{"id":4393,"date":"2018-11-15T18:29:40","date_gmt":"2018-11-15T16:29:40","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4393"},"modified":"2018-11-15T18:29:40","modified_gmt":"2018-11-15T16:29:40","slug":"deutsche-rechtsradikale-marschieren-in-kiew","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4393","title":{"rendered":"Deutsche Rechtsradikale marschieren in Kiew"},"content":{"rendered":"<p><em>Ulrich Heyden. <\/em><strong>Nazismus in der Ukraine ist ein Thema, zu dem die deutschen Medien gerne schweigen. Doch das d\u00fcrfte nun zunehmend schwieriger werden: Deutsche Neo-Nazis beteiligten sich mit eigenen<!--more--> Delegationen und Fahnen an einem ukrainischen Nationalisten-Marsch, zu dem Tausende gekommen waren. Anlass war der &#8222;Tag der Vaterlandsverteidiger&#8220;.<\/strong><\/p>\n<p>Anfang Oktober fand in Kiew aus Anlass des &#8222;Tages der Vaterlandsverteidiger&#8220; ein Marsch mit mehreren Tausend Nationalisten und Faschisten statt. Organisiert wurde der Marsch, mit dem auch der Gr\u00fcndung der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA) 1942 gedacht wurde, von den Parteien Swoboda, Nationaler Korpus und Rechter Sektor. Die UPA war an Massakern gegen Polen und Juden in der West-Ukraine beteiligt.<\/p>\n<p>Unter den Demonstranten in Kiew sah man in auff\u00e4lligem Outfit und mit eigenen Fahnen und einem Transparent auch <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=YzBd8gVcV5w\">Mitglieder der NPD-Jugendorganisation &#8222;Junge Nationalisten&#8220; und der NPD-Abspaltung &#8222;Der Dritte Weg&#8220;.<\/a><\/p>\n<p>Einen Tag nach der Demonstration am 15. Oktober nahmen die Rechtsradikalen aus Deutschland im Kiewer Club Reconquista an der sogenannten zweiten Paneurop\u00e4ischen Konferenz teil. Zu den Teilnehmern der Konferenz geh\u00f6rten Olena Semenyaka (Nationaler Korps der Ukraine), Bj\u00f6rn R\u00f6dal (Alternative f\u00fcr Norwegen), Marcus Follin (Schweden), Bruno Zorica (Kroatien, Ausbilder von kroatischen K\u00e4mpfern im Krieg gegen Serbien), Alberto Palladino (Casa Pound, Italien), Julian Bender (Der Dritte Weg, Deutschland), Maik Schmidt (Junge Nationalisten, Deutschland), Yuri Noievyi (Swoboda, Ukraine), Greg Johnson (Medium <em>Counter-Currents<\/em>, USA).<\/p>\n<p>Der Vertreter des Nationalen Korpus, Kirilo Latischew,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/profile.php?id=100005882769433&amp;fref=nf\">schrieb<\/a> nach der Konferenz auf Facebook, &#8222;die besten der Nationalisten lernen von den westlichen Denkern. Das ist richtig. Aber mir scheint, es ist die Zeit gekommen, dass die ukrainischen Denker und F\u00fchrer des Nationalismus unter den westlichen Verb\u00fcndeten bekannt gemacht werden.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Pl\u00f6tzlich kritische Berichte \u00fcber ukrainische Nazis?<\/strong><\/p>\n<p>Die Anwesenheit von deutschen Nazis auf der Demo in Kiew hat in den deutschen und ukrainischen Medien ein gro\u00dfes Echo gefunden (Bericht von der <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/nationalisten-marschieren-durch-kiew\/a-45888179\"><em>Deutschen Welle<\/em><\/a>). Die Berichte waren kritisch angehaucht. Es wurde berichtet, dass die UPA im Zweiten Weltkrieg an Massakern gegen Polen beteiligt war. Dass man nun offen dar\u00fcber schreibt, was in den letzten vier Jahren als russische Propaganda abqualifiziert wurde, hat offenbar damit zu tun, dass in der Ukraine im M\u00e4rz 2019 Pr\u00e4sidentschaftswahlen stattfinden und die westliche Elite Pr\u00e4sident Petro Poroschenko noch zu einer zweiten Amtszeit verhelfen will. So bekommen in den deutschen Medien nun auch die rechten Kritiker von Poroschenko etwas auf die M\u00fctze. Dass Poroschenko selbst in der Ost-Ukraine einen grausamen Krieg gegen die eigene Bev\u00f6lkerung f\u00fchrt, verschweigen die deutschen Medien aber immer noch.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte sagen, die Anwesenheit von ein paar deutschen Rechtsradikalen auf einer Demonstration in Kiew sei nicht dramatisch. Doch es handelt sich dabei um einen Teil einer langen Kette von Unterst\u00fctzungsleistungen von deutscher Seite.<\/p>\n<p>Erst im Juli dieses Jahres war herausgekommen, dass die Bundeswehr seit 2014 verwundete ukrainische Soldaten, darunter mutma\u00dflich auch Rechtsradikale des Asow-Bataillons, mit einem speziell ausger\u00fcsteten Lazarett-Flugzeug nach Deutschland ausfliegen und in Bundeswehrkrankenh\u00e4usern behandeln l\u00e4sst.<\/p>\n<p>F\u00fcr alle, die sich mit der Ukraine besch\u00e4ftigen, ist die Teilnahme von deutschen Rechtsradikalen an einer Demonstration in Kiew, nicht erstaunlich. Kontakte zwischen der NPD und der rechtsradikalen Partei Swoboda, deren Militante sich f\u00fchrend am Staatsstreich in Kiew beteiligten, gab es bereits 2013, also noch vor dem Maidan in Kiew.<\/p>\n<p>Nachdem die Partei Swoboda 2012 das erste Mal in Fraktionsst\u00e4rke in die Rada eingezogen war, schickte sie 2013 eine Delegation unter Leitung des Rada-Abgeordneten Mychajlo Holowko zur NPD nach Sachsen.<\/p>\n<p>Auf eine m\u00fcndliche Frage der Linken-Abgeordneten Ulla Jelpke vom 20. Februar 2013 erkl\u00e4rte die Bundesregierung, sie habe weder Erkenntnisse \u00fcber rechtsextremistische Tendenzen der Fraktion und Partei Swoboda noch zu deren Kontakten zu Rechtsextremisten in Deutschland oder der EU (<a href=\"http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btd\/17\/145\/1714513.pdf\">Plenarprotokoll 17\/221<\/a>). Diese Aussage erstaunte, hatte Swoboda zu dieser Zeit doch schon l\u00e4nger Beobachterstatus bei der &#8222;Allianz der europ\u00e4ischen nationalen Bewegungen&#8220; (AEMN).<\/p>\n<p><strong>Ukrainisches Internet-Portal: &#8222;Moskau-freundliche Nazis aus Deutschland&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Regierungsnahe ukrainische Medien wie <em>Vesti<\/em>\u00a0<a href=\"https:\/\/vesti-ukr.com\/kiev\/308011-na-marshe-upa-v-kieve-zametili-nemetskikh-prorossijskikh-neonatsistov-foto\">bezeichneten<\/a>\u00a0die deutschen Rechtsradikalen, die sich am Marsch in Kiew beteiligten, als &#8222;pro-russisch&#8220;. Die NPD sei bekannt f\u00fcr &#8222;ihre pro-russische Position (\u2026) Nach bestimmten Quellen ist die T\u00e4tigkeit dieser Organisation mit dem Regime des Pr\u00e4sidenten von Syrien, Baschar al-Assad, und der terroristischen Organisation Hisbollah verbunden&#8220;, behauptete das Internet-Portal ohne einen einzigen Beweis zu nennen. Mitglieder der NPD h\u00e4tten mehrmals &#8222;die Okkupation der Krim&#8220; gerechtfertigt.<\/p>\n<p>Dass die NPD, seit ihrer Gr\u00fcndung 1964 bis etwa zum Jahr 2000, einen aggressiv anti-russischen Kurs fuhr, ist allgemein bekannt. Dass diese Partei &#8222;pro-russisch&#8220; sein soll, erstaunt. Ja, die NPD hat sich gegen die Sanktionen gegen Russland und Syrien ausgesprochen. Doch ist das schon &#8222;pro-russisch&#8220;?<\/p>\n<p>Dass die NPD heute nicht mehr f\u00fcr die R\u00fcckgabe der &#8222;deutschen Ostgebiete&#8220; auf die Stra\u00dfe geht, wie noch in den 1980er Jahren, hat vor allem taktische Gr\u00fcnde. Der ehemalige NPD-Vorsitzende Holger Apfel gei\u00dfelte noch 1999 in der Publikation &#8222;Tradition und Zukunft einer nationalen Partei&#8220; &#8222;die freiwillige Unterwerfung Deutschlands unter das Moskauer Diktat&#8220; und &#8222;die Ausdehnung des bolschewistisch-russischen Imperiums bis in die Mitte des europ\u00e4ischen Raumes&#8220;. Bis 2017 demonstrierte die NPD vor dem Museum in Berlin-Karlshorst gegen eine <a href=\"https:\/\/www.npd-berlin.de\/8-mai-wir-feiern-nicht-wir-gedenken-2\/\">&#8222;angebliche Befreiung&#8220;<\/a>\u00a0Deutschlands am 8. Mai 1945. In dem Geb\u00e4ude, in dem sich das Museum befindet, wurde die bedingungslose Kapitulation Deutschlands unterzeichnet.<\/p>\n<p>Die Organisation &#8222;Der Dritte Weg&#8220; als Moskau-freundlich zu bezeichnen, ist ebenfalls abwegig. Im Programm von &#8222;Der Dritte Weg&#8220; wird zwar der &#8222;Austritt aus der NATO&#8220; gefordert. Unter Punkt 10 des Parteiprogramms hei\u00dft es jedoch, &#8222;Deutschland ist gr\u00f6\u00dfer als die BRD. Ziel der Partei &#8218;Der Dritte Weg&#8216; ist die friedliche Wiederherstellung Gesamtdeutschlands in seinen v\u00f6lkerrechtlichen Grenzen&#8220;. Mit &#8222;v\u00f6lkerrechtlichen Grenzen&#8220; sind zweifellos die Grenzen von 1937 gemeint. Doch Grenzen in Frage zu stellen, die 1945 auf der Potsdamer Konferenz festgelegt wurden, st\u00f6\u00dft seit jeher auf scharfen Protest aus Moskau.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Der Dritte Weg f\u00fcr Fortsetzung der Maidan-Revolution&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Der Dritte Weg&#8220;, eine von ehemaligen NPD-Mitgliedern gegr\u00fcndete &#8222;nationalrevolution\u00e4re&#8220; Partei,\u00a0<a href=\"https:\/\/der-dritte-weg.info\/2018\/10\/unsere-partei-beim-marsch-der-nation-in-kiew\/\">berichtet<\/a> auf seiner Webseite mit gro\u00dfen Fotos von seiner Teilnahme an der Demonstration in Kiew. Auf der Webseite wird in einem weiteren Text begr\u00fc\u00dft, dass bei der ukrainischen Armee und Polizei der nationalistische Gru\u00df &#8222;Ehre der Ukraine \u2013 Ruhm den Helden&#8220; wieder eingef\u00fchrt wurde. Weiter hei\u00dft es, es sei klar, dass die Maidan-Revolution <a href=\"https:\/\/der-dritte-weg.info\/2018\/10\/ukrainische-armee-und-polizei-fuehren-nationalistengruss-ein\/\">&#8222;noch nicht beendet ist&#8220;<\/a> .<\/p>\n<p><strong>&#8222;Rechter Sektor&#8220;-Gr\u00fcnder Jarosch droht Oppositionsf\u00fchrern mit Tod<\/strong><\/p>\n<p>Die Teilnahme von Rechtsradikalen aus Deutschland an einer Nationalisten-Demo in Kiew f\u00e4llt in eine Zeit, in der sich alle politischen Kr\u00e4fte in der Ukraine auf den Pr\u00e4sidentschaftswahlkampf im M\u00e4rz 2019 vorbereiten. Dass die Teilnehmer aus Deutschland nun als Pro-Russen hingestellt werden, zeigt die ganze Absurdit\u00e4t der anti-russischen Hysterie in der Ukraine.<\/p>\n<p>Die Rechtsradikalen in der Ukraine wollen zu den Wahlen einen eigenen Kandidaten aufstellen. Wer das wird, darum streiten jetzt die Partei Swoboda und Andrej Bilezki, der Gr\u00fcnder des Asow-Bataillons und Leiter des Nationalen Korpus.<\/p>\n<p>Die ukrainischen Nationalisten und Rechtsradikalen kritisieren Pr\u00e4sident Petro Poroschenko zwar scharf wegen eines angeblich zu weichen Kurses gegen die &#8222;Volksrepubliken&#8220; Donezk und Lugansk. Doch ungeachtet dieser Kritik arbeiten f\u00fchrende Rechtsradikale und Nationalisten mit der ukrainischen Pr\u00e4sidialadministration eng zusammen. Dmitro Jarosch, der Gr\u00fcnder des &#8222;Rechten Sektors&#8220; und jetzige Leiter der &#8222;Ukrainischen Freiwilligen-Armee&#8220; (UDA) hat Pr\u00e4sident Petro Poroschenko seine Unterst\u00fctzung versprochen. Jarosch k\u00fcndigte an, alle Bataillone der UDA w\u00fcrden von der Front in der Ost-Ukraine abgezogen. Sie w\u00fcrden &#8222;den staatlichen Strukturen helfen, dass es nicht zu einer russischen Revanche kommt.&#8220;<\/p>\n<p>Von &#8222;russischer Revanche&#8220; sprechen die ukrainischen Nationalisten, wenn es um Aktivit\u00e4ten der linken und demokratischen Opposition in der Ukraine geht, wenn es zum Beispiel um eine Unterschriftensammlung f\u00fcr den Frieden geht. &#8222;Wenn n\u00f6tig&#8220; w\u00fcrde man alle diese &#8222;Medwetschuk, Wilkul und Murajew&#8220; (ukrainische Oppositionspolitiker) &#8222;beseitigen&#8220;,\u00a0<a href=\"https:\/\/vesti-ukr.com\/strana\/307936-nardep-i-lider-uda-dmitrij-jarosh-zajavil-chto-dobrovoltsy-ukhodjat-s-peredovoj-na-donbasse-video\">erkl\u00e4rte<\/a>\u00a0Jarosch. Und er gehe davon aus, dass die &#8222;staatlichen Organe Verst\u00e4ndnis haben&#8220;, wenn man so vorgehe.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/deutsch.rt.com\/meinung\/77982-deutsche-rechtsradikale-marschieren-in-kiew\/\">rt.com&#8230;<\/a> vom 15. November 2018<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ulrich Heyden. Nazismus in der Ukraine ist ein Thema, zu dem die deutschen Medien gerne schweigen. 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