{"id":4401,"date":"2018-11-16T14:32:42","date_gmt":"2018-11-16T12:32:42","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4401"},"modified":"2018-11-16T14:32:42","modified_gmt":"2018-11-16T12:32:42","slug":"streitgespraech-ein-streik-braucht-jahrelange-arbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4401","title":{"rendered":"Streitgespr\u00e4ch: \u00abEin Streik braucht jahrelange Arbeit\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><em>Kaspar Surber. <\/em><strong>Als das Land stillstand: Ein Gespr\u00e4ch mit den GewerkschafterInnen Natascha Wey und Florian Keller und dem Historiker und WOZ-Autor Stefan Keller \u00fcber das Streiken gestern und heute. <\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong>WOZ: Der Landesstreik von 1918 gilt als schwerste politische Krise in der Geschichte des Bundesstaats. Stefan Keller, was war er tats\u00e4chlich: ein Umsturzversuch, fast schon ein B\u00fcrgerkrieg oder am Ende doch nur ein Streik?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Stefan Keller:<\/strong> Er war ein ungew\u00f6hnlicher Streik. Ein politischer Massenstreik, der sich im Unterschied zu Branchenstreiks nicht auf den Arbeitsvertrag beschr\u00e4nkte, sondern auf die politischen Verh\u00e4ltnisse zielte. Unter den neun Forderungen zum Streik gab es solche, die den Arbeitsplatz betrafen, wie die nach der 48-Stunden-Woche, andere, wie das Frauenstimmrecht, waren politischer Natur. Kurz: Man hat versucht, eine politische Ver\u00e4nderung \u00fcber das Mittel der Arbeitsverweigerung durchzusetzen.<\/p>\n<p><strong>In welcher gesellschaftlichen Situation befanden sich die Streikenden, dass sie gleich ein ganzes politisches Programm formulierten?<\/strong><\/p>\n<p>Stefan Keller: Im Ersten Weltkrieg haben die Leute in den Arbeiterquartieren oft gehungert, weil die Lebensmittel knapp und teuer waren. Die L\u00f6hne waren gering, die Kriegsgewinne hingegen gross, bei den Industriellen wie bei den Bauern. Die soziale Schere ging auseinander, gleichzeitig f\u00fchlte man sich als Arbeiter politisch ohnm\u00e4chtig, als Arbeiterin erst recht. Das alles hat sich in diesem November zusammengeballt, auch vor einem internationalen Hintergrund. Zuf\u00e4lle und milit\u00e4rische Provokationen f\u00fchrten schliesslich zum Landesstreik.<\/p>\n<p><strong>Natascha Wey, interessiert Sie als j\u00fcngere Gewerkschafterin und Pr\u00e4sidentin der SP-Frauen der Landesstreik\u00a0\u2013 oder ist er eine verstaubte Erinnerung?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Natascha Wey:<\/strong> Er inspiriert mich sehr. Die SP-Frauen, die letztes Jahr ihr Hundert-Jahr-Jubil\u00e4um feierten, g\u00e4be es nicht ohne die damalige Frauenagitationskommission. Besonders wichtig finde ich die Erkenntnis, dass die Frauen in der Linken immer doppelt zu k\u00e4mpfen hatten: gegen die \u00f6konomische Situation und gegen das Patriarchat, auch in der Linken. An Figuren wie Rosa Bloch-Bollag l\u00e4sst sich zeigen, dass die Frauen eine doppelte \u00dcberschreitung der Konventionen wagen mussten. Rosa Bloch-Bollag war Teil der Streikbewegung, stellte also \u00f6konomisch die Machtfrage, und sprach gleichzeitig als erste Frau vor dem Z\u00fcrcher Kantonsrat, ohne dass es ein Frauenstimmrecht gab. Ich kriege G\u00e4nsehaut, wenn ich daran denke, was das f\u00fcr einen Mut brauchte und was f\u00fcr eine Radikalit\u00e4t.<\/p>\n<p>Stefan Keller: Und was f\u00fcr eine List! Die Frauen beriefen sich auf einen l\u00e4ngst vergessenen Verfassungsartikel, laut dem Petition\u00e4re vom Kantonsrat angeh\u00f6rt werden konnten.<\/p>\n<p>Natascha Wey: Mit ihren Regenschirmen haben die Frauen Einlass ins Parlament gefordert. Die Methode k\u00f6nnte man wieder einmal aufnehmen. Es regnet ja so oft an Demos.<\/p>\n<p><strong>Florian Keller, teilen Sie die historische Begeisterung der beiden?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Florian Keller:<\/strong> Das damals formulierte Programm wurde auf jeden Fall zum Jahrhundertprogramm der Gewerkschaften und der Linken in der Schweiz. Das ist das wahrscheinlich dickste Brett, das in der Schweizer Politik je gebohrt wurde, weil man an diesem Programm nie Abstriche gemacht hat, sondern bis heute an seiner Umsetzung gearbeitet hat. Wenn man gleiche L\u00f6hne f\u00fcr alle fordert, dann beruft man sich immer noch auf dieses Programm. Vielleicht hat es aber auch verhindert, dass man sich in den letzten hundert Jahren fundamentale Gedanken \u00fcber ein neues Programm oder neue Programmpunkte machte.<\/p>\n<p><strong>Aus dem Heute betrachtet: Welcher Punkt fehlt?<\/strong><\/p>\n<p>Florian Keller: Das Megathema der Kinderbetreuung.<\/p>\n<p>Natascha Wey: Das wollte ich auch gerade sagen: die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie und die unbezahlte Arbeit.<\/p>\n<p>Stefan Keller: Die \u00f6kologischen Fragen fehlen nat\u00fcrlich auch, die sich heute mit einer grossen Dringlichkeit stellen.<\/p>\n<p><strong>R\u00fcckblickend war das damalige Programm h\u00f6chst erfolgreich. Wie haben die Zeitgenossen den Landesstreik erlebt? Die Streikenden kapitulierten ja nach nur drei Tagen, um ein Blutbad durch die Armee zu verhindern.<\/strong><\/p>\n<p>Stefan Keller: Die Linke hat den Landesstreik nicht einfach als Niederlage empfunden. Es mag etwas Propaganda drinstecken, aber in den zeitgen\u00f6ssischen Dokumenten heisst es: Der Streik war ein Erfolg. Wir haben jetzt einmal gezeigt, was wir k\u00f6nnen. Wir k\u00f6nnen dieses Land stilllegen. Das hat es vorher nicht gegeben.<\/p>\n<p><strong>In der Gegenwart ist kein Landesstreik in Sicht, der das Land stilllegt. Geplant ist daf\u00fcr ein Frauenstreik. Worum geht es?<\/strong><\/p>\n<p>Natascha Wey: Ein Streik bedeutet immer, sich in eine Verhandlungsposition zu bringen. Die Frauen in der Schweiz finden im Moment kaum Geh\u00f6r, und das wollen wir mit dem Frauenstreik \u00e4ndern. In einer anderen Form als 1918 geht es auch heute um \u00f6konomische Fragen: nicht um Hunger, aber um die Altersarmut und die unbezahlte Arbeit. Ausserdem haben Frauen eine schlechtere Stellung auf dem Arbeitsmarkt und arbeiten oft in Branchen mit tiefen L\u00f6hnen. Teilzeitarbeit und Kinderbetreuung verunm\u00f6glichen es vielen Frauen, \u00f6konomisch selbstst\u00e4ndig zu sein. Aus politischer Sicht ist die Vertretung von Frauen in der Regierung und im Parlament virulent. Im St\u00e4nderat ist der Zustand pitoyabel. Und schliesslich ist die Gewaltfrage wichtiger geworden, gerade unter j\u00fcngeren Frauen: Sexistische Spr\u00fcche oder sexuelle \u00dcbergriffe werden nicht mehr einfach hingenommen.<\/p>\n<p><strong>Wie steht es um die interne Unterst\u00fctzung in den Gewerkschaften f\u00fcr den Frauenstreik? Dominiert wie 1918 das Patriarchat?<\/strong><\/p>\n<p>Natascha Wey: Der Kongress des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds findet erst Anfang Dezember statt, da wird man die Unterst\u00fctzung bestimmt beschliessen. F\u00fcr uns Frauen ist aber so klar, dass wir streiken wollen, da m\u00fcssten wir eigentlich gar nicht fragen gehen. Aber wir brauchen Ressourcen.<\/p>\n<p>Florian Keller: Bei uns in der Unia hat der Frauenstreik eine sehr hohe Priorit\u00e4t. Wir sind in der Region Z\u00fcrich-Schaffhausen gerade daran, unseren Beitrag f\u00fcrs n\u00e4chste Jahr zu definieren, und wir werden sicher mehrere Leute Vollzeit daf\u00fcr einsetzen. Der Frauenstreik wird dann erfolgreich sein, wenn er zu einer thematischen Sammlungsbewegung wird von Leuten, die Lohngleichheit wollen, bis zu solchen, die sich gegen die sexuelle Bel\u00e4stigung wehren.<\/p>\n<p><strong>Die Unia selbst kam wegen sexueller Bel\u00e4stigung in die Kritik. Was ist seither passiert?<\/strong><\/p>\n<p>Florian Keller: Wir haben viel gearbeitet und viel \u00fcber Sexismen und Rassismen diskutiert. Die Zentrale hat ein Reglement \u00fcberarbeitet, wie man mit sexuellen Bel\u00e4stigungen umgeht, es wird mehr in die Ausbildung von jungen F\u00fchrungskr\u00e4ften investiert.<\/p>\n<p>Natascha Wey: Gewerkschaften sind hierarchisch, weil sie durch klare Abl\u00e4ufe schlagkr\u00e4ftig werden, gleichzeitig f\u00fchrt dies zu Macht- und Ausbeutungsverh\u00e4ltnissen. Es bleibt f\u00fcr eine linke Institution eine Herausforderung, wirkungsvoll und emanzipatorisch zugleich zu sein. Nur wenn wir das erf\u00fcllen, sind wir auch ein Vorbild.<\/p>\n<p><strong>Um zur\u00fcck zum Frauenstreik zu kommen: Wie muss man ihn sich vorstellen?<\/strong><\/p>\n<p>Natascha Wey: Es wird sicher kein klassischer Streik werden, denn typische Frauenberufe kann man ja nicht bestreiken: Man kann nicht die Spit\u00e4ler schliessen oder aufh\u00f6ren, die Kinder zu betreuen. Da m\u00fcssen wir uns neue Protestformen \u00fcberlegen.<\/p>\n<p>Florian Keller: Es wird eine niederschwellige, individuelle Beteiligungsm\u00f6glichkeit brauchen, damit m\u00f6glichst viele Frauen an diesem Tag ihre Arbeit niederlegen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Florian Keller, Sie sind gerade daran, einen Streik der Bauarbeiter zu organisieren. Was ist die gr\u00f6sste H\u00fcrde, damit ein Streik \u00fcberhaupt stattfindet?<\/strong><\/p>\n<p>Florian Keller: Ich muss etwas ausholen, denn es gibt verschiedene Streikformen. In Z\u00fcrich legten wir diese Woche im Bau zum Beispiel einen Protesttag ein, um die Entschlossenheit der Bauarbeiter bei den Verhandlungen um den Landesmantelvertrag auszudr\u00fccken. Wir haben die betrieblichen Abl\u00e4ufe gest\u00f6rt, damit die Firmen die Planung umstellen m\u00fcssen, etwa bei der Anlieferung von Beton. Eine weiter gehende Form des Streiks w\u00e4re es zu sagen: Wir treten jetzt in den Streik und kommen erst wieder zur Arbeit, wenn wir unsere Postulate umgesetzt sehen. Das verlangt den Leuten aber viel mehr ab. Es gibt immer zwei Umst\u00e4nde, die die Leute davon abhalten, Kampfmassnahmen zu ergreifen, um ihre Interessen durchzusetzen: Das sind die Angst und die Ohnmacht. Unsere Aufgabe ist es, damit einen Umgang zu finden.<\/p>\n<p><strong>Wie schaffen Sie Mut?<\/strong><\/p>\n<p>Florian Keller: Es geht um gegenseitige Verbindlichkeit zwischen den Gewerkschaften und den Besch\u00e4ftigten: Hat man das Vertrauen, die Erfahrung, etwas zu erreichen? Gibt es gute Beispiele, die glaubhaft machen, es k\u00f6nnte funktionieren? Welcher Art und welchem Ausmass von Repression ist man ausgesetzt, wenn man sich beteiligt? Werden die anderen mitmachen? Das ist die gr\u00f6sste Frage: Werde ich nicht alleine sein? Um die Angst und die Ohnmacht zu \u00fcberwinden, m\u00fcssen wir eine tiefe Vertrauensbeziehung zu den Leuten haben. Das bedeutet jahrelange Arbeit. Ein Streik ist oft die Kumulation eines langen Prozesses.<\/p>\n<p><strong>In den letzten Jahren hat man den Eindruck, der Streik werde nicht mehr nur in den klassischen Branchen wie dem Bau als Kampfmittel angewandt. Neuerdings wird auch in Medienbetrieben gestreikt, bei der Nachrichtenagentur SDA etwa oder der Zeitung \u00abLe Matin\u00bb.<\/strong><\/p>\n<p>Stefan Keller: Ich war einige Jahre Pr\u00e4sident der Journalisten bei Syndicom. Wir haben nie geglaubt, dass ein Streik unter den individualisierten Journalisten m\u00f6glich w\u00fcrde. Bei aller Begeisterung, dass es nun geklappt hat, muss man aber schon sehen: Es sind letztlich Verzweiflungsstreiks von Belegschaften, die ihre Jobs verlieren. Es ist gut und sehr wichtig, dass die k\u00e4mpfen, aber es ist doch viel schwieriger, in einer ungek\u00fcndigten Stellung bessere Arbeitsverh\u00e4ltnisse zu erstreiken.<\/p>\n<p>Florian Keller: Ich stimme zu, dass sich bei defensiven Streiks in der Schweiz wieder eine Kultur etabliert. Das hat viel mit der Romandie zu tun, wo bei Entlassungen in der Industrie fast schon reflexartig gestreikt wird. Da machen auch die Besserverdienenden mit, die sogenannten White Collars. Ein offensiver Streik in ungek\u00fcndigten Arbeitsverh\u00e4ltnissen ist nochmals eine ganz andere Geschichte.<\/p>\n<p>Natascha Wey: In einer neoliberalen Arbeitswelt mit ihren ausdifferenzierten Berufen und h\u00e4ufigen Stellenwechseln ist es aber auch schwierig geworden, eine Solidarit\u00e4tserfahrung hinzukriegen. Das macht die Gewerkschaftsarbeit heute zur Herausforderung.<\/p>\n<p>Stefan Keller: Das war aber doch schon 1918 nicht anders. Die Leute wurden bei jeder kleinen Krise wieder entlassen.<\/p>\n<p>Natascha Wey: Das stimmt, aber damals geh\u00f6rte es eher zum Kulturverst\u00e4ndnis, Teil einer Gewerkschaft zu sein.<\/p>\n<p><strong>Viele Besch\u00e4ftigte, gerade J\u00fcngere, verstehen sich heute als Ich-AG. Wie gewinnen Sie diese f\u00fcr ein gewerkschaftliches Engagement?<\/strong><\/p>\n<p>Natascha Wey: Wir versuchen beim VPOD, eine Antwort auf die extrem ausdifferenzierte Berufswelt zu geben. Eine Reinigungsmitarbeiterin hat andere Bed\u00fcrfnisse als eine Lehrerin. Die eine muss darum k\u00e4mpfen, dass ihr Lohn existenzsichernd ist. Die andere hat an sich einen guten Lohn, ihr geht es um andere Fragen. Die B\u00fcrokratie ist ein wahnsinnig grosses Thema. Die Leute in den Schulen, in der Verwaltung, in Dienstleistungsberufen haben das Gef\u00fchl, dass sie nicht mehr selbstbestimmt ihre Arbeit machen, sondern von einem allm\u00e4chtigen BWL-Apparat kontrolliert werden. Ihnen geht es darum, dass sie eine gewisse Autonomie im Arbeitsverh\u00e4ltnis zur\u00fcckgewinnen.<\/p>\n<p>Florian Keller: Wir wollen erreichen, dass die Gewerkschaft nicht mehr als Stellvertretung wahrgenommen wird: dass man als Mitglied nicht einfach seinen Beitrag zahlt wie einen Ablass, und dann soll die Gewerkschaft k\u00e4mpfen. F\u00fcr uns als Gewerkschaft wiederum sollte nicht der Versicherungsgedanke im Vordergrund stehen, etwa die Garantie eines Rechtsschutzes. Zwei Drittel unserer finanziellen Ressourcen sollen vielmehr in die Bewegungsarbeit fliessen, und zwar \u00fcber den Rayon des Arbeitsplatzes hinaus.<\/p>\n<p><strong>Wie wollen Sie das erreichen?<\/strong><\/p>\n<p>Florian Keller: Vielen Leuten fehlt im Alltag die Erfahrung, dass eine kollektive Organisation wirksam sein kann. Weil sie nie in einem Verein ihre Interessen wahrgenommen oder sich nie im Quartier gewehrt haben. In der Stadt Z\u00fcrich und Umgebung arbeiten wir beispielsweise stark in der portugiesischen Community. Eines der gr\u00f6ssten Probleme ist die Schule: Ihren Kindern wird viel zu h\u00e4ufig ADHS diagnostiziert und Ritalin verschrieben. Wenn wir ihnen in solchen Fragen Unterst\u00fctzung bieten, dann vertrauen sie dem Instrument der kollektiven Aktion auch viel mehr, wenn wir sie sp\u00e4ter auf dem Bau oder in der Hotelreinigung antreffen.<\/p>\n<p>Stefan Keller: Bei dieser Diskussion \u00fcber die Gewerkschaft der Zukunft geht f\u00fcr mich etwas vergessen, dass sich die Gewerkschaften in den letzten Jahrzehnten massiv ver\u00e4ndert haben. Als ich Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger politisiert wurde, waren die Gewerkschaften das Konservativste in der Linken \u00fcberhaupt. Alte, finster guckende M\u00e4nner, die jeder sozialen Bewegung mit Misstrauen begegneten. Das waren unsere Feinde damals! Die sklerotischen Gewerkschaften haben sich ge\u00f6ffnet, sie wurden wieder mobilisierungs- und streikf\u00e4hig.<\/p>\n<p><strong>Die Gewerkschaftsbewegung steht vor einer wichtigen personellen Entscheidung: Paul Rechsteiner tritt nach zwanzig Jahren als Pr\u00e4sident zur\u00fcck, Barbara Gysi und Pierre-Yves Maillard kandidieren f\u00fcr die Nachfolge. Was ist die wichtigste Aufgabe der neuen Pr\u00e4sidentin, des neuen Pr\u00e4sidenten?<\/strong><\/p>\n<p>Natascha Wey: Eine Herausforderung ist sicher, wie sich die Gewerkschaften, die grosse Unia und die kleinen wie der SEV, Syndicom und der VPOD, weiterentwickeln. Auf alle F\u00e4lle m\u00fcssen alle neue Mitglieder gewinnen. Und da sind f\u00fcr mich die Frauenberufe schon die Zukunft: Die Dienstleistungsberufe, die Pflegeberufe, die m\u00fcssen wir angehen.<\/p>\n<p><strong>Braucht es dazu eine Frau als Pr\u00e4sidentin?<\/strong><\/p>\n<p>Natascha Wey: Es ist schlicht glaubw\u00fcrdiger. Ehrlich gesagt, ich will jetzt als Frau endlich eine Leaderin und bin nicht bereit, Konzessionen zu machen. Ich traue Barbara Gysi das Amt zu, das ist f\u00fcr mich keine Frage.<\/p>\n<p>Stefan Keller: Ich bin auch Delegierter und kann w\u00e4hlen. Ich habe mich noch nicht entschieden. Ich werde die Person w\u00e4hlen, die mehr \u00fcberzeugt in der Antwort auf die grossen gesellschaftlichen Herausforderungen, bei der Europafrage, bei der Migrationsfrage, aktuell bei den Menschenrechten. Letztlich ist die Wahl auch nicht so wichtig, \u00fcber den grunds\u00e4tzlichen Kurs gibt es wenig Streit.<\/p>\n<p>Natascha Wey: Aber die Wahl hat einen hohen Symbolwert.<\/p>\n<p>Florian Keller: Ich werde Barbara Gysi w\u00e4hlen. Ich finde auch, dass es keine inhaltliche Divergenz gibt. Aber es geht ums Symbol.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.woz.ch\/1845\/das-streikgespraech\/ein-streik-braucht-jahrelange-arbeit\"><em>woz.ch&#8230;<\/em><\/a><em> vom 16. November 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaspar Surber. Als das Land stillstand: Ein Gespr\u00e4ch mit den GewerkschafterInnen Natascha Wey und Florian Keller und dem Historiker und WOZ-Autor Stefan Keller \u00fcber das Streiken gestern und heute. <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6,3],"tags":[25,32,26,93,17],"class_list":["post-4401","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","category-schweiz","tag-arbeiterbewegung","tag-frauenbewegung","tag-gewerkschaften","tag-landesstreik","tag-widerstand"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4401","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4401"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4401\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4402,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4401\/revisions\/4402"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4401"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4401"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4401"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}