{"id":4298,"date":"2018-11-10T10:01:15","date_gmt":"2018-11-10T08:01:15","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4298"},"modified":"2018-11-11T17:01:16","modified_gmt":"2018-11-11T15:01:16","slug":"100-jahre-novemberrevolution-in-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4298","title":{"rendered":"100 Jahre Novemberrevolution in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p><em>Ulrich Rippert und Peter Schwarz. <\/em><strong>Vor 100 Jahren \u2013 am 9. November 1918 \u2013 erreichte die revolution\u00e4re Erhebung der deutschen Arbeiterklasse gegen Krieg, Kaiser und Monarchie ihren H\u00f6hepunkt und ersch\u00fctterte<!--more--> das kapitalistische System in seinen Grundfesten.<\/strong><\/p>\n<p>Seit Beginn des Jahres 1918 war es der kaiserlichen Regierung trotz Unterdr\u00fcckung, strikter Zensur, der Inhaftierung revolution\u00e4rer F\u00fchrer und der Unterst\u00fctzung des Ersten Weltkriegs durch SPD und Gewerkschaften nicht mehr gelungen, den Widerstand der Arbeiterklasse gegen den Krieg unter Kontrolle zu halten. Die verheerenden Auswirkungen von dreieinhalb Jahren blutigem Gemetzel und die milit\u00e4rischen Niederlagen an der Westfront f\u00fchrten zu einer revolution\u00e4ren Krise.<\/p>\n<p>In vielen Gebieten brach die Lebensmittelversorgung fast v\u00f6llig zusammen. Obwohl die Kriegsproduktion seit Sommer 1914 extrem gesteigert worden war, lag die industrielle Gesamtproduktion Ende 1917 um 47 Prozent unter der Vorkriegsproduktion. Die Landwirtschaftsproduktion war sogar um 60 Prozent gesunken. Die Hungersnot war unvorstellbar.<\/p>\n<p>Die Fronten bewegten sich in den letzten Kriegsmonaten kaum noch, aber das gro\u00dfe Menschenschlachten ging unvermindert weiter. Soldaten wurden sinnlos verheizt, verhungerten in den Sch\u00fctzengr\u00e4ben oder starben qualvoll an Seuchen. General Ludendorff und die Oberste Heeresleitung verschleppten die Waffenstillstandesverhandlungen, und als im November 1918 der Krieg endlich zu Ende war, wurden weltweit fast 10 Millionen gefallene und 20 Millionen verwundete Soldaten gez\u00e4hlt. Dazu kamen weitere 7 Millionen zivile Opfer.<\/p>\n<p>In Russland hatte die Arbeiterklasse im Oktober 1917 unter F\u00fchrung der Bolschewiki die Macht erobert und den Krieg beendet. Ihr Sieg begeisterte auch die Arbeiter in Deutschland. Mitten in der Schl\u00e4chterei des Weltkriegs erbrachte er den Beweis, dass eine Welt jenseits des Kapitalismus, ohne Ausbeutung und Krieg m\u00f6glich war.<\/p>\n<p>Im Januar 1918 legen die Arbeiter der R\u00fcstungsbetriebe in Hennigsdorf die Arbeit nieder. Ihrem Demonstrationszug ins benachbarte Berlin schlie\u00dfen sich 400.000 Menschen an. \u201eDer Januarstreik ist Anfang vom Ende der wilhelminischen Ordnung, ein vulkanartiger Ausbruch all der Gegens\u00e4tze, die im Reich gebrodelt haben und die der Burgfrieden nicht nur verdeckt, sondern noch weiter versch\u00e4rft hat\u201c, schreibt Joachim K\u00e4ppner in seinem Buch \u201e1918\u201c.<\/p>\n<p>Seither w\u00e4chst der Widerstand in den Betrieben und greift auch auf die Flotte und die Front \u00fcber. Im Herbst 1918 versch\u00e4rft sich die Situation von Tag zu Tag. Um der revolution\u00e4ren Welle Herr zu werden und die Verantwortung f\u00fcr die Kriegsniederlage auf andere abzuschieben, macht die Regierung eine Reihe von R\u00fcckz\u00fcgen. \u201eDie Reform von oben sollte der Revolution von unten zuvorkommen \u2013 das war der Grundgedanke der nun vollzogen Wende\u201c, bemerkt Volker Ullrich in \u201eDie Revolution von 1918\/19\u201c.<\/p>\n<p>Am 3. Oktober wird Prinz Max von Baden zum Reichskanzler ernannt, um eine Regierungskoalition mit den Sozialdemokraten zu bilden, die erstmals in der Geschichte Regierungsverantwortung \u00fcbernehmen. Drei Wochen sp\u00e4ter wird General Ludendorff, der m\u00e4chtigste Mann in der Obersten Heeresleitung, entlassen.<\/p>\n<p>Doch die Ma\u00dfnahmen kommen zu sp\u00e4t. Die revolution\u00e4re Erhebung l\u00e4sst sich nicht mehr stoppen. Am 30. Oktober rebellieren die Matrosen der Hochseeflotte und weigern sich, in eine \u201eletzte Schlacht\u201c auszulaufen, die ihren sicheren Untergang bedeutet.<\/p>\n<p>In Kiel verbr\u00fcdern sich die Matrosen mit den Arbeitern und organisieren einen Generalstreik. Am 4. November besetzen sie die Schiffe und das Kieler Rathaus. Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te werden gebildet. Am 5. November siegt die Revolution in L\u00fcbeck, am 6. November in Hamburg, dann in Bremen, Hannover und Stuttgart. Am 7. November demonstrieren 80.000 Arbeiter in M\u00fcnchen und bilden einen Arbeiter- und Soldatenrat. Einen Tag sp\u00e4ter ruft Kurt Eisner den Freistaat Bayern aus.<\/p>\n<p>Dann \u00fcberschlagen sich die Ereignisse. Richard M\u00fcller, der als Vorsitzender der revolution\u00e4ren Obleute f\u00fchrend am Berliner Aufstand vom 9. November beteiligt war, beschreibt diesen so:<\/p>\n<p>\u201eNach der Fr\u00fchst\u00fcckspause wurde es lebhaft. Die Fabriken leerten sich in unglaublich schnellem Tempo. Die Stra\u00dfen f\u00fcllten sich mit gewaltigen Menschenmassen. An der Peripherie, wo die gr\u00f6\u00dften Fabrikbetriebe liegen, formierten sich gro\u00dfe Demonstrationsz\u00fcge, die dem Mittelpunkt der Stadt zustr\u00f6mten.\u201c<\/p>\n<p>M\u00fcller schildert, wie sich Soldaten, die zum Schutz der Monarchie und zur Aufrechterhaltung der Ordnung nach Berlin beordert worden waren, ohne Aufforderung den Arbeiterdemonstrationen anschlie\u00dfen. \u201eM\u00e4nner, Frauen, Soldaten, ein Volk in Waffen, flutete durch die Stra\u00dfen zu den n\u00e4chstgelegenen Kasernen.\u201c Im Gef\u00e4ngnis Moabit und im Straflager Tegel werden die Gefangenen befreit. \u201eDie gro\u00dfen Zeitungsbetriebe, das Wolffsche Telegraphenbureau, das Telegraphenamt, das Reichstagsgeb\u00e4ude wurden bereits in den ersten Nachmittagsstunden besetzt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas Charakteristische an diesem Aufstand liegt in der elementaren Wucht seines Ausbruchs, in dem alles umfassenden Ma\u00dfe seiner Ausdehnung und der einheitlichen, fast methodischen Handlung in allen Teilen des riesigen Gebietes von Gro\u00df-Berlin\u201c, fasst M\u00fcller die Ereignisse zusammen.<\/p>\n<p>Die durch den Krieg zerr\u00fcttete Herrschaft der Monarchie bricht unter diesem gewaltigen Ansturm der Arbeiterklasse wie ein Kartenhaus zusammen. Reichskanzler Max von Baden verk\u00fcndet bereits am Morgen den Thronverzicht von Kaiser Wilhelm II.. Mittags \u00fcbergibt er sein Amt an den Sozialdemokraten Friedrich Ebert. Am fr\u00fchen Nachmittag ruft das SPD-Mitglied Philipp Scheidemann auf dem Balkon des Berliner Stadtschlosses vor einer riesigen Menschenmasse die demokratische Republik aus. Er kommt damit Karl Liebknecht zuvor, dem F\u00fchrer des Spartakus-Bundes, der kurz danach im benachbarten Lustgarten die sozialistische Republik proklamiert.<\/p>\n<p>Am folgenden Tag bildet der SPD-Vorsitzende Friedrich Ebert eine neue Regierung, die sich \u201eRat der Volksbeauftragten\u201c nennt, und der neben drei Mehrheitssozialdemokraten (Ebert, Philipp Scheidemann und Otto Landsberg) auch drei Mitglieder der Unabh\u00e4ngigen Sozialdemokraten (Hugo Haase, Wilhelm Dittmann und Emil Barth) angeh\u00f6ren. Die USPD war im April 1917 von SPD-Angeordneten gegr\u00fcndet worden, die unter dem Druck der Massen die Bewilligung weiterer Kriegskredite abgelehnt und deshalb aus der SPD ausgeschlossen worden waren. Barth ist zudem Mitglied der Revolution\u00e4ren Obleute, die in den Berliner Metallbetrieben gro\u00dfen Einfluss aus\u00fcben.<\/p>\n<p>Der Rat der Volksbeauftragten \u00fcbernimmt die Aufgabe, die gewaltige revolution\u00e4re Welle, die sich in wenige Tagen wie ein Lauffeuer \u00fcber das ganz Land ausgebreitet hat und nicht nur die Monarchie, sondern auch das Eigentum von Kapital und Gro\u00dfgrundbesitz und die Macht der Milit\u00e4rkaste bedroht, aufzufangen, zu ersticken und blutig niederzuschlagen.<\/p>\n<p>Im Sommer 1914 hatten die SPD-F\u00fchrer den Kriegskrediten zugestimmt und damit Millionen Arbeiter auf die Schlachtbank des imperialistischen Kriegs gef\u00fchrt. Vier Jahre sp\u00e4ter erweisen sie sich als wichtigste Verteidiger der kapitalistischen Herrschaft. Ebert schlie\u00dft einen Geheimpakt mit der Obersten Heeresleitung unter General Gr\u00f6ner. In t\u00e4glicher, direkter Zusammenarbeit mit dem Generalstab der Konterrevolution werden die Angriffe gegen die revolution\u00e4ren Arbeiter vorbereitet und organisiert.<\/p>\n<p>In seinen Lebenserinnerungen schrieb General Gr\u00f6ner \u00fcber dieses B\u00fcndnis mit Ebert: \u201eDas Offizierskorps konnte nur mit einer Regierung zusammenarbeiten, die den Kampf gegen den Radikalismus und Bolschewismus aufnahm. Dazu war Ebert bereit.\u201c Er habe Ebert am 10. November mitgeteilt, dass sich das Heer seiner Regierung zur Verf\u00fcgung stelle, daf\u00fcr aber die Bek\u00e4mpfung des Bolschewismus verlange. \u201eEbert ging auf meinen B\u00fcndnisvorschlag ein. Von da ab besprachen wir uns t\u00e4glich abends auf einer geheimen Leitung zwischen der Reichskanzlei und der Heeresleitung \u00fcber die notwendigen Ma\u00dfnahmen. Das B\u00fcndnis hat sich bew\u00e4hrt.\u201c<\/p>\n<p>Gest\u00fctzt auf dieses B\u00fcndnis organisiert die SPD-F\u00fchrung einen Schlag nach dem anderen gegen die revolution\u00e4ren Arbeiter. Der Volksbeauftragte f\u00fcr Heer und Marine Gustav Noske wird beauftragt, aus versprengten, reaktion\u00e4ren Soldaten Freikorps gegen den Aufstand zu rekrutieren. Er \u00fcbernimmt den Auftrag mit den Worten: \u201eEiner muss den Bluthund machen.\u201c In der SPD-Parteizeitung\u00a0<em>Vorw\u00e4rts<\/em>\u00a0erscheinen Aufrufe zur Mitarbeit in den Freikorps unter der \u00dcberschrift \u201eSch\u00fctzt Euch selbst vor Spartakus!\u201c<\/p>\n<p>Der Konflikt zwischen der Arbeiterklasse auf der einen und den Freikorps, konterrevolution\u00e4ren Truppen und der Ebert-Regierung auf der anderen Seite entwickelt sich zum offenen B\u00fcrgerkrieg. Doch erst am 29. Dezember, als auf den Stra\u00dfen Berlins bewaffnete K\u00e4mpfe toben, verlassen die Minister der USPD die Ebert-Regierung. Sie haben ihr, ohne selbst den geringsten Einfluss auf die Ereignisse zu haben, als linkes Feigenblatt gedient.<\/p>\n<p>Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, die seit Kriegsbeginn gegen den Verrat der SPD gek\u00e4mpft und die \u201eGruppe Internationale\u201c und sp\u00e4ter den \u201eSpartakusbund\u201c gebildet hatten, gr\u00fcnden mitten im Feuer der gr\u00f6\u00dften revolution\u00e4ren K\u00e4mpfe zum Jahreswechsel 1918\/19 die Kommunistische Partei Deutschlands. Rosa Luxemburg, die erst wenige Wochen zuvor aus langer Festungshaft entlassen worden war, h\u00e4lt auf dem Gr\u00fcndungskongress das Hauptreferat. Karl Radek \u00fcberbringt Gr\u00fc\u00dfe der bolschewistischen Partei. Zwei Wochen sp\u00e4ter, am 15. Januar, werden Luxemburg und Liebknecht gefangen genommen und von Noskes Freikorps heimt\u00fcckisch ermordet.<\/p>\n<p>Die Konterrevolution triumphiert! Mit ungeheurer Grausamkeit w\u00fctet sie gegen die revolution\u00e4ren Arbeiter in Berlin und anderen Industriegebieten. Zehntausende werden ermordet. Die Truppen des sozialdemokratischen Heeresministers ersticken die Revolution im Blut.<\/p>\n<p>Heute stellt die offizielle Geschichtsschreibung die Novemberrevolution als demokratischen Aufbruch und Beginn der Demokratie in Deutschland dar. In Wirklichkeit war sie nichts dergleichen. Die deutsche Revolution von 1918 war, wie Leo Trotzki es 1930 treffend formulierte, \u201ekeine demokratische Vollendung der b\u00fcrgerlichen Revolution\u201c, sondern \u201eeine von der Sozialdemokratie enthauptete proletarische Revolution: richtiger gesagt, es ist die b\u00fcrgerliche Konterrevolution, die nach dem Siege \u00fcber das Proletariat gezwungen ist, pseudodemokratische Formen zu bewahren.\u201c<\/p>\n<p>Die deutsche Bourgeoise hatte sich bereits 70 Jahre vorher von demokratischen Zielen verabschiedet. 1848 war sie der demokratischen Revolution, die ganz Deutschland und gro\u00dfe Teile Europas erfasste, in den R\u00fccken gefallen und hatte sich mit der feudalen Reaktion verb\u00fcndet. Der Aufstieg Deutschlands zur imperialistischen Gro\u00dfmacht erfolgte dann unter der Herrschaft des Hohenzollernregimes. Der preu\u00dfische Militarismus, der autorit\u00e4re preu\u00dfische Staatsapparat und sein R\u00fcckgrat, der Gro\u00dfgrundbesitz, dienten der aufstrebenden deutschen Bourgeoisie dazu, die Arbeiterklasse zu unterdr\u00fccken und ihre imperialistischen Ziele zu verfolgen. Das gipfelte in der Katastrophe des Ersten Weltkriegs, f\u00fcr dessen Ausbruch die deutsche Bourgeoisie eine ma\u00dfgeblich Schuld trug.<\/p>\n<p>Die Arbeiter und Soldaten, die sich nach vier Jahren barbarischen Gemetzels und uns\u00e4glicher Kriegsverbrechen massenhaft erhoben, standen nicht vor der Aufgabe, die b\u00fcrgerlich-demokratische Revolution zu vollenden. Die Bourgeoisie war unter dem Schutz des kaiserlichen Regimes l\u00e4ngst zur herrschenden Klasse geworden und hatte mit dem Krieg ihren historischen Bankrott bewiesen. Sie standen vor der Aufgabe, der Bourgeoisie und der Milit\u00e4rkaste die materielle Grundlage zu entziehen, die Industriebarone, Kriegsgewinnler und Gro\u00dfgrundbesitzer zu enteignen und einen sozialistischen Arbeiterstaat zu errichten.<\/p>\n<p>Die deutsche Novemberrevolution war untrennbarer Bestandteil der sich entwickelnden proletarischen Weltrevolution. Fast auf den Tag genau ein Jahr zuvor (am 7. November 1917 nach deutschem Kalender) hatte die Arbeiterklasse in Russland unter F\u00fchrung der Bolschewiki die Macht erobert. Die F\u00fchrer der Oktoberrevolution, Lenin und Trotzki, hatten ihre gesamte Strategie auf eine internationale Perspektive gest\u00fctzt. Sie verstanden die Russische Revolution als Auftakt der sozialistischen Weltrevolution. Sie waren \u00fcberzeugt, dass die Widerspr\u00fcche des imperialistischen Weltsystems, die sich in der Barbarei des Ersten Weltkriegs \u00e4u\u00dferten, auch die Arbeiterklasse anderer L\u00e4nder in die Revolution treiben und den russischen Arbeiterstaat rasch aus seiner anf\u00e4nglichen Isolation befreien w\u00fcrden. Die Ereignisse in Deutschland best\u00e4tigten diese Perspektive.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Sieg der Oktoberrevolution die deutschen Arbeiter inspirierte, rief er unter den herrschenden Eliten Angst und Schrecken hervor. \u201eAbwehr des Bolschewismus\u201c wurde nicht nur zum Schachtruf der \u00e4u\u00dfersten Reaktion, sondern auch der SPD und von Teilen der USPD. \u201eAls Karl Liebknecht \u2026 am 9. November versuchte, die Reichtagsfraktion der Unabh\u00e4ngigen auf die russische Parole \u201aAlle Macht den R\u00e4ten\u2018 festzulegen, zuckte es dem anwesenden Eduard Bernstein \u201awie ein Blitz durch den Kopf\u2018: \u201aEr bringt uns die Konterrevolution\u2018,\u201c schreibt Heinrich Winkler in \u201eDer lange Weg nach Westen\u201c.<\/p>\n<p>Die deutsche Revolution scheiterte am Fehlen einer revolution\u00e4ren F\u00fchrung. Die SPD hatte unter August Bebel und Wilhelm Liebknecht die gr\u00f6\u00dfte marxistische Massenpartei der Welt aufgebaut. Doch ihre f\u00fchrenden Schichten lie\u00dfen sich vom wirtschaftlichen Aufschwung mitschleppen, verrieten 1914 ihr eigenes Programm und unterst\u00fctzten den Ersten Weltkrieg.<\/p>\n<p>Von diesem Schlag hatte sich die Arbeiterklasse nicht rechtzeitig erholt. Die USPD wurde erst drei Jahre nach Kriegsbeginn gegr\u00fcndet, und dies nicht aus eigener Initiative, sondern weil ihr die SPD durch Parteiausschl\u00fcsse keine andere Wahl lie\u00df. Ihre Politik blieb stets zentristisch, sie passte sich an jeden b\u00fcrgerlichen Druck an, wie ihre Teilnahme an Eberts Regierung zeigte. Selbst die revolution\u00e4rsten und mutigsten Vertreter der deutschen Arbeiterklasse im Spartakusbund fanden es schwierig, rechtzeitig mit der SPD und der USPD zu brechen.<\/p>\n<p>Die Niederlage der Novemberrevolution hatte verheerende Folgen. Sie isolierte die Sowjetunion, was wesentlich zum Wachstum der stalinistischen B\u00fcrokratie beitrug. Der zunehmende Einfluss Stalins auf die Politik der Kommunistischen Internationale wurde wiederum zu einem wichtigen Faktor weiterer Niederlagen der internationalen Arbeiterklasse. So verpasste die KPD 1923 aufgrund ihrer falschen Politik eine au\u00dfergew\u00f6hnliche revolution\u00e4re Situation. Und 1933 hatte die von Stalin diktierte, katastrophale Politik der KPD, die eine Einheitsfront gegen die Nazis strikt ablehnte, zu Folge, dass Hitler ohne Kampf die Macht \u00fcbernehmen konnte.<\/p>\n<p>Vor allem aber lie\u00df die Novemberrevolution die Macht und das Eigentum all jener Kr\u00e4fte intakt, die 15 Jahre sp\u00e4ter Hitler an die Macht verhelfen sollten: der Industriebarone wie Stinnes, Krupp und Thyssen; der Juncker, auf die sich Hindenburg und andere Gener\u00e4le st\u00fctzten; und der Freikorps, aus denen sich Hitlers SA rekrutierte. Noch nicht einmal der Hochadel wurde enteignet oder abgeschafft, eine Aufgabe, die die Franz\u00f6sische Revolution 120 Jahre zuvor gr\u00fcndlich erledigt hatte.<\/p>\n<p>Hundert Jahre danach steht die Arbeiterklasse in Deutschland und international wieder vor denselben Aufgaben wie 1918. Mit der Versch\u00e4rfung der globalen Krise des Kapitalismus \u2013extremer sozialer Ungleichheit, Instabilit\u00e4t der Finanzm\u00e4rkte, Handelskrieg und Krieg \u2013 kehren all die ungel\u00f6sten Probleme des zwanzigsten Jahrhunderts zur\u00fcck. Rechtsextreme Parteien sind \u00fcberall, auch in Deutschland, im Aufwind. Ebenso Militarismus und Staatsaufr\u00fcstung. Der Klassenkampf spitzt sich zu. Ohne sozialistische Revolution in absehbarer Zukunft droht die Menschheit wieder in Krieg und Barbarei zu versinken.<\/p>\n<p>[\u2026]<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2018\/11\/09\/nove-n09.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 10. November 2018 mit einer leichten K\u00fcrzung durch Redaktion maulwuerfee.ch<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ulrich Rippert und Peter Schwarz. Vor 100 Jahren \u2013 am 9. 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