{"id":4464,"date":"2018-11-23T11:35:47","date_gmt":"2018-11-23T09:35:47","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4464"},"modified":"2018-11-23T11:35:47","modified_gmt":"2018-11-23T09:35:47","slug":"intersektionalitaet-und-marxistische-gesellschaftstheorie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=4464","title":{"rendered":"Intersektionalit\u00e4t und marxistische Gesellschaftstheorie"},"content":{"rendered":"<p><em>Etienne Schneider.<\/em> F\u00fcr Marx ist die b\u00fcrgerliche Gesellschaft grunds\u00e4tzlich widerspr\u00fcchlich: Sie ist durchzogen vom zentralen Antagonismus, dass sich eine herrschende Gruppe den gesellschaftlichen Reichtum und<!--more--> das gesellschaftliche Arbeitsverm\u00f6gen, vermittelt durch den Prozess der kapitalistischer Produktion und Akkumulation, privat aneignet \u2013 ein Vorgang, gegen den sich die von der privaten Aneignung ausgeschlossenen Gruppen mit verschiedenen K\u00e4mpfen zur Wehr setzen. In der Geschichte der Linken und ihrer K\u00e4mpfe um Emanzipation war die Zentralit\u00e4t dieses Antagonismus jedoch stets umstritten \u2013 und sie blieb es bis heute: In feministischen K\u00e4mpfen wird seit Jahrhunderten gegen patriarchale Verh\u00e4ltnisse angegangen, durch die Frauen und Menschen nicht-m\u00e4nnlichen Geschlechts sexuell, k\u00f6rperlich und \u00f6konomisch ausgebeutet, politisch ausgeschlossen, kulturell erniedrigt und rechtlich diskriminiert werden. Antikoloniale und antiimperialistische K\u00e4mpfe wandten und wenden sich gegen die gewaltsame Besetzung, rassistische Strukturierung, kulturelle Degradierung und \u00f6konomische Exploitation eines Gro\u00dfteils der Erde durch den \u2018Westen\u2019 und gegen die damit verbundene massenhafte Versklavung und T\u00f6tung der Kolonialisierten.<\/p>\n<p>Antirassistische Bewegungen treten dem Fortbestehen kolonialistischer und nationalistischer Verh\u00e4ltnisse entgegen; sie bek\u00e4mpften und bek\u00e4mpfen die systematische rassistische Vernichtung, Verfolgung und Ermordung von Menschen. Sie setzen sich zur Wehr gegen die b\u00fcrokratische Herrschaft und die allt\u00e4gliche Gewalt im Inneren der westlichen Zentren sowie gegen die oft t\u00f6dliche Abschottung ihrer Grenzen nach au\u00dfen. Wieder andere K\u00e4mpfe richten sich gegen Homophobie, Heteronormativit\u00e4t, die Privilegierung von Geschlechterbinarit\u00e4t und darauf basierenden konventionellen Lebensformen, die zerst\u00f6rerische Beherrschung und Aneignung von Natur oder gegen die Pathologisierung, Psychiatrisierung und Exklusion von Menschen, die k\u00f6rperlich oder psychisch als jenseits der Norm stehend klassifiziert werden. Dieser Pluralit\u00e4t sozialer K\u00e4mpfe steht aber auch vielfach Hinnahme, Ertragen, Resignation, effiziente Repression und Einsch\u00fcchterung gegen\u00fcber. Viele Herrschaftsverh\u00e4ltnisse k\u00f6nnen sich stabil reproduzieren, ohne dass sich spontan Widerstand gegen sie formiert. Oft verbleibt er auch auf der Ebene individualisierter und verallt\u00e4glichter K\u00e4mpfe, die sich nicht zu \u00fcbergreifenden sozialen Auseinandersetzungen verdichten.<\/p>\n<p>Wann immer sich jedoch Widerstand organisiert und er in verschiedenen sozialen K\u00e4mpfen gesellschaftliche Herrschaft in Frage gestellt hat, entwickelten sich auch Begriffe von Gegens\u00e4tzen und Widerspr\u00fcchen: zwischen Klassen, zwischen Geschlechtern, zwischen Zentrum und Peripherie, Kolonialherren und Kolonialisierten, zwischen <em>wei\u00dfen <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><strong>[1]<\/strong><\/a><\/em> und nicht-<em>wei\u00dfen<\/em> Menschen, zwischen konventionellen und queeren Lebensformen, zwischen \u2018gesunden\u2019 und pathologisierten Menschen. Gleichzeitig ist die Geschichte dieser K\u00e4mpfe und Widerspr\u00fcche keine Geschichte isolierter Str\u00e4nge: Das Verh\u00e4ltnis dieser Widerspr\u00fcche und K\u00e4mpfe zueinander, ihre Verschr\u00e4nkung und Verwobenheit, und nicht zuletzt ihre Gewichtung und Priorisierung, waren innerhalb der Linken \u00e4hnlich umstritten und umk\u00e4mpft wie die richtige Analyse und Vorgehensweise gegen alle diese Widerspr\u00fcche im Einzelnen.<\/p>\n<p>Einer von vielen Versuchen, wenngleich der aktuell popul\u00e4rste, das Verh\u00e4ltnis und die Verschr\u00e4nkung zwischen dieser Vielzahl an Widerspr\u00fcchen zu fassen, stellt das aus dem Feminismus stammende Konzept der Intersektionalit\u00e4t dar, das sich besonders im nordamerikanischen und westeurop\u00e4ischen Raum zunehmender Beliebtheit erfreut. Vor dem Hintergrund der Problematisierung der Annahme einer einheitlichen weiblichen Unterdr\u00fcckungserfahrung konnte sich der Begriff der Intersektionalit\u00e4t in feministischen Diskussionen vor allem deshalb durchsetzen, weil er verspricht, verschiedene Diskriminierungsformen in ihrer Wechselwirkung zu erfassen, ohne von vornherein eine Auswahl relevanter Unterdr\u00fcckungskategorien zu treffen. Aber auch \u00fcber feministische Debatten hinaus findet der Begriff verst\u00e4rkt Anklang, wenn es darum geht, eindimensionale oder \u00f6konomistisch verk\u00fcrzte Argumentationsmuster in marxistischen und anderen linken Auseinandersetzungen zu kritisieren. Die Popularit\u00e4t des Konzepts reicht mittlerweile sogar so weit, dass das Adjektiv \u201eintersektional\u201c teilweise synonym f\u00fcr den allgemeinen Versuch verwendet wird, verschiedene Widerspr\u00fcche und Herrschaftsformen zusammen zu denken. Insbesondere aus marxistischer und feministischer Richtung wurde aber auch intersektionalen<\/p>\n<p>Analysen vorgeworfen, verk\u00fcrzend vorzugehen, indem lokale Einzelmomente und Einzelerfahrungen lediglich empiristisch betrachtet werden, ohne diesen Betrachtungen ein Verst\u00e4ndnis sozialer Realit\u00e4t als Totalit\u00e4t eines umfassenden Strukturzusammenhangs zugrunde zu legen.<\/p>\n<p>Doch wirft diese Kritik am Intersektionalit\u00e4tsansatz selbst eine Reihe von Problemen auf: Ganz grundlegend stellt sich mit dem Bezug auf den Begriff der Totalit\u00e4t die Frage, ob sich kapitalistische Gesellschaften \u00fcberhaupt als Ganzheit im Sinne eines integralen Strukturzusammenhangs verstehen lassen \u2013 und wenn ja, wie die Konstitution dieses Zusammenhangs zu denken ist. L\u00e4sst sich von einem konstituierenden Prinzip und damit verbunden einem grundlegenden Widerspruch ausgehen, woraus dann eine gemeinsame Emanzipationsperspektive entsteht? Oder werden kapitalistische Gesellschaften durch verschiedene grundlegende Strukturlogiken durchzogen, die zwar interferieren und einen Zusammenhang ergeben, letztlich aber in ihrer Eigenst\u00e4ndigkeit gedacht werden m\u00fcssen?<\/p>\n<p>Diese Fragen betreffen auch den Stellenwert und die Reichweite marxistischer Gesellschaftstheorie: L\u00e4sst sich im Anschluss an Marx eine Gesellschaftstheorie entwickeln, in der alle wesentlichen Dimensionen, Sph\u00e4ren, Strukturlogiken und Widerspr\u00fcche sozialer Realit\u00e4t erfasst sind, oder sollte sich marxistische Theoriebildung vielmehr auf einzelne Dimensionen und Widerspr\u00fcche des Sozialen wie die \u00d6konomie und den Klassenantagonismus beschr\u00e4nken? Aus der Auseinandersetzung mit dem Intersektionalit\u00e4tsansatz ergeben sich insofern Fragen, die auch eine Kontroverse ber\u00fchren, die in der PROKLA 165 gef\u00fchrt wurde: Hier hat Alex Demirovi\u0107 die These vertreten, dass der Anspruch der Marx\u2019schen Analysen ein umfassend gesellschaftstheoretischer gewesen sei. Die Vorstellung einer \u201eDialektik von Basis und \u00dcberbau\u201c (Demirovi\u0107 2011: 540) bei Marx solle darauf hinweisen, dass soziale Verh\u00e4ltnisse als \u00dcberbauten zwar verschiedenen Logiken folgen k\u00f6nnen und insofern gegen\u00fcber den \u00f6konomischen Gesetzen der Basis autonom werden, dass alle diese Verh\u00e4ltnisse aber dennoch eine \u201eEinheit der kapitalistischen Herrschaftsverh\u00e4ltnisse bilden\u201c (539ff.). Im Unterschied dazu hat Hanna Mei\u00dfner argumentiert, dass sich die Marx\u2019sche Rekonstruktion der kapitalistischen Produktionsweise zwar f\u00fcr die Analyse der \u00f6konomischen Dimension des Sozialen eigne, jedoch keine Gesellschaftstheorie im umfassenden Sinne zu leisten verm\u00f6ge. Die analytische Ebene, auf der Marx\u2019 Kritik der politischen \u00d6konomie angesiedelt sei, lasse beispielsweise \u201ekeine Aussage \u00fcber Geschlechterverh\u00e4ltnisse oder Heteronormativit\u00e4t zu\u201c (2011: 543ff.). Diese Position entwickelt Mei\u00dfner im Rahmen einer queer-feministischen Problematisierung des Versuchs von Ursula Beer (1990), die \u2018Blindstellen\u2019 von Marx\u2019 Kritik der politischen \u00d6konomie im Hinblick auf Geschlechterverh\u00e4ltnisse zu schlie\u00dfen, den sie aufgrund der zugrundeliegenden Essentialisierung von Zweigeschlechtlichkeit und der ahistorischen Vorstellung eines Generativit\u00e4tserfordernisses f\u00fcr gescheitert h\u00e4lt.<\/p>\n<p>In diesem Artikel geht es mir um drei Punkte: Erstens m\u00f6chte ich deutlich machen, dass intersektionale Analysen zwar einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie versuchen, verschiedene Diskriminierungsformen in ihrem Zusammenhang zu verstehen, diese Analyseperspektive aber auch erhebliche Schw\u00e4chen mit sich bringt, weil sie zu mikrologischen, empiristischen Betrachtungen tendiert. Mein Anspruch ist es dabei nicht, allen Untersuchungen, die sich auf das Intersektionalit\u00e4tskonzept beziehen oder dieses vielfach auch sinnvoll weiterentwickelt haben, pauschal eine verk\u00fcrzende, empiristische Sichtweise zu unterstellen und so deren wichtige Beitr\u00e4ge zu einer herrschaftskritischen Sozialwissenschaft zu leugnen.<\/p>\n<p>Vielmehr m\u00f6chte ich anhand der Kritiken von Himani Bannerji und von Gudrun-Axeli Knapp am Konzept der Intersektionalit\u00e4t auf das grundlegende Problem verweisen, dass der mikrologische Fokus intersektionaler Analysen oftmals keine Aussagen \u00fcber den gesellschaftstheoretischen Zusammenhang verschiedener Widerspr\u00fcche und Herrschaftsverh\u00e4ltnisse treffen kann (Abschnitt 1). Zweitens geht es mir aber auch andersherum darum, ein zentrales Problem aufzuzeigen, das die Kritiken von Bannerji und Knapp am Intersektionalit\u00e4tsansatz aufwerfen, wenn sie gegen den Intersektionalit\u00e4tsansatz die Totalit\u00e4tskonzeptionen und Gesellschaftsbegriffe von Marx und Adorno in Stellung bringen. Dazu werde ich einzelne Aspekte der Totalit\u00e4tskonzeption bei Marx und Adorno n\u00e4her beleuchten, um klar zu machen, dass Marx\u2019 und Adornos \u00dcberlegungen zur Konstitution des gesellschaftlichen Gesamtzusammenhangs in erster Linie auf \u00f6konomische Funktionszusammenh\u00e4nge abstellen (Abschnitt 2). Drittens \u2013 und hierin besteht mein eigentliches Argument \u2013 bedeutet das jedoch nicht, dass marxistische Gesellschaftstheorie zwangsl\u00e4ufig \u00f6konomistisch oder reduktionistisch angelegt sein muss, wie vielfach argumentiert wurde (Abschnitt 3). Vielmehr m\u00f6chte ich die These entwickeln, dass marxistische Gesellschaftstheorie ihrem Potential nach mehr als nur die \u00f6konomische Dimension der kapitalistischen Produktionsweise erfassen kann \u2013 und zwar, indem sie es erlaubt, den Zusammenhang verschiedener Herrschaftsverh\u00e4ltnisse anders als im gel\u00e4ufigen Intersektionalit\u00e4tsverst\u00e4ndnis nicht blo\u00df empiristisch, sondern als immanenten Zusammenhang auf der Ebene eines umfassenden gesellschaftlichen Strukturzusammenhangs zu denken. Um dieses Argument zu entfalten, werde ich mich auf die gesellschaftstheoretischen \u00dcberlegungen von Althusser und deren feministische Weiterentwicklung durch Ursula Beer beziehen. Dabei werde ich auch auf die queer-feministische Kritik an Beers Ansatz durch Mei\u00dfner in PROKLA 165 eingehen, wobei ich mit Bezug auf Silvia Federicis Arbeit zu den geschlechtlichen und kolonialen Dimensionen der so genannten \u2018urspr\u00fcnglichen Akkumulation\u2019 deutlich machen will, warum ich Mei\u00dfners Kritikpunkt in sich zwar richtig finde, nicht jedoch die theoretischen Konsequenzen, die sie daraus zieht (Abschnitt 4).<\/p>\n<ol>\n<li><strong> Intersektionalit\u00e4t \u2013 zwischen empiristischer Verengung und gesellschaftstheoretischer Erweiterung<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>\u201eIntersektionalit\u00e4t\u201c avancierte in den letzten zwei Jahrzehnten zum \u201ebuzzword\u201c in den kritischen Sozialwissenschaften (Davis 2008). Hinter dem Konzept verbirgt sich gemeinhin der Anspruch, Unterdr\u00fcckungsformen und soziale Ungleichheitslagen sowohl in ihrer Eigenst\u00e4ndigkeit als auch in ihrer Verwobenheit zu erfassen. Der urspr\u00fcnglich von der Juristin Kimberl\u00e9 Crenshaw (1989) gepr\u00e4gte Begriff wurde in den fr\u00fchen 1990er Jahren im US-amerikanischen Feminismus zunehmend popul\u00e4r, da er eine theoretische Weiterentwicklung des Triple-Oppression-Konzepts sowie eine konzeptuelle Antwort auf die bereits seit den 1970ern innerhalb des Feminismus gef\u00fchrten Debatten zu bieten schien, in denen Schwarze Frauen die Annahme einer einheitlichen weiblichen Unterdr\u00fcckungserfahrung infrage stellten und dabei verst\u00e4rkt die Ber\u00fccksichtigung von Lebensverh\u00e4ltnissen jenseits der wei\u00dfen Mittelschicht einklagten (vgl. Combahee River Collective 1983). W\u00e4hrend die Anzahl der zu ber\u00fccksichtigenden Ungleichheitskategorien in der Intersektionalit\u00e4tsforschung bis heute offen ist und kontrovers diskutiert wird, verbindet so gut wie alle intersektionalen Analysen die gemeinsame Grund\u00fcberzeugung, dass sich verschiedene Unterdr\u00fcckungserfahrungen nur in den je spezifischen Wechselwirkungen erfassen und nicht additiv aneinanderreihen lassen.<\/p>\n<p>Trotz seiner aktuellen Popularit\u00e4t blieb der Intersektionalit\u00e4tsbegriff jedoch nicht unumstritten. Neben vielen kritischen Weiterentwicklungen, die den Intersektionalit\u00e4tsbegriff in einen Mehrebenenanalyseansatz differenzieren (Degele\/Winker 2010) oder st\u00e4rker f\u00fcr bestimmte mikrosoziologische Untersuchungen eingrenzen (Collins 1995), entwickelten sich auch Kritikstr\u00e4nge, die sich allgemein gegen das Intersektionalit\u00e4tskonzept wenden. Um ein grunds\u00e4tzliches Problem deutlich zu machen, konzentriere ich mich hier auf die marxistisch ausgerichtete Kritik von Himani Bannerji in ihrem Aufsatz Building from Marx: Reflections on \u201erace\u201c, gender and class (2005) sowie auf die feministisch orientierte Kritik von Knapp (2008), die sich besonders auf den Gesellschaftsbegriff Adornos bezieht.<\/p>\n<p>Bannerji zufolge reduziert Intersektionalit\u00e4t \u201erace\u201c, class und gender auf \u201ethree particular strands of social relations and ideological practices of difference and power [which] are seen as arising in their own specific social terrain, and then criss-crossing each other \u2018inter-sectionally\u2019 or aggregatively\u201c (144, Herv. ES). In diesem Sinne wird class als \u00f6konomische, gender bzw. Patriarchat als soziale und \u201erace\u201c bzw. Ethnizit\u00e4t als kulturelle Kategorie aufgefasst. Spiegelbildlich zerf\u00e4llt soziale Realit\u00e4t in jeweils f\u00fcr sich abgeschlossene Sph\u00e4ren des \u00d6konomischen, des Politischen und des Kulturellen, wobei die Integrit\u00e4t des Sozialen zerst\u00fcckelt und ein Begriff von Gesellschaft als Totalit\u00e4t aufgegeben wird. Als Konsequenz \u2013 so insbesondere auch Johanna Brenner (2002: 336) \u2013 wird der Zusammenhang dieser isolierten sozialen Segmente nur noch empiristisch bzw. \u2018lokalistisch\u2019 hergestellt: durch die Betrachtung einzelner sozialer R\u00e4ume, in denen sich die Str\u00e4nge gesellschaftlicher Unterdr\u00fcckung im Sinne eines Kreuzungspunktes zu Erfahrungen und Identit\u00e4ten von Individuen oder Einzelgruppen verkn\u00fcpfen (Bannerji 2005: 144, 146).<\/p>\n<p>Demgegen\u00fcber, so Bannerji, muss das Soziale im Anschluss an Marx\u2019 \u00dcberlegungen aus der Einleitung von 1857 so verstanden werden, dass jeder soziale Mikrokosmos den Makrokosmos widerspiegelt und in sich tr\u00e4gt (Bannerji 2005: 146). Bannerji zielt also darauf ab, das Verst\u00e4ndnis der Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Herrschaftsverh\u00e4ltnissen \u00fcber den zusammenhangslosen, lokalen Kreuzungspunkt hinaus gesellschaftstheoretisch aus einer Perspektive des Sozialen als Ganzheit bzw. Totalit\u00e4t zu entwickeln. In diesem Sinne geht es Bannerji um eine Re-Kontextualisierung de-kontextualisierter sozialer Einzelmomente und -sph\u00e4ren, die eine scheinbare, ideologische Selbstst\u00e4ndigkeit angenommen haben, und um deren R\u00fcckbindung an die ihnen zugrundeliegende und sie vermittelnde Totalit\u00e4t sozialer Verh\u00e4ltnisse (155). Solange diese Integrit\u00e4t des Sozialen nicht zum Ausgangspunkt kritischer Theoriebildung gemacht wird, verfallen nach Bannerji auch intersektionale Analysen einem Reduktionismus, deren \u00dcberwindung sie gegen\u00fcber \u00f6konomistischen Varianten des Marxismus eigentlich beanspruchen: Wie im mechanischen Basis-\u00dcberbau-Modell mit seiner entsprechenden Fragmentierung sozialer Sph\u00e4ren laufen intersektionale Ans\u00e4tze darauf hinaus, das Soziale in eine Vielzahl separater, lediglich \u00e4u\u00dferlich und empiristisch aufeinander bezogener Segmente aufzul\u00f6sen, ohne deren konstitutiven Zusammenhang theoretisch zu entwickeln (156).<\/p>\n<p>F\u00fcr entscheidend halte ich, dass Bannerji aus einer an Marx anschlie\u00dfenden Perspektive zwar \u00fcberzeugend darlegt, in welche Fallstricke intersektionale Analysen geraten k\u00f6nnen, wenn sie den \u00fcbergreifenden Gesamtzusammenhang sozialer Realit\u00e4t aus dem Blick verlieren. Allerdings lassen Bannerjis Ausf\u00fchrungen ihrerseits im Unklaren, wie der gesellschaftliche Gesamtzusammenhang im Anschluss an Marx \u00fcberhaupt gedacht werden kann, ohne wiederum ein zentrales, integrierendes Konstitutionsprinzip herauszustellen. Weiterf\u00fchrender erscheint an diesem Punkt ein zweiter, zentraler Strang der Kritik am Intersektionalit\u00e4tskonzept aus der deutschsprachigen feministischen Diskussion: der gesellschaftstheoretisch ausgerichtete Ansatz der \u201eaxialen Prinzipien gesellschaftlicher Strukturierung\u201c oder auch \u201eAchsen der Ungleichheit\u201c, wie er von Gudrun-Axeli Knapp in Zusammenarbeit mit Cornelia Klinger entwickelt wurde (Knapp 2008; Klinger\/Knapp 2007). \u00c4hnlich wie Bannerji argumentiert auch Knapp, dass eine deskriptive, lokalistische oder mikrologische Betrachtung der Intersektionalit\u00e4t und marxistische Gesellschaftstheorie Wechselwirkungen von Ungleichheiten \u201enicht ausreicht f\u00fcr ein umfassenderes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Einbindung von Individuen und Gruppen in soziale Verh\u00e4ltnisse\u201c, und pl\u00e4diert daher f\u00fcr eine gesellschaftstheoretische Perspektive, die den \u201eVorBegriff [sic!] eines gesellschaftlichen Gesamtzusammenhangs voraussetzt, um \u00fcberhaupt fundierte Vorstellungen des spezifischen Gewichts, der Einbettung und der historischen Relationalit\u00e4t der Elemente zu gewinnen, die das Ganze konstituieren.\u201c (Knapp 2008: 142)<\/p>\n<p>Konzeptuell kn\u00fcpft Knapp an Adornos Gesellschaftsbegriff an, um soziale Konfigurationen in ihrer Prozessualit\u00e4t zu erfassen und Gesellschaft in diesem Sinne als \u201estrukturierten historischen Verflechtungszusammenhang\u201c zu verstehen, dem ein \u201eMoment des \u00dcberhangs an Objektivit\u00e4t\u201c sowie der \u201eAspekt der Verselbst\u00e4ndigung der Verh\u00e4ltnisse gegen\u00fcber dem Verhalten und Handeln der Einzelnen\u201c eigen ist (142f.). Im Unterschied zu Bannerji ergibt sich daraus jedoch eine andere Konzeption des gesellschaftlichen Gesamtzusammenhangs. W\u00e4hrend Bannerji eine nicht weiter bestimmte Ganzheit eines Strukturzusammenhangs betont, geht der Ansatz von Knapp von einer Pluralit\u00e4t von Strukturlogiken und damit verbundenen Achsen der Ungleichheit aus. Die entscheidende Aufgabe kritischer Gesellschaftstheorie besteht f\u00fcr Knapp daher darin, \u201edie empirische Gleichzeitigkeit, die Ko-Artikulation und Interferenzen (Dazwischenk\u00fcnfte)\u201c zwischen diesen Achsen der Ungleichheit theoretisch zu rekonstruieren, \u201eohne die Differenz zwischen Klassenrelationen, nationalstaatlichen (ggf. ethnisierten bzw. rassistischen) Strukturierungen und Geschlechterverh\u00e4ltnissen begrifflich einzuebnen\u201c (Knapp 2008: 148). Auch dieser Ansatz ist nicht ohne Probleme: Es stellt sich die Frage, wodurch sich der Zusammenhang der Gesellschaft eigentlich konstituiert \u2013 denn die Rede von \u201eaxialen Prinzipien\u201c legt eine Pluralit\u00e4t sozialer (Herrschafts-)Zusammenh\u00e4nge nahe, die zwar ineinandergreifen und sich verflechten, letztlich in ihrer Eigenlogik jedoch getrennt gedacht werden und sich folglich erst in spezifischen sozialen Formationen ko-artikulieren. Wenn es sich in diesem Sinne also \u2013 zugespitzt formuliert \u2013 um mehr oder minder kontingente, historisch wandelbare Verschr\u00e4nkungen unterschiedlicher Logiken handelt, was rechtfertigt es dann noch, im Anschluss an Adorno von Gesellschaft als Totalit\u00e4t mit einer spezifischen Einheit und einem spezifischen integralen Gesamtzusammenhang auszugehen?<\/p>\n<p>Auch wenn ich Bannerjis und Knapps Kritik an der empiristischen Tendenz intersektionaler Analysen f\u00fcr richtig halte, m\u00f6chte ich im Folgenden zeigen, dass ihre Bez\u00fcge auf Marx\u2019 \u00dcberlegungen zum Totalit\u00e4tsbegriff in der Einleitung von 1857 und auf Adornos Gesellschaftsbegriff nicht unproblematisch sind \u2013 und zwar aus zwei Gr\u00fcnden: Einerseits sind Marx\u2019 und Adornos Vorstellungen vom gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang so konzipiert, dass sie den \u00f6konomischen Funktionszusammenh\u00e4ngen kapitalistischer Vergesellschaftung eine spezifische und zentrale Rolle in der Konstitution gesellschaftlicher Totalit\u00e4t zuweisen. Das ber\u00fchrt die Frage, ob marxistische Gesellschaftstheorie \u00fcberhaupt alle Dimensionen, Sph\u00e4ren und Widerspr\u00fcche des Sozialen erfassen kann. Andererseits \u2013 und dieser Punkt richtet sich vor allem gegen Knapps Vorstellung einer Pluralit\u00e4t gesellschaftlicher Strukturlogiken \u2013 bedeutet die Annahme eines gesellschaftlichen Gesamtzusammenhangs im Anschluss an Marx und Adorno nicht allein, Gesellschaft und ihre Widerspr\u00fcche als Ganzes zu betrachten; diese Betrachtungsweise ist vielmehr \u2013 so das im Folgenden zu entwickelnde Argument \u2013 die Reflexionsform real verallgemeinerter kapitalistischer Verh\u00e4ltnisse. Um diese beiden Punkte n\u00e4her zu betrachten, werde ich im n\u00e4chsten Abschnitt tiefer in die gesellschaftstheoretischen \u00dcberlegungen von Marx und Adorno eintauchen. Die grundlegende Frage, die ich dabei weiter verfolgen m\u00f6chte, ist, ob und inwiefern sich der wichtige Impuls des Intersektionalit\u00e4tsparadigmas, eine Pluralit\u00e4t von Diskriminierungsformen in ihrem Zusammenhang zu begreifen, \u00fcberhaupt im Rahmen eines marxistischen Verst\u00e4ndnisses der b\u00fcrgerlich-kapitalistischen Gesellschaft als Gesamtzusammenhang neu formulieren l\u00e4sst.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> Die Totalit\u00e4t kapitalistischer Verh\u00e4ltnisse im Anschluss an Marx und Adorno<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>In der Einleitung von 1857, auf die sich Bannerjis Kritik am Intersektionalit\u00e4tsansatz bezieht, finden sich Marx\u2019 pr\u00e4gnanteste \u00dcberlegungen zur b\u00fcrgerlich-kapitalistischen Gesellschaft als Totalit\u00e4t. Marx\u2019 Argumentation zielt hier grunds\u00e4tzlich darauf ab, eine empiristische Erfassung der Realit\u00e4t der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft zu \u00fcberwinden und den Begriff gesellschaftlicher Totalit\u00e4t auf einer Ebene nicht allein empirisch erfassbarer Strukturzusammenh\u00e4nge anzusiedeln. Diese \u00dcberlegung entwickelt Marx in der Auseinandersetzung mit der b\u00fcrgerlichen politischen \u00d6konomie, die vereinzelte Individuen und ihre Handlungen als \u00fcberhistorische Abstraktionen zur vorg\u00e4ngigen, nicht weiter erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftigen Grundlage \u00f6konomischer Theoriebildung macht, und nicht \u201eProduktion auf einer bestimmten gesellschaftlichen Entwicklungsstufe \u2013 [\u2026] Produktion gesellschaftlicher Individuen\u201c (MEW 42: 20, Herv. ES). So kritisiert Marx auch die Vorstellung der b\u00fcrgerlichen politischen \u00d6konomie, bei Produktion, Distribution, Austausch und Konsumtion handele es sich um selbstst\u00e4ndige, lediglich \u00e4u\u00dferlich aufeinander bezogene Sph\u00e4ren, und macht demgegen\u00fcber deutlich, dass diese einen inneren Zusammenhang bilden, wenngleich sie als verschiedene Momente innerhalb eines \u201eorganischen Ganzen\u201c (MEW 42: 34) unterschieden werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Entscheidend f\u00fcr die Auseinandersetzung mit dem Intersektionalit\u00e4tsansatz ist hier, wie Marx im Gegensatz zur b\u00fcrgerlichen politischen \u00d6konomie diese Totalit\u00e4t des gesellschaftlichen Zusammenhangs mit ihren einzelnen Momenten vermittelt. Das l\u00e4sst sich insbesondere an Marx\u2019 methodischen Gedanken zum Begriff des \u201eKonkreten\u201c verdeutlichen. F\u00fcr Marx ist das Konkrete nicht, wie es der heutige umgangssprachliche Gebrauch nahelegt, der eigenst\u00e4ndige Ausgangspunkt des rekonstruierenden Denkens, wovon immer weiter abstrahiert wird, um zu immer allgemeineren Sammelbegriffen zu gelangen. Vielmehr ist das Konkrete als Gesellschaft in einer bestimmten Epoche \u201ekonkret, weil es die Zusammenfassung vieler Bestimmungen ist, also Einheit des Mannigfaltigen\u201c (MEW 42: 35). In der gedanklichen Aneignung der Wirklichkeit erscheint das Konkrete \u201edaher als Proze\u00df der Zusammenfassung, als Resultat, nicht als Ausgangspunkt, obgleich es der wirkliche Ausgangspunkt und daher auch der Ausgangspunkt der Anschauung und Vorstellung ist\u201c (MEW 42: 35). Konkret sind f\u00fcr Marx also nicht empirische Einzelmomente, verstanden als letzte Grundlage von Wirklichkeit und begrifflicher Abstraktion. Das Konkrete ist f\u00fcr Marx vielmehr eine Totalit\u00e4t von Verh\u00e4ltnissen und Beziehungen, wobei diese Verh\u00e4ltnisse und Beziehungen nicht blo\u00df als nominalistisch-abstrahierte, sondern als reale Allgemeinheiten mit sozialer Wirksamkeit aufgefasst werden (vgl. Heinrich 2011: 155). Die gedankliche Aneignung einer so verstandenen Wirklichkeit der b\u00fcrgerlich-kapitalistischen Gesellschaft tr\u00e4gt ihrem Gegenstand insofern Rechnung, als sie die Totalit\u00e4t des Konkreten in einem ersten, analytischen Schritt in immer \u201en\u00e4here Bestimmungen\u201c und \u201eeinfachere\u201c Begriffe zergliedert, wobei es sich nicht um die Ansammlung empirischen Materials, sondern begrifflich n\u00e4her bestimmte Abstrakta wie beispielsweise Wert, Teilung der Arbeit, Geld usw. handelt, und daraufhin in einem zweiten, synthetischen Schritt die Gesamtheit des Konkreten als \u201ereiche [\u2026] Totalit\u00e4t von vielen Bestimmungen und Beziehungen\u201c rekonstruiert (MEW 42: 35). Ein so gewonnener Wirklichkeitsbegriff geht daher \u00fcber die Ebene empirischer Einzelmomente hinaus, er ist auf der nicht-empirischen Ebene realer Allgemeinheiten im Sinne von sozialen Prozessen und Zusammenh\u00e4ngen angesiedelt. Weder l\u00e4sst sich also von einer abstrakten Vorstellung des Ganzen rationalistisch auf gesellschaftliche Einzelmomente schlie\u00dfen, noch ergibt sich aus isolierten Einzelmomenten und deren empiristischer, additiver Zusammenf\u00fcgung bereits ein ad\u00e4quates Verst\u00e4ndnis des Ganzen. Die realen Verh\u00e4ltnisse manifestieren sich in den empirisch zu beobachtenden Einzelmomenten, weisen als Verh\u00e4ltnisse und Beziehungen aber gleichzeitig \u00fcber sie hinaus. Mit Blick auf die vorangegangene Diskussion des Intersektionalit\u00e4tsansatzes lie\u00dfe sich also sagen, dass mit der mikrologischen Betrachtung von Diskriminierungsformen und deren Zusammenwirken in einzelnen sozialen Kontexten noch kein umfassendes Verst\u00e4ndnis von Rassismus, Sexismus oder Klassenausbeutung geleistet ist.<\/p>\n<p>Marx geht es also nicht um die triviale Vorstellung, dass jedes Einzelmoment in Beziehung zu allen anderen steht, also eine endlose Summe von kausalen Wechselwirkungen vorliegt, in der es jedoch keine spezifisch dominierenden Momente gibt. Vielmehr besteht der besondere Einsatz von Marx\u2019 Totalit\u00e4tsbegriff gerade darin, die empirische Ebene transzendierende, real-allgemeine Beziehungen zwischen Individuen und Einzelmomenten als zusammenhangsstiftende Organisationsprinzipien aufzuzeigen, die Gesellschaft als Totalit\u00e4t konstituieren. Die Grundlage dieser \u00dcberlegung liegt f\u00fcr Marx anders als bei Hegel nicht in der Annahme einer spekulativen \u201eSubjekt-Substanz\u201c, sondern im \u201eendlich-weltlichen Produktionsprozess\u201c der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft (J\u00e1noska et al. 1994: 73) und dessen real-allgemeinen Beziehungen wie Wert, Geld, Teilung der Arbeit usw. Der so konstituierte Gesamtzusammenhang verschiedenster privater Arbeitsprozesse in der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft basiert wiederum auf dem Verwertungsdrang des Kapitals, das f\u00fcr Marx \u201edie alles beherrschende \u00f6konomische Macht\u201c, das \u201ebeherrschende Element der Gesellschaft\u201c darstellt (MEW 42: 41) und insofern das Klassenverh\u00e4ltnis und den damit verbundenen Widerspruch zwischen Arbeit und Kapital perpetuiert.<\/p>\n<p>Eine entscheidende Weiterentwicklung der marxistischen Konzeption von Gesellschaft als Gesamtzusammenhang, auf die sich Knapps kritische Auseinandersetzung mit dem Intersektionalit\u00e4tsansatz beruft, geht auf Adornos Begriff der Totalit\u00e4t zur\u00fcck. Das \u201espezifisch Gesellschaftliche\u201c besteht f\u00fcr Adorno \u00e4hnlich wie f\u00fcr Marx nicht in der Addition von Individuen und deren subjektiven Handlungsweisen, sondern vielmehr \u201eim \u00dcbergewicht von Verh\u00e4ltnissen \u00fcber die Menschen, deren entm\u00e4chtigte Produkte diese nachgerade sind\u201c (GS: 9).<\/p>\n<p>Diese Verh\u00e4ltnisse lassen sich nicht an \u201eEinzeltatsachen\u201c allein festmachen: Zwar bedingen Verh\u00e4ltnisse jedes \u201esoziale Faktum\u201c, aber sie sind nicht mit einzelnen sozialen Fakten bzw. deren Summe gleichzusetzen. In diesem Sinne sind Konflikte wie beispielsweise die zwischen Vorgesetzten und Abh\u00e4ngigen im Lohnarbeitsverh\u00e4ltnis nichts Vorg\u00e4ngiges, kein \u201eLetztes und Irreduzibles an dem Ort, an dem sie sich zutragen\u201c. Vielmehr sind Einzelsituationen die Erscheinungsformen und \u201eMasken tragender Antagonismen\u201c, die \u00fcber sie hinausgehen (GS: 10). Gesellschaftstheorie ist daher nicht das Sammeln unz\u00e4hliger empirischer Fakten, sondern geht zur\u00fcck \u201eauf Strukturgesetze, welche die Fakten bedingen, in ihnen sich manifestieren und von ihnen modifiziert werden\u201c (SI: 356). Empirische Einzelph\u00e4nomene sind insofern nicht zu entschl\u00fcsseln ohne \u201eR\u00fccksicht auf die Totalit\u00e4t der Gesellschaft\u201c (GS: 12), doch gleichzeitig kann sich Gesellschaftstheorie nicht den Fakten entziehen, ohne einem Fetischismus objektiver Gesetze zu verfallen (SI: 356).<\/p>\n<p>Gesellschaft als Totalit\u00e4t zu begreifen meint insofern nicht allein eine Betrachtungsweise von Gesellschaft. Vielmehr ist diese Betrachtungsweise erst m\u00f6glich und gerechtfertigt als Reflexionsform einer Totalit\u00e4t, die sich f\u00fcr Adorno letztlich in der Realabstraktion des Tausches herstellt. Es ist die Vergesellschaftung \u00fcber den Tauschwert, der als \u201eallherrschende[s] Identit\u00e4tsprinzip\u201c die \u201eHerrschaft des Allgemeinen \u00fcber das Besondere\u201c, den totalen Zusammenhang, konstituiert und reproduziert (GS: 13f.). Da hierin die Widerspr\u00fcche jedoch nicht still gestellt sind, beruht der Fortbestand des gewaltsamen Zusammenhangs auch auf der Institutionalisierung der Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse und der ideologischen Integration des Bewusstseins (GS: 16f.), wodurch sich der totale Zusammenhang noch weiter verfestigt.<\/p>\n<p>Dennoch liegt ein zentrales Moment der Totalit\u00e4tskonzeption Adornos darin, dass Totalit\u00e4t keine endg\u00fcltige, restlose und widerspruchsfreie Schlie\u00dfung bezeichnet. Der Totalit\u00e4tsbegriff von Adorno zielt nicht auf die Statik eines total assimilierten Zustands, sondern auf eine Tendenz zur Totalisierung, einen Drang zur vollst\u00e4ndigen Einebnung und Identifizierung des Besonderen durch das Allgemeine, in dem aber konsequent ihre eigene Gegentendenz und damit das \u201eBewu\u00dftsein von Nicht-Identit\u00e4t\u201c, das \u201eHeterogene am Einheitsdenken\u201c (ND: 17) mitgedacht ist. Das Identit\u00e4tsprinzip, das die gesellschaftliche Totalit\u00e4t herstellt, perpetuiert seinen eigenen Widerspruch, das Nicht-Identische, auf dessen Unterdr\u00fcckung es hinwirkt (ND: 146).<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong> \u00d6konomismus und Essentialismus \u2013 Fallstricke marxistischer Gesellschaftstheorie?<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Was folgt nun aus diesen \u00dcberlegungen f\u00fcr das Intersektionalit\u00e4tsparadigma und die daran formulierte Kritik von Bannerji und Knapp? Drei Punkte halte ich f\u00fcr zentral: Erstens \u2013 und hier folge ich der Argumentation von Bannerji und Knapp \u2013 ergibt sich aus Marx\u2019 und Adornos gesellschaftstheoretischen \u00dcberlegungen die Notwendigkeit, einzelne soziale Kontexte immer als vermittelt durch den \u00fcbergreifenden gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang zu begreifen, ohne sie einseitig daraus abzuleiten. Das bedeutet auch, dass sich die Verflechtung von unterschiedlichen Diskriminierungsformen nicht allein mikrologisch betrachten l\u00e4sst \u2013 die Frage nach dem Zusammenwirken von Herrschaftsverh\u00e4ltnissen wie Rassismus, Sexismus und Ausbeutung muss immer auch auf der Ebene des gesellschaftlichen Strukturzusammenhangs gestellt werden. Zweitens \u2013 und hier liegt meines Erachtens eine wichtige Differenz zwischen Marx und Adorno auf der einen und Knapp auf der anderen Seite \u2013 ist Totalit\u00e4t f\u00fcr Marx und Adorno mehr als eine Betrachtungsweise: Von der Totalit\u00e4t des gesellschaftlichen Zusammenhangs auszugehen, bedeutet nicht allein, verschiedene Strukturlogiken und ihre Wechselwirkungen zusammen zu betrachten. Diese Betrachtungsweise ist vielmehr die Reflexionsform real-allgemeiner Beziehungen innerhalb der b\u00fcrgerlich-kapitalistischen Gesellschaft, die zur Integration verschiedenster sozialer Verh\u00e4ltnisse dr\u00e4ngen und diese \u00fcberlagern. Folgt man dieser \u00dcberlegung, ergibt sich jedoch drittens das Problem, dass sowohl bei Marx als auch \u2013 trotz einiger Erweiterungen \u2013 bei Adorno der Totalit\u00e4tsbegriff letztlich auf \u00f6konomischen Kategorien und Funktionszusammenh\u00e4ngen beruht und Widerspr\u00fcche jenseits des Klassenantagonismus unbeachtet bleiben. W\u00e4hrend sich Marx an verschiedenen Stellen zu Sklaverei und Rassismus \u00e4u\u00dfert (vgl. u.a. MEW 23: 318, MEW 15: 344f.) und Horkheimer und Adorno in der Dialektik der Aufkl\u00e4rung die b\u00fcrgerliche Subjektivit\u00e4t in einen immanenten Zusammenhang mit M\u00e4nnlichkeit und Naturbeherrschung bringen (vgl. 2008 [1944]: 50ff.), kommt diesen \u00dcberlegungen bei der Entwicklung der jeweiligen Totalit\u00e4tsverst\u00e4ndnisse offensichtlich keine systematische Bedeutung zu.<\/p>\n<p>Vielfach wurde daraus die Schlussfolgerung gezogen, dass der in der Tradition marxistischer Theorie stehende Begriff gesellschaftlicher Totalit\u00e4t letztlich \u00f6konomistisch oder essentialistisch operiere und daher ungeeignet sei, eine Vielfalt von Diskriminierungsformen, wie sie von intersektionalen Analysen in den Blick genommen werden, ad\u00e4quat, das hei\u00dft nicht-reduktionistisch zu erfassen.<\/p>\n<p>Prominent vertreten beispielsweise Ernesto Laclau und Chantal Mouffe diese Position: Um der Pluralit\u00e4t von K\u00e4mpfen der \u201eneuen sozialen Bewegungen\u201c jenseits des Klassenantagonismus gerecht zu werden und diesen zu politischer Artikulation zu verhelfen, m\u00fcsse der \u201eoffene, ungen\u00e4hte Charakter des Sozialen g\u00e4nzlich akzeptiert [sowie] der Essentialismus der Totalit\u00e4t [\u2026] verworfen\u201c werden (2006: 238, 200). W\u00e4hrend im Marxismus die abgeschlossene Totalit\u00e4t des Sozialen und seine \u00f6konomische Konstitutionsweise den zentralen Antagonismus zweier Klassen im Sinne eines \u201eessentialistische[n] Apriorismus\u201c (220) schon immer fixiere und daher privilegiere, zeige das Ausgreifen sozialer Konflikte auf immer weitere soziale Verh\u00e4ltnisse, dass Gesellschaft nicht als ein Ensemble von \u201eMomenten einer geschlossenen und v\u00f6llig konstituierten Totalit\u00e4t\u201c zu begreifen ist (143). Tats\u00e4chlich lassen sich unz\u00e4hlige Beispiele daf\u00fcr finden, wie unter Verweis auf Marx oder den Marxismus alle Facetten sozialer Realit\u00e4t auf \u00f6konomische Faktoren zur\u00fcckgef\u00fchrt und eine entsprechende Hierarchisierung sozialer Widerspr\u00fcche und K\u00e4mpfe vorgenommen wurde. In PROKLA 165 hat Mei\u00dfner vor dem Hintergrund dieser Problematik argumentiert, dass Marx\u2019 Werk so verstanden werden sollte, dass dieses lediglich eine Dimension sozialer Realit\u00e4t erfasst habe, w\u00e4hrend f\u00fcr andere Dimensionen wie beispielsweise Geschlechterverh\u00e4ltnisse andere Theorien relevant seien, die wiederum auf einer anderen Analyseebene angesiedelt sein m\u00fcssen (2011: 544).<\/p>\n<p>Diese Schlussfolgerungen halte ich jedoch f\u00fcr \u00fcbereilt. Denn einerseits ger\u00e4t eine solche Lesart in Widerspruch zum Anspruch von Marx, der im Vorwort zur Kritik der Politischen \u00d6konomie von 1859 seine \u00dcberlegungen zur Kritik der politischen \u00d6konomie in einem dezidiert gesellschaftstheoretischen Panorama verortet. Er m\u00f6chte den Zusammenhang zwischen den \u201e\u00f6konomischen Produktionsbedingungen\u201c und den \u201eideologischen Formen\u201c als integrale Momente einer \u201eGesellschaftsformation\u201c entwickeln und begreifen, wobei innerhalb dieses Rahmens die \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnisse nicht lediglich als eine Dimension einer Gesellschaftsformation unter vielen, sondern als ihre Anatomie verstanden werden (MEW 13: 9). Andererseits \u00fcbersieht der Vorwurf des Essentialismus oder Reduktionismus, wie er von Laclau und Mouffe vertreten wird, dass insbesondere bei Adorno die Totalit\u00e4t der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft explizit nicht als geschlossen, sondern als Tendenz zur Totalisierung begriffen wird. Genau genommen ist Gesellschaft als Totalit\u00e4t bei Adorno also weniger als die Summe ihrer Teile (Demirovi\u0107 2012: 36): Es ist ein gewaltsamer Zusammenhang, weshalb das Insistieren der Kritischen Theorie auf dem Nicht-Identischen auch bedeutet, dass Kritische Theorie \u201eantitotalit\u00e4r ist, mit aller politischen Konsequenz\u201c (Adorno 1969: 292).<\/p>\n<p>Doch wie l\u00e4sst sich der Impuls des Intersektionalit\u00e4tsansatzes, verschiedene Diskriminierungsformen in ihrem Zusammenwirken zu erfassen, nun im Rahmen marxistischer Gesellschaftstheorie weiter verfolgen? Wichtige \u00dcberlegungen hierzu scheinen mir Althusser sowie die feministische Erweiterung seiner Arbeiten durch Ursula Beer zu entwickeln, worauf ich im Folgenden aus zwei Gr\u00fcnden n\u00e4her eingehen m\u00f6chte: Erstens halte ich Althussers \u00dcberlegungen zur Konzeption von Basis und \u00dcberbau sowie zum Begriff der \u00dcberdeterminierung f\u00fcr eine weiterf\u00fchrende Reaktion auf das oben angedeutete Problem der \u00f6konomischen Fundierung gesellschaftlicher Totalit\u00e4t, die durch Beer f\u00fcr die Betrachtung weiterer Herrschaftsverh\u00e4ltnisse ge\u00f6ffnet wird. Zweitens eignen sich Beers \u00dcberlegungen f\u00fcr eine kritische Auseinandersetzung mit Mei\u00dfners Position, da Mei\u00dfners queer-feministische Problematisierung von Beers Ansatz die Grundlage f\u00fcr ihre Argumentation bildet, mit Marx lasse sich lediglich die \u00f6konomische Dimension moderner Gesellschaften erfassen.<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li><strong> Basis und \u00dcberbau und die Pluralit\u00e4t gesellschaftlicher Widerspr\u00fcche<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Althusser formuliert in den Aufs\u00e4tzen <em>Widerspruch und \u00dcberdetermination<\/em> und <em>\u00dcber die materialistische Dialektik<\/em> mit dem Begriff der \u201e\u00dcberdeterminierung\u201c eine marxistische Antwort auf die Problematik von \u00d6konomismus und die Frage, wie eine Pluralit\u00e4t von Widerspr\u00fcchen gesellschaftstheoretisch zu fassen ist.<\/p>\n<p>Entscheidend f\u00fcr Althussers Argumentation ist die Abgrenzung gegen\u00fcber dem einfachen Widerspruchsbegriff Hegels: Die Totalit\u00e4t einer geschichtlichen Epoche und des gesamten historischen Prozesses reduziere sich bei Hegel letztlich auf \u201eein Prinzip der inneren Einheit\u201c (W\u00dc: 124, Herv. i.O.), wobei auch die darin enthaltenen Widerspr\u00fcche immer nur Ausdruck dieses Prinzips und Tr\u00e4ger seiner Entfaltung sind, insofern also nie \u00e4u\u00dferlich auf dieses Prinzip einwirkten. Die Differenz und Spezifik des marxistischen Widerspruchbegriffs und der darauf aufbauenden Totalit\u00e4tskonzeption liegt f\u00fcr Althusser demgegen\u00fcber darin, dass der allgemeine kapitalistische (Haupt-)Widerspruch zwischen Produktionskr\u00e4ften und Produktionsverh\u00e4ltnissen und damit zwischen Arbeit und Kapital in den konkreten historischen Situationen immer schon durch eine Pluralit\u00e4t besonderer (Neben-)Widerspr\u00fcche \u2013 beispielsweise Kriege oder die Ungleichzeitigkeit kapitalistischer Entwicklung \u2013 \u201ebis in seinen Kern hinein\u201c modifiziert und historisch spezifiziert ist (W\u00dc: 121, 128). Die Pluralit\u00e4t besonderer Widerspr\u00fcche ist zwar durch den allgemeinen kapitalistischen Widerspruch determiniert, aber gleichzeitig ist dieser selbst durch die besonderen Widerspr\u00fcche determiniert (W\u00dc: 120f.), sodass Althusser davon spricht, dass der allgemeine kapitalistische Widerspruch \u201ein seinem Prinzip \u00fcberdeterminiert\u201c zu nennen sei (W\u00dc: 121, Herv. i.O.). Die kapitalistische Gesellschaft ist also kein \u201eeinfaches Ganzes\u201c, keine blo\u00dfe Entfaltung und Selbstmanifestation eines urspr\u00fcnglichen, inneren Prinzips (MD: 251, 256f.). Vielmehr meint die marxistische Konzeption gesellschaftlicher Totalit\u00e4t f\u00fcr Althusser eine \u201estrukturierte, komplexe Einheit\u201c (MD: 251), eine \u201egegliederte Struktur mit einer Dominante\u201c (MD: 256, Herv. i.O.), wobei die Dominante f\u00fcr Althusser die \u00d6konomie bildet, die der Gliederung der einzelnen Teile der Totalit\u00e4t zugrunde liegt. In diesem Sinne erscheint der allgemeine Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit nie als einfacher Widerspruch in Reinform, sondern ist in den r\u00e4umlichen und historischen Kontexten, in denen er auftritt, schon immer \u00fcberdeterminiert \u2013 durch relativ autonome Formen des \u00dcberbaus wie Staat, Ideologie oder Religion, durch die historische Situation innerhalb und au\u00dferhalb einer Gesellschaftsformation sowie durch die globale Konstellation (W\u00dc: 128f., 137, 139). Aus diesen \u00fcberdeterminierenden Faktoren ergibt sich eine \u201eAkkumulation von wirksamen Bestimmungen [\u2026] \u00fcber die Bestimmung in letzter Instanz durch das \u00d6konomische\u201c, dessen Letztinstanzlichkeit jedoch nie \u201eim reinen Zustand\u201c zu Tage tritt.<\/p>\n<p>An verschiedenen Stellen legt Althusser jedoch nahe, dass die Dominanz des \u00d6konomischen als Basis f\u00fcr ihn gleichbedeutend mit der Dominanz des Klassenwiderspruchs \u00fcber alle weiteren \u201eNebenwiderspr\u00fcche\u201c ist (so bspw. W\u00dc: 260; vgl. auch Beer 1990: 99). Auch spielen das Geschlechterverh\u00e4ltnis und Rassismus in diesen \u00dcberlegungen Althussers keine explizite Rolle. Hier schlie\u00dft Ursula Beers feministische Erweiterung von Althusser an (1990), die sich als Versuch verstehen l\u00e4sst, Althussers \u00dcberlegungen so zu \u00f6ffnen, dass verschiedene Widerspr\u00fcche immer auch als Teil der Basis eines gegliederten Ganzen zu fassen sind. Zentral f\u00fcr Beers Ansatz ist, dass sie den Begriff der \u201edominierenden Struktur\u201c, also die \u00d6konomie als Basis des komplexen Ganzen, als \u201eWirtschafts- und Bev\u00f6lkerungsweise\u201c neu konzipiert (91, 261). Dieses Konzept bezieht sich nicht mehr alleine auf die marktvermittelten Prozesse kapitalistischer \u00d6konomie \u2013 auf das \u201e\u2018Au\u00dfenverh\u00e4ltnis\u2019 der kapitalistischen Warenproduktion\u201c \u2013 sondern zielt darauf ab, die familiarisierte \u201e\u2018generative Bestandssicherung\u2019\u201c als Teil der materiellen Reproduktion und Basis kapitalistischer Gesellschaft mit in den Blick zu nehmen (100f.). Der Zusammenhang dieser beiden Dimensionen der Basis kapitalistischer Gesellschaften bilde das \u201einnere Band [\u2026], das die \u2018\u00d6konomie\u2019 warenproduzierender Gesellschaften [\u2026] zusammenh\u00e4lt\u201c (22). Entsprechend erscheinen die Subjekte der b\u00fcrgerlich-kapitalistischen Vergesellschaftung bei Beer nicht allein als Personifikationen \u00f6konomischer (marktvermittelter) Verh\u00e4ltnisse, sondern als \u201eRealsubjekte mit Leiblichkeit\u201c, als \u201eGeschlechtsindividuen\u201c (102). Mit der Durchsetzung kapitalistischer Produktionsverh\u00e4ltnisse und den damit verbundenen tiefgreifenden Ver\u00e4nderungen von Arbeit und Generativit\u00e4t verwandele sich der \u201est\u00e4ndische Patriarchalismus\u201c in einen \u201edoppelten Sekund\u00e4rpatriarchalismus\u201c: Der \u201eberufliche Sekund\u00e4rpatriarchalismus\u201c hindere Frauen systematisch an einem gleichen Zugang zur Erwerbssph\u00e4re, w\u00e4hrend der \u201efamiliale Sekund\u00e4rpatriarchalismus\u201c \u00fcber die Familienform die strukturelle Abh\u00e4ngigkeit von Frauen vom m\u00e4nnlichen Erwerbseinkommen und der damit verbundenen innerfamili\u00e4ren Hierarchie bedinge (263f.).<\/p>\n<p>Gegen diesen von Beer unternommenen Versuch, an einem Verst\u00e4ndnis kapitalistischer Gesellschaft als Totalit\u00e4t festzuhalten, indem das als \u201eNebenwiderspruch\u201c abgewertete Geschlechterverh\u00e4ltnis immer auch als immanenter Teil der \u00f6konomischen Basis kapitalistischer Gesellschaften verstanden wird, hat Mei\u00dfner in PROKLA 165 eingewandt, dass Beers \u00dcberlegungen in verschiedenen Hinsichten essentialistische Z\u00fcge tragen und einer queer-feministischen Problematisierung bed\u00fcrfen. Mei\u00dfners Kritik reicht sogar so weit, dass sie an Beers Versuch einer feministischen Erweiterung marxistischer Gesellschaftstheorie zeigen m\u00f6chte, dass sich mit Marx lediglich die \u00f6konomische Dimension des Sozialen sinnvoll erfassen l\u00e4sst. Zwei Punkte hebt Mei\u00dfner besonders hervor: Beer gehe einerseits mit ihrem Begriff des \u201eRealsubjekts\u201c von einer \u201evorg\u00e4ngigen Existenz von M\u00e4nnern und Frauen\u201c aus. Andererseits verhandele sie mit dem Begriff der \u201eBev\u00f6lkerungsweise\u201c Fortpflanzung und reproduktive T\u00e4tigkeiten ahistorisch und naturalisierend als \u201eGattungsproblem\u201c, ohne die Historizit\u00e4t dessen zu reflektieren, was Foucault unter dem Begriff der \u201eBiomacht\u201c fasst (551, 554f.). An diesen Unzul\u00e4nglichkeiten zeige sich insofern, dass die \u201eL\u00fccken\u201c, die Beer mit ihrer Erweiterung marxistischer Gesellschaftstheorie zu schlie\u00dfen versucht, vielmehr als Grenzen der Marx\u2019schen Analyse begriffen werden m\u00fcssten und andere Dimensionen sozialer Realit\u00e4t nur mit anderen theoretischen Zug\u00e4ngen wie Butlers Konzept der \u201eheterosexuellen Matrix\u201c oder Foucaults Verst\u00e4ndnis von \u201eMacht-Wissen-Regime\u201c ad\u00e4quat erfasst werden k\u00f6nnen (2011: 551).<\/p>\n<p>Ich teile hier zwar Mei\u00dfners Position, dass Beers Annahmen zur Geschlechterbinarit\u00e4t und Generativit\u00e4t <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> ahistorisch sind und insofern einer Problematisierung bed\u00fcrfen, nicht jedoch die theoretischen Konsequenzen, die sie daraus zieht. Denn ein Verst\u00e4ndnis moderner Gesellschaften als Pluralit\u00e4t von Strukturzusammenh\u00e4ngen mit je eigenen Dynamiken und entsprechenden Theorien und Darstellungsebenen steht seinerseits vor dem Problem, den immanenten Zusammenhang verschiedener Herrschaftsverh\u00e4ltnisse in der b\u00fcrgerlich-kapitalistischen Gesellschaft auf theoretischer Ebene aus dem Auge zu verlieren und ihn jeweils nur in Form raum-zeitlich eingegrenzter \u2018Momentaufnahmen\u2019 erfassen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Jenseits dessen bleibt lediglich die Feststellung, dass verschiedene Herrschaftsverh\u00e4ltnisse multipel miteinander interagieren und Verflechtungszusammenh\u00e4nge eingehen k\u00f6nnen. Dagegen haben beispielsweise Silvia Federicis Arbeiten zu den geschlechtlichen und kolonialen Dimensionen der so genannten \u201eurspr\u00fcnglichen Akkumulation\u201c gezeigt, dass die Reorganisation der patriarchalen Ordnung selbst eine wesentliche Grundlage f\u00fcr die Durchsetzung kapitalistischer Strukturen in Europa bildeten: Die Trennung von produktiver und reproduktiver Arbeit, die Etablierung einer spezifischen geschlechtlichen Arbeitsteilung sowie die Abwertung, Privatisierung und Unsichtbarmachung von feminisierter Reproduktionsarbeit geh\u00f6ren insofern genauso zu den strukturellen Bedingungen f\u00fcr die Existenz kapitalistischer Gesellschaften wie die Freisetzung, Kommodifizierung und Ausbeutung der (m\u00e4nnlichen) Arbeitskraft (2004: 90f., 118ff.). In diesem Prozess der Etablierung einer neuen kapitalistisch-patriarchalen Ordnung spielten \u201eHexenverfolgungen\u201c eine zentrale Rolle dabei, Frauen die Kontrolle \u00fcber ihren K\u00f6rper, ihre Sexualit\u00e4t und \u00fcber die biologische Reproduktion der Ware Arbeitskraft zu entziehen, weibliche Unterlegenheit zu naturalisieren und abweichende, widerst\u00e4ndige Subjektivit\u00e4t, die sich diesen Prozessen nicht f\u00fcgte, mit brutalen Mitteln zu verfolgen (109, 144, 225). Auch die Herausbildung bev\u00f6lkerungspolitischer Instrumente verortet Federici historisch im Gesamtzusammenhang der Herausbildung der kapitalistischen Produktionsweise und eines \u201eneuen Interesses an der Akkumulation und Reproduktion von Arbeitskraft\u201c (19). Generativit\u00e4t und die vielf\u00e4ltigen Formen ihrer sozialen und staatlichen Kontrolle und Problematisierung erscheinen bei Federici daher anders als bei Beer insofern nicht als etwas Ahistorisches, aber auch das R\u00e4tselhafte an Foucaults Theorie der Entwicklung der \u201eBio-Macht\u201c wird so in der Kontextualisierung dieses Prozesses innerhalb des Aufstiegs des Kapitalismus aufgel\u00f6st (19). Eine weitere Durchsetzungsbedingung der urspr\u00fcnglichen Akkumulation in Europa verortet Federici im Anschluss an Eric Williams auch in der kolonialen Expansion und der Ausbeutung versklavter Arbeitskraft: Dadurch wurden rassistische Formen der Arbeitsorganisation und sozialen Kontrolle sowie eine hierarchische internationale Arbeitsteilung etabliert, die Arbeit bis heute rassistisch segmentieren (128ff.).<\/p>\n<p>Federicis entscheidender Punkt ist hierbei nicht, dass sich all diese Prozesse auf die \u00f6konomisch-marktvermittelten Imperative kapitalistischer Verwertung zur\u00fcckf\u00fchren lassen. Sie sind kein funktionaler Reflex einer eng gefassten Kapitallogik, die alle gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse nach ihrem Bilde reorganisiert. Vielmehr gehen Fredericis \u00dcberlegungen andersherum dahin, dass \u201eder Kapitalismus als sozio-\u00f6konomisches System zwingend auf Rassismus und Sexismus angewiesen ist\u201c (21, Herv. ES). Rassistische und sexistische Verh\u00e4ltnisse sind also nicht nur historisch kontingent miteinander verflochten, sondern als elementare Bestandteile des historischen Entstehungsprozesses der b\u00fcrgerlich-kapitalistischen Gesellschaft tief in ihr soziales Gef\u00fcge eingelassen. Sicherlich ergibt sich aus dieser Perspektive eine Vielzahl neuer, ungekl\u00e4rter Probleme \u2013 insbesondere die Frage, ob Kapitalismus dann \u00fcberhaupt ohne Rassismus und Sexismus denkbar ist. F\u00fcr bedeutsam und weiterf\u00fchrend an dieser Perspektive halte ich aber, die Herausbildung der b\u00fcrgerlich-kapitalistischen Gesellschaft als Reorganisationsprozess einer Vielzahl gesellschaftlicher Widerspr\u00fcche und Verh\u00e4ltnisse zu verstehen, die gemeinsam einen spezifischen Zusammenhang konstituieren, der sich nicht auf eine Pluralit\u00e4t letztlich eigenst\u00e4ndiger Strukturlogiken reduzieren l\u00e4sst. Trotz ihrer Probleme scheint es mir deshalb unerl\u00e4sslich, Beers Projekt einer marxistisch-feministischen Gesellschaftstheorie, die nicht lediglich den Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit als Bestandteil der \u2018Anatomie\u2019 der b\u00fcrgerlich-kapitalistischen Gesellschaft begreift, gegen ihre eigenen ahistorischen Blindstellen weiterzutreiben.<\/p>\n<ol start=\"5\">\n<li><strong> Ausbeutung, Geschlechterverh\u00e4ltnisse und Rassismus als integrale Momente der b\u00fcrgerlich-kapitalistischen Gesellschaft<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Vier zentrale Punkte lassen sich abschlie\u00dfend festhalten: Erstens ging es mir darum deutlich zu machen, dass intersektionale Analysen zwar wichtige Beitr\u00e4ge zu einer herrschaftskritischen Perspektive leisten, indem sie eine Vielzahl sozialer Widerspr\u00fcche ins Auge fassen, ihr Analysefokus jedoch dazu tendiert, Diskriminierungsformen und Herrschaftsverh\u00e4ltnisse lediglich empiristisch und nicht auf der Ebene von Strukturzusammenh\u00e4ngen zu begreifen. Auch wenn Marx\u2019 und Adornos Begriffe gesellschaftlicher Realit\u00e4t hier wichtige Impulse liefern, wollte ich zweitens deutlich machen, dass ein solcher R\u00fcckgriff, wie er von Bannerji und Knapp vorgenommen wird, \u00fcbersieht, dass sich die Konzeptionen gesellschaftlicher Totalit\u00e4t sowohl bei Marx als auch bei Adorno in erster Linie auf \u00f6konomische Funktionszusammenh\u00e4nge beziehen und dabei unklar bleibt, wie eine Pluralit\u00e4t sozialer Widerspr\u00fcche gesellschaftstheoretisch gedacht werden kann. Althussers \u00dcberlegungen zum Begriff der \u201e\u00dcberdeterminierung\u201c erlauben es demgegen\u00fcber \u2013 und das scheint mir der dritte wichtige Punkt zu sein \u2013 eine Pluralit\u00e4t sozialer Widerspr\u00fcche mit einer in der marxistischen Tradition stehenden Konzeption gesellschaftlicher Totalit\u00e4t zu vermitteln, weil sie der relativen Autonomie von Ideologie und Politik sowie einzelner Widerspr\u00fcche Rechnung tragen, ohne sie ontologisch zu isolieren oder systemtheoretisch in ein blo\u00df \u00e4u\u00dferliches Wechselverh\u00e4ltnis struktureller Kopplungen zu bringen \u2013 die einzelnen Instanzen und Widerspr\u00fcche bleiben letztlich Teil eines komplexen, \u00fcbergreifenden Ganzen. Dieses Ganze wird nach Althussers Vorstellung durch eine Dominante, die \u00d6konomie, konstituiert und zusammengehalten.<\/p>\n<p>Im Anschluss an Althusser l\u00e4sst sich aber davon ausgehen, dass die b\u00fcrgerlich-kapitalistische Gesellschaft weitere Mechanismen der Selbstorganisierung und -zusammenf\u00fcgung ausbildet, die die Strukturen kapitalistischer Produktion selbst \u00fcberdeterminieren. Adornos \u00dcberlegungen verweisen hier auf die gewaltsame gesellschaftliche Integration durch Ideologie und die institutionelle Organisation sozialer Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse, aber auch auf Kontrollpraktiken und Repressionstechniken des Staates. Auch herrschaftliche Wissensformen wie die Soziologie und andere Dimensionen der symbolischen Ordnung konstituieren den gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang auf ihre je spezifische Weise. In diesem Sinne dr\u00e4ngen die Produktionsverh\u00e4ltnisse der kapitalistischen Gesellschaft zwar gleichzeitig zur Integration und Ausbildung immer weiterer sozialer Sph\u00e4ren und \u00dcberbaubereiche, wirken in diese hinein und durch sie hindurch, aber sie determinieren diese nie vollst\u00e4ndig. Viertens jedoch scheint Althussers Vorstellung der letztinstanzlichen Dominanz des \u00d6konomischen daran gebunden zu sein, im Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit den Hauptwiderspruch zu sehen. Meines Erachtens l\u00e4sst sich Althussers Konzeption gesellschaftlicher Totalit\u00e4t daher nur sinnvoll weiterdenken, wenn die Konzeption der \u00d6konomie als Basis innerhalb einer komplexen Struktur mit Dominante nicht gleichgesetzt wird mit der letztinstanzlichen Dominanz eines Hauptwiderspruchs, sondern die Konzeption der Basis in Anlehnung an Beer und Federici f\u00fcr die Ber\u00fccksichtigung weiterer Widerspr\u00fcche und Herrschaftsverh\u00e4ltnisse ge\u00f6ffnet wird.<\/p>\n<p>Eine so fundierte gesellschaftstheoretische Perspektive, wie sie hier im Anschluss an Althusser, Beer und Federici skizziert wurde, ginge also dar\u00fcber hinaus, den Zusammenhang verschiedener Herrschaftsverh\u00e4ltnisse lediglich empiristisch herzustellen; sie sperrt sich auch gegen Ans\u00e4tze, die unterschiedliche Herrschaftsverh\u00e4ltnisse und ihr Zusammenwirken lediglich als Totalit\u00e4t betrachten, ihre Verankerung in der Basis der kapitalistisch-b\u00fcrgerlichen Gesellschaft jedoch nicht theoretisch entwickeln. In diesem Sinne gilt es, eine \u00fcbergreifende Emanzipationsperspektive voranzutreiben und so, sowohl die Entstehung als auch Reproduktion der \u2018Anatomie\u2019 kapitalistischer Gesellschaften als Resultat der erfolgreichen Etablierung einer spezifisch kapitalistischen patriarchalen Ordnung und der Durchsetzung spezifisch kapitalistischer Formen von rassistischer Herrschaft und kolonialistischer Ausbeutung zu verstehen. Marxistische Gesellschaftstheorie als Theorie der Totalit\u00e4t kapitalistischer Verh\u00e4ltnisse, die die wichtigen Impulse intersektionaler Analysen kritisch reflektiert, muss in genau diesem Sinne immer auch Rassismustheorie und Theorie der Geschlechterverh\u00e4ltnisse sein, um ihren Potentialen gerecht zu werden.<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Adorno, Theodor W. (1962a): Sp\u00e4tkapitalismus oder Industriegesellschaft. (zitiert als SI) In: Tiedemann, Rolf (Hrsg.) (2003): Soziologische Schriften I. Band 8. Frankfurt\/Main, 354-370.<\/p>\n<p>\u2013 (1966a): Negative Dialektik. (zitiert als ND) In: Tiedemann, Rolf (Hrsg.) (2003): Negative Dialektik. Jargon der Eigentlichkeit. Gesammelte Schriften Band 6. Frankfurt\/Main, 13-412.<\/p>\n<p>\u2013 (1966b): Gesellschaft. (zitiert als GS) In: Tiedemann, Rolf (2003).: Soziologische Schriften I. Gesammelte Schriften Band 8. Frankfurt\/Main, 9-19.<\/p>\n<p>\u2013 (1969): Zur Spezifikation der kritischen Theorie. In: Theodor W. Adorno Archiv Frankfurt am Main (Hrsg.) (2003): Adorno. Eine Bildmonographie. Frankfurt\/Main, 292.<\/p>\n<p>Althusser, Louis (1962): Widerspruch und \u00dcberdetermination. Anmerkungen f\u00fcr eine Untersuchung (zitiert als W\u00dc). In: Derselbe (2011): F\u00fcr Marx. Gesammelte Schriften Band 3. Hg. von Frieder Otto Wolf, Berlin, 105-160.<\/p>\n<p>\u2013 (1963): \u00dcber die materialistische Dialektik. Von der Ungleichheit der Urspr\u00fcnge (zitiert als MD). In: Derselbe (2011): F\u00fcr Marx. Gesammelte Schriften Band 3. Hg. von Frieder Otto Wolf, Berlin, 200-279.<\/p>\n<p>Bannerji, Himani (2005): Building From Marx. Reflections on Class and Race. In: Social Justice 32, 144-160.<\/p>\n<p>Beer, Ursula (1990): Geschlecht, Struktur, Geschichte. Soziale Konstituierung des Geschlechterverh\u00e4ltnisses. Frankfurt\/Main.<\/p>\n<p>Brenner, Johanna (2002): Intersections, Locations, and Capitalist Class Relations. Intersectionality from a Marxist Perspective. In: Nancy Holmstrom (Hrsg.): The Socialist Feminist Project. New York, 336-348.<\/p>\n<p>Collins, Patricia Hill (1995): On West and Fenstermaker\u2019s \u201eDoing Difference\u201c. In: Gender &amp; Society. Heft 9, 4\/1995, 491-513.<\/p>\n<p>Combahee River Collective (1983): The Combahee River Collective Statement. In: Smith, Barbara (Hrsg.): Home Girls. A Black Feminist Anthology. New York, 264-274.<\/p>\n<p>Davis, Kathy (2008): Intersectionality as buzzword. A sociology of science perspective on what makes a feminist theory successful. In: Feminist Theory 9, 67-85.<\/p>\n<p>Demirovi\u0107, Alex (2011): Kritische Gesellschaftstheorie und die Vielfalt der Emanzipationsperspektiven. In: PROKLA 165, 519-542.<\/p>\n<p>\u2013 (2012): Was bedeutet die Aktualit\u00e4t Kritischer Theorie? In: Anhorn, Roland\/Bettinger, Frank\/Horlacher, Cornelis\/Rathgeb, Kerstin (Hrsg.): Kritik der Sozialen Arbeit \u2013 kritische Soziale Arbeit. Wiesbaden, 27-42.<\/p>\n<p>Eggers, Maureen Maisha\/Kilomba, Grada\/Piesche, Peggy\/Arndt, Susan (Hrsg.) (2005): Konzeptionelle \u00dcberlegungen. In: dies.: Mythen, Masken und Subjekte. Kritische Wei\u00dfseinsforschung in Deutschland. M\u00fcnster, 11-13.<\/p>\n<p>Federici, Silvia (2012): Caliban und die Hexe. Frauen, der K\u00f6rper und die urspr\u00fcngliche Akkumulation. Wien.<\/p>\n<p>Heinrich, Michael (2011): Die Wissenschaft vom Wert. Die Marxsche Kritik der politischen \u00d6konomie zwischen wissenschaftlicher Revolution und klassischer Tradition. M\u00fcnster.<\/p>\n<p>Horkheimer, Max\/Adorno, Theodor W. (2008 [1944]): Dialektik der Aufkl\u00e4rung. Philosophische Fragmente. Frankfurt\/Main.<\/p>\n<p>J\u00e1noska, Judith\/Bondeli, Martin\/Kindle, Konrad\/Hofer, Marc (1994): Das \u2018Methodenkapitel\u2019 von Karl Marx. Ein historischer und systematischer Kommentar. Schwabe. Basel.<\/p>\n<p>Kimberl\u00e9 Crenshaw (1989): Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine. In: The University of Chicago Legal Forum, 139-167.<\/p>\n<p>Klinger, Cornelia\/Knapp, Gudrun-Axeli (2007): Achsen der Ungleichheit \u2013 Achsen der Differenz. Verh\u00e4ltnisbestimmung von Klasse, Geschlecht, \u2018Rasse-Ethnizit\u00e4t\u2019. In: Klinger, Cornelia\/<\/p>\n<p>Knapp, Gudrun-Axeli\/Sauer, Birgit (Hrsg.): Achsen der Ungleichheit. Zum Verh\u00e4ltnis von Klasse, Geschlecht und Ethnizit\u00e4t. Frankfurt\/Main, 19-41.<\/p>\n<p>Knapp, Gudrun-Axeli (2008): Verh\u00e4ltnisbestimmung. Geschlecht, Klasse, Ethnizit\u00e4t in gesellschaftstheoretischer Perspektive. In: Klinger, Cornelia\/Knapp, Gudrun-Axeli (Hrsg.): \u00dcber-Kreuzungen. Fremdheit, Ungleichheit, Differenz. M\u00fcnster, 138-170.<\/p>\n<p>Laclau, Ernesto\/Mouffe, Chantal (2006): Hegemonie und radikale Demokratie. Zur Dekonstruktion des Marxismus. Wien.<\/p>\n<p>MEW = Marx-Engels-Werke, Berlin.<\/p>\n<p>Mei\u00dfner, Hanna (2011): Totalit\u00e4t und Vielfalt \u2013 gesellschaftliche Wirklichkeit als multidimensionaler Zusammenhang. In: PROKLA 165, 543-560.<\/p>\n<p>Winker, Gabriele\/Degele, Nina (2009): Intersektionalit\u00e4t. Zur Analyse sozialer Ungleichheiten. Bielefeld.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><em><a href=\"http:\/\/www.prokla.de\/index.php\/PROKLA\/article\/view\/256\/224\">prokla.de&#8230;<\/a> vom 23. November 2018<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Die Kursivsetzung des Adjektivs wei\u00df und die Gro\u00dfschreibung des Adjektivs Schwarz soll den Konstruktcharakter dieser Kategorie sprachlich markieren (vgl. Eggers et al. 2005: 13).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> F\u00fcr historisch halte ich jedoch nicht das Generativit\u00e4tserfordernis selbst, dieses ist<\/p>\n<p>vielmehr eine Existenzbedingung menschlicher Gesellschaften. Historisch wandelbar<\/p>\n<p>sind aber die sozialen Formen, in denen dies organisiert wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Etienne Schneider. F\u00fcr Marx ist die b\u00fcrgerliche Gesellschaft grunds\u00e4tzlich widerspr\u00fcchlich: Sie ist durchzogen vom zentralen Antagonismus, dass sich eine herrschende Gruppe den gesellschaftlichen Reichtum und<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6],"tags":[25,87,32,13,45,14],"class_list":["post-4464","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","tag-arbeiterbewegung","tag-arbeitswelt","tag-frauenbewegung","tag-marx","tag-neoliberalismus","tag-postmodernismus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4464","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4464"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4464\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4465,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4464\/revisions\/4465"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4464"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4464"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4464"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}