unternehmerverb\u00e4nde ein Arbeitsgemeinschaftsabkommen verlautbaren, das Tarifvereinbarungen, Schlichtungsaussch\u00fcsse und \u201egemeinschaftliche\u201c Zusammenarbeit auf betrieblicher (Arbeiteraussch\u00fcsse) und Reichsebene (Zentralausschu\u00df auf parit\u00e4tischer Grundlage) beinhaltete.<\/p>\n<p>MSPD und USPD verk\u00fcndeten zwar, die Macht liege jetzt in der Hand der R\u00e4te, doch Friedrich Ebert erkl\u00e4rte zugleich, nur eine aus gleichem Wahlrecht hervorgegangene verfassunggebende Versammlung (\u201eKonstituante\u201c) k\u00f6nne \u00fcber die endg\u00fcltige Regierungsform in Deutschland entscheiden. Der revolution\u00e4re Titel \u201eVolksbeauftragte\u201c war f\u00fcr die Sozialdemokratie nur Fassade. Sie leitete ihre Rechte nicht von ihren Auftraggebern im Zirkus Busch ab, sondern vom unklaren Wechsel auf eine zuk\u00fcnftige Nationalversammlung. Sie wollte keine R\u00e4terepublik, sondern ein b\u00fcrgerliches Parlament in einem b\u00fcrgerlichen Staat. Die MSPD wollte die Nationalversammlung so fr\u00fch wie m\u00f6glich zusammentreten lassen, damit quasi der alte Reichstag fortgesetzt werden konnte, als h\u00e4tte es keine Revolution gegeben.<\/p>\n<p>Die Versammlung im Zirkus Busch klammerte diese Frage aus. Am 12. verk\u00fcndete der Rat der Volksbeauftragten \u201ebaldigste\u201c Wahl einer Nationalversammlung. Ende November einigte sich der Rat der Volksbeauftragten auf den 16.2.1919. Erst der Reichsr\u00e4tekongre\u00df verlegte den Termin auf den 19.1. vor. F\u00fcr die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrzahl der R\u00e4te ging es nicht um die Frage: R\u00e4te oder Nationalversammlung. Sie wollten nicht ihre eigene Diktatur, sondern dem sozialdemokratischen Staat eine sozialdemokratische Exekutive verschaffen, eine parlamentarische \u201eVolksdemokratie\u201c ohne den alten ungew\u00e4hlten und unkontrollierten Staatsapparat. Ihre F\u00fchrer aber sahen dies sehr wohl als unl\u00f6sbaren Widerspruch! Die Frage, um die sich alles drehte, war: Revolution oder Konterrevolution!<\/p>\n<p>Entweder gingen die R\u00e4te zur Zerschlagung des b\u00fcrgerlichen Staates weiter oder die Gegenrevolution w\u00fcrde sie vernichten. Ein Drittes \u2013 Beibehaltung des Status Quo, der Doppelherrschaft, ein Sich-Zufrieden-Geben mit einer vermeintlichen Kontrolle \u00fcber die abgehobene b\u00fcrgerliche Exekutive \u2013 gab es nicht und konnte es nicht geben! Theoretisch war der Vollzugsrat h\u00f6chstes, die Regierung kontrollierendes Staatsorgan. Er hatte aber keine geregelten Kompetenzen, keine Machtmittel, keine Verwaltung und setzte nicht einmal die Ver\u00f6ffentlichung seiner Erkl\u00e4rungen in den Zeitungen durch, weil er vor dem Protest der MSPD und B\u00fcrgerlichen zur\u00fcckschreckte. Statt dessen verzettelte er sich in tausenderlei Kinkerlitzchen, die ihm die Regierung aufhalste, um sich selbst ungest\u00f6rt den entscheidenden politischen Gesch\u00e4ften widmen zu k\u00f6nnen. So gingen kostbare Wochen ins Land, die Ebert intensiv nutzte, um sich Unterst\u00fctzung f\u00fcr den entscheidenden Kampf aufzubauen.<\/p>\n<p>So befahl der Vollzugsrat z.B. am 11. November allen Autorit\u00e4ten, in seinem Namen zu handeln, was Ebert im Namen des \u201eh\u00f6chsten Staatsorgans\u201c gestattete, den alten Staatsapparat in Gang zu setzen. \u00c4hnlich wendeten die Ebert-Freunde am 16. einen Vorschlag des linken Unabh\u00e4ngigen D\u00e4umig, der dem Vollzugsrat die Einberufung eines zentralen Arbeiter- und Soldatenrats empfiehlt. Sie sind bereit, diesen zentralen Arbeiter- und Soldatenrat einzuberufen, der aber seinerseits die Konstituante einberufen und ihr einen den Grunds\u00e4tzen der proletarischen Demokratie entsprechenden Verfassungsentwurf zur Beschlu\u00dffassung vorlegen soll. Den Entwurf zur neuen Verfassung schrieb dann aber kein zentraler Arbeiter- und Soldatenrat, sondern der vom Rat der Volksbeauftragten zum Reichsminister des Innern erkorene b\u00fcrgerliche Professor Reu\u00df. D\u00e4umigs Programmentwurf lehnte die Nationalversammlung prinzipiell ab, weil sie zur b\u00fcrgerlich-demokratischen Republik f\u00fchren m\u00fcsse. Er verlangte den Ausbau der Arbeiterr\u00e4te und deren Ausdehnung auf alle Schichten des werkt\u00e4tigen Volkes. Ebert gelang es somit, innerhalb der h\u00f6chsten Autorit\u00e4t der R\u00e4temacht die Losung der Wahl zur Nationalversammlung durchzusetzen, um die herum sich alle konterrevolution\u00e4ren Kr\u00e4fte scharten. Am 22. wurde dieser Beschlu\u00df teilweise zur\u00fcckgenommen und der Vollzugsrat handelte bis zur Wahl des zentralen Arbeiter- und Soldatenrates weiter als Vollzugsrat von ganz Deutschland und behielt seine Kontrollrechte. Dieser Kompromi\u00df l\u00e4\u00dft die b\u00fcrgerliche Staatsmaschinerie weiter unangetastet funktionieren \u2013 im Namen der R\u00e4te! Ein Kardinalfehler des Vollzugsrates lag auch darin, zu lange ohne Tuchf\u00fchlung mit den Arbeiter- und Soldatenr\u00e4ten in der Provinz geblieben zu sein und den alldeutschen R\u00e4tekongre\u00df zu sp\u00e4t einberufen zu haben.<\/p>\n<p>Die Epigonen von Marx und Engels im Rat der Volksbeauftragten wagten sich weder an die Reichsbank noch an die kapitalistische Produktion und Wirtschaft heran; daf\u00fcr bestellten sie den Vertrauensmann f\u00fcr Schwerindustrie. Warum? Weil nach ihrer Meinung die kapitalistische Volkswirtschaft durch den Krieg aufs schwerste zerr\u00fcttet war. Die Arbeiterf\u00fchrer meinten, die Arbeiter m\u00fc\u00dften erst wirtschaftlich und technisch geschult werden, ehe sie sich an die kapitalistische Produktion und Verteilung heranwagen k\u00f6nnten. Auf diesem Standpunkt beharrten die MSPD-F\u00fchrer und rechten Unabh\u00e4ngigen Kautsky, Hilferding und Haase.<\/p>\n<p>Der linke Fl\u00fcgel um D\u00e4umig und der Spartakusbund verlangten von der Regierung sofortige und durchgreifende Ma\u00dfnahmen zur Verwirklichung des Sozialismus, die Nationalisierung der Gro\u00dfindustrie. Von den Unabh\u00e4ngigen im Rat der Volksbeauftragten einschlie\u00dflich Barth (!) bekannte sich niemand zu solchen Ma\u00dfnahmen. Selbst wenn die Argumente der Regierung richtig gewesen w\u00e4ren, w\u00e4re es ihre Pflicht gewesen, die tats\u00e4chliche Lage der Betriebe durch eine von Arbeitern und zuverl\u00e4ssigen Sozialisten ausge\u00fcbte Kontrolle festzustellen. Selbst von ihrem Standpunkt aus gesehen, konnte das keine St\u00f6rung des Wirtschaftsorganismus sein. Ein Dekret \u00fcber Arbeiterkontrolle h\u00e4tte ferner zumindest die \u00dcberwachung der Reichsbank, der Gesch\u00e4ftsbanken und der Staatsfinanzen vorsehen m\u00fcssen, um festzustellen, welche Mittel von den Kapitalisten verschoben oder beiseite gebracht oder der Konterrevolution zugef\u00fchrt wurden.<\/p>\n<p>Das Problem f\u00fcr die Klassenvers\u00f6hnler war nur, da\u00df diese Ma\u00dfnahmen sie in Gegensatz zu den Bossen und ihren Schergen im Staatsapparat man\u00f6vriert h\u00e4tte. Statt dessen rief der Rat der Volksbeauftragten eine Sozialisierungskommission zusammen, die schon bald keinen Schrecken bei den Unternehmern mehr ausl\u00f6ste, aber die Arbeiter vertr\u00f6sten half.<\/p>\n<ol>\n<li><strong> Der Reichsr\u00e4tekongre\u00df<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Vom 9.11. an bestand praktisch eine Allianz zwischen der sozialdemokratischen F\u00fchrung und der Obersten Heeresleitung. Ebert verf\u00fcgte, die Soldatenr\u00e4te h\u00e4tten die Offiziere zu unterst\u00fctzen. 7 Soldatenmitglieder des Vollzugsrates riefen zu einem geordneten und disziplinierten Truppenr\u00fcckzug unter Kommando der Offiziere auf. Sie waren geblendet von dieser \u201etechnisch schwierigen Aufgabe\u201c und beeindruckt von der \u00dcbereinstimmung zwischen Regierung und Generalhauptquartier. Angesichts dieser Gef\u00fcgigkeit der Soldatenr\u00e4te hegte die Oberste Heeresleitung die Absicht, den Kongre\u00df der Frontsoldaten am 1. Dezember in Bad Ems gegen die Arbeiterr\u00e4te umzudrehen. Zur\u00fcck in der Heimat und in Kontakt mit revolution\u00e4ren Elementen forderten diese aber auf dem Kongre\u00df die Erweiterung der Macht der Arbeiterr\u00e4te und lehnten einen Mi\u00dftrauensantrag des Generalstabs gegen den Vollzugsrat ab.<\/p>\n<p>In weiser Erkenntnis der Unzuverl\u00e4ssigkeit der heimischen Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te hatte der Generalstab bereits in seinen Richtlinien f\u00fcr die Truppe am 16. November ihnen nur beratende Funktion einr\u00e4umen wollen und eine Zusammenarbeit ausschlie\u00dflich mit den alten Beh\u00f6rden dekretiert. Als Schutzimpfung gegen radikale Einfl\u00fcsse forcierte er den Aufbau von Soldatenr\u00e4ten als Beschwerdeinstanz und beratendes Organ. Dabei wurde bewu\u00dft die Erw\u00e4hnung politischer Gesichtspunkte untersagt; es durfte ausschlie\u00dflich von der notwendigen \u201eAufrechterhaltung der Ordnung\u201c her argumentiert werden. Eine \u201egeregelte\u201c Zur\u00fcckf\u00fchrung der Front war f\u00fcr die Gener\u00e4le von h\u00f6chster Bedeutung als \u201eMachtfaktor f\u00fcr eine neue Regierung.\u201c<\/p>\n<p>Im Klartext: das Frontheer mu\u00dfte zur Niederschlagung \u201erevolution\u00e4rer Umtriebe\u201c einsatzbereit bleiben. Um die Parole \u201eWiedereinsetzung des Reichstages\u201c herum sammelte sich die st\u00e4rkste, gef\u00e4hrlichste Gegenrevolution von Bourgeoisie, Oberster Heeresleitung und Offizierskorps des Frontheeres. Ebert und Groener planten \u00fcber ihre geheime Telefonleitung zwischen dem 10. und 15. Dezember einen Gegenputsch mit 10 Divisionen der nach Berlin einr\u00fcckenden Feldarmee, um dem R\u00e4tekongre\u00df zuvorzukommen. Sie sollten lt. Groener \u201eBerlin entwaffnen und von Spartakiden s\u00e4ubern\u201c. Einige Soldatenr\u00e4te und die USPD-Volksbeauftragten waren zwar f\u00fcr den Einmarsch, aber ohne scharfe Munition. Ebert stimmte Groeners Plan selbstverst\u00e4ndlich zu. (Aussage Groeners im M\u00fcnchner Dolchsto\u00dfproze\u00df 1925; in: Brandt, 1918-19, S. 84 \u2013 86)<\/p>\n<p>Da\u00df dieser Plan scheiterte, da\u00df \u201eOrdnung und eine feste Regierung\u201c jetzt noch nicht zustande kamen, lag daran, da\u00df die Truppe sich schlicht aufl\u00f6ste; bis auf 800 Mann traten alle den Weg nach Hause an.<\/p>\n<p>Auf dem Reichsr\u00e4tekongre\u00df, der vom 16. bis zum 21. Dezember 1918 in Berlin tagte, hatten Ebert und seine rechtssozialdemokratischen Genossen eine bequeme Mehrheit. Von den 489 Delegierten \u2013 405 Arbeiter- und 84 Soldatenr\u00e4te \u2013 waren 288 Mehrheits-Sozialdemokraten; die USPD hatte 90 Abgeordnete, davon 10 Spartakisten; elf geh\u00f6rten einer Gruppe \u201evereinigter Revolution\u00e4re\u201c aus Hamburg an; 25 waren Demokraten; 26 Soldaten- und 49 Arbeiterr\u00e4te machten keine Angaben \u00fcber ihre Parteizugeh\u00f6rigkeit (geringf\u00fcgig differierende Angaben bei Moneta und M\u00fcller).<\/p>\n<p>Leitende und besoldete Funktion\u00e4re stellten genau ein Drittel der gesamten stimmberechtigten Delegierten, womit die SPD einen \u00fcberragenden Einflu\u00df bekam. Der mehrheitssozialdemokratische Parteiapparat war stark genug, die Arbeiter davon zu \u00fcberzeugen, da\u00df zum Triumph der Revolution nur das Siegel der Nationalversammlung fehle und der Sieg des Sozialismus nur von spartakistischen Man\u00f6vern bedroht sei. Weder Liebknecht noch Luxemburg waren gew\u00e4hlte Vertreter. Der Kongre\u00df lehnte es auch ab, sie zuzulassen. Die Vorschl\u00e4ge, einen internationalen Aufruf an das britische und franz\u00f6sische Volk zu erlassen, und Beziehungen mit der Regierung Sowjetru\u00dflands aufzunehmen, wurden ebenso verworfen. Die \u00dcbernahme der Staatsmacht durch die Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te wurde abgelehnt, die Wahl zur Nationalversammlung schon f\u00fcr den 19. Januar beschlossen und alle gesetzgebende Gewalt ging auf den Rat der Volksbeauftragten \u00fcber unter Kontrolle des neu zu w\u00e4hlenden Zentralrats bis zur endg\u00fcltigen Regelung durch die Nationalversammlung. Au\u00dferdem wurde die Entwaffnung der Konterrevolution und die Sozialisierung der \u201edaf\u00fcr reifen\u201c Industrien gefordert. Dies war der erste gro\u00dfe Sieg der Gegenrevolution!<\/p>\n<p>Die USPD-Fraktion verlie\u00df am Ende die Konferenz, so da\u00df im neu gew\u00e4hlten Zentralrat nur noch die MSPD vertreten war. Nur an einem Punkt war dieser zahme R\u00e4tekongre\u00df unnachgiebig: die Milit\u00e4rdiktatur, die von der Revolution gest\u00fcrzt worden war, durfte nicht wiederkommen, die Macht der Generalit\u00e4t und des Offizierskorps mu\u00dfte f\u00fcr immer gebrochen werden. Die sogen. \u201eHamburger Punkte\u201c forderten: oberste Kommandogewalt bei den Volksbeauftragten unter Kontrolle des Vollzugsrates; Disziplinargewalt bei den Soldatenr\u00e4ten; freie Offizierswahl; keine Rangabzeichen; kein Vorgesetztenverh\u00e4ltnis au\u00dfer Dienst; Beschleunigung der Abschaffung des stehenden Heeres und der Errichtung einer Volkswehr. Diese Punkte waren in sich selbst noch halbherzig, weil sie die Notwendigkeit der gewaltsamen Zerschlagung der stehenden Armee und ihrer Ersetzung durch ein proletarisches Milizsystem nicht klar aussprachen und vom Vertrauen in die politische F\u00fchrung der SPD gepr\u00e4gt waren, denn die n\u00e4here Ausf\u00fchrung dieser Richtlinien wurde an den Rat der Volksbeauftragten im Einvernehmen mit den Soldatenr\u00e4ten und dem Vollzugsrat delegiert.<\/p>\n<p>Sie versuchten aber die Doppelherrschaft in der Armee zu sanktionieren, was zu deren Schw\u00e4chung und Zersetzung beigetragen h\u00e4tte. Deshalb mu\u00dften sie auch kritisch unterst\u00fctzt werden. Ihre Annahme er\u00f6ffnete die Krise. Hindenburg telegrafierte sofort, da\u00df er den Beschlu\u00df des Reichsr\u00e4tekongresses nicht anerkenne. Generalleutnant Groener, Intimus von Ebert, reiste nach Berlin und drohte mit R\u00fccktritt. Ebert verstand die Kunst des Abbiegens wie kein Zweiter und vertr\u00f6stete auf k\u00fcnftige Ausf\u00fchrungsbestimmungen. Die Zeit spielte f\u00fcr die Gegenrevolution: die Oberste Heeresleitung begann auf den Truppen\u00fcbungspl\u00e4tzen um Berlin schlagkr\u00e4ftige Freiwilligenformationen zusammenzustellen, zuverl\u00e4ssiger als die vom Revolutionsbazillus infizierte Garnison und die zur\u00fcckkehrenden Fronttruppen. Die Konterrevolution hatte sich bewaffnet.<\/p>\n<p>Die Berliner Arbeiter sind zwar bewaffnet, bilden aber keine organisierte Miliz. Dazu hat sicher auch die Fixierung der Revolution\u00e4ren Obleute auf ihren \u201eAufstandsplan\u201c beigetragen. Das Organisationskomitee des Generalstreiks vom 9. November h\u00e4tte als Embryo eines zu w\u00e4hlenden Arbeiterrats die Arbeiter schon zur Selbstverteidigung des Streiks und der Demonstrationen bewaffnen m\u00fcssen. Gleichzeitig h\u00e4tte es in den Kasernen die Bildung von R\u00e4ten der Mannschaften und die Absetzung der Offiziere f\u00f6rdern m\u00fcssen sowie den Zusammenschlu\u00df mit dem Streikkomitee, um so die Polarisierung innerhalb des Heeres entlang der Klassenlinien zu erleichtern.<\/p>\n<p>So entstanden Soldatenr\u00e4te oft unter Billigung und Einflu\u00dfnahme der Offiziere und wurden anf\u00e4llig f\u00fcr die Argumente der Gegenrevolution. Innerhalb der Armee verschwamm der Klassengegensatz unter den gemeinen Soldaten eher; daf\u00fcr war der Gegensatz zwischen Untergebenen und Vorgesetzten sch\u00e4rfer ausgepr\u00e4gt. Da aber kaum revolution\u00e4re Zellen vorhanden waren, kamen nichtrevolution\u00e4re Elemente in die R\u00e4te. D\u00e4umigs Antrag auf Bildung einer Roten Garde wird im Vollzugsrat von den Soldatenr\u00e4ten abgelehnt.<\/p>\n<ol>\n<li><strong> Der Weihnachtszwischenfall<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>3000 Milizion\u00e4re Eichhorns und 5000 Soldaten der Volksmarinedivision (VMD) sind die einzigen bewaffneten Kr\u00e4fte, denen die Arbeiter vertrauen, nachdem letztere nicht mehr von dem reaktion\u00e4ren Abenteurer Graf Metternich befehligt wurde.<\/p>\n<p>Alle entscheidenden K\u00e4mpfe im ersten Halbjahr der Revolution (w\u00e4hrend der Novemberrevolution am 6. und 24. Dezember sowie in der ersten Januarwoche) wurden von der Konterrevolution provoziert. Bereits am 6. Dezember hatten Elemente der Garnison und der Polizeikommandantur Wels eine spartakistische Demonstration der Union der Deserteure niedergeschossen, den Vollzugsrat unter F\u00fchrung seines eigenen Mitglieds Spiro (!) verhaftet und Ebert zum Reichspr\u00e4sidenten ausgerufen.<\/p>\n<p>Der unhaltbare Widerspruch zwischen Rat der Volksbeauftragten und ZVR einerseits und die f\u00fcr das Vorantreiben der Revolution g\u00e4nzlich untaugliche Kontrolle einer Regierung, die sich auf die R\u00e4te st\u00fctzt, aber auch von der alten Macht und ihrer Staatsmaschine eingesetzt und gehalten wird, durch den Vollzugsrat \u2013 auch eine Koalition aus MSPD und USPD, nur mit deren linkem Fl\u00fcgel statt ihrem rechten \u2013 zeigte sich schlagend schon beim ersten gegenrevolution\u00e4ren Putschversuch am 6. Dezember, als der Vollzugsrat dem Rat der Volksbeauftragten nicht in die Exekutive eingreifen durfte. Eine beidseitige Erkl\u00e4rung \u00fcberbr\u00fcckte die Kompetenzkrise nur zum Schein; die inh\u00e4rente Logik dieser Konstruktion verurteilte das theoretisch oberste Gremium immer mehr zur Ohnmacht.<\/p>\n<p>Nach diesem Putschversuch erfolgte am 23. Dezember eine erneute, ernstere Kraftprobe. Die VMD, zuverl\u00e4ssigste milit\u00e4rische St\u00fctze der Revolution, geriet wegen des provokativ an sie nicht ausgezahlten Soldes, Konflikten um ihre Unterbringung und ihre bevorstehende Verkleinerung \u00fcber das Ma\u00df ihrer eigenen Demobilisierung hinaus mit den sozialdemokratischen \u201eVolksbeauftragten\u201c in Streit und besetzte die Reichskanzlei. Ebert rief \u00fcber die geheime Telefonleitung zu Groener im Generalstab (!) Truppen zu Hilfe. Sie griffen am Heiligabend die Marinedivision in deren Unterkunft an.<\/p>\n<p>Das Volk str\u00f6mte, von Ger\u00fcchten aufgeschreckt, massenhaft auf die Stra\u00dfe, Frauen und Kinder voran. Die Soldaten wollten jetzt nicht mehr schie\u00dfen. Die Massen durchbrachen ihren Ring. Die USPD-F\u00fchrer stellten die Ruhe wieder her und retteten damit ihren Koalitionspartner trotz Eberts offensichtlicher Initiative zu dieser Aktion. Dittmann (Brandt, S. 90 f.) stellte klar, da\u00df am Nachmittag des 23. Dezember eine Vereinbarung mit den Matrosen getroffen worden war, nach der sie verpflichtet waren, die Schl\u00fcssel abzuliefern, und dann sollte ihnen die L\u00f6hnung ausgezahlt werden. Sp\u00e4ter rechtfertigten die SPD-Volksbeauftragten ihren Einsatzbefehl damit, das sei geschehen, um das Leben ihres Genossen und Stadtkommandanten Wels zu retten, der sich im Marstall in der Gefangenschaft der Matrosen befunden habe. Wenn das stimmte, so Dittmann, dann war der Kanonenbeschu\u00df ein absolut ungeeignetes Mittel, ihn zu retten. Die Verhandlungen hatten ja zum Erfolg gef\u00fchrt. Dieser \u201eErfolg\u201c war die \u201efriedliche\u201c Dezimierung der einzigen halbwegs zuverl\u00e4ssigen milit\u00e4rischen Kraft der Revolution!<\/p>\n<p>Dittmanns Vorwurf an Ebert &amp; Co.: sie hatten \u201eunn\u00f6tig\u201c den Weg der Gewalt beschritten und dem Einflu\u00df der alten Milit\u00e4rs wieder \u201ezu sehr\u201c nachgegeben. Die Ebert, Landberg und Scheidemann kungelten weiter mit der Armee. Doch das Mi\u00dftrauen gegen\u00fcber den MSPD-\u201cVolkskommissaren\u201c wuchs weiter. Nach den Weihnachtstagen begannen die Massen, die im November noch an ihren Sieg geglaubt hatten, sich verraten zu f\u00fchlen. Innerhalb der Linken setzte ein Differenzierungsproze\u00df ein: die Spartakisten traten aus der USPD aus, einige rechte Unabh\u00e4ngige strebten zur SPD, die Revolution\u00e4ren Obleute klagten ihre Volksbeauftragten an, alles falsch gemacht zu haben und schlossen Barth aus ihren Reihen aus.<\/p>\n<p><strong>VII. Januark\u00e4mpfe: erster entscheidender Sieg der Konterrevolution<\/strong><\/p>\n<p>Nach der blutigen Weihnacht, am 29. Dezember 1918, schied die USPD aus der Koalition mit der MSPD aus und verlie\u00df den Rat der Volksbeauftragten. Der Zentralrat hatte die Aktion der rechtssozialdemokratischen Volksbeauftragten vom 24. Dezember gebilligt, Ruhe und Ordnung, Schutz des Eigentums und eine Garantie gegen \u201eGewaltt\u00e4tigkeiten\u201c seitens der USPD-Mitglieder verlangt. Diese verlangten u.a. eine \u201enach demokratischen Grunds\u00e4tzen aus Freiwilligen zu bildende Volkswehr\u201c \u2013 eine Art Freikorps nach Schweizer Muster, eine reaktion\u00e4re B\u00fcrgerwehr, aber sicher keine revolution\u00e4re Arbeitermiliz \u2013 und eine Sozialisierung lediglich der daf\u00fcr \u201ereifen Industrien\u201c. Sie betonten die \u00dcberlegenheit ihrer friedlichen Verhandlungsf\u00fchrung zum Zwecke der Demobilisierung der revolution\u00e4ren Milit\u00e4reinheiten statt sinnloser Gewaltanwendung \u2013 f\u00fcr das gleiche Ziel.<\/p>\n<p>In seiner Rede am 11. Juni 1919 bringt Georg Ledebour das Dilemma der USPD-Volksbeauftragten auf den Punkt: er gei\u00dfelt die Zugest\u00e4ndnisse der Rechtssozialisten an die alte B\u00fcrokratie, an die Vertreter der kapitalistischen Parteien und des alten Milit\u00e4rregimes nicht aus Prinzip, sondern weil sie \u201e\u00fcbertrieben\u201c waren. Auch die USPD<\/p>\n<p><em>\u201everkannte \u2026 nicht die Schwierigkeiten, die sich der Verwirklichung einer rein sozialistischen Politik gerade im damaligen Zeitpunkt entgegenstellten, weil durch den Krieg das ganze Wirtschaftsleben, das ganze gesellschaftliche Leben \u00fcberhaupt vollkommen zusammengebrochen war. Aber die Schwierigkeiten wurden unseres Erachtens von den \u00fcbrigen drei Volksbeauftragten viel schlimmer dargestellt, als sie wirklich waren.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eWir haben damals fortgesetzt darauf gedr\u00e4ngt, da\u00df das alte Heer so schnelle wie m\u00f6glich restlos demobilisiert werden sollte, weil es zun\u00e4chst, vom milit\u00e4rischen Standpunkt betrachtet, vollkommen zusammengebrochen und demoralisiert war auch, weil es eine ganz unn\u00f6tige Belastung darstellte\u201c<\/em>\u00a0(Brandt: 1918-19, S. 88 \u2013 91)<\/p>\n<p>Schwierigkeiten des Zusammenbruchs? Nat\u00fcrlich, und gerade deshalb mu\u00dfte unter Kontrolle der Arbeiter und ihrer R\u00e4te ein Notplan f\u00fcr Produktion und Verteilung erstellt werden! F\u00fcr den Rechtszentristen Dittmann aber mu\u00df erst das Unternehmertum \u201eaufr\u00e4umen\u201c und \u201eseine Wirtschaft\u201c in Gang bringen, damit \u201edanach\u201c an eine \u201erein sozialistische Politik\u201c \u00fcberhaupt wieder zu denken ist. Dabei hatten die Kaustkyaner nun ihren \u201egro\u00dfen Kladderadatsch\u201c, \u201evor\u201c dem an eine Einf\u00fchrung des Sozialismus angeblich nicht zu denken war, d.h. solange sich \u201edie (kapitalistischen) Produktivkr\u00e4fte noch entwickelten\u201c!<\/p>\n<p>Die Demobilisierung des Frontheeres unter der Regie des Generalhauptquartiers (!) war \u2013 so die USPD \u2013 notwendig, nicht weil es Bestandteil einer zu zerschlagenden imperialistischen Armee war, sondern weil es nun auch f\u00fcr den Imperialismus untauglich geworden war und Ressourcen f\u00fcr den kapitalistischen Wiederaufbau verschlang! Auf dem Reichsr\u00e4tekongre\u00df war bereits ein neuer Zentralrat gew\u00e4hlt worden, in dem die Revolution\u00e4ren Obleute nicht mehr mitwirkten. Gustav Noske, langj\u00e4hriger SPD-Abgeordneter und jetzt Vertrauter des Offizierskorps, wurde Minister. Mit ihm fand die Konterrevolution \u2013 im Gegensatz zur Revolution \u2013 eine f\u00e4hige und energische F\u00fchrung, die es verstand, ein Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis richtig einzusch\u00e4tzen und entsprechend zu handeln.<\/p>\n<p>Am 4. Januar 1919 entschied Noske, den Polizeipr\u00e4sidenten von Berlin, Eichhorn (USPD), mit Gewalt abzusetzen. Am Abend trafen sich die Revolution\u00e4ren Obleute, der Vorstand der Berliner USPD, Liebknecht und Pieck von der KPD mit Eichhorn im Polizeipr\u00e4sidium. Diese Versammlung rief zu einer Massenkundgebung gegen die Absetzung am n\u00e4chsten Tag auf. Die Reaktion war \u00fcberw\u00e4ltigend. Am Nachmittag hatte sich aus der Demonstration eine bewaffnete Aktion entwickelt und die Verlage im Zeitungsviertel besetzt. Zwei Tage lang beherrschten die Revolution\u00e4re Berlin. Die Anf\u00fchrer dieser Bewegung sahen nur zwei M\u00f6glichkeiten: entweder den sofortigen Kampf um die Macht oder einen geordneten R\u00fcckzug, um dem Kampf auszuweichen, weil das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis in der Hauptstadt und v.a. im Reich noch viel zu ung\u00fcnstig war. Doch zwei Tage lang gaben sie nur Demonstrationslosungen aus. Als die Massen vom Herumwandern m\u00fcde geworden waren und nach Hause gingen, wurde ein Aufstand ausgel\u00f6st, der in Blut ertr\u00e4nkt werden konnte.<\/p>\n<p>Nach dieser eindrucksvollen Protestaktion trafen sich am Abend des 5. Januar 70 Revolution\u00e4re Obleute, 10 Vorstandsmitglieder der Berliner USPD, 3 Soldatenvertreter, beide o.a. Genossen von der KPD und Eichhorn. Der Anf\u00fchrer der VMD Dorrenbach hatte die Versammlung mit der Einsch\u00e4tzung angespornt, alle Berliner Regimenter seien bereit, die Regierung Ebert-Scheidemann zu st\u00fcrzen und st\u00e4nden geschlossen hinter den Revolution\u00e4ren Obleuten. Daraufhin stimmten 80 gegen 6 einschlie\u00dflich Liebknecht f\u00fcr den Sturz der Regierung (Haffner, S. 126). Nach anderen Quellen (Brou\u00e9, S. 50) soll die Mehrzahl der Revolution\u00e4ren Obleute den Aufstand f\u00fcr verfr\u00fcht und abenteuerlich gehalten haben. Wie dann der Entschlu\u00df gefa\u00dft werden konnte, erscheint aber schleierhaft!<\/p>\n<p>Es wurde ein 53-k\u00f6pfiger (!) Revolutionsausschu\u00df (RA) gew\u00e4hlt mit Ledebour, Liebknecht und Scholze an der Spitze. Am 6. Januar befolgten die Arbeiterinnen und Arbeiter massiv den Aufruf zum Generalstreik des RA, der erkl\u00e4rte, er habe \u201edie Regierungsgesch\u00e4fte vorl\u00e4ufig \u00fcbernommen\u201c. Die Parole hie\u00df \u201eNieder mit der Regierung!\u201c Wie und wof\u00fcr, dar\u00fcber lie\u00df der Revolutionsausschu\u00df nichts verlauten. Er tagte und beriet \u2013 das war alles! Die Massen blieben stehen, wo sie standen. Der Sturm auf die Regierungsgeb\u00e4ude blieb aus. Die Reichskanzlei wurde von bewaffneten Zivilisten gesch\u00fctzt, die die MSPD eilig zusammengetrommelt hatte. Die Truppen folgten dem RA nicht, selbst die VMD blieb neutral. Das Z\u00f6gern des RA erkl\u00e4rt sich auch aus der Tatsache, da\u00df er an seinem Einflu\u00df auf die Besetzer zweifelte: er hatte die Aktion nicht befohlen, kannte zumeist ihre Anf\u00fchrer nicht einmal.<\/p>\n<p>Mitglieder der USPD-Zentrale, die in diesen Vorfall nicht verwickelt war, versuchten zwischen der Regierung und dem RA zu vermitteln. Das Scheitern dieser Verhandlungen war Ebert nur recht: er wollte die Entscheidung, keinen weiteren Scheinfrieden! Dittmann betonte (a.a.O. S. 94 \u2013 101), da\u00df der RA zu Kompromissen bereit war und bis auf den \u201eVorw\u00e4rts\u201c alle Zeitungen schlie\u00dflich vor Eintritt in Sachverhandlungen freigeben wollte. Unnachgiebig und unwillig zum Kompromi\u00df war die neue Regierung. Noske war bei den Verhandlungen nicht dabei, weil er die Zusammenstellung der Freikorpstruppen beaufsichtigte.<\/p>\n<p>Die Dinge lagen beim \u201eVorw\u00e4rts\u201c anders als bei den b\u00fcrgerlichen Bl\u00e4ttern, da die Vertreter der Revolution\u00e4re auf dem Standpunkt standen: der \u201eVorw\u00e4rts\u201c ist der Berliner Arbeiterschaft w\u00e4hrend des Krieges unter Ausnutzung des Belagerungszustandes geraubt worden und ist eigentlich Eigentum der Berliner Arbeiter. Trotzdem wollten die Vertreter des RA am Schlusse der sachlichen Verhandlungen, die ja gar nicht zustande kamen, den \u201eVorw\u00e4rts\u201c ebenfalls freigeben.<\/p>\n<p>Diese Sonderrolle des \u201eVorw\u00e4rts\u201c best\u00e4tigte auch Ernst Meyer (KPD) in seiner Zeugenaussage im Proze\u00df gegen Georg Ledebour vom 11.6.1919 (in: Brandt, 1918-19, S. 105 \u2013 108): die Arbeiter sahen in Attacken des \u201eVorw\u00e4rts\u201c gegen Eichhorn ein Politikum nach dem Austritt der USPD aus der Regierung, damit das neue Kabinett das B\u00fcrgertum be- und die Arbeiter entwaffnen konnte! Auch Dittmann berichtete, wie vollkommen unzufrieden die Arbeiter mit der Art waren, wie der Rat der Volksbeauftragten die Regierungsgesch\u00e4fte f\u00fchrte. Die Unabh\u00e4ngigen wurden von eigenen Parteigenossen heftig angegriffen, da\u00df sie nicht l\u00e4ngst aus der Regierung ausgeschieden waren. Sie warfen ihnen vor, sie h\u00e4tten die Regierung den Arbeitern gegen\u00fcber durch ihr Verbleiben in der Regierung noch in gewisser Hinsicht gedeckt!!! Die Erregung stieg nach dem Ausscheiden der USPD noch mehr insbesondere bei dem provokatorischen Akt der Entlassung des Polizeipr\u00e4sidenten. Die USPD-Basis hatte die politische Mechanik der \u201erein sozialistischen Regierung\u201c tausend Mal besser begriffen als ihre kollaborationistischen F\u00fchrer!<\/p>\n<p>Die Aktion im Zeitungsviertel war kein \u201eSpartakusaufstand\u201c: die KPD hatte sie weder geplant noch vorhergesehen. Sie war ausschlie\u00dflich spontanes Werk der Berliner Arbeitermassen. Meyer behauptet, die KPD sei klar gegen eine Regierungs\u00fcbernahme und Besetzung der Zeitungen gewesen. Schon die Besetzung des \u201eVorw\u00e4rts\u201c am 25. Dezember traf die Partei \u00fcberraschend. Die Sicherheitswehr Eichhorns und besonders die VMD habe sich \u00fcbersch\u00e4tzt. Dorrenbach war offensichtlich der kompromi\u00dflerische Teilsieg der VMD zu Weihnachten zu Kopf gestiegen. Alle Mitglieder des RA waren auch \u00fcber das \u00fcberw\u00e4ltigende Ausma\u00df des Generalstreiks und der Protestkundgebungen leichtsinnig in der Einsch\u00e4tzung des Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisses geworden. Meyer r\u00e4umte ein, da\u00df Liebknecht eine dubiose Rolle gespielt habe. Gegen\u00fcber ihm behauptete er, die Matrosen im Sinne des ZK-Beschlusses beeinflussen zu wollen.<\/p>\n<p>Die Resolutionen mehrerer Berliner Arbeitermassenversammlungen und des kommunalen Arbeiter- und Soldatenrats von Gro\u00df-Berlin vom 10. Januar dr\u00fcckten eine Entt\u00e4uschung \u00fcber alle F\u00fchrer aus. In ihren Augen hatte auch der RA versagt. Sie wollten mit Ausnahme der Versammlung sozialdemokratischer Betriebsvertrauensleute von Gro\u00df-Berlin dasselbe wie im November: Einigung aller (jetzt drei) sozialistischen Parteien, Beseitigung des alten Staats, sozialistische Volkswehr und sozialistische Republik, Abschaffung der Kommandogewalt der Offiziere und die Sozialisierung. Sie hatten begriffen, da\u00df Ebert das nicht (mehr) wollte und forderten den R\u00fccktritt aller F\u00fchrer, eine Abl\u00f6sung der Regierung und Neuwahlen zu den R\u00e4ten!<\/p>\n<p>Auf Befehl Eberts wurde vom 9. bis zum 12. Januar die Revolution in der Hauptstadt zusammengeschossen. Die besetzten Geb\u00e4ude im Zeitungsviertel wurden von regierungstreuen Truppen und rechtsextremistischen Freisch\u00e4rlern zur\u00fcckerobert. Die Freikorps unter Noske kamen diesmal noch nicht zum Einsatz. Vor zwei Monaten hatte sich die Revolution arglos Ebert ausgeliefert, der sich jetzt ohne Z\u00f6gern mit Haut und Haaren der bewaffneten Gegenrevolution verschrieb, ohne jemals von dieser als einer der Ihren voll akzeptiert zu werden. Drei Tage sp\u00e4ter liquidierten Freikorpstruppen Liebknecht und Luxemburg meuchlings. Von dieser Niederlage sollte sich die Revolution in Berlin vorerst nicht erholen.<\/p>\n<p>Die am 19. Januar abgehaltenen Wahlen zur verfassungsgebenden Nationalversammlung brachten der alten Reichstagskoalition von SPD und den offen b\u00fcrgerlichen Freisinnigen und Zentrum eine satte Dreiviertelmehrheit. Schnell kehrte auch bei den SPD-W\u00e4hlern Ern\u00fcchterung ein \u00fcber die ausbleibenden sozialen und demokratischen Reformen der Nationalversammlung-Mehrheit. Ihr wurde vorgeworfen, sie schaue unt\u00e4tig den Sabotageakten der Kapitalisten und Verm\u00f6gensverschiebungen ins Ausland zu; Lohnstreiks br\u00e4chen aus, weil keine Notgesetze (Mindestlohn) gegen den Willen der Unternehmer beschlossen w\u00fcrden. (vgl. Leserbrief an den \u201eVorw\u00e4rts\u201c vom 28.2.1919; in: Brandt: 1918-19, S. 119 \u2013 122)<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2018\/11\/07\/von-der-novemberrevolution-zur-nationalversammlung\/\"><em>Revolution\u00e4rer Marxismus&#8230;<\/em><\/a><em> vom 8. November 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>LFI. Strukturkrise des Kaiserreichs. Die deutsche Revolution 1918\/19 war Bestandteil einer internationalen revolution\u00e4ren Krise der kapitalistischen L\u00e4nder, die durch den Ersten Weltkrieg ausgel\u00f6st wurde. Nur in Verbindung<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6],"tags":[25,91,39,26,49,62,38,42,4],"class_list":["post-4280","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","tag-arbeiterbewegung","tag-deutsche-revolution","tag-deutschland","tag-gewerkschaften","tag-repression","tag-rosa-luxemburg","tag-russische-revolution","tag-sozialdemokratie","tag-strategie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4280","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4280"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4280\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4281,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4280\/revisions\/4281"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4280"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4280"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4280"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}