{"id":4284,"date":"2018-11-09T09:35:22","date_gmt":"2018-11-09T07:35:22","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4284"},"modified":"2018-11-11T17:03:35","modified_gmt":"2018-11-11T15:03:35","slug":"deutsche-revolution-1918-1923","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4284","title":{"rendered":"Deutsche Revolution 1918-1923"},"content":{"rendered":"<p><em>N. Nyffeler.<\/em> <strong>Im November 1918, vor 100 Jahren, entfachte das Feuer der Deutschen Revolution. Diese f\u00fchrte aber nicht in den Sozialismus, im Gegenteil: ihr Scheitern brachte<!--more--> mittelbar Faschismus und Stalinismus hervor. Weshalb das Scheitern und was k\u00f6nnen wir daraus lernen?<\/strong><\/p>\n<p>\u00abDie Jugend macht viele Dummheiten, dennoch wird sie eine gute Revolution machen\u00bb, meinte Lenin inmitten der revolution\u00e4ren Ereignisse in Deutschland. Darauf erwiderte Carla Zetkin: \u00abSie werden nicht einmal eine schlechte machen!\u00bb Zetkin sollte Recht behalten: Die F\u00fchrung des deutschen Proletariats versagte zwischen 1918-1923 mehrmals; die Revolution endete mit einer Niederlage. Begonnen hat die revolution\u00e4re Phase mit einer riesigen Krise der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft: dem Ersten Weltkrieg.<\/p>\n<p><strong>Die alte Gesellschaft br\u00f6ckelt<\/strong><\/p>\n<p>1918, nach vier Jahren Weltkrieg, lag ganz Europa in Tr\u00fcmmern. Die Lage der ArbeiterInnen war nicht nur an der Front schrecklich, sondern auch an der Heimatfront. Es herrschte Hunger, Elend und Verzweiflung. Die Kriegsbegeisterung und der Rausch des Patriotismus waren l\u00e4ngst verflogen.<\/p>\n<p>1917 brach in Russland die Revolution aus \u2014 und siegte unter der F\u00fchrung der Bolschewiki. Dieser historische Erfolg r\u00fcttelte das Weltproletariat wach.<\/p>\n<p><strong>Novemberrevolution und Verrat der SPD<\/strong><\/p>\n<p>Die Meuterei der Kieler Matrosen im November 1918 war der Funke, welcher das Feuer der Revolution entfachte. Die Revolution eroberte das ganze Land im Sturm: In so gut wie allen Industriest\u00e4dten des alten Kaiserreichs waren nun ArbeiterInnen- und Soldatenr\u00e4te an der Macht. Die \u00abNovemberrevolution\u00bb st\u00fcrzte die Monarchie; der Kaiser floh.<\/p>\n<p>Es herrschte eine Doppelmachtsituation: auf der einen Seite die Arbeiterr\u00e4te, welche faktisch die ganze Macht innehatten \u2014 auf der anderen Seite die Reichsregierung, bestehend aus SPD und USPD (eine linke Abspaltung der SPD), gest\u00fctzt auf den alten Staatsapparat.<\/p>\n<p>Dem Proletariat stand die T\u00fcr zum Sozialismus weit offen, doch die ArbeiterInnen glaubten noch, die erzreformistische Sozialdemokratie w\u00fcrde sie in den Sozialismus f\u00fchren. Nachdem diese sich an die Spitze der R\u00e4te setzen konnte, entlarvte sie sich selbst: Die SPD-F\u00fchrung unter Ebert sabotierte die R\u00e4testruktur und zerschlug diese unter Einsatz von Reichswehr und Freikorps.<\/p>\n<p><strong>Generalstreik gegen Milit\u00e4rdiktatur<\/strong><\/p>\n<p>Doch das bedeutete noch in keinster Weise den vollendeten Sieg der Konterrevolution. Anfang des Jahres 1920 durchstr\u00f6mte eine Welle von Streiks Deutschland. Die USPD und die junge KDP erhielten massiven Zulauf.<\/p>\n<p>Teile der Bourgeoisie wollten die Revolution endg\u00fcltig zu Boden bringen. Im M\u00e4rz des Jahres 1920 scharte der Generalschaftsinspektor Kapp die alte reaktion\u00e4re Reichswehrf\u00fchrung um sich. Er sammelte die Kr\u00e4fte f\u00fcr einen Putsch gegen die deutsche Arbeiterklasse und die Errungenschaften der Novemberrevolution.<\/p>\n<p>Zur Verteidigung der Revolution formierte sich spontan eine riesige proletarische Massenbewegung und der Generalstreik wurde ausgerufen. Es streikten zw\u00f6lf Mio. ArbeiterInnen. Im Ruhrgebiet bewaffnete sich das Proletariat.<\/p>\n<p>Der \u00abKapp-Putsch\u00bb wurde von der deutschen Arbeiterklasse abgewehrt. Die Revolution gewann die Oberhand. Doch USPD und SPD trieben die Bewegung nicht vorw\u00e4rts, im Gegenteil. Im April 1920 kehrte auch die USPD der Revolution den R\u00fccken. Sie stimmte in der Reichsregierung mit der SPD zusammen der Entwaffnung der \u00abRoten Ruhrarmee\u00bb durch die Reichswehr und Freikorps zu. Die Reichswehr richtete daraufhin ein Blutbad im Ruhrgebiet an. Doch die deutsche revolution\u00e4re Arbeiterklasse glich einer Hydra: man schlug ihr einen Kopf ab und es wuchsen zwei neue nach.<\/p>\n<p><strong>Ein letzter Versuch<\/strong><\/p>\n<p>1923 \u00fcberschlugen sich die Ereignisse. Deutschland litt unter einer Hyperinflation. Das Geld der ArbeiterInnen schmolz dahin. Es machte sich Unmut breit. Die Lage verbesserte sich nicht, als franz\u00f6sische und belgische Truppen das Ruhrgebiet besetzten, um die Kriegsschulden Deutschlands einzutreiben.<\/p>\n<p>Die Reichsregierung rief zum \u00abpassiven Widerstand\u00bb auf. Die herrschende Klasse Deutschlands wollte geschickt den Unmut des Proletariats auf die Besatzer lenken. Doch diese Taktik ging nach hinten los: Was als nationaler Widerstand begann, m\u00fcndete schlie\u00dflich in der revolution\u00e4rsten Phase, die Deutschland je erlebt hat. Die KPD wuchs in diesen Wochen enorm, denn sie war die einzige Partei, die sich in diesen Jahren noch nicht delegitimiert hatte. Im August entlud sich die Wut der ArbeiterInnen in einem riesigen spontanen Generalstreik, der innert zwei Tagen die Regierung unter dem Grosskapitalisten Cuno zum R\u00fccktritt zwang. Die Streikenden schauten auf zur KPD, auf der Suche nach einer F\u00fchrung.<\/p>\n<p>Doch diese vers\u00e4umte es, die Bewegung \u00fcber den blossen R\u00fccktritt der Regierung hinauszutreiben und die Kr\u00e4fte des Proletariats in Richtung der Macht\u00fcbernahme zu lenken. Das setzte endg\u00fcltig einen Schlussstrich unter diese f\u00fcnf, vor revolution\u00e4rem Potential strotzenden Jahre. Die Hydra wurde niedergestreckt.<\/p>\n<p><strong>Verheerende Folgen<\/strong><\/p>\n<p>Nicht nur das Schicksal Deutschlands hing von diesen Ereignissen ab, sondern auch dasjenige der Weltrevolution. Durch das Ausbleiben einer erfolgreichen Revolution in Deutschland wurde die junge Sowjetunion isoliert. Das ebnete der b\u00fcrokratischen Degenerierung, personifiziert durch Stalin, den Weg. Auf der anderen Seite erm\u00f6glichte das Ausbleiben der Weltrevolution, dem Faschismus in Europa Fuss zu fassen. Rosa Luxemburgs Formel: \u00abSozialismus oder Barbarei\u00bb sollte sich bewahrheiten.<\/p>\n<p>Im Unterschied zu Bolschewiki in Russland fehlte in Deutschland eine revolution\u00e4re F\u00fchrung. Die drei Arbeiterparteien SPD, USPD und KPD versagten der Reihe nach dabei, die Macht zu \u00fcbernehmen und einen Arbeiterstaat zu errichten.<\/p>\n<p>Dieser verheerende Fehler, den Aufbau einer revolution\u00e4ren F\u00fchrung vers\u00e4umt zu haben, muss uns eine Lehre sein. Die Revolution braucht eine marxistische F\u00fchrung, welche in der Lage ist, die Kr\u00e4fte des Proletariats zu kanalisieren und in Richtung der Diktatur des Proletariats zu lenken. Wir m\u00fcssen unser ganzes Engagement in den Aufbau einer solchen Organisation setzen und ein f\u00fcr allemal eine Antwort auf die historische Frage: \u00abSozialismus oder Barbarei?\u00bb, geben.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.derfunke.ch\/htm\/de\/allgemein-de\/deutsche-revolution-1918-1923\/\"><em>derfunke.ch&#8230;<\/em><\/a><em> vom 9. November 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>N. Nyffeler. Im November 1918, vor 100 Jahren, entfachte das Feuer der Deutschen Revolution. 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