{"id":4294,"date":"2018-11-09T15:56:41","date_gmt":"2018-11-09T13:56:41","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4294"},"modified":"2018-11-09T15:56:41","modified_gmt":"2018-11-09T13:56:41","slug":"ein-hauch-von-klassenkampf-beim-lebensmittelkonzern-nestle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4294","title":{"rendered":"Ein Hauch von Klassenkampf beim Lebensmittelkonzern Nestl\u00e9"},"content":{"rendered":"<p><em>Hans-Gerd \u00d6finger. <\/em><strong>Ein Hauch von Klassenkampf wehte am Dienstag 2. Oktober 2018 durch das beschauliche, an der Sonnenseite des Genfer Sees gelegene Schweizer St\u00e4dtchen Vevey, als gegen Mittag \u00fcber 400 Besch\u00e4ftigte<!--more--> deutscher Nestl\u00e9-Werke mit Fahnen und Transparenten vor der Zentrale des m\u00e4chtigen Lebensmittelkonzerns aufmarschieren.<\/strong><\/p>\n<p>Ausl\u00f6ser ihres Protests vor dem Glaspalast ist die Absicht des Nestl\u00e9-Managements, den Konzern umzubauen und dabei allein in Deutschland rund 1000 Arbeitspl\u00e4tze zu vernichten. Triebfeder ist das vom neuen Konzernchef Ulf Mark Schneider verk\u00fcndete Renditeziel von 18,5 Prozent. Dies hat bei vielen Besch\u00e4ftigten, die sich bislang stark mit dem Konzern identifizierten, das Fass zum \u00dcberlaufen gebracht. \u00bbEs geht denen nur noch um Kohle. Die aktuellen Pl\u00e4ne haben eine neue Dimension &#8211; die Stimmung der Besch\u00e4ftigten ist auf dem Nullpunkt\u00ab, so Andreas Zorn, Gesamtbetriebsratsvorsitzender von Nestl\u00e9 Deutschland. \u00bbWenn sie bei 18 Prozent angelangt sind, werden sie nicht aufh\u00f6ren, sondern die Rendite auf 19, 20, 22 Prozent und mehr steigern wollen\u00ab prophezeit Peter Schmidt, Referatsleiter Internationales der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gastst\u00e4tten (NGG), eine Spirale von Arbeitsplatzabbau, Umstrukturierungen und Arbeitsverdichtung.<\/p>\n<p>Den Betrieben im baden-w\u00fcrttembergischen Ludwigsburg und im bayrischen Weiding droht das Aus, w\u00e4hrend in Biessenhofen (Bayern), Singen (Baden-W\u00fcrttemberg) und L\u00fcdinghausen (Nordrhein-Westfalen) Teilschlie\u00dfungen und massiver Personalabbau angek\u00fcndigt wurden. Hinter dem verst\u00e4rkten Renditedruck d\u00fcrfte vor allem der Milliard\u00e4r und Gro\u00dfaktion\u00e4r Daniel Loeb stecken. Sein Hedgefond \u00bbThird Point\u00ab hat rund drei Milliarden Euro in den Konzern investiert und will jetzt seine \u00bbRenditeerwartung in schwindelerregender H\u00f6he\u00ab durchsetzen, so Uwe Hildebrandt, NGG-Chef im Landesbezirk S\u00fcdwest.<\/p>\n<p>Dass die deutschen Besch\u00e4ftigten nicht allein betroffen sind, machen Solidarit\u00e4tsbekundungen und Gru\u00dfworte von Mitgliedern des Weltbetriebsrats deutlich, die den gemeinsamen Kampf gegen die Vorgaben der Konzernzentrale beschw\u00f6ren. Aktivisten der schweizerischen Partnergewerkschaft Unia bewirten ihre angereisten Kolleginnen und Kollegen und berichten gleichzeitig \u00fcber harte Arbeitsbedingungen in der Kaffeeproduktion. \u00bbEl pueblo unido jam\u00e1s ser\u00e1 vencido\u00ab (\u00bbDas vereinte Volk wird nie besiegt werden\u00ab), ruft ein lateinamerikanischer Gewerkschafter laut. K\u00e4mpferische Parolen kommen gut an.<\/p>\n<p>Mit den l\u00e4ngsten Weg nach Vevey zur\u00fcckgelegt hat der Indonesier Fahmi Panimbang. Er \u00fcberbringt die Solidarit\u00e4t von Gewerkschaftern aus Nestl\u00e9-Werken in der Inselrepublik und weist auf eine weitere Kehrseite des hohen Renditedrucks hin: die umweltzerst\u00f6renden Folgen der Produktion von Palm\u00f6l in riesigen Plantagen mit \u00fcberwiegend prek\u00e4ren Arbeitsbedingungen. Palm\u00f6l ist ein wichtiger Rohstoff f\u00fcr die Lebensmittelproduktion, mit dem viele Besch\u00e4ftigte auch bei Nestl\u00e9 tagt\u00e4glich arbeiten.<\/p>\n<p>\u00bbWir sind Nestl\u00e9 und nicht ihr\u00ab, skandieren die Gewerkschafter an die Adresse des Konzernmanagements, das an diesem Tag ein Bad in der Menge scheut und stattdessen eine kleine Delegation empf\u00e4ngt. So nehmen Konzernpersonalchef Chris Johnson, ein US-Amerikaner, und andere ranghohe Manager hinter der Glitzerfassade am Seeufer einen von \u00fcber 17 000 Menschen unterzeichneten Aufruf entgegen. \u00bbMensch vor Marge &#8211; Stoppen Sie die Pl\u00e4ne zum Personalabbau zur Steigerung des Gewinns auf Kosten der Besch\u00e4ftigten\u00ab, so die Forderung. Den von Trillerpfeifen und anderen L\u00e4rmquellen produzierten Ger\u00e4uschpegel h\u00e4tten auch Johnson und seine Managerkumpane wahrgenommen, berichtet NGG-Gewerkschafterin Ina Korte-Grimberg auf nd-Anfrage. Ob der Sternmarsch zur \u00bbH\u00f6hle der Bestie\u00ab, wie es der fr\u00fchere NGG-Bundesstreikbeauftragte J\u00fcrgen Hinzer formulierte, ausreicht, um die Ma\u00dfnahmen abwenden? \u00bbIch glaube nicht. Aber wir haben unsere Kraft, unsere Forderung und unseren Willen mit der sehr beeindruckenden Aktion unterstrichen. Das ist erst der Anfang\u00ab, erkl\u00e4rt Korte-Grimberg.<\/p>\n<p>So sieht es auch der Allg\u00e4uer Andreas Heinle. \u00bbOhne Kampf kommen wir nicht weiter.\u00ab Heinle ist Betriebsratsmitglied im Werk Biessenhofen, wo Teilschlie\u00dfungen und ein massiver Personallabbau drohen. Er war um drei Uhr fr\u00fch in den Bus gestiegen, um am Mittag vor der Konzernzentrale buchst\u00e4blich auf die Pauke zu hauen. \u00bbEs gibt nichts Sch\u00f6neres als hier zu stehen und diesem Konzern die Stirn zu bieten und zu sagen: So k\u00f6nnt Ihr mit uns nicht umspringen\u00ab, sagt er. \u00bbAlle Nestleaner, egal ob in Afrika, Asien, Australien, Amerika oder Europa, m\u00fcssen zusammenhalten gegen diese Profitgier, die der Ultrakapitalismus dieser Welt auch Nestl\u00e9 aufdr\u00fcckt. Sonst werden wir alle daran zugrunde gehen.\u00ab<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1102272.gewerkschafter-bei-nestle-das-ist-erst-der-anfang.html?sstr=nestle\"><em>neues-deutschland.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 9. November 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hans-Gerd \u00d6finger. Ein Hauch von Klassenkampf wehte am Dienstag 2. 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