{"id":4282,"date":"2018-11-08T13:53:36","date_gmt":"2018-11-08T11:53:36","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4282"},"modified":"2018-11-11T17:04:56","modified_gmt":"2018-11-11T15:04:56","slug":"als-frauen-russland-in-flammen-setzten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4282","title":{"rendered":"Als Frauen Russland in Flammen setzten"},"content":{"rendered":"<p><em>LFI.<\/em> <strong>Am 8. M\u00e4rz 1917 verlie\u00dfen Arbeiterinnen ihre Fabriken im Petrograder Stadtteil Wyborg mit einer Forderung: Brot! F\u00fcnf Tage danach hatten die ArbeiterInnen und Soldaten einen Aufstand<!--more--> angef\u00fchrt, der den Zaren zur Abdankung zwang. Die Feiern rund um den Internationalen Frauentag durch die Petrograder Arbeiterinnen hatte die Februarrevolution er\u00f6ffnet.<\/strong><\/p>\n<p>Der Internationale Frauentag wurde zuerst von den F\u00fchrerinnen der sozialistischen Frauenbewegung der II. Internationale als Feiertag der proletarischen Frauen angenommen. Clara Zetkin schlug 1910 dem Internationalen Frauentreffen vor, dass ein Tag \u2013 \u00e4hnlich wie der I. Mai \u2013 f\u00fcr die Proletarierinnen zum Arbeiterfesttag erkl\u00e4rt werden sollte. Das Datum, auf das man sich schlie\u00dflich einigte, war der 8. M\u00e4rz \u2013 in Erinnerung an die Arbeiterinnen in New York, die gegen die entsetzlichen Bedingungen in der Nadelfabrikation demonstriert hatten.<\/p>\n<p>Der Feiertag wurde in Russland ab 1913 durchgef\u00fchrt. Aufgrund des alten gregorianischen Kalenders im vorrevolution\u00e4ren Russland war das entsprechende Datum dann der 23. Februar. 1913 waren die geplanten Demonstrationen von der Polizei zerschlagen worden. Lediglich Flugbl\u00e4tter und Zeitungen konnten dazu erscheinen. Die Bolschwewiki ver\u00f6ffentlichten auf Betreiben von Konkordija Samoilowa und Inessa Armand einige Artikel in ihrer Zeitung, der \u201ePrawda\u201c, in den Wochen vor dem 23. Februar, mit einer Sondernummer zur Feier des Tages selbst als H\u00f6hepunkt. Die Artikel stellten die Realit\u00e4t des Lebens der Arbeiterinnen in Russland dar und traten f\u00fcr die Notwendigkeit ein, dass auch Frauen in den Kampforganisationen ihrer Klasse organisiert sein sollten.<\/p>\n<p>Die Reaktion der Arbeiterinnen auf diese \u201ePrawda\u201c-Artikel war so umwerfend, dass in der Zeitung nicht genug Platz war, um alle Leserbriefe dazu abzudrucken. Das veranlasste Samoilowa, Lenin und Krupskaja, die im Exil weilten, zu dr\u00e4ngen, eine besondere Zeitung, die sich an die Arbeiterinnen wendete, herauszugeben. Inessa Armand, die selbst verhaftet worden und ins Exil geflohen war, half mit, sie f\u00fcr diese Idee zu gewinnen. Krupskaja brachte sie dem exilierten Zentralkomitee der Bolschewiki vor, das der Herausgabe der \u201eRobotniza\u201c (Arbeiterin) zum Internationalen Frauentag 1914 zustimmte.<\/p>\n<p>Diese Entwicklung in der bolschewistischen Partei war die Antwort auf eine neue Welle militanter Klassenk\u00e4mpfe in Russland zwischen 1912 und 1914.<\/p>\n<p>Frauen wurden zu einer immer st\u00e4rkeren Kraft in der russischen Arbeiterklasse. Nach der Revolution von 1905 stellten die Unternehmer in vielen Industriezweigen bevorzugt Frauen ein. Das Fabrikinspektorat der Unternehmer bemerkte dazu 1907:<\/p>\n<p><em>\u201eDie Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind wie folgt: Ihr gr\u00f6\u00dferer Flei\u00df, ihre Aufmerksamkeit und Abstinenz (sie trinken und rauchen nicht), ihre Willf\u00e4hrigkeit und eine gr\u00f6\u00dfere Vern\u00fcnftigkeit hinsichtlich der Bezahlung.\u201c<\/em><\/p>\n<p>1914 stellten Frauen 25,7% der Industriearbeiterschaft in Russland. Sie wurden zunehmend militanter, was die Aufmerksamkeit aller politischen Gruppen auf sie lenkte. B\u00fcrgerliche Feministinnen, Bolschewiki wie Menschewiki unternahmen besondere Anstrengungen, um die Arbeiterinnen in dieser Periode zu organisieren.<\/p>\n<p>Die \u201eRabotniza\u201c wurde in weiten Kreisen gelesen und Gruppen von Frauen organisierten sich um sie, viele traten danach der Partei bei. Der Kriegsausbruch im August 1914 stoppte die Herausgabe von \u201eRabotniza\u201c, aber die damit geschaffenen Grundlagen gestalteten die Arbeit der Bolschewiki unter den Arbeiterinnen viel leichter.<\/p>\n<p>Die Mobilisierung von Soldaten und die Produktion f\u00fcr den Krieg f\u00fchrten zu gewaltigen Verschlechterungen in Russland. Schon im April 1915 gab es daher Unruhen von Frauen, die Brot forderten. Diese Unruhen hielten sporadisch bis 1917 an. Die besondere Rolle der Arbeiterinnen in der Februarrevolution ergab sich aus der besonderen H\u00e4rte der Kriegsauswirkungen f\u00fcr sie. Zwischen 1914 und 1917 stieg die Zahl der in den Fabriken besch\u00e4ftigten Frauen aufgrund des Einr\u00fcckens der M\u00e4nner an die Front weiter an. Insgesamt stieg der Prozentsatz an arbeitenden Frauen von 26,6 auf 43,2%. Diese Arbeiterinnen waren als Ganzes neu \u2013 in den St\u00e4dten und in der Arbeiterklasse.<\/p>\n<p>In Petrograd selbst verdoppelte sich die Zahl der Arbeiterinnen in Fabriken von 68.000 auf 129.000. Es gab bis zu 10.000 Frauen in einem Werk \u2013 mit oft weniger als drei Jahren Arbeitserfahrung. Viele ihrer Ehem\u00e4nner, S\u00f6hne und Br\u00fcder waren an der Front. Winzige Essensrationen waren oft nur nach stundenlangem Anstehen erh\u00e4ltlich. Manchmal gab es trotzdem nichts. Frauen verdienten die H\u00e4lfte der L\u00f6hne der M\u00e4nner und waren v.a. in der Textil- und chemischen Industrie konzentriert, wo der Arbeitstag lang und die Bedingungen erb\u00e4rmlich waren. Sie litten oft unter k\u00f6rperlicher und sexueller Bel\u00e4stigung seitens der Unternehmer und deren Vorarbeiter-Lakaien.<\/p>\n<p>Die Intensit\u00e4t der Unterdr\u00fcckung dieser Frauen f\u00fchrte zu Ausbr\u00fcchen der Rebellion. Allgemein hatten die Streiks, an denen vorwiegend Arbeiterinnen teilnahmen, wirtschaftliche Ziele, w\u00e4hrend Ende 1916 die Mehrzahl der Streiks in der m\u00e4nnlich dominierten Maschinenbau- und metallurgischen Industrie politische Ziele verfolgte. Dies widerspiegelte die l\u00e4ngere Organisationstradition der m\u00e4nnlichen Arbeiter, manchmal mit bolschewistischen oder menschewistischen Organisatoren.<\/p>\n<p>Ab Februar 1917 verst\u00e4rkte sich der Klassenkampf. Aber obwohl es im Januar und Februar in Petrograd viele Streiks gab, ergriff keiner davon die ganze Stadt auf jene Weise, wie es den Frauen gelingen sollte. Zur Vorbereitung der Feier des Frauentages planten Bolschewiki, Menschewiki und die von Trotzki gef\u00fchrte Meschrajonzi-Gruppe Propaganda-Veranstaltungen.<\/p>\n<p>Im Wyborg-Bezirk riefen am 20.Februar einige ArbeiterInnen zum Streik auf, aber alle sozialistischen Organisationen argumentierten, dass die Klasse aufgrund der unzureichenden Vorbereitung oder mangels Kontakt mit den Soldaten nicht zu einem Massenstreik bereit sei. Kajurow, ein \u00f6rtlicher bolschewistischer F\u00fchrer traf Vertreterinnen der Arbeiterinnen am Vorabend des Frauentages und forderte sie auf,\u00a0<em>\u201eausschlie\u00dflich gem\u00e4\u00df der Anweisung des Parteikomitees zu handeln.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Es war beabsichtigt, die Fabrikversammlungen nur f\u00fcr Propaganda zu nutzen. Alle sozialistischen Gruppen hatten die Stimmung der Arbeiterinnen in den Fabriken untersch\u00e4tzt. Der Mangel an Einfluss dieser politischen F\u00fchrer auf\u00a0 die Frauen bedeutete jedoch nicht, dass die Aktion g\u00e4nzlich unvorbereitet gewesen w\u00e4re, wie auch manche Bolschewiki dachten.\u00a0<em>\u201eDie haupts\u00e4chlich weibliche Belegschaft des Busparks der Wassiljewski-Insel, die von einer allgemeinen Unruhe einige Tage vor dem 23.Februar erfasst worden war, schickte eine Frau zu den benachbarten Quartieren des 180. Infanterieregiments, um die Soldaten zu fragen, ob sie auf sie schie\u00dfen w\u00fcrden oder nicht. Die Antwort war: Nein! Am 23. nahmen die Busarbeiterinnen an der Demonstration teil.\u201d<\/em><\/p>\n<p>Am Morgen des 23.Februar wurden einige illegale Treffen in den Textilfabriken im Wyborger Bezirk zum Thema \u201eKrieg, hohe Preise und die Situation der Arbeiterin\u201c abgehalten. Auf diesen Versammlungen kochte der Zorn \u00fcber. Eine nach der anderen stimmte f\u00fcr den Streik, aber sie belie\u00dfen es nicht dabei. Sie gingen zu Tausenden auf die Stra\u00dfe, marschierten zu nahe gelegenen Fabriken und riefen M\u00e4nner und Frauen auf, mit ihnen mitzukommen. Diese \u201efliegende\u201c Streikpostenkette war \u00e4u\u00dferst effektiv \u2013 ab 10 Uhr waren 27.000 ArbeiterInnen im Streik. Ab Mittag waren es schon 21 Fabriken mit 50.000 Streikenden! Viele Berichte beschreiben, dass es die Frauen waren, die zu den Fabriken gegangen waren, an die Tore geschlagen und Schneeb\u00e4lle auf die Fenster geworfen h\u00e4tten, um die Arbeiter herauszubekommen. Es scheint, dass dort, wo die Fabriken nicht sofort die Aufforderung nach Teilnahme an der Aktion beantworteten, direktere Methoden gebraucht wurden: Steine und Metallteile wurden bei einigen Betrieben zur \u201e\u00dcberredung\u201c benutzt. Am Ende des Tages standen in Wyborg 59.000 M\u00e4nner und Frauen \u2013 61% aller Fabrikarbeiter \u2013 im Streik.<\/p>\n<p>Bolschewiki der Basis spielten dabei eine f\u00fchrende Rolle. Viele ihrer F\u00fchrer aber zeigten sich wesentlich z\u00f6gernder.<\/p>\n<p><strong>Entr\u00fcstung<\/strong><\/p>\n<p>Kajurow, ein bolschewistischer F\u00fchrer aus Wyborg, schrieb sp\u00e4ter:\u00a0<em>\u201ezu meiner \u00dcberraschung und Entr\u00fcstung (\u2026) erfuhren wir (\u2026) vom Streik in einigen Textilfabriken und von der Ankunft einer Anzahl von Delegierten der Arbeiterinnen, die ank\u00fcndigten, dass sie in den Streik eintr\u00e4ten. Ich war \u00fcber das Verhalten der Streikenden \u00e4u\u00dferst entr\u00fcstet, sowohl weil sie offensichtlich den Beschluss des Distriktkomitees der Partei ignoriert hatten und ebenso, weil sie in Streik getreten waren, nachdem ich nur eine Nacht zuvor an sie appelliert hatte, ruhig und diszipliniert zu bleiben.\u201c<\/em>\u00a0Trotz dieser Entr\u00fcstung waren die Bolschewiki imstande, diese Gef\u00fchle zu \u00fcberwinden und die Gelegenheit, die sich ihnen bot, zu nutzen. Als sie dem Streik zustimmten, gaben sie ihm eine politische F\u00fchrung, indem sie die Forderungen\u00a0<em>\u201eNieder mit der Autokratie! Nieder mit dem Krieg! Gebt uns Brot!\u201c<\/em>\u00a0aufstellten.<\/p>\n<p>In anderen Stadtbezirken waren die Streiks an diesem Tag zwar weniger intensiv, daf\u00fcr aber nicht weniger k\u00e4mpferisch. In der ganzen Stadt streikten 20-30% der ArbeiterInnen \u2013 in \u00fcber 80 Fabriken. Die DemonstrantInnen des Wyborger Bezirks waren entschlossen, das Regierungszentrum von Petrograd zu erreichen, aber die Polizei blockierte ihre Route an einer der Br\u00fccken.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich begannen die DemonstrantInnen, die zugefrorene Newa zu \u00fcberqueren. Der Polizei gelang es jedoch noch, wenn auch mit M\u00fche, sie aufzuhalten. Ein Polizeibericht dieses Tages erkl\u00e4rte:<\/p>\n<p><em>\u201eUm 4.30 Uhr nachmittags erreichten ann\u00e4hernd 1.000 Leute, vorwiegend Frauen und Jugendliche, die Kasan-Br\u00fccke am Newski-Prospekt aus der Richtung der Michailowska-Stra\u00dfe, wobei sie \u201aGebt uns Brot!\u2018 riefen und sangen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Demonstrationen beschr\u00e4nkten sich nicht nur auf jene, die streikten. Frauen, die um Brot anstanden, nahmen rasch an der Aktion teil. Ein Verwalter berichtete folgendes, nachdem er aus seinem B\u00e4ckerladen trat, um anzuk\u00fcndigen, dass es kein Brot mehr g\u00e4be:<\/p>\n<p><em>\u201eKaum hatte ich das angek\u00fcndigt, schlug die Menge die Fenster ein, brach in den Laden ein zertr\u00fcmmerte alles, was ihr unter die Augen kam.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Solche Verzweiflungsakte waren weit verbreitet. Die Bolschewiki traten gegen diesen \u201eVandalismus\u201c auf und versuchten, die Proteste zu f\u00fchren, indem sie Versammlungen organisierten und zu einem dreit\u00e4gigen Generalstreik mit verst\u00e4rkter Propaganda gegen\u00fcber den Soldaten aufriefen.<\/p>\n<p>In den folgenden Tagen nahm die Zahl der Streikenden stetig zu. Die Regierung schickte Truppen und Polizei, um die Demonstranten mit allen Mitteln zu zerstreuen, aber die revolution\u00e4re Welle ebbte nicht ab \u2013 auch, weil sie die Soldaten f\u00fcr sich gewann. Zuletzt schlossen sich ganze Regimenter den Aufst\u00e4ndischen an. Am 27. Februar waren die meisten Soldaten zu den Aufst\u00e4ndischen \u00fcbergegangen. Die ArbeiterInnen bewaffneten sich und formierten eigene Milizen. Es waren die Arbeiterinnen, die eine entscheidende Rolle dabei spielten, die Truppen vom Regime loszubrechen. Trotzki berichtet:\u00a0<em>\u201eEine gro\u00dfe Rolle wird von den Arbeiterinnen in der Beziehung zwischen Arbeitern und Soldaten gespielt. Sie gehen an die Truppenkordone tapferer als die M\u00e4nner heran, packen die Flinten, beschw\u00f6ren, ja befehlen fast: \u201aSenkt eure Bajonette \u2013 kommt mit uns!\u2018 Die Soldaten sind verwirrt, besch\u00e4mt, wechseln unruhige Blicke, schwanken; irgendeiner entschlie\u00dft sich zuerst und die Bajonette erheben sich schuldbewusst \u00fcber den Schultern der vorw\u00e4rts dr\u00e4ngenden Menge. Die Barriere ist ge\u00f6ffnet, ein fr\u00f6hliches \u201aHurra\u00b4 ersch\u00fcttert die Luft. Die Soldaten sind umringt. \u00dcberall Debatten, Antworten, Appelle \u2013 die Revolution macht einen neuen Schritt vorw\u00e4rts.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>Abdankung<\/strong><\/p>\n<p>Die Entwicklung dieser Revolution und die Abdankung des Zaren er\u00f6ffnete eine neue Periode f\u00fcr die russische Arbeiterklasse. Die Provisorische Regierung, die aus der Februarrevolution entstand, wurde von b\u00fcrgerlichen Politikern besetzt und balancierte in der instabilen Position, in der sie sich befand, neben den Sowjets der Arbeiter- und Soldatendeputierten. Auch in den Fabriken fassten die ArbeiterInnen Mut: die Fabrikkomitees entstanden, die Kontrolle \u00fcber Lohn und Arbeitsbedingungen wurde gefordert. Die Arbeitermiliz geriet mit der weit schw\u00e4cheren B\u00fcrgermiliz der Regierung in Konflikt.<\/p>\n<p>Die Arbeiterinnen spielten weiterhin eine bedeutende Rolle. Sie waren am entschlossensten bei der Erreichung des Achtstunden-Tages, sie strebten nach angemessener Entlohnung und unterst\u00fctzten die Forderung nach gleichen politischen Rechten, einschlie\u00dflich des Wahlrechts. Tats\u00e4chlich fand der erste gr\u00f6\u00dfere Streik gegen die Provisorische Regierung bei 3.000 W\u00e4scherei-Arbeiterinnen statt, die f\u00fcr den Acht-Stundentag, einen Existenzlohn und die Vergemeindung der W\u00e4schereien streikten. Der Streik dauerte sechs Wochen. Von den Bolschewiki wurde Alexandra Kollontai geschickt, um mit den Frauen zu arbeiten.<\/p>\n<p>Die Bolschewiki hatten rasch auf die Kampfbereitschaft der Frauen 1917 reagiert und ein Frauenb\u00fcro, gef\u00fchrt von Vera Slutskaja, eingerichtet. Es machte sich an die neuerliche Herausgabe von \u201eRobotniza\u201c und organisierte die Unterst\u00fctzung in den Fabriken, unter den Frauen der Soldaten und f\u00fchrte gro\u00dfe Demonstrationen gegen den Krieg durch.<\/p>\n<p>Die Rolle der Arbeiterinnen in der russischen Revolution war gro\u00dfartig und lehrte die revolution\u00e4re F\u00fchrung viel. Aber ihre Spontaneit\u00e4t bewirkte auch, dass sie 1917 nicht immer in der revolution\u00e4ren Avantgarde vertreten waren. Sie streikten, demonstrierten und organisierten Unruhen aufgrund der St\u00e4rke ihrer Unterdr\u00fcckung \u2013 nichtsdestotrotz wurde ihre Unerfahrenheit in gewerkschaftlichen Aktivit\u00e4ten offensichtlich. Darin zeigt sich aber auch, dass die besonders unterdr\u00fcckte Stellung der Frau in der Gesellschaft und in der Familie es ihr erschwert, sich auf gleiche Weise in den Organisationen der Arbeiterbewegung einzubringen. Insofern waren die Monate der Revolution auch ein Beispiel daf\u00fcr, wie Frauen in diese Rolle hineinwachsen und zunehmend selbstbewusster auftreten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dieser Mangel an traditioneller Organisationserfahrung hat widerspr\u00fcchliche Ergebnisse. Einerseits k\u00f6nnen Frauen, wie die Februar-Revolution zeigt, die militantesten K\u00e4mpferinnen sein, da sie nicht so vom Konservativismus gebremst werden, wie es so oft in Gewerkschaftsorganisationen der Fall ist.<\/p>\n<p>Aber andererseits l\u00e4sst sie das auch mitunter empf\u00e4nglicher f\u00fcr arbeiterfeindliche Propaganda werden. So wurden in den Wochen nach der Februarrevolution sogar Tausende von Arbeiterinnen von b\u00fcrgerlichen Feministinnen mobilisiert, um f\u00fcr das Frauenwahlrecht und die Fortsetzung des Krieges zu demonstrieren! Die Bolschewiki waren aber in der Lage, ab Mitte 1917 eine Massenbasis unter den Frauen zu gewinnen, die sie dazu brachte, gegen den Krieg zu demonstrieren. Aber dazu bedurfte es besonderer organisatorischer und propagandistischer Anstrengungen.<\/p>\n<p>Die Revolution insgesamt h\u00e4tte niemals ohne die Mobilisierung der Frauen Erfolg gehabt, wie Lenin Jahre sp\u00e4ter hervorhob. Revolution\u00e4rInnen d\u00fcrfen niemals die zentrale Aufgabe, sich auf die Arbeiterinnen zu beziehen, untersch\u00e4tzen. Dazu sind besondere Propaganda- und Organisationsformen n\u00f6tig, um sie f\u00fcr die Sache der revolution\u00e4ren Partei zu gewinnen, jedoch \u2013 einmal gewonnen \u2013 werden sie die tapfersten und militantesten K\u00e4mpferinnen sein, da sie so vieles zu gewinnen haben!<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2017\/12\/18\/russland-auf-dem-weg-zum-roten-oktober-als-frauen-russland-in-flammen-setzten\/\"><em>Revolution\u00e4rer Marxismus&#8230;<\/em><\/a><em> vom 8. November 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>LFI. Am 8. 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